Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Da weiter machen, wo der „Women’s March“ aufhörte: Für mehr Gendern und weniger toxische Männlichkeit

Aktuell mühe ich mich in den Artikelfolgen ein wenig darum, noch einmal zu subsummieren, was im letzten „Jahr nach Trump“ liegen geblieben ist.

Blicke ich zurück auf die Themen mit dem größten Konfliktpotenzial in der Geschichte dieses Blogs, so waren dieses immer auch feministische und lesbische Perspektiven und alles rund um Judith Butler., was zu Brüchen führte. Das zog so krasse Reaktionen nach sich, dass es Kommunkation verunmöglichte (im aktuellen Zusammenhang lasse ich Butlers Positionen zu Israel einfach mal außen vor).

Es zeigt sich hier eine deutlich erkennbare Querfront: Um das, was die neue Rechte als „Gender-Wahn“ bezeichnet und auch in linken Blogs mittlerweile, Birgit Kelle und ähnlichen zustimmend, ebenso als „Gender Gaga“ abqualifiziert wird.

Damit die Männer wieder die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen, den großen Denkern, ja auch gebühre. Wo sie sowieso schon immer nur und grundsätzlich auf das Bezug nehmen, was andere Männer geschrieben haben. Es sei, denn, es ist zu kritisieren. Ist ja auch auffällig in linken Szenen.

Insofern halte ich es auch nicht für einen Zufall, dass die Frage nach den den Toiletten für trans*Personen rund um die Wahl Donald Trumps derart häufig als Beispiel diente, wie verständlich seine Wahl doch wäre, wo sich schon „nur noch“ um solche wie gekümmert wurde unter Obama. Das ist weder Rand- noch Nischenthema. (Nein, ich will nicht unzulässig vermengen, aber versuche, aus meiner in der Hinsicht bestimmt auch naiven Perspektive solidarisches Schreiben zu praktizieren und lösche dann alles wieder weg, was zu Recht kristisiert wird).

Eben so, wie ich es jüngst in meiner Twitter-Timeline lesen konnte. Da war sehr frag- und kritikwürdigem Verhalten ansonsten hoch geschätzter Feministinnen gegenüber trans*Personen zu verfolgen. Falls mir das auch passiert, bitte rüffeln.

Ich will nicht auch gar nicht anfangen nun rumzupsychologisieren, was so alles in Menschen abgeht, die eine kontrafaktisch biologisierte, binäre Geschlechterordnung mit einer solchen Vehemenz verteidigen, als müssten sie beweisen, dass die Sonne sich um die Erde dreht und nicht umgekehrt. Und so landen sie irgendwann bei dem gleichen Mist, wie er aktuell von der CSU gefordert wird: Raus mit dem Gender-Wahn aus Schulen!

Und ebenso wenig zufällig sind nicht erst seit „Schweigen der Lämmer“ Dämonisierungen von trans*Menschen in der Thriller-Literatur Gang und Gäbe.

Neuerdings laufen mir ständig beim Googeln Verschwörungstheorien über den Weg, in denen wahlweise Michelle Obama unterstellt wird, „früher ein Mann gewesen zu sein“. Oder, das wurde heute bei Twitter herum geschickt: Dass Promi-Frauen, die direkt nachdem sie ein Kind bekamen wieder flache Bäuche haben würden, in Wahrheit trans*Personen seien. Sie täten nur so, als seien sie schwanger gewesen.So was ist immer Symptom, dass an etwas gerührt wird, was den Mob nicht nur nebensächlich anstachelt.

Es tobt ja immer überall der Kampf um das vermeintlich „Echte“, dem dann etwas übergestülpt würde, dem der Jargon der Eigentlichkeit harsch diffamierend begegnet (in Pop-Kontexten heißt das „authentisch“). Das tritt auch in heterosexistischem Denken auf. Aber niemand trifft das schlimmer als trans*Personen. Es reicht wirklich, sich nur 10 Minuten durch die entsprechenden Twitter-Threads zu klicken, um zu sehen, mit was für einer Wut, einem Belehrungswillen und einer Energie da auf Menschen los gegangen wird. Das ist schon atemberaubend. Und das nur, weil die Lebenslügen Anderer in Frage gestellt werden. Schreibe ich als Cis-Person. Ist ja Drag, Cis. Sagte mal ein trans*Mensch in New York zu einem Kollegen.

Deshalb ist das auch kein Randaspekt in aktuellen, politischen Diskussionen, sondern steht mitten in deren Zentrum – ist es doch der krasseste Affront für das, was als „toxische Männlichkeit“ bezeichnet werden kann.

Dass all das auf Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit verweist, die in Verhalten, Habitus und Umgang mit Körperlichkeit sich zeigen, dürfte ja offenkundig sein. Um so mehr, da trans*Misogynie auch in schwulen Szenen spätestens seit den 80ern krass und fies sich ausgiert. Weil die Relation zu patriachalen Normen in Körperkulten sich reproduziert und tief sitzende Komplexe, gar kein richtiger Mann zu sein, schon gar nicht, lässt Mann sich ficken, in die Hirne gepflanzt wurden wie Mikrochips in so viele schwule Lebensgeschichten.

Neben guten Gründen, die gegen ein Votum für Hillary Clinton sprechen konnten, ist der Hype um Bernie Sanders, für den zu voten es auch viele gute Gründe gab, jedoch auch darauf zurück zu führen, dass die gute alte „Brotherhood“, auch auf der Linken bestens eingeübt, sich reformieren konnte. Funktioniert ja auch weiterhin prima.

 

Es entbehrt ja nicht einer gewissen Komik, wie nun auf einmal hochautoritäre Ästhetizisten und Adorno-Zitierer ihr Interesse für sozial Abgehängte und ökonomisch Marginalisierte entdecken: Sie pflegen sich damit ein in Diskursmuster, die spätestens seit dem „Gamergate“ hochgradig intensiviert ALLES dafür tun, auch bloß von den Errungenschaften der Feminismen abzulenken. Um zugleich dann ganz laut zu werden, wenn es um Zusammenhänge zwischen Patriachat und Islam geht und gegen Verschleierungspraktiken. Generiert ja auch Traffic und findet Applaus, schreibt Mann bei Cicero, der Jungen Freiheit und DIE WELT ab.

Stattdessen widmen sie sich plötzlich nach Jahren der Hegel- und Derrida-Auslegungspraxis (dessen Philosophie der Differenz die Gender-Theorien so herrlich zu befruchten wusste) lieber dem, wo Männer sich naturgemäß zuständig fühlen: Wirtschaft! Arbeit! Sozialer Status, der vom Einkommen abhängt!

Es ist ja unbestritten, dass all das wichtige Themen sind.

Aber andere Formen der Marginalisierung sollen damit möglichst schnell, da sei Zizek vor, von der Bild- Diskussionsfläche verschwinden. Alle Macht UNSEREN Themen!

Das Kernthema aller aktuellen Debatten ist meines Erachtens schlicht und ergreifend das Verfügungsrecht über Frauenkörper. Ist es auch schon seit Jahrtausenden, da hat sich nur allenfalls was variiert.

Sie sollen wieder so sein, wie Mann sich diese vorstellt, aber bitte nicht wie Hillary Clinton. Und im Falle der Geflüchtetenfrage agiert der Diskurs-Mob frei nach dem Motto „UNSERE Frauen vergewaltigen wir schon selbst!. Immerhin haben für die Straffreiheit der Vergewaltigung in der Ehe so viele so lange gekämpft.

Und sie alle rasten aus, bis zu Richter Fischer, wenn Carolin Emcke es wagt, auf ihrem Terrain zu wildern. Ich sehe da immer meinen Vater vor dem geistigen Auge, wenn der mit Schopenhauer gegen Frauen witzelte. Der war auch Richter. Aber meine Mutter ließ sich dann ja auch lieber scheiden …

Frau Emcke ist natürlich auch deshalb Ziel der Häme, weil die Aversion gegen Lesben, gegen Butches und Femmes so ausgeprägt ist. Da ist die imaginierte Verfügungsmacht nämlich nicht problemlos gegeben. Insofern ranken sich ja so viele krasse Mythen drumherum.

Ich erlebe das aber auch seit 25 Jahren in der Arbeit, wie gerade Chefs sich permanent herausnehmen, Frauen gegenüber über Sexualisierung zu entwerten, zu verniedlichen und zugleich Besitz zu ergreifen. Die Debatten von Weinstein bis Wedel sind ja nichts Zufälliges – in der benachbarten Branche am Arbeiten, durfte ich den Habitus oft genug beobachten.

Das ist ja auch so ein Kuriosum im Verhalten Heterosexueller, dass viele einer ganz eigentümlichen Dialektik von Abwertung und Idealisierung folgen müssen, um überhaupt begehren zu können – was eben häufig auch eher als ein Begehren von Macht und Selbstaufwertung als das Bedürfnis nach einvernehmlicher Interaktion mit einem ganz konkreten und eigenständigen Gegenüber diagnostizierbar ist.

Auch all diese hochmoralischen Empörungswellen rund um das neue Sexualstrafrecht in Schweden und um #metoo wie auch die Fantasie, als Opfer der Lesbenherrschaft in manchen linken Szenen von diesen zu Unrecht dominiert worden zu sein – um im Gegenzug bei Themen wie „Definitionsmacht“ Moralmorgensterne zücken und wüst um sich zu schlage: Im Grunde genommen alles eine Sauce.

All das belegt meines Erachtens, dass diese Struktur zugrunde liegt, wenn es um neue Querfronten wie auch die Erfolge der Neuen Rechten geht.

Ich glaube, das ist auch der Grund, dass solche wie Jens Spahn auf einmal mitspielen dürfen: Inmitten der Kumpelei aktuell bei der Koalitionssuche, in der es unter anderem darum geht, „Mutti“ endlich los zu werden, spielt so einer ja brav seine Rolle.

Ich gebe zu, dass ich keine Erklärung bisher gefunden habe, dass in AfD- und „Demo für alle“-Kreisen auch weibliches Führungspersonal so ausgeprägt in Erscheinung tritt; ich vermute da einfach mal so was ein Stockholm-Syndrom. Und was hinter den Kulissen über Alice Weidel gelästert wird, das kann sich ja jede/r selbst vorstellen.

Es existieren mittlerweile diverse Texte und Untersuchungen zu dem Thema. Jüngstes Beispiel ist ein Text in der FAZ mit einer etwas unglücklichen Überschrift, er ist weiter unten zitiert – es handelt sich dabei ja nicht um eine Art „Islamisierung“, ganz im Gegenteil.“Die weiße Scharia“ … hmmm.

Die These von der Verfügungsmacht über Frauenkörper kann dadurch belegt werden, dass gerade die Szene so genannter „Pick Up Artists“ häufig wie eine Einstiegsdroge in die Diskurswelt der Neuen Rechten wirkte.

Der Text skizziert das Phänomen. und enthält auch eine Erklärung für das weibliche Spitzenpersonal bei den Rechten. Der Text ist so gut, dass es schwierig ist, da einzelne Passagen auszuwählen. Eine zitiere ich trotzdem:

„Deshalb findet Frauke Petry auch die Kampagne #MeToo falsch: Die Frau sei nun mal von Natur aus das schwächere Geschlecht. Sie habe sich zu fügen und zur Verfügung zu stehen. Das ist auch die Haltung in der Szene der Pick-up-Artists, die mit den Rechten eng verwoben ist. Pick-up-Artists bringen anderen Männern in Workshops bei, „männlicher“ zu werden, das heißt: Frauen ins Bett zu kriegen, wann immer ihnen danach ist. Die Soziologin Franziska Schutzbach schreibt, das Phantasma einer Wiederaneignung dominanter Männlichkeit in der Pick-up-Szene wirke wie eine Einstiegsdroge in rechtsnationale Weltanschauungen. Männer, die sich vom angeblich grassierenden Feminismus klein gehalten fühlen, folgern, dass die Verweichlichung des westlichen Mannes zur Schwächung nationaler Souveränität und zur baldigen Machtübernahme durch Muslime führe.“

Und:

„Dieser rechten Logik kommt auch Sigmar Gabriel nah, wenn er schreibt, die SPD habe sich zu sehr mit Fragen der Gleichstellung etwa von Homosexuellen beschäftigt statt mit den Arbeitern. Auch er spielt Klassenpolitik und Queer-Feminismus gegeneinander aus, statt den Menschen klarzumachen, dass sie gemeinsam um Teilhabe kämpfen müssten.“

Das ist nun eine Fronststellung, die sich bis tief hinein in die linken und auch linksradikalen Szenen zieht. Meiner Wahrnehmung nach.

Und klar ist zugleich, wovon es auch ablenken soll – nämlich auch von Frauen in soziokonomischen Konstellationen. Und dabei geht eseben NICHT NUR um weiße Frauen. Eine aktuelle Blickverengung, die oft einsetzt, wenn mal wieder wer durch die USA fährt und sich dann wieder nur für die  weißen Frauen interessiert. PoC-Frauen tauchen auch in den „Abgebhängten“-Diskursen schlicht und ergreifend gar nicht und niemals auf, wenn es nicht gerade um Kopfbedeckungen geht. Ich meine, wer mit offenen Augen durch die Stadt geht …

In vielen Texten, die ich jetzt nicht mehr wieder finde, wird  auch nicht zufällig „Gamer Gate“ als einer der Wendepunkte skizziert, die Trump den Weg auf den Präsidentensessel ebneten:

„“Der Trend lautete: nihilistisch, gemein, menschenfeindlich, voller Hass auf Frauen und Minderheiten.“

Angela Nagle hat ihre Recherchen in mehreren Zeitschriftenartikeln und in einem Buch zusammengefasst. Bei der Entwicklung vom Online-Nihilismus hin zu Trump und zur rechtsextremen Alt-Right-Bewegung gab es Schlüsselereignisse. Eines davon lautete Gamergate.

Als 2012 Frauen aus der Videospielbranche die stereotype Darstellung weiblicher Figuren kritisierten, schlug ihnen seitens der Gamer eine Welle von Beschimpfungen und Beleidigungen entgegen, die bis hin zu Vergewaltigungsdrohungen und Mordaufrufen gingen. Mit beteiligt waren die sogenannte „Manosphere“, Teile der Männerrechtsbewegung, die sich von Frauen unterdrückt wähnt, sowie rechtsextreme Ideologen.

Popularisiert wurde Gamergate dann im Alt-Right-Magazin Breitbart durch dessen Redakteur, den rechten Tabubrecher Milo Yiannopolos.“

Letzterer, Milo, sexy ist er ja, ist zwar mittlerweile weg vom Fenster. Rund um diese Diskussion begann jedoch sein Aufstieg.

Interessant ist freilich der Einstieg: „Nihilistisch, gemein, menschenfeindlich“. Solche Menatlitäten haben sich ja schon vor den Gamern etabliert. Ich meine, es wäre in den 80ern gewesen, als „so richtig schön böse“ zum Positiv-Schlagwort wurde. Die Romane von Bret Easton Ellis haben auf’s Korn genommen, was bei diesem im Grunde genommen Pop-Diskurs für Charaktere entstehen.

Und klar, jeder, der mal selbst Storys geschrieben hat, weiß auch, in was für eine Lust 1 sich begeben kann, taucht es ein in die Gedankenwelt der Schurken. Das ist zunächst mal befreiend, was da so alles heraus strömen „darf“.

Es ist allerdings erwachsenem Verhaltens nicht adäquat, das nun auch in non-fiktionale Bereiche hinein auszudehnen. Insofern ist dieses ganze Gewetter gegen „Moralisierung“, das auch in linken Kreisen üblich ist, wohl eher der Mentalität spätpubertärer Pick Up-Artits zuzuordnen, die nie gelernt haben, ihren Bedürfnis- und Frustrationshaushalt zu regulieren. Und die das dann maskulistisch abfedern. Dem klassischen Argumenten gegen Moralisierung auf links entspräche das nicht: Das betonte, dass ein abstraktes Berufen auf moralisch begründete Gerechtigkeit auch nur wie ein Gebet in der Kirche wirke. Was Not täte, das sei, tatsächliche ökonomische Gegegebenheiten in den Begriff zu bekommen und dann gegen diese zu kämpfen, weil Moral nun auch nicht hilft: „“Erst kommt das Brot, dann die Moral“.

Wer hier im konkreten Fall aber bekämpft wird und welche Analyse ökonomischer Gegebenheiten gerade fehlt, das dürfte ja auch offenkundig sein. Es geht gegen Frauen, und wovon und wie die so leben, das interessiert auch nicht weiter, Hauptsache, sie lassen sich angrabbeln, tragen kein Kopftuch und stehen imaginiert zur Verfügung.

Milo Yiannopolos ist auch deshalb ein ganz ganz spannendes Thema, weil er eine Figur ist, die genau in den Szenen abgefeiert wurde, die nicht zufälig zu dem Zeitpunkt nach rechts kippten, als die Mädchenmannschaft sich wandelte und stark repiziert wurde.

Und, noch schlimmer in deren Augen, als dann auch noch SCHWARZE Frauen es wagten, sich zu Worte zu melden. Da geht’s dann richtig rund. Da reicht schon eine Lampe, die irgendwo rum steht und die da nicht zu stehen hat, lädt 1 antirassistische Aktivistinnen ein, auf dass flächendeckend der gesammelte Hass aus den Typen hervor bricht. In meiner Wahrnehmung war das schon ein Wendepunkt, der Lampenstreit.

Dass es bei alledem um alles Mögliche geht, nur bestimmt nicht um die Verteidigung der Interessen ökonomisch Deklassierter, das haben diverse Studien zum Managerverhalten im Silicon Valley aufgezeigt. Noch Gabriel, im Geiste in Goslar verblieben, glaubt ja, dass dort nur noch solche wie der Apple-Chef regierten, um die Arbeiter in China und anderswo zu knechten, bevor sie mit Lustknaben in den Pool hüpften.

Ich finde den Text gerade nicht wieder, den ich eigentlich gesucht hatte, und verweise stattdessen auf die vertiefende Lektüre von Laura Pennys „Bitch Doktrin“:

„Nicht mal auf die männlichen Nerds ist Verlass! Mit deren Verständnis und Bündniswillen hätte Penny eigentlich am ehesten gerechnet. Doch leider hat diese Spezies ganz offensichtlich die existenziellen Kränkungen ihrer Schulzeit noch immer nicht überwunden. Auch wenn sie mittlerweile das Silicon Valley fest in der Hand halten, fühlen sich männliche, weiße Geeks noch immer wie die Unterprivilegiertesten von allen – und verweigern den Belangen von Frauen, Queers und People of Color jegliche Anteilnahme, geschweige denn geteilten Kampfgeist“

Längst wieder oder immer noch bündelt es sich dort im Tale wieder ganz wie einst ganz unter sich, unter Männern, um die alten Hegemonien abzusichern. Es geht eben bei der Wahl Trumps, von Kurz und Co nicht um einen Aufstand der tatsächlich Entrechteten, sondern um das, was allseits als theoretischer Unfug behauptet wurde: Um Privilegienabsicherung. Es ist das Zurückschlagen derer, die ihre heile Welt in Gefahr sehen, weil sie nicht mehr nach unten spucken können. Es ist der Backlash nach einer Phase der Emanzipation.

Und sie haben allerorten mächtige Fürsprecher.

„Der amerikanische Soziologe Michael Kimmel sieht darin eine Wut auf angeblich „weibliche“ Politik: „Sie wurden von einer weibischen Regierung gegängelt, dem Nanny State, wie sie das nennen.“

Ihnen stellt die neue Rechte ein politisches Ideal der Tat entgegen, des harten Durchgreifens, das an männliche Stereotype anknüpft. Donald Trump ist dafür das Beispiel par excellence. Die Soziologin Paula-Irene Villa hat die Rückkehr zur männlichen Autonomie-Fiktion kürzlich in einem Artikel für den Deutschlandfunk so beschrieben: „Die Ästhetik der Härte und des Sieges ist (…) der historische Kern hegemonialer Männlichkeit. Ehre, soldatische Wehrhaftigkeit, Kampfbereitschaft, der Wille zum Sieg – das sind tradierte Elemente, die der männlichen Natur zugeschrieben werden und Grundpfeiler einer wesentlichen Schimäre der Moderne: Die Fiktion von Autonomie und Unverletzlichkeit.““

„Nanny State“, das war auch zentraler Begriff jener Neoliberalen, mit denen wir uns hier vor 10 Jahren täglich zofften.

Da steckte schon immer dieser Heroismus mit drin, diese nietzeanische Verachtung der „Degenerierten“.

Und, by the way:  „Verletzlichkeit“ ist eines der Worte, die unter Trump nunmehr von Gesundheitsbehörden nicht mehr verwendet werden sollen. So funktionieren Sprechverbote ja wirklich.

Das findet vermutlich Beifall bei jenen, die gegen „Moralisierung“ wettern. Verletzlichkeit – so eine Scheiß Selbstviktimisierung. Weg damit.

Ein bißchen Trump steckt halt in jedem von denen.

 

 

 

 

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