Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Pop + Philosophie

ONE DEEP BREATH by Anthony Hickling – Filmkritik

Da ich jetzt hin und wieder Texte für queermdb verfassen werde, wenn ich dazu komme, seien sie auch in diesem Blog veröffentlicht! Das impliziert freilich auch eine Empfehlung! Solche Projekte sind ja wichtig, Aufbereitung queeren Wissens und dessen Archivierung kämpft eben auch gegen heterosexistische, monokulturelle Geschichtsschreibung an. Gerade in Fragen des Antirassismus wie auch der Intersektionalität gibt es da noch viel zu lernen wie überall anders und in diesem Blog eben auch. Aber es hindert ja niemand wenauchimmer daran, dort mitzuwirken.

Ach ja: Gerade auch den St. Paulianern sei es empfohlen, dass sie statt Wiebusch und Antilopengang sich vielleicht auch mal mit den “Originalen” beschäftigen ;) … 

Ein Fluss. Eine Schleuse. Eine U-Bahn.

Frau sitzt unter der Brücke.

So beginnt der Film.

Bilder in klassischer Zentralperspektivkomposition.

Ein keineswegs idealisierter Männerkörper liegt nackt auf einem Bett. Ein Dialog. Eine gescheiterte Beziehung ist Thema. Der Körper räkelt sich in die Fötus-Pose hinein. Tiefsinnige Monologe zum Beziehungsleben aus dem Off, gesprochen auf flackernde Artefakte. Ein geschminkter Mund in Großaufnahme, leider nicht so lustig und süffisant wie in der “Rocky Horror Picture Show”.

Bedeutungsschwanger und schwerfällig gräbt sich der Film seinen Weg mit aneinander gehängten Postkartenbildern, nervt durch aufdringlich ästhetisierte Komposition. Stilisiert, aber öde.

Die Bildgeometrie bleibt der Fotografie verhaftet und öffnet sich gar nicht erst dem Potenzial des Filmischen. Ist das mit einer EOS gedreht? Die wird mit Vorliebe Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Angst und das Urteil oder Tränen lügen nicht: FC St. Pauli – FSV Frankfurt 1:1

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Über Angst zu philosophieren hat eine ebenso lange Tradition wie sie zu haben.

Manche unterscheiden zwischen Furcht und und Angst: Erstere sei konkret, letztere diffus. Erstere befürchte ETWAS, letztere habe den Menschen/der Mensch.

Religionen wurden vermutlich gar nicht erfunden und kanonisiert, weil die, die sie durchsetzten, gemeint sind nicht die, die ihr freiwillig bekehrt folgten, an irgendetwas oder irgendwen glaubten – sondern weil Vermutungen über Vorgänge nach dem, wovor viele am meisten sich ängstigen, dem Tod, herbei spekuliert wurden. Die schrecklich oder traumhaft sein könnten. Und weil dann Behauptungen manipulativ direkt an den Lüsten und Begierden angesiedelt Personen eingepeitscht wurden, dass ihre Art zu leben Konsequenzen in der Ewigkeit nach sich zöge, wuchs die Macht. Ich glaube übrigens, dass Religion und Glaube nicht das gleiche sind und sogar das Gegenteil voneinander werden können. Und ich will auch nicht gegen wohl motivierte Erlösungshoffnungen polemisieren. Es geht mir um politische Macht. Und die Hölle hat meines Wissens erst das Christentum erfunden. Okay, griechische Mythen waren auch nicht ohne,

Säkular sind Hartz IV oder das Straf- und Asylrecht Methoden, mit Angst per Abschreckung zu regieren – auch Eltern können das können, den Aktionsradius naturgemäß neugieriger Kinder durch Visionen furchtbarer Konsequenzen einschnüren.

Angst motiviert zur Vermeidung und kann, in Panik gekippt, für Individuen grausame Verhaltensmuster nach sich ziehen oder auch körperlich massive Reaktionen erzeugen.

Manche behaupten auch, Angst sei doch nützlich – sie schütze vor dem unbedachten Eingehen gefährlicher Situationen.

Jean-Paul Sartre sah den Menschen Angst SEIN: Vor allem die vor der eigenen Freiheit und Verantwortung.

Bestimmte Personengruppen werden, da sie stets latenter Bedrohung ausgesetzt sind, durch Angst geformt und sozialisiert: Frauen, LGBTIQ und PoC. Auch Klassismen wirken so.

Dominante Teile der Mehrheitsgesellschaft implementieren Mechanismen, dass diese Gruppen sich nie sicher fühlen können und üben so Macht über sie aus. Besonders perfide ist, dass genau diese dominanten Gruppen nun auch noch als “Besorgte” ihren brutalen und ins Mörderische umschlagen könnenden Gesinnungsterror in sämtliche Massenmedien ergießen, um ihr Regiment der Angst aufrecht zu erhalten.

Aber was genau nun eigentlich treibt hervorragend ausgebildete, weit überdurchschnittlich fähige, durch- und austrainierte Männer auf dem Rasen des coolsten Stadions Mehr von diesem Beitrag lesen

Eine Routine unterbrechen: Eintracht Braunschweig – FC St. Pauli 0:2

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In einem dieser ganzen Roman- und Drehbuchschreibratgeber, die ich verschlinge, um anschließend zugleich verwirrt und zugeschissen mit lähmenden Regelwerken unter Garantie nichts Fiktionales zustande zu bringen, um schon aus Trotz, weil alle sagen, dass man das doch nicht mache, Sätze über Absätze hinweg genussvoll zu bilden, um auf Bildhaftigkeit völlig zu verzichten und innere Lust auf Passivkonstruktionen zu entwickeln und ganz viele bunte, schlechte, unerträgliche, falsche, gruselige, überflüssige, nervtötende, langweilige Adjektive auf Kosten von Verben verwenden zu wollen – da fand ich neulich doch glatt einen richtigen guten Tipp. Der beste Startpunkt sei gar nicht: Schreibe eine Geschichte! Sondern: Unterbreche eine Routine!

So entsteht halt Plot Point 1.

Im Falle der Mannschaft des FC St. Pauli war die Routine – im Falle eines Romans oder Spielfilms die Exposition: Die Hauptfigur wird in ihrem normalen Alltagsleben vorgestellt -: Regelmäßig jede Woche fürchterlich viel Aufwand ohne Ertrag zu betreiben, mit quälender Regelmäßigkeit 20 Minuten heftig los legen und dann in die Einzelteile zu zerfallen, sich überflüssige Tore zu fangen und immer weiter in der Tabelle zu fallen.

Nicht, dass nun gerade in der als anspruchsvoll verschrienen “Kunst” solche Konzepte nicht auch, ästhetisch betrachtet, ihre Fürsprecher hätten. Walter Benjamins Flaneur, Guy Debords zielloses Herumschweifen als sich entziehender Protest gegen das Spektakel oder auch Gus van Sants Film mit zwei Typen, die ewig einfach nur durch die Wüste laufen – vermutlich haben wir den avantgardistischen Charme und die Utopie mancher Spiele unserer Mannschaft einfach noch nicht begriffen.

Zudem ja vermutlich ein Fest der Literatur zu zelebrieren wäre, würden die inneren Monologe der Spieler als Hörspiel zu hören sein, statt ein Spiel sich zu betrachten.

Das sind vermutlich viel widerständigere, sensitivere und reflektiertere Psychen als in anderen Teams, sonst gäbe es diese so genannten “Kopfprobleme” gar nicht. Die in der Regel Potenziale darstellen.

Wer mit solcher Konstanz sich plumper Kraftmeierei, stumpfem Funktionieren und reinem Ergebnishunger verweigert, bietet halt Stoff für die großen Geschichten. Solche, die im Einheitsbrei des Ligaalltagsgroschenromans für ein gewisses Niveau sorgen könnten. Und werden!

Solche Geschichten brauchen halt etwas mehr Anlauf.

Und da sind die Anlässe, die Routine doch noch zu durchbrechen, oft auch gar nicht so melodramatisch wie im Seriengeschehen aller Sender und von Video on Demand-Diensten. Trainerwechsel, allenfalls temporär wirksam – es muss ja nun auch nicht gleich jedes blöde Klischee bedient werden. Sportdirektor weg? So what? Wer sich an Chefs orientiert, ist eh ein autoritärer Charakter.

Für wahre Eleganz des Storytellings reicht oft der kleine Moment mit großer Wirkung. Etwas fast Beiläufiges leitet die Wende ein, unterbricht die Routine. Das Lächeln eines Kioskverkäufers. Dass die Krokusse so lila aus dem Erdreich sprießen. Eine flüchtige Melodie, die aus dem 3. Stock des Neubaus in einer verkehrsberuhigten Seitenstraße dringt.

Manchmal reicht auch eine schlichte Ecke, vortrefflich eingeschädelt – und die Welt leuchtet plötzlich wieder hinter dem Grau. Farbenfrohes Frühlingserwachen! Zudem auch noch nachgelegt wurde. Und statt opulenter Aufstiegsträume zu Saisonbeginn entfaltet der Sprung auf Platz 17 pures Glück.

Ich meine das jenseits jeder Ironie. Diese schlichte, Lienensche Ansage: “Lasst Braunschweig kommen, verteidigt konsequent und nutzt eure Chancen jenseits aller Schönheitspreise!” – was das auf einmal für Fähigkeiten frei legte!

Ist ja auch eine Debatte aus diesen ganzen Schreibratgebern: Die Hauptfigur müsse aktiv sein!

Aber wieso denn eigentlich? Wahres Schauspielern liegt ja auch in der Präsenz und im Reagieren.

Und wie sie reagierten!!! Braunschweig bekam kaum Luft. Was für Möglichkeiten sich eröffnen, scheißt mensch auf die Ansprüche Anderer! Konzentriert eigene Räume verteidigen ist letztlich ja auch das einzige, was politisch gerade geht. Und dann Nadelstiche setzen und so ganz allmählich doch noch vordringen.

Ich fand das schon cool, wie unser Team Spaß daran entwickelte, jenseits der Virtuosität Braunschweig in jene Rolle zu manövrieren, die uns in unzähligen Spielen zugedacht war. Als hätten sie denen nun den Schatten übergeworfen, der so lang uns verdüsterte.

Der bleibt da jetzt auch.

Jetzt ist ja die Routine unterbrochen.

Jetzt geht die Geschichte los.

Und ich habe das Gefühl, dass die Jungs noch sehr lust- und spaßbetont aus dem Trotzen heraus neue Erzählweisen finden werden, die ihnen so schon gar keiner mehr zugetraut hatte. Sie werden es uns zeigen!

Ich freu mich drauf. Und danke für dieses Spiel!!!

Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 9.2., 14-16 h, FSK Hamburg

Vor lauter Arbeit kam ich kaum noch zum Bloggen, die nächste Radiosendung der “Tales of St. Pauli” aus gescheiterten Moderationen, toller Musik und einem fortwährenden Verstoß gegen Regeln der Servicehaftigkeit habe ich soeben dennoch fertig gestellt. Wird Montag ausgestrahlt.

Diesmal witzel ich im Vorbeigehen über einstige Aussagen des neuen Trainers Ewald Lienen und die “Einfach mal die Klasse halten!”-Kampagne des Vereins, lästere über den Facebook-Auftritt des Jolly Roger und verlese den im folgenden verlinkten, ungemein wichtigen, weil über den akuten Anlass hinaus strukturell bedeutsamen Text:

Community Statement: “Black” Studies at the University of Bremen

in Auszügen auch auf deutsch im Blog von Noah Sow zu lesen (das verlese ich auch):

SCHWARZE STUDIEN OHNE SCHWARZE LEUTE: COMMUNITY STATEMENT ÜBER DIE IMPLEMENTIERUNG VON “BLACK” STUDIES AN DER UNIVERSITÄT BREMEN

Ziemlich albern wirkt dagegen meine Lesung von Tweets, geschrieben parallel zum Sandhausen-Spiel.

Außerdem kommentiere ich den merkwürdigen Wandel des “Rechtsstaates” von einer Selbstbeschränkung staatlicher Willkür hin zu “List und Tücke” (Michael Neumann) und einer Anforderung an das Bewusstsein der Staatsbürger, während diverse Grundsätze meines Erachtens von der vermeintlichen “Gefahrenabwehr” folgenden Disziplinen unterlaufen werden und der Staat sich nicht mehr groß drum kümmert, was als Lehre aus dem “3.Reich” er sich selbst einst auferlegte.

Unsortiert rede ich u.a. diesen Gedanken folgend ein wenig über die Serie “The Wire”, ohne auch nur einmal zu erwähnen, worum es darin überhaupt geht, und lausche Xavier Dolan, obgleich ich nur einen seiner Filme nenne.

Das Finale bilden dann kurze Erläuterungen zu Thomas Bauers “Die Kultur der Ambiguität” und Gunnar Hindrichs “Die Autonomie des Klangs”.

Hier wie immer die Tracklist:

Jingle “Nun aber doch”
Lisa Simone – Interlude
Donna Summer – On The Radio
Moldy Peaches – These Burgers
Two Dancers – We Still Got The Dancin’ On Our Tongues
The Lumineers – Flower in your hair
Klaus Hoffmann – Wenn ich sing
The Blind Boys Of Alabama – Way Down To The Hole
Theo Parrish – Make No War
Joshua Redman – People Like You
Harlem River Drive – Harlem River Drive Theme
Lisa Simone – As Is well
Curtis Harding – Next Time
Miss Dominique – Les Moulins de mon coeur
Bent – Magic Love
Jingle “Fubbel”
Patrick Juvet – Medley Gay Paris
Julia Bell – We Watch The Stars
Badi Assad – Saudade Verdade Sorte
CéU – Mais Um Lamenta
Ingrid Caven – Chambre 1050
Mittendrin ist auch noch ein gnadenlos verunglückter Versuch eines Mashups aus “Happy” und “Self Destruction” zu hören, der sich aus einer Kommunikation mit Odradek/Twitter ergeben hat. Viel Spaß, wer auch immer sich das geben will  – zu erlauschen beim FSK-Hamburg.
Literatur:
Thomas Bauer, Die Kultur der Ambiguität, Berlin 2011
Gunnar Hindrichs, Die Autonomie des Klangs, Berlin 2014
 UPDATE: Die Black Knowledges Research-Group, der die oben verlinkte, massive Kritik galt, hat sich aufgelöst, weil sie die Intervention als zutreffend und richtig erkannte (via Mädchenmannschaft). Das freilich schafft ein zu füllendes Vakuum: Es anders machen – unter der Regie von PoC, und zwar ausreichend finanziert.

“… ich denk, wie schön war es doch eben noch hier – mit Dir … ” – Udo Jürgens, R.i.P.!

Die „Wunderbar“ in der Talstraße Anfang bis Mitte der 90er: Je früher der Morgen, desto sentimentaler die Musik. Jene für schwule Communities damals, vielleicht heute noch so merkwürdige Mischung aus wechselseitiger Verachtung, garniert mit bösen Worten wie jenen vom „Resteficken“, und einem Aufgehen in Schmelz und Pathos wehte durch den Dunst von Bier, vielfältigen Düften und dem geteilten Lallen dank Wodka-Lemon und Kurzen. Der drogige Rausch des Jägermaster bereitete sich vor, Blackouts zu provozieren.

Ich weiß, was ich will!“ von Udo Jürgens spielte die DJane, der DJ  zu früher Stunde fast immer. Besser als andere adaptierte Jürgens da Disco- und Philly-Sounds, musikalischer Schwamm, der er war. Er, der noch den plüschigsten Kitsch, mal auch in Satin gewandet, mit der Aura eindringlicher Ernsthaftgkeit und frei von allen Camp-Anwandlungen dem Gehör anbot. Ein Könner, Künstler, Charismatiker Mehr von diesem Beitrag lesen

Eher Big Band als Modern Jazz Ensemble: FC St. Pauli – VFR Aalen 3:1

 

Aalen

Ja, ich habe mich gefreut.

Und wie!

Ich habe sie wieder geliebt, bin ihnen gefolgt, ganz, wie Baudrilliard ausführte, dass man dem Anderen folgte, von ihm verführt – ich glaube, der war das, der dergestalt dachte und es aufschrub.

Und so sehr das Gewettere, gestern durchtränkt  Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, FSK, Mo, 10.11., 14-16 h

Ich bekenne ja: Seitdem der mutmaßliche Skandal bekannt wurde – Skandal, weil, wenn die Expertise von Ver.di stimmt, es sich um einen atemberaubend krassen Verfassungsbruch handelt – produziere ich nun noch viel lieber für das FSK ;)

Im Gegensatz wohl zum Innensenator, der zwar gerne mal über den Rechtsstaat doziert, aber da, wo der in seinen Grundsätzen mutmaßlich hart angegriffen wurde, lediglich anmerkt, er würde sich zu Internetveröffentlichungen nicht äußern, halte ich ja sehr viel von unabhängigen, demokratischen Öffentlichkeiten.

Die Sendung morgen ist maßgeblich vom Job eines der designierten Mitglieder des Präsidiums des FC St. Pauli inspiriert! Joachim Pawlik hat uns Mechanismen seiner Personalberatung für mittelständische Unternehmen skizziert, ich spinne das weiter; falls ich unsinnige Verknüpfungen vornehme, kann er da selbstverständlich auch nichts für. Ich hatte aber  auch angekündigt, dass ich darüber schreiben würde. So ist es aus Metalustversum-Perspektive in die Gestaltung der Sendung eingeflossen. Hört einfach rein. Umrankt ist das Ganze mit Erwägungen zum Trickster aus queerer Sicht wie auch mit Spielberichten aus besseren Tagen, als das Elend uns St. Paulianer noch nicht vollumfänglich ergriffen hatte – und wie immer mit viel Musik. FSK-Seite aufrufen und rechts oben den Stream starten! Wer auch immer das möchte.

Hier die Playlist:

 

Donna Summer – On the radio
Elaine Stritch – I’m still here
Julia McKenzie – Losing my mind
Grace Jones – She’s lost control
Lana del Ray – Money Power Glory
Phantom/Ghost – This work is inside out
SOHN – The Wheel
Nicolette – No Government
Kele – Like we used to
Y’akoto – Talk to me
Tocotronic – Neues vom Trickster
Macin Wasilewski, Michael Miskiewicz, Slawomir Kurkiewicz, Tomasz Stanko – Kattorna (Danke, @Fanne, für diesen Tipp!!!)
Contemporary Noise – Even Cats dream about flying (Danke, @Fanne, auch für diesen Tipp!!!)
Bang Bang – The Prisoner
Man Parrish & Klaus Nomi – Total Eclipse Remake
Phosphorescent – Wolves
Albert Ayler – Oh! Love of Life
Und hier die Literaturliste:
- Rosenkranz, Bernhard/Lorenz, Gottfried – Hamburg auf anderen Wegen, Hamburg 2005
- Han, Byung-Chul, Psychopolitik – Neoliberalismus und die neuen Machttechniken, Berlin 2014
- Marty_Huber, Queering Gay Pride, Wien 2013
- Tugendhat, Ernst, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung, Frankfurt/M. 1997 (8. Auflage)
Und dieser wundervolle Link sei nicht vergessen!

 

Das Werden denken

“Im strengen Sinne ist die Philosophie die Disziplin, die in der Erschaffung von Begriffen besteht”.

Gilles Deleuze/Felix Guattari, Was ist Philosophie, Frankfurt/M. 2000, S. 9

Die Spielphilosophie eine Fussballvereins, Unique Selling Prophecy, Mission Statement. Leitbilder. Marketing- und Firmenphilosophie.

Was zum Teufel ist aus diesem Begriff “Philosophie” nur geworden? Habe das ja studiert; die Zeit war wunderschön, da ich sie vor dem “Bologna-Prozess” verbringen durfte. Schon damals belächelten jene aus den “Methoden der empirischen Sozialforschung” im Nebenfach Soziologie die “eher philosophisch Orientierten”. Das war ungefähr zu jener Zeit, da die Werber begannen, sich als Künstler zu behaupten, da im Gefolge von Thatcher und Reagan allerlei schillernder Begriffsmüll rund um die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, seinen Weg in die Arbeitswelt fand. Deleuze formuliert auch dies prägnant:

“Schließlich wurde der Tiefpunkt der Schmach erreicht, als die Informatik, das Marketing, das Design, die Werbung, alle Fachrichtungen der Kommunikation sich des Wortes Begriff, Konzept, selbst bemächtigten und sagten: Das ist unsere Sache, wir sind die Konzeptemacher! Wir sind die Freunde des Begriffs, des Konzepts, wir bringen ihn in unsere Computer. Information und Kreativität, Konzept und Unternehmen: schon eine ausufernde Bibliographie … (…) Die allgemeine Bewegung, die die Kritik durch promotion ersetzte, hat ihre Wirkung auf die Philosophie nicht verfehlt.”

Deleuze/Guattari, a.a.O., S. 15-16

Es ist sozusagen Ironie der Philosophiegeschichte, Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Musical – verdammt viiiiiiiiel Gefühl zwischen Camp, Kommerz und Konvention, Fr., 20.00 h, FSK

Ich hätte den Ankündigungstext vielleicht noch mal lesen sollen :D – ja, ich löse vieles ein, was ich da geschrieben habe. “Konvention” und “Kommerz” kommen jetzt allerdings eher indirekt vor. Obwohl ich sogar noch eine halbe Stunde on top bekommen habe und die Sendung zweieinhalb Stunden lang ist, fehlt mir trotzdem noch ganz viel. Das war aber notwendig, auszudünnen, weil die Story bis ins 19. Jahrhundert zurück reicht. Und die differenten Wurzeln in Europa und den USA eben auch kritisch gewürdigt sein wollen. Zum Anhören einfach auf “Mp3-Stream” klicken.

Ich muss vielleicht bei Gelegenheit noch eine zweite Sendung hinterher schießen, da liegt noch viel Umthematisiertes herum, und es fehlen unter anderem  “Hair”, “Les Miserables”, “Cabaret”, “Sister Act”, “Mama Mia!”, nur ein Song von Stephen Sondheim … und auch “Finding Fela!”, ein 2008 in New York uraufgeführtes Musical über Fela Kuti, habe ich nicht unter bekommen. Obgleich da sogar die unvergleichliche und überragende Patti Labelle mitgesungen hat. Eine doppelte Streisand habe ich mir trotzdem gegönnt.

Das Ergebnis ist aber hoffentlich nichtsdestotrotz inspirierend geworden. Es ist schon immer erstaunlich auch für mich, was selbst dann, wenn ich mich halbwegs vorbereite, für eine Eigendynamik in der Erzählung sich entwickelt. Ergebnis gefiel mir dann trotzdem :)

Hier wie immer die Playlist:

 

Sophie Tucker – Some of these days. (Ist zwar aus keinem Musical, man hört aber Vaudeville heraus, und der Song spielt eine gewichtige Rolle im Finale von Sartres “Der Ekel”. Wer hinein liest, wird dort bedauerlicherweise rassistisches Vokabular finden, vorlesen tue ich das nicht. Es ist trotzdem ein faszinierendes Stück Literatur und das Vokabular meines Erachtens nicht prägend für das, was ansonsten drumherum geschrieben wird. Da lasse ich mich aber wie immer korrigieren, falls ich was nicht peile, und veröffentliche Interventionen prompt)
John Barrowman – Dreamers (aus: “Jean Seaberg”)
Marlene Dietrich – You do something to me (aus: “Fifty Million Frenchmen”)
Elaine Page – Anything goes (aus: “Anything goes”)
Chita Rivera & Mary McCarty – Class (aus “Chicago”, Original Cast Albums)
Donna Murphy – Surabaya Johnny (aus: “Happy End”)
Wayne Shorter – Mack the Knife (aus: “Dreigroschenoper”)
Gene Kelley – Singing in the rain (aus: “Singing’ in the rain”)
Original Cast of the Kiss of the Spiderwoman – Only in the Movies (aus: “Kiss of the Spiderwoman”)
Zarah Leander – Kann die Liebe Sünde sein (aus: “Der Blaufuchs”)
June Anderson, London Philharmonic Orchestra – Glitter and be gay (aus: “Candide”)
Duke Ellington – Hit me with the hot note (aus: “Sophisticated Ladies”)
Fred Astaire – Puttin’ on the Ritz (aus: “Puttin’ on the Ritz”)
Carol Woods – Wasted Life Blues (ursprünglich von Bessie Smith. ist aus keinem Musical, das an der Stelle aber mit Absicht. Außerdem entnommen dem Album “Diva Collection”)
Georgette Dee – Die Jahre sind ein Buch (aus: “Beiß mich, ich will das Leben spüren”)
Hildegard Knef – Medley aus “Silk Stockings”
The London Theatre Orchestra & Cast – Masculinity (aus: “La Cage aux Folles”
Tim Curry – Sweet Transvestite (aus: “Rocky Horror Picture Show”)
Gloria Gaynour – I am what I am (aus: “La Cage aux Folles”)
Original London Cast – The Movie in my mind (aux: “Miss Saigon”)
Barbra Streisand – Send in the clowns (aus: “A Little Night Music”)
Hartwig Rudolz – Mehr will ich nicht von Dir (aus: “Phantom der Oper”)
Barbra Streisand – “Somewhere” (aux: West Side Story)
Rio Reiser – Somewhere over the rainbow (aux: “Wizard of Oz”)

 

Hier auch wie immer die Literaturliste:

 

- Bourdieu, Pierre, Die feinen Unterschiede, Frankfurt/M. 1996 (8. Auflage)

– Deleuze, Gilles, Das Zeit-Bild, Frankfurt/M. 1997

– Greenberg, Clement, Avantgarde und Kitsch, in ders.: Die Essenz der Moderne, Hamburg 2009

– Illing, Frank, Kitsch, Kommerz und Kult – Soziologie des schlechten Geschmacks, Konstanz 2006

– Puig, Manuel, Der Kuß der Spinnenfrau, Frankfurt/M. 1979

– Sartre, Jean-Paul, Der Ekel, in ders.: Gesammelte Werke – Romane und Erzählungen, Reinbek bei Hamburg 1987

– Schmidt, Günther, Das grosse DerDieDas, Reinbek bei Hamburg 1991

– Sontag, Susan, Anmerkungen zu “Camp”, in dies.: Kunst und Antikunst, Frankfurt/M. 2006 (8. Auflage)

 

Folgende Quellen habe ich zusätzlich verwendet:

 

- “Vaudeville and the American Entertainment Industry”, Racism in the United States (Achtung, Triggerwarnung, Link führt auf rassistische Darstellungen)

– “Ohne Anführungszeichen”, Stöger, Katharina/Dirk, Valerie . Ich finde vieles hochproblematisch in dem Text, anderes war schlicht und ergreifend sehr informativ.

 

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Oktober-Ausgabe, FSK, 13.10., 14 – 16 h

Sätze, die ins Leere laufen … der Versuch, gesprochene Sprache wirklich halbwegs unredigiert als gesprochene Sprache zu begreifen und zu sprechen … mit Neuansätzen, Wortdopplern und was sonst noch so alles dazu gehört. Wie immer beim Freien Sender Kombinat Hamburg.

Jetzt habe ich sogar das Abschiedsspiel unseres Kapitäns, #fürimmer17!, sausen lassen müssen, um noch der selbstauferlegten Verpflichtung, die ja gar keine ist, sondern Freude und Freiheit verheißt, zu folgen. Eben die monatliche “Tales of St. Pauli”-Sendung zu produzieren. Dauert ja doch immer eine Weile, bis das alles fertig ist.

Mit kurzen, unhörbaren Schluchzern durchsetzt im Off, wenn die Musik läuft, produzierte ich vor mich hin, trauernd, nicht endlich mal wieder heimlich Florian Bruns hinterher sehnen zu können und all die anderen so sehr Vermissten mal wieder spielen zu sehen …

Ich hoffe, das Opfer hat sich auch für die mutmaßlich Zuhörenden gelohnt. Eine kleine philosophisch-st.paulianische Weltreise rund um Körperlichkeit, bei der in elegischer Melancholie ein Saxophon Übender auf dem Hinterhof fortwährend und stundenlang seinen akustischen Senf dazu gab.

Hier ist wie immer die Playlist:

 

Donna Summer – On the Radio
Gus Gus – Obnoxiously Sexual
Isis Salam – Let got (feat. Kruse & Nuernberg)
Virgo – Free yourself
Grover Washington Jr. – Knucklehead
Hildegard Knef – Wird Herbst da draußen
Orchestre Poly-Rythme de Cotonou – Ou C’est Lui Ou C’est Moi
Electric Six – Can you feel it
Phillip Malela – Tiba Kamo
Sonny Rollins – The Bridge
Kurtis Blow – The Breaks
Adonis – We’re rocking down the House
Candy J – Desirable Revenge
Frankie Knuckles & Jamie Principle – Your Love
Nick Chacona – The Fear (Beg to Differ Remix)
Dee Dee Bridgewater – Midnight Sun
Kele – Coasting
Wie schon das letzte Mal packe ich auch eine Literaturliste hierhin, da ich doch einige Quellen zitiere:
- Blechschmidt, Andreas, All City King – OZ und der städtische Raum, in: Blechschmidt, Andreas/Flügel, KP/ Reznikoff, Jorinte (Hg.), Free OZ! Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz, Berlin/Hamburg 2014
- Burchhart, Dieter, Jean Michel Basquiat – Revolutionär zwischen Alltag, Wissen und Mythos, in: ders./ Keller, Sam, Basquiat, Ostfildern 2010
- Flügel, K.P, OZ stellt unser gesamtes System in Frage, Interview mit Christoph Tornow, in:  Blechschmidt, Andreas/ Flügel, KP/ Reznikoff, Jorinte (Hg.), Free OZ! Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz, Berlin/Hamburg 2014
- Liebman, David, Der persönliche Saxophonsound, Nürnberg 1993
- Merleau-Ponty, Maurice, Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin 1966/1974
- O’Brien, Wer war dieser Mann mit der Maske?, in: Burchhart, Dieter/ Keller, Sam, Basquiat, Ostfildern 2010
- Seel, Martin, Die Zelebration des Unvermögens, in ders: Ethisch-Ästhetische Studien, Frankfurt/M. 1996
Außerdem zitiere ich: Kapstadt.de, queer.de und metalust.wordpress.com .
Viel Spaß – wer auch immer das hören möchte ;)
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