Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Regime der Angst und Story-Telling

„Aber sich Ruhe zu gönnen, durchzuatmen und freundlich mit sich selbst umzugehen, das fällt den meisten von uns schwer. Das liegt daran, dass fast alle Menschen den starken Glauben besitzen, dass sie sich ihren Wert als Mensch erst verdienen müssten. Wenn das Grundeinkommen ihnen plötzlich vermittelt, dass sie auch leistungslos wertvoll sind, dann macht das die Leute skeptisch“

Es gab dazu mal einen Song ausgerechnet von Heinz-Rudolf Kunze: „Die Leute denken, Du schiebst ’ne ruhige Kugel“. Einer über Arbeitslosigkeit. Die Sicht auf dieses Thema, also wie mensch sich nun innerhalb und außerhalb der Beschäftigungsverhältnisse versteht, verschiebt sich derzeit ein wenig; da genügt ein Blick den ausufernden Coaching- und Ratgeber-Markt (ja, gruseligerweise oft im Kopp-Verlag) oder sich bei Youtube ein wenig durchzuklicken.

„Sei Du selbst!“, „Selbstliebe“, „Entdecke Deine wahre Berufung!“ – so was erzeugt Bestseller im einem Segment dessen, was unter „Esoterik“ verstanden wird. Kann als grauenhaft empfunden werden. Als Symptom freilich eines kollektiven Unbewussten, das noch keine politische und ökonomische Theorie gefunden hat oder wenn, dann mit Sicherheit genau die falsche, ist die Lektüre dennoch möglich.

Ebenso lauschen einem Eckart Tolle, der altindische Weisheiten recyclet und appropiiert, weltweit  mehr Leute als Beatrix von Storch oder der CSU und ihrer Mischung aus Anheizen der Furcht, um als Löschmittel Autoritarismus mit dem Diskurs-Wasserwerfern hinterher zu spritzen. Enthält Brechmittel.

Tolle lehrt, dass es das Ego, das ständige Story-Telling der Mind-Machine sei, das, von Angst befeuert, allerlei Grauen in der Welt erzeuge, wenn es zu Handlung schreite. So bevorzuge das Ego Gedanken, die Furcht erregten, und erhielte sich so in einem fortwährenden Geplapper am Leben. Um Herrschaft über die jedem Menschen inne wohnende Stille und  die Möglichkeit des Friedens auszuüben. Um das zu verkünden, sitzt er gelegentlich bei Ofrah Winfrey vor Millionenpublikum und wird geliebt und gesucht.

Es kann von diesem Zweig der Esoterik nun gehalten werden, was immer auch gewollt wird. Der Schatten, jungianisch verstanden, läuft tatsächlich auch immer mit. Insofern landet eine jede, ein jeder, ein jedes von Tolle-Videos (die auch mein Lieblingsschwarm Clueso immer mal zitiert 😀 ) verhältnismäßig schnell bei übelsten Verschwörungstheorien.

Meine Lieblingsvariante ist derzeit, das die „New World Order“ Schwule benötige (u.a., um Leihmütterschaft und Eugenik zu etablieren), es diese aber nur wegen der Amalgan-Füllungen in Zähnen gäbe: Es sei das Quecksilber, das Homosexualität produziere. Und Michelle Obama sei ja eigentlich einst ein Mann gewesen. Obama bekam auch ein neues Gehirn, wie Aufnahmen von Operationsnarben angeblich belegten. Satanist sei er auch.

Es scheint absurd, nun vom bedingungslosen Grundeinkommen bei derartigen Grotesken zu landen. Es bleiben zu lassen hieße aber, die Wirkung dieses ganzen Infowar-Alex-Jones-und-schlimmer-Krams zu unterschätzen.

Für mich war einer der frühesten Indikatoren für ein Umkippen der deutschen Befindlichkeiten im Falle der seitdem erst so genannten „Flüchtlingskrise“ ein Posting von, ich glaube, es war tatsächlich Eva Herrmann, war das so?, das irgendwer bei Facebook teilte: Die Geflüchteten seien eine Invasorenarmee, lauter Söldner, die lediglich Landnahme für den Islam praktizierten. Wie das wirkt, kann an den unzähligen Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte abgelesen werden.

Das knüpfte an uralte – die Türken vor Wien , die Mauren in Spanien, die „Hunnen“, die „Vandalen“ – Narrative an, die ein mit Angstlust garniert ein Einmarschieren der „dunklen Horden“ diagnostizierten. Jene also, die vielleicht aktuell ganz gute Gründe hätten, auch mal zurückschlagen zu wollen; selbst manche der übelsten Verschwörungstheorien sind ja gekoppelt an jene Querfrontler, die im Zuge von „Friedenswintern“, „Russia Today“ und ähnlichem ihre Zerrbilder des Weltgeschehens verdreht antimperialistisch begründen, wahlweise Israel oder die USA oder beide zusammen ungebrochen als Reich des Blösen betrachten und deshalb Bereitschaft entwickeln, mit einem wie Putin zu kungeln.

So existiert auch die Variante der Story, dass es „der Jude“ sei, der „uns“ die Flüchtlinge schicke, um Europa im ungebrochenen Weltherrschaftswillen zu unterjochen. Die nicht tot zu kriegenden „Protokolle der Wesien von Zion“, einer Fiktion aus dem späten 19. Jahrhunderts meines Wissens durch den zaristischen Geheimdienst erfunden, weil der Zarismus merkte, wie nützlich Antisemtismus zum Herrschaftserhalt ist, ist wohl einer der Prototypen dieser Geschichten. Geheimbünde tauchen so als treibende Kraft hinter dem „Establishment“ sogar im „Rubinrot“ der ansonsten sehr sympathischen Kerstin Gier auf.

Diese antimperialen Stories des Querfront-Lagers wissen darum, dass Zustände wie in Syrien oder Libyen nicht unabhängig von postkolonialen Konstellationen und westlichem Agieren und Nicht-Agieren entstanden. Doch statt die Analyse mal richtig durchzuführen, schleicht sich lediglich ein schlechtes Gewissen ein, das dazu führt, dass die überlagernden Geschichten nur um so mächtiger werden – wie sich auch bei jenem AfDler zeigt, der aktuell per Twitter proklamierte,  das iranische Mullah-Regime sei zu stützen, um „uns“ vor Flüchtlingen zu schützen. Das ist dann das, was in Deutschland aus dem Fall Gaddafis gelernt wurde.

Im Gegenzug, aber auch deshalb proklamieren sächsische Professoren, „man schulde den Arabern und Afrikaner“ nichts. Weil der den Diskurs ja kennt, dass das falsch sei, sich aber lieber einredet, irgendwas in seiner Biographie habe etwas mit „Leistung“ statt mit Privilegien zu tun und er sei deshalb okayer als der „Afrikaner an sich“.

Diese diffus wirksamen Erzählungen sind gemeingefährlich, auch und gerade da, wo sie sich zum Beispiel und paradoxerweise mit dem auch von muslimischer Seite hart bekämpften (!!!) Salafismus in seiner Alltagsausprägung koppeln, der u.a. in Frankreich phasenweise eine Art eigener Jugendkultur hervor brachte. Warum, das interessiert aber auch vorsichtshalber nicht.

Diese ganzen Stories sind deshalb erwähnenswert, weil Floris Bliskamp in seiner lesenswerten Auseinandersetzung mit „mit Rechten reden“ ja richtig liegt: Alle Argumente prallen ab dann, wenn die Leute gar nicht argumentieren wollen. Sie lieben es, stattdessen Geschichten so erzählen, wie sie das aus Hollywood, vom Tatort oder der US-Serie kennen, manche auch aus der Bibel. Um sie mit weit älteren Mythologien zu koppeln, teils christlich, teils „die Aufklärung“ ins Story-Telling überführend. Harald Martenstein hat sich da neulich wieder als besonders begabter Märchenonkel erwiesen.

Es geht gar nicht um Argumentationen, Vernunft oder den Austausch guter Gründe. Es geht um Angst und Ego-Konstruktionen. Ich denke, dass Jean-Francois Lyotard in der Hinsicht Jürgen Habermas gegenüber immer schon recht hatte: Die „großen Erzählungen“ wirken halt, nicht die Prinzipien der Diskursethik. Das weiß ja sogar Sigmar Gabriel, der auf Podien über Narrative referiert. Dafür wusste Habermas die Kritik funktionalistischer Vernunft besser zu formulieren. Zumindest in den frühen 80ern noch.

Denn das ist ja der Witz, Autorinnen wie Naomi Klein haben es treffend ausformuliert z.B. in ihrem Werk über die „Schock-Strategie“: Was derzeit unsere gesellschaftliche Wirklichkeit auszeichnet, ist die Kopplung von Angst nährendem Story-Telling und funktionalistischer Vernunft. Und um die Angst anzufüttern, erweisen sich ganz reale Krisen als profitabel.

Soll heißen; Ein Wirtschaftssystem, das auf dem Instrumentalisieren von Menschen aufbaut, wird dadurch abgesichert, dass alle fortwährend in Furcht gehalten werden.  Ja, noch einmal: Das System ist darauf angelegt, diese Gefühle fortwährend zu erzeugen, damit es funktioniert.

Was dabei freilich auf der Strecke bleibt, und da spielt dann eben doch Vernunft eine Rolle, ist, dass keiner mehr fragt, wer genau nun wirklich verdammt gute Gründe hat, Angst zu haben. Und welche Gründe das jeweils sind. Und mal genauer zu schauen, wie die Modi der Angst mit gesellschaftlichen Hierarchien zusammen hängen. Andere schreiben in diesem Fall von Privilegien.

Wegen der Flüchtlinge findet ihr keine Arbeit, alles Geld fließt nur noch denen zu, ohne dass sie etwas dafür tun müssen, und um euch kümmert sich deshalb keiner mehr, sie jagen ganztägig weiße Joggerinnen in Parks und zerstören uns auch noch das Weihnachtsfest, während derweil Schwule und Lesben dabei sind, die Ehe zu entwerten und Transgender auch noch Gewissheiten in binärer Geschlechtlichkeit zerstören“ – in Brasilien gab es, wenn das nicht auch nur eine Story ist, Demos gegen Judith Butler, die als Hexe verbrannt gehöre – „und Männer können nicht mehr entspannt durch die Gegend laufen und einfach mal nett Frauen anlächeln, weil sie sofort Angst haben müssen, des Sexismus bezichtigt zu werden. Und was kann ich überhaupt noch schreiben, ohne Angst haben zu müssen, als Rassist zu gelten“ –  deutlich sollte werden, dass es eben vielerlei Ängste gibt; ein weiterhin patriachal organisiertes, an Whiteness orientiertes System bringt solche hervor, wenn Verhältnisse sich wandeln. Über die der eh schon Dominanten wird dann auch viel geredet und geschrieben. Über die der Exkludierten und Unterworfenen eher selten bis gar nicht. Da sei das Ego vor.

Die ganzen Ego-Angst anfeuernden Stories sind argumentativ kaum zugänglich, weil alles Diskutieren ja gar nicht gewollt ist, da es die psychische Stabilisierung gefährden könnte. Der Psyche geht es darum, auf diesem vermeintlich Weg Souveränität und Macht zurück zu gewinnen, über die eh keiner individuell verfügt, reine Auto-Suggestion – und doch wirkt das Befürchten des Privilegienverlustes. Weil: Was das letztlich heißt, das hat uns unter anderem Gerhard Schröder gelehrt.

Diese ganze Konstruktion ruht aber auf dem, was sie nur überlaget: Die alles beherrschende instrumentelle Vernunft.

Das ist ein alter Topos der Kritischen Theorie, aufbauend u.a. auf Marx‘ Entfremdungstheorien und diesen weiter denkend. So schrub darüber z.B. Erich Fromm in „Die Kunst des Liebens“ oder Herbert Marcuse im „Eindimensionalen Menschen“, Horkheimer und Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“.

Sie organisiert Status- und Machtfragen, die schlicht der Logik des Wirtschaftssystems und seiner hierarschischen Ordung folgen, dem ganzen, schlechten, alten „Nach oben buckeln und nach unten treten“ halt – und Anpassungs an Systembedürfnisse.

Ein Schema, das auch dann nicht aufgelöst wird, wenn nun vermeintlich todesmutig gegen „das Establishment“ die Rebellen-Rolle des inneren Kindes auf rechts sich verselbstständigt, weiterhin in frühkindliche Konflikte verstrickt und dem Autoritären Charakter verfallen.

Ja, deshalb der Einstieg über das bedingungslose Grundeinkommen und Möglichkeiten, weil es das graduell und in unterschiedlichen Intensitäten allen Aufgebürdete „du bist nicht okay“ eben partiell zu kompensieren scheint.

Es ist ja möglich, Gesellschaft nach Stufen des „Du bist nicht okay“ zu beschreiben. Um in Zeiten einer kontrafaktisch behaupteten „Eigenverantwortungs-„-Logik, einer Individualisierung durch die ökonomischen und administrativen Systeme selbst und den ihnen immanenten Imperativen, Verhältnisse ihnen gemäß treffsicher zu diagnostizieren.

In einer funktional-hierarchischen Ordnung ist konstitutiv für das eigene sich „mehr okay“ fühlen, dass es welche gibt, die weniger okay sind. Um sich so über die Menschen erheben zu können, die ihre Position im funktionalistischen System zugewiesen bekommen.Ego.

Und nein, ich glaube nicht, dass das „allgemein menschlich“ ist. Das ist zum einen christliches Erbe: Nicht umsonst sah Max Weber den Kapitalismus dem Protestantismus entspringen, und da, wo Protestanten agierten, war der Vernichtungs- und Funktionalisierungswille auch immer besonders ausgeprägt und korrespondierte mit einem vermeintlichen „Individualismus“  und der Vernichtung jener, die als ganz besonders „nicht okay“ galten. Es herrscht buchstäblich die Vorstellung, Gott – oder dem Markt – gegenüber defizitär zu sein und erst mal was tun zu müssen, um ihm gegenüber zu bestehen. Und selbst dann weiß keiner, ob er nun das „Jüngste Gericht“ (oder die Arbeitsagentur-Prüfung oder die Anerkennung als Flüchtling) übersteht.

Diese Vorstellung eines sich angesichts eines erst im Jenseits als wahlweise barmherzig oder aber fürchterlich ausgrenzend erweisenden Gottes reproduziert sich ja in der an Märkten orientierten Ordnung diesseitig. Gott Markt weist den Platz zu. Wenn auch einige glauben, den Himmel auf Erden zu erleben. Eben die, die dann okay sind, weil sie Geld haben für die Schönheits-OP und den Personal-Trainer

Diese Raster wären zu vertiefen; im Falle dieses konkreten Eintrages reicht es völlig, dass das Funktionalsiertwerden des Nichtokayseins auf Arbeitsmärkten wie auch die ökonomische und psychologische Anbindung an Bewertungen durch Andere zu thematisieren, das verdammt tricky Menschen auch noch als okay verkauft wird.

Das ist ja die eigentliche, zunächst in bundesdeutschen Zusammenhängen etablierte Angstmaschinerie: Sei dankbar, wenn Du ausgebeutet wirst. Dank des alltäglichen Terrors, der mittels fortwährender Repressalien im Regime der Lohnarbeit auf Menschen ausgeübt wird, der ZEIT-Artikel beschreibt es ganz gut, wird so fortwährend Furcht genährt. Und die gesellschaftlich manifesten Bewertungen werden an Macht- und Status-Fragen gekoppelt.

Damit sich alle weiter einfügen, gibt es das multimediale Story-Telling (danke an Noah Sow, die gestern per Twitter mich zu diesem Eintrag inspirierte – für das, was ich schreibe, kann sie freilich nichts).

Nachdem jahrelang US-Serien tatsächlich ein emnazipatorisches Potenzial enfalteten, „The Wire“ über „How to get away with murder“ oder auch „Breaking Bad“ und „Sense 8“,  formiert sich seit geraumer Zeit ein Gegentrend – ich kopiere die Twitter-Kommunikation zum Thema, weil sie öffentlich war, ist sie ja zitierbar:

An der Unterhaltung beteiligte sich noch ein Autor von DIE ZEIT und verwies auf folgendes zu „Fear of the walking dead“:

„This is a series that began with a incredibly diverse cast, and after two seasons of deteriorating ratings, six white characters have become the main focus and there is an undercurrent of xenophobia this season that aligns with the view of Mexico from Trumpmerica.“

Ergänzend teilte Antje Schrupp bei Facebook noch einen Text, in dem die Umwandlung neuerer Star-Trek-Plots hin zu einem kriegerischen Kampf gegen die „islamischen Eiferer“, mit rassistischen und kriegstreibenden Botschaften und Ikonograhien gekoppelt , analysiert wird. Über die meines Erachtens zutiefst rassistische Bilderwelt des „Herr der Ringe“-Mythos habe ich hier zuvor schon geschrieben, da sind ja auch alle ins Kino gerannt – und die Diskussion, ob denn nun Tolkien ein Rassist gewesen sei, führt auch zu nichts angesichts eines offensiven Abfeierns von „Whiteness“ in den Verfilmungen.

Die Pointe des Ganzen, was ich in einem Blog-Eintrag allenfalls als Gedankengang kursorisch anstoßen kann, ist: Ich denke, dass diese Storys sozusagen eine indirekte Stütze eines auf Entfremdung und Funktionalismus gründenden Wirtschaftssystems sind. Alte These, neu formuliert. Basis und Überbau halt.Gar nicht originell. Aber zutreffend, denke ich.

Dass gerade Horror, Krimi, Totschlag, Serienmörder, Zombies, Machtkämpfe zum Selbstzweck in dem ganzen Seriengeschehen so dominant sind, ist halt auch ein Ausdruck dessen, dass flächendeckend geschürte Angst Verarbeitung sucht – und ja, die Rolle der Vernunft bleibt dennoch, auch wenn das verhallt, eben begründete von unbegründeten Ängsten, mythische Stories von tatsächlichen Gegegebenheiten zu unterscheiden. Nietzsches These, es gäbe nur Varianten der Lüge und ansonsten Kräfteverhältnisse, die hilft da aktuell auch nicht weiter.

Und dass auch darum ergänzend diese Vision einer „Antifa-Apocalypse“ so aktiv produziert wird, das ist, hierzulande ja auch, kein Zufall. Es herrscht sich so gut, wenn alle ständig Angst haben, wenn Personengruppen statt Strukturen als Ventil dienen und noch wie im Western „Wanted!“-mäßig die Verschurkten gesucht werden.

Weil dies die einzige weiß dominierte Szene ist, die zumindest teilweise noch sinnvolle Kritik übt, ohne in diese nationalistische Kapitalismus-Light-Variante ‚a la Wagenknecht abzudriften. Sinnwidrige Formen des Aktivismus lasse ich mal außen vor.

Während zugleich eine „Milieu Control“ gegen alles Linke sich längst etabliert hat, die mit kollektivistischen Zuschreibungen operiert und sich alles möglich zusammen klaubt, was beim über die Jahrhunderte so „erfolgreichen“ Rassismen gelernt und korrespondierend bei der Unterwerfung so genannter „Unterschichten“ geübt wurde: Die „Horde“ sei zu bekämpfen. Die sind alle gleich und anhand äußerer Merkmale in ihrem verdorbenen und faulen Wesen zu identifizieren (z.B. schwarze Kleidung). Solche staatsanwaltlichen Charakteranalysen kursieren ja derzeit.

Das soll nun keinesfalls dazu verleiten, als linkes Opfer eines fragwürdigen, als Polizeistaatlichkeit nicht mehr ganz falsch beschriebenen Operierens sich sozusagen an die Opferstelle derer, die unter Rassismus leiden, zu setzen. Auf dass letzterer auch ja wieder überschrieben würde. Das wäre auch nur Story-Telling.

Was folgt daraus dennoch? Gegenstories müssen her! Und ganz im Sinne des Eingangs-Statements aus DIE ZEIT hat Ökonomie zu funktionieren, nicht, wie es derzeit geschieht. Und zwar für alle geleichermaßen. Das bedarf der Ausarbeitung.

Es bedarf einer Re-Aktivierung einer Kritik der funktionalistischen Vernunft – Ernst Tugendhat formulierte dessen Maxime so schön als „Instrumentalsiere niemanden!“.

Eine, die nicht in der Selbstreferenz des je eigenen Kanons versuppt, sondern lernwillig sich dem öffnet, was diesbezüglich auf anderen Kontinenten, in anderen Zusammenhängen längst gedacht wurde. Ich zumindest nehme mir das weiterhin vor.

 

 

 

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