Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Facebook-Splitter zu Trump, Hate Speech und Co

Habe mir leider angewöhnt, das, ich was alltäglich so raus rotze, fast nur noch bei Facebook zu posten. Damit hier auch mal wieder was passiert, ziehe ich das jetzt als „Facebook-Splitter“ hier mal mit rüber.

US-KONSERVATIVE ZU TRUMP LESEN: BRIAN ENO SAGT, WOHIN DAS FÜHRT

„The Guardian published an interview with Brian Eno the other day, in which he offered some political reflections. On Brexit and Trump, the legendary musician and composer said: “I thought that all those Ukip people and those National Front people were in a little bubble. Then I thought: ‘Fuck, it was us, we were in the bubble, we didn’t notice it.’ There was a revolution brewing and we didn’t spot it because we didn’t make it. We expected we were going to be the revolution.”“

Sag ich doch, und meine Mutmaßung, und nicht nur meine, ist das ja eh schon: Das Republikaner-Establishment war ja zunächst ganz ähnlich geschockt wie alle anderen auch von Trump, als er die Präsidentschaft anstrebte. Als er einen Konkurrenten nach dem Anderen, die auch nicht besser waren als er, aus dem Weg räumte.

Irgendwann merkten die republikansichen Akteure vermutlich, dass sie keine andere Chance haben, denn als trojanische Pferde bei ihm einzusteigen. Um ihn irgendwann abzusägen. Wobei Bannon dann vermutlich auch weg ist.

Und ich glaube immer noch, dass Mike Pence und Co auch ohne Bannon nicht besser, nur scheinbar kultivierter und besser kompatibel mit anderen Elementen des Neoliberalismus sind.

Zitat aus der „National Review“, die das stützt:

“There is no way Trump could be a credible combatant in the culture war as it existed for the past 40 years. But he has reoriented the main lines of battle away from issues related to religion and sexual morality onto the grounds of populism and nationalism. Trump’s culture war is fundamentally the people versus the elite, national sovereignty versus cosmopolitanism, and patriotism versus multiculturalism.”

Quellenlink im Text.

Und das ist halt auch eine relevante Frontstellung hierzulande.

Der Witz ist doch, dass man die Rechten und Konservativen damit eigentlich hervorragend jagen könnte. Dieser Gegensatz wird auch in GB sich jetzt extrem zuspitzen, und nachdem nun jahrzehntelang das „Teile und herrsche“ gegen links gewendet wurde, kann das ja vielleicht und bitte schleunigst mal gegen die Rechten gedreht werden. Anstatt ständig irgendwas aus diesen zitierten Oppositionen heraus zu klauen, liebe Frau Wagenknecht, sollten lieber mal Gegenentwürfe formuliert werden.

JENS SCHOLZ UND SEINE RATSCHLÄGE FÜR INTERNET-DISKUSSIONEN

„Die „wir zeigen Dir das, was relevant ist“ Mechaniken der Social Media Plattformen, wozu auch die von Facebook eingeführte Vorauswahl der angezeigten Inhalte gehört, die die frühere diskriminierungsfreie, weil schlicht nach absteigender Aktualität sortierte Reihenfolge abgelöst hat, haben unsere Timelines mit steigender Nutzerzahl in gefühlte Schlachtfelder verwandelt“

Ich halte das ja für falsch, dass das neu sei.

Was läuft, bekommen einfach nur mehr Leute mit. Ein Leben inmitten von Hate-Speech-Geschrei ist für viele Menschen ebenso Alltag wie Racial Profiling. Und dass sich zu erkennen gebende Feministinnen unter Garantie an jedem blöden Wirtshaus-Tresen sofort Männerrechtsdebatten ans Ohr genagelt bekommen, wenn sie nicht schlagartig wahlweise sexistisch abgewertet oder angebaggert werden, auch das ist nicht neu.

Mein Coming Out war untrennbar damit verbunden, dass, sobald ich zaghaft andeutete, dass ich nun NICHT wie selbstverständlich über die sexuell attraktiven Attribute von Frauen den ganzen Abend quatschen möchte, mir eine AIDS-Debatte am Hals klebte. Als hätte ich da nicht eh genug Schiss vor gehabt. War ja nicht lustig. Und das ist auch kein klassischer Fall von Diskriminierung, aber eine sozusagen alltägliche Filterung von Kommunikation, die Jens Scholz so vermutlich einfach nie erlebt hat.

Was er schreibt, das ist ja vom Anliegen her sehr sympathisch; neu ist das allerdings nur für jene, die nicht sowieso schon ihr Leben lang um das kämpfen müssen, was sie nun mal sind. Um diesen Kampf als „Identitätspolitik“ als wahre Ursache für Trump präsentiert zu bekommen. Was ja einfach nur heißt: Halt die Schnauze, Du Schwuchtel! Tim Cook lässt schließlich auch in China produzieren! Unzählige Heten machen das nicht anders als der Apple-Chef, das interessiert dann aber nicht.

Dabei ist die Inszenierung von Heterosexualität, hegemoniale Männlichkeit und deren fortwährendes Demonstrieren (nichts würde diese besser demonstrieren, als Trumps Umkreisen von Hillary Clinton in der Fernseh-Diskussion, das von Alc Baldwin so vortrefflich karrikiert wurde) für das Phänomen Trump ebenso konstitutiv wie das Zelebrieren von Whiteness. Wer betreibt denn da bitte „Identitätspolitik“? Bei Ignoranz all dieser gesellschaftlich wirksamen Raster verschwinden die nämlich auch nicht.

Wann wurde „hatr.org“ noch gegründet?

Und neulich lief eine Unterhaltungssendung auf dem ZDF, in der in Archivmaterial Christel Neudeck Briefe verlas, die sie bekam, als sie mit Unterstützung ihres Gatten die „Cap Anamour“ charterte. Das war im Wortlaut das, was heute bei Twitter und Facebook kursiert. Exakt, bis in die Formulierungen hinein, AfD-Sprech. Und das war 1980.

Meine These ist ja, dass es eskaliert, seitdem es Gegenwehr gibt. Was die Gegenwehr aber eben NICHT entwertet. Es gibt bei manchen Fragen einfach keine „Mitte“, die dann einen „Interessenausgleich“ bewirken könnte, frei nach dem Motto: Ich behalte alle Rechte, verzichte Du mal auf die Hälfte Deiner, dann haben wir einen Kompromiss. Ich behalte mir vor, Dich nicht mehr ganz so oft zu beleidigen, herabzuwürdigen und Dich seltener zu demütigen, deswegen verzichte Du bitte vollkommen auf Widerworte. Das funktioniert zwar empirisch, wenn die Gewaltandrohung installiert ist, hat aber mit Giraffensprache und Co nix zu tun.

Auch wenn das Feuilleton und die hehre Politik voll von solchen Plädoyers sind, es mögen doch bitte auch die weiterhin schweigend ertragen und dulden, die das eh schon auf dem Schulhof beigebracht bekamen, dass es sonst vor’s Maul gibt: Gerade im Sinne eines wohlverstandenen Universalismus ist das falsch.

Das ist ja auch so ein Abgrund aktueller Debattenlagen, dass ständig z.B. im Falle der Toilettennutzung in North Carolina in einer transmisogynen Diskurs-Orgie gerade auch auf links ständig Frauke Petry nachgeplappert wird. Diese ganzen „Partikularinteressen“ hätten nun streng stalinistisch irgendeinem übergeordneten allgemeinen Interesse zu weichen.

Nein, deren Berücksichtigung ist eben einzufordern auf Basis eben jener universellen Rechte, die auch Arbeiterbewegungen, eine ziemlich identitäre Historie, übrigens, ihre Legitimation verleihen.Die also auch ökonomische Rechte begründen.

Und die sind immer aus INTERSUBJEKTIVEN Konstellationen abzuleiten, nicht aus Ego-Durchsetzungsweisen.

Dieses Gegeneinanderausgespiele von Minderheitenanliegen gegen vermeintlich „objektivere“ Rechte bewirkt nicht nur einen knallharten, logischen Widerspruch, entweder alle oder keine/r, sonst funzt die Rechtebegründung nicht. Sie beweist auch keine Wahrheitsfähigkeit und kann so auch keinerlei Objektivität für sich beanspruchen. Weil mögliche Diskursteilnehmer fortwährend ausgeschlossen werden.

Dass sich nun stattdessen WHM auch auf links fortwährend ihre „Safe Spaces“ ERHALTEN wollen, das führt zum Trumpismus.

FAZIT

Somit zitiere ich abschließend noch den mir unbekannten Mathis Oberhof mit einem öffentlichen Statement, das mir in die FB-Timeline gespült wurde:

„Für mich war nicht der 20., sondern der 21.Januar der wichtigste Tag des Monats. Ich möchte nicht(nur) täglich neue Schweinereien des US-Präsidenten lesen, sondern viel mehr Erkenntnisse: WIE KAM DIE GRÖßTE “SYNCHRON-DEMO“ DER GESCHICHTE ZU STANDE? Wer waren die Organisatorinnen, wie konnte der Streit in Vorbereitung beigelegt werden, wie gelingt ein Bündnis von Madonna bis Angela Davis? wie hoch war der Anteil von Männern, wie liefen die lokalen Vorbereitungen, ist so was wiederholbar? was bedeutet die Tatsache, dass es eine FRAUEN-Veranstaltung war, für alle anderen politischen Bewegungen? Das wären Krimis, die mich auf Facebook faszinieren, Nicht immerzu nur diese schreckliche blonde Wellen. Frisur….#womensmarch der 20.1. ließ uns in die Iris des Bösen blicken, der 21. in die Vision einer solidarischen Zukunft.“

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