Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tagesarchive: Februar 3, 2018

„Das maskuline, starke Ich ist das zentrale Problem, die zentrale Triebkraft einer losgelassenen kapitalistischen Gesellschaftsformation“ (Michael Hirsch)

Zu den interessanten Publikationen der letzten Wochen zählte ein vielfach distribuierter Beitrag auf dem neuen Portal „Republik“ in der Schweiz: „Demokratie unter Irrationalen“ von Constantin Seibt.

Viele werden es schon gelesen haben, so what.

Im Zusammenhang dessen, was ich hier so zu entwickeln mich bemühe, ist der Text von hoher Relevanz. Seibt fasst prägnant zusammen, was mir in numehr 5 Jahrzehnten Alltagskommuniktion wie auch im Netz sowie in beruflichen Zusammenhängen viel häufiger begegnete als die Annahme, es ginge im Falle der Politik um „Argumente“.

Wäre dem so, so wäre Angela Merkel schon lange keine Kanzlerin mehr. Auch Kohl hätte sich nicht so lange gehalten – beides Politikeinnentypen, die nicht unbedingt durch’s Argumentieren und das Bereitstellen von Gründen regieren. Kohl verfügte über einen guten Zugang zum Gefühligen im „kollektiven Unbewussten“. Merkel glänzt durch Moderieren und eine Perfektion des innerparteilichen Machterhalts sowie durch Verzicht auf Eindeutigkeit. Das einzige Mal, dass sie sich wirklich festlegen musste, 2015 im Zuge der Notwendigkeit eines akuten Reagierens in der Geflüchtetenfrage, geriet ihre Macht auch prompt ins Wanken. Selbst im Falle der „Griechenland-Krise“ schickte sie vorsichtshalber Schäuble vor. Kenne ich auch so von Chefs: Wenn es konkret wurde, war ich dran. Sie hielten sich lieber an das Allgemeine und wahrten die Option, im Falle des Scheiterns zu feuern.

Es wird in Ausschüssen und auch Parlamentsreden einen Austausch von Gründen geben. Durchsetzen werden sich dennoch eher die Persönlichkeiten, die gut Symbolpolitik beherrschen, die Kunst des Mauschelns und des Ungefähren. Und solche, die etwas verkörpern, was viele Menschen wahlweise im Habitus eines Elternteils oder als Chef_in kennen. Oder aber was ihnen aus dem Fernsehen vertraut ist (Sebastian Kurz wirkt ja immer wie „der Manager“ aus einer Vorabend-Soap). Auch Schröder ist gescheitert, als er auf einmal eine Programmatik zückte – eine, die die SPD nachhaltig zerstörte, die Agenda 2010.

Das weiß auch jeder, der in den Medien arbeitet. Es setzen sich nicht klügere Konzepte, ausgefeiltere Ideen, immanent besser durchdachte Produkte oder gar Ideen durch. Noch nicht mal wirklich charismatische Menschen vor der Kamera haben eine Chance, die wären ja schon bedrohlich.

Es gewinnt eine Mischung aus Appell an die niederen Instinkte, ein Spiel, abwechselnd mit Ängsten und wohligen Erinnerungen. Eine Simulation Mehr von diesem Beitrag lesen

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