Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Ökonomie

Facebook-Splitter: Kevin Plank, der Neoliberalismus und Fragen nach Möglichkeiten linker Politik

(Der folgende Text ist mir bei Facebook soeben eher passiert. Er greift am Anfang und Ende die „Under Armour“-Frage auf und liefert neue Zitate. Er geht aber ansonsten teilweise über das hinaus, was im Rahmen eines Vereinskosmos oder gar offiziellen Stellungnahmen des FC St. Pauli noch diskutiert oder Leitlinie sein könnte. Das würde selbst ich nicht vom Präsidium erwarten.)

Nicht, dass GQ nun meine bevorzugte Quelle wäre, das ist aber definitiv interessant. In einem neueren Statement suggeriert wahlweise Kevin Plank oder die Under Armour-Unternehmenskommunikation, so klar ist mir das ja nicht, Haltung und spricht sich vorsichtshalber aufgrund des schweren Imageschadens gegen den Trumpschen „Travel Ban“ aus:

Er verknüpft diese Frage aber wiederum mit der nach der Re-Nationalisierung industrieller Produktion.
Mir ist ein Rätsel, wie es sein kann, dass eine immer homophober werdende „Linke“ bis hin zur hochverdienten Nancy Fraser (den Text habe ich im St. Pauli-Forum gefunden, danke an Astranaut) nun plötzlich die Menschen im „Rust Belt“ wieder entdeckt, ohne Fragen des Wandels der Realwirtschaft in ehemaligen Industrienationen mitzudiskutieren.
Knackpunkt ist doch die Deindustrialisierung , auf Europa bezogen die Verlagerung der Produktion zunächst in ehemals real-sozialistische Staaten weiter östlich, dann gen Asien. Was in China zum Boom führte.
Deshalb können die ganzen klasssischen, linken „Arbeiterbewegungsfragen“ auch gar nicht so diskutiert, als müsse man nur wieder wie die 68er in die Fabriken gehen, um dort zu agitieren. Und die politisch Aktiven wollte da schon damals keiner haben.
Es gibt dazu weit und breit keine mir bekannte, linke Antwort. Die versucht Trump nun aber tatsächlich gerade zu geben durch die Renationalisierung der industriellen Produktion, und exakt da dockt nun, Profit riechend, Kevin Plank an. Das ist auch wirklich die große Gefahr dieser Bewegung, nicht zufällig zieht Oscar Lafontaine ja schon nach.
Ein weiterer, damit korrespondierender Mythos: „Individualisierung“ sei als zentrales Motiv „des Neoliberalismus“ gewesen. Sehr wohl liegt dessen Stärke und Erfolg in der Vereinzelung und Entsolidarisierung – diese freilich hatte er nie exklusiv für sich allein reklamieren können.
Das haben die Kumpels beim Streik bei Ford in Köln 1973 den so genannten „Gastarbeitern“ schon sehr und nachhaltig deutlich gemacht, dass diese keine Solidarität zu erwarten haben. In post-migrantsichen Communities und deren Erzählungen taucht dieser Streik nicht zufällig immer wieder an zentraler Stelle auf, während er unter „weißdeutsch“  Gelesenen in der Regel keine Rolle in der Geschichtsschreibung spielt.
Die Klassenfrage ohne die nach Rassismus zu stellen führt eben da hin: Zur Entsolidarisierung von den Marginalsierten. DAS ist zentral für neoliberales Agieren und dessen Folgen. Und die französische KP hatte da in den 60er Jahren auch keine Antwort parat. Eben darüber schreibt Didier Eribon ja auch. Sie hat das lediglich kaschiert.
Strukturell analog wird ja in den USA rund um „White Feminism“ diskutiert: Dieser stelle eine Entsolidarisierung dar, weil er Intersektionalität, also ein Verbinden z.B. von Fragen  zu „Race“ und „Gender“ in der Theoriebildung und politischen Praxis, nicht berücksichtige. In Deutschland führt das zu aktuellen Positionen von Alice Schwarzer.
Die „Spalter“ sind nicht jene, die darauf hinweisen, dass Blackness und Whiteness als nicht etwa „humane Essenzen“, sondern in zwischenmenschlichen Beziehung wie auch gesellschaftlichen Hierarchiebildungen wirksame und in der Sozialisation erlernte, soziale Tatsachen zu begreifen sind. Nix da „Essenzialismus“. Dessen Behauptung ist irrationale Lektüreverweigerung, um sich Argumentationen zu entziehen, wir dhlat mit Begriffsfetischen agitiert, um wissenschaftlichen Fortschritt zu verhindern.
Es ist ja richtig, die Frage nach Klassen wieder in den Mittelpunkt zu rücken – dieses gelingt aber bestimmt nicht, wenn kollektive Erfahrungen Nicht-Weißer wegzensiert und nieder gebrüllt werden wie die von Frauen sowieso auch immer schon. Dieses ganze Geschwätz, queere, PoC- und feministische Perspektiven würden nur das „Partikulare“, nicht verallgemeinerungsfähige proklamieren, während WHM seit der Aufklärung für das Allgemeine stünden und gefochten hätten, in dessen Namen sie  kolonisierten, psychiatrisierten und Frauen entrechteten, weil sie immer schon alles besser wussten, ist mindestens ebenso irreführend, wie nun jeden gesellschaftlichen Fortschritt als „progressiven Neoliberalismus“ zu geißeln. Sorry, Nancy Fraser.
Weil ein solcher Utilitarismus eben auch der Begründungsmodus des Kapitalismus wie auch des neoliberalen Begründungsprogramms ist: Fütter ich die Reichen, fällt für die Armen schon was ab, und, da trifft es sich dann, in der Summe, also im Sinne des Allgemeinen, geht es allen besser, und wenn es einigen schlechter geht, ist das eine Art Kollateralschaden.
Das ist exakt das Gegenteil der Indidviualrechtsbegründung in der Kantischen Tradition, ja, auch Kant ein Rassist, wo, wie und warum, ist allerdings aufzuzeigen und liefert keinen Grund gegen Individualrechte – dennoch ist an diesem Punkt der linke, politische Zweig des Liberalismus immer schon weiter gewesen als all die Stalinismen, Leninismen und Zizekismen.
Die These von der „Individualisierung“ als Zentrum ist deshalb falsch, weil der Kern der neoliberalen Agitation immer in der Staat-Wirtschafts-Relation verortet war und nicht in irgendwelchen Lifestyle-Programmen.
Das Geschwätz vom „Individualismus“ – „Ich kenne nur Individuen, keine Gesellschaft“ (M. Thatcher) – diente eher der Propaganda, um der totalisierten „unternehmerischen Freiheit“, der „negativen Freiheit“, also der Freiheit von Hindernissen, die Bahn frei zu schießen. Einer Freiheit von staatlichen Restriktionen also. Wozu auch alles Sozialstaatliche gezählt wurde: Das führte dann in den USA zum Krieg gegen schwarze Frauen, die vermeintlichen „Welfare-Queens“, hierzulande zu Hartz IV.Und heute gegen „Obamacare“.
Ähnliche Vorstellungen „negativer Freiheit“ (Isaac Berlin) führen auch zur Kritik an einem PC-Popanz, wo auch nur die von rechts vorbereitete Agitation auf einmal auf links eingelöst wird und unzulässige Restriktionen, Zensur usw. gegeißelt werden. Vorstellungen, die sich nicht nur im Falle des „Gamer Gate“ in Form eines radikalen Antifeminismus äußern, eines, der sich fortwährend von Mami unterdrückt wähnt, da ist eher magelnde Individuierung im Spiel,  um in aller Ruhe und ungestört „Grab them by the Pussy“ rufen zu können und wie schon beim Gerede vom „Nanny State“ männliche Autonomie recht infantil zu deuten.
Dahinter steht ein ziemlich mackerhafter Macher-Mythos, an dem auch die Ideologie der „unternehmerischen Freiheit“ sich nährt, und exakt den versucht doch Trump gerade in Regierungspolitik umzusetzen.
Da schließt sich nun doch wieder der Kreis zu Kevin Plank:

 

Frohes Neues! Und eine Frage aus den USA wie auch eine Leseempfehlung

Vor lauter Hypnose durch Trumps Inszenierung weißer, männlich-hegemonialer Brutalität sollte vielleicht nicht vergessen werden, dass „wir“ zwar keine Mauer nach Mexico bauen, aber das Mittelmeer und Frontex gibt’s ja auch schon.

Dass der Kampf gegen „Illegale“ und „Migranten aus islamischen Ländern“ hier ganz genau so tobt, auch hier Länderlisten, im Neusprech als „sichere Herkunftsländer“ gelabelt, existieren wie jene, die Trump nun im Zuge des „Muslim-Bans“ veröffentlicht hat. Dass ein institutionalisierter Rassismus hier auch die staatliche Macht durchwirkt.

Und wenn ich mir anschaue, was die „Sanctuary Cities“ gerade an Power gegen Trump aufbringen, insbesondere in Kaliornien, dann ist Olaf Scholz viel näher an Trump als diese.

Der setzt doch dessen Programme täglich durch, meines Erachtens.

Was derzeit ja täglich an der Hafentreppe beobachtet werden kann.

Die versprochene Frage aus den USA und auch der Text von Alicia Garzia, der einfach mal gelesen werden sollte, anstatt alles vorher eh immer schon besser zu wissen:

„More than a moral question, it is a practical one. Can we build a movement of millions with the people who may not grasp our black, queer, feminist, intersectional, anti-capitalist, anti-imperialist ideology but know that we deserve a better life and who are willing to fight for it and win?“

Kann ich nicht beantworten können, will ich nicht werten wollen. Es ist tatsächlich möglich und geboten, so etwas unterstützend zu rezipieren, ohne nun gleich selbst schlaumeiernd vorzupreschen.

Und die Antwort kann zudem NICHT nur von Marginalisierten gegeben werden.

Sondern viel mehr noch von der „Gegenseite“, die „Hetzfeminismus“ geißelt bzw. Texte dazu total super findet, sich in „Religionskritik“ ergeht, anstatt mal wieder über Ökonomie zu reden, wie sie selbst es ja stetst fordert, aber nie tut. Die Minderheitenrechte für „Partikularinteressen“ hält (ja, auch auf links) und ganze Theoriestränge, in den USA virtuos erarbeitet, unter „psychische Probleme“ und „wertlos“ verbucht.

Zizek, Kretschmann, Kristina Schröder und der Rest …

Kristina Schröder:

„Mein Gefühl ist, dass die Menschen auch hierzulande inzwischen eine tiefe Aversion gegen den „politisch korrekten“ Diskurs haben. Es ärgert sie wahnsinnig, dass man bestimmte Positionen rechts der Mitte nicht mehr artikulieren kann, ohne niedergemacht zu werden. Diese Kultur ist in den USA noch stärker ausgeprägt. In amerikanischen Universitäten werden inzwischen schon „Trigger“-Warnungen herausgegeben, wenn bei Texten die Gefahr besteht, Minderheiten in ihren Gefühlen zu verletzen. Und die Unis sind kulturprägend für den intellektuellen Diskurs in einem Land. Diese Kultur führt aber zu einer geistigen Enge, die viele inzwischen unerträglich finden. Trump ist jemand, der diesen Diskursverboten etwas entgegensetzt. Das hat den Leuten gefallen.“

Winfried Kretschmann:

„“Wir dürfen es mit der Political Correctness nicht übertreiben“, sagte er. Auch Menschen, „die ganz anders denken“, verdienten „Respekt und Klarheit“.“

Zizek:

„Der linke Ruf nach Gerechtigkeit geht häufig Hand in Hand mit den Kämpfen um die Rechte von Frauen und Homosexuellen, für Multikulturalismus und gegen Rassismus und so weiter. Das strategische Ziel des Clinton-Konsenses besteht darin, all diese Kämpfe von der linken Forderung nach Gerechtigkeit abzutrennen – weshalb das lebende Symbol dieses Konsenses Tim Cook ist, der Apple-Chef, der stolz einen offenen Brief gegen die Diskriminierung von LGBT-Personen unterzeichnet und jetzt problemlos Hunderttausende Foxconn-Arbeiter in China vergessen kann, die Apple-Produkte unter Sklavenbedingungen montieren. Er hat ja seine große Geste der Solidarität mit den Unterprivilegierten gemacht und die Abschaffung jeglicher Geschlechtersegregation gefordert. Wie so oft stehen die Großunternehmen stolz vereint mit der politisch korrekten Theorie“

Der Rest der Reaktionären in der irgendwielinken Blogosphäre ist derweil dabei,  Kristina Schröder noch zu toppen und jene in Psychiatrien einweisen zu wollen, die eine weiß-männlich-heterosexuellen Hegemonie konstatieren und fügt sich damit bruchlos in jene Traditionen ein, die schon Lou Reed folterten. Diese Pathologisierungsnummer beansprucht freilich gerade in psychoanalytisch, freudomarxistisch geprägten Teilen der Linken so eine Art Gewohnheitsrecht für sich  – die landen irgendwie irgendwann immer bei Kristina Schröder und Co und werden noch schlimmer, und das auch noch wiederholt und über Jahre hinweg. Der Wurm war da schon immer drin. Da hilft es aber, Foucault mal wieder zu lesen, um das zu überwinden.

Andere meinen, irgendetwas Progressives zu formulieren, wenn gegen „Identitätspolitiken“ (also Feminismus, Kampf für Lesben-, Schwulen-, Bi- und Transgender-Rechte, „Black Live Matters“ etc.) „der kleine, weiße Mann (!!!) auf der Straße“ in Stellung gebracht wird, ganz pegiadaesk, aber natürlich ganz anders gemeint. Diesem sich zu nun zu widmen sei Gebot statt diesen Regenbogenmischpoken, schwarzen „Behinderten“, hahar usw.  –  es ist allerdings jederzeit möglich, in Analysen einfach das zu kopieren, was eigentlich kritisiert werden sollte. Und so viel Verständnis, wie es aktuell für die Brexit-Voter aufgebracht wird, habe ich für Sufi-Immane in London, die gegen Leute wie Anjem Choudary kämpfen, auf dass ihnen die Youngster nicht weg kippen, nie irgendwo gelesen.

Was dabei ebenso auf der Strecke bleibt, Mehr von diesem Beitrag lesen

Leerer Formalismus, das falsche Allgemeine und strukturelle Dominanz: Die Debatte um die „Hate Speech“-Broschüre der Antonio Amadeu-Stiftung

Jetzt habe ich sie auch mal gelesen – die Broschüre „Geht sterben! – Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet“ der Antonio-Amadeu-Stiftung.

In Blogs überregionaler Tageszeitungen verbreiten angesichts derer mutmassliche Möchtegern-Noltes wiederholt vermeintlich begründete Ängste vor dem „Internet-Gulag“ und allgegenwärtiger Zensur, im Jahr 2016 heroisch den Weltkommunismus und allerortens präsenten Stalinismus‘ bekämpfend.

In meinen Augen nähren sie so Vorstellungen eines „freien, gesunden Volksempfindens“, das sich, angeblich in den Widerstand gedrängt, den Attacken aggressiver Minderheiten ausgesetzt sieht und so in legitimer Gegenwehr zu allen rhetorischen Waffen greift. Um mit diesen wildwütig um sich zu schießen.

Am allerliebsten auf Frauen dreschen sie auf ein (Anetta Kahane, Julia Schramm). Fast, als hätten sie zu viel Nietzsche gefrühstückt und müssten nun mit Peitschen bewehrt tradiert verinnerlichte Erziehungsansprüche des Mannes als solchem ausleben.

Andere wiederum gröhlen reflexartig „aber die Linksexremen“, erklären Polizisten zur marginalisierten, von „Hate Speech“ („ACAB“) tief traumatisierten Minderheit – um im Gegensatz zu dem „Zensur“-Geschrei wenigstens Mehr von diesem Beitrag lesen

Gedanken nach der Präsidentenwahl in Österreich

Die FAZ, sie sei als Symptom zitiert, fasst es zusammen:

„Die anfängliche „Willkommenskultur“ trieb, wie in Deutschland selbst, den Populisten aus allen Schichten massenweise Wähler zu. Die fühlen sich beim alles beherrschenden Thema Einwanderung von den „Volksparteien“ nicht mehr verstanden, sondern als fremdenfeindliche Dummköpfe verunglimpft, die den „Rattenfängern“ auf den Leim gingen.“

Kurz: Wer nicht von Anfang an bereitwillig dafür plädierte, möglichst viele Nicht-Weiße im Mittelmeer oder sonstwo verrecken zu lassen, hat der FPÖ die Wähler zugetrieben.

Wer nicht bereit war, darauf zu scheißen, mal nachzufragen, wieso z.B. in Libyen es für Menschen aus südlicheren, afrikanischen Gefilden recht plötzlich brandgefährlich wurde, wird notfalls von der taz gerügt. Wer somit der Lampedusa-Gruppe lauschte, hat automatisch Hofer gefördert. Eine frappierende Logik. Wer also nicht  FPÖ-Politik fordert oder betreibt, bringt sie erst hervor. Auch eine Form der Zurückweisung einer jeder Form von Handlungsfreiheit. Ja, ich vermeinte so was auch bei Scholz durchzuhören. Das macht es eher schlechter.

Es scheint ein Phämonen zu existieren, das Neurechte prinzipiell von den Folgen ihrer Forderungen frei spricht, weil ja immer irgendwelche wahlweise Humanisten, Linken, „Gutmenschen“ die Welt hervor bringen, auf die dann nur reagiert würde.  Weil diese Gruppen  ja nachweislich an den Hebeln der Macht sitzen – . Harharhar. Das ist auch nicht neu – an den Neonazis der 90er waren ja auch schon die ’68er schuld. Und der Historikerstreit der 80er entzündete sich an der – aus der Erinnerung zitierten – These Noltes, der Nationalsozialismus sei ein Bollwerk gegen den Kommunismus gewesen. Was ja viele bürgerliche Steigbügelhalter vor ’33 auch so sahen.

Der FAZ scheint es wohl absurd, die Frage zu stellen, die ich auch nicht beantworten kann, welche Einflüsse, Folgen und Nicht-Einflüsse westlicher und sonstiger Politik in Syrien wirken und nicht wirken und was eine Wirtschaftsgroßmacht wie Deutschland und ihr fortwährender Export-Boom damit zu tun haben könnten. Warum auch. Wir nationalisieren halt alles und jedes, ganz egal, was auch immer da kommt und geschieht. Auch das ist Deutschland.

Wer nicht a priori schrie, dass, wasauchimmerdasheißt, „Integration“ „märchenhaft“ sei, züchtet sozusagen notwendig neofaschistische Tendenzen (als soche sind die meiner Meinung nach zu werten). Die, die sie aktiv betreiben, fördern, fordern, wählen, sind immer schon frei von jeglicher Verantwortung und meinen das alles gar nicht so. Ist nur Gegenwehr gegen die, die solche Tendenzen nicht zulassen wollen. Ach so.

Darin sind in allerlei Analysen ja sowieso fortwährend einig: Ein tief verwurzelter und institutionalisierter Rassismus, nö, gibt’s gar nicht. Nur dann, wenn ein Nicht-Weißer zufällig mal anwesend ist, und dann ist der selbst schuld. Ein unsäglicher Dünkel kultureller Überlegenheit? Nö, nirgends! Die Verdrehung universeller, normativer Voraussetzungen eines gelingenden Zusammenlebens auf Basis symmetrischer Relationen hin zu irgendeinem sittlichen Kernbestand, über den Andere angeblich nicht verfügten, nur WIR, scheiden in solchen Weltbildern von vornherein aus als Grund für die anwachsenden Wellen des Trumpismus, Putinismus und Orbanismus aus – allesamt Profiteure einer neoliberalen Politik übrigens, die eben diese durch einen völkisch gefärbten Kulturdünkel in allerlei Supremacy-Varianten abzumildern vorgeben.

Das ist schon ein gewaltiger Coup. Erst redet man Menschen drei Jahrzehnte lang ein, ihr Verzicht gründe in der geschichtsnotwendigen Kraft der Globalisierung. Diese erfordere nun mal im Zuge internationaler Konkurrenz eine Absenkung der Standards in Sachen Lohn, Absicherung, Rente usw. – und dann schiebt man anschließend den kläglichen Restbeständen eines Internationalismus, der noch die Emanzipation aller gleichermäßen zum Ziel hatte, die Schuld für die Folgen in die Schuhe.

Aber der ist ist ja eh weitestgehend verschwunden, dieser Internationalismus. Stattdessen verwirrt er sich in Teilen selbst durch kokettierende Putin-Anbiederungen, weil ja die US-Aggression nunmehr vor allem gegen diesen gerichtet sei (das könnte ja zu recht so sein) – und sorgt so dafür, dass z.B. TTIP in manchen Kreisen gar nicht mehr kritisierbar ist, ohne dass einem gleich der „Antiamerikanismus“-Waschlappen ins Gesicht fliegt.

Letzteres, der leider in vielen Fällen sogar richtige Antiamerikanismus-Vorwurf dann, wenn beim Wettern gegen „Investorenschutz“ vor allem deren „Ausländischsein“ beklagt wird, federt dann aber zugleich  ab, dass z.B. in der Frage nach unabhängigen Wirtschafts-Schiedsgerichten nur wieder eine menschenrechtsorientierte Politik, ja, ich weiß, die ist oft auch nur vorgeschoben, an deren Begründung ändert das aber nichts, den Interessen ökonomischer Akteure geopfert wird.

Das schürt, weil es ja begriffen wird, diesen in seiner politischen Orientierung widerlichen Zorn auf „Eliten“ und das „Establishment“ oder auch „Systemparteien“, die die „Interessen des Volkes“ nicht mehr berücksichtigen würden – widerlich daran ist das Verständnis von „Volk“, weil es im Sinne vordemokratischer VolksGEMEINSCHAFTEN im rassistischen Sinne interpretiert wird.

Nun haben politische und ökonomische Akteure ja tatsächlich jahrelang global Arbeitende gegeneinander ausgespielt und „Standortkonkurrenz“als Begründung noch der gruseligsten Maßnahmen angeführt. So kursieren auf einmal auf der Irgendwielinken in Zirkeln knapp unter offiziell wahrnehmbaren Öffentlichkeiten scheußliche Begriffe wie „Migrationswaffe“: Um endgültig den Interessen Arbeitender und Arbeitsloser den Garaus zu bereiten, würden nun alle Schleusen, also Grenzen geöffnet, um billige Reservearmeen für den Arbeitsmarkt „herein zu lassen“. Nachdem Prekariat und Billiglohnsektor erfolgreich etabliert seien, ginge es nun um die endgültige Verelendung und Emtrechtung. Schlimm genug, dass so was kursiert – der Grund liegt aber bestimmt nicht bei den „Gutmenschen“, sondern gespiegelt wird, was von Friedman über Thatcher und Reagan bis Schröder politisch eingeprügelt wurde. Und die einzige Antwort ist eine inklusive Ökonomie, keineswegs eine, die Nutzlose produziert, die sich wechselseitig bekämpfen teils wollen und unterbieten teils müssen.

Nichts von dem ist gut, vieles ist erbärmlich oder rechtfertigt nun schon mal gar nicht, in Hörner zu stoßen, wie z.B. Frau Wagenknecht das tat.

Es werden zur Tarnung auf jeden Fall alle möglichen Kultursaucen darüber gegossen, sei es nun westlich-liberal versus Islam oder sonstwas, wobei regelmäßig vergessen wird, was „liberal“ so alles mal hieß (und in den USA teilweise noch heißt). Weil eine kulturelle Deutung die ökonomische überschrieben hat, und das so, dass das POLITISCHE, grundrechts-basierte, formal-demokratische, partizipatorische Element verschwindet. Es wird weiter völkisch gedeutet im Sinne des „kulturell Dominante dürfen per Mehrheitsentscheud darüber verfügen, welche Minderheit welche Rechte erhält und welche nicht“. Was undemokratisch ist, weil es dieser die Legitimation entzieht. Mehrheitsentscheidungen gründen in Individualrechten – werden diese aufgehoben, ist das Verfahren nicht mehr rational begründbar.

Das leitet über zum zweiten, entscheidenden Faktor: Der Privilegienabsicherung. Weil neben der Globalisierungsrhetorik seit den 60er Jahren eine weitere Mechanik am Wirken ist, die zum Eingangszitat aus der FAZ zurück führt: Die Emanzipationbestrebungen rund um das Spektrum von Martin Luther King bis zu den Black Panthers, immer neue Wellen des Feminismus wie auch queerer Bewegungen führen häufig zu hochaggressiven Absicherungen der Vorrechte bis dato dominanter Gruppen – historische Analogien finden sich in der zunehmenden rechtlichen Gleichstellung von Juden im Verlauf 19. Jahrhundert, die immer neue Aufwallungen antisemitischer Exzesse nach sich zogen.  Die ja auch von Verfechtern der Aufklärung zu hören bekamen, was heute Muslimen entgegen schwallt: Mach doch mal die Locken neben den Ohren weg, Du bist doch irgendwie im Mittelalter stehen geblieben mit Deiner Religiösität. Eine pseudowissenschaftliche Biologisierung folgte dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nicht zufällig zur Hochzeit des Kolonialismus: Auch sowas findet sich heute wieder in Bestsellerlisten.

Ich persönlich finde zwar beunruhigend, dass religiöse Begründungen zunehmend wieder politisch hoffähig werden, das ändert aber nicht daran, dass auch die Möglichkeit der religiösen Praxis im Sinne grundrechtsbasierter Politik gegeben sein muss, keine derer priviligiert zu werden hat in einer so begründeten Demokratie und diese kurios folkloristische Deutung des „christlichen Abendlandes“ durch Pegida und Co als einzig mögliche Gestaltung öffentlicher Räume irgendwo zwischen Feiertagsromantik und Kirchengebimmel angesiedelt ungefähr so viel politische Berechtigung hat wie die Forderung, es dürften nur und ausschließlich Andrea Berg, die Puhdys und Udo Lindenberg (sorry, Udo, Du tickst in diesen Fragen schon richtig) im Radio laufen. Und Ähnliches wird ja sogar gefordert.

Um so gruseliger, dass bis hin zu Kretschmann und Anderen das Narrativ, Konsequenz aus dieser doppelten Frontstellung, ich nenn’s mal „Traumatisierung durch neoliberaken Systemwechsel“ und „Absicherung altgewohnter, kultureller Dominanzen und Formen des eingeübten Dünkels“, sei, nun die „Sorgen und Ängste“ der immergleichen als Maßstab anzusetzen. Weil sonst allesamt erst so richtig faschistisch würden. Das ist Victim-Blaming, und das mag im Antisemitismus analog Jahrtausende eingeübt worden sein, Juden die Schuld an ihm zu geben: Es ist nicht der Geflüchtete schuld, dass manche finden, er solle abgefackelt werden –  und seine Unterstützer sind dies auch nicht.

Es wird doch flächendeckend auf die Sorgen und Ängste von Geflüchteten, von Muslimen und Nicht-Weißen in Deutschland und muslimischen und nicht-weißen Deutschen, von queeren und Trans*Menschen geschissen. Und, misogyn, wie dieses Land strukturiert ist, gelten die Interessen und Gefühle von Frauen ja auch nur was, wenn die sich rassistisch instrumentalisieren lassen. Ansonsten gibt’s Saures und offene Gewaltandrohungen.

Klar, wie in Österreich treten auch verdammt viel Ignorierte und politisch eben auch nicht Vertretene für die Rechte nicht-dominanter Gruppe und von Geflüchteten ein – so manches, natürlich nicht jedes Mal aber eher, wenn es mal wieder primãr darum geht, nicht Nazi zu sein und weniger um die Betroffenen.

Zunächst schien bei dem, was dann zur „Flüchtlingskrise“ umgewidmet wurde, kurz was ganz anderes breitenwirksam zu erwachen – das Interpretationsfolien Schaffen der FAZ belegt, wie so ein zartes Pflänzchen von rhetorischen Springerstiefeln nicht nur dort zertrampelt wird. Über das Brutalitätspotenzial derer, die sich durch die FAZ bestätigt sehen könnten, verfügen deren Gegner nicht.

Was bleibt? Eben beides. Ökonomische und kulturelle Emanzipation wieder zusammen denken und zu konzeptionalisieren, ohne sich von all den Blockkonstruktionen beeindrucken zu lassen – und das so zu denken, dass die wirtschaftlich in 30 Jahren Neoliberalismus Erpressten begreifen, dass das in ihrem Interesse ist wie auch in dem der Geflüchteten. Und in Sachen „Reformpolitik“ hat es die Menschen in anderen europäischen Länder härter getroffen als nun ausgerechnet in Deuschland oder Österreich – ganz zu schweigen von fortgesetzem Kolonialismus in anderen Schläuchen anderswo.

Nicht mit Putinismen kungeln, sondern das, was mal linke Ideale waren, wieder ernst nehmen. Würde ich mal sagen.

Hoch die internationale Solidarität eben – statt nun der FAZ und anderen ihr Gerede von legitimen, völkischen  Volkszorn durchgehen zu lassen. Emanzipation umfassend begreifen. Weil sie das Leben besser macht. Schwache Worte nur angesichts umfassender Gewalt – aber was denn sonst?

Das philosophische Äquivalent zu B. Kelles „Gender-Gaga“? „Akzeleration“ und „Spekulativer Realismus“

Ein Wiedergänger geht um im Merve-Verlag … einer, der nicht nur mich an den Futurismus erinnert. Mir war er bisher nicht begegnet; obgleich ich bei ersten Einblicken und Reinlesungen die Debatte schon auch anregend finde: „Akzeleration“ kann grob umschrieben werden mit „Beschleunigung“ als einem Versuch, linkes Denkes neu zu erfinden – und „spekulativer Realismus“ als Attacke auf die angeblich durchgängig „konstruktivistisch“ und „fiktionalisierend“ agierende „Postmoderne“ fundiert ihn, indem es wie üblich in der Konstruktivismus-Kritik einen Popanz, wohl spekulativ, erfindet.

Keine Ahnung, ob das tatsächlich allerorten schon lange diskutiert wird oder ob es nur ein zum Zwecke des Theorie-Marketings aufmerksamkeitsheischend inszeniertes Spektakel der Autoren selbst ist, sozusagen die akademische Entsprechung zum selbstgenerierten Youtube-Star. Die Beschäftigung damit ist aber ganz interessant.

Das Anliegen der Akzelerationisten hat dieses wohl als Faktum zu lesendes (freilich frei von der Erfahrung, Subjektivität oder sonstwie den Lesenden in Relation zum Text zu verstehendes) Ontum (im Sinne der Ontologie und da wohl ontisch zu begreifen) in einem Manifest verkündet:

Falsch daran ist, nun eine solche Zuspitzung so vorzunehmen, als seien damit alle anderen Fragen, Tendenzen und Bewegungen vom Tische gefegt alleine schon durch die Monstranz der Mackerhaftigkeit und die Adaption der Haltung des neoliberalen „Machers“ (eine Kritik, die von den philosophischen Performance-Künstlern dieser Denkrichtung übrigens als „arglistig“ bezeichnet wird und sie animierte, Spuren des Eigenen im feministischen Textgeschehen aufzuspüren).

Richtig daran ist das, was sie über den „folkloristischen Lokalismus“ schreiben. Und das ist der Grund, es in diesem Blog aufzugreifen, trifft die Beschreibung doch wohl nirgends besser zu als auf den FC St. Pauli und sein Umfeld sowie die ganzen stadteilinitiierten Selbstreferenzen rund um das Schanzenviertel.

Das Manifest kann ja nun jeder selbst lesen; interessant finde ich daran, Fragen der Technologie wie auch der Mechanismen des Finanzmarktes sich gewissermaßen von Links anzueignen und nicht a priori in Opposition dazu zu verharren.

Es entspricht wohl ein wenig der guten, alten Hoffnung, dass die Produktivkraftentwicklung im Marxschen Sinne selbst zu einer sozialistischen Utopie führen könne. Was tatsächlich auch noch keine historische Wiederlegung erfahren hat, die kommunistischen Revolutionen fanden immer in Agrarländern statt, allen voran Russland und China; und, mensch glaubt es kaum, Stalin wurde einst dafür bewundert, ja, auch „vom Westen“, dass es ihm gelang, Russland brutalstmöglich zu industrialisieren. Und manche werden neidisch gewesen sein, dass er dabei Mittel nutzte, die sie sich nicht anzuwenden trauten.

Der Export des Systems z.B. in die zwar durch Reparationen geschwächte, jedoch teilindustrialisierte DDR ist kein Argument dagegen. Denn dass der „Realsozialismus“ implodierte, lag unter anderem (!!!) daran, dass die Digitalisierung verschlafen wurde bzw. das ökonomische System sie nicht hervorzubringen vermochte, was global ihn aus der Konkurrenzfähigkeit beamte, war doch letztlich Staatskapitalismus.

Was FÜR eine Herangehensweise wie die der Akzelerationisten spräche, eben lieber auf die technologische Entwicklung zu sehen – übrigens auch hinsichtlich dessen, dass z.B. die Folgen des Klimawandels wohl kaum durch ein „Zurück zur Natur!“ abzufedern oder umzukehren wären, sondern nur selbst wiederum durch technologischen Fortschritt. Dass sie solche Fragen jedoch in Begriffsfeldern wie „primitiv“ abhandeln, verweist auf die ungebrochen KOLONIALE Perspektive dieses Denkens, wenn es denn global wirksam werden KÖNNTE.

Gut an dem ganzen Unternehmen finde ich, dass es wagt, von links die Zukunft zu denken – was nun tatsächlich ansonsten in reinen Abwehrkämpfen und Nischenbildungen nirgends mehr wahrnehmbar geschieht. Nicht ganz klar wird dabei, ob die Idee, nun den Kapitalismus derart zu beschleunigen, dass er implodiert und daraus Neues entstünde, wirklich utopisch gedacht wird oder nicht auch ein Kokettieren mit apocalyptischer Dystopie in Kauf genommen wird. Und unangenehm stößt auf, dass alte Leninismen sich einschleichen:

 

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Die Wiederkehr des Schädels: Der FC St. Pauli kauft Upsolut

 
Die Fakten haben die vom Magischen FC schon derart treffend zusammen gefasst – auf der Grundlage einer vorbildlichen Informationspolitik des Vereins -, dass ich dankend zitiere:

„Erstmal die Fakten: Der FCSP kauft seine Merchandising-Rechte vollumfänglich zurück. Er gibt dafür 1,3 Millionen aus und übernimmt von Upsolut auch 80 Mitarbeiter (inklusive Aushilfen, Teilzeit und Auszubildende). Das Ganze soll aus einer Ansparrücklage und der laufenden Liquidität finanziert werden. Es soll dann eine Rückzahlung in die Ansparrücklage erfolgen, 2015 und 2016. Upsolut macht ca. 500.000 Gewinn und 8,5 Millionen Umsatz. Wie man sich zukünftig im Merch-Bereich aufstellen will, ist noch nicht geklärt. Der Verein schreibt so schön: „Teilhabe von Fans, Mitgliedern und/oder Partnern ist zu prüfen.“ Dies habe auch Auswirkungen auf die Internationalisierung des Vereines, schreibt der Verein weiter. Der Anteil des Merch am Gesamterlös war beim FCSP bisher deutlich unter einem Prozent, im Durchschnitt aller Bundesligisten liegt er bei sieben Prozent. Bisher hatte der FCSP zehn Prozent der Einnahmen erhalten. Ein Rechtsstreit lief, liegt vor dem BGH, sodass man nun eine einvernehmliche Lösung gefunden hat.“

Schon die Einbindung der Blogs und Fanzines in die Öffentlichkeitsarbeit durch Geschäftsführung, Geschãftsstelle und Präsidium ist ja, verglichen mit dem bundesrepublikanischen Institutionenmainstream, so außer-gewöhnlich, dass sie immer neu zu belobigen ist: 

Unter dem neuen Präsidium tut sich mehrdimensional vieles, was gut ist. Einladungen zum Einblicke in auch das Gewöhnliche, wo im Worte drin steckt, dass das was ist, wo mensch gewissermaßen drin wohnt, was vertraut ist, wo sie weiß, wo Treppe, Bett oder Küche sich befinden – oder auch Ballsaal, Business Seats und Fanräume -,  wo es raus geht, wie etwas rein kommt, nimmt der Blogger ja gerne hin: Einblicke in das das Gewöhnlich in dem Sinne, das das gerade in Zeiten des Neoliberalismus so oft beschworene „Unternehmertum“ seinen Bezugsrahmen uns gegenüber offenbarte. 

Wirklich eine Offenbarung ist das selten. Eher geht es darum, wie Spiel-Raum, auch das kann mensch ja durchaus wörtlich nehmen, ein Stadion ist ja eh sowas, ein Spiel-Raum – und everything is a game, dessen Regeln keiner selber schöpft -, gewonnen werden kann für einen Fussballverein. Und welche Parameter es sind, die als potenzielle Trümpfe im Poker mit viel Größeren ggf. ins Spiel kommen können. Jedoch ebenfalls darum, welcher Spieler unseres Vereins im ökonomischen Raum des Spiels wie welchen Zug ins Rollen bringt. 

Wenn ich das richtig gedeutet habe, ist Joachim Pawlik der Akteur, der im ökonomischen Klein-Klein sich orientiert – er referierte z.B. Fragen der Unternehmensbewertung von Upsolut, die ja nicht erst seit dem Aufstieg und Fall der NEW ECONOMY hochpolitisch sind. 

Weil die Kriterien nicht so objektiv sind, wie es zumeist scheint – es gibt unzählige Rechenmodelle, die je nach Hype, Interessen der Akteure und Chancenabwägungen in aktuellen Märkten bis hin zu intervenierenden Faktoren wie möglichen Rechtsstreitigkeiten reichen. 

Das sind Themen, die bis hin zu dem hochumstritten TTIP – der intergalaktischen Umgehungs-, sorry, dem transatlantischen Freihandelsabkommen – brandaktuell sind: Wenn ich nicht fehlinformiert bin, geht es da ja nicht darum, dass „die Linken Angst haben, ihnen könnte jemamd das Essen vergiften“, sondern um u.a. eine supranationale Gerichtsbarkeit installieren – um so die Investitionsrisiken, die sich aus nationaler Rechtssprechung ergeben könnten, zu minimieren oder gar per Vertrag wegzuverhandeln. Zugunsten des Investors.

 Ich persönlich finde beim FC St. Pauli immer spannend, wie sich im Kleinen das Große zeigt. Die Rechtsunsicherheit, die sich im Falle des nunmehr beigelegten Rechtsstreites mit Upsolut offenbarte und die uns gestern im Sinne der Chancenantizipierung referiert wurde – dass also auch Szenarien durchgespielt wurden, welche Summen als Kaufsummen aufzubringen gewesen wären, wenn der Rechtsstreit gewonnen worden wäre -, soll durch TTIP minimiert werden, freilich mit dem Ziel des Investionsschutzes. 

Das ist politisch interessant, sich zu fragen was denn das wohl geheißen hätte, wären die Eigner von Upsolut internationale Investoren und TTIP griffe schon. 

Und solche Fragen werden sich dem FC St. Pauli auch tatsächlich stellen, wenn die angestrebte Internationalisierung greift. 

Ich bekenne, da gestern aufgrund der klug abwägenden und informierten Art von Joachim Pawlik mehr Vertrauen verspürt zu haben als bei vorherigen Vorstellungsrunden. Machte einen gerade deshalb so soliden Eindruck, weil differenziert verschiedene Szenarien durchgespielt wurden. 

Zumindest ist gerade auch linken Politikansätzen anzuempfehlen, da selbst Spiel-Räume zu erdenken und Menschen wie Pawlik genau zuzuhören, anstatt sich in purer „Kommerzkritik“ zu verorten und desorientiert zu bleiben. Oder aber immer dann, wenn sich in die Unternehmer-Perspektive hinein gedacht wird, z.B. 80 Angestellte, die übernommen werden, als – potenziell – „Risiko“ oder „Belastung“ zu begreifen. Dass plötzlich neoliberale Imperative sich ins eigene Denken unbemerkt einschleichen, das geschieht nämlich schnell und kann diese kontraproduktive Vergötzung geringqualifizierter Ehrenamtlichkeit, wie sie in „die Fanszene“ unreflektiert gepredigt wird, noch verstärken. Das ist dann Mythos statt Aufklärung.

Andreas Rettig hielt sich insgesamt eher zuück, blieb schwammig und es entstand der Eindruck, als sei er mit verbandspolitischen Fragen weiß Gott auch genügend ausgelastet. Viel Glück 🙂 …

Oke scheint in der Runde eher seine Richtlinienkompetenz zu pflegen und pochte vor allem auf zentrale Ziele dieses Präsidiums: „Werte“ im ethischen Sinne und Eigenständigkeit als Basis, sie auch leben zu können. Ich erspare moralphilsophische Erwãgungen, wieso ich ein in Werten gründendes Verständnis von Vereinskultur für völlig falsch halte, es geht meines Erachtens um Rechte und Regelbegründungungen; interesant war, dass trotz nunmehr erreichter Eigenständigkeit in der Vermarktung des Merchandisings – und das Präsidium und die Geschäftsführung sind ausdrücklich zu beglückwunschen, dass dies gelungen ist! – die offenen Fragen angesichts des Erwerbs von Upsolut weiterhin auf den Spagat auch in der Zukunft verweisen, eben jenen, Teil einer komplexen, von Politik, Makroökonomie und rechtlichen Rahmenbedingungen durchwirkten Wirschaftsspielregelwelt zu sein und zugleich partizipatorische Ideale zu pflegen. 

Die zukünftige Gesellschafterstruktur von Upsolut sei noch offen, bis zu 49% Prozent könnten optional an wahlweise Fans, Partner, Teilhaber, Mitglieder wie auch immer „abgegeben“, verkauft oder sonstwie verteilt werden – Kriterium sei hierbei jedoch auch die Frage der Internationalisierung des Vertriebs, auch der Produktion?, der Klamotten, Schlüsselanhänger, Toaster und was sonst noch so gewohnt ist oder im Vorgarten gepflanzt werden könnte. 

Dass NUR Eigenständigkeit gerade im Falle der Internationalisierung keine realistische Option ist, weil eben alles mit allem ökonomisch vermetzt ist, um kapitalistische Zirkulationszusammenhänge zu gewährleisten, wurde ebenfalls bestäigt. 

Die Zukunft ist also so offen, wie immer schon – Verweise darauf, dass „mit den Fans zusammen“ Ideen für Produkte entwickelt werden könnten, sind ja begrüßenswert. 

Bei Upsolut bisher stellten sich freilich auch Fragen wie jene, wer denn von den Erlösen z.B. der „Refugees Welcome“-Produkte profitiere. Keine Ahnung, ob die je beantwortet wurden. Nun kann selbstverständkich die Frage auch schlicht so beantwortet werden, dass das, was Geld in die Kassen des Vereins spült, angesichts des seit des Einsatzes für die Lampedusa-Gruppe ja vorbildlichen und hochengagierten Agierens der Geschäftstelle auch gut für Flüchtlinge sei. Dass zudem aufgrund einer auch noch internationalen Orientierung die Strahlkraft und Wirkung des Verins ungleich weiter reiche als z.B. die einer Stadtteilinitiave, zudem ein Zweitligist mit derart hohen Bekanntheits-und Popularitätswerten eh schon ein Politikum ist und z.B. vom Senat als strukturell relevenat auch nicht einfach ignoriert werden kann. 

Andere Modelle wären freilich, Erlösanteile von Produkten, die für marginalisierte Bevölkerungsteile und deren Rechte und Sichtbarkeit eintreten, zweckgebunden diesen Personengruppen auch zugute kommen zu lassen: Im Falle von Regenbogenaccessoires queeren Gruppierungen, im Falle von „Refugees Welcome“-T-Shirts Flüchtlingen, im Falle von Antirassismus-Slogans People of Colour und von denen selbst verantworteten Projekten.

Zumindest wurde die Diskussion eröffnet und auch offen gehalten. Fur mich zeigte das einmal mehr, dass in Geschäftsführung, Präsidium und Geschäftsstelle aktuell visionärer, refkektierter und zugleich realistischer gehandelt und wird als in den verknöcherten und verkrusteten Strukturen der organisierten und „aktiven Fanszene“. 

Der weitere Verlauf der Diskussion bleibt spannend – auch, weil sich zeigen wird, ob letztere sich beim Werden des FC St. Pauli als störend und blockierend im Sinne der Dominanzwahrung einiger Platzhirsche erweist, oder ob die Handreichungen, das Schaffen von Möglichkeitsbedingungen und die gestalterische Power der operativ Aktiven produktiv und zukunfsträchtug genutzt werden wird. Vorgelegt haben Präsidium und Geschäftsführung nun einmal mehr ganz enorm. 

Und so was nennt sich dann Analyse … die FAZ zur Flüchtlingsstatistik

Alleine schon „schwarzhäutig“.

Steht da, in der FAZ.

Schreibt ein Rosahäutiger mit vermutlich Grau, Fahlgelb, Hellbraun- und Rottönen im Gesicht.

Nun ist selbst zu solchen allmählich durchgedrungen, dass „schwarz“ als Begriff angemessen ist, aber nein, da muss nun unbedingt die Phänotypenlehre der Schädelvermesser wieder eingebaut werden ins Sprachgeschehen.

Sie können einfach nicht anders mit ihrem aufgeblasenen Ego, das fortwährend Menschen klassifizieren muss in der Legitimation des Kontrollbedürfnisses unmenschlicher Politik.

Dann werden sarrazinesk Statistiken ausgepackt, um Wälle gegen das hier und da noch vorhandene Mitgefühl für im Mittelmeer Ersaufende zu errichten und gleichzeitig antiziganistische und, ganz wie der „Ostmarkenverein“ einst, antislavistisch loszubrettern – ganz so, wie auch Rostocker Fans Gesänge zu Sorben in Cottbus anstimmen .

Und Scholz macht prompt mit und träumt treudeutsch Mehr von diesem Beitrag lesen

Wie zusammen leben? Utopiearbeit statt Fixierung auf’s falsche Halbe

„Ob links– oder rechtsextreme Nischen-Publizistik im Internet: Sie bedroht den auf seriösem Journalismus basierenden Diskurs.“

Welche Linksextremen denn? Ich erinnere mich ja an Zeiten, da gab es wirklich welche. Solche, die für die Vergesellschaftung von Produktionsmitteln waren, zum Beispiel. Für Anarchosyndikalismus oder  Rätesysteme als – gedacht – basidemokratischere Form als parlamentarische Repräsentation.

Mensch muss nichts von dem gut heißen, aber was ist denn davon geblieben? Nichts.

Heute nehme ich eher viel Scharmützel wahlweise rund um „Identitätspolitiken“, Israel, „strukturelle Kapitalismuskritik“ oder auch nicht und das punktuelle Bekämpfen von wahlweise Nazis oder Polizisten wahr.

Und die in meiner Wahrnehmung – weil ich eher von Habermas komme – erstaunlicherweise auftretende, verhältnismäßig breit vertretene Argumentationslinie, die Errungenschaften des bürgerlichen Rechtsstaates seien gegen Massenüberwachung und andere Formen des Abräumens von Grundrechten zu verteidigen. Wozu auch das Asylrecht gehört, ebenso das Demonstrationsrecht, das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie den formalen Gleichheitsgrundsatz.
Darin liegt nun zweifelsohne eine dramatische Ironie, Mehr von diesem Beitrag lesen

Wenn den Anderen die ökonomische Imagination überlassen wird …

Ist mir gerade bei Facebook passiert, der Text, hole ich mal hier rüber:

Was für Griechenland gerade beschlossen wurde, ist sozusagen ein Entdemokratisierungs- und Enteignungs-Fahrplan, der ja ähnlich Schritt für Schritt in Deutschland längst vollzogen wurde – ohne dass die Bevölkerung davon irgendwas gehabt hätte außer Arbeitszwang zu Dumping-Löhnen:

„So soll bis Oktober eine Rentenreform zur schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beschlossen werden. Zu den Vorgaben gehören außerdem die Öffnung von Produktmärkten, Handel und geschlossenen Berufsgruppen, darunter das Fährgeschäft, Privatisierungen im Energiesektor, die Fortführung der »Arbeitsmarktreform«, eine Finanzmarktreform, die der Gefahr durch faule Kredite bei den Banken begegnen soll, die Verabschiedung einer Verwaltungsreform unter EU-Aufsicht sowie eine Beschleunigung der Privatisierungen. Auch diesem Diktat scheint sich Tsipras gebeugt zu haben.

Lange strittig war in den nächtlichen Verhandlungen offenbar eine von Schäuble geforderte Überführung von Staatsvermögen in einen Fonds unter Aufsicht der EU, mit dessen Einnahmen Schulden abgebaut werden sollen. Nun soll dieser Fonds offenbar in Athen und nicht in Luxemburg angesiedelt werden. Die Einnahmen aus dem Verkauf von staatseigenen Betrieben und Vermögen soll zur Hälfte in die Rückzahlung der Schulden fließen, zu einem anderen Teil in die Rekapitalisierung der Banken – die nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) anschließend privatisiert werden sollen – und in Investitionen in Griechenland.“

Amüsant ist die Passage mit den „faulen Krediten“, die einst Lehmann-Brothers zum Einsturz brachten, weil sie handelbar gemacht wurden. Was übrigens auch zeigt, was für ein kreatives und letztlich im Grunde genommen auch zugunsten aller gleichermaßen zu denkendes Potenzial in diesen Zahlenspielen steckt – nicht der Einsturz ist gemeint, sondern eben die dem Naturzwang enthobene Imagination. Die könnte Wege weisen. Die Vorstellungskraft, die leider aktuell gar nicht zugunsten aller gleichermaßen operiert, das aber sollte.

Das ist ja das Gruselige an diesen ganzen „Anti-Kommerz“-Ideologien auf der Linken: Mehr von diesem Beitrag lesen