Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Schlagwort-Archiv: Blogs als Kunst

Soziale Plastik, blog-analog

Ist ja nicht so, daß das hier nicht auch ein neues Zuhause wäre. Nach WG-Krach kommt das vor. Da räumt der eine die Küche nicht richtig auf und stopft sie stattdessen voll mit irrelevanten Accessoires, den anderen nerven die Parolen, die repetitiv an Wände gesprüht werden.

So zieht man um, als Single ist man das alleine wohnen auch gewohnt und weiß es sehr zu schätzen – richtet sich neu ein, und Dank so freundlicher Gastgeber wie diesem hier fühlt man sich schnell wohl und geborgen.

Je nach Perspektive kann man das, was in und zwischen Blogs passiert, als „soziale Plastik“ begreifen. Habe ich oft schon gedacht, auch bei sehr langen Diskussionen in der Kommentarsektion, daß die hier und andernorts initiierte Kommunkation durchaus aus dem Kunst-Blickwinkel begriffen werden kann.

Starke Figuren, Konflikt, Konflikt, Konflikt und eine detail- und facettenreich gezeichnetes, gesellschaftliches Panorama – mir fiel bisher nur noch nicht so recht ein,  welche Art der Präsentation den Blickwinkel so variieren würde, daß ALS Kunst-Projekt so manche Debatte auch erkennbar würde. Mal ganz abgesehen von urheberrechtlichen Fragen.

Weil: So weit weg von dem, was wir hier so treiben, scheint das folgende Kunstprojekt gar nicht zu sein:

 

„Das Prinzip ihres Projekts ist, dass man für ein Jahr frei wohnen kann und dafür ein Tagebuch führt, dessen Einträge am Ende in ein gemeinsames Buch eingehen.

Tagebuch ist nur die griffige Formel. Es geht vor allem darum, dass ein gemeinsamer Text entsteht, wie der auch aussieht und was der auch beinhaltet. Auch da ist der Gedanke, den Kredit, den wir Einzelnen, Künstlern oder dem zu bestaunenden Meisterwerk zugestehen, der Gesellschaft als Ganzes zu geben. Ich stelle mir vor, dass die ganze Gesellschaft ein großer Schriftsteller ist und dass während einem Jahr aus den Beiträgen vieler Menschen ein Text entstehen kann, der der Betrachtung und Kenntnisnahme würdig ist.“

 

Nur, daß der virtuelle Raum hier durch realen, das Kontinuum, die Prozesshaftigkeit durch eine Veröffentlichung hinterher umgangen wird. Ist das Anachronismus oder gerade gut? Und kann mir mal jemand die Telefonnummer von dem geben, der das alles finanziert?

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