Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: ROAR!!!

Raumdenkzeiten außerhalb und ihre Klänge: Das „Subito“, das „Opera House“, „Queer as Folk“, Stonewall und Michael Neumann

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Was für ein Geschenk!

Die eigenen Jahre, lange her, hier in Hamburg, als es noch lebte und in Bewegung war.

Jetzt beklagen noch Jüngere als ich in DIE ZEIT das Clubsterben und kramen dabei das Dahinscheiden mancher der Lokalitäten wieder aus, die den Atem der späten 80er konservierten, heterosexualisierten und schwarz sowieso nie waren. Habe hier selbst einst beipflichtend einen Text von Reinald Goetz über das „Subito“ zitiert und bitte aufrichtig um Entschuldigung. Alleine schon, weil aus Diedrich Diedrichsen dort eine zweifache Ver-N-Wortung wurde.

Natürlich war das toll. Im „Subito“, wo jene herum hingen, die heute noch von taz-Autoren befragt werden, wenn es um Gentrifizierung geht und die Pudeleien mumifiziert haben. Immerhin solchen taz-Autoren, die großartigerweise in den frühen 80ern nach Berlin pilgerten, um Marc & The Mambas zu hören. Marc Almonds Selbszerstörungsprojekt, jenes Marc Almond, der der Welt mit „Say hello, wave goodbye“ einen der schönsten Pop-Songs ever einsang. „Standing in the door of the Pink Flamingo. Crying in the rain.“ Gestern war bei Facebook zu lesen, Gott sei schwul, weil ein Heterogott niemals Flamingos erschaffen hätte …

Marc & The Mambas: Düster, dissonant, dramatisch. Torment and Toreros. In my room – immer allein. „Caroline says“, ein Lou Reed Cover – it was such a funny feeling, als die Hand durch die Glasscheibe drang. Ich googel den Text jetzt nicht, was zählt, ist das Klangbild in der Erinnerung. Während vorm Stairway am Neuen Pferdemarkt Goths sich tummelten, trieben die anderen schwarz Gekleideten sich im Dschungel herum. Noch auf der anderen Straßenseite war er, wenn ich mich recht entsinne das ehemalige Vereinslokal der „Hell’s Angels“. Die fuhren ins „Picken Pack“

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An Bildern für „Fussball und Liebe“ werkeln :D …

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Ihr auch schon? Macht Spaß! Das Geisterhafte ist nur die Untermalung – „Weißhöhungen“ eines Hobby-Malers ohne jeden Ehrgeiz, auch nur in die immer noch ganz weit entfernte Nähe Tizians zu geraten. Kann cool aussehen, lasiert man da mit Ölfarbe drüber. Ist viel spannender als Fernsehen, weil ich beim Malen viel weniger weiß, was als nächstes passiert als bei dem meisten, was da so läuft. Auch was in den Hintergrund noch geraten wird: Keine Ahnung. Text? Abstraktes? Fischschwärme? Herzen? Draufgekleisterte, vergilbte Zeitungsartikel zu unvergessenen Heldentaten, emotionalen Räuschen, erfüllter Sehnsucht nach dem Last-Minute-Tor? Die Noten von „All of me“? Bin für Vorschläge offen so, wie es die Zukunft es zum Glück auch immer ist.

Kommt in die Millerntor-Gallery!

Eine tiefe Verbeugung vor der Action, dem Engagement, dem Einsatz, dem Ideenreichtum der Macher der Millerntor-Gallery!!!

Ich durfte gestern an dem „Pre-Opening“ teilnehmen (incl. Kunstauktion durch Sotheby-Hochadel) und bereits im Vorfeld fest stellen, mit was für einer denkoffenen Crew da bis hin zum Kurator Jörg Heikhaus und Marcel Eger gearbeitet wird. Ich finde es immer wieder beeindruckend, was Benny Adrion und seine Teams da auf die Beine gestellt haben – die Millerntor Gallery ist ein Projekt von Viva con Agua.

Ich finde es wahnsinnig spannend, wie die kargen Gänge des Millerntor-Stadions mit verschiedenen künstlerischen Ansätzen belebt werden und kann nur jedem empfehlen, sich das heute Abend bei der Vernissage oder die nächsten Tage mal anzuschauen. Fotos gibt es u.a. bei Stefan Groenveld zu sehen und beim Facebook-Auftritt der Millerntor-Gallery selbst.

Es ist cool, wie die altehrwürdige Institution und der ja in der engen Spitze von 1 oder 2% der KünstlerInnen auch millionenschwere Markt der Kunst dadurch, dass sie in ein Stadion wandert, umdefiniert wird. Wie umgekehrt ein trotz gelegentlich auch bei unserer Mannschaft aufblitzender „Spielkunst“ sich ein eher, na, „bodenständig“ gerierender Raum sich dem Spiel mit Form, Farbe, Figur usw. öffnet. Ein Raum, der ja idealerweise alles „Authentische“ und Reproduzierende aufbricht und, um mit Cézanne zu sprechen, eine „Harmonie parallel zur Natur“ kreiert – Disharmonie wäre zu ergänzen.

Ich finde es auch toll, wie Präsidium und Geschäftsführung des FC St. Pauli sich auf Viva con Agua und die Millerntor-Gallery einlassen, weil ich Sätze wie

„Der FC St. Pauli ist ein Lebensgefühl und zwar ein unkonventionelles, das für Kreativität, Anderssein, Toleranz, Weltoffenheit, Selbstironie, vor allem aber auch für soziale Verantwortung steht“

mal ab von dem blöden Toleranz-Begriff voll und ganz zustimmen kann dann, wenn das auch mit Leben gefüllt wird. Auch die Conclusio

„Darüber hinaus schafft die MILLERNTOR GALLERY es zu integrieren, denn sie bietet für nahezu jeden etwas. Und genau diese Aufgabe MUSS (Hervorhebung von mir) auch der FC ST. Pauli leisten: Ein spannendes Angebot für alle zu schaffen, zumindest für all jene, die sich die Freiheit nehmen, (mal) abseits der Konventionen zu denken und mit diesem Angebot auch noch der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.“

(Quelle: Katalog Millerntor Gallery, Katalog 2013, S. 7)

ist mit einem vehementen „Yes!“ zu beantworten. Call and Response.

Womit ich freilich bei der solidarischen und sympathisierenden Kritik angekommen wäre. Es ist großartig, dass auch Künstler wie Zezao dort statt finden – und das Genörgel bei Facebook und Twitter über die „unstpaulianische“ Farbe blau am Millerntor finde ich deshalb nicht zutreffend. Auch der Street-Art-Anteil ist sehr, sehr cool, weil dieser „Aufstand der Zeichen“ (Baudrilliard) und die Wiedergewinnung des urbanen Raumes gegen Kommerzialisierung, Platzverweise usw. alltäglichen Widerstand darstellt.

Ansonsten ist es leider wie überall: Der Großteil der Künstler ist weiß, männlich und mutmaßlich heterosexuell. Eine queere Perspektive wäre mir zumindest nicht aufgefallen, ein heterosexueller Blick auf Frauen wie auch Männer schien mir hingegen sehr präsent zu sein (z.B. bei den „Mehl-Fotos“, deren Making off bei Gröni zu sehen ist, wo als männlich konnotierte Eigenschaften wie „Dynamik“ z.B sich vor eine mögliche Erotisierung schieben – erotisierte Frauen, was ja an sich nichts Schlimmes ist, beraubt man sie nicht Eigenständigkeit und Subjektivität und unterlässt Übergriffigkeit, oder? Kritische Anmerkungen erwünscht!, sieht man schon auf dem Cover des Kataloges). Vielleicht habe ich auch Wichtiges übersehen.

Nun lassen sich durch diese sozialen Konstruktionen – „weiß, männlich, heterosexuell“ – per se keine Rückschlüsse auf die Qualität der Kunst ziehen. Sehr wohl aber, inwiefern das soziale und auch ökonomische Setting, in dem sie sich als Kunst bewegt, auch reflektiert wird auf der Ebene des Werkes.

Und da ist, glaube ich, mehr drin als das, was ich gestern gesehen habe – gerade in einem Fussballstadion, wo Männermannschaften einen „Männersport“ spielen, gerade dann, wenn eine unterstützenswerte und jetzt schon ruhmreiche Hilfsorgansisation wie „Viva con Agua“ als Veranstalter auftritt.

Deutlich wurde das, als Michael Meeske von den „Tränen in den Augen derer“, denen Brunnen in Uganda gebaut wurden, berichtete – dass er da tatsächlich mitgefahren ist, finde ich toll, nur muss schon jeder Hilfsorgansiation klar sein, dass auch sie sich in einem kolonialen Setting bewegt und das Selbstbild des „hilfreichen Weißen“, der „Entwicklungshilfe“ leistet, eben auch Teil dessen ist.

Das sollte niemand vom helfen abhalten noch das diskreditieren, was da mit enormen Aufwand betrieben wird, noch ist es möglich, individuell aus strukturell-postkolonialen Konstellationen wirklich auszubrechen – da fehlt aber eine Reflektionschleife, und was böte sich da eher an als Kunst, Wege zu sehen, diesen weißen Blick und dieses weiße Selbstbild auch kritisch zu thematisieren?

Und zugleich die nun tatsächlich genuin europäische Institution „Kunst“ auch daraufhin zu befragen, wie sich das, was „wir“ als weiße, meist männliche Mitteleuropäer mal als „Kunst“ durchgehen lassen, mal nicht (das kommt dann ins „Völkerkundemuseum“), vielleicht von Praktiken in anderen Regionen dieser Erde unterscheidet – oder auch nicht? Wie es als Vehikel von „White Supremacy“ und „Male Supremacy“ genutzt werden kann und wie man zumindest versuchen kann, das auch aufzubrechen, auch wenn dabei ein Scheitern wahrscheinlich ist – und wie dieses Scheitern denn nun aussehen könnte?

Und wieso entstehen dann, wenn Weiße, zumeist Männer, mal nicht weitestgehend unter sich bleiben, solche Paradoxien?:

„Denn, Frage: Wie viele rassifizierte Menschen müssen bei einem Kollektivprojekt mitmachen, damit es nicht mehr als rein “weiß” wahrgenommen wird? Antwort: Ist egal, denn das Kollektiv wird immer ein böses, komplett weißes, rassistisches Arschprojekt bleiben. (Und das heißt, am Ende bist auch Du als Kanak_in immer nur das böse, rassistische Arsch mit an Bord. Oder: Es gibt dich halt einfach gar nicht. Oder: Du bist halt ein armes Opfer “in den [weißen] Fängen von xyz”. Kann aber ja auch gar nicht anders sein, schließlich bist Du ja Kanake, arharharhar!)“

Und lassen die sich vermeiden, oder geht das gar nicht? Für mich auch gerade eine sehr zentrale Frage als in Sachen „weiß“ und „männlich“ zumeist Ummarkierter, somit aus anderer Perspektive Schreibender. Weil ich da auch gerade an eine Grenze gestoßen bin im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Da wird auch mittels einer Kunstausstellung in einem Fussballstadion nicht die Welt zu verändern sein. Aber würde das stärker in der Kunst selbst Thema sein, wäre das nicht St. Pauli-like? Erste Kommunikationen zwischen MILLERNTOR GALLERY und 1910 – MUSEUM FÜR DEN FC ST. PAULI e.V. haben ja diesbezüglich auch schon statt gefunden 😉 …

Der ökonomische Rahmen, in dem sich das ganze, globale Drama rund um sauberes Wasser abspielt, wurde zumindest angedeutet, indem deutlich Front gegen die Privatisierung dessen votiert und Wasser als Menschenrecht verteidigt wurde.

Da können Frau von und zu Wittgenstein und Frank Otto und andere, die auf ganz anderen politischen und Wirtschaftshochzeiten tanzen können als der normale Spender und die gestern da waren, weiter  dran arbeiten. Dass Frank Otto Viva con Agua von Anfang an unterstützt, das ist ihm eh schon schon hoch anzurechnen.

„Ich sehe aus dem Augenwinkel nur ein hellblaues Trikot reinfliegen und plötzlich war es unfassbar laut.“ – Florian Bruns

Von hinten erzählen? Vorne anfangen? Mitten rein springen?

Vorgeschichten ausmalen – wie schön es z.B. ist, in dieser traumhaften Stadt zu leben, trotz allem, trotz Neumann, Scholz, Gentrifzierung? Wie gut es sich anfühlt, an arschkalten Frühlingsabenden durch den Park der Abendsonne entgegen zu gehen, in Erwartung dessen, die Boys in Brown gleich auf dem Platz zu sehen, vertraute Menschen in und um das Stadion zu treffen, wenn das Bier schmeckt und die Seele braun-weiß lacht?

Klar, bin auch kein potenzielles Opfer von Racial Profiling, nicht von Abschiebung bedroht – erinnere mich aber gut daran, wie einst, als ich noch in dem Alter und der Form war, da man Erfolge auf dem Fleischmarkt feierte, mich drei bis vier mal umsah, bevor ich mit dem jeweiligen Typen los knutschte auf offener Straße.

Weil man ja zumindest ahnen konnte, wer darauf gewalttätig reagieren könnte …

Nun sehe ich manchmal deutschtürkische Jungs Händchen halten durch die Wallanlagen streifen. Und freue mich dann. Ja, ist „nur“ Freundschaft zwischen denen, aber nicht umsonst formulierte Michel Foucault einst in vielen Interviews, dass sich als schwul erfinden als Freundschaft zu anderen Männern verstanden werden  könnte – durchaus in Abgrenzung zu oft von sexistischen Hierarchien und Role-Models durchdrungenen, heterosexuellen Beziehungen. Und auch deshalb: Unbedingt lesen, den Text!

Weil ich auch manchmal das Gefühl habe, dass Homo-Ehe für manche Heterosexuelle auch deshalb so befürwortenswert ist, weil man sich deren Lebensformen damit anähnelt. Was ich nie gewollt hätte. Bin ja trotzdem für die rechtliche Gleichstellung, fand aber das Abenteuer, in jeder Konstellation erst mal entdecken zu müssen, Mehr von diesem Beitrag lesen

Mit Apps herum probieren und an das denken, was ich will!

Ja, okay, ich muss noch üben.

Die Dialoge sind schwach, die Bilder nicht optimal komponiert.

Liegt aber auch daran, dass die App ständig abstürzt und man zwischenspeichern muss. Ist aber ein Weg, all denen entgegen zu kommen, die stetes Schwurbeln, ungenügende Eingängigkeit und zu seltenes Pointieren mir diagnostizieren.

Die Übersetzung ins Comic-Genre birgt zwar auch die Gefahr, bedeutungsgesättigte Verdichtungen in Sprechblasen zu tippen; doch nein, ich bin der Versuchung nicht erlegen, so gar nicht 😀 – und werde nunmehr immer mal ein „Pow!“ in Bilder und Texte setzen.

Die Dramaturgie ist schlicht. Die Botschaft ist klar.

Und wühlt man sich durch all die Psycho-Coaching-Literatur selbst für an Burnout Erkrankte und Abnehmwillige, so ist immer wieder die Message klar: Konzentriere Dich auf das, was Du willst, nicht auf das, was Du nicht willst!

Finde positives Feedback im Unbewussten, im rein adaptiven, nicht-analystischen Raum Deines Erlebens! Suche jene Leitsätze und Zielbilder, die mit positiven Gefühlen assoziiert werden!

Drum, mein Comic-Tipp

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Pro Museum in der wahren Welt! (Warenwelt? Wahres Leben im falschen?)

Eigentlich müsste ich ja für die Goliathwache sein. Immerhin spielt gleich der Prolog von „2020 – Tales of St. Pauli“ in ihr: Bereitschaftspolizeichef Rübsam erpresst den Innensenator Hansen aufs Übelste. Natürlich sind alle Figuren frei erfunden!!! Der Innensenator trägt z.B. schlecht frisierte Locken und macht in Band 2 eine verblüffende Wandlung durch.

Hänge nur gerade ein wenig, weil es gar nicht so einfach ist, mit einem Figurenensemble loszulegen, das ja über viele Folgen tragen soll, und ich die Hauptfiguren erst mal schreibend kennen lernen muss. Weil diese Reißbrett-Vorab-Figuren-Biographie-Schreibung, wie sie allseits empfohlen wird, bei mir nicht funzt, die sind ratzfatz eh ganz anderes, wenn ich loslege. Und ich die Relation Thriller-Beziehungskonstellationen-Dystopische Welt austarieren muss, und das so, dass ich nicht nur über Effekte gehe. Macht Spaß, braucht aber Kompostierungsphasen.

Da ich aber in der Realität will, dass Träume wahr werden, schließe ich mich der vehementen Forderung an das Präsidium des FC St. Pauli an, doch bitte dem Willen der JHV zu folgen und die bestmöglichen Räumlichkeiten für das FC St. Pauli-Museum zu sichern und alles dafür Nötige und Wichtige auch bitte dringlichst und sofort zu tun.

Das in diesem Sinne unterstützende Treffen hatte ich bereits verlinkt, hier erste Logo-Entwürfe, die doch möglichst auf jeder mit dem FC St. Pauli assoziierten Seite erscheinen mögen:

 

Weitere Motive hier, und die vom Magischen FC haben auch schon los gelegt! Hier der Facebook-Auftritt des Museums-Fördervereins.

Eine Zwischenbilanz zum tausendsten Blogeintrag

Das Unerfreuliche

Anlässlich des tausendsten Eintrags in diesem Blog, nach der wohl begründeten Flucht vor Shifting Reality ins Leben gerufen, kann ich ja mal vor mich hin schwurbeln und vielleicht so etwas wie ein kleines Fazit ziehen.

Ausgestiegen aus dem Gemeinschaftsblog war ich, weil mir zunehmend auf die Nerven fiel, dass sich inmitten der linken Theoriebildung immer mehr als „Neoliberalismuskritik“ getarnte, homophobe Einsprengsel fanden. Und auch, weil mir in Fragen des Rassismus die je eigene Rolle, also das, was „Critical Whiteness“ meint, dort im Grunde genommen nicht als mehr thematisierbar erschien.

So traurig das ist, für mich, für andere, hat sich das im Zuge des Bloggens hier fortwährend bestätigt, dass das so ist. Es gab Phasen, da brauchte ich nur Jean Genets „Querelle“ thematisieren, und irgendwer rastete in der Kommentarsektion mit Sicherheit homophob aus. Auch Judith Butler nur erwähnen führte zu wirklich absurden Kommentarschlachten – wohlgemerkt NICHT wegen der Israel-Frage (einmal aber doch).

Ob nun linksliberal, linksradikal oder linksistdochegalaberirgendwiedochlinks, viele in diesen Szenen Geprägte haben viel zu häufig ein akutes Problem damit, auch nur zuzuhören, wenn es um marginalisierte Perspektiven geht, um Erfahrungsräume, nicht die ihren sind. Sie reagieren hochaggressiv auf Hinweise diesbezüglich, tun alles dafür, ihre eigenen Biographien und Lebenswelten als einzig relevantes Thema und Kriterium durchzusetzen und greifen im Konfliktfall auf bewährte, rechtsliberale Schemata zurück, um Abweichendes möglichst in Gruppen zusammen gerottet auch weiterhin marginalisieren zu können.

Diese Leute ertragen „Deviante“ nur, wenn diese den ganzen Tag die „Danke, Massa, dass Du mich tolerierst“-Haltung einnehmen.

Was ich noch nicht verstanden habe, ist, ob das nun Ängste sind, ob echter Widerwille  und echte Abneigung sich zeigen oder einfach nur Ego-Reflexe einsetzen, die dann entstehen, wenn antrainierte Schuldgefühle – unter anderem – mobilisiert werden. Die in einer merkwürdigen Opferhaltung anschließend denen vorgeworfen werden, die nichts anderes tun, als sich auch mal zwischendurch mal Gehör sich zu verschaffen. Oder ob sie es einfach nicht ertragen, wenn sie mal nicht der Plenums-Platzhirsch sind. Geht mir dabei ja nicht um eine konkrete Person, sondern um einen weit verbreiteten Habitus, der alle nervt, die auf ähnlichen inhaltlichen Feldern ackern wie ich. Und ich als weißer Mann haben die ganz krassen Formen des Mobbings, wie sie am heftigsten PoC-Frauen erleben, tatsächlich auch noch nicht erleiden müssen.

Trotzdem ein Dankeschön an all die Rausgeworfenen! Ich habe da zwar vieles gelernt, was ich nie lernen wollte, aber was ja gut zu wissen ist.

Das Erfreuliche

Was mich täglich freut, ist, dass der Kontakt zu der feministischen Welt sich so intensiviert hat. Ich erlebe sie als hochinspirierend, freue mich, wenn mir zum Geburtstag als erstes Nadine Lantzsch bei Twitter und Antje Schrupp bei Facebook gratulieren, die über verschiedene Facetten feministischen Denkens schreiben. Ich finde beides sehr lehrreich, sehr spannend, sehr bereichernd wie auch die Mädchenmannschaft und ihr Umfeld im Allgemeinen. Und lese da gerne zu.

Viele der Twitter- und Facebook-Kommunikationen sind hier ja gar nicht mehr sichtbar, da hat sich auch was verschoben. Ich habe tatsächlich eher biographisch, nicht sachlich begründet lange Zeit einen Bogen um den Feminismus gemacht; aktuell erscheint er mir produktiver als vieles, was im klassischen Antifa-Spektrum diskutiert wird. Gerade auch da, wo das, was man wohl, bin ja nicht mehr der Jüngste und nicht immer firm in aktueller Theoriesprache, aktuell Intersektionalität nennt, gedacht wird. Da, wo die Identitäten und Unterschiede zwischen rassistischen, sexistischen und homophoben Strukturen offen gelegt werden. Was, glaube ich, für alle die große Aufgabe ist, ist, das Ganze rückzukoppeln an die Themen der Kritik der politischen Ökonomie. Das kann aber auch mein Problem sein und alle anderen sind längst dran.

Ebenso erfreulich finde ich die Intensivierung all der Kontakte rund um den FC St. Pauli. Auch da gab es ja durchaus Kontroversen, die in fast, leider nur fast, allen Fällen sich aber auflösen ließen.

Umgekehrt sind, nachdem ich ja jahrelang eher unbemerkt hier rund um diesen, meinen heiß geliebten Fussballverein bloggte, zuerst Dank Twitter und die Verlinkungen durch stpauli.nu und dessen riesige Facebook-Gruppe, immer mehr sehr schöne persönliche Kontakte, Freundschaften, Solidaritäten und Zwischenmenscheleien entstanden, die ich echt nicht missen möchte. Das ist eine tolle, vielseitige, lebendige Community mit so vielen großartigen und einzigartigen Individuen, da fühle ich mich doch sehr zu Hause. Will jetzt gar nicht alle aufzählen, dann vergisst man eh nur wen oder welche, die einem besonders an Herz gewachsen ist. Dass unter anderem über das Lichterkarussell auch eine Anbindung an die Perspektive der Jüngeren erfolgte, dass lässt doch Vertrauen in all die Möglichkeiten gesellschaftlichen Wandels wachsen. Und ich bin weiterhin überzeugt, dass er möglich ist, der Wandel!

Der Ausblick

Von Anfang an habe ich hier zumindest versucht, ein wenig neben Spur und antisystematisch auch in der sprachlichen Form mich zu bewegen, teils auch in den hoch geladenen Bildern übliche Darstellungsweisen zu verschieben. Auch Fussballerkörper haben ein Recht darauf, mal jenseits der Klischees der Sportfotografie abgebildet zu werden, und da haben wir ja auch Fotografen im Stadion, die das können.

Keine Ahnung, wie weit dieses Anliegen, sprachlich wie bildnerisch, mir wirklich gelang, ist aber der Sinn des Blogs für mich eben auch.

Ich bekam heute bei twitter von der mir bis dato unbekannten @h4rri3t den wundervollen Tweet, sie läse hier gerne und wünsche mir noch viele schwurbelige Ideen. Das hat mich gefreut!

Zu den wirklich ärgerlichsten und frustrierensten Erfahrungen gehörte für mich, dass dann, wenn ich mal wieder einfach nur herum spielte und probierte mit Sprache, um Wege zu erkunden, vielleicht Unbegriffenes in den Begriff zu bekommen, oberlehrerhafte Reaktionen, sinngemäß wie „Das ist doch nur noch zusammen assoziierte Scheiße, schreib gefälligst wie angelernt!“ auf mich prallten. Da ich nun aber genug anderslautende Reaktionen eben auch immer wieder empfange, schwurbele ich mal weiter. Und auch, weil es mir Spaß macht 😀 …

Dahinter steht ja schon auch eine ernst zu nehmende Problematik, nämlich die, welche ästhetischen Formen vielleicht dazu in der Lage sind, das aufzubrechen, was im kritischen Teil dieses Blogs als Kackscheiße (seit Welding schreibe ich das Wort supergerne) identifiziert wird.

Das ist so eine Art Lebensthema für mich, und da baue ich immer mal wieder viel Mist, aber manchmal gelingt ja auch was. Am meisten Raum bieten da lustigerweise die Spielberichte, weil man vom objektivierenden Referat auf die Ebene der Erfahrung gehen kann und so ein Joch abwirft, das den Sprach-Ochsen vor den immer gleichen Karren spannt.

Dieses Blog ist in der Hinsicht auch „Probierzone“, weil ich zunehmend, anders als noch zu Zeiten meines Examens, dazu tendiere, die literarischen und künstlerischen Techniken als die gewichtigeren gegenüber den argumentativen zu begreifen. Und immer da, wo jemand „objektiv!“ ruft, die Repression des Biedermanns am Wirken ist.

Für mich war die poststrukturalistische Kritik des Subjekts immer dahingehend zu lesen, dass sie eine unreglementierte Subjektivität ermöglichen könnte – und somit auch gelingende Intersubjektivität. Und das ist eben was anderes als plumpe Psychologisierungen – letztere waren das Ziel der Kritik von Barthes und Foucault.

Was nun aber „unreglementierte Subjektivität“ heißen kann, die nicht einfach eigene Befindlichkeiten an marginalsierten Gruppen abarbeitet, so wie Frau Reiche von der CDU das aktuell tut, das ist eine utopische Frage. Aber man kann ja schon mal rumprobieren.

Und das mache ich ja die ganze Zeit parallel im Falle der eBook-Soap „2020 – Tales of St. Pauli„. Gar nicht so einfach. Schon deshalb, weil ich mich letztlich immer schon mehr an Popkultur als an künstlerischer Avantgarde orientiert habe und eher die Narrative des Thrillers anwende, in ihrem Rahmen schreibend spiele. Und fest stelle, dass, wenn ich im dystopischen Raum das Utopische suche, auf einmal ganz ähnliches schreibe wie John Shirley in in „Stadt geht los“, und das, ohne das Buch je gelesen zu haben. Habe es mir jetzt besorgt.

Auch das meinten ja Denker wie Roland Barthes in Schriften wie jener zum „Tod des Autors“ – dass sowieso die Sprache spricht, nicht der Autor, aber das eben auf seine Art 😀 … und dass ich in einem symbolischen Feld unterwegs bin, in dem ich Dinge weiß, die ich gar nicht kenne. Ein Mysterium.

Übrigens folgt all das Probieren und Entwerfen dem zu Shirley ziemlich entscheidenden Unterschied, dass er im Punk-Szenario, Barthes würde wohl vom Phantasma schreiben, des CBGB agierte, an Patti Smith orientiert, während ich instinktiv eher in die Disco- und House-Tradition hinein gehe.

Das dann mit dem FC St. Pauli und anderen Fragestellungen dieses Blogs zu verbinden und doch ganz konservativ eine lineare Geschichte mit einem Figurenensemble in die Welt zu setzen, das macht einen Riesenspaß. Man erwarte keine große Kunst, ich bin letztlich doch ein Pop-Heini. Aber ich hoffe, es wird unterhaltsam und trotzdem nicht nur Klischee.

In diesem Sinne: Einen ganz herzlichen Dank an alle, die hier mitlesen und mitkommentieren!

Und ein ganz besonderer Dank geht auch an Loellie und T. Albert für all die Jahre. Jawohl!

Zwischenstände Ex-ROAR!!!! mal wieder

Kleiner Tipp für Schreibarbeiter (und überhaupt, also nicht nur für die): Diese Soundcloud-Sets von „Alle Farben“ sind ja der Hit! Auch wenn es zweckentfremdet scheint, sie nun zum Vorantreiben fiktiver Handlungen zu hören, das geht super! Sie leiten einen ganz unaufdringlich von Satz zu Satz zu Absatz, cooles Zeug, gefällt mir richtig gut! Mag Stephen King auch zum Sound von Heavy Metal geschrieben habe, ich bevorzuge nunmehr so was.

So vermisst das Riot-Girl Diana mittlerweile Birte aufs Unerträglichste (die zuerst Sarah hieß), weil die zu ihrer Ex zurück gekehrt ist. Tristan sehnt sich schrecklich nach Diana. Karla überlegt, ob sie ihre Ehe wegen Tristan aufgeben soll, trotz der Zwillinge –  und Tim verspeist derweil in der Heide Wildschwein, lauscht Krishnamurti-Zitaten und träumt von – na, wem wohl? Tristan.

Während Bastian derart in der Zwickmühle sitzt, dass er kurz davor steht, einen totalen Zusammenbruch zu erleiden. Seine Freundin Sabine  erträgt das alles nur noch sediert.

Ja, inmitten der zerfallenden Stadt Hamburg, da Ratten und Fledermäuse in verlassenen Häuser leben, die nur noch als illegale Mülldeponie genutzt werden, da tanzen sie den Reigen. Muss ja in einer Soap. Schade, dass Kubrick das alles dann gar nicht mehr verfilmen kann. Gerade mal 55 Druck-Seiten geschrieben (dabei wird es ja zunächst mal gar nicht gedruckt), und schon sind zwei Machthaber gestürzt. Und der Präsident des FC St. Pauli 2020 heißt übrigens Bolzen und ist Kopfgeldjäger 😀 …

Wie nenne ich es denn nun mal? ROAR heißt ja schon der Kaffee. Vorschläge?

Meine Figuren mag ich zumindest schon mal richtig gerne! Macht Spaß, mit denen Zeit zu verbringen!

Zwischenstände ROAR!!!, die zweite

Passagen aus der laufenden Arbeit an der eBook-Soap:

„Hamburg, 2020.

Die Pyro-Käfige waren ein Novum, in der letzten Saison eingeführt. Die Debatte der Nuller-Jahre hatte die Ächtung von Bengalos und anderem Feuerwerk in Stadien zementiert. Nun jedoch hatte ein Glanz & Gloria-Funktionär zufällig in einer nostalgischen Minute eine alte Aufzeichnung des „Cirque de Soleil“ angeschaut, und die Inszenierungen aus den Stadien, so monumental sie waren, waren ihm im Vergleich zu schlicht, zu farblos, zu wenig verspielt vorgekommen. Da nunmehr Gräben, die an mittelalterliche Burggräben erinnerten, zwischen den Rängen und dem Platz eine unüberbrückbare Kluft bildeten – in manchen Stadien hatte man sogar Wasser eingelassen, dort hausten nun wahlweise Krokodile oder Haie -, war ihm die Idee gekommen, ein Preisausschreiben zu veranstalten: Über die Gräben wurden Käfige gehängt – eine weitere, feine Mittelalter-Anspielung. Denn sie sahen ein wenig aus wie jene am Dom in Münster, in die gesperrt einst die Wiedertäufer aufgehängt wurden. Historische Verfolgungsszenarien waren ein Steckenpferd des Funktionärs, die boten unendlich viel Inspiration. Einen Platz in diesen Käfigen konnten nun Fans gewinnen, um beim Einlauf der Mannschaften kontrolliert zur Verfügung gestelltes Pyromaterial abzufackeln. Bei den Fernsehübertragungen machte sich das fantastisch, die hinein montierten Close Ups des Feuerwerkers, ein herrlich martialisches Bild. Und fiel mal ein Bengalo herunter, konnte es auch keinen Menschen verletzen – es war unmöglich, durch die Gitter etwas zu werfen.“

„Glanz & Gloria“ heißt, wie geschrieben, im Jahre 2020 die DFB- und DFL-Nachfolgeorganisation. Und alles unter Überarbeitungsvorbehalt 😉 – ist noch die erste Version. Diese Pyro-Käfige haben für erste Folge übrigens eine entscheidende, dramatische Funktion, das sei am Rande erwähnt.

ROAR!!! – Zwischenstände

Es begibt sich  in Hamburg im Jahre 2020:

Tim hängt inmitten der Heide fest und wurde vor denen mit dem Keilerkopf in letzter Minute gerettet – ein Mähdrescher mit Boxen, aus denen laut „Hells Bells“ dringt, kommt manchmal  zur rechten Zeit. Diana hat eine sich im Schritt kratzende und anzüglich grinsende Raute gerade so daran gehindert, in ihre Wohnung zu drängen, da bekommt sie eine Heidenangst um ihre Geliebte Sarah. Und Bastian und Tristan, ja, reimt sich, ahnen gar nicht, an was sie mitwirken, wenn sie an der neuen Choreo für das erste Saisonsheimspiel basteln – denn Rübsam, der Chef der Bereitschaftspolizei, zwingt den Innensenator zu einem tödlichen Spiel …