Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: FC St. Pauli

“How come the things that make us happy make us sad” – FC St. Pauli – Erzgebirge Aue 0:0

(Dritter Versuch, nachdem ich zwei Mal aus Versehen zu früh veröffentlichte, das iPad nicht beherrschend)

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“Remember when you first found love
how you felt so good
Kind that last forever more so you thought it would
Suddenly the things you see got you hurt so bad
How come the things that make us happy make us sad
Well it seems to me that Joy and pain are like sunshine and rain
Joy and pain are like sunshine and rain”

Ach ja. Seufz. Maze feat. Frankie Berverly. Freitag nacht noch in alter Heimatstadt in Nachfolgekneipen (“… und der böse Wolf”) legendärer Saufstätten (“Rotkäppchen”) mit Youngstern, die noch nicht mal geboren waren, als ich die Stadt verließ, von meinem FC St. Pauli geschwärmt. Kurz zuvor mit Blick auf Ex-Weltaustellungsgelände über die Kifferdiscos schwadroniert, da ich in früher Jugend langhaarig nach 40 km Fahrt übers platte Land gen “Zonengrenze” jene Rhythmen internalisierte, die wie zufällig aufsteigen und doch als Boden, auf dem ich wanke, mir den Weg weisen, wenn ich Saxophon übe, die mich begleiten … Kurtis Blow “The Breaks”, Commodores “Brick House” und Maze eben auch. Dankeschön!

Ach ja, seufz. Durch die Tristesse und Melancholie niedersächsischer Trabantenstädte stundenlang gelaufen, den Kindergarten, die Grundschule, den Ort des Erwerbs der “Hochschulreife” beguckt, da ich dem Existentialismus einst pubertierend mich hingab und noch am Gelände vorbei spaziert, da Haarmann einst dem Seelenforscher-Interview gestellt wurde. Heute feiert die Stadt dort “150 Jahre Psychiatrie!”. Mich einmal mehr gewundert, wie ich wurde, wie ich war, dort an der Ausfallstraße nach Norden, durch Erinnerungen, nicht nur schöne, schweifend und froh seiend, dass es Vergangenheit gibt …

Ach ja, seufz. Glücklich, dass die Trabantenstadt so lang schon hinter mir liegt, ins Millerntorstadion gepilgert. Zuhause! Froh auch, nun schon mehr Zeit in Hamburg verbracht zu haben als in dieser Öde einstiger Alltagsbewältigung.

Ach ja, seufz. Voll Hoffnung in die Fähigkeiten des Kaders und Vertrauen in die Routine Ewald Lienens auf meiner Haupttribüne meinen Platz eingenommen, so vertraut. Beim Aufwärmen der Mannschaft noch gedacht “Boah, der Nöthe ist aber auch echt voll Porno!”, halleluja!, so einer hätte mir mal einst im “Café Caldo” unweit des Steintores über den Weg laufen sollen! Ein Florian Bruns-Becher mit Bier: Prima Omen! Und ein doppelter Regenbogen am Firnament! Bis auf Anfangswirren gute erste 8 Minuten – Circa-Angabe.

Ach ja, seufz. Dann war da noch der Rest des Spiels.

Ach ja, seufz. Nach dem Spiel vor der Domschänke war schon sehr schön. Vertraute, tief in meinem Herz versenkte St. Paulianer. Und ein sehr charmanter Berliner Fahrradkurier auch dabei. Gespräche über DDR-Punk und das Vergehen der Zeit. Nach dem Spiel ist immer prima.

Ach ja, seufz. Noch schöner wäre es natürlich, einen euphorisierten, neu entflammten, begeisterten, emotionstrunkenen Spielbericht über Hammer-Spielzüge, den lupenreinen Hattrick Coopers (den ich aber auch so richtig super fand), den Ideenreichtum, die Konzentration und das trotzige Niederkämpfen Aues durch ein nun vollends sich gefunden habendes Team des FC St. Pauli zu schreiben.

Doch wie sangen Maze schon damals in der Kifferdisco so treffend?

“How come the things that make us happy make us sad?”

Alles anders und doch so gleich: FC St. Pauli – Greuther Fürth 0:1

FÜRTH

 

 

“Auf den Straßen nur noch Lebenssurrogate, 
Liebesschwüre schwanken müde heim. 
Wieder nichts geschafft als Plagiate, 
und es wäre doch so schön, ein Held zu sein.”

(Konstantin Wecker, Vom Frieren)

Lieder machen aus Fussball spielen – was war denn nun Strophe gestern Abend, was Refrain, was Bridge? War das nun dem Blues-Schema folgend oder Schubert-Lied?

Nee, Blues war es nicht. Das Blues-Schema als eher starre Form ist zu facettenreich in all den Weisen, die es füllten und füllen, Paradebeispiel dafür, dass eine recht starre Abfolge der Akkorde durch Nuancen derer, die sie zum Leben erwecken, die ganze Vielfalt des Ausdrucks zum Singen bringen kann. Von Bessie Smith über Miles Davis bis Y’akoto..

Orientiert man sich an den akustischen Grausamkeiten, die vor dem Spiel aus den Boxen drangen, war es wohl eher die Austreibung des Blues mit den Mitteln der Heavy Metal-Gitarren. Das schienen die Spieler zu kopieren. Weil ihnen vermutlich gesagt wurde, der FC St. Pauli sei so. Was spielten sie noch zauberhaft, als man ihnen Vicky “Ich liebe das Leben!” ließ, aber das wurde ja strikt heterosexuell nieder gebuht von jenen, die immer noch glauben, Punkrock sei je die Antwort gewesen.

Die alten Wecker-Scheiben würden vielleicht helfen … genug ist nicht genug! Wer nicht genießt ist ungenießbar! Das macht mir Mut! So muss es sein!

Und draußen steigt die Sonne hoch, 
bei uns die Fantasie. 
Jetzt auf die Straße! Lacht sie aus, 
die Scheiß-Technokratie!

(Konstantin Wecker, Das macht mir Mut)

Nur, passt das? Zu dem, was frierend gestern im Stadion zu sehen war? Alles anders und doch gleich. So fühlte es sich mir zumindest an. Als würde ein Zitat misslingen, obgleich es doch mit neuem Elan aufgesagt wurde. Weil so höllisch schön auf Bunkerdächern aufflammte, was keine Zukunft, kein Werden findet aktuell.

Alles wurde getan: Dritter Trainer, neue Spieler, hässliche Kampagne mit Maulstopf-Slogan “Einfach mal die Klasse halten!” – wer hat eigentlich diese grausige Victory-Zombie-Hand entworfen oder abgesegnet? The Walking Dead fiel mir dazu ein …

Style und Inhalt finden im besten Falle zueinander, aber wenn das nun der Look meines Fussballvereins sein soll … willkommen in der Gruft!

Wie schon in Sandhausen ganz aufgedreht die ersten 20 Minuten, waren es 4 oder 5 Großchancen? Dann ein Gegentor, das von uns aus wie Abseits aussah, ein Torwartfehler des hinreißenden Himmelmann, der hat ja Style im Schreiben!, und dieser Eindruck, dass da Aufziehmännchen umeinander Kreise drehen im Dress des FC St. Pauli.

Zweite Halbzeit gegen tretmühlenhafte Fürther maximales Engagement, unorchestriert, aktionistisch. Koch assimiliert sich offenkundig schnell an eingeübte Töffeligkeiten, Sobota drehte echt hoch dynamisch auf, richtig gut, und doch wollte trotz der geballten Erfahrung der Dirigentschaft des Trainers der Eindruck nicht weichen, ein selbstreferentielles Solistenensemble spiele aneinander vorbei und habe zudem Abschlußpanik.

Ich verstehe es einfach nicht, dass bestens ausgebildete Akteure es schaffen, derart zu verdaddeln, wo sie, so scheint es mir als Niegespielthabendem, doch nur den Fuss hin halten müssten. Wie kommt das?

Woher diese Unstimmigkeiten, die mit gut gesetzten Dissonanzen in avancierter Musik so gar nichts zu tun haben? Es wirkte alles wie so oft bei uns wie die Simulation dessen, was alle noch für den FC St. Pauli halten: Kampfgeist, rennen, Ereifern über Ungerechtigkeiten (des Schiedsrichters, meine ich) – aber eben nur noch wie die Simulation.

So freuten sich auch allesamt zu recht über die großartige Pyro-Performance auf dem Bunker zum Einlaufen, aber … ich glaube ja immer noch, dass das Selbstverständnis als nur geschichtsbezogenes sich auf magische Weise sogar auf dem Feld verbreitet, weil zu viel Stagnation längst trotz Stadionneubau in die Hirne sich gefräst hat. Dass die Spieler sich in Rollen zu fügen haben, die sie gar nicht mehr so richtig verstehen, jeder eher mit sich beschäftigt. Dass sie irgendwas vorgeben sollen, während sie doch anderes leben und spielen wollen würden.

Ja, esoterische Analogieschlüsse sind unzulässig, aber es kann nicht gut sein, wenn man friert. Da hat Konstantin Wecker schon recht.

Ich werde dieses Fremdeln einfach nicht los derzeit, dieses Hoffen, Bangen und Erwarten, dass dann doch den frostigen Lappen der Gegenwart in Gesichter geschleudert bekommt. Da zieht sich trotz aller Duracell-Häschenhaftigkeit und dem Versuch, Ratlosigkeit durch Hyperaktivität zu bekämpfen,etwas merkwürdig Distanziertes durch alles mitten hindurch. So dass Fürth sich nur wie Obelix hinzustellen brauchte, um die Jungs an sich abprallen zu lassen.

Da ist in den tiefgefrorenen Lebenssurrogaten die Sexyness verloren gegangen, die erwartungsfroh angespannte Lässigkeit des Verführenwollens.

Dabei, so paradox das scheint, wäre gerade der Tabellenplatz dafür wie geschaffen. Ist der Ruf erst ruiniert, spielt es sich doch ganz ungeniert. Oder?

 

Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 9.2., 14-16 h, FSK Hamburg

Vor lauter Arbeit kam ich kaum noch zum Bloggen, die nächste Radiosendung der “Tales of St. Pauli” aus gescheiterten Moderationen, toller Musik und einem fortwährenden Verstoß gegen Regeln der Servicehaftigkeit habe ich soeben dennoch fertig gestellt. Wird Montag ausgestrahlt.

Diesmal witzel ich im Vorbeigehen über einstige Aussagen des neuen Trainers Ewald Lienen und die “Einfach mal die Klasse halten!”-Kampagne des Vereins, lästere über den Facebook-Auftritt des Jolly Roger und verlese den im folgenden verlinkten, ungemein wichtigen, weil über den akuten Anlass hinaus strukturell bedeutsamen Text:

Community Statement: “Black” Studies at the University of Bremen

in Auszügen auch auf deutsch im Blog von Noah Sow zu lesen (das verlese ich auch):

SCHWARZE STUDIEN OHNE SCHWARZE LEUTE: COMMUNITY STATEMENT ÜBER DIE IMPLEMENTIERUNG VON “BLACK” STUDIES AN DER UNIVERSITÄT BREMEN

Ziemlich albern wirkt dagegen meine Lesung von Tweets, geschrieben parallel zum Sandhausen-Spiel.

Außerdem kommentiere ich den merkwürdigen Wandel des “Rechtsstaates” von einer Selbstbeschränkung staatlicher Willkür hin zu “List und Tücke” (Michael Neumann) und einer Anforderung an das Bewusstsein der Staatsbürger, während diverse Grundsätze meines Erachtens von der vermeintlichen “Gefahrenabwehr” folgenden Disziplinen unterlaufen werden und der Staat sich nicht mehr groß drum kümmert, was als Lehre aus dem “3.Reich” er sich selbst einst auferlegte.

Unsortiert rede ich u.a. diesen Gedanken folgend ein wenig über die Serie “The Wire”, ohne auch nur einmal zu erwähnen, worum es darin überhaupt geht, und lausche Xavier Dolan, obgleich ich nur einen seiner Filme nenne.

Das Finale bilden dann kurze Erläuterungen zu Thomas Bauers “Die Kultur der Ambiguität” und Gunnar Hindrichs “Die Autonomie des Klangs”.

Hier wie immer die Tracklist:

Jingle “Nun aber doch”
Lisa Simone – Interlude
Donna Summer – On The Radio
Moldy Peaches – These Burgers
Two Dancers – We Still Got The Dancin’ On Our Tongues
The Lumineers – Flower in your hair
Klaus Hoffmann – Wenn ich sing
The Blind Boys Of Alabama – Way Down To The Hole
Theo Parrish – Make No War
Joshua Redman – People Like You
Harlem River Drive – Harlem River Drive Theme
Lisa Simone – As Is well
Curtis Harding – Next Time
Miss Dominique – Les Moulins de mon coeur
Bent – Magic Love
Jingle “Fubbel”
Patrick Juvet – Medley Gay Paris
Julia Bell – We Watch The Stars
Badi Assad – Saudade Verdade Sorte
CéU – Mais Um Lamenta
Ingrid Caven – Chambre 1050
Mittendrin ist auch noch ein gnadenlos verunglückter Versuch eines Mashups aus “Happy” und “Self Destruction” zu hören, der sich aus einer Kommunikation mit Odradek/Twitter ergeben hat. Viel Spaß, wer auch immer sich das geben will  – zu erlauschen beim FSK-Hamburg.
Literatur:
Thomas Bauer, Die Kultur der Ambiguität, Berlin 2011
Gunnar Hindrichs, Die Autonomie des Klangs, Berlin 2014
 UPDATE: Die Black Knowledges Research-Group, der die oben verlinkte, massive Kritik galt, hat sich aufgelöst, weil sie die Intervention als zutreffend und richtig erkannte (via Mädchenmannschaft). Das freilich schafft ein zu füllendes Vakuum: Es anders machen – unter der Regie von PoC, und zwar ausreichend finanziert.

Eher Big Band als Modern Jazz Ensemble: FC St. Pauli – VFR Aalen 3:1

 

Aalen

Ja, ich habe mich gefreut.

Und wie!

Ich habe sie wieder geliebt, bin ihnen gefolgt, ganz, wie Baudrilliard ausführte, dass man dem Anderen folgte, von ihm verführt – ich glaube, der war das, der dergestalt dachte und es aufschrub.

Und so sehr das Gewettere, gestern durchtränkt  Mehr von diesem Beitrag lesen

Was ist überhaupt eine “Identifkationsfigur”

“Fehlt bei St. Pauli eine Identifikationsfigur wie Fabian Boll, ein Typ, der die Mannschaft mitreißen kann?

Dreyer: Ja, in jedem Fall. Boller klar, der würde der Mannschaft guttun. Aber einen Boller kannst du dir nicht aus den Rippen schneiden. Ich glaube übrigens, dass das Abschiedsspiel für Boller der Mannschaft geschadet hat. Plötzlich war das Stadion gegen sie und hat die “Alten” angefeuert. Und dann haben sie auch noch 1:5 verloren. Ich glaube, mit der Situation konnten einige nicht umgehen, Das hat sie verunsichert, und das schleppen sie immer noch mit.”

Das könnte wahr sein. Das könnte sogar das Problem sein. Auch die vom Magischen FC beklagen das Fehlen einer solchen “Figur”.

Es ergab sich neulich analog bei Facebook eine kuriose, aber spannende Diskussion rund um die Idole vergangener, vielleicht auch noch aktueller schwuler Subkulturen.

Noch in meiner Generation waren das sehr wenige, und Rosa von Praunheim bot nun zumindest für mich wenig Möglichkeiten, mich da zu identifizieren. Dann schon eher John Waters oder Marc Almond. Die Generation davor hatte kaum Angebote, außer Zeichen zu deuten – Anspielungen im Subtext und der Ikonographie zu Zeiten der Illegalität homosexueller Praktiken.

Pasolini lud noch am ehesten ein, “Teorama” zum Beispiel.

Man begab sich auf Spurensuche und suchte in der Historie, Mehr von diesem Beitrag lesen

Wie wird es, ein St. Paulianer zu sein? FC St. Pauli : Kaiserslautern – ach, das Ergebnis ist doch egal.

Okay, okay, okay. Nein, ich habe nichts zurück zu nehmen.

Das ist mein Ernst ;) … mögen auch die Zahlen meines Traffics hier in letzter Zeit besser gewesen sein als die Ergebnisse der Mannschaft, nun auch wieder heute gegen die Region: Das heißt ja nichts. Weil heute alles anders war. Besser. Viel besser. Und vielleicht sogar der Auftakt zu einer richtig guten Zukunft.

Weil Zahlen nicht wirklich etwas besagen. “Die Tabelle lügt nicht!”

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Erläuterungen zum offenen Brief an die Mannschaft

Der letzte Blog-Eintrag “Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …” ist in der Geschichte dieses Blogs der mit Abstand meistgelesene. Das war tatsächlich zu meiner Überraschung mein persönlicher Besucherrekord. Und wurde nun auch noch im Abendblatt zitiert.

Ich habe damit, wie man so sagt, wohl “einen Nerv” getroffen, sehr viel Zustimmung, Unterstützung und Beifall gefunden. Dafür einen ganz herzlichen Dank! Es hat allerdings auch derart drastische Gegenreaktionen gegeben, dass ich mich davon noch erhole. Weil die Attacken an einem Punkt ansetzen, der mir so neu nun auch nicht ist in der “aktiven Fanszene”, was auf Dauer zermürbt.

Es wurde nun schon zu mehr Liebe statt wechselseitigem Zerfleischen aufgerufen, völlig richtig und Danke! – ich will versuchen, die kritisierten Punkte, die ich weiterhin für sachlich gerechtfertigt erachte, nun noch einmal aufzugreifen in einem eigenen Eintrag. Der wird jetzt sehr lang, sehr ausführlich, sehr anstrengend und ich kenne viele, die den Text sehr viel besser schreiben könnten als ich. Die kann mensch allesamt ganz simpel googeln ;) … wie Rezepte für Hähnchen im Wok ja auch. Und über Anmerkungen, Korrekturen und Ergänzungen freue ich mich sehr.

Freilich werde ich die Punkte nicht erläutern, um sie im Sinne des “Absolutismus” eines Blogs mit normalerweise eher geringer Reichweite nun allseits zu verordnen.

Wenn nicht stpauli.nu mich verlinkt, ist dieses Blog, von einem vereinzelten, schwulen St. Pauli-Fan betrieben, keine mit besonderer Machtfülle ausgestattete, gesellschaftliche Position. Da ich nun selbst regelmäßig ganz schön zulange, kann und muss ich mit Antworten und Kritik auch gut leben. Manche setzen allerdings auf Ebenen an, dass es schwerer fällt. Die aktivieren das, was ich schon auf dem Schulhof fürchtete und was sehr schnell geschieht, kratzt mensch an mehrheitsgesellschaftlichen Selbstverständnissen.

Auf die sachlich manche Lesende irritierenden, manche auch zu harschen Reaktionen animierenden Passagen sei nun noch mal erläuternd eingegangen für die Interessierten, Mehr von diesem Beitrag lesen

Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …

… ich schreibe jetzt einen echten Scheiß-Text und lasse mich dafür auch öffentlich beschimpfen.

Ich habe mir das Spiel heute in Leipzig nämlich noch nicht einmal angeguckt. Wegen euch.

Ich vermute, dass euch das scheißegal ist. Weil ich nicht glaube, dass ihr im Gegensatz zu anderen Spielern zuvor unsere Blogs lest. Na, zwei, drei, vier von euch vielleicht, eben jene, die auch in Jugendmannschaften schon hier gespielt haben und mit dem Umfeld auch jenseits folkloristischer Mitgröhl- und Kochveranstaltungen wie “Ein Kessel Braun-Weißes” zu verstehen suchten, was die Seele dieses Vereins bewegte.

Ich liebe den FC St. Pauli über alles, er begleitet mich seit über 14 Jahren. Ich habe Rumpelfüße bei uns brillieren, technisch limitierte Spieler ganz und gar st. paulianisch los dreschen sehen, sie waren erfolgreich, und bin grummelnd nach Niederlagen mit “Ich lieb sie doch!” eingeschlafen. Wir haben “Aufwachen!”-Chöre angestimmt,  “Scheiß St. Pauli” angesichts von Slapstick-Fussballt gebrüllt und Versagen TROTZDEM liebenswert gefunden. Ich bin nun auch schon drei Mal mit diesem Verein abgestiegen, und die Bindung zu denen auf dem Platz war immer da. Aber so was – nee.

Was ihr jetzt so treibt, das geht mir langsam echt auf die Nerven.

Man rekonstruiert sich als Zuschauer ja allerhand zusammen

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Jargon der Eigentlichkeit: Mottofahrt nach Leipzig

Ich wollte meine Klappe halten. Echt jetzt. Geht nicht, nachdem folgendermaßen zur “Mottofahrt zu Red Bull Leipzig” aufgerufen wird:

“Bringt etwas mit, was eure Geschichte mit Sankt Pauli widerspiegelt, was euch immer begleitet oder mit dem ihr ein geschichtsträchtiges Spiel mit unserem Verein erlebt habt. Ganz egal, ob ihr es anhattet als wir den DFB-Pokal unsicher gemacht haben, bei eurer ersten Auswärtsfahrt oder es einem Spieler abluchsen konntet.

Lasst uns allen zeigen, was wir schon erlebt haben und wie viele Erlebnisse uns mit unserem Verein verbinden. Wir müssen dazu nicht mit dem Wort Tradition um uns schmeissen, ein Blick in den Kleiderschrank genügt, um zu erfahren, was wir mit diesem Verein schon alles durchlebt haben.

Das liest sich harmloser, als es ist. Demnächst also irgendwo in Niedersachsen: Der örtliche Schützenverein holt seine Uniformen aus dem Jahre 1990 heraus, um dem neuen anatolischen Restaurant in der Fachwerkhaus-Fussgängerzone einen Besuch abzustatten und ihm seine Erlebnisse entgegen zu schmettern? Diese Heimatschutz-Attitude gibt es auch in der Gentrifizierungskritk, sie ist allerdings strukturell hochproblematisch. Wie sich auch in der letzen Ausgabe der BASCH zeigte:

“Den Medien ließ sich entnehmen, dass dass mehrere Testspielansetzungen gegen RB massiv kritisiert worden und RB als perverseste Form der Kommerzialisierung des Fußballs massiv angefeindet wird.”

Anachronist, Red Bull Leipzig verrecke, in: BASCH #57, S.

Im Gegensatz zu anderen “Dorffanszenen” (USP) Mehr von diesem Beitrag lesen

“Wir sind keine kickende Werbeunterbrechung!”

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Mit Glückwünschen und Danksagungen einsteigen – ach, das überlasse ich mal Wirtschaftsinformatikern und anderen Freunden der dehumanisierten Formeln und Algorithmen. Mühe mich eher um Synthese, die seltsame Melancholie und auch Ratlosigkeit, die diese Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli bei einigen auslöste, will ja sortiert sein.

Zentral wehte und windete, ja wand sich die Frage, was den Aufsichtsrat bewogen hat, das Präsidium um Stefan Orth nicht zur Wiederwahl zu stellen, Mehr von diesem Beitrag lesen

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