Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Idee und die Ordnung: FC St. Pauli – Arminia Bielefeld 0:0

  

Die erste Idee war schon mal nicht so gut. Laufe in die Wallanlagen, höre ohne Ende „Martinshörner“ (ein jeder Martin sei dafür um Verzeihung gebeten), „Scheiss St. Pauli“-Chöre dröhnen durch die Büsche – ja, steht jetzt sogar auf mancher Dauerkarte. Hort sich trotzdem nicht schön an, wenn ein Aggro pur zumindest signalisierender Chor anmarschierender Bielefelder inmitten einer der schönsten Ecken der Stadt lautstark verkündet, was es von dieser Gegend und ihren Bewohnern und Liebhabern hält. 

Und das nun auch noch durch die wohlgewachsenen Bäume meiner heiß geliebten Wallanlagen dringend. Ändere also die Richtung, vielleicht nicht unbedingt den üblichen Parkausgang wählen, wenn die aus der Richtung so lautstark stänkern  – und latsche, die Vermeidung wählend, beinahe mitten in den blauen Mob auf der Glacischaussee hinein, der, von Ordnungshütern flankiert, ideenlos gröhlt. 

Erst noch eine rauchend und sie in ihrer ermüdenden Öde vorbei traben lassend, ein Durchkommen wäre da eh nicht gewesen. Snniere vor mich hin, ob vielleicht Zusammhänge zwischen der Ideenlosigkeit der Gesänge und den sie umgebenden Uniformierten der Ordnungsmacht bestehen. 

Wo erst mal was geschützt werden muss, da entsteht vielleicht ja wirklich nicht so Dolles, wie es möglich wäre, , weil die Vermeidung in den Mittelpunkt rückt … und es ist schon immer wieder erstaunlich, wie flächendeckend Verhinderung, Schutzwälle, Ausschlüsse, Grenzziehungen, Hierachien das Soziale derart zuzememtieren, dass plötzlich im Gegenzug davor nun geschützt werden muss. Um Räume für Empowerment und das Generieren Möglichkeiten für von all den Attacken Betroffene zu schaffen und so Zukunft für alle zu ermöglichen.

Das mag sich jetzt abstrakt lesen, ist es aber gar nicht. 

Um auf das Spiel zu kommen. Ja, ich wäre jetzt verpflichtet, für die schier unglaubliche gigantische Choreo zu schwärmen. Glückwunsch, Danke, toll! Echt jetzt! Wahnsinnsleistung. Auch die neue Nord sieht schick aus, die Akustik bietet ungeahnte Möglichkeiten, war prompt zu hören  – ein wenig Sehnsucht nach trashigen Kifferfiguren, überlebensgroß mit rollenden Augen, eben nach dem Improvisierten, Unvollendeten, Spontanen blieb in mir dennoch rege am Wabern. Klar, dolle Worte für Choreo-Konsumenten auf der Haupttribüne.

Sieht man ergänzend dieses Spiel mit den leckeren Typen auf dem Platz als eine praktizierte Analogie auf die Abstraktionen von Idee und Ordnung, die Jahrtausende die Philosophien aller Kontinente beflügelten, dann war das ja so ähnlich. Also, was auf dem Platz zu sehen war. Nein, es war nicht gigantisch, das Spiel, aber – so ordentlich. 

Aus den Erfahrungen der letzten Saison entstanden war viel Vermeidung zu sehen: Kein Harakiri-Umkippen ins Hurra-Gefhl, auf dass es dann Konter hagelte, und eben der Versuch, die etablierte und durchzuhaltende Ordnung als Basis für Ideenfindung zu nutzen. Macht ja Sinn, und klar geht es beim Fussball auch um’s Tore verhindern, nicht nur darum, welche zu schießen. 

Aber irgendwas blieb bei diesem löblichen Versuch konzentrierten Fussballspiels auf der Strecke. Engagement war es nicht, Energie auch nicht, beides voll da  – bis auf eine verdrömelte Phase von um die 15 Minuten. Nun gleich Funken sprühend im ersten Spiel zaubern ist wohl nach der letzten Saison von Spielerpsychen auch viel zu viel verlangt. Ja!!! 

Aber … irgendwas an übergreifender Inspiration, an Kür statt Pflicht, ach, das hätte ja doch auch gut getan. 

Weil das mit der Idee und der Ordnung ja nur geht, transzendiert mensch sie – also die Ordnung. Wie ja auch am bestgekleideten Mann auf dem Platz, unserem Torhuter, sichtbar war. Ja, ich meine erneut das Trikotdesign … schöner Gelbton. Aus den Ideen geboren verziert.

Irgendwie wirkte die freie Assoziation abgeschnürt. 

Ich habe nun keine Ahnung vom Stream of Consciousness derer, die da über den Platz laufen, so ein „Ulysses“, der von Joyce, aus kombinierten Fussballergedankenstromen während so eines Spiel hätte gute Chancen, zum Kunstwerk zu mutieren und wäre aufschlussreich  – aber mir kam das alles trotz Ratsches Unermüdlichkeit so, hmmm, analytisch vor. Das ist in der (sprach-)analytischen Philosophie auch so: Die verdoppelt einfach, was ist. Da entsteht nichts Neues. 

Na, schreibt sich alles so leicht dahin, war ja alles okay. Aber …

Als Epilog könnte ich jetzt noch über „Tränen lügen nicht“ schreiben, aber das ist mir zu intim. Ich sag aber herzlichst  Danke!!!! jenen, die so was von da dann waren!!! 

Während wir spürten, dass einer nun weg war … R.i.P.. Du fehlst echt.

Eine Antwort zu “Die Idee und die Ordnung: FC St. Pauli – Arminia Bielefeld 0:0

  1. Pingback: Abschied von Quote. Neustart am Millerntor. Vom Nullnummernauftakt des #FCSP gegen Bielefeld. | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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