Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: FC St. Pauli

No Nessie, no “Kirschgarten”: FSV Frankfurt – FC St. Pauli 1:0

Wenn das Spiel schon eher öde ist, soll das Bild, den Spielbericht zu illustrieren, ja wenigstens schön bunt sein :) … da fiel heut was ins Spätsommerloch auf der energetische Ebene des Spiels der Boys in Brown. Wo das schon politisch sich nicht aufgetan hat, das Sommerloch. So gar nicht. Ganz im Gegenteil.

Ich weiß noch, wie in der Grundschule das “Sommerloch” uns anhand von Nessie erläutert wurde – sei sonst nichts los, würde halt auf Seeungeheuer ausgewichen und dazu irgendeine Geschichte geschrieben in den Blätterwald hinein und notfalls ein Bild mit langem Hals aus Lochwasser hervorgekramt.

Loch Ness stellte ich mir daraufhin kalt, tief und gruselig vor – das Spiel heute schien eher abgeflacht und ausgetrocknet durch zu viel Hitze und noch nicht mal vom Grauen gepackt zu sein. Ein blöder, aber ganz hübsch anzusehender  Fehler, ein guter gegnerischer Torwart, eine Taktik bei uns, die nicht so richtig aufging – so dass auf einmal der Wechsel von Halstenberg nach Leipzig die Twitter-Timeline mehr emotionalisierte als der Kick auf dem Rasen. Soll er doch, wenn er glaubt, dass das gut für ihn ist. Viel Glück. Klar wird der fehlen. Wir ihm aber vermutlich auch.

Was ich ja an den Dramen Tschechows immer so faszinierend finde, an die ich bei dem Spiel tatsächlich die ganze Zeit denken musste, “Nach Moskau!” im Kopf, aber nicht ganz in den Füßen,  ist, dass er aus der Abwesenheit von Handlung, dem wahlweise scheiterenden oder aber bis in den Untergang Aufrechterhalten von Illusionen, dem Schwelgen in sich nie erfüllenden Zukunfsträumen und all dem, was die Öde des Alltags auszufüllen versucht und dabei doch nur in Passivität und Jammern und auch mal plötzliche Wut mündet, so unglaublich spannende und ergreifende Geschichten bauen konnte.

Das unterscheidet mich von Tschechow :D … mir fällt zu dem Spiel einfach nichts ein.

Aber für’s nächste Mal erfinde ich einfach irgendein Elbungeheuer …

Ballsaal, 26.8., 19 h: “Refugees Welcome, Karo-Viertel” – Zusammenfassung

Eine gewaltige Menschentraube breitete sich bereits Viertel vor Sieben vor der Südtribüne aus. Das Interesse brodelt gewaltig: Jene facettenreiche und ausdifferenzierte Gruppe, die aktuell den in einer Messehalle geparkten, geflüchteten Menschen Unterstützung gewährt, lud zur Info-Veranstaltung. Grüppchenweise Einlaß; ich gehörte zu fast den den letzten, die noch hinein gelassen wurden. Der “Ballsaal” fasst 900 Menschen, es passten nicht alle rein.

Coole, von Percussion geprägte Musik von Refugees empfing mich – da liegt es fast nahe, Tocotronic und Co zu fragen, wieso sie musikalisch so wenig fähig sind, sich mit globalen Polyrhythmen musikalisch auseinanderzusetzen.

Die Veranstalter ließen völlig zu recht zunächst einen Geflüchteten seine Geschichte erzählen. Doch schon da schlich sich diese verfluchte Ambivalenz ein, die keinem vorzuwerfen ist, der ehrlich ambitioniert sich hinein wirft in den Support, aber eben nagt und so tief strukturell sitzt, dass es mich täglich in die Verzweiflung treibt: Da muss ein Mensch sich vor 1000 Leute auf eine Bühne stellen und die schrecklichsten individuellen Erfahrungen vor Wildfremden ausbreiten. Und Hochengagierte, Bewundernswerte, Sich Aufreibende lauschen gebannt und können nach ein paar Monaten intensiver, nicht entlohnter Arbeit in ihre weißdeutschen Zusammenhänge problemlos und jederzeit zurück kehren und danach zur Erholung den Mallorca- oder Kenia-Urlaub planen. Und als stete Gefahr bleibt, dass sich alle auch dann noch an der eigenen Güte berauschen, wenn die Betroffenen längst abgeschoben sind – mir erschien es jedoch so, als sei diese Gefahr den ganzen Aktiven vollauf bewusst.

Mensch verstehe mich nicht falsch: Ich kreide diese eben fundamentale Differenz niemandem an. Sie ist aber schrecklich.

Der geschilderte Lebenslauf des Refugees stand völlig quer zu den großen Erzählungen rund um Fluchtgründe. Was gut so ist, Abstrakta wie “Wirtschaftsflüchtlinge” zu missbrauchen ist Geschäft der strategisch orientierten, “Großen Politik” – dem gehört das Individuelle entgegen gestellt. Er berichtete von dem Aufeinandertreffen des Differenten in der überfüllten Messehalle, wo ich schon den überfüllten Ballsaal kaum ertrage. Kann mich danach mit Bier in den Park setzen und dann nach Hause gehen. Diese Möglichkeiten hat er nicht und das ist FALSCH und unerträglich.

Ich will, wie alle anderen im Saal ebenfalls, dass er das auch kann. Ganz ohne Racial Profiling zu erleben, ganz ohne Not, alleine schon, um in Ruhe das Dramatische, Furchtbare, Entsetzliche wenigstens irgendwie verdauen können zu dürfen.

Stattdessen krakeelt und eifert Innenminister de Maziére Gegenteiliges in Mikrophone und legt so rhetorisch Ursachen für weitere Brände, legitimiert meines Erachtens Gewalt gegen Geflüchtete dadurch, dass er sich von ihr treiben lässt.

Es ist einfach erbärmlich, dass nun gerade die, die jedem Hartz IV-Empfänger “Eigenverantwortung” ins Gesicht brüllen, in Kollektiven und pauschal “sicheren Herkunftsländern” denken und schwadronieren, eben exakt jene sind, die im Falle von Freihandelsabkommen von “Freiheit” und “Individuum” faseln. Bei Geflüchteten scheißen sie drauf, wenn sie selbst die Individualprüfung des Asylbegehrs durch pauschalisierende Abkommen aufheben. Und auf einmal “europäische Solidarität” einfordern, jetzt, bei der Geflüchtetenunterbringung, nachdem sie höchstselbst Griechenland zum Einsturz brachten und Irland, Spanien, Portugal und Italien im nicht rechtlichen, in meinen Augen aber tatsächlichen Sinne nötigen und erpressen mit den Mitteln nackter Macht: Eine Farce.

Zurück vom Exkurs zum Handeln der Aktiven: Die Karo-Viertel-Initiave hat binnen kurzem Beeindruckendes auf die Beine gestellt. Die Veranstaltung diente vor allem der Vorstellung der agierenden Arbeitsgruppen: Kleiderkammer, Kinderprogramm, Deutschunterricht, Unterrichtsmaterial-Spenden, Kinderchor, Willkommensfest, Sport & Spiel, Telekommunikation, Leerstand, Übersetzungen, Medizinische Versorgung, Selbermachen/D.I.Y.-Nähmaschine, Karte, Fundraising.

Details, Kontakt beim Wunsch der Mitarbeit etc. können auf dieser Seite eingesehen werden: https://refugeeswelcome20357.wordpress.com.

Zentral war den Agierenden, immer wieder zu betonen, wie wichtig es sei, sich nicht nur auf die Situation in den Messehallen zu fokussieren. Da seien nun sehr viele aktiv aktuell, klar, das Viertel ist trendy und in begehrter Lage, Popalltagsgeschehen ist direkt um die Ecke zum Biertrinken nach all dem Elend – aber auch Schnakenburgsallee, Jenfeld und andere Auffang-, ja, -lager brauchen Unterstützung angesichts eines mutmaßlich willentlichen Versagens von Behörden und Senat und seiner in meinen Augen “Deutschland den Deutschen“-Politik. Die Initiative rund um die Messehallen ist derart öffentlichkeitswirksam und populär, dass deren Kleiderkammer mittlerweile andere Stationen mit beliefert.

Der Verweis auf das Wenig- bis Nicht-Handeln der staatlichen Institutionen zog sich als roter Faden durch die Redebeiträge: Es ist wieder eine dieser Situationen, wo privates Engagement die Löcher stopft, die die Senatspolitik aufreißt. Und das, weil zumindest meiner Beobachtung nach gerade Hamburg früh auf Abschreckung setzte, damit auch ja nicht “noch mehr kommen”.

Ich glaube sogar, dass kommunale Strukturen nicht nur in Hamburg tatsächlich überfordert sind angesichts der aktuellen Situation – auch das ist unter anderem den “weniger Staat, mehr Eigenverantwortung!”-Apologeten vergangener Jahrzehnte zu verdanken. Es ist schon erstaunlich, wie easy Konjunkturprogramme zur “Bankenrettung” aufgelegt und sich neue Einnahmequellen aus den zwangszuverscherbelnden griechischen Flughäfen erschlossen werden, nun aber Suggestionen kursieren, es bestünde eine Konkurrenz zwischen Geflüchteten und Hartz IV-Empfängern. Ganz wie ebenfalls eingeflüstert wird, dass im Falle lauter den “Pursuit of Happiness” als Antwort auf unfreiwilliges Leid und Elend Suchenden angeblich Knappheit herrsche.

Ich bin für ein Umwidmen des “Soli” und eine Zwangsabgabe für von Rüstungsexporten direkt und indirekt Profitierende (also auch manch Reederei) zugunsten der Flüchtenden ohne Umlagemöglichkeit auf die Beschäftigten. Letzteres ist ja auch eine Art Wiedergutmachung.

Die gestrige Veranstaltung betreffend schienen mir das die zentralen Aussagen zu sein:

  • Informiert euch über die Arbeitsgruppen, Mitarbeit ist willkommen
  • Übt Druck auf den Senat aus, der sich schon unfähig zeigt, genug Dixie-Clos bereit zu stellen und diese sauber zu halten und dazu erst mal gebrach werden muss.
  • Konzentriert euch nicht nur auf die Messehalle, sondern agiert in euren Vierteln und Umfeldern
  • Lasst euch nicht beeindrucken vom Gefasel über “Wirtschaftsflüchtlinge” und “sichere Herkunftsländer”; jede Biographie ist einzigartig und jeder Mensch hat gleichermaßen ein Recht auf gutes Leben und sollte über die Freiheitsmöglichkeiten verfügen können, selbst den Weg dahin zu suchen und dabei unterstützt zu werden.

Abschließend sei noch das verteilte Flugblatt zitiert:

“(…) Dass das selbsterklärte “Tor zur Welt” Hamburg nicht darauf vorbereitet ist, einige Tausend Menschen würdig willkommen zu heißen, ist ein Skandal. Dabei gibt es reichlich Leerstand in Hamburg.

(…) Unabhängig davon, ob im Falle des rot-grünen Senats Absicht oder Unfähigkeit ausschlaggebend ist: Die miserable Behandlung von Geflüchteten hat in Deutschland System. Menschen werden von der herrschenden Politik danach sortiert, welchen Nutzen sie für Deutschland in der globalen Staatenkonkurrenz bringen. Wir lehnen diese Logik der ökonomischen Verwertbarkeit entschieden ab. Für eine solidarische Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen Vorrang haben! (…)

Wir fordern:

  • Zugang zum regulären Arbeitsmarkt

  • Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung

  • Kostenlose Sprachkurse

  • Zugang zu Bildung an Schulen, Unis & Volkshochschulen

  • Sofortige Umwandlung von Leerstand aller Art in Wohnungen

  • Bleiberecht für alle

  • für jeweils alle Refugees!

Ich schließe mich dem an!

Mein bisher schnellster und längster Spielbericht: Pokalspiel FC St. Pauli -Borussia Mönchengladbach, ach, Ergebnis egal … 

Seltsam. Kann mich gar nicht daran erinnern, überhaupt, ja je ein Heimspiel des FC St. Pauli im Fernsehen geguckt zu haben. War fast immer da, seitdem ich dabei bin; bei live übertragenen Spielen sowieso.

Und habe nun verpasst, mir fristgerecht “meine” Karte besorgt zu haben. Dumm gelaufen.

Sitze auf dem Sofa; der Torjubel aus dem Stadion wird in meine Wohnung wehen – der Hund pennt. Mein Fernseher, das dritte Mal in diesem Jahr erst eingeschaltet, zeigt nur noch schwarz/weiß. Im Computer läuft parallel mit einer Minute Versatz der Stream in Farbe.

Auf zum Kühlschrank. Bier zum Sound von “Hell’s Bells” holen …. Schick schmiegen sie sich an Spielerkörper, Mehr von diesem Beitrag lesen

You and me together …

 

 … fighting for our love: Nur noch mal so zur Ergänzung der Trikot-Debatte. Weil ja – finde ich cool! – allerlei Kontroversen  insbesondere rund um das Torwart-Trikot in Gelb, toben. Manche spoxen geschichtsvergessen bei Twitter, da wollten die 90er irgendwas zurück, andere wieder halten Philosopheme rund um Trikot-Design für die Projektionen derer, deren Interpretationslust den Bezug zum Objekt verlöre.

Ist aber in diesem Fall nicht so. Bronski Beat hatten ja Gründe, den “rosa Winkel” auf’s Zentrum ihres bahnbrechenden Albums “The Age of Consent” zu platzieren. Ich finde gut, dass das Stigma, angeklebt von den Vernichtern, im Verlauf der Historie durch den Regenbogen ersetzt wurde – in den frühen 80ern noch war der rosa Winkel das gängige Zeichen zur Selbstkennzeichnung von unserereins, in Anerkennung des und Gedenken an das Leiden der Opfer.

Dass nun mit Keith Haring-Anspielungen, ein offen schwuler Künstler, der an den Folgen von AIDS verstarb, und ebenso dem Aufheben in der in Sex Pistols-Covergestaltung, jenem von “Never mind the Bollocks”, Zukunft betreten wird, ist keine Entwertung –  ganz im Gegenteil. 

Durch die Verbindung, wie im Design vollzogen, unter Bedingungen der Gegenwart holt es Weisen des Look and Feel aus der Bedeutungsleere und das inhärent Politische des vermeintlich Unpolitischen ins Stadion. 

Das war eben AUCH eine Entwicklung der 80er: Eine inhaltsleere Formalisierung von Kunst und Design zu behaupten , was mit der leeren Formalisierung neoliberaler Wirtschaftsimperative korrespondierte – so kann mensch Entwicklungen in Jugendkultur und Design als Ästhetiserung anstelle vorher allgegenwärtiger Politisierung lesen. 

Stimmt aber gar nicht, schon gar nicht bei den Bezügen, die Jason Lee aufsucht – diese Entfesselung der Formen war eben ANDERS politisch als z.B. die sich formierenden Grünen. Was angesichts einer flächendeckenden Slogansierung auch notwendig wurde, das “No Future!” der Sex Pistols, kombiniert mit “God save the Queen”, war ja auch ein Kommentar zum Slogan als solchem und dessen “Snackability”, ins Absurde gewendet. 

Insofern wird das Gründen der Ideen für das Trikot-Design im Polit-Aktivismus der Fans, aufgelöst in designgeschichtlichen Bezügen, ganz merkwürdig selbstreflexiv – und das ohne Worte, rein visuell. 

Zudem ins Neonfarbengeschehen der Sex Pistols das Queere re-importiert wird – auf einen Zeitraum, ca. 76-83  Bezug nehmend, da z.B. New Yorker Punk-Fanzines gegen Disco hetzten, was den Protagonisten heute peinlich ist, war Disco doch genuin schwarze, Latina- und queere Musik. P.i.L. haben damals schnell draus gelernt und Elektronik, Disco und Co offensiv integriert.
Das ist schon ein recht intelligenter und pophistorisch belehrter Design-Akt, den Jason Lee da gestaltet hat … wenn das den Takt der Saison und das Werden des FC St. Pauli, “Wir sind noch nicht fertig”, zu gestalten beginnt, kann das nur großartig werden! 

Weniger ist mehr? Form follows function? Nö – zurück in die Zukunft des FC St. Pauli mit neuen Trikots …

It’s a question of lust! Die nach den neuen Trikots, meine ich. Und „Just can’t get enough“ (1981) von Depeche Mode drang als Chant ja bereits aus Fan-Kehlen und Stadion-Boxen.

Voll Eighties also. Grund genug, erste Assoziationen zu den Shirts, Shorts und Stutzen der neuen Saison – „80er Jahre Cassetten-Design“, bei Twitter geäußert – gut zu heißen!

Die 80er – deren Design ist laut offizieller Präsentation maßgebliche Inspiration der neuen Trikots. Merkwürdiges Jahrzehnt, von Post-Hippie-Aufmärschen mit lila Tüchern im Namen des Weltfriedens über die „Neue Deutsche Welle“, yuppieskem Fegefeuer der Eitelkeiten und weltweitem Brodeln infolge der Entwicklungen in New York und Großbritannien Mehr von diesem Beitrag lesen

Farewell …

Zu dem so Großartigen, Wundervollen, Überwältigenden rund um den FC St. Pauli gehört, dass Menschen in Dein Leben treten, die Du sonst nie getroffen hättest. Die einen Riesenplatz in Deinem Herzen einnehmen, auf die Du Dich freust, wenn nach dem Spiel zur Domschänke zu taumeln ist. Denen Du um den Hals fällst in echter Freude. Die aus ganz anderen Lebenswelten kommen als Du selbst. Und es passt. Richtig gut.

Einer, auch dabei, mittendrin, gehörte zu meinem Leben längst dazu. Einer, dessen Großherzigkeit, Denkoffenheit, Humor, dessen Art zu sprechen, zu lachen, zu grinsen und die Welt zu sehen ich nie wieder missen wollte. Das Gerede vom “Original” kommt einem ja schnell über die Lippen. Hier stimmt es. Einzigartigkeit der unvergesslichen Art.

Er hat mit weit ausgebreiteten Armen bereichert, was ich erfahren durfte. Ob beim Wälzen von Problemen oder  dem angeschickerten Austausch von Erfahrungen, ob beim Shanty-Singen oder (sehr lauten und unverwechselbaren) Ausrufen wie “Wir fackeln nicht lange – Meeske an die Stange!”, ja, damals zu Sozialromantikerzeiten in Anspielung auf Susis Showbar. So viel Gelächter. Und Warmherzigkeit. So schön, mit ihm Zeit zu verbringen! So regelmäßig. So zuverlässig. Und jedes Mal tut es so gut.

Und plötzlich ist er weg. Hat den Übergang vollzogen.

Das muss ich jetzt erst mal verstehen.

Wobei: Erscheint er vor meinem inneren Auge, lausche ich in die Erinnerung hinein, dann hör ich ein “Rock on! Komm, es gibt unzählige Besäufnisse, wo ihr mich feiern könnt und dabei auch noch richtig Spaß haben! Bin ja noch bei euch.”

Klar: Er lebt in uns weiter. In tollen Erinnerungen und ganz viel aufrichtiger Zuneigung. Die bleibt.

Wie es sich anfühlt, wenn er dann fehlt, das weiß ich jetzt noch gar nicht.

Ich weiß nur, dass ich unendlich dankbar und froh bin, ihn kennengelernt zu haben.

R.i.P., Quote – und: Danke!!!

“Kunst rehabilitiert das Menschliche” – Symposion im Rahmen der Millerntor-Gallery #5 zum “interkulturellen Dialog”

Symposion

Ein Dialog auf Augenhöhe zwischen in Kolonial- und Missionarstradition “Helfenden” und denen, die von ihnen wahlweise heimgesucht werden, oder die sich ihnen zu unterwerfen haben, um das nackte Überleben zu sichern?

Weit und breit nicht in Sicht.

Einseitig wird er verhindert vom institutionellen Gefüge, überheblichen NGOs, einem Caritas-Markt und mangelnder Offenheit dank eingeübter White Supremacy.

Etwas überpointiert könnte man so das Ergebnis des Symposions im Rahmen der Millerntor-Gallery zusammen fassen, das sich dem Thema “Interkultureller Dialog” bei brütender Hitze stellte –  unter der dem Motto “Auf Augenhöhe”.

Doch das war noch nicht alles. Holt mensch sich PoC-Experten hinzu und lädt ergänzend jene auf’s Podium, bei denen aus der Praxiserfahrung heraus ein Bewusstseinswandel einsetzt, solche, in denen eher Fragenbündel wabern als vorgefertigte Antworten, so kann das ein Anfang des Abräumens des im Wege stehenden Dünkels wie auch der ökonomsichen Machtverteilung sein. Kann. Aber es ist schon mal ein winziger Schritt.

Es ist schon enorm, wie und dass Viva con Aqua eine Diskussion veranstaltet, bei der letztlich die Grundlagen des eigenen Agierens in Frage gestellt werden!!!! Danke für diese Veranstaltung!

Keine Ahnung, ob und wie das Konsequenzen hat in der praktischen Arbeit, aber die Kritik dessen, was mensch selbst tut, ins Zentrum der Veranstaltung zu rücken: Hut ab!!!! Das ist ja der Grund, Mehr von diesem Beitrag lesen

“Life is a composition of complementary ideas” – Millerntor-Gallery #5, zweiter Eintrag

“How does life exist? I understand that this world cannot exist without life. So that leads me to wonder how we exist in the context of this life. From what I realize life is a composition of complementary ideas and realities affected by the arrangement of nature. In nature we find diverse compositions that range from extreme opposites to complimentary formations.  However, the recognition of the other side or in other words, opposing contrasting elements, can add great value to the meaning of life.  Emotions are one such example.  To truly feel or speak about happiness we have to know about sadness.” 

Ich habe mir  die Millerntor-Gallery gestern mal angeguckt und finde echt: Es lohnt sich! Die Bilder des oben verlinkten Ashenafe Mestika gehörten zu den stärksten Eindrücken. Fand ich großartig. Da wird zurückgeholt, was u.a. Gauguin verbockt hat – wobei das (wie später auch unten noch in einem Passus) schon wieder eine sehr eurozentrische Sicht ist, was weiß denn ich Nichtswisser, welche Traditionen und Auseinandersetzungen Kunstschaffen in Äthiopien bedingen und was und ob und welche Rolle eine Institution wie Kunst da spielt. Aber alleine schon die Sichtbarkeit der Bilder des Künstlers ruft ja zum Nachdenken, Nachhaken, Nachrecherchieren und Zurücktreten zugleich auf. Finde ich gut. Wie die Bilder selbst auch. Für meine Augen und bescheidene Expertise hat sich das Feld der  im Stadion gezeigten Kunst deutlich geöffnet. Menschen, Mehr von diesem Beitrag lesen

Millerntor-Gallery 2. – 5.7. 2015

Keine andere Veranstaltung im Millerntor-Stadion verfügt über ein derartiges Potenzial – und an keiner anderen gibt es so viele mögliche Kritikpunkte: Die Millerntor Gallery.

Weil eben dann, wenn im Sinne des Werdens geackert wird, auch die Gefahr, etwas falsch zu machen, immens wächst. Manche meinen, mensch solle es dann lieber gleich bleiben lassen. Soll mensch das?

Denn keine andere Institution im Rahmen des FC St. Pauli-Kosmos ist zugleich derart offen für Kritik, ohne fortwährend beleidigt zu sein, bleibt derart in Bewegung. Die alten, fernöstlichen Weisheitslehren rund um das Ego scheinen da wirklich auf fruchtbaren Boden zu fallen. Bei jedem neuen Event ist schon am Programm abzulesen, wie Mehr von diesem Beitrag lesen

“Ja, politisches Handeln darf auch weh tun – aber wem?”

““Du kannst eh nicht immer alles richtig machen”, behauptet gefühlt die ganze Welt, faktisch vor allem weiße Personen. Auch an diesem Abend sollte es so sein. Podiumsgast und Performerin Simone Dede Ayivi brachte dazu einen sehr wichtigen Punkt ein. Sie gestand, dass sie für sich selbst tatsächlich den Anspruch hat, stets alles richtig zu machen. Natürlich gelingt es nicht immer, aber, so sagte sie, wenn die eigene Herangehensweise frei nach dem Motto “zufrieden werden eh nicht alle sein”/”Fehler kommen so oder so vor” ist, dann ist es klar, dass irgendwas verkackt wird/problematisch ist.”

(…)

Ein hervorragender Text bei der Mädchenmannschaft aus feministischen Diskussionszusammenhängen. Dringende, vollständige Lektüreempfehlung.

Passt aber auch zu gut hierzu:

“Wie wir wohl wissen, ist die ständige Suche nach einer besseren Gesellschaft gerade auch in einer scheinbaren Komfortzone wie dem FCSP absolut notwendig und verlangt danach, immer wieder dorthin zu gehen, wo es wehtut.”

Sichere Komfortzone??? Für wen denn??? Scheinbar stimmt schon. Gerade bei dem Event, um das es da ging. Und weit darüber hinaus.

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