Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 14.9. 2015, 14-16 h beim FSK

Die Stimme von Momo Rulez dringt aus dem Radio, die Musik, die er spielt, eröffnet Welten jenseits des Üblichen oder deutet es um – na, so ist es zumindest gemeint. Keine Ahnung, ob es funktioniert. Macht aber immer wieder Spaß zu plappern und das gesprochene Wort gesprochenes Wort sein zu lassen (inklusive Verschlucken von Silben und gelegentlich, nur punktuell, Einschränkung der Hörbarkeit  dank suboptimaler Kopfhörer und Monitorboxen bei meiner House-Production-Mischung am heimischen Schreibtisch). Die Forschungsreise durch den  collagierten Zettelkasten rund um einen einzigartigen Stadtteil und dessen Historie reicht hinein in den frühen Punk der Hansestadt der späten 70er, frühen 80er unweit des Fischmarkts und außerdem hinter das Tor zur Herbertstraße. Und bis nach Kuba. Wo ja auch Viva con Agua entstanden ist. Das erzähle ich aber nicht.

Ja, das liegt an Mrs. Mop! Also, der Kuba-Bezug. Ungefragt, aber hier in der Kommentarsektion ja öffentlich zugänglich hat meine Lieblingskommentatorin- und -hörerin nicht nur den Einstieg (bzw. das, was nach dem Einstieg kommt, also die Eröffnung von Akt 1 der Sendung) sozusagen prädestiniert bis in die Musikauswahl. Falls ich aus Versehen bei Schrottigem gelandet bin, dann liegt das an mir, nicht an Mrs. Mop.

Ihre Tipps sind zu hören, bevor sich die Sendung durch das, was aus Ausstellungseröffnungen im St. Pauli-Museum mitgenommen ich habe, bewegt und letztlich doch wieder am Strand von Havanna sehnsüchtig Lust und Auge schweifen lässt. Die sind ja universell, und St. Pauli ohne Lust im schweifenden Blick wäre ja auch nicht, was es ist.

Zunächst wollte ich zwar „Breaking Bad“ folgend eine Metamorphose zum Bösewicht, schnackend, hinlegen, aber daran muss ich noch mal intensiver arbeiten. Trotzdem das bei all den verstrahlten Kids an Wochenenden auf dem Kiez schon möglich wäre, das Thema dieser Serie problemlos aufzugreifen. Beim nächsten Mal vielleicht. Zu hören beim FSK!

Hier wie immer die Tracklist:

Donna Summer – On The Radio
LKM – Move
Zulumafia – Soweto Uprising
Cubaton (feat. Alta Frecuencia) – Club de Fans
Dizzy Gillespie & Funky Lowlives – Menteca (Funky Lowlives Remix)
Jesse Gould – Out of Work
Brian Blade & The Fellowship Band – He Died Fighting
Klaus Hoffmann – Musik der Straße
Ben E. King – This Magic Moment
Marc Almond – The Hustler
Josef Salvat – Hustler
Georgette Dee – Wenn Deine Küsse …
Abba – Gimme! Gimme! Gimme!
Daymé Arocena – Drama
Noemi Waysfeld – Befrayung
Bold Breed – Let Me Down Easy
Rim Kwaku Obeng – Believe In Yourself
Leon Brigdes – River

Und die Literaturliste:

Arenas, Reinaldo, Ein Lesebuch, Berlin 2013 (kostenloses eBook)

Paulsen, Waldemar, Meine Davidwache, Reinbek bei Hamburg  2012

Teipel, Jürgen – Verschwende Deine Jugend, Frankfurt/M. 2001

Traven B., Das Totenschiff, zitiert nach: Buchbesprechung.blog.de

3 Antworten zu “Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 14.9. 2015, 14-16 h beim FSK

  1. Mrs. Mop September 14, 2015 um 9:33 pm

    Danke für Zulumafia! Ich liebe dieses Stück, das kommt so unschuldsvoll daher, so trancig, lullt dich ein, du denkst nix Böses, und dann baut es ganz subversiv abenteuerliche musikalische und rhythmische Strukturen auf, wirkt zersetzend im besten Sinne und plötzlich sitzt es dir mitten in den Eingeweiden und rumort und lässt dir keine Ruhe. Ist vielleicht genau das, was Polyrhythmik so unwiderstehlich macht: sie wühlt auf, macht wach, zieht dir den gewohnten Boden weg, du musst dich neu orientieren in fremdem Gelände und entdeckst in dir selbst pulsierende Territorien, von deren Existenz du bislang allenfalls geahnt hast. Ein Vorgang, den ich persönlich höchst stimulierend und vitalisierend empfinde, kenne andererseits aber genug Menschen, auf die solche rhythmischen Strukturen beunruhigend wirken und die das nervös macht, die das nicht ertragen und nix damit anfangen können.

    Man muss es halt mögen. Oder eben nicht. Manchmal liegen zwischen beidem planetare Abstände, habe ich das Gefühl. Völlig unterschiedliche Lebens- oder Erlebensweisen. Schwierig zu kommunizieren. Irgendwie.

    Na ja, gut, dass es Abba gibt. Das verbindet dann wieder. Irgendwie. Weiß auch nicht, wieso 🙂

  2. Mrs. Mop September 14, 2015 um 9:37 pm

    P.S.
    Was ist denn bloß in Deinen Hinterhofsaxofonspieler gefahren? Voll auf dem Bossa-Trip, oder? Sehr geil. Echt. Love it.

  3. momorulez September 14, 2015 um 11:41 pm

    Ich mochte es. Sehr. Also, Zulumafia, Kannte ich vorher auch noch nicht, deshalb 1000 Dank!!!!

    Muss ich mir noch weit häufiger anhören, habe es dann bei iTunes gesucht nach Deinen Kommentaren. Und mich sehr darüber gefreut!

    Und ABBA 😀 – das sind halt auch ganz konkrete Erinnerungen. An das Tuc Tuc, das es schon ewig nicht mehr gibt. Da war einmal im Monat Party, ALLE gingen hin, und um Mitternacht lief Wiener Walzer. Und dann irgendwann „Gimme, Gimme, Gimme“ von ABBA. Was echt ereignishaft war, ganz seltsam. Und lange vor „Mamma Mia“, dem Musical. Und es war schön 😉 …

    Der Hinterhofsaxofonist tauchte ja diesmal erst ganz am Ende auf, mit einer „Eigenkomposition“, basierend auf iRealPro, „Believing in …“ heißt die Nummer, ich verrate nicht in wen 😀 – und dann noch „Black Orpheus“.

    Ein Stück, dass ich persönlich ja mit Alexandra verbinde, die singt dazu „Das Glück kam zu mir wie ein Traum“, und bei ihr heißt es „Manhana de Carneval“ oder so ähnlich.

    Und der Hinterhofsaxofonist hat mir erzählt, dass bei dem Stück das Kuriosum sei, dass es schlechter funzt, wenn mensch wirklich die richtigen Skalen zu den jeweiligen Akkorden improvisiert, sondern die E-Dorisch Tonleiter (auf dem Tenor-Saxophon, aufbauend auf der zweiten Stufe von D-Dur) allenfalls leicht zu variieren ist, damit es nicht zu krude wird und dann einfach nicht mehr stimmt. Die entstehenden Dissonanzen sind notwendig.

    Was bei anderen „Jazz-Standards“ anders ist, da ist es schon wichtiger, auf die Akkordfolgen wirklich zu achten, weil deren Dramaturgie die Form generiert, um darauf dann Sidesteps usw. aufzubauen.

    Und um nicht beim Stan Getz-Gesäusel zu landen, müsse mensch doch etwas expressiver tröten, sagt er. Immer mal auf die Zwölf, und dann zurück nehmen. Um zu peilen, was für eine geile Komposition das ist. Vor der mensch probierend und scheiternd Formen des Respekts kultivieren müsse, anstatt es zu verlieblichen.

    Aber er übt noch. Das dauert ja Jahre, bis so was wie „Black Orpheus“ erkundet ist. Das „Girl from Ipanema“ ist noch viel, viel schwieriger. Sagt er. Weil da so viel Geschichte drin steckt, die nicht mal eben so weg geblasen werden kann. Das muss erfühlt werden im Zuge von Jahrzehnte währenden Erfahrungen mit einem Instrument, gerade WEIL jeder die Astrud Gilberto-Version kennt.

    Und er ist beim nächsten Mal wieder durchgängig zu hören 😉 …

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