Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Einheit symbolischer und ökonomischer Ordnungen und wieso die AfD eine Bonzenpartei ist

Verblüffung. Irritation. Verwunderung.

Jeden Tag auf’s Neue packt mich dieser hypnotische Reigen, den vor allem der Social-Media-Konsum erzeugt. Dieses wirre Sein in der Zeitlichkeit, das keinen Raum mehr findet. Des Gebanntsein von Tweets und Postings bei Facebook und anderswo. Dieses Eintauchen in die Geschwindigkeiten von Information und Kommentar, Reiz und Reaktion.

News und Emotion verdichteten sich in den letzten Jahren zur Deutungshölle, in der Rhythmen von Mem, Slogan und Assoziation total geworden sind.

Erfolgreich ist, wer Unsinn so verdichtet, dass es im Widerstreit der Sem- und Bild-Kaleidoskope und Infodump-Lasershows, inmitten des Rotierens um die längst verlorenene Zeit zum Stillstand des Denkens führt.

Sich möglichst fix in die Imanenzebenen des Feldes kopieren, in dem all die auch nur noch in gequirlten Sinngefügen sich Positionierenden ihre Messages derart flackern und irrlichtern lassen, dass jede so entspringende Erzählung an irgendeinem Punkt jene attackiert, die ausgeschlossen daneben stehen und angesichts des weißen Rauschens ihre Hilflosigkeit diktiert bekommen. Liest sich wie Kulturkritik für Anfänger, ist aber so.

Die faden Snacks, das gedankliche Fast-Food der versammelten Feuilleton-Clowns und ihrer Instant-Interventionen zirkuliert als das, was Jaceques Derrida und im Anschluss Mark Fischer und andere als „Hauntology“ bezeichneten: Ein Geistern, ein Spuk des Untoten in Denken und Diskurs. Eine funkelnde Projektionsflähe, deren Retro-Logik das auspart, was anknüpfungsfähig wäre. Gäbe ja auch Geister und Gespenster, die mit Jacques Derrida entwicklungsfähig wären. Die sind aber abgetaucht in verschwörungstheoretsiche Sümpfe so oft.

Die Rechte hat dieses Spiel rund um Meme perfektioniert, wenn sie alle bannt in ihrem Spiel der fortwährenden Attacke. Um noch die auflammenden Erinnerungen an fürchterliche Phasen der Historie in die Logik märchenhafter Heimatfilme zu überführen und so Linderung zu suggerieren, wo doch nur Gräber lauern und Zombies wesen.

Der Witz ist ja: Es war eben nicht „die Postmoderne“, wie so gerne behauptet wird, die das nun alles erzeugte. Sie reflektierte und analysierte es allenfalls.

Sie verwies darauf, wie dieses Spiel der Zeichen funktioniere. Wie sich Zentren bilden, die überlagern, was Menschen in den Disziplinen und den internalisierten Algorhythmen der Kontrollgesellschaft angetan wird.

Wie die Zentrifugalkräfte der Inormationsbeschleunigungen eben immer wieder die gleichen hinaus werfen – oder aber einsperren.

Wie Ungleichzeitigkeiten, Brüche und Diskontinuitäten jene Spaltungen und Verwerfungen produzierten, in denen dann Menschen ganz und gar wirklich ertrinken oder zunächst dem Abfackeln zugeführt und anschließend in die Abschielager überführt werden oder zurück dahin, wo das Inferno richtet.

Wie ganz andere Mechanismen als jene, die doch in Grundrechtsartikeln, Theorien der Gewaltenteilung und der Legitimation durch Verfahren, diese hehren, diese begründungsfähigen Modelle schlicht unterliefen. Mittels Panoptismus, Überwachung, Ausschließung und Einsperrung. Und das unterlaufende Denken des „tiefen Staates“ sich sozialwissenschaftlich und institutionell so verdichtete, dass es die Individuen ALS Individuen so lange zurichtet, bis sie wahlweise funktionieren oder aber verrotten dürfen.

Der Gag im twitterbasierten Lilla und Trump-Geschehen der Meme ist nun, dass sie solche Prozesse tatsächlich wie eine Simulation zu überlagern. Diese ganzen Versatzstücke, massenhaft distribuiert, „Identitätspolitik“, „Liberalismus versus Konservatismus“, „Wer sich nur um Minderheiten kümmert schadet dem weißen Arbeitermann“, „Political Correctness“ als Kampfbegriff gegen jeden, der sich nicht fortwährend zurichten und seinen Platz zuweisen lassen will, ja, auch „Meinungsfreiheit“ fungieren als Irrlichter nur, um sich im Neoliberalen selbst einzunisten. Weil sie dafür sorgen, dass seine symbolische Ordnung und die sich in ihre auftuenden Widersprüche alles andere überlagern – da sie den Fokus auf das richten, was ihn legitimiert, aber nicht auf seine Funktionsweise. Und Lyotard hatte recht: Es sind die Erzählungen, die das absichern.

Aktuell vor allem jene, die durch Zentrenbildung im Simulationsgeschehen den „Safe Space“ weißer Mittelstandsbezüge inmitten hegemonialer Männlichkeit absichern. Der große James Baldwin hat zugrunde liegende Mechanismen treffend analysiert:

Das betrifft nun solche wie mich, ist im Flackern des Infodumps aber auch generalisierbar: Eben weil „safe“ nunmehr kaum noch jemand ist, der nicht mit Boni oder Beamtenlaufbahn abgesichert wird. Es jedoch auch Stufen des „unsafe“ seins gibt, und was Baldwin beschreibt, ist eine Form, die Weiße so nicht kennen. Auch weiße Schwule nicht. Hier greift das Denken der Differenz, das in der Identitätspolitik der Kritiker von „Critical Whiteness“ usw. komplett verschwindet: Die täglichen gewaltandrohungen, die fortwährende symbolische Ausbürgerung, die erfahren so auch Hartz IV-Empfänger nicht. Was nicht daran hindern sollte, nunmehr trotzdem mal das Gegeneinanderausspielen der „lesbischen Türkin, die studieren darf“ und denen, die dazu nie eine Chance hätten und in 1-Euro-Jobs gezwungen zu werden, bleiben zu lassen (ausnahmsweise mal ein Fleischauer-Link als Beleg. Wenn der einfach nur aufzugreifen braucht, was ex-autonome Blogger und manche linke Twitterer nun tagaus, tagein seit Jahren kolportieren, ist wohl eher DAS das Problem – das sich da was angeähnelt hat, was different bleiben sollte.)

Und der Grund für ein Ausbleiben der Analytiken, die mal all die Relationen zwischen verschiedenenen Formen der MAcht und Herrschaft, der Dominanz und der Diskreditierung ausfroschen, ist keineswegs „die Postmoderne“. Oder dass weiße Menschen sich individualisierten, als sie in die US-Vororte zogen:

„Wichtig war jene Umbruchphase, als weiße Amerikaner in die Vorstädte zogen. Dadurch lösten sich traditionelle Bindungen, während die Menschen gleichzeitig wohlhabender und individualistischer wurden. Aus dieser neuen suburbanen Welt heraus ist einerseits die mit Reagan verbundene neoliberale Ideologie entstanden, also ökonomischer Individualismus – andererseits aber auch ein starker kultureller Individualismus.“

Bullshit. Lilla als liberaler Ideologe und Vorkämpfer der Entsolidarisierung, ganz der Identitäspolitik bzw. -theorie eines Jean-Jacques Rousseau verhaftet,  hat einfach vor lauter „Ideengeschichte“ eine globale Epochenschwelle in der Wirtschaftsordnung gar nicht begriffen. Weil er nur auf seinen Campus glotzt.

Es ist auch nicht so, dass irgendeine linksversiffte Bohéme Sitte und Anstand erodieren ließ. Oder dass schwarze Bürgerrechtler nur noch an sich selbst dachten, wenn sie regelmäßig in Gefahr gerieten, von Polizisten erschossen zu werden. Oder dass Feministinnen Männer gar keine Männer mehr sein ließen und „Gender-Gaga“ nun die Hirne vernebelt hätte.

Vielmehr ist es diese Aufspaltung in Liberalismus und Konservatismus als DIE antagonistischen Kräfte selbst das Problem, das unter dem Flackern der Tweets und Facebook-Posts lauert.

Der Witz ist ja, dass all die wortreichen Exkurse, die gegen Postmoderne und angebliche Ignoranzen des Ökonomischen wettern, selbst lediglich die symbolische Ordnung und ihre Absicherung bewirken (auch wenn sie gelegentlich mit Verweisen auf Arbeitsbedingungen in China dann auf die dortige Lage keinerlei Einfluss zu nehmen vermögen). Indem sie deren Symbolik zementieren.

Und eben nur jene institutionalisierten Prozesse analysieren, die ihnen ihre Pfründe bisher absicherten. Wo schon längst eine Prekarisierung des Akademischen eingesetzt hat, da ist es halt gefährlich, wenn andere Bevölkerungsgruppen anklopfen Vieles des Gewetters von Roland Pfaller (treffende Kritik durch Jens Bisky erfahren dessen Tiraden in der Süddeutschen) löst sich schon dadurch auf, dass er einfach seinen weißen Professoren-Safe-Place gegen widerstreitenden Argumente absichern will. Indem er sich, ganz dem von Adorno et al analysierten autoritären Charakter folgend, in die Rolle des strafenden Vaters imaginiert. Dessen Erziehungsberechtigung will er dem jungen Gemüse gegenüber Macht verschaffen, indem er die Lebenswirklichkeiten anderer infantilsiert.

Ich vermute auch, dass bei einem Mark Lilla die „Affirmative Action„, die er in seinen Kommentaren in Zeitungen ebenso geflissentlich ignoriert wie Motown, Shondaland und die Hip Hop-Frabrikation oder auch die Kritik der US-Knastindustrie, der eeigentliche Dorn im Fleische ist. Die Kritik der Knastindustrie, die, von schwarzen Professoren an US-Privatunis geäußert, kann ja auch schon mal vor lauter Schutz der „Meinungsfreiheit“ deren Job gefährden. Weil die zahlungskräftigen weißen Studenten sich dann beschweren, dass sie nicht gelehrt bekommen, wofür sie doch zahlen. Und es war ein zentrales Werk der so genannten Postmoderne, „Überwachen und Strafen“ von Michel Foucault, das Gefängnis-Mechanismen und damit korrespondierende Milieu-Bildungen ganz und gar handfest im Rahmen von Köperpolitiken treffsicher analyiserte. Komischerweise taucht das bei solchen wie Lilla nur dann auf, wenn sie behaupten, sie seien doch die Adressaten, die erst einmal überzeugt zu werden hätten, dass diese Kritik auch triftig sei.

Was bei diesem ganzen freidrehenden Gerede derer, selbst nur in symbolischen Ordnungen denken, problematisch ist, das ist ja, dass sie selbst den Neoliberalismus auf eine solche reduzieren und das auch noch falsch. Liest mensch bei Lilla von denen, die in den 60ern die Vororte zogen und somit den Neoliebralismus mittels Individualsierung erzeugten, reibt sie sich verwundert die Augen und denkt: Hey, da war doch noch was anderes.

Da gab es doch die Notwendigkeit, unter anderem aufgrund des zu kostenintensiven Vietnam-Krieges, nun mal ein wenig am Währungssystem zu schrauben und so später auch den „New Deal“ von Roosevelt durch etwas Neues zu ersetzen.

Vehikel war die Währungspolitik und somit das Ende des Bretton Woods-Systems, das feste Wechselkurse, Orientierung am US-Dollar und Ankoppelungen an den Goldpreis als Regelungsmechanismus einsetzte. Mal sehr kurz gefasst.

Im Zuge der ganzen Währungskrisen der 60er Jahre wurde das Denken und die Analysen von Milton Friedman zunehmend wirkungsmächtig, der eine tatsächlich beeindruckende Analyse dessen, was zur „großen Depression“ Ende der zwanziger, Anfang der 30er Jahre führte, vorlegte und so zu Weltruhm und Wirtschaftsnobelpreis gelangte. Wie nun genau, dazu reicht ein Blog-Artikel nicht aus. Folge war eine Flexibilisierung der Wechselkurse und eine Entkopplung der Währungen von Goldreserven, wieder arg verkürzt.

Wichtig ist, dass eben dieser Prozess es war, der das, was dann „Neoliberalismus“ genannt wurde (und etwas anderes war als der Ordolliberalismus zuvor, der zeitweise auch Neoliberalismus genannt wurde), dann entfesselte. Keine „gesellschaftliche Individualisierung“. Und die emnazipatorischen Bewegungen formierten sich gegen faktische Ungerechtigkeit, die auch zu ökonomsichen „Unggelichgewichten“, vorsichtig gesagt, führten. Diese nach dem Ende der Segregation zumindest teilweise trotzdem zu zemnetieren, das gelang dann der Reagan-Abministration und zuvor schon jenen, die die Black Panther mit Stasi-Methoden unterliefen. So erzählt Lilla da interessanterweise nicht, zumindest nicht da,wo er in Zeitungen veröffentlicht wird.

Ergänzend war Thatchers Niederringen der Gewerkschaften und die Inkaufnahme von Massenarbeitslosigkeit in Großbritannien nicht nur, aber auch durch die „weniger Staat“-Philosophie bestimmt. Sie ist als Leitideologie des Neoliberalismus deshalb so irreführend, weil auf der Ebene des Eigentumsschutzes eher „Mehr Staat“ die Folge ist. Auch, weil das als Polizei- und Rüstungsidustrie die Wirtschaft am Laufen halten kann, der berühmte „militärisch-industrielle Komplex“ halt. Eben deshalb zog Maggie auch zunächst mal in den Falkland-Krieg und mobilisierte so, den Lehren Bismracks folgend, auch gleich mal massiven Nationalismus, um Unterschichten zu entrechten und zu enteignen. Einer, der prompt rechrdaikalismus erstarken ließ und bis zum Brexit wirkte – all dieses war situiert in einer Öffnung der britischen Märkte bei gleichzeitiger Deindustrialisierung. Das hat nie jemand mit der Entwicklung in der ehelmaligen DDR verglichen, sollte aber mal wer tun.

So dass Finanzdienstleistungen über die Jahrzehnte immer dominanter wurden. In den USA gab es ähnliche Entwicklungen, wie im „Rust Belt“ und in den Finanzzentren zu bewundern ist. Und nein, ich spiele hier nicht „raffendes und schaffendes“ Kapital gegeneinander aus. Die Entwicklung setzte auch deshalb ein, weil woanders billiger produziert werden konnte, und das ist halt so.

Genau DIE LEUTE aber, die das betrieben und forciert haben, rammten weitere Pfeiler in ihrer Agitation in die politische Landschaft ein: Den Antikommunismus, was bei solchen ja heißt, dass alles, was links von Franz-Josef Strauß verortet war, auch schon unter den verdacht stalinistischer Agitation standen. Es ist nicht kosntruiert zu sagen, dass das noch in den polizeilichen Inszenierungen rund um den G 20-Gipfel und auch in Lüneburg fort wirkt, wo nunmehr Gewerkschafter dagegen klagten, dass ihre Daten an den Verfassungsschutz weiter gegeben wurden. So was west hauntologisch weiter. Und es ist jederzeit möglich, Sowjetunion und DDR kolossal grausam zu finden und trotzdem vieles, was als „Antikommunismus“ auftrat, falsch zu finden.

Komischerweise taucht ja bei Leuten wie Lilla noch nicht mal der Mauerfall als Zäsur auf. Genau so wenig das Zusammenspiel von Oligarchen, Putin und orthodoxer Kirche. Der ist ja – das bereitet den Clou vor – deshalb so erfolgreich, weil er das, was nach dem Freisetzen von Marktenergien folgte, einzuhegen vermochte und wie immer in solchen Phasen nach wirtschaftlicher Liberalisierung dann Nationalismus als Antwort installierte. Trotz aller ökonomischen Globalisierung ist dieser Trick der Re-Mobilisierung von Nationalismen ja immer wieder einer, der von genau denen betrieben wird, die zuvor noch die Globalisierung voran trieben – und das von links zu kopieren, das führt nun auch weit.

Und genau das macht Trump eben aktuell auch. Natürlich so, dass es sowieso wieder nur denen dient, die vorher schon vom Freisetzen der Markt-Kräfte profitierten.

Gleichzeitig ist den breit vernetzten Aktuersgruppen ein echter Coup gelungen, indem sie im Zuge des Antikommunismus den Islamismus anfütterten und förderten. Das war in Afghanistan so, mutmaßlich auch in Teheran (man googele das Verhalten Carters bei der Machtübernahme Khomenis, wohlgemerkt VOR der gesielnahme in der US-Botschaft) und auch sonst oft so. Klar, der ismalismus hat sich verselbstständigt wie viele solcher Kräfte. Und durch Verallgemeinerung, einer Projektion des Islamismus auf alles, was mit Islam zu tun hat, wurde das eben zum „kulturellen Hauptfeind“ ausgerufen. das Raffinierte ist ja: So blieb überhaupt nur ein Dreieck Liberalismus-Konservatismus-Islam übrig.

Das wirklich Gruselige ist nur, dass selbst in den schlimmsten und furchtbarsten Äußerunge von unerträglichen Hetzern wie Anjem Cjoudary noch nachzulesen ist, wie es diesen Menschenverächtern gelang, genuin linke Topoi rund um die soziale Frage zu ihren Zwecken umzudeuten im Rahmen ihrer Ideologie des Terrors. Das ist so ähnlich wie das „sozialistisch“ im Nationalsozialismus.

Es gibt kluge Soziologen und Politikwissenschaftler in Frankreich, die den Erfolg des Salafismus und in den Banlieues und auch damit korrelierenden Antisemitismus darin begründet sehen, dass es keine starke Linke mehr gebe. Also keine, die Gerechtigkeitsfragen offensiv stellt. Diese sei das beste Mittel gegen die rekrutierung unter Chancenlosen und Inhaftierten.

Stattdessen fokussieren sich die Restbestände der Linken dann oft auch noch finster auf Israel. Ja, auch Judith Butler und Angela Davis, und das ist schlimm. So kommt auch niemand aus irgendeiner Misere.

Weitere Säule der Neoliberalnationalen ist immer schon der „soziale Kitt“ durch konservative Familienmodelle gewesen, bei Thatcher sehr ausgeprägt. Ich bin geneigt, noch die „Ehe für alle“ in diesem Sinne zu interpretieren: Assimilierung an das heteronormativ-bürgerliche Familienmodell.

Reagan hätte das trotzdem nicht gemocht. Der lachte sich ins Fäustchen, als massenhaft Schwule und eben auch schwarze Schwule an AIDS krepierten und baute zugleich die Liasion mit den Evangelikalen aus. Trump re-stabilsiert dieses System gerade wieder, indem er mit Mike Pence und solchen kooperiert und die Richterschaft im US-System ins Konservative mutieren lässt.

Klar geht dabei auch immer gegen die Konkurrenz durch Frauen, Themen wie Abtreibung geraten wieder ganz oben auf die Agenda – und wer nun wie Lilla meint, „Critical Whiteness“, Feminismus und Queer-Theory als „Evangelikalisierung“ beschreiben zu können, sollte vielleicht lieber was anderes lehren als ausgerechnet politische Ideengeschichte.Das ist so ein Move wie „Die Nazis waren doch alle schwul“. Wenn er glaubt, jemand könne ihm an die Seele, dann scheint die Annahme, es gäbe den Teifel, auch nicht fern.

Fokus angesichts der „Demo für alle“, von Frau Kelle und Co sollte stattdessen in der historischen Rekonstruktion des Kitts des Neoliberalismus liegen. Kalr hat der sich als Kunst am Bau zeitweise auch „Diversity“ gehalten, McKinsey hat da gerade heute auch wieder was zu veröffentlicht. Ich denke, dass diese Phase sich aber spätestens nach Trumps Steuerreform allmählich dem Ende zuneigen wird.

Insofern schaue man lieber auf – so die Überlieferung – Nancy Reagans Zufriedenheit angesichts des Todes so vieler Menschen durch die Folgen von AIDS. Auf die Agitation ihres Gatten gegen „Welfare Queens“, schwarze Frauen, die angeblich nur deshalb Kinder bekämen, weil sie Sozialleistungen einstreichen wollten.

Weil in den neoliberalkonservativen Modellen immer kirchliche Umfelder für das Karitative zuständig sind, damit die Entkernung der staatlichen Sozialfürsorge zu Umschichtungen in den „Sicherheitsapparat“ hinein führen kann. Weil der profitabler ist.

Was auch nicht verhindert, dass die Mordrate an LGBTIQ*-Menschen in den USA sich im letzten Jahr annähernd verdoppelt hat, also seitdem Trump an der Macht ist. vermutlich die legitime Rache der weißen Arbeiter aus dem Rust-Belt für Transgender-Toiletten. Denn derGroßteil der Opfer ist wahlweise schwarz und/oder trans*. Weil es auch hierzulande nur interessiert, wenn Weiße sterben, ist das aber kaum ’ne Meldung wert in der angeblich komplett verschwulten „Mainstream-Presse“.

Dieses Wettern gegen Minderheiten ist immer dann mobilisierbar, wenn im Interesse der Kapitaleigner nach Liberalisierungsphasen die nationalististische Wende ihre Errungenschaften absichert. Das ist ein Zyklus, der so tatsächlich konstatierbar ist. Interessanterweise hat Helmut Kohl dem wenigstens einigermaßen widerstanden. Deshalb hat Schröder das ja nachgeholt, was vorher vom Oggersheimer Sturkopf – wohl aus europäischer Überzeugung – anders vollzogen wurde.

Aus alledem ergibt sich schlicht: Die AfD ist eben auch nur eine Bonzenpartei.

Eine, die Nationalismus und Ressentiments bedient, um die buchstäblichen „kleinen Leute“ um ihren Lohn und ihre Rechte zu bringen. Ganz einfach.

DAS ist das Putin-Trump-Schema.

Und all die auch Linken, die nun glaubten, sich auf die Abgehängten im Rust-Belt zu beziehen und sie vor den Schwulen, Lesben, Transsexuellen und Schwarzen schützen zu müssen, reden denen auch noch nach dem Mund – Zizek, Gabriel (der für Hartz IV mitverantwortlich ist) und wie die alle heißen.

Die reihen sich nahtlos in eine „Interessenvertretung“ wie der folgenden ein:

Wir können aufzeigen, wie sehr die AfD, die sich als Anti-System-Partei gibt, mit den Eliten verwachsen ist: Alice Weidel beispielsweise arbeitete für Goldman Sachs, Beatrix von Storch ist sogar mit dem britischen Königshaus verwandt. Dazu passt der Kurs der Partei: Sie will Demokratie und Sozialstaat untergraben. Die AfD will beispielsweise Arbeitslosen das Wahlrecht entziehen und das Rentenalter auf 70 Jahre anheben. Das ist ihre Schwachstelle, und die sollten wir nützen.“

Um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen: Das Problem ist nur jenseits der Meme, Slogans und akuten Interventionen gegen die nächste Provokation zu beantworten. Diese Twitter-Masche von Trump weiß ja darum – während sich alle auf den Unterhaltungswert seiner Tweets fokussieren, baut der mal eben die USA um und hat die Demokraten fast so weit, an der Mauer nach Mexico mitzuwirken.

Die nun aber gerade ein – buchstäbliches – SYMBOL dafür ist, dass die ökonomische, institutionelle und die symbolische Ordnung eben so eng miteinander verwachsen sind, dass es blödsinnig ist, sie nun unbedingt gegeneinander ausspielen zu wollen. Architektur, Sprache, Oper und Lietratur spielen da halt mit rein. Braucht sich mensch ja nur London oder Frankfurt City anzugucken.

Was eben auch das Ende von „Bretton Woods“ belegt: Im Kapital zu Zeiten freier Wechselkurse (ja, ich weiß auch, dass Geld nicht gleich Kapital ist) ist diese Trennung gar nicht aufrecht zu erhalten. Weil Rating-Agenturen, Algorhythmen (die ich extra so schreibe) und allerlei Virtuelles, aber jederzeit aktivierbares (nennt man auch in Bilanzen, auch symbolische Ordnungen, „etwas aktivieren“, z.B. Rechte, die an etwas gehalten werden um es dem Firmenkapital zuzuschlagen), ja, das ganze Rechtssystem gründet in symbolischen Ordnungen. Auch die Autopeisis von Mieten und ihre absurden Steigerungen, von mir aus im Zusammenhang von Angebot und Nachfrage analysiert, sind eben nicht außerhalb derer anzusiedeln. Kapital zirkuliert immer auch als Symbolisches, ohne dass diese Symbolik einfach „abkünftig“ wäre, sieht mensch schon beim Kontoauszug – wie aber auch die im Handel erzeugte Preise für Rohstoffe belegen. Das macht das Schicksal derer in den Minen auch nicht erträglicher. Aber es ist falsch, da nun auf jene Theoretiker einzudreschen, die Handwerkszeug geschaffen haben, sich dem annähern zu können.

Auch, weil die das Rüstzeug bereit stellen, sich permanent i nRelationen wie „Konservatismus“-„Liberalismus“-„Islam“ zu bewegen.

Es muss vielmehr eine symbolische Denk-Ordnung her, die zunächst virtuelle und hauntologische Räume für klasssisch linke, somit auch entbürgerlichte Formen der Reflektion und des Handelns eröffnen – und das nun eben NICHT so, wie die SA „antibürgerlich“ dachte.

Vielmehr muss klar werden, dass jene, die NICHT aus bürgerlichen Sphären heraus Sarrazin lesend die AfD wählen, ihre Lebenslage nur verschlimmern, wenn sie in der AfD ihre Hoffnung sehen.

Dass Nationalismus nur Leuten wie der von Storch und von Bevernfoerde und Herrn Meuthen dient und den Spitzenverdienern aus der AfD-Fraktion.

Dass eben die „Mach meinen Kumpel nicht an“-Initiativen in sozioökomischen und damit korresponderienden symbolischen Ordnungen neu gedacht werden müssen, was hier zum Beispiel ja auch passiert. Problem ist dann, dass wieder nur DER Kumpel ist. Muss also an die ganze Diskussion rund um „Care ArbeiT“ gekoppelt werden.

Es muss betont werden, dass niemand sich mehr ins eigene Fleisch schneidet als der Billiglöhner in Sachsen-Anhalt, der glaubt, seine Konkurrenz seien Geflüchtete. Nein, Dein Problem sind Leute wie Dobrindt und Beatrix von Storch, die ihre 19. Jahrhundert-Ordnung gegen Dich in Stellung bringen und zur Ablenkung auf „den Islam“ mit dem Finger zeigen. Während sie auf irgendwelchen Umwegen von Geschäften mit Saudi-Arabien mutmaßlich profitieren.

Konkret heißt das AUCH: Den ja in all den Antisdiskriminierungsinitiativen angelegten ÖKONOMISCHEN KERN mit zu bedenken.

Natürlich geht es bei „Critical Whiteness“ AUCH darum, nun mal damit Schluß zu machen damit, dass immer nur Weiße die Jobs an den Unis bekommen. Dass sie die Fördermittel einstreichen für ihre Benefiz-Projkete und noch nach dem Werberalltag am Feierabend sich dann ein wenig für „Entwicklungshilfe“ engagieren.

Es geht ja genau darum, die Schnittstellen und wechselseitigen Verweisungszusammenhänge zwischen kapitalistischer und kolonialer Ordnung aufzuzeigen. Und dabei auch zu zeigen, wo noch von antikapitalistischen Engagement Nicht-Weiße betroffen sein können, weil die nur in Elend und Unterdrückung hausend als akzeptabel empfunden und ansonsten oft weg gebissen werden, bleiben sie da nicht stehen.

Und es ist in der Tat skandalös, dass, anstatt sich auf soclhe Fragestellungen einzulassen, die eigenen Beißreflexe mobilsiert werden, um sie auf Andere zu projizieren.

Es gibt – ha, nun gebe ich die Thatchter – dazu auch global gar keine Alternative. Der Großteil der Welt bis hin zu Teilen Chinas ist nun mal postkolonial geprägt. Mit entsprechenden Rück-Kopplungen auf und Prägungen hiesiger, politische Prozesse.

Die ökonomische Ordnung IST materiell wie symbolisch eine postkoloniale.

Und die Wissenformationen, die das stützen fort schreiben, DIE sind es, die in das Visier der postmodernen Kritiker geraten sind.

Diese werden nun wiederum z.B. von Denkern wie Alex Weheliye einer profunden Kritik unterzogen.Gut so.

Das ist aber keine SPALTUNG, sondern eben die notwendige Diskussion, die geführt werden muss, wenn nicht das Ende der Geschichte von Marc Jongens geschrieben werden soll.

Arbeiten wir doch einfach dran! Und das machen ja viele auch schon …

 

 

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