Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 9.3., 14-16 h, FSK Hamburg

Am Montag nun ist es wieder so weit – eine neue Sendung der Tales of St. Pauli geht über den Äther. Genauer: Wird beim FSK Hamburg ausgestrahlt (einfach Stream oben rechts auf der Seite anklicken). Das war diesmal eine insofern ganz lustige Vorproduktion, weil die Stimmung bei der zu Beginn der Bastelei doch eine deutlich andere war als die nach dem Sieg in Braunschweig heute😉 …

Diesmal geht es wie immer um das Einklagen der Sicht- und Hörbarkeit marginalisierter Perspektiven in der Fanszene und darüber hinaus. Zu diesem Zweck scheitere ich an den Cut Up Techniken von William S. Burroughs (lustvoll scheitern ist ja auch eines der Motti der Sendung), grübele über Improvisation und philosophische Essays und beschäftige mich viel zu wenig, aber doch mit dem Berliner DJ Lotic – immer auf der Suche nach einer Sprache der Liebenden …

Außerdem erdreiste ich mich, kurz, bündig und aus dem heutigen Spiel heraus auch Tweets von @Curious, @Kleiner Tod, @Moelliw. und @Kratzifa zu zitieren.

Ich hoffe, mein Logic hat alles richtig gerechnet, eben vor dem „Bouncen“ war noch mal alles Mögliche verschoben😀 – das Programm mag meine Festplatte nicht so. Was ich hier parallel testhöre, funzt aber gerade.

Hier nun wie immer die Tracklist:

 

Donna Summer – On The Radio

Jimmy Somerville – Freak

Caroly Winters – Crazy

Krono – Redlight (feat. Vanjess – Pretty Pink Remix)

Hanne Wieder – Circe

Yazz – The Only Way Is Up

Joshua Redman – Soul Dance

Dizzy Gillespie – Swing Low, Sweet Chariot

Beady Beele – Faith

Joan Armatrading – Love and Affection

Lotic – Heterocetera

Lotic – Phlegm

Barbara Manson – Another Man

C & C Music Factory – Gonna Make You Sweat (Everbody Dance Now)

Vicky Leandros – Ich liebe das Leben (selbstverständlich auch Sören Gonther, Danke für das Tor heute!!!, und all jenen Spielern gewidmet, die dieses Lied lieben!!!)

Bonnie Tyler – Holding Out For A Hero

Nneka – Local Champion

 

Literaturliste:

Daniel-Martin Feige, Philosophie des Jazz, Berlin 2014

Kathrin Busch, Philosophischer Essayismus im Zeitalter künstlerischen Experimentierens, in: Lenger/Ott/Speck/Strauss: Virtualität und Kontrolle, Hamburg ???? (ich finde da keine Jahreszahl)

Und: „Du weißt, ich liebe das Leben!“ hier im Blog.

 

 

 

5 Antworten zu “Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 9.3., 14-16 h, FSK Hamburg

  1. Mrs. Mop März 8, 2015 um 5:10 am

    Schon wiederTa-Ta!
    Ta-Ta wie: Tolle Tracklist!
    Mit Jimmy Somerville, wunderbar. Sein neues Album ‚Homage‘ („There’s a massive glitter ball in my head and it has never stopped turning” – Jimmy Somerville) kommt auch morgen raus, am selben Tag wie Deine neuen Tales – wenn das kein Omen ist. Ein großartiges Album, ach, diese Stimme. Hast Du ‚Some Wonder‘ schon gehört und gesehen? Tolles Stück, tolles Video. Und dann gibt‘s noch ein Video von ‚Travesty‘, gedreht von einem Hardcore-Somerville-Fan mit lauter Reminiszenzen an längst verflossene, unvergängliche Zeiten, musst Du unbedingt gucken.

    Bis morgen, stayin‘ alive🙂

  2. momorulez März 8, 2015 um 9:20 am

    Danke für die Links und den Kommentar! Schaue mir Video gleich an nach der Parkrunde mit dem Wauwi😉 – sie, also die Hündin, ist auch zu hören in der Sendung. Na, irgendwie zumindest😀 …

    Bei iTunes konnte man zwei Tracks aus dem Somerville-Album vorhören, und „Freak“ finde ich total großartig!!!! Da muss ich mir auch unbedingt noch das ganze Album zulegen. Passte auch zu der Stimmung, in der ich anmoderierte. Und der Text ja eh.

    Mir hat ja am meisten Spaß wie immer Bonnie Tyler gemacht😀 – irgendwie habe ich eine Vorliebe für diese Frau. Und der „Hero“-Song, da könnte ich mich jedes Mal weg schmeißen, weil der so lustig ist mit den Chören und dem Beat. Und es reißt halt auch wirklich mit. Einer meiner liebsten Gute-Laune-Songs. Das Video ist auch so völlig beknackt, der Text eigentlich eine Zumutung, aber so, wie sie das in ihrer – wirklich positiv gemeinT! – heiseren Reibeisen-Jogginganzug-Prollhaftigkeit bringt, ich finde das einfach toll!!!

  3. Mrs. Mop März 9, 2015 um 5:28 pm

    Hab ich das richtig mitgekriegt – Mann, es ist ja schon ein extrem flüchtiges Medium, dieses Radio (aber grade drum auch so reizvoll) – dass Du, um das Hundehappi zu finanzieren, englische Groschenromane für weibliches Zielpublikum übersetzt und, ehm, wie war das, sprachlich zu „entdinglichen“ versuchst? Wie abgefahren😉. Oder war das ein Witz? Wie auch immer, ich kann Dir da folgen – sofern ich Dir richtig folgen konnte🙂, insofern als deutsche Texte bzw. deutsche Sprache über weibliche Sexualität entweder fürchterlich verrumpelt und unbeholfen oder aber unweigerlich pornografisierend rüberkommen. Der blanke Abtörn. Vielleicht lese ich die falschen Sachen. Jedenfalls funktioniert das im Englischen oft viel leichtfüßiger, spielerischer und weniger hauruck-artig gewollt.

    Begnadet, das Stück von Dizzy Gillespie. Der kann ja überhaupt nicht singen und ist so unwiderstehlich, wenn er singt. Phänomenal ist das. Und ist sich immer wieder für keinen ‚goofy‘ Einschuss zu schade, diese afrokubanischen Albernheiten, „ayeee la rrrrumba!“ und dieses unbekümmerte Ghettogequatsche, auch bei ihm ein hoher campy-Faktor, wie ich finde, speziell bei Swing Low, dafür liebe ich ihn, liebe aber seine ‚großen‘ Werke nicht minder. Darf ich mir für die nächsten Tales of St. Pauli das epochale ‚Manteca‘ wünschen?

    Hanne Wieder, ich fass es nicht, herrlich, auch sie offenbar eine große Diebin vor dem Herrn, der tangöse Klavierloop ist doch geklaut von Luois Prima ‚Buona sera signorina‘, oder? Irrer Text, und tolles Weib, die.

    Übrigens, gute Idee, diese Fetzen von Fanchorgesängen mal akustisch dem Fußballdummie im Binnenland unter die Haut zu jagen, so bisschen gänsehautmäßig fühlt sich das an, ohne je dabeigewesen zu sein. Kommt gut. Manchmal denke ich, Radiomachen hat tausendmal mehr Resonanzkraft als Bloggen. Wenn‘s nur nicht so flüchtig wär. OK, jetzt dreh ich mich im Kreis🙂.

    Danke, hat Spass gemacht und war anregend!

  4. momorulez März 9, 2015 um 6:51 pm

    Das war kein Witz, Du hast das richtig mitgekriegt – einer meiner Jobs derzeit besteht tatsächlich darin, dass ich Übersetzungen von Soft-Erotik-Groschenromanen für Frauen bearbeite. Da sitzen halt keine literarischen Übersetzer dran, und es muss einiges einfach sprachlich gerade gezogen, aber vor allem in den erotischen Passagen auch, ja, da wird es dann schwierig – eine Sprache gefunden werden, die konkret genug bleibt und doch nicht abstößt, sondern anregt. Und in der Tat: Im englischen Original liest sich das für mich auch oft ganz keck, charmant, flüssig – und im Deutschen ist das echt grausam, dass es da keine Sprache GIBT. Entweder wird es verdinglichend-pornographisch oder altbacken verschämt oder albern blumig. Ich gebe mir da schon ordentlich Mühe; die Teile sind zwar, wie es bei Groschenromanen sein muss, triefend vor Klischees. Aber immerhin: Sie stellen selbstbewusste Frauen mit eigenen Bedürfnissen in den Mittelpunkt, die es gar nicht einsehen, sich an dem zu orientieren, was die Typen nun gerade wollen. Allerdings nur Heteras. Und auch sonst kann man das kritisch zerfetzen; finde das aber vom Grundanliegen her gar nicht so schlecht.

    Und es ist tatsächlich krass, wie verdammt schwierig es ist, da angemessene Formulierungen zu finden – mal ab davon, dass ich da auch heterosexuelle „Techniken“ zumindest im Detail manchmal erst mal googeln muss😀 … wurde schon für meine Weiterbildungsbereitschaft gelobt.

    Ich habe das nur eingebaut, weil das wahnsinnig viel über diese Kultur aussagt, diese völlige Sprachlosigkeit, die sich im Notfall dann auf eine Sprache wie in Gebrauchsanleitungen verlegt. Was ich politisch krass finde.

    Wo der Klavierloop her kommt bei Hanne Wieder weiß ich gar nicht – die Frau ist zumindest zu Unrecht fast vergessen. Großartig!!!! Gibt übrigens einen köstlichen Film, wo sie die böse Diven-Gegenspielerin von Catarina Valente, die ich schon auch sehr bewundere, locker an die Wand spielt.

    Und selbstverständlich darfst Du Dir „Menteca“ wünschen😉 … ich bewundere Dizzy ja auch total.

    Die Gesänge bei uns im Stadion sind auch echt Gänsehaut, ganz oft und immer wieder. Manche gehen ja glatt ins Stadion, weil sie da mal laut singen dürfen😉 …

    Und Dank zurück für das Feedback!

  5. Mrs. Mop März 9, 2015 um 7:47 pm

    „Manche gehen ja glatt ins Stadion, weil sie da mal laut singen dürfen…“
    Ich liebe das. Das ist so wunderbar, auch wenn es Ausdruck eines spezifisch deutschen kulturellen Notstandes ist, à la ‚Zum Lachen gehn wir in den Keller, klar?‘ Großartig. Die gehen ins Stadion, um endlich mal ordentlich abschmettern zu können, zu dürfen. Der Herr segne euer lustbetontes Stadion, weil, wer hat schon heutzutage noch einen Keller? :))

    Ach und übrigens, jetzt fällt es mir wieder ein (ein Hoch auf das Flüchtige, es kehrt irgendwann zurück, nur sucht es sich selbst den richtigen Moment dafür raus, haha!), nachdem Du über die Cut Up Techniken von Borroughs gesprochen und ihn zitiert hattest und Dein „lustvolles Scheitern“ im Selbstversuch seinen Lauf nahm – das war eine der lustigsten, unterhaltsamsten, inspirierendsten, menschlichsten Strecken in der Sendung -, schraubte sich mir sofort diese verhackstückte musikalisch-politische Parodie ins akustische Zwischenhirn: ein durchgeknallter Dance Remix von Netanyahus legendärem Auftritt im amerikanischen Kongress letzte Woche. Hab‘s vergessen, nun ist es zurück. Have fun.

    P.S.:
    Ist schon irre, das mit dem akustisch Flüchtigen und seiner eigensinnigen Wiederkehr. Weißt Du, was mir just in diesem Moment einfällt? Die wunderbare Ella. Hattest Du vor kurzem auch in Deiner Sendung, mit ‚Slap That Bass‘. Dort singt sie „Dictators would be better off if they zoom zoom now and then…“. Menschenskind, sag das mal einer dem Bibi🙂

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