Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Momo on the Radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, FSK, 12.10. 2015, 14-16 h

Morgen mal wieder, da dringt sie, die Stimme des Blogbetreibers Momo Rulez, aus den Radioboxen – für die, die es hören wollen.

Diesmal sind die „Tales“ vermutlich noch kryptischer und assoziativer geworden als sonst😀 – aber sie sollen ja auch eher Denk- und Vorstellungsräume eröffnen als Flugblattweisheiten konsumierbar verkünden. Das mundgerecht Aufbereitete ist  eher ein Problem in Zeiten vorschneller Antworten, die Egos kitzeln und dann die nächste Sau im Dorf reiten. Glaube ich zumindest. In denen zu viel vorgefertigt von Zungen perlt und einen Cocktail scheinbaren Realismus‘ wie leicht dosiertes Gift im Hardboiled-Krimi für Hörende und Lesende anrührt.

Diesmal geht es um Fantasie und wie sie politisch wirkt, im Guten wie im Schlechten; Alien-Landungen, Heimatfilme und katholische Verschwörungstheorien wie auch die Stirn von Rainald Goetz umspült Musik,  ganz so, wie Brandung Relikte und Artefakte im Erzählstrom aufgetürmter Küsten höhlt.

Hier wie immer die Tracklist:

Donna Summer – On The Radio
Joe Stafford – Use your Imagination
Imagination – Illusion
Prince – Sometimes It Snows In April
Bollock Brothers – Faith Healer
Bronski Beat – Screaming
Pet Shop Boys – Being Boring
Duke Ellington feat. Ben Webster – In A Jam
Shirley Bassey – Birth Of The Blues
Thievery Corporation – Le Monde
Nick Chacona – The Fear
Hans Albers – Das Herz von St. Pauli
Montego Joe – Freestyle
Licky – African Rock
Nuclear Family – Rise
Gloria Gaynor – I Am What I Am
Stevo – Pay The Price
Lana Del Ray – Music To Watch Boys To
Arnold Schönberg – Orchestral Pieces, Opus 16, Nr. 1
Stephen King, Dense Macabre, München 1988
Jean-Paul Sarte, Das Imaginäre, Reinbek bei Hamburg 1971
Zu hören wie immer beim FSK! Viel Spaß dabei!

3 Antworten zu “Momo on the Radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, FSK, 12.10. 2015, 14-16 h

  1. Mrs. Mop Oktober 12, 2015 um 2:39 pm

    Hahaha, extrem lustig das mit dem knarzenden Schrank grade eben, vor Gloria Gaynor, ich lach mich echt tot, super …🙂

  2. Mrs. Mop Oktober 12, 2015 um 3:15 pm

    Ja, Radio hat tatsächlich das Zeug zum Gruselmedium, so fernab aller visuellen Prothesen übernehmen die Ohren mit allem, was sich dazwischen befindet, die Steuerung und produzieren Phantastisches am laufenden Meter. Die Töne, mit denen Du die Gruselstory von der katholischen Schwulenlobby unterlegt hast, haben mich auf die irrsten Abwege geführt, von Shining über Whodini (The Hounted House of Rock) bis hin zu Jacko‘s Thriller. War irgendwie genau der passende Soundtrack zu den darauffolgenden Marcuse‘schen unterdrückten Triebwünschen, die im morastigen Untergrund ein zerstörerisches Eigenleben entwickeln. Das läuft aber beim Hören alles nur so nebenher mit, quasi im Halbbewussten, oder Vor- oder Hinterbewussten, was weiß ich, jedenfalls läuft es mit irgendwo im diesigen Wahrnehmungshintergrund, und poff!, dann kam plötzlich diese befreiende knarzende Schranktür und alles purzelte in den Vordergrund! Das war vom Größten, ehrlich.

  3. momorulez Oktober 12, 2015 um 3:54 pm

    Dankeschön🙂 – ich bekenne ja auch, dass ich diese Sendung auch mal richtig gut fand (nachdem zugemauerte Räume etabliert waren, in die dann Prince durch den Lichtschacht eindrang, was übrigens wirklich so war – um anschließend Bronski Beat in die Stirn von Rainald Goetz kriechen zu lassen) und dass ich mich bei dem Mensch in the Closet selbst weg geschmissen habe, als ich den fand und vor Frau Gaynor setzte, hier so alleine am Computer. Hat bestimmt wieder kaum ’ne Hete verstanden, den Gag, ich fand den direkt am Tag nach dem Coming Out-Tag aber ziemlich lustig.

    Diese schmatzenden Zombies (?) und Co bei der Kurie, das war ein Youtube-Glücksfund, und ich fand auch, dass da allen Unkenrufen zum Trotze, die Bedeutung erst bei Phonemen entstehen lassen (Wittgenstein zum Beispiel), ja doch eine enorme Bedeutungsvielfalt entsteht bei der Kombination von Papstberichterstattung und diesen Sounds.

    Das lustigste war, dass dieses Türquietschen ganz von selbst unter Ratzingers Abgang gelandet ist (also weiter vorne, vor dem Mann in the closet), durch schlichtes Anlegen. Das hat auch einen Riesenspaß gemacht, das zu basteln.

    Bis hin zu Adornos Lieblings-Schönberg. Wir haben den neulich mal für dramatisierte Strecken bei einer Doku eingesetzt, und das war schon verblüffend, wie die atonale Avantgarde von einst so gar keine avantgardistische Wirkung mehr hatte, weil das in der Film-Musik, gerade in B-Movies, hoch und runter geplündert wurde. Was einfach so gar nicht zu dem passt, wie das mit Weihrauch schwenkend bis heute in manchen Zirkeln des akademischen Diskurses rezipiert wird.

    Innerhalb dessen nutzen die das mittlerweile zum Teil eher, um schwarzen Sängerinnen und Blue-Notes einen zu verpassen (durfte ich neulich in der HfbK hören, schlimm, und der Typ kam auch noch von einer Uni für populäre Musik), was angesichts von „Blob – der Schrecken ohne Namen“ nun auch nicht frei von Komik ist. So wirkte der Vortragende ein wenig.

    Freue mich wieder sehr, dass sich das Dir transportiert hat! Diesmal flutschte es auch einfach nur so in der Vorproduktion – hatte erst gar keine Lust loszulegen, und amüsierte mich dann ins Machen sozusagen hinein …

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