Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: FC St. Pauli

You and me together …

 

 … fighting for our love: Nur noch mal so zur Ergänzung der Trikot-Debatte. Weil ja – finde ich cool! – allerlei Kontroversen  insbesondere rund um das Torwart-Trikot in Gelb, toben. Manche spoxen geschichtsvergessen bei Twitter, da wollten die 90er irgendwas zurück, andere wieder halten Philosopheme rund um Trikot-Design für die Projektionen derer, deren Interpretationslust den Bezug zum Objekt verlöre.

Ist aber in diesem Fall nicht so. Bronski Beat hatten ja Gründe, den “rosa Winkel” auf’s Zentrum ihres bahnbrechenden Albums “The Age of Consent” zu platzieren. Ich finde gut, dass das Stigma, angeklebt von den Vernichtern, im Verlauf der Historie durch den Regenbogen ersetzt wurde – in den frühen 80ern noch war der rosa Winkel das gängige Zeichen zur Selbstkennzeichnung von unserereins, in Anerkennung des und Gedenken an das Leiden der Opfer.

Dass nun mit Keith Haring-Anspielungen, ein offen schwuler Künstler, der an den Folgen von AIDS verstarb, und ebenso dem Aufheben in der in Sex Pistols-Covergestaltung, jenem von “Never mind the Bollocks”, Zukunft betreten wird, ist keine Entwertung –  ganz im Gegenteil. 

Durch die Verbindung, wie im Design vollzogen, unter Bedingungen der Gegenwart holt es Weisen des Look and Feel aus der Bedeutungsleere und das inhärent Politische des vermeintlich Unpolitischen ins Stadion. 

Das war eben AUCH eine Entwicklung der 80er: Eine inhaltsleere Formalisierung von Kunst und Design zu behaupten , was mit der leeren Formalisierung neoliberaler Wirtschaftsimperative korrespondierte – so kann mensch Entwicklungen in Jugendkultur und Design als Ästhetiserung anstelle vorher allgegenwärtiger Politisierung lesen. 

Stimmt aber gar nicht, schon gar nicht bei den Bezügen, die Jason Lee aufsucht – diese Entfesselung der Formen war eben ANDERS politisch als z.B. die sich formierenden Grünen. Was angesichts einer flächendeckenden Slogansierung auch notwendig wurde, das “No Future!” der Sex Pistols, kombiniert mit “God save the Queen”, war ja auch ein Kommentar zum Slogan als solchem und dessen “Snackability”, ins Absurde gewendet. 

Insofern wird das Gründen der Ideen für das Trikot-Design im Polit-Aktivismus der Fans, aufgelöst in designgeschichtlichen Bezügen, ganz merkwürdig selbstreflexiv – und das ohne Worte, rein visuell. 

Zudem ins Neonfarbengeschehen der Sex Pistols das Queere re-importiert wird – auf einen Zeitraum, ca. 76-83  Bezug nehmend, da z.B. New Yorker Punk-Fanzines gegen Disco hetzten, was den Protagonisten heute peinlich ist, war Disco doch genuin schwarze, Latina- und queere Musik. P.i.L. haben damals schnell draus gelernt und Elektronik, Disco und Co offensiv integriert.
Das ist schon ein recht intelligenter und pophistorisch belehrter Design-Akt, den Jason Lee da gestaltet hat … wenn das den Takt der Saison und das Werden des FC St. Pauli, “Wir sind noch nicht fertig”, zu gestalten beginnt, kann das nur großartig werden! 

Weniger ist mehr? Form follows function? Nö – zurück in die Zukunft des FC St. Pauli mit neuen Trikots …

It’s a question of lust! Die nach den neuen Trikots, meine ich. Und „Just can’t get enough“ (1981) von Depeche Mode drang als Chant ja bereits aus Fan-Kehlen und Stadion-Boxen.

Voll Eighties also. Grund genug, erste Assoziationen zu den Shirts, Shorts und Stutzen der neuen Saison – „80er Jahre Cassetten-Design“, bei Twitter geäußert – gut zu heißen!

Die 80er – deren Design ist laut offizieller Präsentation maßgebliche Inspiration der neuen Trikots. Merkwürdiges Jahrzehnt, von Post-Hippie-Aufmärschen mit lila Tüchern im Namen des Weltfriedens über die „Neue Deutsche Welle“, yuppieskem Fegefeuer der Eitelkeiten und weltweitem Brodeln infolge der Entwicklungen in New York und Großbritannien Mehr von diesem Beitrag lesen

Farewell …

Zu dem so Großartigen, Wundervollen, Überwältigenden rund um den FC St. Pauli gehört, dass Menschen in Dein Leben treten, die Du sonst nie getroffen hättest. Die einen Riesenplatz in Deinem Herzen einnehmen, auf die Du Dich freust, wenn nach dem Spiel zur Domschänke zu taumeln ist. Denen Du um den Hals fällst in echter Freude. Die aus ganz anderen Lebenswelten kommen als Du selbst. Und es passt. Richtig gut.

Einer, auch dabei, mittendrin, gehörte zu meinem Leben längst dazu. Einer, dessen Großherzigkeit, Denkoffenheit, Humor, dessen Art zu sprechen, zu lachen, zu grinsen und die Welt zu sehen ich nie wieder missen wollte. Das Gerede vom “Original” kommt einem ja schnell über die Lippen. Hier stimmt es. Einzigartigkeit der unvergesslichen Art.

Er hat mit weit ausgebreiteten Armen bereichert, was ich erfahren durfte. Ob beim Wälzen von Problemen oder  dem angeschickerten Austausch von Erfahrungen, ob beim Shanty-Singen oder (sehr lauten und unverwechselbaren) Ausrufen wie “Wir fackeln nicht lange – Meeske an die Stange!”, ja, damals zu Sozialromantikerzeiten in Anspielung auf Susis Showbar. So viel Gelächter. Und Warmherzigkeit. So schön, mit ihm Zeit zu verbringen! So regelmäßig. So zuverlässig. Und jedes Mal tut es so gut.

Und plötzlich ist er weg. Hat den Übergang vollzogen.

Das muss ich jetzt erst mal verstehen.

Wobei: Erscheint er vor meinem inneren Auge, lausche ich in die Erinnerung hinein, dann hör ich ein “Rock on! Komm, es gibt unzählige Besäufnisse, wo ihr mich feiern könnt und dabei auch noch richtig Spaß haben! Bin ja noch bei euch.”

Klar: Er lebt in uns weiter. In tollen Erinnerungen und ganz viel aufrichtiger Zuneigung. Die bleibt.

Wie es sich anfühlt, wenn er dann fehlt, das weiß ich jetzt noch gar nicht.

Ich weiß nur, dass ich unendlich dankbar und froh bin, ihn kennengelernt zu haben.

R.i.P., Quote – und: Danke!!!

“Kunst rehabilitiert das Menschliche” – Symposion im Rahmen der Millerntor-Gallery #5 zum “interkulturellen Dialog”

Symposion

Ein Dialog auf Augenhöhe zwischen in Kolonial- und Missionarstradition “Helfenden” und denen, die von ihnen wahlweise heimgesucht werden, oder die sich ihnen zu unterwerfen haben, um das nackte Überleben zu sichern?

Weit und breit nicht in Sicht.

Einseitig wird er verhindert vom institutionellen Gefüge, überheblichen NGOs, einem Caritas-Markt und mangelnder Offenheit dank eingeübter White Supremacy.

Etwas überpointiert könnte man so das Ergebnis des Symposions im Rahmen der Millerntor-Gallery zusammen fassen, das sich dem Thema “Interkultureller Dialog” bei brütender Hitze stellte –  unter der dem Motto “Auf Augenhöhe”.

Doch das war noch nicht alles. Holt mensch sich PoC-Experten hinzu und lädt ergänzend jene auf’s Podium, bei denen aus der Praxiserfahrung heraus ein Bewusstseinswandel einsetzt, solche, in denen eher Fragenbündel wabern als vorgefertigte Antworten, so kann das ein Anfang des Abräumens des im Wege stehenden Dünkels wie auch der ökonomsichen Machtverteilung sein. Kann. Aber es ist schon mal ein winziger Schritt.

Es ist schon enorm, wie und dass Viva con Aqua eine Diskussion veranstaltet, bei der letztlich die Grundlagen des eigenen Agierens in Frage gestellt werden!!!! Danke für diese Veranstaltung!

Keine Ahnung, ob und wie das Konsequenzen hat in der praktischen Arbeit, aber die Kritik dessen, was mensch selbst tut, ins Zentrum der Veranstaltung zu rücken: Hut ab!!!! Das ist ja der Grund, Mehr von diesem Beitrag lesen

“Life is a composition of complementary ideas” – Millerntor-Gallery #5, zweiter Eintrag

“How does life exist? I understand that this world cannot exist without life. So that leads me to wonder how we exist in the context of this life. From what I realize life is a composition of complementary ideas and realities affected by the arrangement of nature. In nature we find diverse compositions that range from extreme opposites to complimentary formations.  However, the recognition of the other side or in other words, opposing contrasting elements, can add great value to the meaning of life.  Emotions are one such example.  To truly feel or speak about happiness we have to know about sadness.” 

Ich habe mir  die Millerntor-Gallery gestern mal angeguckt und finde echt: Es lohnt sich! Die Bilder des oben verlinkten Ashenafe Mestika gehörten zu den stärksten Eindrücken. Fand ich großartig. Da wird zurückgeholt, was u.a. Gauguin verbockt hat – wobei das (wie später auch unten noch in einem Passus) schon wieder eine sehr eurozentrische Sicht ist, was weiß denn ich Nichtswisser, welche Traditionen und Auseinandersetzungen Kunstschaffen in Äthiopien bedingen und was und ob und welche Rolle eine Institution wie Kunst da spielt. Aber alleine schon die Sichtbarkeit der Bilder des Künstlers ruft ja zum Nachdenken, Nachhaken, Nachrecherchieren und Zurücktreten zugleich auf. Finde ich gut. Wie die Bilder selbst auch. Für meine Augen und bescheidene Expertise hat sich das Feld der  im Stadion gezeigten Kunst deutlich geöffnet. Menschen, Mehr von diesem Beitrag lesen

Millerntor-Gallery 2. – 5.7. 2015

Keine andere Veranstaltung im Millerntor-Stadion verfügt über ein derartiges Potenzial – und an keiner anderen gibt es so viele mögliche Kritikpunkte: Die Millerntor Gallery.

Weil eben dann, wenn im Sinne des Werdens geackert wird, auch die Gefahr, etwas falsch zu machen, immens wächst. Manche meinen, mensch solle es dann lieber gleich bleiben lassen. Soll mensch das?

Denn keine andere Institution im Rahmen des FC St. Pauli-Kosmos ist zugleich derart offen für Kritik, ohne fortwährend beleidigt zu sein, bleibt derart in Bewegung. Die alten, fernöstlichen Weisheitslehren rund um das Ego scheinen da wirklich auf fruchtbaren Boden zu fallen. Bei jedem neuen Event ist schon am Programm abzulesen, wie Mehr von diesem Beitrag lesen

“Ja, politisches Handeln darf auch weh tun – aber wem?”

““Du kannst eh nicht immer alles richtig machen”, behauptet gefühlt die ganze Welt, faktisch vor allem weiße Personen. Auch an diesem Abend sollte es so sein. Podiumsgast und Performerin Simone Dede Ayivi brachte dazu einen sehr wichtigen Punkt ein. Sie gestand, dass sie für sich selbst tatsächlich den Anspruch hat, stets alles richtig zu machen. Natürlich gelingt es nicht immer, aber, so sagte sie, wenn die eigene Herangehensweise frei nach dem Motto “zufrieden werden eh nicht alle sein”/”Fehler kommen so oder so vor” ist, dann ist es klar, dass irgendwas verkackt wird/problematisch ist.”

(…)

Ein hervorragender Text bei der Mädchenmannschaft aus feministischen Diskussionszusammenhängen. Dringende, vollständige Lektüreempfehlung.

Passt aber auch zu gut hierzu:

“Wie wir wohl wissen, ist die ständige Suche nach einer besseren Gesellschaft gerade auch in einer scheinbaren Komfortzone wie dem FCSP absolut notwendig und verlangt danach, immer wieder dorthin zu gehen, wo es wehtut.”

Sichere Komfortzone??? Für wen denn??? Scheinbar stimmt schon. Gerade bei dem Event, um das es da ging. Und weit darüber hinaus.

Die Geburt der “Gemeinschaft des FC St. Pauli” aus dem Geiste der Romantik?

Nein, es muss nicht jede_r sich in der politischen und Geistes-Geschichte des 19. Jahrhunderts auskennen. Bezieht mensch sich freilich explizit darauf, so wären ein paar Recherchen nix, was schaden würde.

“Tölle stellte u.a. in einer urkomischen Performance mit Lothar Matthäus einen der „ganz großen Romanciers des Fußballs“ vor und sorgte mit einem einleitenden Text des Dichters Friedrich von Hardenberg alias Novalis (1798) für einen ungewöhnlichen Start. „Die Welt muss romantisiert werden!“, forderte Novalis in seinem Text, der so etwas wie ein „Grundprogramm der Romantik“ darstellt.

Sein Ziel, „dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Endlichen einen unendlichen Schein“ zu geben, finde sich auch heute im Fußball wieder, so Christoph Nagel: „Ein Ball rollt in ein Netz. Eigentlich nichts Besonderes. Aber jeder hier im Saal weiß, was für unendliche Gefühle das auslösen kann!“”

Ja, witzig, bierselig-sentimental in der Unendlichkeit zu schwelgen. Nun ist die Zusammensetzung eines Panels nie zufällig, und ist nur eine Frau dabei, fällt das eh schon auf. Um so mehr, wenn zwei Tage später auf dem Platz jene, deren Sichtweisen auf die weißdeutsche “Romantik” und wie sie sich beim Moderator, Rettig oder Tölle artikuliert, mich tatsächlich interessieren würden, nämlich die Spieler des FC Lampedusa, jene Rolle einnehmen, die Schwarzen in dieser Gesellschaft eingeräumt wird: Fussball spielen. Dabei weiß jeder, der ihnen je lauschte, wie ungeheuer lehrreich das ist. Warum diskutiert da keiner mit? Wurden sie gefragt und wollten nicht? Falls ja, und sie wollten nicht, erübrigt sich der Einwand.

Ich habe auch gegen Novalis nix einzuwenden, würde von Moderatoren des ach so politischen FC St. Pauli wenigstens, Historiker!, sich mal schlau gemacht im Vorfeld, Mehr von diesem Beitrag lesen

“Zurück zum Tatort Stadion”: Die da unter sich!

Oje, oje … habe gerade “Zurück zum Tatort Station” quer gelesen, und bin neben Spuren des Besseren und bestimmt für manche Leser auch neuen Einsichten ein wenig erschüttert.

Kein durchgängiger Verzicht auf gewaltfreie Sprache, braucht mensch nur ins Inhaltsverzeichnis gucken – N-Wort, Z-Wort. Und nein, es geht nicht um “Sprachsäuberung”, sondern um Handlungen mit Effekten stärker, weil kontinuierlicher wie von jenen des Mobbings: Eben eine Form von Gewalt. Eine performative Platzzuweisung mit Drohpotenzial, eine soziale Praxis des symbolischen Ins-Gesicht-Spuckens – mindestens.

Zwar gibt es mittlerweile wieder ganze Texte auf stark frequentierten und oft verlinkten Blogs, die vor lauter N-Wort unleserlich werden, um final das Einfordern des Rechts auf Verwendung desselben vehement anzugreifen. Das sind dann eben jene in sich widersprüchlichen Botschaften, da die weiße Definitionsmacht kritisiert, zugleich jedoch abgesichert wird: Indem zum Beispiel nur die eigenen Texte weißer Autoren verlinkt und als Quelle genannt werden. Glatte Kommunikationsverweigerung.

Das passt zwar nicht ganz, aber ein wenig doch zu der Attitude von “Zurück zum Tatort Stadion”: Z.B. tauchen da Nicht-Weiße, soweit ich es überblicke, allenfalls als Interviewpartner auf. Dazu später mehr. Bei der Zusammenstellung ist noch ziemlich klar, wer steuert und wer blickt und wer fragt, sich somit sich aus dem Blick rückt noch da, wo “Whiteness” kritisiert wird. Ich zähle 4 Frauen Mehr von diesem Beitrag lesen

“”No more Heroes!” (The Stranglers”) Happy Ends sind doch was für … hmmm … Union Berlin – FC St. Pauli 1:0

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