Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wenn den Anderen die ökonomische Imagination überlassen wird …

Ist mir gerade bei Facebook passiert, der Text, hole ich mal hier rüber:

Was für Griechenland gerade beschlossen wurde, ist sozusagen ein Entdemokratisierungs- und Enteignungs-Fahrplan, der ja ähnlich Schritt für Schritt in Deutschland längst vollzogen wurde – ohne dass die Bevölkerung davon irgendwas gehabt hätte außer Arbeitszwang zu Dumping-Löhnen:

„So soll bis Oktober eine Rentenreform zur schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beschlossen werden. Zu den Vorgaben gehören außerdem die Öffnung von Produktmärkten, Handel und geschlossenen Berufsgruppen, darunter das Fährgeschäft, Privatisierungen im Energiesektor, die Fortführung der »Arbeitsmarktreform«, eine Finanzmarktreform, die der Gefahr durch faule Kredite bei den Banken begegnen soll, die Verabschiedung einer Verwaltungsreform unter EU-Aufsicht sowie eine Beschleunigung der Privatisierungen. Auch diesem Diktat scheint sich Tsipras gebeugt zu haben.

Lange strittig war in den nächtlichen Verhandlungen offenbar eine von Schäuble geforderte Überführung von Staatsvermögen in einen Fonds unter Aufsicht der EU, mit dessen Einnahmen Schulden abgebaut werden sollen. Nun soll dieser Fonds offenbar in Athen und nicht in Luxemburg angesiedelt werden. Die Einnahmen aus dem Verkauf von staatseigenen Betrieben und Vermögen soll zur Hälfte in die Rückzahlung der Schulden fließen, zu einem anderen Teil in die Rekapitalisierung der Banken – die nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) anschließend privatisiert werden sollen – und in Investitionen in Griechenland.“

Amüsant ist die Passage mit den „faulen Krediten“, die einst Lehmann-Brothers zum Einsturz brachten, weil sie handelbar gemacht wurden. Was übrigens auch zeigt, was für ein kreatives und letztlich im Grunde genommen auch zugunsten aller gleichermaßen zu denkendes Potenzial in diesen Zahlenspielen steckt – nicht der Einsturz ist gemeint, sondern eben die dem Naturzwang enthobene Imagination. Die könnte Wege weisen. Die Vorstellungskraft, die leider aktuell gar nicht zugunsten aller gleichermaßen operiert, das aber sollte.

Das ist ja das Gruselige an diesen ganzen „Anti-Kommerz“-Ideologien auf der Linken: Das denken jene, die sich leisten können, alles Wichtige ehrenamtlich zu betreiben und so für eine massive Abschottung und auch Zementierung sozioökonomischer Strukturen sorgen, so das Entstehen alternativer Ökonomien verhindern.

In China stellen sich die Menschen ganz andere Fragen; da kracht es ja vermutlich als nächstes.

Und dann im Widerspruch zur Diagnose des Lehmann-Brothers-Einsturzes die Privatisierung von Banken zu fordern ist die Etablierung eines echten Scheiß-Spiels:. Noch was in Griechenland passiert ist ja u.a. die späte Wirkung einer ideologisch durchgedrückten Privatisierung von allem und jedem in anderen Ländern, in Großbritannien ging das los. Was zu einer Blase nach der anderen bisher führte. Weil sehr viel z.B. in Rentenversicherungen gebundenes Kapital frei gesetzt und Marktprozessen zugänglich wurde. Parallel ist die Immobilienwirtschaft, die auch bei der Annektion Griechenlands eine Rolle spielt (warum kritisiert eigentlich niemand das „Appeasement“ angesichts dessen?), deshalb so ins Zentrum gerückt, weil es so zu einer praktische Kreuzung zwischen so genannter „Realwirtschaft“ und Spekulationsmöglichkeiten bei gleichzeitiger künstlicher Verknappung zumindest in den Metropolen führt – braucht mensch nur nach London gucken.

Diese Banken funktionieren anschließend systemisch so, dass sie regelmäßig von Staaten abgefangen werden müssen,  die in die Bütt gehen, wenn Blasen platzen – wiederum auf Kosten der breiten Bevölkerungen.

So richtigen Hardcore-Neoliberalen ist wenigstens zuzugestehen, dass sie die „Bankenrettung“ falsch fanden. Weil dadurch Haftungsgrundlagen ausgehebelt würden. Nun bauen die Herrschenden einen Mechanismus auf, der eben diesen Rhythmus – Bank (und Institutionen drumherum) baut Blasen, Staat rettet und legitimiert dadurch dann den Abbau von Rechten und Enteignungen der Bevölkerungen – institutionalisiert.  Ein zauberhaftes Perpetuum Mobile.

Es ist schon atemberaubend, wie ganze Staaten dazu gezwungen werden, an dieser Spirale mitzubasteln – und das gegen das Votum weltweit führender Ökonomen. Die ganze Psychologisierung, die eingesetzt hat, rund um „Vertrauen“ und im Gegenzug Erziehungsmaßnahmen, verdecken das ja gerade ebenso wie der aggressive und imperialistische, deutsche Nationalismus, der sich nach 1890 zurückgebeamt hat.

Und dann wird noch suggeriert, das alles würde in Arbeitsprozessen gründen – wie die Anhebung des Rentenalters zeigt. Das ist noch da, wo Rohstoffe geklaut werden und diese verarbeitende Industrien exitstieren, der Fall – global also ganz gewaltig, weil die Weltwirtschaft immer noch zu großen Teilen eine Agrarwirtschaft ist. Aber in weiten Teilen Europa läuft das längst anders, außer vielleicht in der Bauwirtschaft und Restbeständen der Autoindustrie. Und, ja: DER RÜSTUNGSINDUSTRIE eben auch. Meines Wissens steht Deutschland auf Platz 3 der Waffenexporteure. Am Rande kann auch daran erinnert werden, dass das Bretton Woods-System, schrub mir zumindest mal ein neoliberaler Ökonom ins Blog, ein universitär verankerter, eben auch deshalb zusammen brach, weil sich die USA im Vietnamkrieg verhoben hatten. Der Euro ist ja unter anderem auch eine Antwort auf eben diesen Zusammenbruch meines Wissens. Die Flüchtlingsströme aktuell sind zudem u.a. Effekt deutscher Waffenexporte, Wird ja auch nicht gerne drüber geredet und wäre selbstverständlich vertiefend zu behandeln.

Auch dem verdankt nun Deutschland seine hohe Produktivität: High Tech plus Lohndumping mittels Hartz IV führt dazu, ganz kurz gefasst, nicht emsiges Arbeiten. Kann alles mit Marx analysiert werden.

Deshalb ist aber auch diese Methode, Produktmärkte in Griechenland zu öffnen, angesichts der hohen Produktivität Deutschlands, der größten europäischen Volkswirtschaft, mit der Griechenland eh nicht konkurrieren kann, einfach Eroberungsgeschehen, Kriegsführung mit anderen Mitteln meines Erachtens.

Gäbe es ein Interesse an einem demokratischen Europa, so wären Binnenmärkte zu stützen und zu schützen, und Staaten mit zu hoher Produktivität hätten Ausgleichszahlungen an die mit geringerer zu leisten. Systemimmanent gedacht. Und auch global.

Was hingegen gerade gebaut wird, ist wie bei dem berühmten Handel mit „Hähnchenersatzteilen“: Das sind Fleisch-Abfälle aus Zentraleuropa, die auf Märkte in afrikanische Staaten billig geschüttet werden und sich gut verkaufen. Was den dortigen Kleinbauern die Lebensbasis raubt. So erging es Griechenland in Vorstufen dessen bisher schon, das wird jetzt ausgebaut.

Und das ist schon ziemlich dreist von den Herrschenden, das Herbeiführen solcher Zustände als „Sanierung“ oder „Reform“ zu behaupten.

Vor allem sollte auch niemand sich einbilden, das bliebe nun auf Spanien, Portugal Italien und Griechenland beschränkt. Das wird direkt im Anschluss auch hierzulande als Alibi genutzt, neue Runden in der Entrechtung und Enteignung einzuleiten.

Im Gegenzug fällt vor lauter sich selbst im Negativismus bestätigenden Kapitalismuskritik jede Vision, wie man da mal was sinnvoll entgegen setzen könnte. Da vereinen sich ja Diagnosen über das Wirtschaften als eine Art Naturgeschehen lustigerweise gerade auf Seiten der systemisch ansetzenden Kritik am kapitalistischen Wirtschaften – die Systemtheorie nutzt biologische Metaphern – und die ebenfalls in Naturgesetz-Analogien operierende Marktgläubigkeit.

Vielleicht würde es gar nicht schaden, mal wieder Akteure und Institutionen zu denken … im Sinne aller gleichermaßen, Diese Suggestionen der herrschenden Ideologen werden ja nicht zufällig noch nicht mal mehr in den USA geteilt. Weil dort eine ganz andere Kreativität in ökonomischen Fragen herrscht. Die kann, wie bei vor allem PoC betreffenden Knast-Industrie, ins ungemein Negative umkippen. Die kann aber auch Cooles hervor bringen. Das uncool zu finden treibt dann vor allem jene an, die mit 20 auf die Straße gehen, mit 30 als Zyniker in Werbeagenturen landen und darauf scheißen, sich mal Gedanken um Rassismus in der Realwirtschaft zu machen.

Können wir ändern … also, wohlan!

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