Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Allgemeines

Metalust bei Instagram

Amüsiere mich jetzt auch bei Instagram und spiele dort ein wenig herum – für die, die’s interessiert:
Klick

Facebook-Splitter zu Trump, Hate Speech und Co

Habe mir leider angewöhnt, das, ich was alltäglich so raus rotze, fast nur noch bei Facebook zu posten. Damit hier auch mal wieder was passiert, ziehe ich das jetzt als „Facebook-Splitter“ hier mal mit rüber.

US-KONSERVATIVE ZU TRUMP LESEN: BRIAN ENO SAGT, WOHIN DAS FÜHRT

„The Guardian published an interview with Brian Eno the other day, in which he offered some political reflections. On Brexit and Trump, the legendary musician and composer said: “I thought that all those Ukip people and those National Front people were in a little bubble. Then I thought: ‘Fuck, it was us, we were in the bubble, we didn’t notice it.’ There was a revolution brewing and we didn’t spot it because we didn’t make it. We expected we were going to be the revolution.”“

Sag ich doch, und meine Mutmaßung, und nicht nur meine, ist das ja eh schon: Das Republikaner-Establishment Mehr von diesem Beitrag lesen

In Köln sitzen und nicht wissen, was auf der JHV passiert …

Das Rauschen der Straßenbahn dringt aus der Ferne durch das geöffnete Zimmer meiner Interims-Dachgeschosswohnung an der Grenze von Sülz zu Lindenthal. Habe die „Blue Note Monthly“-Playlist September eingestartet; Köln wirft mich ja sowieso immer ein wenig in der Zeit zurück.

Muss gleich noch tun und schaffen, hier am Küchentisch mit Blick auf Dächer und herbstliche Baumspitzen – klar, deshalb bin ich in Köln, zum Arbeiten, und ich weiß um das Privileg, gut bezahlte Jobs zu bekommen, die ganz lustig sind, wo angenehme Menschen mit umgeben und die Firma sogar noch die Wohnung zahlt. Was ein Appell es, es zu so zu nutzen, dass es keines bleibt. Ist mir hier und da sogar schon gelungen. Eine ganz hübsche Behausung, Wohnküche und Schlafzimmer, von dem aus in Richtung City der Blick Mehr von diesem Beitrag lesen

Zizek, Kretschmann, Kristina Schröder und der Rest …

Kristina Schröder:

„Mein Gefühl ist, dass die Menschen auch hierzulande inzwischen eine tiefe Aversion gegen den „politisch korrekten“ Diskurs haben. Es ärgert sie wahnsinnig, dass man bestimmte Positionen rechts der Mitte nicht mehr artikulieren kann, ohne niedergemacht zu werden. Diese Kultur ist in den USA noch stärker ausgeprägt. In amerikanischen Universitäten werden inzwischen schon „Trigger“-Warnungen herausgegeben, wenn bei Texten die Gefahr besteht, Minderheiten in ihren Gefühlen zu verletzen. Und die Unis sind kulturprägend für den intellektuellen Diskurs in einem Land. Diese Kultur führt aber zu einer geistigen Enge, die viele inzwischen unerträglich finden. Trump ist jemand, der diesen Diskursverboten etwas entgegensetzt. Das hat den Leuten gefallen.“

Winfried Kretschmann:

„“Wir dürfen es mit der Political Correctness nicht übertreiben“, sagte er. Auch Menschen, „die ganz anders denken“, verdienten „Respekt und Klarheit“.“

Zizek:

„Der linke Ruf nach Gerechtigkeit geht häufig Hand in Hand mit den Kämpfen um die Rechte von Frauen und Homosexuellen, für Multikulturalismus und gegen Rassismus und so weiter. Das strategische Ziel des Clinton-Konsenses besteht darin, all diese Kämpfe von der linken Forderung nach Gerechtigkeit abzutrennen – weshalb das lebende Symbol dieses Konsenses Tim Cook ist, der Apple-Chef, der stolz einen offenen Brief gegen die Diskriminierung von LGBT-Personen unterzeichnet und jetzt problemlos Hunderttausende Foxconn-Arbeiter in China vergessen kann, die Apple-Produkte unter Sklavenbedingungen montieren. Er hat ja seine große Geste der Solidarität mit den Unterprivilegierten gemacht und die Abschaffung jeglicher Geschlechtersegregation gefordert. Wie so oft stehen die Großunternehmen stolz vereint mit der politisch korrekten Theorie“

Der Rest der Reaktionären in der irgendwielinken Blogosphäre ist derweil dabei,  Kristina Schröder noch zu toppen und jene in Psychiatrien einweisen zu wollen, die eine weiß-männlich-heterosexuellen Hegemonie konstatieren und fügt sich damit bruchlos in jene Traditionen ein, die schon Lou Reed folterten. Diese Pathologisierungsnummer beansprucht freilich gerade in psychoanalytisch, freudomarxistisch geprägten Teilen der Linken so eine Art Gewohnheitsrecht für sich  – die landen irgendwie irgendwann immer bei Kristina Schröder und Co und werden noch schlimmer, und das auch noch wiederholt und über Jahre hinweg. Der Wurm war da schon immer drin. Da hilft es aber, Foucault mal wieder zu lesen, um das zu überwinden.

Andere meinen, irgendetwas Progressives zu formulieren, wenn gegen „Identitätspolitiken“ (also Feminismus, Kampf für Lesben-, Schwulen-, Bi- und Transgender-Rechte, „Black Live Matters“ etc.) „der kleine, weiße Mann (!!!) auf der Straße“ in Stellung gebracht wird, ganz pegiadaesk, aber natürlich ganz anders gemeint. Diesem sich zu nun zu widmen sei Gebot statt diesen Regenbogenmischpoken, schwarzen „Behinderten“, hahar usw.  –  es ist allerdings jederzeit möglich, in Analysen einfach das zu kopieren, was eigentlich kritisiert werden sollte. Und so viel Verständnis, wie es aktuell für die Brexit-Voter aufgebracht wird, habe ich für Sufi-Immane in London, die gegen Leute wie Anjem Choudary kämpfen, auf dass ihnen die Youngster nicht weg kippen, nie irgendwo gelesen.

Was dabei ebenso auf der Strecke bleibt, Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Netflix-Serie „The Get Down“: Scheitern, das Räume öffnet und Musik, die ihre Geschichte selbst erzählt

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Eine eher randständige Szene pointiert gelungen, worum es in der Netflix-Serie „The Get Down“ geht: Ezekiel „Zeko“ Figuero (Justice Smith), die Hauptfigur, angehender Rapper und virtuoser Wortartist, folgt einer Essens-Einladung seines millionenschweren, zukünftigen Chefs. Er ist der erste Teilnehmer eines Praktikumprogramms, das Jungs aus der Bronx den Weg ins geregelte Leben ebnen soll. Seine Ausflüge nach Downtwon Manhattan sind treffend mit Kiwanukas „Black Man in an White World“ unterlegt.

Nach einem heroischen Auftritt im Flur des Konzerngebäudes, da Ezekiel seinem „Förderer“ mitteilt, diesem die Chance geben zu wollen, von Anfang an auf seinem Weg dabei sein zu dürfen, weil dieser später davon profitieren würde (auch verweigert er die Rolle des „Ghetto-Maskottchens“), lädt der ihn zum Diner in seine Villa ein. Die Tür des Prachtbaus öffnet Ezekiel die höhere Töchter des Patriarchen. Sie trägt über ihrer Bluse eine Mixtur aus tradiert sittsamem Samt- und nietenbesetztem Hundehalsband. Anschließend bei Tisch amüsiert sie sich darüber, dass Ezekiel noch nie was von Punk und den Ramones gehört habe.

Es ist das einzige Mal, dass Punk in „The Get Down“ Erwähnung findet. Das ist sozial ebenso treffsicher skizziert wie auch erstaunlich bei einer Serie, die 1977 spielt. Und die ins rechte Licht rückt, welche Relevanz „widerständige weiße Musikkultur“ tatsächlich hatte, historisch.

Vermutlich ist geboten, tatsächlich, wie es mir eher zufällig passierte, Hallbergs „City on Fire“ und „The Get Down“ Mehr von diesem Beitrag lesen

DIE ZEIT, ihr Kampagnenjournalismus und warum Simon Urban mutmaßlich auch einfach nur beleidigt ist

Alle Tage wieder .. ja, bei zeit.de.

Herrschaftstabilisierende Argumentationsverweigerung im Schreihals-Akkord.

Aktuell: Simon Urban. Einer von den Schriftstellern, die zu lesen mich nicht interessieren würde.

Simon Urban ist einer, der über die eigene Irrelevanz hinaus zu wachsen versucht, indem er sich an eine mehrheitsgesellschaftliche, medial akut weit verbreitete Mode andockt.

Eine, die öde wäre, würde sie nicht schlicht die Macht jener absichern, Mehr von diesem Beitrag lesen

Neues Trikot, neue Möglichkeiten? Sozialprojekte von „Under Armour“

Im Eintrag zur Trikot-Präsentation hatte ich es ja angekündigt: Teil des Deals mit dem neuen Ausrüster „Under Armour“ (das über kurz oder lang mit Sicherheit „Under Amour“, französisch gesprochen, hier heißen wird) ist, dass auch ein 6stelliger Betrag in soziales Engagement fließen wird. So interessierte es mich, was die Marke in den USA in dieser Hinsicht bewirkt hat. Philipp Walter, Marketingleiter Deutschland, erwies sich als äußerst hilfreich und auskunftsbereit.

Knauserig scheint die Firma nicht zu sein: Unter anderem steckte ihr CEO Kevin Plank 5 Millionen Dollar in ein „Community-Center“ in Baltimore:

„The 10,000-square-foot project will be located at 1100 E. Fayette St. in the space formerly known as the Carmelo Anthony Center. The project, a partnership between Under Armour and the Living Classrooms Foundation, will include a covered turf field, workforce development and entrepreneurship center, dance and yoga studios, a recording studio and neighborhood kitchen. A classroom for science, technology, engineering and mathematics (STEM) will also be part of the building.“

Wenn ich das richtig verstehe, ist das eine Mischung aus kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung.

Interessant ist dabei die Zusammenarbeit mit der „Living Classrooms„-Stiftung; nicht nur ich  werde dabei an jene Folgen von „The Wire“ denken, Mehr von diesem Beitrag lesen

Unabgegolten. So viele offene Fragen – Danke, Prince! 

  

Ein bißchen gruselig ist es ja schon, wenn nach Monaten der Blogpause erneut ein Nachruf in „Metalust & Subdiskurse“ erscheint. 

Prince. R.i.P.. 

Ich gebe es ja zu: Vor allem eine Erinnerung. Auch für mich. An die 80er und die frühen Neunziger. Eine intensive, eine schöne, eine inspirierende – eine, die eigenes Ausweichen schmerzhaft fokussiert und die Glaubwürdigkeitsfrage auch dann stellen würde, wenn es ein „antiauthentisches authentisches Sein“ gäbe. Prince hat unendlich überragende Antworten gegeben (wenn auch, so sagt das Netz, nicht unbedingt auf die Frage nach der Homo-Ehe) – und bleibt lebendig als Fragestellung. Eine, die das Unabgegoltene wohl noch viel schärfer ausleuchtet als im Falle David Bowies.
Noah Sow, von der ich so viel mehr lernen durfte als von vielen anderen Menschen, verlinkte bei Facebook anlässlich des Todes von Prince einen Text. Ich finde ihn nicht wieder und paraphrasiere drum. Der Text eines Menschen, der in Brooklyn oder der Bronx aufgewachsen von Prince lernte, was für Weiße durch David Bowie ermöglicht worden sei: Sein zu dürfen, was er als Schwarzer sein wollte – als eben das darzustellen zu müssen, was er darstellen solle. So ungefähr.

Wie immer, wenn Noah etwas verlinkt, entstand ein sonores Grübeln in meinem Kopf bei der Lektüre all der Nachrufe und verstummte nicht mehr. 

Manche Totengebete in der hiesigen Presse normalisierten vor sich hin, indem sie Prince wahlweise als Popclown oder „Exzentriker“ behandelten – was immer das meinen kann. „Exzentrisch“ – außen vor, nix Maßgebliches wohl für „die Mitte“. Andere zählten seine Hits auf und erzählten dann, dass sie was mit denen erlebt hatten. 

Deutlich wurde, dass sie nicht IN IHNEN erlebt hatten: Eher zufällig lief dessen Musik, als sie auf vergangenen Parties turnten und knutschten, und er war halt ein Superstar. Viele griffen den „Gender Trouble“, von Prince so virtuos inszeniert, auf – am absurdesten ein Autor bei ZEITonline, der ihm eine „Überlegenheit über Judith Butler“ attestierte. Der Gedanke als solcher schillert schon so völlig unsinnig, dass ich lachen musste – wie kommt so ein Schmierfink auf solch eine Hierarchiebildung? Unter anderem führte er an, dass Prince ja Gitarre spielen konnte. Mal ab von der möglichen phallozentrischen Deutung – dazu später mehr -: War jetzt Udo Jürgens Jürgen Habermas überlegen, weil er Klavier spielen konnte und in „Dieses ehrenwerte Haus“ zugleich eine postkonventionelle Moral proklamierte? Dass Menschen offenkundig nicht über Gender schreiben können, ohne nebenbei vorsichtshalber der berühmtesten und profiliertesten Theoretikerin einen zu verpassen und noch in aufgehobenen, männlichen Sterotypen deren Dominanz fomulieren müssen, das verweist auf eben dieses Unabgegoltene, das ich meine. Prince bleibt als Frage, der ausgewichen wird.

Als Weißer wie David Bowie seit der Thin White Duke-Phase (!!!) sich gebend  – oder auch der vor Ziggy Stardust – in einem Großraumbüro oder einer Bank gearbeitet zu haben, das dürfte einigermaßen unproblematisch gewesen sein. Als Fussballtrainer oder KfZ-Mechaniker hätte es da vermutlich mehr Probleme gegeben. Trotzdem. Deshalb, seien wir ehrlich: So gewaltig wird der Freiheitsspielraum nun nicht gewesen sein, den Bowie eröffnete. Bowie-Typ sein, das war okay. 

Aber so wie Prince 1985 oder 2016 auch nur durch ein von der Innenstadt entferntes Einkaufszentrum oder gar nachts durch Fallingbostel zu laufen – ich weiß nicht, wie das in der Bronx oder in Brooklyn war, aber dass sich in Deutschland damals wie heute auch nur irgendetwas durchgesetzt hätte, das dies ermöglichte oder damals ernsthaft wirkte, das zu behaupten halte ich zumindest für gewagt. Und mensch stelle sich nur mal Pohlmann, Clueso oder Philp Poisel, von mir aus auch Haftbefehl im Prince-Look vor, und es dürfte klar sein, dass trotz aller feuilletonistischen Hymnen rein gar nix hier in Deutschland wirkte von dem, was Prince so glanzvoll erschuf. 

Bei mir auch nicht. Was überschlagen sich denn dann auf einmal alle? Nur weil zwischendurch auch mal für Conchita Wurst beim Grand Prix mensch votete (nur Sido nicht), die ins Karnevaleske zu verbannen eben so deutsch ist wie sonst gar nichts, weil ansonsten alle derartig zittern, ihre ach so „authentische“ Thees-Ullmann-normalisierte Cis-Mensch-Attitude könnte wanken? 

Ja, ich doch auch! In irgendeinem Blog stand, dass ja damals, in den 80ern, also da, als ich mein Coming out hatte, Prince als so schwul gegolten habe. Und das sei ein Schimpfwort auf Schulhöfen gewesen (har, har, als sei das heute anders) und keiner hätte es sein wollen oder dürfen – ja, an dem Kampf erinnere ich mich sehr wohl, nun auch ja nicht „zu tuntig“ sein zu wollen. Was natürlich immer alle prüften, OB ich das sei.  Gelegentliche Koketterie mit Kajal und ganz selten Lippenstift und ein großer Ohrring. Ansonsten schon aus Karrieregründen und nackter Angst bloß nicht zu „feminin“. Aber so mutig wie andere, im „Fummel“ unterwegs zu sein, war ich ja auch nicht und hatte all die internalisierte Homophobie genau so gefressen wie alle anderen auch. 

Ich würde lügen, wenn ich jetzt eine Befreiung durch Prince behaupten würde, an ihm lag das nicht; und ich kenne auch keinen Weißen, bei dem das so gewesen wäre. Am mutigsten waren noch die aus den Gothic-Szenen, wirklich, mit Mini-Rock und Strapsen und Schminke und Latex und Fetischen – nur dass die Abgrenzung gegen „Black Music“ nicht im Sinne der Gewandung, sondern von Prince & Co da auch am stärksten war. In irgendwielinken Szenen hôrten ihn zwar alle, aber nachhaltige Wirkung kann da nun wirklich nicht festgestellt werden.

Auch musikalisch nicht. Als ich jetzt noch mal in die Lovesexy-Tour hinein guckte – ja, ich gebe es ja zu, dass ich das damals toll, aber auch anstrengend fand, das Konzert im Millerntor-Stadion. Prince war nur selten einfach. Deshalb war er ja so gut. Derart treibend rhythmische Funk-Komplexität, durchsetzt mit Verweisen von James Brown bis zurück zu Cab Calloway, eine teils echt schräge Harmonik mit Jazz-Bezügen, wahnsinnig schnell, wahnsinnig komplex, und selbst auf Elvis in Las Vegas und Sammy Davis Jr. wurde angespielt. Was für ein WISSEN nötig ist, aus diesen fast schon enzyklopädischen Bezügen eine so mitreißende Show zu formen, das hat jüngst mit ganz anderen Mitteln Kamasi Washington durchgespielt – und dabei dann trotzdem noch mit Witz und Leichtigkeit und so derart sexy tatsächlich Entertainment zu betreiben wie Prince, sorry, aber das gibt es tatsächlich nur in den US-Black-Cultures und mit Abstrichen in sich ihrer Postkolonialität bewussten Metropolen wie London (in Indien und Brasilien und auf Kuba bestimmt auch, da kenne ich mich nicht so aus). 

Deutschland ist da einfach eine Kulturwüste, wenn man sich all diese erbärmlichen Deutschpop-Weichspüler und rockistischen Macker anhört, die dann wie Rio Reiser singen wollen. Und das über Zweizimmer-Altbauwohnungen. Bye, bye, Rauchhhaus. 

So dass ich mich richtig erschrocken habe, als eine Nummer beim Wiedergucken von Prince auf der Bühne erschien, die auch von Bryan Adams hätte performt werden können. 

Aber WIE Prince sie brachte! „Purple Rain“ habe ich eh immer für eine Cockrocker-Parodie gehalten, und, siehe da: Nach phallischem Gitarrenwix-Solo präsentierte Prince seinen sehr appetitlichen Arsch derart kokett und eindeutig mit Augenaufschlag – würde der Autor von DIE ZEIT sich nur einmal so präsentieren, er würde eine Ahnung davon bekommen, wie unsinnig sein Gequassel über Judith Butler ist und dass er statt Heinz Bude mal lieber Bell Hooks lesen sollte. 

Wie mensch von Prince lernen konnte, zu HÖREN, gerade die Relation von digital zu analog, darüber schreibe ich dann noch ein anderes mal – jetzt frage ich mich lieber noch ein paar Wochen, wieso der Mann hierzulande überhaupt so gefeiert wurde angesichts seines Ablebens. Völlig zu recht zwar, aber wieso sonst noch?

Wo er doch so gar keine Spuren außer Erinnerungen hinterließ. 

Das las sich fast so, als seien nun einige froh, ihn endgültig abhaken zu können.

Weil ja angeblich all das, wofür er stand, längst etabliert sei: Die Aufhebung von SOZIALEN Kategorien wie schwarz und weiß, Mann und Frau, hetero und schwul. Schön war’s! 

Streift morgen im Job mal die High-Heels-Schaftstiefel über, malt euch ’nen Lidstrich und singt bei „If I was your Girllfriend“ genau so textsicher mit wie bei „An Tagen wie diesen“, Jungs  – und dann wartet ab, was passiert. Ja, ich trau’s mir ja auch nicht. Eben. Warum denn? Und nein, ein Luxusproblem ist das nicht.

That’s Entertainment! I found my thrill … FC St. Pauli – Greuther Fürth 3:2 

  

Manche hegen ja Aversionen gegen das Wort „Unterhaltung“. Also das, was in der DDR einst „Unterhaltungskunst“ genannt wurde. Entertainment. Großes Gefühlskino. Liebe, Drama, Wahnsinn. Emotionaler Extremismus. Krude Plots mit konstruiert wirkenden Höhepunkten und attraktiven Hauptdarstellern. Solche, wo die Musikuntermalung fast ins Melodramatische kippt,  um sich anschließend in Suspense zu aalen – wirbelnde Streicher zu Pauken und Trompeten abgehen, als wäre der Komponist auf Speed im Purple Rain versunken. Singend.

Ja, so ungefähr der Soundtrack meines inneren Ohres gestern im Millerntorstadion 🙂 … was ein GROSSARTIGES Spiel! Mehr geht ja kaum. Ritt auf Messers Schneide. Kippen die Metaphern um zur Plattitüde, so war das Geschehen zumeist unbeschreiblich. In diesem Falle gut.

Zunächst 20 Minuten Gewackel der unseren. Fürth bot den Habitus von Schulhofschlägern, unsere Abwehr auf der Suche im Nichts nach der Abwesenheit von Halt,  aus dem dann das Potenzial der Chancen des Gegners erwächst – sie wirkten merkwürdig filigran gegen die grünweißen Brocken, die sich über den Platz rempelten. 

Und machten genau daraus anschließend eine Tugend wie in diesem uralten Kung Fu-Streifen, da vom wilhelminischen Boxer mit Zwirbelbart in seiner Grobschlächtigkeit der elegante Kampfkünstler beinahe zu Boden gedrückt wird, um sich frei schwingend doch zum Sieg zu erheben. 

Na, etwas übertrieben, aber ich fand schon dolle, wie das auf einmal flutschte, als flink die Boys in Brown wie zum 1:0. ihre Leichtigkeit als Chance begriffen und Schneisen, Wege, Pfade für den Pass inmitten des undurchdringlichen Weißgrün entdeckten, die prompt zum Treffer führten. War ja nur eine recht kurze Phase, die war aber so schwerelos, kosmisch – wie ich mich bei Sobota  eh frage, ob der sich heimlich über den Platz beamt. Der tauchte fortwährend irgendwo wie aus dem Nichts auf, und ich habe ihn da beim besten Willen nicht hin laufen sehen. Okay, das Bier, das Wetter … 

Muss ich Ratsche huldigen, Halstenberg feiern, das Offenkundige beglückt ausformulieren? Deichmann beglückwunschen, dass er nach anfänglicher Überforderung doch sich so klasse eingroovete mit aufmunternder Unterstützung seiner Mitspieler? Was eben, ja, und überhaupt: Wie sie halt zusammen (!!!) alles in die Waagschale warfen, bis die zu unseren Günsten final kippte. 
Euphorie bereits in der Halbzeit. Trotz Anschlusstreffer, nachdem es so wirkte, als sei unserer Manschaft vor Überrraschung über das 2:0 vorrübergehend das Ziel abhanden gekommen. 

Die Plakate und Transparente in Ankündigung des Protestes gegen den Aufmarsch der Alten und Neuen Rechten bis in den Fürther Block hinein waren beeindruckend (!!!) und zutreffend. Großartig! 

Wobei ich ja eben doch immer befürchte, dass zu viel Fokus auf alte und neue Nazis Nazis, zu wenig auf deren  tatsächliche und potenzielle Opfer auch kontraproduktiv wirken können könnte. Weil Fragen z.B. des Rassismus nicht nur im Paradigma des Nationalsozialismus diskutiert werden können. Ja,  mittlerweile stellt das sogar ein Problem in der Analyse und somit auch den daraus zu ziehenden Schlüssen dar. 

Und dass nun noch den Anfängen zu wehren sei, wie auf einem Plakat zu lesen war –  hmmm, dazu ist wohl längst zu spät. Über die sind die Massen hierzulande schon längst hinaus, angefeuert von einer interessegesteuerten politischen Klasse, der die Legitimation von Demokratie größtenteils am Arsch vorbei geht. 

Was freilich auch auf ein Feld der Auseiandersetzung verweist, dass den Rechten überlassen wird: Die tuen ja so (bis hin zu Merkel), als seien nun ausgerechnet sie die Gralshüter der Demokratie, während sie die Entrechtung von Minderheiten im Namen der Mehrhei twahlweise fordern oder zementieren. 

Nein, das ist falsch, es sind der formale Gleicheitsgrundsatz und das Grundrechtekonzept, das für alle gleichermaßen gilt, das die Verfahren überhaupt erst als demokratische ausweist. Exakt die gegenteilige Annahme der gerechtfertigten Dominanz, des vorab gültigen Privilegs ist antidemokratisch und faschistoid. Das raubt den Verfahren jede Rechtfertigung – während automatisches Bleibe- und Wahlrecht für alle, die sich auf dem klar definierten Territorium befinden, in der Tat begründungsfähig ist und eine Demokratie als solche in Bewegung hielte, Erstarrung verhinderte. 
Insofern ist zum Beispiel die sehr breite Unterstützung für die nun in den Messehallen eintreffenden Refugees, die sich bis zu recht biederen Hundebesitzern in Planten & Blomen zeigt, zukunftsfähig und großartig. Inzestuöse Zustände in Sachsen oder in sterbenden Dörfern in Meck-Pomm sind dies nicht, und Dortmunder Bürgerwehren auch nicht. Neoliberale Politik und technokratischer Funktionalismus im Stile von Scholz, Neumann und de Maiziére produzieren auch nur fortwährend neue Nationalismen, um Interessenpolitik zu tarnen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Das Umfeld des FC St. Pauli ist doch so unendlich reich, multidimensional, dass das Hervorheben dessen, was schon cool ist und noch viel besser werden kann, mischt die Crowd mal ihre folkloristischen Tendenzen auf und öffnet sich der Symmetrie, immer noch die beste Antwort ist.

Passiert ja bereits, in den Konzepten zum ESSO-Häuser-Gelände, beim FSK usw. – geht nur manchmal unter, beschäftigt mensch sich zu sehr mit denen, die all das verhindern wollen im Sinne menschenverachtender Gleichmacherei. 

Mehr Pro-Demos fänd ich cool! Lieber noch Pro Homo als gegen Homophobie, lieber Raum, Macht, Einfluss und Kohle fur PoC als die freiwillige Selbstbeschränkung auf Antirassismus. Dann versteht mensch irgendwann auch besser, wie der funktioniert und wirkt. Sich von Pegida und Co die Themen vorgeben zu lassen, das bestätigt die ja nur in ihrem Machtrausch. 
Halbzeit vorbei, und ja, also, nun stilistisch zurück in die Euphorie zu finden ist gar nicht so einfach, und doch, es hängt ja zusammen – nach Jahren der freiwilligen Selbstmusealisierung und – mummifizierung bis kurz vor den Untergang WIRD da wieder was auf dem Platz. Dieser Thrill, so sexy, so haarscharf am Gegenteil des tatsächlichen Ergebnisses vorbei schrammend, so SCHNELL, juchhu nach Abseitstor der Fürther mit Nachstochern das 3:1 und mittlerweile sogar fair und ansehnlich spielende Grünweiße, die beinahe noch den Ausgleich schaffen – ja, es hat ja jeder gesehen, was ich hier beschreibe, aber es fühlt sich so gut an, es noch einmal zu durchleben 😀 …

Entertainment, Zukunft, Spaß und Werden schließen einander gar nicht aus. Und Ewald Lienen gebührt echt tiefste Anerkennung, aus einem Haufen Verunsicherter eine lustorientierte, selbstbewusste, ja, glatt bei allen noch sichtbaren Unzulänglichkeiten (die sind das, was Menschen liebenswert macht) den Eros des FC St. Pauli atmendes Team geformt zu haben. Ressourcen nutzen, stark zu machen statt nur Fehler zu kritiseren – das ist ein Weg. 

Wenn der für uns geebnet uns so weiter führt – ich folge ihm gerne! 

Die Idee und die Ordnung: FC St. Pauli – Arminia Bielefeld 0:0

  

Die erste Idee war schon mal nicht so gut. Laufe in die Wallanlagen, höre ohne Ende „Martinshörner“ (ein jeder Martin sei dafür um Verzeihung gebeten), „Scheiss St. Pauli“-Chöre dröhnen durch die Büsche – ja, steht jetzt sogar auf mancher Dauerkarte. Hort sich trotzdem nicht schön an, wenn ein Aggro pur zumindest signalisierender Chor anmarschierender Bielefelder inmitten einer der schönsten Ecken der Stadt lautstark verkündet, was es von dieser Gegend und ihren Bewohnern und Liebhabern hält. 

Und das nun auch noch durch die wohlgewachsenen Bäume meiner heiß geliebten Wallanlagen dringend. Ändere also die Richtung, vielleicht nicht unbedingt den üblichen Parkausgang wählen, wenn die aus der Richtung so lautstark stänkern  – und latsche, die Vermeidung wählend, beinahe mitten in den blauen Mob auf der Glacischaussee hinein, der, von Ordnungshütern flankiert, ideenlos gröhlt. 

Erst noch eine rauchend und sie in ihrer ermüdenden Öde vorbei traben lassend, ein Durchkommen wäre da eh nicht gewesen. Snniere vor mich hin, ob vielleicht Zusammhänge zwischen der Ideenlosigkeit der Gesänge und den sie umgebenden Uniformierten der Ordnungsmacht bestehen. 

Wo erst mal was geschützt werden muss, da entsteht vielleicht ja wirklich nicht so Dolles, wie es möglich wäre, , weil die Vermeidung in den Mittelpunkt rückt … und es ist schon immer wieder erstaunlich, wie flächendeckend Verhinderung, Schutzwälle, Ausschlüsse, Grenzziehungen, Hierachien das Soziale derart zuzememtieren, dass plötzlich im Gegenzug davor nun geschützt werden muss. Um Räume für Empowerment und das Generieren Möglichkeiten für von all den Attacken Betroffene zu schaffen und so Zukunft für alle zu ermöglichen.

Das mag sich jetzt abstrakt lesen, ist es aber gar nicht. 

Um auf das Spiel zu kommen. Ja, ich wäre jetzt verpflichtet, für die schier unglaubliche gigantische Choreo zu schwärmen. Glückwunsch, Danke, toll! Echt jetzt! Wahnsinnsleistung. Auch die neue Nord sieht schick aus, die Akustik bietet ungeahnte Möglichkeiten, war prompt zu hören  – ein wenig Sehnsucht nach trashigen Kifferfiguren, überlebensgroß mit rollenden Augen, eben nach dem Improvisierten, Unvollendeten, Spontanen blieb in mir dennoch rege am Wabern. Klar, dolle Worte für Choreo-Konsumenten auf der Haupttribüne.

Sieht man ergänzend dieses Spiel mit den leckeren Typen auf dem Platz als eine praktizierte Analogie auf die Abstraktionen von Idee und Ordnung, die Jahrtausende die Philosophien aller Kontinente beflügelten, dann war das ja so ähnlich. Also, was auf dem Platz zu sehen war. Nein, es war nicht gigantisch, das Spiel, aber – so ordentlich. 

Aus den Erfahrungen der letzten Saison entstanden war viel Vermeidung zu sehen: Kein Harakiri-Umkippen ins Hurra-Gefhl, auf dass es dann Konter hagelte, und eben der Versuch, die etablierte und durchzuhaltende Ordnung als Basis für Ideenfindung zu nutzen. Macht ja Sinn, und klar geht es beim Fussball auch um’s Tore verhindern, nicht nur darum, welche zu schießen. 

Aber irgendwas blieb bei diesem löblichen Versuch konzentrierten Fussballspiels auf der Strecke. Engagement war es nicht, Energie auch nicht, beides voll da  – bis auf eine verdrömelte Phase von um die 15 Minuten. Nun gleich Funken sprühend im ersten Spiel zaubern ist wohl nach der letzten Saison von Spielerpsychen auch viel zu viel verlangt. Ja!!! 

Aber … irgendwas an übergreifender Inspiration, an Kür statt Pflicht, ach, das hätte ja doch auch gut getan. 

Weil das mit der Idee und der Ordnung ja nur geht, transzendiert mensch sie – also die Ordnung. Wie ja auch am bestgekleideten Mann auf dem Platz, unserem Torhuter, sichtbar war. Ja, ich meine erneut das Trikotdesign … schöner Gelbton. Aus den Ideen geboren verziert.

Irgendwie wirkte die freie Assoziation abgeschnürt. 

Ich habe nun keine Ahnung vom Stream of Consciousness derer, die da über den Platz laufen, so ein „Ulysses“, der von Joyce, aus kombinierten Fussballergedankenstromen während so eines Spiel hätte gute Chancen, zum Kunstwerk zu mutieren und wäre aufschlussreich  – aber mir kam das alles trotz Ratsches Unermüdlichkeit so, hmmm, analytisch vor. Das ist in der (sprach-)analytischen Philosophie auch so: Die verdoppelt einfach, was ist. Da entsteht nichts Neues. 

Na, schreibt sich alles so leicht dahin, war ja alles okay. Aber …

Als Epilog könnte ich jetzt noch über „Tränen lügen nicht“ schreiben, aber das ist mir zu intim. Ich sag aber herzlichst  Danke!!!! jenen, die so was von da dann waren!!! 

Während wir spürten, dass einer nun weg war … R.i.P.. Du fehlst echt.