Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der Weg zu kämpferischer Poesie: FC St. Pauli -Arminia Bielefeld 2:1 

„Auf den harten Linien 

Meiner Siege 

Laß ich meine späte Liebe tanzen.“

Um mit Else Lasker-Schülers Worten das Sujet zu etablieren. 

Okay, war nicht unbedingt MEIN Sieg. Sondern der der Mannschaft. Aber ja ein Sieg auch FÜR mich. Und Dich. Und für uns uns alle, die wir pilgern an das Tor, das Millerntor. 

Alleine der Jubelausbruch von P.A. neben mir in der 90. Minute, dieses entfesselt-orgiastische  Freudeverhalten, diese sich entladende Anspannung, diese im Schrei verdichtete Eruption von Glücksgefühlen – wer niemals dieses Stadion betrat, der kennt so was nicht und wird so nie erfahren, wie tiefgreifend gut solche Erinnerungsbilder am Tag danach tun. 

3 Punkte! 

Die ersten überhaupt in dieser Saison! 

Obgleich wir die doch schon in Stuttgart verdient hätten. „Lohn“ und „Verdienst“, das sind vielleicht nicht die Begriffe, die fassen können, was das Spiel gestern in einer sich über 90 Minuten steigernden Willenslust (oder wie auch immer mensch das nennen mag) an Dramatik zu bieten hatte. Viel zu prosaisch. Das Spiel verlief vom Worte suchenden Gebrabbel zur Wucht kämpferischer Poesie, die der Verzweiflung den Zweifel austrieb, so dass „Ver-ung“ alleindann eben auch keinen Sinn mehr machte.

Ja, war halt ein tölpeliger Anfang gegen Bielefelder, die sich mental seltsam, aber konsequent auf das Sein als Kegel am Ende einer Bowlingbahn eingestellt hatten. So dass sie wahlweise selbst nach fast anrührendem Bitten um körperliche Intimität mit unseren Jungs schlicht grundlos umfielen oder aber das Kegelfallartige schubsend auch den Boys in Brown beibringen wollten.  Gegen deren Willen. Schön war das nicht, was die da spielten. Nöthe musste bestimmt nur deshalb raus, weil desssen Anflüge von Eleganz in Bielefeld beim Team der Kegel mutmaßlich harsche Sanktionen nach sich ziehen. Einfach nicht plump, aggressiv und grobschlächtig genug.

Eine zumindest originelle und durch und durch eigenwillige Regelauslegung des Schiedsrichters stachelte den Glauben der Arminen an ihre kegelige Spielphilosophie noch an. Ein vom Fussballgott so zunächst an jeglichem Flow vorbei choreographiertes Geschehen auf dem Rasen trieb die Hofffnung in den Untergrund. Wir zweifelten, ja, an unseren Jungs, ich gebe es ja zu, sie maßregelten uns ja dann auch dafür mit Hilfe der Wonnen des Sieges,  an der Qualität des Kaders, an den Entscheidungen und Kriterien der sportlichen Leitungen. 
Und dann doch. Sie ließen uns die Skepsis nicht und bekämpften sie mit vollem Einsatz. Während wir noch dröge lamentierten, dass ein Mittelfeld, das nur aus Christopher Buchtmann besteht, ggf. nicht ganz optimal konzipiert sei, zeigte Aziz Bouhaddouz dem Mitspieler kurzerhand in unmissverständlicher Geste, wohin er den Ball gerne gespielt bekäme, und vollendete sogleich trotz Blockadeversuchen der Arminen-Kegel gar volltrefflich zum 1:0. Das war schön. 

Die Wende hatte sich schon angedeutet, als Sören Gonther, der Regenbogenkapitänsbinden-Verweigerer, den Platz verlassen musste. Selbstverständlich wünsche ich selbst dem gute Besserung, Gesundheit und alles Glück dieser Erde in seiner heteronormativen Welt zu endlosem Ballermann-Schlager-Bumsbeat (Vicky Leandros versteht der vermutlich gar nicht wirklich). Trotzdem immer ein gutes Zeichen, wenn er nicht spielt, und es hat ja funktioniert: Ab da ging es bergauf. Bei unserem Abseitstor war ich gerade Bier holen, selbst der Kicker schrub, es sei nur vermeintlich eines gewesen – und als dann Sahin, der dem Rest der Mannschaft hoffentlich noch ein bißchen das Tanzen beibringt, seine forschen, durchsetzungswilligen und auch nach Fehlern und Gedöhns immer neu anlaufenden Tugenden so dem begeisterten Publikum vorführte, dass sie auch gleich schon wieder ausgemerzt waren, immerhin versuchte, machte und tat er unaufhörlich und auch verdammt viel Gutes, da kochte es wieder, unser Spiel. Und es war ihm so was von zu gönnen, dass er zum bestmöglichen Zeitpunkt auch das Tor schoss. Weil: Besser schwach starten und zum Schluss mit Bravour den Sieg erkämpfen als supercool loslegen und doch verlieren. Ja, Binse, aber wahr. 

Und sowieso sind solche Spiele ja viel großartiger als routiniert und ödsouverän erarbeitete Siege. Nach so einem Spiel will die Liebe leidenschaftlich tanzen, und ich plädiere tatsächlich dafür, die Jungs mal in die Tanzschule zu schicken. Macht locker, und die Musikalität des Spiels umkurvt in Zukunft kurzerhand gegenerisches Kegelverhalten. Mit Hüftschwung.

Meine Güte, was bin ich erleichtert, dass wir gestern unseren ersten Dreier eingefahren haben!!!!

2 Antworten zu “Der Weg zu kämpferischer Poesie: FC St. Pauli -Arminia Bielefeld 2:1 

  1. Pingback: Matchday 04: FC Sankt Pauli – Arminia Bielefeld 2-1 | FCSP Athens South End Scum

  2. Pingback: Voll fett! Mit dem wichtigen Heimerfolg gegen Bielefeld geht die Saison für den #FCSP erst richtig los. | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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