Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: April 2015

Attacken auf das Verfassungsgericht: Die das Grundgesetz begraben wollen im Sinne nackter Macht und eines schnöden Funktionalismus …

Gerade bei Facebook geschrieben, gehört auch hierher, ein wenig erweitert:

Dass im de facto-Politikvollzug parteiübergreifend das Grundgesetz mit seiner die staatliche Gewalt einschränkenden Grundrechtekonstruktion der Exekutive allenfalls noch als hinderliches Ärgernis gilt, allem Anschein nach, oder als etwas, mit dem man Geotherten und Unterworfenen vor der Nase herum wedelt, um sich selbst nicht dran zu halten – schlimm genug.

Nun attackieren nicht zufällig die Leitkultur-Theoretiker rund um Lammert erneut die letzte funktionierende, demokratische Institution – demokratisch eben, weil die Grundlagen von Demokratie nicht Mehrheitsentscheidungen, sondern die Grundrechte konstituieren. Das erstaunt zwar nicht, dieser erneute Angriff ist in seiner Volldreistigkeit jedoch nur ein weiterer Abschied von dem, was einst als Lehre aus dem Nationalsozialismus verstanden wurde. 

Sie wollen den Rahmen nicht mehr, in dem Demokratie einzig zu legitimieren ist, zugunsten von nacktem Herrschaftswillen, ungestörtem Funktionalismus und der puren Dezision der Mächtigen.

Seitdem nicht mehr wie in den 70ern falsch begründet und demagogisch instrumentalisiert die „Freiheitlich-Demokratische Grundordnung“ gegen „die Linke“ in Anschlag gebracht werden kann, da deren fragmentarische Restbestände vor allem damit beschäftigt sind, noch die letzten Flicken dessen, was die Verfassung wollte, irgendwie zu retten, drehen sie jetzt völlig frei.

Solche Aussagen haben meines Erachtens tatsächlich den Charakter eines Putschversuches – nicht, weil das Verfassungsgericht regieren würde, sondern weil der gesetzliche Rahmen für die Rechtfertigung des Handelns von Lammert und Co abgeräumt werden soll. Das riecht nach Ungarn, nach Putin usw..

Und in der Tat ist es an der Zeit für eine Relektüre von Jürgen Habermas. Die Diskussion und Begründung der Legitimation von Macht bildet ja den Kern seines Werkes.

Da wurde zwar viel gewitzelt über den „Staatsphilosophen“ – den „Verfassungspatriotismus“ warf er einst in die Debatte, um den sich nach der so genannten „Wieder“-Vereinigung formierenden, völkischen Mob auf die Spielregeln zu verweisen. Eben jene abstrakten Rechte und Prinzipien, die den Rahmen für Differenz und Vielfalt und gegen Entwürdigung, Entwertung und – siehe das massenhafte Sterben im Mittelmeer, von Herbert Prantl sinngemäß als Mord durch Unterlassung klassifiziert – vernichtungswilliges Handeln und Nicht-Handeln formulieren können und übrigens keineswegs „westlich“ definiert sind.

Gewaltenteilung herrscht in Deutschland eh nur eingeschränkt, weil die Verknüpfungen zwischen Exekutive, Legislative und Judikative viel zu eng sind. De facto ist die Logik des Staatsanwaltes maßgeblich; sie wollen das ausbauen. Verdachtsunabhängig, hierarchisch, fernab formaler Gleichheit. Die Verfassungsrichter leisten seit 15 Jahren vehement Widerstand – er soll gebrochen werden.

Damit würde vollbracht, was im Gegensatz zu ganz viel merkwürdigen und auch falschen Zuschreibungen tatsächlich totalitär genannt werden kann: Eine frei flottierende Macht der „Entscheider“. Es braucht dann gar keinen Diktator mehr.

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„Solche Mäkelfritzen mögen die Heteros nicht“ – Sonntagsspaziergang durch wichtige Texte zu Fragen rund um Antidiskriminierung und indirekt Empowerment

Ich verspüre den Drang, sämtliche Blogeinträge im Blog „Der Zaunfink“ zu empfehlen, sozusagen als Sonntagspredigt – auch und eindringlich den Text „Draußen nur Heten„.

Eine andere satirische Perle des Bloggens habe ich neulich schon mal verlinkt und sie zitierend in meine Radiosendung eingebaut, um zur vollständigen Lektüre zu animieren.

Der folgende Essays passt einfach zu gut zur letzten Kontroverse, die ich mal wieder weitestgehend mit dem Kleinen Tod und mir selbst austrug, andere Heten finden ja die Antilopengang viel spannender – der Zaunfink skizziert den „Heteroflüsterer“ .

„Den Kampf um Gleichstellung und mehr Akzeptanz findet er unnötig. Diskriminierungen leugnet oder verharmlost er, egal, wo sie auftreten. Kritik an Diskriminierung, das ist etwas für die “Krawallschwuchteln”, die sich “in der Opferrolle gefallen und überall Benachteiligungen wittern”. Solche Mäkelfritzen mögen die Heteros nicht, glaubt er, und er will doch so gerne gemocht werden. “Man muss sich auch mal zufrieden geben”, findet er, “Immerhin werden wir nicht mehr eingesperrt, und anderswo werden Schwule an Baukränen aufgehängt.” Da ist eine erhöhte Suizidrate unter Jugendlichen doch verschmerzbar.“

Das Portrait jener also, die devot sich Parameter wie die Behauptung, Mehr von diesem Beitrag lesen

„Brüder, zum Hasen, zur Knarre!“ – Filmkritik zu „Xenia“ von Panos H. Koutras

(wird parallel auch bei QUEERmdb erscheinen, vermutlich gekürzt) 

 

Spielfilm, Dramödie, gay, metro

Produktionsland / Jahr: Griechenland, Frankreich, Belgien 2014

mit Kostas Nikouli, Nikos Gelia, Yannis Stankoglou, Marissa Triandafyllidou, Aggelos Papadimitriou

Drehbuch: Panos H. Koutras, Panagiotis Evangelidis; Kamera: Hélène Louvart, Simos Sarketzis; Schnitt: Yorgos Lamprinos; Musik: Delaney Blue; Produzenten: Eleni Kossyfidou, Panos H. Koutras, Alexandra Boussiou

Label/Studio: PRO-FUN MEDIA

Es beginnt mit einem Blowjob – zauberhafter Jüngling und reifer, hmm, Freier? Bekannter oder Freund, der mit Geld aushilft und Gegenleistungen erhält?

Ob die Anspielung auf „My own private Idaho“ bewusst gewählt ist, in dem eine analoge Szene River Phoenix in seiner Rolle als Stricher Mike Waters etabliert oder nicht, egal: Auch andere Kritiken schreiben von „the quirkiest queer road trip since My Own Private Idaho“.

Der Auftakt jedoch verdeutlicht bereits die Differenz zum Film aus den frühen 90ern: Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, FSK, Mo., 13.4. 2015, 14-16 h

Trotz chronischer, aber hochinspirierender Überarbeitung im Job-Leben (mal ’nen Abend in einer Frankfurter Hotelbar als einziger Gast das Treiben in der Taunusstraße, Bahnhofsviertel im Schatten der Türme, zu beobachten, verabreicht nachhaltige Dosen Existentialismus auch ganz ohne Drogen, na okay, Bier und Zigaretten waren schon im Spiel) soll das Ehrenamtliche ja nicht liegen bleiben.

Hat ja schon Konstantin Wecker gesungen, „Doch bleib nicht liegen, denn sonst gräbt sich etwas fest in Deinem Hirn, das Dir irgendwann die Luft zum Atmen nimmt …“.

Und ja, ich bedaure aufrichtig alle, die die frühen 80er nicht erlebten 😀 … jene vor Kohl, meine ich. Als Thatcher allerdings schon Großbritannien verwüstete, was sogar einen Bezug zur Refugees-Politik des Senates ermöglicht: Neoliberalismus heißt halt auch Vereinzelung und „Individualisierung“ durch administrative und ökonomische Systeme. Soll heißen: „Einzelfallprüfung“ im Falle kollektiver Probleme.

Das, was nun die ja nicht erst seit Kurzem meines Erachtens unwählbaren GRÜNEN mittragen in Unterwerfung unter schillzsche und neumannsche Doktrinen im Zuge der Koalitionsverhandlungen bezogen nicht nur auf die Lampedusa-Gruppe IST unerträglich.

Diese in meinen Augen demokratiefeindlichen Bestrebungen (man beachte die Wahlbeteiligung; und ja, es ist auch ein Skandal aus Perspektive des Artikels 1 des Grundgesetzes, dass z.B. die Mitglieder der Lampedusa-Gruppe über kein Wahlrecht verfügen) Herrschaftssicherung auf Kosten großer Bevölkerungsgruppen (ja, Refugees SIND Teil der Bevölkerung, sobald sie den Geltungsbereich des Grundgesetzes betreten) schützen auch nicht vor den noch Rechteren, wie das manche in der SPD vielleicht glauben mögen – denen sind bessere Alternativen zu völkischem Treiben entgegen zu setzen und kein Entgegenkommen. Das stärkt sie nur auf Kosten Dritter.

Konnte ich alles nicht mehr in die Radiosendung einbauen. Montag beim FSK, einfach Stream oben rechts anklicken.

Diese akustische Spiel- und Plauderwiese atmet jetzt abgekoppelt von „die Fanszene“ neue Frische, hoffe ich.

Das, was ich da so erzähle bei dem stets scheiternden Versuch, anderes zu Gehör zu bringen als Weißdeutschheteroselbstreferenz, interessiert in dieser Szene vermutlich viel mehr Leute, als mir das klar ist.

Es wird aber trotz sehr denk- und kommunikationsoffenem Präsidenten samt Geschäftsstelle, mutmaßlich auch Spielern und vielen Schweigenden, Lauschenden und Bloggenden (mensch beachte auch die Kommentare unter dem Link!) im Stadion und drumherum eben doch von zu viel zentralen Institutionen weg gedrückt, stumm gestellt und ja auch offen bekämpft. Um auch ja die eigene Selbstgefälligkeit und Binnenperspektive als dominante auf allen Ebenen der „Fankultur“ aggressiv abzusichern.

Und so konnte ich nach Preisgeben der Hoffnung, dass sich in „die Fanszene“ noch mal was ändern könnte, auch viel lockerer plaudern. Plätscherte nur so aus mir heraus – ganz anders, als wenn ich noch irgendwelche Jolly Roger-Facebook-Wegmobber und Analoge als Referenz, und sei es auch in kritischer Perspektive, im Kopf kleben hätte.

Die Sendung nimmt ihren Ausgangspunkt bei den Ergebnissen der Befragungen in der Planbude, also den Diskussionen, in denen sich Menschen Gedanken über die mögliche Zukunft des Terrains der ehemaligen ESSO-Häuser machen. St. Pauli wird eher als eine Art utopische Diversity-Metapher denn als tatsächlicher Ort begriffen. Und so beginnt eine eine Reise durch die Kontemplation und marginalisierte Perspektiven und Historien.

Hier wie immer die Tracklist:

Donna Summer – On the Radio
B.Slade – The Beautiful Place
Dalida – Bang Bang
Nitin Sawhney – Timetrap
Nneka – Restless
Imany – Shape Of A Broken Heart
Bettina Wegner – Waffenlos
Joan Baez – Diamonds And Rust
Asaf Avidan – Over My Head
Asaf Avidan – My Tunnels Are Long And Dark These Days
Billie Eve – Real Love
Charles Bradley – The World Is Join‘ Up In Flames
Abbey Lincoln – Left Alone
Johnny McGovern – Soccer Practice
Jonny – The Gay Canon
Hidden Cameras – Skin & Leather
Alone Together – Logan Lynn
Frankie Knuckles – Baby Wants To Ride
49ers & Masters At Work – The Message (Vocal Dub)
Jeremy Gloff – Outsiders
Literatur:
Kureishi, Hanif, Der Buddha aus der Vorstadt, München 1990
Seel, Martin, Adornos kontemplative Ethik, in ders.: Adornos Philosophie der Kontemplation, Frankfurt/M. 2004
Links:

Kunst und Perspektivenübernahme

Oft gehört und selten wirklich vollends richtig gefunden: „Die Moderne“ sei bestimmt durch eine Ausdifferenzierung von Rationalitäten, verschiedenen Modi der Vernunft. Zumeist gründet die Rekonstruktion der verschiedenen Modi in den 3 Kritiken Kants: Reine Vernunft als die theoretische, verallgemeinernde, die Erfahrung systematisiert und so zum Beispiel Naturgesetze konstatiert – bei Kant sind freilich Annahmen von Kausalität Verstand und Vernunft immanent. Praktische Philosophie hingegen tritt bei ihm als Moralphilosophie auf: Verallgemeinerungsfähige Handlungsgründe, welche Regeln zu begründen vermögen, die den Mensch als Zweck an sich selbst, nicht als Mittel zu irgendetwas begreifen.

Dann stellt Kant fest, dass da noch etwas fehlt: Wie hängen verallgemeinerungsfähige Regeln und das Besondere zusammen? Was also ist es, das fest stellt, dass etwas Gegebenes unter einer Regel subsummierbar ist? Er nannte dieses Vermögen Urteilskraft.

Binnendifferenzierungen ignorierend entstand so die dritte Kritik, jene der Urteilskraft. Deren Fehlen bezeichnete Kant schlicht als Dummheit. Da ist deshalb ganz interessant, weil diese weder an das Fehlen von Wissen noch Bildung gekoppelt bestimmt wird – ein Sich-nicht-Einlassen-Können auf das Besondere, unkantisch gesprochen, gilt ihm als dumm.

In der „Kritik der Urteilskraft“ analysiert er das Phänomen anhand des „Geschmacksurteils“ im Sinne des „interesselosen Wohlgefallens“ wie auch der das Erhabenen – Naturgewalten zum Beispiel, die jegliche Vorstellungskraft sprengen und von Verstand und Vernunft nicht mehr in den Begriff geholt werden können. Überwältigung.

Für die Geschichte der Ästhetik und bezogen auf die Entwicklung der tatsächlichen Kunst von Relevanz war ein Abkoppeln insbesondere von christlichen Doktrinen. Helden mussten nicht mehr gut und sittsam sein Mehr von diesem Beitrag lesen

„… wie rührend es schon sein kann, dass man offen homosexuell lebenden Menschen nicht wenigstens die Fresse poliert“

„Nein, ich verstehe nicht, wie jemand mit IQ jenseits der 140 (und entsprechendem EQ) ernsthaft vom Mainstream erwartet, dass er in die von Dir geforderte Tiefe geht. Dort spielt sich das Leben halt nicht ab. (In meinem Job erfahre ich), wie rührend es schon sein kann, dass man offen homosexuell lebenden Menschen nicht wenigstens die Fresse poliert.“

Jetzt muss ich es mir doch noch raus schreiben. Wenn ich Selbstmythisierungen wie diese hier von selbstzufriedenen Vorort-Familienvätern in die Twitter-Timeline gespült bekomme, kocht die Wut halt doch wieder hoch und hindert mich tatsächlich am Arbeiten. Weil es mir fortwährend im Kopf herum schwirrt. Da quatschen dann selbstbeweihräuchernd Leute daher, die auf Konzepte für eine FC St. Pauli-Antidiskriminierungsstiftung nicht mal eine Antwort parat haben. Nicht nicht mal entgegnen, dass angesichts von Abstiegskampf und damit zusammen hängenden ökonomischen und strukturellen Zwängen aktuell der Zeitpunkt so ganz und gar nicht passt. Oder wenigstens „Wir sind doch so vollends aufgeklärt, wir brauchen so was nicht“. AFM-Vetretern ist so was schlicht gar keine Reaktion wert.

Im verlinkten Filmchen quasseln stattdessen wieder jene, die vor jedes Mikrophon hasten, um jedes marginalsierte Feld zu okkupieren. Andere ebenso, die dazu beitrugen, international anerkannte PoC-Antirassismusexpertinnen aus dem Stadion zu ekeln. Dritte, die nicht Besseres zu tun haben, als in die antischwule Klischee-Kiste zu greifen und mit Begriffen wie „Diva“ um sich zu schmeißen, die sie so Heten nicht vorbehalten würden, und anschließend jede Kommunikation zum Thema zu verweigern. Und nein, bei Stefan Schatz oder Oke Göttlich sehe ich diese Probleme nicht.

Die Geschäftsstelle ist da eh erheblich weiter als „die Fanszene“, by the way. Aber auch in letzterer gibt es ja viele, die statt Musealisierung voran kommen wollen. Im Video sieht man auch, wer sie daran hindert. Ich habe dann abgeschaltet. Das sind eher die, die hinter den Kulissen werkeln oder desorganisiert Twitter-Trauben bilden, die keine Lust auf Stagnation haben, nicht die Organisierten. Letztere beißen lieber weg. Vielleicht ändert sich sogar auch was und ich bekomme es nicht mit. Habe jetzt bei Facebook alles weg geklickt, was mit der Fanszene zu tun hat.

Es ist auch nicht das erste „Pass mal auf, dass Du nicht ein paar auf die Schnauze bekommst“, dieses dem Text voran gestellte Zitat, was mir im Umfeld des FC St. Pauli begegnet. Ist auch scheißegal, wer das geschrieben hat. Werde ich auch für mich behalten, war ein Facebook-Kommentar. Natürlich Mehr von diesem Beitrag lesen