Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: Juni 2015

Millerntor-Gallery 2. – 5.7. 2015

Keine andere Veranstaltung im Millerntor-Stadion verfügt über ein derartiges Potenzial – und an keiner anderen gibt es so viele mögliche Kritikpunkte: Die Millerntor Gallery.

Weil eben dann, wenn im Sinne des Werdens geackert wird, auch die Gefahr, etwas falsch zu machen, immens wächst. Manche meinen, mensch solle es dann lieber gleich bleiben lassen. Soll mensch das?

Denn keine andere Institution im Rahmen des FC St. Pauli-Kosmos ist zugleich derart offen für Kritik, ohne fortwährend beleidigt zu sein, bleibt derart in Bewegung. Die alten, fernöstlichen Weisheitslehren rund um das Ego scheinen da wirklich auf fruchtbaren Boden zu fallen. Bei jedem neuen Event ist schon am Programm abzulesen, wie Mehr von diesem Beitrag lesen

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Somewhere over the Rainbow …

„Die schöpferische Fabulation oder Fiktion hat weder mit einer Erinnerung – und sei sie auch erweitert – zu tun noch mit einem Phantasma. Tatsächlich geht der Künstler, darin eingeschlossen, der Romancier, über die perzeptiven Zustände und affektiven Übergänge des Erlebten hinaus. Er ist ein Seher, ein Werdender. (…) Er hat in seinem Leben etwas allzu Großes, auch allzu Untragbares gesehen und die Zwänge des Lebens samt dem, wovon es bedroht ist, so daß der Rest an Natur, den er wahrnimmt, oder die Stadtviertel und deren Personen zu einer Vision gelangen, die, vermittels ihrer die Perzepte dieses Lebens, dieses Augenblicks bildet, dabei die erlebten Perzeptionen in einer Art Kubismus, Simultaneismus, grellen Lichts oder Dämmerung, in Purpur oder Blau explodieren läßt, die kein anderes Objekt oder Subjekt mehr haben als sich selbst.“

Gilles Deleuze/Felix Guatarri, Was ist Philosophie?, Frankfurt/M. 2000, S. 201

Ich habe ja echt geheult, als diese Supreme-Court-Entscheidung zur Ehe gefällt wurde. Dann doch.

Erinnere mich gut daran, wie vor gut 10 Jahren z.B. das berühmt berüchtigte PI startete, zunächst unterstützt von liberalen Bloggern, die sich gemeinschaftlich im Zuge des „Pro Bush“-Bloggens formierten. Bei dieser Keimzelle des aktuellen Hasses auf – fiktiv – „den Islam“ und Muslime, PI, stand nicht zufällig auch der Kampf gegen die „Homo-Ehe“ ganz oben auf der Agenda. Das führte auch zum Bruch zwischen (Neo-)Liberalen und PI; obgleich unter ersteren auch einige sehr heterosexistisch wetterten. Andere nicht.

Das sind die Klüngel, die vorbereiteten, was nicht nur bei Pegida, sondern auch in einst mitstreitenden Blogs sich längst etabliert hat. Eben ein gewaltiger Backlash, der alles, was rund um Stonewall (was keine weiße, Cis-Gender-Veranstaltung war), die Feminismen und an Empowerment und Kritik von White Supremacy orientierte Sichtweisen aus den PoC-Communities um 67-69 kulminierte, weg beißt und auch noch ins Opfersein sich hinein dünkelt – weil trotz Erkenntnissen in die liberale Gleichheit keine materiale Möglichkeitsentfaltung zugelassen wird und der narzißtische Selbstbezug total geworden ist.

Mag sich die Fusion aus dem Hass auf Muslime und dem Kampf gegen LGBTIQ-People das in manchen Bereichen des Diskurses auch gewandelt haben: Eben da, wo nun triumphierend und geschichtsklitternd Mehr von diesem Beitrag lesen