Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Camping

„Brüder, zum Hasen, zur Knarre!“ – Filmkritik zu „Xenia“ von Panos H. Koutras

(wird parallel auch bei QUEERmdb erscheinen, vermutlich gekürzt) 

 

Spielfilm, Dramödie, gay, metro

Produktionsland / Jahr: Griechenland, Frankreich, Belgien 2014

mit Kostas Nikouli, Nikos Gelia, Yannis Stankoglou, Marissa Triandafyllidou, Aggelos Papadimitriou

Drehbuch: Panos H. Koutras, Panagiotis Evangelidis; Kamera: Hélène Louvart, Simos Sarketzis; Schnitt: Yorgos Lamprinos; Musik: Delaney Blue; Produzenten: Eleni Kossyfidou, Panos H. Koutras, Alexandra Boussiou

Label/Studio: PRO-FUN MEDIA

Es beginnt mit einem Blowjob – zauberhafter Jüngling und reifer, hmm, Freier? Bekannter oder Freund, der mit Geld aushilft und Gegenleistungen erhält?

Ob die Anspielung auf „My own private Idaho“ bewusst gewählt ist, in dem eine analoge Szene River Phoenix in seiner Rolle als Stricher Mike Waters etabliert oder nicht, egal: Auch andere Kritiken schreiben von „the quirkiest queer road trip since My Own Private Idaho“.

Der Auftakt jedoch verdeutlicht bereits die Differenz zum Film aus den frühen 90ern: Mehr von diesem Beitrag lesen

ONE DEEP BREATH by Anthony Hickling – Filmkritik

Da ich jetzt hin und wieder Texte für queermdb verfassen werde, wenn ich dazu komme, seien sie auch in diesem Blog veröffentlicht! Das impliziert freilich auch eine Empfehlung! Solche Projekte sind ja wichtig, Aufbereitung queeren Wissens und dessen Archivierung kämpft eben auch gegen heterosexistische, monokulturelle Geschichtsschreibung an. Gerade in Fragen des Antirassismus wie auch der Intersektionalität gibt es da noch viel zu lernen wie überall anders und in diesem Blog eben auch. Aber es hindert ja niemand wenauchimmer daran, dort mitzuwirken.

Ach ja: Gerade auch den St. Paulianern sei es empfohlen, dass sie statt Wiebusch und Antilopengang sich vielleicht auch mal mit den “Originalen” beschäftigen ;) … 

Ein Fluss. Eine Schleuse. Eine U-Bahn.

Frau sitzt unter der Brücke.

So beginnt der Film.

Bilder in klassischer Zentralperspektivkomposition.

Ein keineswegs idealisierter Männerkörper liegt nackt auf einem Bett. Ein Dialog. Eine gescheiterte Beziehung ist Thema. Der Körper räkelt sich in die Fötus-Pose hinein. Tiefsinnige Monologe zum Beziehungsleben aus dem Off, gesprochen auf flackernde Artefakte. Ein geschminkter Mund in Großaufnahme, leider nicht so lustig und süffisant wie in der “Rocky Horror Picture Show”.

Bedeutungsschwanger und schwerfällig gräbt sich der Film seinen Weg mit aneinander gehängten Postkartenbildern, nervt durch aufdringlich ästhetisierte Komposition. Stilisiert, aber öde.

Die Bildgeometrie bleibt der Fotografie verhaftet und öffnet sich gar nicht erst dem Potenzial des Filmischen. Ist das mit einer EOS gedreht? Die wird mit Vorliebe Mehr von diesem Beitrag lesen

“”No more Heroes!” (The Stranglers”) Happy Ends sind doch was für … hmmm … Union Berlin – FC St. Pauli 1:0

Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 9.2., 14-16 h, FSK Hamburg

Vor lauter Arbeit kam ich kaum noch zum Bloggen, die nächste Radiosendung der “Tales of St. Pauli” aus gescheiterten Moderationen, toller Musik und einem fortwährenden Verstoß gegen Regeln der Servicehaftigkeit habe ich soeben dennoch fertig gestellt. Wird Montag ausgestrahlt.

Diesmal witzel ich im Vorbeigehen über einstige Aussagen des neuen Trainers Ewald Lienen und die “Einfach mal die Klasse halten!”-Kampagne des Vereins, lästere über den Facebook-Auftritt des Jolly Roger und verlese den im folgenden verlinkten, ungemein wichtigen, weil über den akuten Anlass hinaus strukturell bedeutsamen Text:

Community Statement: “Black” Studies at the University of Bremen

in Auszügen auch auf deutsch im Blog von Noah Sow zu lesen (das verlese ich auch):

SCHWARZE STUDIEN OHNE SCHWARZE LEUTE: COMMUNITY STATEMENT ÜBER DIE IMPLEMENTIERUNG VON “BLACK” STUDIES AN DER UNIVERSITÄT BREMEN

Ziemlich albern wirkt dagegen meine Lesung von Tweets, geschrieben parallel zum Sandhausen-Spiel.

Außerdem kommentiere ich den merkwürdigen Wandel des “Rechtsstaates” von einer Selbstbeschränkung staatlicher Willkür hin zu “List und Tücke” (Michael Neumann) und einer Anforderung an das Bewusstsein der Staatsbürger, während diverse Grundsätze meines Erachtens von der vermeintlichen “Gefahrenabwehr” folgenden Disziplinen unterlaufen werden und der Staat sich nicht mehr groß drum kümmert, was als Lehre aus dem “3.Reich” er sich selbst einst auferlegte.

Unsortiert rede ich u.a. diesen Gedanken folgend ein wenig über die Serie “The Wire”, ohne auch nur einmal zu erwähnen, worum es darin überhaupt geht, und lausche Xavier Dolan, obgleich ich nur einen seiner Filme nenne.

Das Finale bilden dann kurze Erläuterungen zu Thomas Bauers “Die Kultur der Ambiguität” und Gunnar Hindrichs “Die Autonomie des Klangs”.

Hier wie immer die Tracklist:

Jingle “Nun aber doch”
Lisa Simone – Interlude
Donna Summer – On The Radio
Moldy Peaches – These Burgers
Two Dancers – We Still Got The Dancin’ On Our Tongues
The Lumineers – Flower in your hair
Klaus Hoffmann – Wenn ich sing
The Blind Boys Of Alabama – Way Down To The Hole
Theo Parrish – Make No War
Joshua Redman – People Like You
Harlem River Drive – Harlem River Drive Theme
Lisa Simone – As Is well
Curtis Harding – Next Time
Miss Dominique – Les Moulins de mon coeur
Bent – Magic Love
Jingle “Fubbel”
Patrick Juvet – Medley Gay Paris
Julia Bell – We Watch The Stars
Badi Assad – Saudade Verdade Sorte
CéU – Mais Um Lamenta
Ingrid Caven – Chambre 1050
Mittendrin ist auch noch ein gnadenlos verunglückter Versuch eines Mashups aus “Happy” und “Self Destruction” zu hören, der sich aus einer Kommunikation mit Odradek/Twitter ergeben hat. Viel Spaß, wer auch immer sich das geben will  – zu erlauschen beim FSK-Hamburg.
Literatur:
Thomas Bauer, Die Kultur der Ambiguität, Berlin 2011
Gunnar Hindrichs, Die Autonomie des Klangs, Berlin 2014
 UPDATE: Die Black Knowledges Research-Group, der die oben verlinkte, massive Kritik galt, hat sich aufgelöst, weil sie die Intervention als zutreffend und richtig erkannte (via Mädchenmannschaft). Das freilich schafft ein zu füllendes Vakuum: Es anders machen – unter der Regie von PoC, und zwar ausreichend finanziert.

Momo on the radio: Musical – verdammt viiiiiiiiel Gefühl zwischen Camp, Kommerz und Konvention, Fr., 20.00 h, FSK

Ich hätte den Ankündigungstext vielleicht noch mal lesen sollen :D – ja, ich löse vieles ein, was ich da geschrieben habe. “Konvention” und “Kommerz” kommen jetzt allerdings eher indirekt vor. Obwohl ich sogar noch eine halbe Stunde on top bekommen habe und die Sendung zweieinhalb Stunden lang ist, fehlt mir trotzdem noch ganz viel. Das war aber notwendig, auszudünnen, weil die Story bis ins 19. Jahrhundert zurück reicht. Und die differenten Wurzeln in Europa und den USA eben auch kritisch gewürdigt sein wollen. Zum Anhören einfach auf “Mp3-Stream” klicken.

Ich muss vielleicht bei Gelegenheit noch eine zweite Sendung hinterher schießen, da liegt noch viel Umthematisiertes herum, und es fehlen unter anderem  “Hair”, “Les Miserables”, “Cabaret”, “Sister Act”, “Mama Mia!”, nur ein Song von Stephen Sondheim … und auch “Finding Fela!”, ein 2008 in New York uraufgeführtes Musical über Fela Kuti, habe ich nicht unter bekommen. Obgleich da sogar die unvergleichliche und überragende Patti Labelle mitgesungen hat. Eine doppelte Streisand habe ich mir trotzdem gegönnt.

Das Ergebnis ist aber hoffentlich nichtsdestotrotz inspirierend geworden. Es ist schon immer erstaunlich auch für mich, was selbst dann, wenn ich mich halbwegs vorbereite, für eine Eigendynamik in der Erzählung sich entwickelt. Ergebnis gefiel mir dann trotzdem :)

Hier wie immer die Playlist:

 

Sophie Tucker – Some of these days. (Ist zwar aus keinem Musical, man hört aber Vaudeville heraus, und der Song spielt eine gewichtige Rolle im Finale von Sartres “Der Ekel”. Wer hinein liest, wird dort bedauerlicherweise rassistisches Vokabular finden, vorlesen tue ich das nicht. Es ist trotzdem ein faszinierendes Stück Literatur und das Vokabular meines Erachtens nicht prägend für das, was ansonsten drumherum geschrieben wird. Da lasse ich mich aber wie immer korrigieren, falls ich was nicht peile, und veröffentliche Interventionen prompt)
John Barrowman – Dreamers (aus: “Jean Seaberg”)
Marlene Dietrich – You do something to me (aus: “Fifty Million Frenchmen”)
Elaine Page – Anything goes (aus: “Anything goes”)
Chita Rivera & Mary McCarty – Class (aus “Chicago”, Original Cast Albums)
Donna Murphy – Surabaya Johnny (aus: “Happy End”)
Wayne Shorter – Mack the Knife (aus: “Dreigroschenoper”)
Gene Kelley – Singing in the rain (aus: “Singing’ in the rain”)
Original Cast of the Kiss of the Spiderwoman – Only in the Movies (aus: “Kiss of the Spiderwoman”)
Zarah Leander – Kann die Liebe Sünde sein (aus: “Der Blaufuchs”)
June Anderson, London Philharmonic Orchestra – Glitter and be gay (aus: “Candide”)
Duke Ellington – Hit me with the hot note (aus: “Sophisticated Ladies”)
Fred Astaire – Puttin’ on the Ritz (aus: “Puttin’ on the Ritz”)
Carol Woods – Wasted Life Blues (ursprünglich von Bessie Smith. ist aus keinem Musical, das an der Stelle aber mit Absicht. Außerdem entnommen dem Album “Diva Collection”)
Georgette Dee – Die Jahre sind ein Buch (aus: “Beiß mich, ich will das Leben spüren”)
Hildegard Knef – Medley aus “Silk Stockings”
The London Theatre Orchestra & Cast – Masculinity (aus: “La Cage aux Folles”
Tim Curry – Sweet Transvestite (aus: “Rocky Horror Picture Show”)
Gloria Gaynour – I am what I am (aus: “La Cage aux Folles”)
Original London Cast – The Movie in my mind (aux: “Miss Saigon”)
Barbra Streisand – Send in the clowns (aus: “A Little Night Music”)
Hartwig Rudolz – Mehr will ich nicht von Dir (aus: “Phantom der Oper”)
Barbra Streisand – “Somewhere” (aux: West Side Story)
Rio Reiser – Somewhere over the rainbow (aux: “Wizard of Oz”)

 

Hier auch wie immer die Literaturliste:

 

– Bourdieu, Pierre, Die feinen Unterschiede, Frankfurt/M. 1996 (8. Auflage)

– Deleuze, Gilles, Das Zeit-Bild, Frankfurt/M. 1997

– Greenberg, Clement, Avantgarde und Kitsch, in ders.: Die Essenz der Moderne, Hamburg 2009

– Illing, Frank, Kitsch, Kommerz und Kult – Soziologie des schlechten Geschmacks, Konstanz 2006

– Puig, Manuel, Der Kuß der Spinnenfrau, Frankfurt/M. 1979

– Sartre, Jean-Paul, Der Ekel, in ders.: Gesammelte Werke – Romane und Erzählungen, Reinbek bei Hamburg 1987

– Schmidt, Günther, Das grosse DerDieDas, Reinbek bei Hamburg 1991

– Sontag, Susan, Anmerkungen zu “Camp”, in dies.: Kunst und Antikunst, Frankfurt/M. 2006 (8. Auflage)

 

Folgende Quellen habe ich zusätzlich verwendet:

 

– “Vaudeville and the American Entertainment Industry”, Racism in the United States (Achtung, Triggerwarnung, Link führt auf rassistische Darstellungen)

– “Ohne Anführungszeichen”, Stöger, Katharina/Dirk, Valerie . Ich finde vieles hochproblematisch in dem Text, anderes war schlicht und ergreifend sehr informativ.

 

“Die Mauern müssen bersten vor Glück!”

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Gestern angekündigt, heute ausgeführt: Das Überschreiben und Oz.

Mit dem Musical habe er gar nichts zu tun und bedaure das, sagte er. Er sei ja kein Zauberer.

Unmittelbar nach Oz’ Tod, R.i.P.!, ist nun das Buch “Zwischen Repression, Revolte und Kommerz” erschienen, herausgegeben von Andreas Belchschmidt, Kp Flügel, Jorinde Reznikoff.

Es macht tatsächlich Spaß, darin herum zu blättern und sich anzuschauen, wie Oz die Stadt Mehr von diesem Beitrag lesen

Was passiert, wenn man einfach so drauflos schreibt :D – Zeitmaschine nach St. Pauli

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An manchen Abenden, gerade, wenn der Frühherbst dem Tag heimleuchtete und Parkwächter mir hinterherpfiffen “Leinen Sie bitte den Hund an!’, imaginiere ich mich des abends gerne in ein B-Movie voller Leben, Leiden und Melancholie.

Eben in diesen Zauber, diese Freiheit,

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Zwei “Querfronten”: Wieso die AfD auch Entwicklungen auf der Linken und bei Liberalen zum Ausdruck bringt

Energie folgt der Aufmerksamkeit, so einer der Leitsprüche Hawaiianischer Mystik. Und mag man das auch unter Esoterik verbuchen: Es stimmt ja, dass Aufmerksamkeitsverschiebungen, von vielen geteilt, ein Thema sozusagen “aufladen”.

Insofern werde ich mich hüten, mich nun täglich mit der AfD zu beschäftigen; solche zwanghaft-exkludierenden Kräfte mit ihren Vorstellungen “natürlicher Ordnungen”, übrigens das gleiche Begriffsfeld wie “Authentizität” und eben Heideggers “Jargon der Eigentlichkeit”, sind am besten durch die Attraktivität der Gegenentwürfe zu bekämpfen.

Nur schaffen es Agitatoren Mehr von diesem Beitrag lesen

Assoziationsräume, morgens getwittert: Back to the Future!

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“Wir sind gegen die Seilbahn und die Polizei ist doof!”

Ich habe nicht mit abgestimmt, obgleich ich als Bewohner des Bezirks “Mitte” ja gekonnt hätte. Über die Seilbahn. Weil ich mir schlicht unsicher war. Weil, wenn ich richtig informiert war, der Startpunkt des Bauunterfangens am unteren Ende der Wallanlagen gewesen wäre und es mir schon bei Hafengeburtstagen auf die Nerven fällt, wenn die Leute in meinen Vorgarten eindringen – was ja schon auch viel über meine eigene Jägerzaun-Mentalität aussagt.

Trotzdem merkte ich heute morgen Zorn in mir aufsteigen. Über dieses ewige “Dagegen” derer, die nun mit Sicherheit so gar nicht dafür zu sorgen, dass sich mal was in die richtige Richtung bewegt. Die unverdrossen glauben, ob im Zeckensalon oder bei  Celtic-Spiel-Rahmenprogrammen, ihre öden, weißen Indie-Kapellen, die sie in ihrer öden, weißen, heterosexuellen Macker-Welt nostalgisch pflegen, hätten nun irgendwas mit Zukunft zu tun.

Neulich im Golem: Die Haus-Jazz-Band Mehr von diesem Beitrag lesen

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