Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Moral

DIE ZEIT, ihr Kampagnenjournalismus und warum Simon Urban mutmaßlich auch einfach nur beleidigt ist

Alle Tage wieder .. ja, bei zeit.de.

Herrschaftstabilisierende Argumentationsverweigerung im Schreihals-Akkord.

Aktuell: Simon Urban. Einer von den Schriftstellern, die zu lesen mich nicht interessieren würde.

Simon Urban ist einer, der über die eigene Irrelevanz hinaus zu wachsen versucht, indem er sich an eine mehrheitsgesellschaftliche, medial akut weit verbreitete Mode andockt.

Eine, die öde wäre, würde sie nicht schlicht die Macht jener absichern, Mehr von diesem Beitrag lesen

Das philosophische Äquivalent zu B. Kelles „Gender-Gaga“? „Akzeleration“ und „Spekulativer Realismus“

Ein Wiedergänger geht um im Merve-Verlag … einer, der nicht nur mich an den Futurismus erinnert. Mir war er bisher nicht begegnet; obgleich ich bei ersten Einblicken und Reinlesungen die Debatte schon auch anregend finde: „Akzeleration“ kann grob umschrieben werden mit „Beschleunigung“ als einem Versuch, linkes Denkes neu zu erfinden – und „spekulativer Realismus“ als Attacke auf die angeblich durchgängig „konstruktivistisch“ und „fiktionalisierend“ agierende „Postmoderne“ fundiert ihn, indem es wie üblich in der Konstruktivismus-Kritik einen Popanz, wohl spekulativ, erfindet.

Keine Ahnung, ob das tatsächlich allerorten schon lange diskutiert wird oder ob es nur ein zum Zwecke des Theorie-Marketings aufmerksamkeitsheischend inszeniertes Spektakel der Autoren selbst ist, sozusagen die akademische Entsprechung zum selbstgenerierten Youtube-Star. Die Beschäftigung damit ist aber ganz interessant.

Das Anliegen der Akzelerationisten hat dieses wohl als Faktum zu lesendes (freilich frei von der Erfahrung, Subjektivität oder sonstwie den Lesenden in Relation zum Text zu verstehendes) Ontum (im Sinne der Ontologie und da wohl ontisch zu begreifen) in einem Manifest verkündet:

Falsch daran ist, nun eine solche Zuspitzung so vorzunehmen, als seien damit alle anderen Fragen, Tendenzen und Bewegungen vom Tische gefegt alleine schon durch die Monstranz der Mackerhaftigkeit und die Adaption der Haltung des neoliberalen „Machers“ (eine Kritik, die von den philosophischen Performance-Künstlern dieser Denkrichtung übrigens als „arglistig“ bezeichnet wird und sie animierte, Spuren des Eigenen im feministischen Textgeschehen aufzuspüren).

Richtig daran ist das, was sie über den „folkloristischen Lokalismus“ schreiben. Und das ist der Grund, es in diesem Blog aufzugreifen, trifft die Beschreibung doch wohl nirgends besser zu als auf den FC St. Pauli und sein Umfeld sowie die ganzen stadteilinitiierten Selbstreferenzen rund um das Schanzenviertel.

Das Manifest kann ja nun jeder selbst lesen; interessant finde ich daran, Fragen der Technologie wie auch der Mechanismen des Finanzmarktes sich gewissermaßen von Links anzueignen und nicht a priori in Opposition dazu zu verharren.

Es entspricht wohl ein wenig der guten, alten Hoffnung, dass die Produktivkraftentwicklung im Marxschen Sinne selbst zu einer sozialistischen Utopie führen könne. Was tatsächlich auch noch keine historische Wiederlegung erfahren hat, die kommunistischen Revolutionen fanden immer in Agrarländern statt, allen voran Russland und China; und, mensch glaubt es kaum, Stalin wurde einst dafür bewundert, ja, auch „vom Westen“, dass es ihm gelang, Russland brutalstmöglich zu industrialisieren. Und manche werden neidisch gewesen sein, dass er dabei Mittel nutzte, die sie sich nicht anzuwenden trauten.

Der Export des Systems z.B. in die zwar durch Reparationen geschwächte, jedoch teilindustrialisierte DDR ist kein Argument dagegen. Denn dass der „Realsozialismus“ implodierte, lag unter anderem (!!!) daran, dass die Digitalisierung verschlafen wurde bzw. das ökonomische System sie nicht hervorzubringen vermochte, was global ihn aus der Konkurrenzfähigkeit beamte, war doch letztlich Staatskapitalismus.

Was FÜR eine Herangehensweise wie die der Akzelerationisten spräche, eben lieber auf die technologische Entwicklung zu sehen – übrigens auch hinsichtlich dessen, dass z.B. die Folgen des Klimawandels wohl kaum durch ein „Zurück zur Natur!“ abzufedern oder umzukehren wären, sondern nur selbst wiederum durch technologischen Fortschritt. Dass sie solche Fragen jedoch in Begriffsfeldern wie „primitiv“ abhandeln, verweist auf die ungebrochen KOLONIALE Perspektive dieses Denkens, wenn es denn global wirksam werden KÖNNTE.

Gut an dem ganzen Unternehmen finde ich, dass es wagt, von links die Zukunft zu denken – was nun tatsächlich ansonsten in reinen Abwehrkämpfen und Nischenbildungen nirgends mehr wahrnehmbar geschieht. Nicht ganz klar wird dabei, ob die Idee, nun den Kapitalismus derart zu beschleunigen, dass er implodiert und daraus Neues entstünde, wirklich utopisch gedacht wird oder nicht auch ein Kokettieren mit apocalyptischer Dystopie in Kauf genommen wird. Und unangenehm stößt auf, dass alte Leninismen sich einschleichen:

 

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Die allgegenwärtige Abwesenheit von Wechselseitigkeit

Ich durfte vor kurzem, was sehr viel Spaß gemacht hat, per Twitter  in „Direct Messages“ ein wenig beraten bei der Unterscheidung zwischen „Goldener Regel“ und „Kategorischem Imperativ“ – also zwischen „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ und „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“.

Gerade gestern ging bei Facebook ein Schaubild herum, das Formulierungen der „Goldenen Regel“ in den Texten aller Weltreligionen aufsuchte. Sie ist nichts Kulturspezifisches, weil sie zwischenmenschlichen Beziehungen als Möglichkeit immer schon innewohnt.

Kants Formulierung war dezidiert auch gegen die Macht der Kirchen gerichtet, die politisch-praktisch auf den zwischenmenschlichen Kernbestand des Richtigen zu scheißen pflegten und auf allerlei Hierarchien und Abstände pochten – Mehr von diesem Beitrag lesen

Ballsaal, 26.8., 19 h: „Refugees Welcome, Karo-Viertel“ – Zusammenfassung

Eine gewaltige Menschentraube breitete sich bereits Viertel vor Sieben vor der Südtribüne aus. Das Interesse brodelt gewaltig: Jene facettenreiche und ausdifferenzierte Gruppe, die aktuell den in einer Messehalle geparkten, geflüchteten Menschen Unterstützung gewährt, lud zur Info-Veranstaltung. Grüppchenweise Einlaß; ich gehörte zu fast den den letzten, die noch hinein gelassen wurden. Der „Ballsaal“ fasst 900 Menschen, es passten nicht alle rein.

Coole, von Percussion geprägte Musik von Refugees empfing mich – da liegt es fast nahe, Tocotronic und Co zu fragen, wieso sie musikalisch so wenig fähig sind, sich mit globalen Polyrhythmen musikalisch auseinanderzusetzen.

Die Veranstalter ließen völlig zu recht zunächst einen Geflüchteten seine Geschichte erzählen. Doch schon da schlich sich diese verfluchte Ambivalenz ein, die keinem vorzuwerfen ist, der ehrlich ambitioniert sich hinein wirft in den Support, aber eben nagt und so tief strukturell sitzt, dass es mich täglich in die Verzweiflung treibt: Da muss ein Mensch sich vor 1000 Leute auf eine Bühne stellen und die schrecklichsten individuellen Erfahrungen vor Wildfremden ausbreiten. Und Hochengagierte, Bewundernswerte, Sich Aufreibende lauschen gebannt und können nach ein paar Monaten intensiver, nicht entlohnter Arbeit in ihre weißdeutschen Zusammenhänge problemlos und jederzeit zurück kehren und danach zur Erholung den Mallorca- oder Kenia-Urlaub planen. Und als stete Gefahr bleibt, dass sich alle auch dann noch an der eigenen Güte berauschen, wenn die Betroffenen längst abgeschoben sind – mir erschien es jedoch so, als sei diese Gefahr den ganzen Aktiven vollauf bewusst.

Mensch verstehe mich nicht falsch: Ich kreide diese eben fundamentale Differenz niemandem an. Sie ist aber schrecklich.

Der geschilderte Lebenslauf des Refugees stand völlig quer zu den großen Erzählungen rund um Fluchtgründe. Was gut so ist, Abstrakta wie „Wirtschaftsflüchtlinge“ zu missbrauchen ist Geschäft der strategisch orientierten, „Großen Politik“ – dem gehört das Individuelle entgegen gestellt. Er berichtete von dem Aufeinandertreffen des Differenten in der überfüllten Messehalle, wo ich schon den überfüllten Ballsaal kaum ertrage. Kann mich danach mit Bier in den Park setzen und dann nach Hause gehen. Diese Möglichkeiten hat er nicht und das ist FALSCH und unerträglich.

Ich will, wie alle anderen im Saal ebenfalls, dass er das auch kann. Ganz ohne Racial Profiling zu erleben, ganz ohne Not, alleine schon, um in Ruhe das Dramatische, Furchtbare, Entsetzliche wenigstens irgendwie verdauen können zu dürfen.

Stattdessen krakeelt und eifert Innenminister de Maziére Gegenteiliges in Mikrophone und legt so rhetorisch Ursachen für weitere Brände, legitimiert meines Erachtens Gewalt gegen Geflüchtete dadurch, dass er sich von ihr treiben lässt.

Es ist einfach erbärmlich, dass nun gerade die, die jedem Hartz IV-Empfänger „Eigenverantwortung“ ins Gesicht brüllen, in Kollektiven und pauschal „sicheren Herkunftsländern“ denken und schwadronieren, eben exakt jene sind, die im Falle von Freihandelsabkommen von „Freiheit“ und „Individuum“ faseln. Bei Geflüchteten scheißen sie drauf, wenn sie selbst die Individualprüfung des Asylbegehrs durch pauschalisierende Abkommen aufheben. Und auf einmal „europäische Solidarität“ einfordern, jetzt, bei der Geflüchtetenunterbringung, nachdem sie höchstselbst Griechenland zum Einsturz brachten und Irland, Spanien, Portugal und Italien im nicht rechtlichen, in meinen Augen aber tatsächlichen Sinne nötigen und erpressen mit den Mitteln nackter Macht: Eine Farce.

Zurück vom Exkurs zum Handeln der Aktiven: Die Karo-Viertel-Initiave hat binnen kurzem Beeindruckendes auf die Beine gestellt. Die Veranstaltung diente vor allem der Vorstellung der agierenden Arbeitsgruppen: Kleiderkammer, Kinderprogramm, Deutschunterricht, Unterrichtsmaterial-Spenden, Kinderchor, Willkommensfest, Sport & Spiel, Telekommunikation, Leerstand, Übersetzungen, Medizinische Versorgung, Selbermachen/D.I.Y.-Nähmaschine, Karte, Fundraising.

Details, Kontakt beim Wunsch der Mitarbeit etc. können auf dieser Seite eingesehen werden: https://refugeeswelcome20357.wordpress.com.

Zentral war den Agierenden, immer wieder zu betonen, wie wichtig es sei, sich nicht nur auf die Situation in den Messehallen zu fokussieren. Da seien nun sehr viele aktiv aktuell, klar, das Viertel ist trendy und in begehrter Lage, Popalltagsgeschehen ist direkt um die Ecke zum Biertrinken nach all dem Elend – aber auch Schnakenburgsallee, Jenfeld und andere Auffang-, ja, -lager brauchen Unterstützung angesichts eines mutmaßlich willentlichen Versagens von Behörden und Senat und seiner in meinen Augen „Deutschland den Deutschen„-Politik. Die Initiative rund um die Messehallen ist derart öffentlichkeitswirksam und populär, dass deren Kleiderkammer mittlerweile andere Stationen mit beliefert.

Der Verweis auf das Wenig- bis Nicht-Handeln der staatlichen Institutionen zog sich als roter Faden durch die Redebeiträge: Es ist wieder eine dieser Situationen, wo privates Engagement die Löcher stopft, die die Senatspolitik aufreißt. Und das, weil zumindest meiner Beobachtung nach gerade Hamburg früh auf Abschreckung setzte, damit auch ja nicht „noch mehr kommen“.

Ich glaube sogar, dass kommunale Strukturen nicht nur in Hamburg tatsächlich überfordert sind angesichts der aktuellen Situation – auch das ist unter anderem den „weniger Staat, mehr Eigenverantwortung!“-Apologeten vergangener Jahrzehnte zu verdanken. Es ist schon erstaunlich, wie easy Konjunkturprogramme zur „Bankenrettung“ aufgelegt und sich neue Einnahmequellen aus den zwangszuverscherbelnden griechischen Flughäfen erschlossen werden, nun aber Suggestionen kursieren, es bestünde eine Konkurrenz zwischen Geflüchteten und Hartz IV-Empfängern. Ganz wie ebenfalls eingeflüstert wird, dass im Falle lauter den „Pursuit of Happiness“ als Antwort auf unfreiwilliges Leid und Elend Suchenden angeblich Knappheit herrsche.

Ich bin für ein Umwidmen des „Soli“ und eine Zwangsabgabe für von Rüstungsexporten direkt und indirekt Profitierende (also auch manch Reederei) zugunsten der Flüchtenden ohne Umlagemöglichkeit auf die Beschäftigten. Letzteres ist ja auch eine Art Wiedergutmachung.

Die gestrige Veranstaltung betreffend schienen mir das die zentralen Aussagen zu sein:

  • Informiert euch über die Arbeitsgruppen, Mitarbeit ist willkommen
  • Übt Druck auf den Senat aus, der sich schon unfähig zeigt, genug Dixie-Clos bereit zu stellen und diese sauber zu halten und dazu erst mal gebrach werden muss.
  • Konzentriert euch nicht nur auf die Messehalle, sondern agiert in euren Vierteln und Umfeldern
  • Lasst euch nicht beeindrucken vom Gefasel über „Wirtschaftsflüchtlinge“ und „sichere Herkunftsländer“; jede Biographie ist einzigartig und jeder Mensch hat gleichermaßen ein Recht auf gutes Leben und sollte über die Freiheitsmöglichkeiten verfügen können, selbst den Weg dahin zu suchen und dabei unterstützt zu werden.

Abschließend sei noch das verteilte Flugblatt zitiert:

„(…) Dass das selbsterklärte „Tor zur Welt“ Hamburg nicht darauf vorbereitet ist, einige Tausend Menschen würdig willkommen zu heißen, ist ein Skandal. Dabei gibt es reichlich Leerstand in Hamburg.

(…) Unabhängig davon, ob im Falle des rot-grünen Senats Absicht oder Unfähigkeit ausschlaggebend ist: Die miserable Behandlung von Geflüchteten hat in Deutschland System. Menschen werden von der herrschenden Politik danach sortiert, welchen Nutzen sie für Deutschland in der globalen Staatenkonkurrenz bringen. Wir lehnen diese Logik der ökonomischen Verwertbarkeit entschieden ab. Für eine solidarische Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen Vorrang haben! (…)

Wir fordern:

  • Zugang zum regulären Arbeitsmarkt

  • Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung

  • Kostenlose Sprachkurse

  • Zugang zu Bildung an Schulen, Unis & Volkshochschulen

  • Sofortige Umwandlung von Leerstand aller Art in Wohnungen

  • Bleiberecht für alle

  • für jeweils alle Refugees!

Ich schließe mich dem an!

„Kunst rehabilitiert das Menschliche“ – Symposion im Rahmen der Millerntor-Gallery #5 zum „interkulturellen Dialog“

Symposion

Ein Dialog auf Augenhöhe zwischen in Kolonial- und Missionarstradition „Helfenden“ und denen, die von ihnen wahlweise heimgesucht werden, oder die sich ihnen zu unterwerfen haben, um das nackte Überleben zu sichern?

Weit und breit nicht in Sicht.

Einseitig wird er verhindert vom institutionellen Gefüge, überheblichen NGOs, einem Caritas-Markt und mangelnder Offenheit dank eingeübter White Supremacy.

Etwas überpointiert könnte man so das Ergebnis des Symposions im Rahmen der Millerntor-Gallery zusammen fassen, das sich dem Thema „Interkultureller Dialog“ bei brütender Hitze stellte –  unter der dem Motto „Auf Augenhöhe“.

Doch das war noch nicht alles. Holt mensch sich PoC-Experten hinzu und lädt ergänzend jene auf’s Podium, bei denen aus der Praxiserfahrung heraus ein Bewusstseinswandel einsetzt, solche, in denen eher Fragenbündel wabern als vorgefertigte Antworten, so kann das ein Anfang des Abräumens des im Wege stehenden Dünkels wie auch der ökonomsichen Machtverteilung sein. Kann. Aber es ist schon mal ein winziger Schritt.

Es ist schon enorm, wie und dass Viva con Aqua eine Diskussion veranstaltet, bei der letztlich die Grundlagen des eigenen Agierens in Frage gestellt werden!!!! Danke für diese Veranstaltung!

Keine Ahnung, ob und wie das Konsequenzen hat in der praktischen Arbeit, aber die Kritik dessen, was mensch selbst tut, ins Zentrum der Veranstaltung zu rücken: Hut ab!!!! Das ist ja der Grund, Mehr von diesem Beitrag lesen

Zugehörigkeiten und: Ist nicht genug für alle da?

Für Drehbuch- und Romanautoren gibt es ein recht inspirierendes Werk namens „Der Publikumsvertrag„.

Es dekliniert durch, wie fiktionale Werke dadurch ihre Leser und Zuschauer gewinnen, dass sie ein Dazugehörenwollen in den Mittelpunkt stellen – zu wie auch immer definierten „Gemeinschaften“.

Dem folgt eine Serie wie „Gossip Girl“, deren Plot dadurch angeschoben wird, dass Dan, der Sohn des Galeristen aus Brooklyn, gerne zur High Society der Upper East Side New Yorks gehören möchte (und seine Schwester Jenny noch um einiges stärker, wozu sie sich allerlei Demütigungen aussetzt – bis sie aus der Stadt gemobbt und intrigiert wird). Das für den Zuschauer Tröstliche der Soap ist, dass die Gesellschaft der Upper East Side  derart von Intrigen, unsäglichem Umgang miteinander Mehr von diesem Beitrag lesen

Kunst und Perspektivenübernahme

Oft gehört und selten wirklich vollends richtig gefunden: „Die Moderne“ sei bestimmt durch eine Ausdifferenzierung von Rationalitäten, verschiedenen Modi der Vernunft. Zumeist gründet die Rekonstruktion der verschiedenen Modi in den 3 Kritiken Kants: Reine Vernunft als die theoretische, verallgemeinernde, die Erfahrung systematisiert und so zum Beispiel Naturgesetze konstatiert – bei Kant sind freilich Annahmen von Kausalität Verstand und Vernunft immanent. Praktische Philosophie hingegen tritt bei ihm als Moralphilosophie auf: Verallgemeinerungsfähige Handlungsgründe, welche Regeln zu begründen vermögen, die den Mensch als Zweck an sich selbst, nicht als Mittel zu irgendetwas begreifen.

Dann stellt Kant fest, dass da noch etwas fehlt: Wie hängen verallgemeinerungsfähige Regeln und das Besondere zusammen? Was also ist es, das fest stellt, dass etwas Gegebenes unter einer Regel subsummierbar ist? Er nannte dieses Vermögen Urteilskraft.

Binnendifferenzierungen ignorierend entstand so die dritte Kritik, jene der Urteilskraft. Deren Fehlen bezeichnete Kant schlicht als Dummheit. Da ist deshalb ganz interessant, weil diese weder an das Fehlen von Wissen noch Bildung gekoppelt bestimmt wird – ein Sich-nicht-Einlassen-Können auf das Besondere, unkantisch gesprochen, gilt ihm als dumm.

In der „Kritik der Urteilskraft“ analysiert er das Phänomen anhand des „Geschmacksurteils“ im Sinne des „interesselosen Wohlgefallens“ wie auch der das Erhabenen – Naturgewalten zum Beispiel, die jegliche Vorstellungskraft sprengen und von Verstand und Vernunft nicht mehr in den Begriff geholt werden können. Überwältigung.

Für die Geschichte der Ästhetik und bezogen auf die Entwicklung der tatsächlichen Kunst von Relevanz war ein Abkoppeln insbesondere von christlichen Doktrinen. Helden mussten nicht mehr gut und sittsam sein Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Wiederherstellung der Ordnung: Exkludieren, tolerieren, umerziehen

Ein biederer Chemie-Lehrer, der, um seine Krebsbehandlung zu bezahlen, zum Drogenproduzenten und – dealer wird. Eine Krimi-Serie, in der Mensch und Institution miteinander konfrontiert werden – aber so, dass jene der „Sicherheitsapparate“ und jene der Kriminalität sich gleichen, multiethnisch besetzt. Ein Landstrich, im Norden, wo Polizei und Baulöwen Hand in Hand ein Terror-Regime installieren. Eine queere Community, die sich gegen einen konservativen Politiker, der Polizeichef ist und nun Bürgermeister werden will , intrigant zur Wehr setzt – und siegt. Ein Gangster beim Pychotherapeuten. Intrigen rund um einen Politiker.

Klar, jeder weiß, was da jeweils skizziert wurde – mögen auch Queer as Folk und der Yorkshire Killer nicht ganz so bekannt sein. Klar, jeder feiert die US-Serien oder auch auch „Sherlock“ – aber es ist eben nicht nur diese staatstragende nivellierende Mitte-Orientierung

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Formale Gleichheit und materiale Differenz: Adornos Melange in der Minima Moralia

In einer Diskussion bei Facebook zu meinen Texten zur AfD, konkret: Zu jenem zur „Weltwerdung der völkischen Kirche„, verwies ein Nicht-Leser angesichts meines Adorno entlehnten Blog-Mottos auf einen anderen Passus in der „Minima Moralia“. Es ergab sich eine dieser Formen der Nicht-Kommunkation, die jeden Hinweis darauf, was in dem Text zur AfD tatsächlich steht, dahingehend konterte, dass der zum Anlass genommen wurde, das zu schreiben, was eh vom Gegenüber immer schon gedacht wurde.

Wie so oft folgen ja Lektüren dem Muster der Signalsprache: Also ein Verhalten entsteht, das jenem gleicht, das Mit-Krähen zeigen, wenn ein anderer Vogel krächzt „Da kommt ein Räuber!“. Ein Hund zum Beispiel.

Um die Diskussion zu beenden, sie ging trotzdem weiter, erklärte ich mich bereit, einen Blog-Eintrag zu eben jenem Passus aus der „Minima Moralia“ zu schreiben. Er könne den ja dann auseinander nehmen und mir hier kommentierend erläutern, was ich nicht verstanden habe.

Der Passus ist tatsächlich interessant, weil er zu zentralen Fragen, die später in der so genannten „Postmoderne“-Diskussion zu intensiven Auseinandersetzungen Anlass boten, einen Kommentar versucht.

Er enthält das N-Wort, insofern Trigger-Warnung. Nein, ich schreibe es nicht aus. Mindestens eines der folgenden Zitate ist meines Erachtens rassistisch kontaminiert; kein Mensch muss diesen Text nun unbedingt gelesen haben, wirklich nicht. Er ermöglicht jedoch die Diskussion ein paar relevanter Punkte rund um die Antidiskriminierungsfrage. Obgleich Bell Hooks und andere da deutlich besser geeignet sind.

Und der Text macht im doppelten Sinne deutlich, dass dieses N-Vokabular neutral nie verwendet wurde – zum einen kritisch, indem der Text selbst diese These entfaltet. Zum anderen kann man bei der älteren Kritischen Theorie auch nicht ignorieren, dass sie selbst eine eurozentrische Entfaltung u.a. rassistischer Motive darstellt.

Adorno diskutiert Rassismus anders als seine „antideutschen“ Adepten freilich auch anhand des antisemitischen der Nazis; diesen mit zu begründen kann man der DdA nicht vorhalten.

Wie so häufig bei Adorno postuliert

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Zwei „Querfronten“: Wieso die AfD auch Entwicklungen auf der Linken und bei Liberalen zum Ausdruck bringt

Energie folgt der Aufmerksamkeit, so einer der Leitsprüche Hawaiianischer Mystik. Und mag man das auch unter Esoterik verbuchen: Es stimmt ja, dass Aufmerksamkeitsverschiebungen, von vielen geteilt, ein Thema sozusagen „aufladen“.

Insofern werde ich mich hüten, mich nun täglich mit der AfD zu beschäftigen; solche zwanghaft-exkludierenden Kräfte mit ihren Vorstellungen „natürlicher Ordnungen“, übrigens das gleiche Begriffsfeld wie „Authentizität“ und eben Heideggers „Jargon der Eigentlichkeit“, sind am besten durch die Attraktivität der Gegenentwürfe zu bekämpfen.

Nur schaffen es Agitatoren Mehr von diesem Beitrag lesen