Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Schlagwort-Archiv: der Kapitalismus von hinten im Nacktscanner

Man kann es ja nicht oft genug betonen …

Zudem sind die Finanzmärkte in den letzten drei Jahrzehnten erheblich schneller gewachsen als die Produktion. Dieses enorme Wachstum ist unter anderem die Folge enormer Umverteilungsprozesse in den entwickelten kapitalistischen Ländern. Während die Reallöhne seit den Achtzigerjahren nur mäßig gestiegen sind, haben Unternehmensgewinne und die Einkommen aus selbstständiger Arbeit enorm zugenommen. Zugleich wurden viele Schwellen- und Entwicklungsländer zu Nettokapitalexporteuren. In Form von Zins- und Tilgungszahlungen exportierten sie weit mehr Kapital in die entwickelten Länder, als sie von dort in Gestalt von Direktinvestitionen und sogenannter Entwicklungshilfe erhalten haben. Immer größere Teile der wachsenden Unternehmensgewinne, der steigenden Einkommen der oberen Einkommensklassen und des den Drittweltländern entzogenen Kapitals flossen in die seit den Siebzigerjahren zunehmend deregulierten Finanzmärkte.

 

Eine ganz hervorragende Marx-Exegese heute in der taz. Pflichtlektüre für alle, die sich über die Markt-Platoniker lange genug geärgert haben. Die die seltsame Trennung von Real- und Finanzwirtschaft nicht glauben wollen, die die aktuelle Krise als den kapitalitischen Gesetzmäßigkeiten  innewohnend begreifen und sie nichtsdestotrotz auch als Folge der Politik des neoliberalen Paradigmas erklären können.

Jeder, der Thatcher zitiert, kann sich auf’s T-Shirt drucken: „Ich habe sie mit herbeigeredet!“ Und diese Verlinkung sei mal dem Noergler gewidmet, auch wenn Verlinkungs-Widmungen ja seltsam sind, von dem habe ich da viel gelernt.

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Notare enteignen? Hilft das?

Habe hier ja neulich für institutionelle Interferenzzonen zwischen „Staat“ und „Wirtschaft“ plädiert, wohlweislich betonend, daß die Trennung zwischen beidem eh Quatsch ist.

Was ich bei diesem paradoxen Befund gerade nicht meinte, das war die „Bildungspolitik“. Da wurde von neoliberalen Propagandisten ja nun auch jahrzehntelange versucht, soziale Ungleichheit möglichst bis in’s Unendliche fortschreibend fortwährend zu verstärken – zumeist mit dem Argument, daß Kinder armer Eltern sich über Kredit ihre „Gebühren“ erkaufen könnten, also ran den den Tropf des Hamsterrades namens „Kapitalismus“, an den man gelegt wird wie ’n Hund an die Kette, bis man in die Obdachlosigkeit freigesetzt wird oder mit 50 dann Magenkrämpfe bekämpft und die „L’Oreal Man Expert“-Augenfalten-Créme auch nix mehr auszurichten vermag. Bin an letzterem schon mit 42 nah dran.

Hehre Vorbilder waren dann immer die „Elite“-Institutionen im angloamerikanischen Raum – war ja nur ’ne Frage der Zeit, bis die „Finanzkrise“, also der Kapitalismus selbst, von hinten im Nacktscanner betrachtet, „Leck mich!“ ruft er schelmisch, in die hehren Hallen der Herrenmenschen, also Kaderschmieden derer, die sich als „Elite“ behaupten,  spazieren würde.

Harvard hat sich ganz elitär verzockt, und für die Elite von morgen wird’s finster:


„Erschwerend kommt hinzu, dass Studienkredite – neben dem Ersparten häufig das einzige Finanzierungsmittel – seit Mitte des Jahres nur noch schwer zu haben sind, weil viele US-Banken gerade für die preiswerteren Colleges ohne großen Namen keine mehr vergeben. Für die Mehrheit der Studienberechtigten dürfte nun selbst der 4000-Dollar-Bildungszuschuss, den Barack Obama bei seiner Präsidentschaftswahl versprochen hat, zu spät kommen.

Nicht minder hart trifft die Finanzkrise die Hochschulen auf den britischen Inseln. Als Mitte Oktober mehrere isländische Banken vor ihrem Bankrott zwangsverstaatlicht wurden, fehlte zwölf englische Universitäten 77 Millionen Pfund. Nach Angaben des Hochschulförderrats HEFC verloren allein Oxford und Cambridge 30 beziehungsweise elf Millionen Pfund. Universitätsminister John Denham appellierte daraufhin im Fernsehsender BBC an die „Studenten, Geschäftspartner und Spender, die Hochschulen mit dem gleichen Grad an Vertrauen zu behandeln wie bisher.“

Das hochgradig privatisierte Hochschulwesen der Briten könnte indes noch weiter in die Krise rutschen“

Ja, Maggie, es gibt gar keine Gesellschaft. Ja, Maggie, ist schon okay …

Und, wo ich schon so häufig bei meinen Interferenzzonen verweile: Neulich, als wir aus der Pracht-Kanzlei „unserer“ Notare und Gesellschaftsrechtler kamen, raunte mir selbst mein zukünftiger Mitgesellschafter mit Banker-Vergangenheit etwas bitter „Notare haben aber auch ’ne Lizenz zum Gelddrucken!“ in’s Ohr.

So als merkwürdge Transzendentalien, also Möglichkeitsbedingungen des hiesigen Wirtschaftslebens sitzen die ja recht unanfechtbar mit Blick auf Börse und Handelskammer in Innenstädten herum und tauchen auf jeder Sparkassen-Seite bei den „Kalkulatoren“ für Wohneigentum an recht prominenter Stelle auf. So als Hüter des heiligen „Vertrages“.

Wahrscheinlich, weil sie eigentlich gerne an Eliteuniversitäte studiert hätten, aber in Deutschland ja nicht mehr durften, als Napola (hieß das so?) und so wech waren,  und dann saß man so um 48 herum in der Burschenschaft Germania oder so, vielleicht in Bonn, Göttingen oder Münster, und heckte Pläne aus, wie man sich rächen kann am Kleinmut und mangelnden Heldentum des Neuen Deutschlands, und baute rechtssystemtaisch zuerst mal die Rolle des Notars aus  … wobei der Deckname „IM Notar“ ja drauf verweist, daß es sowas sogar in der DDR gegeben haben könnte.

Aber die Unterschiede zwischen SED-Staat und einem Rechtssystem, das in der Tiefenstuktur seines realen Existierens ganz im Gegensatz zu seinen verfassungsrechtlichen Grundlagen eben Eigentumsschutz ist und sonst gar nix und Regeldokumentaristen dafür fürstlich entlohnt, die begreife ich eh zunehmend weniger.

Doch komischerweise wird in der Jahrzehnte währenden, neoliberalen Propaganda bei all den Attacken auf „Bürokratie“ so im ganz allgemeinen die Notars-Dimension selten nur erwähnt. Wahrscheinlich, um das potenzielle Klientel für Elite-Universitäts-Eleven nicht zu verschrecken …