Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wackeln am Kippschalter: FC St. Pauli – MSV Duisburg 2:0

  

Hinter mir in der Schlange vor dem Einlass zu meiner Haupttribüne schwappte die Promigeilheit aus Besucherkehlen. Fettes Brot wollten sie sehen. Bela B. Lautstarke Fantasien äußerten sich, was im Falle eines Aufeinandertreffens wohl passieren würde. 
Wunderte mich. Dachte, ich sei auf dem Weg zum Fussball, nicht zur BRAVO-Super-Show oder Ähnlichem. In dessen Fall, also des Fussballs, ich mir ja immer wünsche, es würden drumherum Heftreihen entstehen, die dann „Jermey“, „Robin“ oder „Florian“ heißen und all das lust- und liebevolle, was zwischen Männern möglich ist, schwärmerisch zelebrieren. So wie in „Julia“, „Romana“, „Baccara“  oder „Tiffany“. Die therapeutische Wirkung von happy end-driven Trivialliteratur sollte ja nicht unterschätzt werden. Wenn auch die darin enthaltenen Rollenbilder und Geschlechterklischees dringend der Innovation bedürfen. Aber gerade deshalb könnte ja so eine „Fussballer in Love“, natürlich miteinander, -Reihe gar nicht schaden. Das wäre doch mal ein Fortsetzungsroman für die 11 Freunde! Der gute, alte Fortsetzungsroman in Zeitungen, gibt es den eigentlich noch?
Das Spiel war seltsam. So, als wüssten die Boys in Brown nicht, was nun gerade ihre Rolle ist. Favorit? Wegen des Tabellenplatzes? Als Heimmannschaft? Das Spiel schien in eine Art Rumprobieren mit der Rollenerwartung an sich selbst zu münden – plötzlich Durchbrüche und aufblitzende Ideen, zögerndes Tasten und kurzes, schnell bestraftes Aufwallen von Überheblichkeit lösten etwas unsortiert einander ab. So dass gar keine Story entstand. Lieber aufpassen, dass Duisburg nicht aufkommt, trotz deren Tabellenplatzes? Doch das Spiel schneller machen, weil die dann so hübsch taumeln? Lauter lose Ideen-Endenverknäulten sich zum Haufen Zwirn.

Es gibt ja Spiele, da ist die Zuschauerin an sich DRIN. Da hebt sich diese so berühmte Subjekt-Objektspaltung auf, und sie wird eins mit dem Spiel. 

Aber gestern hatte der fussballgöttliche Drehbuchschreiber einen merkwürdig experimentellen Tag erwischt. Dass Erik gar von „Laienspieltheater“ schrub. Ich glaube ja, es lag eher am Buch in den Köpfen als an der drstellerischen Leistung. 

Und somit glaube ich auch, dass der Schiedsrichter für Abhilfe sorgen wollte. Wenigstens EINE klar definierte Figur gehöre auf dan Platz, dachte er sich bestimmt. 

Ansonsten war das ja eher Theaterprobe, bei der die neuen Ensemble-Mitglieder in hübschen Präsentationen ihrer Fähigkeiten für Szenenapplaus sorgten. Jeremy Dudziak zum Beispiel. Erst verlor ich ja fast die Fassung, dass nun ein anderer Spieler die 8 trug. Die gehört doch zu den für immer schönsten Beinen aller Ligen! Aber trotzdem die seinen kürzer sind, wusste Dudziak schon Sehenswertes mit ihnen anzufangen. Gefiel mir gut. Fafa Picault riß mich mit seinen Soli prompt zu spontan begeisterten Fanaufwallungen des „Hey, ein Held für die Zukunft!“ hin. Und das nicht nur wegen der stilsicher gewählten Farbe seiner Schuhe.

Aber trotz dieser Einzel-Performances – das Spiel war so UNEINDEUTIG. Keinem Genre wirklich zuzuordnen, keine klar identifizierbaren Emotion prägte den Stoff, aber auch keine übergreifende, abstrakte Idee. 

Mein Lieblingspopstar sagt über Menschen, die ihn mit ihrer Energie beeindrucken, diese seien so AN. Das war das Spiel nicht, obwohl ich jetzt auch keinen Zustand zwischen an und aus wüsste. Wackeln am Kippschalter vielleicht.

Ich denke mal, dass, in Dramaturgie geschult, der Schiri DESHALB den Elfmeter pfiff. Um aus dem Diffusen eines schlechten Drehbuchs wenigstens eine klar identifizierbare Tragödie für die Duisburger heraus zu pointieren. Was dann auch den Raum für den späten Auftritt der Helden schuf: Fafas Assist und das wunderschöne und vor allem EINDEUTIGE Tor Basti Maiers. Yes!

Ich will ja gar nicht meckern. Freue mich riesig, dass wir gewonnen haben. Und danke der Mannschaft von ganzem, braun-weißen Herzen! 

Neben dem beherzten Eingriff des Schiedsrichters lag das aber, glaube ich, auch an dem zauberhaften Flamingo, den Stefan Groenveld so eindrucksvoll im Bild einfing. 

Der kann dann ja auch den Fortsetzungsroman der Reihe „Florian“ (oder so)  in der „11 Freunde“ als Logo schmücken. Aufträge nehme ich gerne entgegen! 

Eine Antwort zu “Wackeln am Kippschalter: FC St. Pauli – MSV Duisburg 2:0

  1. Pingback: #FCSP schafft irgendwie den Heimdreier gegen Duisburg. Gepunktet wurde auch gegen Rassismus. | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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