Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Liebe

Imaginationsarbeit an die Macht: FC St. Pauli – SSV Sandhausen 1:3

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Bevor ich weiteres schreibe: Bitte alle erst mal die Rede Abimbolas anhören!

Es ist supercool, „Refugees Welcome“-Schals im Stadion zu verteilen. Es ist grandios, auf die Lage der Roma bei der irrwitzigen Praxis, irgendwelche Drittländer als „sicher“ auszuweisen, in einer Choreo aufmerksam zu machen. Was deren Vertreter denken, sagen und erleben, kann hier angehört werden! Der Blick gehört immer auf die Bedürfnisse und Interessen der Betroffenen zurückgelenkt.

Ein sehr treffender und ausführlicher Kommentar zum Thema „Geflüchtete“ findet sich beim „Lichterkarussell„. Danke dafür! Der auch aufzeigt, wo ehrenamtliches Engagement kontraproduktiv wirken kann, wenn es sich in die neoliberale Matrix fügt. Exakt das ist wohl eines der großen Themen für die Zukunft des FC St. Pauli: Wie kann strukturell das entfaltet werden, was bisher von symbolpolitischer Ehrenamtlichkeit Nicht-Betroffener verklebt wird?

Was noch grandioser wäre als eine Choreo ist nämlich, Visionen zu erdenken, Mehr von diesem Beitrag lesen

Somewhere over the Rainbow …

„Die schöpferische Fabulation oder Fiktion hat weder mit einer Erinnerung – und sei sie auch erweitert – zu tun noch mit einem Phantasma. Tatsächlich geht der Künstler, darin eingeschlossen, der Romancier, über die perzeptiven Zustände und affektiven Übergänge des Erlebten hinaus. Er ist ein Seher, ein Werdender. (…) Er hat in seinem Leben etwas allzu Großes, auch allzu Untragbares gesehen und die Zwänge des Lebens samt dem, wovon es bedroht ist, so daß der Rest an Natur, den er wahrnimmt, oder die Stadtviertel und deren Personen zu einer Vision gelangen, die, vermittels ihrer die Perzepte dieses Lebens, dieses Augenblicks bildet, dabei die erlebten Perzeptionen in einer Art Kubismus, Simultaneismus, grellen Lichts oder Dämmerung, in Purpur oder Blau explodieren läßt, die kein anderes Objekt oder Subjekt mehr haben als sich selbst.“

Gilles Deleuze/Felix Guatarri, Was ist Philosophie?, Frankfurt/M. 2000, S. 201

Ich habe ja echt geheult, als diese Supreme-Court-Entscheidung zur Ehe gefällt wurde. Dann doch.

Erinnere mich gut daran, wie vor gut 10 Jahren z.B. das berühmt berüchtigte PI startete, zunächst unterstützt von liberalen Bloggern, die sich gemeinschaftlich im Zuge des „Pro Bush“-Bloggens formierten. Bei dieser Keimzelle des aktuellen Hasses auf – fiktiv – „den Islam“ und Muslime, PI, stand nicht zufällig auch der Kampf gegen die „Homo-Ehe“ ganz oben auf der Agenda. Das führte auch zum Bruch zwischen (Neo-)Liberalen und PI; obgleich unter ersteren auch einige sehr heterosexistisch wetterten. Andere nicht.

Das sind die Klüngel, die vorbereiteten, was nicht nur bei Pegida, sondern auch in einst mitstreitenden Blogs sich längst etabliert hat. Eben ein gewaltiger Backlash, der alles, was rund um Stonewall (was keine weiße, Cis-Gender-Veranstaltung war), die Feminismen und an Empowerment und Kritik von White Supremacy orientierte Sichtweisen aus den PoC-Communities um 67-69 kulminierte, weg beißt und auch noch ins Opfersein sich hinein dünkelt – weil trotz Erkenntnissen in die liberale Gleichheit keine materiale Möglichkeitsentfaltung zugelassen wird und der narzißtische Selbstbezug total geworden ist.

Mag sich die Fusion aus dem Hass auf Muslime und dem Kampf gegen LGBTIQ-People das in manchen Bereichen des Diskurses auch gewandelt haben: Eben da, wo nun triumphierend und geschichtsklitternd Mehr von diesem Beitrag lesen

Jenseits der großen These …

Snackable. Likable. Sloganisiert. Kein Einlassen, kein Einlass: Wie Vogelrufe – Meme, Abwehr, Notenschlüssel.

Verstellt, gestelzt, herbeigemackert: Ein Leben wie auf Transparenten. Beifall in Kneipen. Die Rede schwingt nicht, doch er sich mit ihr auf.

Lässt hinter Dir und’s Ihn entfernt die Podien bewohnen.

Dein Blick, er schweift und sucht, verweilt, kein unterwerfen; er huscht und will nichts greifen. Lauschen taucht ein in Klänge und Worte, erkundet das Unfassbare, Dargebotene; verweilt still ganz im Verlauf des Jetzt.

Aufnahme: Start. Immer zurück ins Vokabular, mit ihm jonglieren – Zugriff verwehrt, drum Bild gefunden. Eines, das sich wie Zuhause fühlt. Beobachten verlassen – drum Augen auf. Sätze nicht passend machen, sie umtanzen nur und fangen nicht ein, sie treffen nicht und können so entdecken. Es schwingt und liebt. Das Bild bewegt.

In die Akkorde lauschen. Fingerkuppen klopfen, kratzen auf Oberschenkeln die letzte Anspannung hinfort. Sie finden Melodie, folgen ihr und wissen, dass Wiederholen nur erschöpft, sich Variieren ersehnt.

Den Rhythmus finden, Farben folgen. Sie glitzern und florieren. In Blüte feiern, sehen lernen. Den Schlägen weichen. Das Nutzlos ziehen.

Ließen sie Dich, sie würden sich verlieren. Stellen Räume zu. Sind es gewohnt: Gerührt, geschüttelt, formatiert. Snackable. Likable. Sloganisiert.

Die Geburt der „Gemeinschaft des FC St. Pauli“ aus dem Geiste der Romantik?

Nein, es muss nicht jede_r sich in der politischen und Geistes-Geschichte des 19. Jahrhunderts auskennen. Bezieht mensch sich freilich explizit darauf, so wären ein paar Recherchen nix, was schaden würde.

„Tölle stellte u.a. in einer urkomischen Performance mit Lothar Matthäus einen der „ganz großen Romanciers des Fußballs“ vor und sorgte mit einem einleitenden Text des Dichters Friedrich von Hardenberg alias Novalis (1798) für einen ungewöhnlichen Start. „Die Welt muss romantisiert werden!“, forderte Novalis in seinem Text, der so etwas wie ein „Grundprogramm der Romantik“ darstellt.

Sein Ziel, „dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Endlichen einen unendlichen Schein“ zu geben, finde sich auch heute im Fußball wieder, so Christoph Nagel: „Ein Ball rollt in ein Netz. Eigentlich nichts Besonderes. Aber jeder hier im Saal weiß, was für unendliche Gefühle das auslösen kann!““

Ja, witzig, bierselig-sentimental in der Unendlichkeit zu schwelgen. Nun ist die Zusammensetzung eines Panels nie zufällig, und ist nur eine Frau dabei, fällt das eh schon auf. Um so mehr, wenn zwei Tage später auf dem Platz jene, deren Sichtweisen auf die weißdeutsche „Romantik“ und wie sie sich beim Moderator, Rettig oder Tölle artikuliert, mich tatsächlich interessieren würden, nämlich die Spieler des FC Lampedusa, jene Rolle einnehmen, die Schwarzen in dieser Gesellschaft eingeräumt wird: Fussball spielen. Dabei weiß jeder, der ihnen je lauschte, wie ungeheuer lehrreich das ist. Warum diskutiert da keiner mit? Wurden sie gefragt und wollten nicht? Falls ja, und sie wollten nicht, erübrigt sich der Einwand.

Ich habe auch gegen Novalis nix einzuwenden, würde von Moderatoren des ach so politischen FC St. Pauli wenigstens, Historiker!, sich mal schlau gemacht im Vorfeld, Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio : Neues aus dem Metalustversum! FSK, Mo, 11.5., 14-16 h

Reiner Zufall! Ja, aus mangelnder Vorbereitungszeit – Angebote von Mäzen_innen nähme ich gerne entgegen! – regiert die Sendung morgen das EinfachmalsoherumliegendeBücherzufälligirgendwoaufschlagenundvorlesen. Deshalb auch vorab keine Literaturliste, das wäre für meine 3 Hörer_innen ja öde. Wie immer  auf dem FSK!

Die Tracklist sei dennoch nicht ausgespart:

Donna Summer – On the Radio
Auf dem Weg ins Kaufhaus erledigte ich noch einen kleinen Hauskauf – Dear Existenz
Benjamin Herrmann – Namely You
La Canaille – Jamais nationale
MC Solar feat. Kerry James – ? (Je ne veux pas aller á la guerre)
Henri Dikongué – Ho a Muto
Manu Dibango – Soul Makossa
Rufus Wainwright – Poses
Patrick Wulf – Count the Casualty
Beach House – Other People
Gus Gus – Another Life
Eddie Silverton – Another Day
Barbara Manson – Another Man
David Morales – Needin’ you
Joe Smooth – Promised Land
Cabaret Voltaire – Just Fascination
Erasure – Dead of night
Clueso – Herz Boom Boom
Hildegard Knef – Du bist das Salz in der Suppe (Hannes Nieswandt-Remix)
Frederika Stahl – Deep Breath then dive
Michael Henderson – Goin’ Places
Hoffe, das Ganze ist nicht zu krude geworden – wünsche auf jeden Fall viel Spaß bei der Zufallsausgabe der Metalustversum-Akustik-„Show“!

Kunst und Perspektivenübernahme

Oft gehört und selten wirklich vollends richtig gefunden: „Die Moderne“ sei bestimmt durch eine Ausdifferenzierung von Rationalitäten, verschiedenen Modi der Vernunft. Zumeist gründet die Rekonstruktion der verschiedenen Modi in den 3 Kritiken Kants: Reine Vernunft als die theoretische, verallgemeinernde, die Erfahrung systematisiert und so zum Beispiel Naturgesetze konstatiert – bei Kant sind freilich Annahmen von Kausalität Verstand und Vernunft immanent. Praktische Philosophie hingegen tritt bei ihm als Moralphilosophie auf: Verallgemeinerungsfähige Handlungsgründe, welche Regeln zu begründen vermögen, die den Mensch als Zweck an sich selbst, nicht als Mittel zu irgendetwas begreifen.

Dann stellt Kant fest, dass da noch etwas fehlt: Wie hängen verallgemeinerungsfähige Regeln und das Besondere zusammen? Was also ist es, das fest stellt, dass etwas Gegebenes unter einer Regel subsummierbar ist? Er nannte dieses Vermögen Urteilskraft.

Binnendifferenzierungen ignorierend entstand so die dritte Kritik, jene der Urteilskraft. Deren Fehlen bezeichnete Kant schlicht als Dummheit. Da ist deshalb ganz interessant, weil diese weder an das Fehlen von Wissen noch Bildung gekoppelt bestimmt wird – ein Sich-nicht-Einlassen-Können auf das Besondere, unkantisch gesprochen, gilt ihm als dumm.

In der „Kritik der Urteilskraft“ analysiert er das Phänomen anhand des „Geschmacksurteils“ im Sinne des „interesselosen Wohlgefallens“ wie auch der das Erhabenen – Naturgewalten zum Beispiel, die jegliche Vorstellungskraft sprengen und von Verstand und Vernunft nicht mehr in den Begriff geholt werden können. Überwältigung.

Für die Geschichte der Ästhetik und bezogen auf die Entwicklung der tatsächlichen Kunst von Relevanz war ein Abkoppeln insbesondere von christlichen Doktrinen. Helden mussten nicht mehr gut und sittsam sein Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Angst und das Urteil oder Tränen lügen nicht: FC St. Pauli – FSV Frankfurt 1:1

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Über Angst zu philosophieren hat eine ebenso lange Tradition wie sie zu haben.

Manche unterscheiden zwischen Furcht und und Angst: Erstere sei konkret, letztere diffus. Erstere befürchte ETWAS, letztere habe den Menschen/der Mensch.

Religionen wurden vermutlich gar nicht erfunden und kanonisiert, weil die, die sie durchsetzten, gemeint sind nicht die, die ihr freiwillig bekehrt folgten, an irgendetwas oder irgendwen glaubten – sondern weil Vermutungen über Vorgänge nach dem, wovor viele am meisten sich ängstigen, dem Tod, herbei spekuliert wurden. Die schrecklich oder traumhaft sein könnten. Und weil dann Behauptungen manipulativ direkt an den Lüsten und Begierden angesiedelt Personen eingepeitscht wurden, dass ihre Art zu leben Konsequenzen in der Ewigkeit nach sich zöge, wuchs die Macht. Ich glaube übrigens, dass Religion und Glaube nicht das gleiche sind und sogar das Gegenteil voneinander werden können. Und ich will auch nicht gegen wohl motivierte Erlösungshoffnungen polemisieren. Es geht mir um politische Macht. Und die Hölle hat meines Wissens erst das Christentum erfunden. Okay, griechische Mythen waren auch nicht ohne,

Säkular sind Hartz IV oder das Straf- und Asylrecht Methoden, mit Angst per Abschreckung zu regieren – auch Eltern können das können, den Aktionsradius naturgemäß neugieriger Kinder durch Visionen furchtbarer Konsequenzen einschnüren.

Angst motiviert zur Vermeidung und kann, in Panik gekippt, für Individuen grausame Verhaltensmuster nach sich ziehen oder auch körperlich massive Reaktionen erzeugen.

Manche behaupten auch, Angst sei doch nützlich – sie schütze vor dem unbedachten Eingehen gefährlicher Situationen.

Jean-Paul Sartre sah den Menschen Angst SEIN: Vor allem die vor der eigenen Freiheit und Verantwortung.

Bestimmte Personengruppen werden, da sie stets latenter Bedrohung ausgesetzt sind, durch Angst geformt und sozialisiert: Frauen, LGBTIQ und PoC. Auch Klassismen wirken so.

Dominante Teile der Mehrheitsgesellschaft implementieren Mechanismen, dass diese Gruppen sich nie sicher fühlen können und üben so Macht über sie aus. Besonders perfide ist, dass genau diese dominanten Gruppen nun auch noch als „Besorgte“ ihren brutalen und ins Mörderische umschlagen könnenden Gesinnungsterror in sämtliche Massenmedien ergießen, um ihr Regiment der Angst aufrecht zu erhalten.

Aber was genau nun eigentlich treibt hervorragend ausgebildete, weit überdurchschnittlich fähige, durch- und austrainierte Männer auf dem Rasen des coolsten Stadions Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Musical – verdammt viiiiiiiiel Gefühl zwischen Camp, Kommerz und Konvention, Fr., 20.00 h, FSK

Ich hätte den Ankündigungstext vielleicht noch mal lesen sollen 😀 – ja, ich löse vieles ein, was ich da geschrieben habe. „Konvention“ und „Kommerz“ kommen jetzt allerdings eher indirekt vor. Obwohl ich sogar noch eine halbe Stunde on top bekommen habe und die Sendung zweieinhalb Stunden lang ist, fehlt mir trotzdem noch ganz viel. Das war aber notwendig, auszudünnen, weil die Story bis ins 19. Jahrhundert zurück reicht. Und die differenten Wurzeln in Europa und den USA eben auch kritisch gewürdigt sein wollen. Zum Anhören einfach auf „Mp3-Stream“ klicken.

Ich muss vielleicht bei Gelegenheit noch eine zweite Sendung hinterher schießen, da liegt noch viel Umthematisiertes herum, und es fehlen unter anderem  „Hair“, „Les Miserables“, „Cabaret“, „Sister Act“, „Mama Mia!“, nur ein Song von Stephen Sondheim … und auch „Finding Fela!“, ein 2008 in New York uraufgeführtes Musical über Fela Kuti, habe ich nicht unter bekommen. Obgleich da sogar die unvergleichliche und überragende Patti Labelle mitgesungen hat. Eine doppelte Streisand habe ich mir trotzdem gegönnt.

Das Ergebnis ist aber hoffentlich nichtsdestotrotz inspirierend geworden. Es ist schon immer erstaunlich auch für mich, was selbst dann, wenn ich mich halbwegs vorbereite, für eine Eigendynamik in der Erzählung sich entwickelt. Ergebnis gefiel mir dann trotzdem 🙂 …

Hier wie immer die Playlist:

 

Sophie Tucker – Some of these days. (Ist zwar aus keinem Musical, man hört aber Vaudeville heraus, und der Song spielt eine gewichtige Rolle im Finale von Sartres „Der Ekel“. Wer hinein liest, wird dort bedauerlicherweise rassistisches Vokabular finden, vorlesen tue ich das nicht. Es ist trotzdem ein faszinierendes Stück Literatur und das Vokabular meines Erachtens nicht prägend für das, was ansonsten drumherum geschrieben wird. Da lasse ich mich aber wie immer korrigieren, falls ich was nicht peile, und veröffentliche Interventionen prompt)
John Barrowman – Dreamers (aus: „Jean Seaberg“)
Marlene Dietrich – You do something to me (aus: „Fifty Million Frenchmen“)
Elaine Page – Anything goes (aus: „Anything goes“)
Chita Rivera & Mary McCarty – Class (aus „Chicago“, Original Cast Albums)
Donna Murphy – Surabaya Johnny (aus: „Happy End“)
Wayne Shorter – Mack the Knife (aus: „Dreigroschenoper“)
Gene Kelley – Singing in the rain (aus: „Singing‘ in the rain“)
Original Cast of the Kiss of the Spiderwoman – Only in the Movies (aus: „Kiss of the Spiderwoman“)
Zarah Leander – Kann die Liebe Sünde sein (aus: „Der Blaufuchs“)
June Anderson, London Philharmonic Orchestra – Glitter and be gay (aus: „Candide“)
Duke Ellington – Hit me with the hot note (aus: „Sophisticated Ladies“)
Fred Astaire – Puttin‘ on the Ritz (aus: „Puttin‘ on the Ritz“)
Carol Woods – Wasted Life Blues (ursprünglich von Bessie Smith. ist aus keinem Musical, das an der Stelle aber mit Absicht. Außerdem entnommen dem Album „Diva Collection“)
Georgette Dee – Die Jahre sind ein Buch (aus: „Beiß mich, ich will das Leben spüren“)
Hildegard Knef – Medley aus „Silk Stockings“
The London Theatre Orchestra & Cast – Masculinity (aus: „La Cage aux Folles“
Tim Curry – Sweet Transvestite (aus: „Rocky Horror Picture Show“)
Gloria Gaynour – I am what I am (aus: „La Cage aux Folles“)
Original London Cast – The Movie in my mind (aux: „Miss Saigon“)
Barbra Streisand – Send in the clowns (aus: „A Little Night Music“)
Hartwig Rudolz – Mehr will ich nicht von Dir (aus: „Phantom der Oper“)
Barbra Streisand – „Somewhere“ (aux: West Side Story)
Rio Reiser – Somewhere over the rainbow (aux: „Wizard of Oz“)

 

Hier auch wie immer die Literaturliste:

 

– Bourdieu, Pierre, Die feinen Unterschiede, Frankfurt/M. 1996 (8. Auflage)

– Deleuze, Gilles, Das Zeit-Bild, Frankfurt/M. 1997

– Greenberg, Clement, Avantgarde und Kitsch, in ders.: Die Essenz der Moderne, Hamburg 2009

– Illing, Frank, Kitsch, Kommerz und Kult – Soziologie des schlechten Geschmacks, Konstanz 2006

– Puig, Manuel, Der Kuß der Spinnenfrau, Frankfurt/M. 1979

– Sartre, Jean-Paul, Der Ekel, in ders.: Gesammelte Werke – Romane und Erzählungen, Reinbek bei Hamburg 1987

– Schmidt, Günther, Das grosse DerDieDas, Reinbek bei Hamburg 1991

– Sontag, Susan, Anmerkungen zu „Camp“, in dies.: Kunst und Antikunst, Frankfurt/M. 2006 (8. Auflage)

 

Folgende Quellen habe ich zusätzlich verwendet:

 

– „Vaudeville and the American Entertainment Industry“, Racism in the United States (Achtung, Triggerwarnung, Link führt auf rassistische Darstellungen)

– „Ohne Anführungszeichen“, Stöger, Katharina/Dirk, Valerie . Ich finde vieles hochproblematisch in dem Text, anderes war schlicht und ergreifend sehr informativ.

 

Die Dialektik von Ordnung und Varianz: FC St. Pauli – Union Berlin 3:0

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Die kurioseste Passage im OZ-Buch ist, es wundert kaum, jene, da psychiatrische Gutachten sich des Sprühlings annahmen. Die Funktionsfähigmacher, Unterdrogensetzer (ja, manche brauchen das Zeug auch und dann ist es ja gut so, wenn sie’s bekommen) und ihr Blick: Irgendwie schwingen da oft die Elektroschocks mit, die man Schwulen einst zum Abgewöhnen des Begehrens verabreichte.

Eines dieser Highlights der Indvidualisierung des Strukturellen, des Aufbürdens kollektiver Zurichtungen dem Einzelnen spricht aus einem der Gutachten zu OZ: „Aufgrund seines schweren Schicksals neigt Herr F. dazu, sich in Dinge hineinzusteigern. Er fühlt sich leicht abgelehnt und verfolgt“.

Und das wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, da auflagenstark der Boulevard ihn wortgewaltig hetzte, Innensenatoren in spe ihn für immer einsperren wollten.

Ihn, dem das Leben von Sozialhilfe von der BILD um die Ohren gehauen wurde, als müsse man an ihm das Exempel all der für nutzlos, überflüssig und dsyfunktional Erklärten statuieren. Die nicht auch noch wagen sollen, die Schnauze aufzumachen – oder gar zu sprühen.

Ihm, der noch bevor die CDU Wahlkampf gegen „Brandt alias Frahm“ machte, um die uneheliche Herkunft wie auch das Nutzen eines Tarnnamens im Widerstand gegen die Nazis herauszustellen, außerhalb der christlichen Zwangsehe in diese Welt geworfen von Caritasschwestern als „Satansbrut“ bespuckt wurde. Er kritzelte daraufhin auf Tischen herum, und die Sozialhygieniker rasteten aus. Immer wieder, immer neu – wie OZ da wohl den Eindruck bekam, in einer ihm feindselig begegnenden Welt zu leben, auch weiterhin, also, ganz klar ein Knacks. Der steigerte sich da nur rein.

Lustig auch der psychiatrisch geäußerte Satz „Er sprüht, um der Welt zu zeigen, dass er da ist!“ Was man so wohl angesichts jedes Facebook-Kommentators, jedes Innensenator-Statements und jedes Hupens auf der Straße ebenso diagnostizieren könnte. Dass nun ausgerechnet Redakteure großer Schmierfinkblätter fragten, wie „gestört“ dieser Mann sei, während sie fortwährend einvernehmliches Miteinander stören, na, manch Kommentator unter Fotoveröffentlichungen des FC St. Pauli scheint sich dem Hörensagen nach dem angeähnelt zu haben. Legalismus ist ein Zeichen für mangelndes, demokratisches Bewusstsein, ihr Lieben.

Nun stand das gestrige Spiel ganz im Zeichen von OZ, und das war auch gut so! Wie cool die quietschbunte

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Zwei „Querfronten“: Wieso die AfD auch Entwicklungen auf der Linken und bei Liberalen zum Ausdruck bringt

Energie folgt der Aufmerksamkeit, so einer der Leitsprüche Hawaiianischer Mystik. Und mag man das auch unter Esoterik verbuchen: Es stimmt ja, dass Aufmerksamkeitsverschiebungen, von vielen geteilt, ein Thema sozusagen „aufladen“.

Insofern werde ich mich hüten, mich nun täglich mit der AfD zu beschäftigen; solche zwanghaft-exkludierenden Kräfte mit ihren Vorstellungen „natürlicher Ordnungen“, übrigens das gleiche Begriffsfeld wie „Authentizität“ und eben Heideggers „Jargon der Eigentlichkeit“, sind am besten durch die Attraktivität der Gegenentwürfe zu bekämpfen.

Nur schaffen es Agitatoren Mehr von diesem Beitrag lesen