Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„“No more Heroes!“ (The Stranglers“) Happy Ends sind doch was für … hmmm … Union Berlin – FC St. Pauli 1:0

„Da stand oft bis kurz vor Drehschluß nicht fest, ob es ein Film mit Happy-End oder ein sogenannter ›künstlerischer‹ Film werden sollte“.“

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Was haben sich Generationen um Generationen von Kinogängern
und Romanlesern darüber ereifert, wie unrealistisch doch ein „Happy End“ sei! Was wetterte die Meute der Rezipienten gegen Kitsch und Pilcher!

Viele Geschichten funktionieren durch eine Unterscheidung zwischen „Want“ und „Need“ und erzeugen, darauf aufbauend, unterschiedliche Situationen und Handlungsstränge. Das, was bewusst angestrebt wird von der Protagonistin, und das, als unbewusstes Bedürfnis interveniert. Kann ja in Widerspruch zueinander treten, beides. Und Geschichten gehen oft auch dann gut aus, wenn der bewusste Wille sich als trügerisch erweist und die Heldin zum Schluß das Angestrebte nicht erreicht, jedoch zum wahren, unbewussten Bedürfnis gefunden hat. Zum Beispiel, indem sie die Anvisierte an eine andere verliert und fest stellt, dass Alleinesein ja viel angenehmer sein kann.

Das ist hinsichtlich des heutigen Spielverlaufs zwar, na, wenig tröstlich. Ich weiß auch nicht, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind. Aber irgendwas wirkt da seltsam auf der „Need“-Ebene.

Und ja, die Bodenbeschaffenheit hat mitgewirkt. Die erste Halbzeit: Cool! Da beinahe es schien, als hätten die Boys in Brown die Angst vor dem Urteil abgelegt und sich ganz auf ihre Sexyness besonnen. In ungeahnter Frische spielten sie und vergaßen in der Freude und dem energetischen Schub zwar wie üblich das Toreschießen, aber hey! Die zweite Hälfte verhaltener, und, ja, die Tragik schlug zu und ließ den zauberhaften Himmelmann in Maiers Fußstapfen treten, sozusagen.

Aber haben wir nicht alle Filme voller Antihelden abgefeiert unser Leben lang?

Ich spüre schon eine gewissen Befriedigung, lieber Maier und Himmelmann nach Patzern zuzujubeln als irgendwelchen kraftstrotzend rummackernden Perfektionisten und frage mich sowieso seit geraumer Zeit, wieso ich mittemang dabei bin, ständig Heldenstorys abzufeiern.

Als wäre ich nicht mit den Stranglers und „No more Heroes“ aufgewachsen. Und „Hangin‘ around“🙂 …

Vielleicht rächen sich auch solche Widersprüche in sich in der FC St. Pauli-Fanwirklichkeit: Dass sich die „Needs“ irgendwo hin geschoben haben, wo sie zu so vielen politischen Doktrinen im Widerspruch stehen. Wenn ich an Dialoge, überliefert von René Martens, denke, da St. Pauli-Fans in Kneipen sich zuraunten „Mein Gott, sind die schlecht“. Grinsen. „Geil!“

Das waren die unseren heute nur dummerweise ganz und gar nicht.

Ganz im Gegenteil. Aber Antiheldentum, Versagen und Scheitern nun zu zelebrieren, zu mögen und zu feiern: Schaden kann das auch ganz und gar nicht!

Zumindest zeugt es von gesellschaftlicher Solidarität.

Und mag Himmelmann echt auch ein großartig Fussball spielender Keeper sein, wie er auch heute wieder zeigte: In mein Pantheon ist er nun erst recht aufgestiegen!

2 Antworten zu “„“No more Heroes!“ (The Stranglers“) Happy Ends sind doch was für … hmmm … Union Berlin – FC St. Pauli 1:0

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