Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Schlagwort-Archiv: Eliten

Scheinevidenzen

Hervorragender Artikel zu Plasbergschen und Sarrazinschen Suggestions – und Gehirnwäschetechnicken in der F.A.Z.:

„Anders gefragt: „Kann man Fehlentwicklungen korrigieren, ohne sie deutlich zu markieren?“ Die Frage stellen hieße in jedem Kontext alltäglicher Verständigung die Antwort provozieren: Alter, frag doch nicht so blöd! In Plasbergs Dramaturgie wird durch die in der Sendung am Mittwoch unbeantwortete Frage die Sachhaltigkeit von Sarrazins Vortrag fraglos gestellt. Ist demnach die Prozentrechnung in Sarrazins Händen jenseits der Geldmengenlehre tatsächlich ein Instrument der Verdeutlichung? Ein anderes Beispiel aus dem Interview: die Tatsache, dass „die moderne Architektur zu achtzig Prozent aus funktionalen und ästhetischen Irrtümern besteht“. Daran ist nach Matussek wahrscheinlich auch nicht zu rütteln.“

Vorschläge für lustige, klischeegesättigte Alternative-Fragen erwünscht:

– Stimmt es, dass FDP-Wähler einfach nur asozial sind, oder sind sie tatsächlich rechts?

– Besteht der Vorstand der Deutschen Bank einfach nur aus einer Horde von unzurechnungsfähigen Psychopathen, oder kann man von bewußer Böswilligkeit reden?

– Ist es ausreichend, Berlin mit Vietnamesen nur aufzufüllen, oder sollte man alle Deutschen gleich ganz raus schmeißen? Zumindest jene 70%, die kein Abitur haben?

– Ficken Türken und Araber einfach nur besser und „produzieren“ deshalb mehr Kopftuchmädchen als die saft- und arschlosen Deutschen, oder haben sie dabei auch noch mehr Spaß als diese (merke: Wenn schon rassistische Klischees, dann aber auch richtige?)

– Können die Deutschen von der Kinderfreundlichkeit der Araber und Türken etwas lernen, oder ist dafür das Risiko zu groß, dass doch immer nur die Falschen Kinder krigen?

– Sollten auch Unterschichtenkinder deutschvölkischer Herkunft Kopftücher tragen müssen, damit man die Gefahr deutlicher erkennt, oder sieht man das den dicken und dummen Dingern eh schon genug an wegen ihrer schlechten Zähne?

– Ist die Zwangsterilisierung von Unterschichten ausreichend, oder wäre nicht doch Deportation die bessere Lösung?

– Wäre die Lage von Berlin noch schlimmer, wenn da nun auch noch Neger statt nur Türken und Arabern wucherten, oder ließe sich das durch den gezielten Import von Ostjuden kompensieren?

– Ist es ausreichend, in Teilen Berlins Türkisch als Amtsprache einzuführen, oder sollte man das auf ganz Berlin ausdehnen, damit die Deutschen endlich mal Türkisch lernen?

Weitere Vorschläge erbeten! Ich bin ja übrigens dem Sarrazinschen Mtto „Klasse statt Masse!“ folgend für dessen Ausweisung … von solchen Sprücheklopfern gibt’s doch alleine in der Blogosphäre schon genug.

Advertisements

Wo sie recht hat, hat sie recht!

Notare enteignen? Hilft das?

Habe hier ja neulich für institutionelle Interferenzzonen zwischen „Staat“ und „Wirtschaft“ plädiert, wohlweislich betonend, daß die Trennung zwischen beidem eh Quatsch ist.

Was ich bei diesem paradoxen Befund gerade nicht meinte, das war die „Bildungspolitik“. Da wurde von neoliberalen Propagandisten ja nun auch jahrzehntelange versucht, soziale Ungleichheit möglichst bis in’s Unendliche fortschreibend fortwährend zu verstärken – zumeist mit dem Argument, daß Kinder armer Eltern sich über Kredit ihre „Gebühren“ erkaufen könnten, also ran den den Tropf des Hamsterrades namens „Kapitalismus“, an den man gelegt wird wie ’n Hund an die Kette, bis man in die Obdachlosigkeit freigesetzt wird oder mit 50 dann Magenkrämpfe bekämpft und die „L’Oreal Man Expert“-Augenfalten-Créme auch nix mehr auszurichten vermag. Bin an letzterem schon mit 42 nah dran.

Hehre Vorbilder waren dann immer die „Elite“-Institutionen im angloamerikanischen Raum – war ja nur ’ne Frage der Zeit, bis die „Finanzkrise“, also der Kapitalismus selbst, von hinten im Nacktscanner betrachtet, „Leck mich!“ ruft er schelmisch, in die hehren Hallen der Herrenmenschen, also Kaderschmieden derer, die sich als „Elite“ behaupten,  spazieren würde.

Harvard hat sich ganz elitär verzockt, und für die Elite von morgen wird’s finster:


„Erschwerend kommt hinzu, dass Studienkredite – neben dem Ersparten häufig das einzige Finanzierungsmittel – seit Mitte des Jahres nur noch schwer zu haben sind, weil viele US-Banken gerade für die preiswerteren Colleges ohne großen Namen keine mehr vergeben. Für die Mehrheit der Studienberechtigten dürfte nun selbst der 4000-Dollar-Bildungszuschuss, den Barack Obama bei seiner Präsidentschaftswahl versprochen hat, zu spät kommen.

Nicht minder hart trifft die Finanzkrise die Hochschulen auf den britischen Inseln. Als Mitte Oktober mehrere isländische Banken vor ihrem Bankrott zwangsverstaatlicht wurden, fehlte zwölf englische Universitäten 77 Millionen Pfund. Nach Angaben des Hochschulförderrats HEFC verloren allein Oxford und Cambridge 30 beziehungsweise elf Millionen Pfund. Universitätsminister John Denham appellierte daraufhin im Fernsehsender BBC an die „Studenten, Geschäftspartner und Spender, die Hochschulen mit dem gleichen Grad an Vertrauen zu behandeln wie bisher.“

Das hochgradig privatisierte Hochschulwesen der Briten könnte indes noch weiter in die Krise rutschen“

Ja, Maggie, es gibt gar keine Gesellschaft. Ja, Maggie, ist schon okay …

Und, wo ich schon so häufig bei meinen Interferenzzonen verweile: Neulich, als wir aus der Pracht-Kanzlei „unserer“ Notare und Gesellschaftsrechtler kamen, raunte mir selbst mein zukünftiger Mitgesellschafter mit Banker-Vergangenheit etwas bitter „Notare haben aber auch ’ne Lizenz zum Gelddrucken!“ in’s Ohr.

So als merkwürdge Transzendentalien, also Möglichkeitsbedingungen des hiesigen Wirtschaftslebens sitzen die ja recht unanfechtbar mit Blick auf Börse und Handelskammer in Innenstädten herum und tauchen auf jeder Sparkassen-Seite bei den „Kalkulatoren“ für Wohneigentum an recht prominenter Stelle auf. So als Hüter des heiligen „Vertrages“.

Wahrscheinlich, weil sie eigentlich gerne an Eliteuniversitäte studiert hätten, aber in Deutschland ja nicht mehr durften, als Napola (hieß das so?) und so wech waren,  und dann saß man so um 48 herum in der Burschenschaft Germania oder so, vielleicht in Bonn, Göttingen oder Münster, und heckte Pläne aus, wie man sich rächen kann am Kleinmut und mangelnden Heldentum des Neuen Deutschlands, und baute rechtssystemtaisch zuerst mal die Rolle des Notars aus  … wobei der Deckname „IM Notar“ ja drauf verweist, daß es sowas sogar in der DDR gegeben haben könnte.

Aber die Unterschiede zwischen SED-Staat und einem Rechtssystem, das in der Tiefenstuktur seines realen Existierens ganz im Gegensatz zu seinen verfassungsrechtlichen Grundlagen eben Eigentumsschutz ist und sonst gar nix und Regeldokumentaristen dafür fürstlich entlohnt, die begreife ich eh zunehmend weniger.

Doch komischerweise wird in der Jahrzehnte währenden, neoliberalen Propaganda bei all den Attacken auf „Bürokratie“ so im ganz allgemeinen die Notars-Dimension selten nur erwähnt. Wahrscheinlich, um das potenzielle Klientel für Elite-Universitäts-Eleven nicht zu verschrecken …