Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Sichtweisen

Leerer Formalismus, das falsche Allgemeine und strukturelle Dominanz: Die Debatte um die „Hate Speech“-Broschüre der Antonio Amadeu-Stiftung

Jetzt habe ich sie auch mal gelesen – die Broschüre „Geht sterben! – Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet“ der Antonio-Amadeu-Stiftung.

In Blogs überregionaler Tageszeitungen verbreiten angesichts derer mutmassliche Möchtegern-Noltes wiederholt vermeintlich begründete Ängste vor dem „Internet-Gulag“ und allgegenwärtiger Zensur, im Jahr 2016 heroisch den Weltkommunismus und allerortens präsenten Stalinismus‘ bekämpfend.

In meinen Augen nähren sie so Vorstellungen eines „freien, gesunden Volksempfindens“, das sich, angeblich in den Widerstand gedrängt, den Attacken aggressiver Minderheiten ausgesetzt sieht und so in legitimer Gegenwehr zu allen rhetorischen Waffen greift. Um mit diesen wildwütig um sich zu schießen.

Am allerliebsten auf Frauen dreschen sie auf ein (Anetta Kahane, Julia Schramm). Fast, als hätten sie zu viel Nietzsche gefrühstückt und müssten nun mit Peitschen bewehrt tradiert verinnerlichte Erziehungsansprüche des Mannes als solchem ausleben.

Andere wiederum gröhlen reflexartig „aber die Linksexremen“, erklären Polizisten zur marginalisierten, von „Hate Speech“ („ACAB“) tief traumatisierten Minderheit – um im Gegensatz zu dem „Zensur“-Geschrei wenigstens Mehr von diesem Beitrag lesen

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DIE ZEIT, ihr Kampagnenjournalismus und warum Simon Urban mutmaßlich auch einfach nur beleidigt ist

Alle Tage wieder .. ja, bei zeit.de.

Herrschaftstabilisierende Argumentationsverweigerung im Schreihals-Akkord.

Aktuell: Simon Urban. Einer von den Schriftstellern, die zu lesen mich nicht interessieren würde.

Simon Urban ist einer, der über die eigene Irrelevanz hinaus zu wachsen versucht, indem er sich an eine mehrheitsgesellschaftliche, medial akut weit verbreitete Mode andockt.

Eine, die öde wäre, würde sie nicht schlicht die Macht jener absichern, Mehr von diesem Beitrag lesen

Zugehörigkeiten und: Ist nicht genug für alle da?

Für Drehbuch- und Romanautoren gibt es ein recht inspirierendes Werk namens „Der Publikumsvertrag„.

Es dekliniert durch, wie fiktionale Werke dadurch ihre Leser und Zuschauer gewinnen, dass sie ein Dazugehörenwollen in den Mittelpunkt stellen – zu wie auch immer definierten „Gemeinschaften“.

Dem folgt eine Serie wie „Gossip Girl“, deren Plot dadurch angeschoben wird, dass Dan, der Sohn des Galeristen aus Brooklyn, gerne zur High Society der Upper East Side New Yorks gehören möchte (und seine Schwester Jenny noch um einiges stärker, wozu sie sich allerlei Demütigungen aussetzt – bis sie aus der Stadt gemobbt und intrigiert wird). Das für den Zuschauer Tröstliche der Soap ist, dass die Gesellschaft der Upper East Side  derart von Intrigen, unsäglichem Umgang miteinander Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Geburt der „Gemeinschaft des FC St. Pauli“ aus dem Geiste der Romantik?

Nein, es muss nicht jede_r sich in der politischen und Geistes-Geschichte des 19. Jahrhunderts auskennen. Bezieht mensch sich freilich explizit darauf, so wären ein paar Recherchen nix, was schaden würde.

„Tölle stellte u.a. in einer urkomischen Performance mit Lothar Matthäus einen der „ganz großen Romanciers des Fußballs“ vor und sorgte mit einem einleitenden Text des Dichters Friedrich von Hardenberg alias Novalis (1798) für einen ungewöhnlichen Start. „Die Welt muss romantisiert werden!“, forderte Novalis in seinem Text, der so etwas wie ein „Grundprogramm der Romantik“ darstellt.

Sein Ziel, „dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Endlichen einen unendlichen Schein“ zu geben, finde sich auch heute im Fußball wieder, so Christoph Nagel: „Ein Ball rollt in ein Netz. Eigentlich nichts Besonderes. Aber jeder hier im Saal weiß, was für unendliche Gefühle das auslösen kann!““

Ja, witzig, bierselig-sentimental in der Unendlichkeit zu schwelgen. Nun ist die Zusammensetzung eines Panels nie zufällig, und ist nur eine Frau dabei, fällt das eh schon auf. Um so mehr, wenn zwei Tage später auf dem Platz jene, deren Sichtweisen auf die weißdeutsche „Romantik“ und wie sie sich beim Moderator, Rettig oder Tölle artikuliert, mich tatsächlich interessieren würden, nämlich die Spieler des FC Lampedusa, jene Rolle einnehmen, die Schwarzen in dieser Gesellschaft eingeräumt wird: Fussball spielen. Dabei weiß jeder, der ihnen je lauschte, wie ungeheuer lehrreich das ist. Warum diskutiert da keiner mit? Wurden sie gefragt und wollten nicht? Falls ja, und sie wollten nicht, erübrigt sich der Einwand.

Ich habe auch gegen Novalis nix einzuwenden, würde von Moderatoren des ach so politischen FC St. Pauli wenigstens, Historiker!, sich mal schlau gemacht im Vorfeld, Mehr von diesem Beitrag lesen

Wessen Sorgen ernst nehmen? Deutschvölkische Selbstbezüglichkeit und Möglichkeiten ihrer Auflösung

Zunächst hatte ich ja den Eindruck, dass zu Pegida & Co letztlich alles gesagt wurde und ich nun nicht auch noch meinen Senf dazu geben müsse.

Je weiter sich die Sabbel-Spirale dreht, desto mehr schwindet dieser Eindruck. Es ist schon erstaunlich, wie alle möglichen eh schon allseits Präsenten ihre Süppchen im multimedialen Kochduell anrühren. So z.B. die FAZ:

„Auch der Ruf der Pegida-Protestierer „Wir sind das Volk“ ist eine Umdeutung. Er stand für die friedliche Revolution und den Kampf um Freiheit, jetzt steht er für Abgrenzung. Die Diffamierung einzelner Journalisten ist auch Teil der Strategie; so wurde ein Redakteur der „Sächsischen Zeitung“, die Pegida von Anfang an kritisch begleitet, vor der Semperoper namentlich angeprangert, um ihn in Dresden zu diskreditieren.“

Der Ruf ist KEINE Umdeutung, setzt man jenen Zeitraum an, da aus dem „Wir sind das Volk“ als Claim der Bürgerrechtler „Wir sind ein Volk“ wurde, als maßgeblich für die Aktualität an. Als Helmut Kohl seine – waren es 10 Punkte in seinem Plan? – „Wieder“vereinigungsbestrebungen verkündete und so die völkische Wende der DDR-„Revolution“ für sich zu nutzen wusste.

Nein, das Ziel sind trotz „Lügenpresse“-Rufen NICHT vor allem Redakteure der Süddeutschen und auch nicht der FAZ, es sind PoC, Muslimifizierte und tatsächlich sich als Muslime Verstehende. Es sind laut Pediga-Flugblättern auch dem „Genderwahn“ Verfallene, die längst gehäuft mit Morddrohungen überzogen werden, und da, wo sich der völkische Mob mit den Bildungsplangegnern mischt, wie immer schon auch LGTBIQ-People. Die man allenfalls dann mal gebrauchen kann, wenn es darum geht, Heterosexismus zu externalisieren.

Das mag ja für solche wie jene von der FAZ eine neue Erfahrung sein Mehr von diesem Beitrag lesen

Theorie ist nicht Praxis und Macht wirkt in den Beziehungen: Noch mal was zu den „Sprecherpositionen“

Endlich mal eine Kritik der Theorie der Sprecherpositionen, jüngst auch rund um dieses Blog wieder kontrovers diskutiert, mit der es sich auseinanderzusetzen lohnt. Lesen, ich zitiere extra nicht, um die Lektüre des Textes dort Lesenden, nicht hier Ausschnitte Rezipierenden, zum empfehlen.

Und da fangen die Problem schon an: Habe nun ich Texte in einem feministischen Blog zu kommentieren? Was MACHE ich denn, wenn ich das tue?

Ich nehme zunächst mal in Anspruch, irgendetwas besser zu wissen als das verlinkte Blog. Automatisch. Ohne dabei ausklammern zu können, was das in der sich konstituierenden Intersubjektivität heißt. Und das auch noch als jemand, der doch zunächst von feministischen Perspektiven viel lernen kann, der viel mehr feministische Studien überall immens wichtig fände und wünschte, dass sie Gehör fänden und ungestört Wirkung entfalten könnten. Und der vor allem die omnipräsente maskulistische Maulstopferei, die sich auch Mehr von diesem Beitrag lesen

Erläuterungen zum offenen Brief an die Mannschaft

Der letzte Blog-Eintrag „Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …“ ist in der Geschichte dieses Blogs der mit Abstand meistgelesene. Das war tatsächlich zu meiner Überraschung mein persönlicher Besucherrekord. Und wurde nun auch noch im Abendblatt zitiert.

Ich habe damit, wie man so sagt, wohl „einen Nerv“ getroffen, sehr viel Zustimmung, Unterstützung und Beifall gefunden. Dafür einen ganz herzlichen Dank! Es hat allerdings auch derart drastische Gegenreaktionen gegeben, dass ich mich davon noch erhole. Weil die Attacken an einem Punkt ansetzen, der mir so neu nun auch nicht ist in der „aktiven Fanszene“, was auf Dauer zermürbt.

Es wurde nun schon zu mehr Liebe statt wechselseitigem Zerfleischen aufgerufen, völlig richtig und Danke! – ich will versuchen, die kritisierten Punkte, die ich weiterhin für sachlich gerechtfertigt erachte, nun noch einmal aufzugreifen in einem eigenen Eintrag. Der wird jetzt sehr lang, sehr ausführlich, sehr anstrengend und ich kenne viele, die den Text sehr viel besser schreiben könnten als ich. Die kann mensch allesamt ganz simpel googeln 😉 … wie Rezepte für Hähnchen im Wok ja auch. Und über Anmerkungen, Korrekturen und Ergänzungen freue ich mich sehr.

Freilich werde ich die Punkte nicht erläutern, um sie im Sinne des „Absolutismus“ eines Blogs mit normalerweise eher geringer Reichweite nun allseits zu verordnen.

Wenn nicht stpauli.nu mich verlinkt, ist dieses Blog, von einem vereinzelten, schwulen St. Pauli-Fan betrieben, keine mit besonderer Machtfülle ausgestattete, gesellschaftliche Position. Da ich nun selbst regelmäßig ganz schön zulange, kann und muss ich mit Antworten und Kritik auch gut leben. Manche setzen allerdings auf Ebenen an, dass es schwerer fällt. Die aktivieren das, was ich schon auf dem Schulhof fürchtete und was sehr schnell geschieht, kratzt mensch an mehrheitsgesellschaftlichen Selbstverständnissen.

Auf die sachlich manche Lesende irritierenden, manche auch zu harschen Reaktionen animierenden Passagen sei nun noch mal erläuternd eingegangen für die Interessierten, Mehr von diesem Beitrag lesen

Der Terror tief sitzender Elternängste

„Angeregt durch das Studium bei Eberhard Jüngel und Wolfhart Pannenberg, gilt ihr besonderes Interesse der Systematischen Theologie.“

Was erforscht mensch denn wohl im Zusammenhang der „systematischen Theologie“?

Ich meine die Frage völlig unverächtlich. Ein Buch hier auf meinem Regal wendet Heideggers Frage nach dem „Sein des Seienden“ systematisch auf verschiedene Religionen an. Das ist alles andere als uninteressant. Antworten sind denkbar wie „in allem materiellen Sein steckt das Göttliche“, „das Göttliche ist jenseitig, wir dürfen es erst erfahren, wenn wir all die Prüfungen des Irdischen bestanden haben“, „Gottes Wille ist unergründlich und rätselhaft, lasset uns beten!“, „Gottes Wort steht in den heiligen Schriften, wir müssen es nur verstehen und befolgen“. Und so weiter – die Formel vom „Sein des Seienden“ stammt aus dem Taoismus; vielleicht ist das Sein ja wirklich das Kommende, das wir freudvoll in Empfang nehmen können, wenn wir wollen – indem wir handeln durch nicht-handeln.

Nun sind Gottesanbeter bestimmter Konfessionen traditionell übergriffig. Sie folgen häufig nicht Mehr von diesem Beitrag lesen

Wirtschaft ist Politik nicht äußerlich, liebes Noch-Präsidium des FC St. Pauli!

Ich gebe es ja zu: Am 1:1 in Nürnberg war ich schuld und übernehme die volle Verantwortung.

Ich darf Spiele nicht in livertickerähnlichen Instanzen verfolgen.

Und doch habe ich ungefähr um 13.15 h bei Twitter hinein gelinst. Erst erfreut, was, so schnell in Führung gegangen? Ratsche, Fussballgott! Doch, die Timeline herunter gescrollt, Fragen nach dem „Warum?“ ploppen auf. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Blick in den Flow der Tweets eingelockt hatte, war der Ausgleich gefallen. Schnell machte ich alle Geräte dicht und guckte erst um 15.30 h wieder nach. Für das 2:2 kann ich somit nichts.

Nun sind wir Siebzehnter. Okay, bis Platz 6 sind auch nur 6 Punkte, und wir sind punktgleich mit anderen Vereinen bis zum zwölften Platz oder so – dennoch: Herzlichen Glückwunsch, liebes Noch-Präsidium des FC St. Pauli, für diese sportliche Entwicklung!!!

Ein Präsidium, das vor lauter Selbstbeweihräucherung wohl übersehen hat, dass es Mehr von diesem Beitrag lesen

Deutungsmuster nach #HoGeSa: Die Mitte macht mobil – und scheitert …

Man muss sich doch nur die „Süddeutsche Zeitung“ vom 18./19. Oktober 2014 angucken, S. 13, um zu peilen, was gestern in Köln los war: Große Überschrift „Die Spur der Bomben“, Unterzeile: „Seit Jahren versuchen Islamisten, in Deutschland Attentate zu verüben. Jetzt tritt eine neue Generation von Dschihadisten auf. Sie ist so gefährlich wie keine zuvor“. Daneben: Bilder von People of Colour, u.a. solche Darstellungsweisen, die zu Ferguson und mutmaßlich auch zu Oury Jalloh führten. Ich kann mich nicht an ähnliche, ganzseitige meines Erachtens dank Bebilderung rassistische Pamphlete erinnern in Fällen wie dem gestrigen: „Eine neue Generation „Bio-Deutscher“, gefährlich wie nie zuvor“ war auch nach dem Aufmarsch nirgends zu lesen. Auch nach dem NSU nicht.  Ja, da steht „Dschihadisten“, die Bebilderung spricht aber ja für sich: Ggf. tatsächlich gefährlicher Terror wird „rassifiziert“.

Ich habe auch nach Überfällen auf Schwule in Berlin nie gelesen „Eine neue Generation Heterosexueller macht Jagd auf Minderheiten“. Nein, stattdessen Mehr von diesem Beitrag lesen