Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kategorie-Archiv: Allgemeines

Da weiter machen, wo der „Women’s March“ aufhörte: Für mehr Gendern und weniger toxische Männlichkeit

Aktuell mühe ich mich in den Artikelfolgen ein wenig darum, noch einmal zu subsummieren, was im letzten „Jahr nach Trump“ liegen geblieben ist.

Blicke ich zurück auf die Themen mit dem größten Konfliktpotenzial in der Geschichte dieses Blogs, so waren dieses immer auch feministische und lesbische Perspektiven und alles rund um Judith Butler., was zu Brüchen führte. Das zog so krasse Reaktionen nach sich, dass es Kommunkation verunmöglichte (im aktuellen Zusammenhang lasse ich Butlers Positionen zu Israel einfach mal außen vor).

Es zeigt sich hier eine deutlich erkennbare Querfront: Um das, was die neue Rechte als „Gender-Wahn“ bezeichnet und auch in linken Blogs mittlerweile, Birgit Kelle und ähnlichen zustimmend, ebenso als „Gender Gaga“ abqualifiziert wird.

Damit die Männer wieder die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen, den großen Denkern, ja auch gebühre. Wo sie sowieso schon immer nur und grundsätzlich auf das Bezug nehmen, was andere Männer geschrieben haben. Es sei, denn, es ist zu kritisieren. Ist ja auch auffällig in linken Szenen.

Insofern halte ich es auch nicht für einen Zufall, dass die Frage nach den den Toiletten für trans*Personen rund um die Wahl Donald Trumps Mehr von diesem Beitrag lesen

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KONSERVATISMUS, NEOLIBERALISMUS UND BÜRGERLICHKEIT: Dobrindt und das „3. Reich“

„Die Agenda 2010 gleiche einer »institutionellen Angstmobilisierung«. Sie habe massiv minderheitenfeindliche Tendenzen und den Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte befördert, konstatieren die Autoren Sigrid Betzelt und Ingo Bode.

Mit Hartz IV habe die Politik systemische Risiken individualisiert, heißt es. Das System bedrohe Lohnabhängige bis weit in die Mitte der Gesellschaft. Der Verlust des Arbeitsplatzes oder Krankheit gefährdeten den gesamten bis dahin erarbeiteten Lebensstandard. Betroffene passten sich einerseits vermehrt an. Andererseits entstehe Kontrollverlust und Wut.“

Mag als merkwürdiger Einstieg erscheinen bei dieser Überschrift. Da „wir“ nun freilich, was Diskussionslage, Topoi und auch Wählerverhalten betrifft, längst tief in Analogien zur Schlußphase von Weimar verstrickt sind, sollte auch aufeinander bezogen bleiben, was eben zusammen hängt: Die klassische „soziale Frage“, wie sie sich tatsächlich stellt, und die nationalkonsevativ-bürgerlichen Ideologien, die von ihr ablenken sollen.

Der Text zu bürgerlichen Schwulen, die Ende der Weimarer Republik ordentlich dabei mitmischten, bei alledem, was, bürgerlich unterstützt sich auch als Lösung der „sozialen Frage“ behauptete, der kommt noch, keine Sorge. Wie gewichtig sie da waren, das sei mal dahin gestellt, dazu gibt es aber auch Publikationen aus queeren Kreisen. Und auch damals gab es schon solche wie Jens Spahn.

Erst mal freilich ein Text zu den statistisch relevanteren Kreisen. Also die, für ein Dobrindt Mehr von diesem Beitrag lesen

Vom „frommen Tanz“ ans Millerntor: FC St. Pauli – Hannover ’96 0:0

Nein. Nein, ich vermisse es nicht. Nicht die Sommer, als ich den mich umgebenden heterosexuellen Anbahnungsreigen am Baggersee nicht ertrug und stattdessen unter mein Hochbett kroch, Klaus Manns „Frommen Tanz“ und James Baldwins „Giovannis Zimmer“ lesend. Träume von Nähe, Träume von Körpern, Träume vom Du. Vermisse auch nicht frühlingshafte Radtouren zum Würmsee, keinen Herbstspaziergang mit Mutter in der Eilenriede (herbstliche Besuche bei B. in Lindwedel oder K. in Gailhof waren aber zum Teil schon ganz schön, K.s Hund hieß Billy und ich war in ihn verknallt), nicht das Streifen und Schlurfen durch Lindens winterliche, existentialistische Tristesse, damals, als wir noch The The, The Cure und The Smiths hörten. Als ich allein unter Heten dem Abitur mich näherte. 

Vermisse nicht, mit den grünen ÜSTRA-U-Bahnen in die City zu fahren, aufbrechend aus der Trabantenstadt, am alten Wasserturm vorbei und das Reihenhaus, die „Neue Heimat“-Siedlung mit ihrem bräunlichen Putz an den Häusern, 3-stöckig, 6 Wohnungen, Straße um Straße ähnlich bis gleich, und die vertrauten Geräusche der Fernbahnlinie im Ohr, das dröhnende Starten und Landen der Flugzeuge ein wenig weiter nördlich ebenso hinter mir lassend. Um zwischen der Betonwüste am Kröpcke und pittoresken Altstadtgassen herum zu irren und auch nicht zu wissen wie, was oder warum überhaupt. Obgleich doch Sartre mich gelehrt hatte, der Mensch erschüfe sich selbst durch Handlung. Aber wie nur? War deprimiert Bauhaus (oder der Streisand „Yentl“) hören „Handlung“?

Ich meine mich zu erinnern, damals, am 1.4. 1987, da herrschte Schneechaos am Bahnhof in Hannover, die Züge fuhren nicht oder Stunden zu spät – vielleicht war das auch ein anderes Mal, der Tag des Aufbruchs zur Zivildienstellensuche?, und ich vermische Etinnerungen; dieses Gefühl von Bangen und Hoffen, vor allem Hoffen, das kann ich als Nachhall noch fühlen, wenn ich das will. An diesem Tag verließ ich Hannover, brach auf in eine bessere Zukunft. In eine neue Stadt. Eine, wo tatsächlich keiner mich und ich keinen kannte. Völliger Neustart.

Ich fand mich zunächst im Schwesternwohnheim am Rande von Harburg wieder, Unterbringung durch den Dienstherren, der Bürgerrechte enthoben und dem Staat vollends unterworfen, bis zum „Zivi-Lehrgang“ in „Rufbereitschaft“, Ausharren mit Blick auf das AKH Harburg und inmitten dieser 16qm in Frustration mich auflösend – letztlich sah es da zwischen Eißendorf und Heimfeld so anders auch nicht aus als in dieser Verlängerung der niedersächsischen Landeshauptstadt, da, wo ich aufgewachsen war. Ich litt einen Monat im Off und zog anschließend in eine WG am Neuen Pferdemarkt: Das Leben ging auf. Es lockte Spaß und Sinn. Und ich wollte nie mehr zurück.

`96, das spielte in den ersten zwanzig Jahren keine Rolle, so unangenehm wirkte der Verein. Allenfalls als Karriereziel für jene, die in Sportvereinen sich aufrieben und 3 mal wöchentlich gegen den Ball traten, die hofften, aus der Vorstadt ins Zentrum zu gelangen – Fans waren die aber auch nicht. Ich kann mich an keinen einzigen `96-Fan auf der ganzen Schule erinnern; und das war ein Schulzentrum mit immerhin 3500 Schülern. Einer aus meiner Klasse fuhr nach Hamburg zu seiner Tante, um zum HSV zu gehen, mein Bruder trug Werder Bremen-Schal, Bayern-Fans gab es schon damals überall, halt die, die immer auf der Siegerseite stehen wollten. Mein Vater fieberte mit dem MSV Dietz, wie Duisburg damals genannt wurde, und wenn ich Pech hatte, begegnete ich in jenem Bahnhof, der an Wochenenden des nachts No-Go-Area für alles Langhaarige, Punkige, für Obdachlose und Nicht-Weiße war, besonders die Passerelle darunter, weil von der Bahnpolizei flankiert Nazi-Skins alles als „anders“ Identifizierte mit Baseballschlägern ins Krankenhaus prügelten, also, dort begegnete ich manchmal, wenn zufällig tagsüber es mich in die City trieb, ’96-Fans: Ein übler und übel riechender, aggressiver Haufen von Kuttenträgern. Fussball-Anti-Werbung. 

Da machte jeder, der ein wenig Würde bewahrt hatte oder aber auf sich aufpassen musste, einen großen Bogen drumherum. Später wurde der Verein, glaube ich, hipper, manch Freund, der sonst nichts zu tun hatte, ging nun zum Amüsement ins Stadion, ohne sich Fan zu nennen – und mein Paten-Neffe auch. Event. Mal was los in der Stadt. Was ja so wenig dort gar nicht ist. Einen Mangel an Konzerten in meiner Jugend kann ich zum Beispiel nicht beklagen.

Spult sich halt alles ab in in mir, wo mein „30 Jahre Hamburg“ naht 😉 … das, was zum Glück hinter mir ich ließ, lief als Film in blassen Farben vor mir ab, als ich auf meinem angestammten Haupttribünensitz Platz nahm und nach links sah, wo mutmaßliche Hanoveraner, vielleicht auch Wunstorfer und Wennigser, hüpften und komische Handchoreos vollführten und zumindest ganz schön laut waren. 

Das Spiel: Verfahren, der Schiedsrichter bekam es nie in den Griff. ’96 folgte der Strategie des permanenten Fouls – kurioserweise sogar immer an der gleichen Stelle. Vor unserer Trainerbank, immer wieder neu und sogar noch nach dem Seitenwechsel blieb das konstant der Bereich, in dem das taktische Foul vollstreckt wurde. Unsere Jungs sahen sich zumeist außerstande, über die Strafraumgrenze des Gegners zu gelangen und liefen dort in sich ähnelnden Situationen sich immer wieder aufs Neue fest. Wie Hannover es in diese Regionen der Tabelle geschafft hatte, blieb mir zumindest ein Rätsel – Union Berlin spielte klar besser. Lienen sah ein intensives Spiel, ich eher eines, das zerhackt, zerstückelt und geschreddert nicht so recht reifen und erblühen wollte. Gegen Ende der ersten Halbzeit bis ca. zur 80. Minute der zweiten Halbzeit, spielten die Boys in Brown dennoch kraftvoll auf; schon zuvor hatte es schöne Kombinationen trotz hannöverscher Haudraufgrätschreinschmeißum-Taktik von unseren Jungs gegeben, die Passsicherheit scheint mir ganz im Gegensatz zur Hinrunde gefestigt zur gelebten Erfahrung statt scheiterndem Versuch mutiert zu sein. Cool! Als Bouhaddouz sich hinter die Spitzen, derer eine er ja nominell ist, fallen ließ, kam Schwung ins Spiel – der erst abebbte, als Hannover so einen charmant Blondierten einsetzte, dessen Einsatz und Können für viel Gefahr und beinahe noch unsere Niederlage sorgte. Ging noch halbwegs, aber eben nur halbwegs gut aus. Nun kann auch nicht jedes Spiel solche Intensitäten liefern wie gegen Karlsruhe oder auch Union, aber frohlockend ging ich nicht aus dem Stadion. Eher mit einem „Da fehlte was“-Gefühl.

Nach Hannover sehnte ich mich beim Anblick der ’96-Fans schon mal gar nicht zurück … obgleich es im „Café Caldo“, Samstags auf dem Flohmarkt am „Hohen Ufer“ oder im „Bad“, fast noch in den Herrenhäuser Gärten, doch hinter dem Schnellweg versteckt ein altes Schwimmbad, zum Club umgerüstet, wo wir im Sommer auf Terrassen sitzend zum Open Air-DJ-Set das leere Schwimmbecken betrachten konnten, auch erfüllte Zeiten gab.

Auch wenn ich auf dem „Bad“-Parkplatz nach einem „Psych-„-Konzert, eine Subkultur, an die sich auch kaum noch wer erinnert, das Auto meiner Mutter, mit dem ich unterwegs war, zertreten und von Springerstiefeln malträtiert des nachts nach dem Disco-Besuch auffand: Komplett hinüber der orangene Golf, die Karosserie zerdellt, verbeult, deformiert. Vermutlich, weil eine Friedenstaube darauf klebte. Ist ja nicht so, dass Attacken auf so genannte „Gutmenschen“ ein neues Phänomen wären … heute können, müssen aber ja nicht, solche der mögliche ideologische Hintergrund von „Scheiß St. Pauli“-Rufen sein. Und manchmal greift ein ganzes Stadion diese Rufe auf und gibt sie amüsiert und lautstark zurück. 

Und ich weiß dann, wo ich jetzt zu Hause bin … 

Pyro sieht super aus: FC St. Pauli – Union Berlin 1:2

Seit Freitag sitze ich da, sinnierend, grübele im Laufen durch die wohlvertraute Stadt, suche Sprache, verkatert im Bette liegend: Wie fassest Du in Worte, oller Momo, was beim Heimspiel so alles sich in Dir bewegte, weil auf dem Platz vor Dir noch viel mehr aber so was von los war?

Endlose Texte seit einem Jahrzehnt beinahe verfasse ich zu „Wer will schon ungebrochene Helden?“, zur Intensität des Dionysischen, zur Magie, ja, bis hin zum Schamanismus trieb das Trommeln des Denkens mich. 

Nun ist Üblichkeit des Wahrnehmens, die Schablonen bisheriger Erfahrungen dem neu Erlebten aufzuprägen. Aber Üblichkeiten sind ja nur manchmal gut. Je nachdem. Und will das denkende Schreiben sich dem entziehen, so hat es immer neu zu reagieren, um das Einzigartige, das Ereignis nicht verbal platt zu trampeln. In den Fällen, da das Ereignis statt findet und nicht nur Struktur, Zitat oder Klischee sich endlos variierend wiederholen.
Das Formatierende erschlägt eben jenes Geschehen, das es abzubilden behauptet. Und was Du aus Strukturen machen kannst, lernst Du u.a. in der Jazz-Improvisation.

Zumindest wird es mir gelingen, wenn ich ja so weiter schreibe, kaum Leser zu finden. Deshalb einfach mal eine Überschrift, die Reaktionen etwas wahrscheinlicher macht. Das „Lieschen Müller“, das Henry Nannen einst als ideale Leserin für den „Stern“ und so erdachte, ist ein Konstrukt der allgemeinen Meinung vieler Medienmacher: Das Publikum will nur das, was es schon kennt. Bloß nix Neues. Das Vertraute sei stets zu gewähren. Alles andere verstöre ja nur. Pyro-Diskussionen sind so ein Fall. Da geht es gar nicht um den Austausch von Argumenten, sondern dass sie allesamt so gewöhnt sind. Wie ein eingelaufenes Paar Schuhe oder der Weg zur Arbeit. Wie Rosenkranzbeten und Wochentage. 

Doch, ein Gedankenexperiment: Du gehst das erste Mal ins Millerntor und siehst ein Spiel wie am Freitag. Die Spannung, die in der Luft knisterte und sich schon beim Einlauf derart eindrucksvoll entlud, also, ganz ehrlich, diese Mischung aus „Oje, Gefahr, es brennt!“ und „Wow, Wahnsinn, was ein Look, und das auch noch über so einem Banner, was ist denn das hier bitte, das ist ja infernal grandios!“ würde doch als gelebter Widerspruch genau die Energie versprühen, die das Spiel auch antrieb. Langweilig war es nun wirklich nicht.

Würde mensch so ein Spiel zum ersten Mal sehen, manches wäre vermutlich leicht verständlich – dass zum Beispiel visuell klar identifizierbare Menschengruppen, die Einen in braun, die Anderen in Weiß, sich um einen Ball kabbeln und versuchen, ihn in je unterschiedliche Richtungen zu bewegen. Ich denken, das würde recht schnell klar. Die homerotische Kompenten ist auch unübersehbar. Würde auch das Bier dazu schmecken, weil das erste Mal es über die Zunge rinnt und im Rachen verschwindet? Ich glaube, mein erstes Bier hat mir nicht geschmeckt. Aber unter solchen Bedingungen könnte das anders gewesen sein.

Was jedoch problemlos selbst für Haupttribünensitzer erfahrbar gewesen wäre: Da kochen die Emotionen. Das erste Mal seit langen, dass die auf ihr Sitzenden in Teilen schon während des Spiels standen, angetrieben vom Geschehen auf dem Platz – genauer nach Heerwagens Glanzparade gegen den einsam auf ihn zustürmenden Unioner. Da riss es sie von den Sitzen, entfesselt, entflammt, entrückt vor Verzücken. Womit nur einmal mehr klar gestellt wäre, wie schwer es ist, ohne Vorannahmen die Einzigartigkeit eines Ereignisses zu beschreiben. Etwas schleicht sich da immer ein. Zunächst Namen für etwas und für jemanden. 

Dabei sind Verben erkenntnistheoretisch wie auch grammatisch viel wichtiger. Gibt ja Sprachen, wo das Subjekt ganz im Verb verschwindet. Und so haben unsere Jungs auch gespielt gegen diesen perfektionierten Mannschaftsmaschinenkörper von Union Berlin, das wohl aktuell stärkste Team der Liga. Aber so kraftstrotzend, wie die auftraten, ästhetisch betrachtet: Wahnsinnig spielstark, aber sexy war das nicht wirklich. Zu gelungen kann ja auch abturnen, wenn die Brüche fehlen und das Individuum (mal ab vom hübschen Torwart) zu verschwinden droht.

Was bei der Mannschaft allerdings hervorragend funktionierte, sah bei den Schlaparaden der Fans nur Scheiße aus. Ja, auch, wenn ich es das erste Mal gesehen hätte, dieses, ich spar mir jetzt die gröberen Vergleiche, ein wenig wie beim Keulen einst in der Sportgymnastik inszenierende Gleichmaß der Armbewegungen beim kreisförmigen Wirbeln eines Schals: Es hätte mir nicht gefallen. Da würde ich mich nicht wohl fühlen in so einem Block. Geht mir aber genau so, wenn ich durch Köpenick laufe. Obwohl ich sogar „Wir sind ooooooho St. Pauli“ dort vor mich hin sang 😀 … zur Kompensation des Aufenthaltsortes. Ganz unabhängig von auswärtsspielbedingten Reisen.

Das zeitweise unberechenbare Wirbeln dieser Typen in den braunen Tirkots hingegen: Die Dramaturgie hätte sich mir sogar ohne jede Fussballkenntnis offenbart. Erst beeindruckt vom Gegner, war ich auch; dann saß ihnen der Trotz, anschließend der Wille im Nacken und sie wurden ganz Verb: Die reine Tätigkeit. Action! Cool. 

Selten eine Niederlage so genossen. Diese fortlaufende Steigerung, bis zum Schluß sogar der Ausgleich möglich war, und das so quirlig immer größere Löcher in das System der Unioner rennend (um den Systembegriff allmählich mal zurück zu erobern): Wow! 

Also, ich bin lange nicht mehr so „drin“ gewesen in so einem Spiel. Diese Momente, wo über das Erlebnis die Subjekt/Objekt-Spaltung sich aufhebt und das Involviertsein ins Fiebern, Fühlen, Feiern derart durchdringend wird, dass ich vor Begeisterung SMSsen an P.A. schreibend schon gar nicht mehr merkte, dass ich gerade eine Treppe herunter ging … wenn die virtuellen Welten plötzlich ähnlich aufsaugen wie die realen, dann geschieht’s: Der Mensch verfehlt eine Stufe, stolpert und stürzt. 

Nun habe ich ein Loch im Knie meiner Lieblingjeans, aber dafür einen grandiosen Abend verlebt. 

Der Riss im Stoff wird mich nun, so lange ich sie trage, an dieses Spiel erinnern, und das freut mich sogar – ein Spiel, für das ich mich bei den Boys in Brown bedanken möchte. Ihr habt die Einzigartigkeit und das Ereignis ans Millerntor zurück geholt. Das tut sehr, sehr gut.

Metalust bei Instagram

Amüsiere mich jetzt auch bei Instagram und spiele dort ein wenig herum – für die, die’s interessiert:
Klick

Facebook-Splitter zu Trump, Hate Speech und Co

Habe mir leider angewöhnt, das, ich was alltäglich so raus rotze, fast nur noch bei Facebook zu posten. Damit hier auch mal wieder was passiert, ziehe ich das jetzt als „Facebook-Splitter“ hier mal mit rüber.

US-KONSERVATIVE ZU TRUMP LESEN: BRIAN ENO SAGT, WOHIN DAS FÜHRT

„The Guardian published an interview with Brian Eno the other day, in which he offered some political reflections. On Brexit and Trump, the legendary musician and composer said: “I thought that all those Ukip people and those National Front people were in a little bubble. Then I thought: ‘Fuck, it was us, we were in the bubble, we didn’t notice it.’ There was a revolution brewing and we didn’t spot it because we didn’t make it. We expected we were going to be the revolution.”“

Sag ich doch, und meine Mutmaßung, und nicht nur meine, ist das ja eh schon: Das Republikaner-Establishment Mehr von diesem Beitrag lesen

In Köln sitzen und nicht wissen, was auf der JHV passiert …

Das Rauschen der Straßenbahn dringt aus der Ferne durch das geöffnete Zimmer meiner Interims-Dachgeschosswohnung an der Grenze von Sülz zu Lindenthal. Habe die „Blue Note Monthly“-Playlist September eingestartet; Köln wirft mich ja sowieso immer ein wenig in der Zeit zurück.

Muss gleich noch tun und schaffen, hier am Küchentisch mit Blick auf Dächer und herbstliche Baumspitzen – klar, deshalb bin ich in Köln, zum Arbeiten, und ich weiß um das Privileg, gut bezahlte Jobs zu bekommen, die ganz lustig sind, wo angenehme Menschen mit umgeben und die Firma sogar noch die Wohnung zahlt. Was ein Appell es, es zu so zu nutzen, dass es keines bleibt. Ist mir hier und da sogar schon gelungen. Eine ganz hübsche Behausung, Wohnküche und Schlafzimmer, von dem aus in Richtung City der Blick Mehr von diesem Beitrag lesen

Zizek, Kretschmann, Kristina Schröder und der Rest …

Kristina Schröder:

„Mein Gefühl ist, dass die Menschen auch hierzulande inzwischen eine tiefe Aversion gegen den „politisch korrekten“ Diskurs haben. Es ärgert sie wahnsinnig, dass man bestimmte Positionen rechts der Mitte nicht mehr artikulieren kann, ohne niedergemacht zu werden. Diese Kultur ist in den USA noch stärker ausgeprägt. In amerikanischen Universitäten werden inzwischen schon „Trigger“-Warnungen herausgegeben, wenn bei Texten die Gefahr besteht, Minderheiten in ihren Gefühlen zu verletzen. Und die Unis sind kulturprägend für den intellektuellen Diskurs in einem Land. Diese Kultur führt aber zu einer geistigen Enge, die viele inzwischen unerträglich finden. Trump ist jemand, der diesen Diskursverboten etwas entgegensetzt. Das hat den Leuten gefallen.“

Winfried Kretschmann:

„“Wir dürfen es mit der Political Correctness nicht übertreiben“, sagte er. Auch Menschen, „die ganz anders denken“, verdienten „Respekt und Klarheit“.“

Zizek:

„Der linke Ruf nach Gerechtigkeit geht häufig Hand in Hand mit den Kämpfen um die Rechte von Frauen und Homosexuellen, für Multikulturalismus und gegen Rassismus und so weiter. Das strategische Ziel des Clinton-Konsenses besteht darin, all diese Kämpfe von der linken Forderung nach Gerechtigkeit abzutrennen – weshalb das lebende Symbol dieses Konsenses Tim Cook ist, der Apple-Chef, der stolz einen offenen Brief gegen die Diskriminierung von LGBT-Personen unterzeichnet und jetzt problemlos Hunderttausende Foxconn-Arbeiter in China vergessen kann, die Apple-Produkte unter Sklavenbedingungen montieren. Er hat ja seine große Geste der Solidarität mit den Unterprivilegierten gemacht und die Abschaffung jeglicher Geschlechtersegregation gefordert. Wie so oft stehen die Großunternehmen stolz vereint mit der politisch korrekten Theorie“

Der Rest der Reaktionären in der irgendwielinken Blogosphäre ist derweil dabei,  Kristina Schröder noch zu toppen und jene in Psychiatrien einweisen zu wollen, die eine weiß-männlich-heterosexuellen Hegemonie konstatieren und fügt sich damit bruchlos in jene Traditionen ein, die schon Lou Reed folterten. Diese Pathologisierungsnummer beansprucht freilich gerade in psychoanalytisch, freudomarxistisch geprägten Teilen der Linken so eine Art Gewohnheitsrecht für sich  – die landen irgendwie irgendwann immer bei Kristina Schröder und Co und werden noch schlimmer, und das auch noch wiederholt und über Jahre hinweg. Der Wurm war da schon immer drin. Da hilft es aber, Foucault mal wieder zu lesen, um das zu überwinden.

Andere meinen, irgendetwas Progressives zu formulieren, wenn gegen „Identitätspolitiken“ (also Feminismus, Kampf für Lesben-, Schwulen-, Bi- und Transgender-Rechte, „Black Live Matters“ etc.) „der kleine, weiße Mann (!!!) auf der Straße“ in Stellung gebracht wird, ganz pegiadaesk, aber natürlich ganz anders gemeint. Diesem sich zu nun zu widmen sei Gebot statt diesen Regenbogenmischpoken, schwarzen „Behinderten“, hahar usw.  –  es ist allerdings jederzeit möglich, in Analysen einfach das zu kopieren, was eigentlich kritisiert werden sollte. Und so viel Verständnis, wie es aktuell für die Brexit-Voter aufgebracht wird, habe ich für Sufi-Immane in London, die gegen Leute wie Anjem Choudary kämpfen, auf dass ihnen die Youngster nicht weg kippen, nie irgendwo gelesen.

Was dabei ebenso auf der Strecke bleibt, Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Netflix-Serie „The Get Down“: Scheitern, das Räume öffnet und Musik, die ihre Geschichte selbst erzählt

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Eine eher randständige Szene pointiert gelungen, worum es in der Netflix-Serie „The Get Down“ geht: Ezekiel „Zeko“ Figuero (Justice Smith), die Hauptfigur, angehender Rapper und virtuoser Wortartist, folgt einer Essens-Einladung seines millionenschweren, zukünftigen Chefs. Er ist der erste Teilnehmer eines Praktikumprogramms, das Jungs aus der Bronx den Weg ins geregelte Leben ebnen soll. Seine Ausflüge nach Downtwon Manhattan sind treffend mit Kiwanukas „Black Man in an White World“ unterlegt.

Nach einem heroischen Auftritt im Flur des Konzerngebäudes, da Ezekiel seinem „Förderer“ mitteilt, diesem die Chance geben zu wollen, von Anfang an auf seinem Weg dabei sein zu dürfen, weil dieser später davon profitieren würde (auch verweigert er die Rolle des „Ghetto-Maskottchens“), lädt der ihn zum Diner in seine Villa ein. Die Tür des Prachtbaus öffnet Ezekiel die höhere Töchter des Patriarchen. Sie trägt über ihrer Bluse eine Mixtur aus tradiert sittsamem Samt- und nietenbesetztem Hundehalsband. Anschließend bei Tisch amüsiert sie sich darüber, dass Ezekiel noch nie was von Punk und den Ramones gehört habe.

Es ist das einzige Mal, dass Punk in „The Get Down“ Erwähnung findet. Das ist sozial ebenso treffsicher skizziert wie auch erstaunlich bei einer Serie, die 1977 spielt. Und die ins rechte Licht rückt, welche Relevanz „widerständige weiße Musikkultur“ tatsächlich hatte, historisch.

Vermutlich ist geboten, tatsächlich, wie es mir eher zufällig passierte, Hallbergs „City on Fire“ und „The Get Down“ Mehr von diesem Beitrag lesen

DIE ZEIT, ihr Kampagnenjournalismus und warum Simon Urban mutmaßlich auch einfach nur beleidigt ist

Alle Tage wieder .. ja, bei zeit.de.

Herrschaftstabilisierende Argumentationsverweigerung im Schreihals-Akkord.

Aktuell: Simon Urban. Einer von den Schriftstellern, die zu lesen mich nicht interessieren würde.

Simon Urban ist einer, der über die eigene Irrelevanz hinaus zu wachsen versucht, indem er sich an eine mehrheitsgesellschaftliche, medial akut weit verbreitete Mode andockt.

Eine, die öde wäre, würde sie nicht schlicht die Macht jener absichern, Mehr von diesem Beitrag lesen