Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wessen Sorgen ernst nehmen? Deutschvölkische Selbstbezüglichkeit und Möglichkeiten ihrer Auflösung

Zunächst hatte ich ja den Eindruck, dass zu Pegida & Co letztlich alles gesagt wurde und ich nun nicht auch noch meinen Senf dazu geben müsse.

Je weiter sich die Sabbel-Spirale dreht, desto mehr schwindet dieser Eindruck. Es ist schon erstaunlich, wie alle möglichen eh schon allseits Präsenten ihre Süppchen im multimedialen Kochduell anrühren. So z.B. die FAZ:

„Auch der Ruf der Pegida-Protestierer „Wir sind das Volk“ ist eine Umdeutung. Er stand für die friedliche Revolution und den Kampf um Freiheit, jetzt steht er für Abgrenzung. Die Diffamierung einzelner Journalisten ist auch Teil der Strategie; so wurde ein Redakteur der „Sächsischen Zeitung“, die Pegida von Anfang an kritisch begleitet, vor der Semperoper namentlich angeprangert, um ihn in Dresden zu diskreditieren.“

Der Ruf ist KEINE Umdeutung, setzt man jenen Zeitraum an, da aus dem „Wir sind das Volk“ als Claim der Bürgerrechtler „Wir sind ein Volk“ wurde, als maßgeblich für die Aktualität an. Als Helmut Kohl seine – waren es 10 Punkte in seinem Plan? – „Wieder“vereinigungsbestrebungen verkündete und so die völkische Wende der DDR-„Revolution“ für sich zu nutzen wusste.

Nein, das Ziel sind trotz „Lügenpresse“-Rufen NICHT vor allem Redakteure der Süddeutschen und auch nicht der FAZ, es sind PoC, Muslimifizierte und tatsächlich sich als Muslime Verstehende. Es sind laut Pediga-Flugblättern auch dem „Genderwahn“ Verfallene, die längst gehäuft mit Morddrohungen überzogen werden, und da, wo sich der völkische Mob mit den Bildungsplangegnern mischt, wie immer schon auch LGTBIQ-People. Die man allenfalls dann mal gebrauchen kann, wenn es darum geht, Heterosexismus zu externalisieren.

Das mag ja für solche wie jene von der FAZ eine neue Erfahrung sein, auch mal bedroht zu werden – für People of Colour, Frauen, Lesben, Schwule und Transmenschen ist es schlicht Alltagserfahrung, und eben auch für Juden, die sich als solche zu erkennen geben.

Das ist ein Sozialisationstool, auf das alle Betroffenen zu reagieren lernten – fortwährend Delegitimierung, Problematisierung und Abwertung zu erfahren im Sinne flächendeckender, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Auf dass die „Mitte“ von sich ablenken kann.

Liest man nun all die narzisstisch gekränkten Drecktstweets von Leuten, die sich unverschämterweise auch noch „James Dean“ nennen, „In Deutschland ist es nur erlaubt, negatives über Deutsche oder hellhäutige Menschen zu reden. Sonst ist man ein Verbrecher“, drängt sich zudem noch dieses gemeingefährliche Kuriosum dem Leser auf, dass neben einer völlig und gänzlich unver- und aufgearbeiteten „Wieder“-Vereinigung auch die Geschichte des Nationalsozialismus schon lange nicht mehr dazu dient, daraus gut begründete Lehren zu ziehen. Sie fungiert als gefühltes Hemmnis, als Unmöglichkeit, ein Selbstbild aufrecht erhalten zu können, das mit Prädikaten wie „deutsch“ völkisch aufzuladen wäre. 

Dass letzteres, jenes Selbstbild, eben auch weiterhin als „weiß“ verstanden wird – ja, es gibt ergänzend Fortschreibungen des traditionellen „Antislawismus“, wie sich z.B bei dem Hass auf Sorben in ostdeutschen Regionen zeigt, die nationalialsozialistische „Rasse“-Lehre tradiert sich sehr hartnäckig -, dazu dienen diese ganzen Debatten untereinander eben auch: Dieses fortwährend zu restabilisieren, und das auch bei manchen Wohlmeinendem.

Ein symbolisches Reinhalten eines weiß-arischen Völkskörpers, der narzißtische Zufuhr daraus zieht, unaufhörlich ausschließlich untereinander zu diskutieren, wer Nazi  sei und wer nicht und seit geraumer Zeit den Volkssport pflegt, am allerliebsten die tatsächlichen Opfer der Nazis zu eben solchen zu erklären.

 

Wer wie schon ’89/’90 dabei den Platz auf wahlweise den Zuschauertribünen oder aber den Löwen, von mir aus auch Wölfen in der Arena zum Fraße vorzuwerfen zugewiesen bekommt, das ist auch in dieser Diskussion wieder offenkundig.

Während Muslimifizierte und tatsächliche, gläubige Muslime sich vermutlich schon kaum noch auf die Straße trauen, bundesweit Übergriffen ausgesetzt sind im Zuge einer meines Erachtens Breivikisierung der öffentlichen Meinung bis in Teile der FAZ und das Handelsblatts hinein, dass sie nicht wissen, ob nicht morgen schon ihre Moschee abgefackelt wird oder ihre Wohnung gleich mit, die erleben müssen, wie auf sie in einer ungeahnt frappierenden Weise der eigene Faschismushintergrund projiziert wird – mit diesen tatsächlichen Ängsten beschäftigen sich wenige. 

Und alle lamentieren stattdessen über das Für und Wider der Sorgen derer, die sich auf die Menschenjagd machen und Andere z.B mittels Abschiebung malträtieren wollen, die rund um Pegida und Hogesa schon mal eigenhändig loslegten, wie diverse Berichte dokumentieren.

Mich würde mal viel mehr Schagzeilentum zu den Sorgen derer in den Knästen interessieren, die irgendwo hin verschoben werden, wo ihnen Gefahr für Leib und Leben droht. Mich würde eine Seite 1 der BILD freuen, die sich den Ängsten der Frauen widmet, die mit Kopftuch durch die Städten laufen, der Schwarzen, die in Leipzig und Dresden auf Bahnhöfen und in Hamburg in der U-Bahn angepöbelt werden. Ja, ich habe dafür diverse Belege.

Interessiert aber auch die FAZ und die Süddeutsche nicht, ist mir zumindest nicht aufgefallen, wenn doch und ich habe es überlesen, um so besser; es geht ja zumeist darum, wer unter Weißen der Nazi ist und wer nicht, und die Lösung „Keiner von denen, wir sind historisch bereinigt, die Islamfaschisten sind’s!“ ist für viele ein psychologisch außerordentlich praktisches Manöver. 

Es hat auch bei den Bildungsplandebatten niemanden interessiert, was für Sorgen LGBTIQ-People, und die sind nun auch keineswegs allesamt weiß, auf den Schulhöfen haben.

Es hat bei #aufschrei mal kurz interessiert, was für Erfahrungen Frauen in diesem Lande auszuhalten haben, und prompt setzte die übliche Häme wieder ein, um männliche Instrumentalisierung und Zugriffsberechtigung auf Frauenkörper einmal mehr abzusichern, ganz dem Motto folgend: Jene, die sich zur männlichen Bedürfnisbefriedigung nicht ohne Gegenwehr zur Verfügung stellen, gehören diffamiert um ergänzend funktional im männlichen Interesse erneut zugerichtet zu werden. Oft erscheint es mir, als würde exakt das hinter dem Gewetter gegen das Kopftuch stecken.

Dahinter steckt eine Mehrfachhypothek. Selbst die durchaus andere Rolle von Frauen in der DDR wird kaum noch diskutiert. Das war mal anders.

Dass es nun gerade in Dresden so abgeht, ist eben kein Zufall: Die Politik der BRD war ja von von ’89/90 an darauf ausgerichtet, alle Nicht-Weißen als Ballast überfüllter Boote oder sonstwas für Probleme zu behaupten und so „deutsch“ weiter als weißarisch zu definieren. Die Identifikation damit sitzt offenkundig tiefer bei denen, deren Berufung auf die Vorgeschichte schwerer fällt.

Stimmen wie jene von May Ayim, jüngst Deniz Utlu fanden und finden kaum Gehör:

„das wieder vereinigte deutschland feiert sich wieder 1990 ohne immigrantInnen flüchtlinge jüdische und schwarze menschen … es feiert in intimem kreis

es feiert in weiß doch es ist ein blues in Schwarzweiß es ist ein blues

das vereinigte deutschland das vereinigte europa die vereinigten staaten feiern 1992 500 jahre columbustag

500 jahre vertreibung versklavung und völkermord in den amerikas und in asien und in afrika

1/3 der welt vereinigt sich gegen die anderen 2/3 im rhythmus von rassismus sexismus und antisemitismus wollen sie uns isolieren unsere geschichte ausradieren oder bis zur unkenntlichkeit mystifizieren

es ist ein blues in Schwarzweiß es ist ein blues“

(May Ayim)

Und sobald doch einmal Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird, und sei es auch nur ganz am Rande,  jammern sofort irgendwelche Kartoffeln los und bilden sich ein, zu kurz zu kommen. Dieses ganze Geschrei und Geweine wie bei irgendwelchen Kleinkindern ist schwer nur erträglich.

Deniz Utlu beschreibt eindrucksvoll in „Die Ungehaltenen“, wie eine Community von Kreuzberger Deutschtürken den Mauerfall erlebte: Mit hämischen Gesichtern zogen Ostdeutsche an ihnen vorbei, das „Begrüßungsgeld“ abzuholen und den Pass problemlos zu bekommen, während die halbe Nation begann, jene, die ganz und gar erheblich und nachhaltig dazu beigetragen hatten, all die Yoghurtsorten im Supermarktregal her- und aufzustellen, erneut zu exkludieren und bald schon ungebremstem Rassismus auszusetzen.

Doch es ist mehr als „nur“ der Geist von Solingen, der da weht bei Pegida und Co.

Gerade auch in von der Antifa geprägten Zusammenhängen gefallen sich die Protagonisten ja darin, nun ihre eigene, auf Lichtenhagen bezogene und da sich tatsächlich vollziehende Heroik zu restaurieren, indem von einem Comeback der 90er die Rede ist.

Das greift zu kurz: Im Zuge der Implosion des real-existierenden Sozialismus etablierte sich eine nunmehr mit Europa aufgeladene, neue nationalistische Erzählung „des Westens“ – dass nunmehr vermeintlich „patriotische Europäer“ hassend durch die Straße ziehen, ist Späteffekt dieser Komponente Kohlscher Politik. Was bei ihm wohl wirklich noch als Hebel gegen  allzu ungezügelten Nationalismus intendiert war, hat sich im Zuge eines historischen Novums, einer damals trotz der iranischen Revolution noch nicht in dem Ausmaß etabliert habenden „großen Erzählung“ (Lyotard) neu formiert.

Es gab auch 1990 schon Debatten rund um „islamischen Fundamentalismus“, freilich eher konfrontiert mit Pluralitätsforderungen. Das hat sich gewandelt, seitdem eine Art supranationaler Kulturnationalismus sich formierte, der in Deutschland recht bruchlos an jene Muster andocken kann, die sich bereits zur Reichsgründung 1871 instrumentell verfestigten im Rahmen zweier Notwendigkeiten aus Sicht der Akteure: Eine „kleindeutsche“ Lösung, also ohne Österreich, unter preußischer Führung zu installieren, aufbauend auf der Kleinstaaterei und diese ersetzend, obgleich Landes- und Sprachgrenzen nicht miteinander identisch waren. Die Antwort wurde aufgeladen mit der Erfindung der „deutschen Kultur“, hier auf Herder, die Gebrüder Grimm und andere aufbauend, um so eine genuin partizipatorische und emanzipatorische Bewegung, eben jene des liberalen „Nations-Buidlings“, durch das Gerede von der „Kulturnation“ zu ersetzen. Und das Ganze zum Zweiten selbstverständlich, um den aufkommenden Sozialisten das Wasser abzugraben, und zudem eine liberale Demokratie zu verhindern. Die Eliten wollten ihre Vorherrschaft absichern. Treitschkes berühmtes „Die Juden sind unser Unglück“ ist vor diesem Hintergrund zu lesen. Und das als Hintergrund aktueller Vorgänge nicht nur in Sachsen.

Das Muster ist immer wieder aufs Neue aktiviert worden, die Rhetorik von den „vaterlandslosen Gesellen“ schallt auch durch Dresden. Neu ist freilich folgendes:

 

„“Der Islam“ ist nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erfolgreich als Ersatzfeind aufgebaut worden (übrigens lange vor dem 11. September 2001).“

Thomas Bauer, Die Kultur der Ambiguität – Eine andere Geschichte des Islam, Berlin 2011, S. 11

Ein kurzer Brocken nur aus einem phänomenalen, bahnbrechenden Buch, das weit bessere Antworten auf die Pegida folgenden Fragen enthält, als nun die Begleiterscheinungen einer erweiterten, demokratischen Öffentlichkeit durch das Internet einseitig zugunsten eines Medienbetriebes zu geißeln, einem, in dem auch immer nur die gleichen zu Worte kommen. Und auch jene zuhauf, die wie die Teilnehmer bei Pediga denken. Auf dieses Werks Bauers wird hier im Blog noch zurück zu kommen sein.

Natürlich dienen diese „den Islam“ lügend und verzerrend im wesentlichen in wahabitischen, salafistischen und ähnlichen Deutungen gründend, wenn nicht gleich irgendeine Zitatesammlung Welt- und Kulturwissen vorgaukelt und dieses zugleich sabotiert,  thematisierenden Narrative auch  dazu, von ökonomischen Fragen abzulenken. Ganz simpel, wie schon im 19. Jahrhundert.

Das schimmert durch bei den ganzen schauerlichen O-Tönen der Pegida-Teilnehmer – die ökonomische Schattenseite der deutschen wie auch der europäischen Einigung wird zu großen Teilen von den immer Falschen thematisiert, jene, die in üble Verschwörungstheorien und sonstige, seltsame Legenden und Personifizierungen abdriften. Und u.a. so entstehen die für Deutschland  so typischen, menschenverachtenden völkischen Antworten, und es ist auch kein Zufall, dass nun ausgerechent Hans Werner Sinn wieder aufspringt.

Das ganze Paradigma, in dem aktuell diskutiert wird, hat sich Anfang bis Mitte der Nuller-Jahre formiert, als im Zuge des Pro Bush-Bloggens zusammen mit Autoren DIE WELT, Achse des Guten und anderen Mainstream-Media-Vetretern im Hayek- und Friedman-Sinne Neoliberale mit PI kungelten, andockfähig für manche der so genannten „Antideutschen“. Ein Denken, das sich mit Neocon-Motiven koppelte nach US-Think-Thank-Vorbild.

Nun kann freilich weder die Schwundstufe so genannten „Antiimp“-Denken mit allen übel antisemitischen und pauschal antiamerikanischen Ausschlägen noch irgendein andere Meta-Erzählung eine Antwort liefern. Einfach mal eine Ebene darunter diskutieren täte not.

Zu allererst und auf die BRD-Diskussion bezogen zeigt sich die Notwendigkeit, soziokönomische Fragen vom völkischen Kulturgequassel zu lösen. Und ansonsten von einem „Melting Pot“, einer klassischen Einwanderungsgesellschaft wie den USA zu lernen, was es da zu lernen gibt. Dass, wie Ferguson und Co zeigen wie eine fortwährende Produktion von Kriminalität z.B. im Gefängnissystem, wieder eher Tendenzen bestehen, dem dort Negativen nachzueifern, ist schlimm genug – umgekehrt braucht man nur „The Wire“ zu gucken, um zu sehen, was möglich wäre an Situationsdeutungen. Und vielleicht auch mal die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Dazu gehört freilich der Mut, nicht jede im Verfassungsrahmen sich bewegende Kritik an demokratischen Institutionen gleich als antidemokratisch zu behaupten, Herr Innensenator Neumann, sondern sie als Überlebensnotwendigkeit der Demokratie selbst zu begreifen . Und ebenso, nicht alle sozioökonomischen Fragen wahlweise zu entpolitisieren, zu kriminalisieren oder zu ethnisieren. Um stattdessen die vom Thomas Bauer geforderte Kultur der Ambiguität, der Vielfalt und Mehrdeutigkeit, auszuhalten und Ökonomie als ihre Ermöglichung zu begreifen. Auch, weil sie viel cooler ist als Pegida-Provinzialismus …

Ein erster Schritt dazu wäre, nun nicht etwa Rassismus und Hirngespinste über „den Islam“ auch noch zu adeln, indem man beides als diskussionsfähig ansieht,  sondern eine Diversifizierung der Erzählungen.

Z.B. auch innermuslimischen, auch eine Konstruktion, dieses Wort, ich nehme Vorschläge für bessere Formulierungen gerne entgegen und ändere dann den Text,  Diskussionen rund um die Sogwirkung auf manche, gar nicht allzu viele, des Salafismus ernst zu nehmen – da gibt es ja nun auch jede Menge Sorge gläubiger Muslime angesichts derer Agitation.

Ich lese und höre die allerorten, aber nie in der FAZ. Wie also eine derart traditionsfeindliche Homogenisierung, Simplizifizierung und Dogmatisierung einer viel reichhaltigeren Geschichte als jener des päpstlich redigierten Christentums auf manche wenige, übrigens auch weiße Konvertierte, eine solche Faszination ausüben kann und wieso das sogar mit jener evangelikaler Agitation, wie sie sich in der Bildungsplandebatte zeigte, problemslos anschlußfähig ist – was dem aus der Tradition von Muslimifizierten wie auch tatsächlich gläubigen Muslimen entgegen steht an diskursiver und geschichtsträchtiger Vielfalt, das ist viel spannender als dieses Geraune der Pegida-Teilnehmer und Leitartikler. Man lese nur in das Buch von Thomas Bauer hinein.

Und all das eben nicht, um wie all die ach so profunden „Islamkritiker“ nun Pierre Vogel und Co auf den Leim zu gehen und deren Lesart einfach nachzubeten, sondern eben Sorgen und Nöte derer anzuhören, die AUCH welche haben, nur andere und weit besser begründete. Und die Agitation der „Altvorderen“-Erfinder geht international am aggressivsten gegen andere Muslime vor, wie nun auch Henryk M. Broder bemerkte.

Ziel sollte sein, statt nun die ewig Jammernden ernster zu nehmen, zum einen Hartz IV, Altersarmut, die Folgen einer flächendeckenden Verblödung und Verarmung mal wieder von tatsächlich links anzugehen.

Und zum anderen die damit korrespondierende völkische Erzählung und ihr „Kultur“-Gequassel aufzulösen zugunsten der Realgeschichte, ganz, wie es Deniz Utlu einfordert:

 

„Dabei ist die Geschichte, die in diesem Archiv (der Migration, MR) steckt, nicht allein die Geschichte der Migranten, sondern auch die der Mehrheitsgesellschaft. Das Archiv der Migration ist Teil des Archivs ein und derselben Gesellschaft. Wird die Perspektive der Migranten ausgeblendet, hinterlässt das Lücken im eigenen Geschichtsverständnis.

Rein ins Archiv

Ein solches Archiv der Migration, das in die nationale Narration integriert und mithilfe dessen, wie Göktürk immer wieder betont, die Nationalgeschichte transnationalisiert wird, hebt womöglich auch ein Stück weit die konstruierte Dichotomie eines kollektiven „Wir“ und eines kollektiven „Sie“ auf, weil deutlich wird, dass alle Beteiligten, Protagonisten derselben Geschichte sind. So gesehen ist die „Angst vor dem Fremden“ in Wirklichkeit die Angst vor der eigenen Geschichte. Deshalb ist die Forderung nach einer Einbeziehung der Migrationsgeschichte und der Perspektive von Migranten in den Schulunterricht und in Arbeiten über das kollektive Erinnern keine Forderung nach mehr Paternalismus, wo die Mehrheitsgesellschaft aus Rücksicht in einer Fußnote zur Geschichte der BRD auch die Migranten erwähnt. Vielmehr impliziert die Forderung eine Auseinandersetzung mit der eigenen Gesellschaft – kulturell, historisch, ökonomisch und sozial.“

 

 

 

 

 

 

 

 

7 Antworten zu “Wessen Sorgen ernst nehmen? Deutschvölkische Selbstbezüglichkeit und Möglichkeiten ihrer Auflösung

  1. lalberth Dezember 30, 2014 um 3:53 pm

    Now we are talking.🙂

  2. momorulez Dezember 30, 2014 um 5:03 pm

    Das tun wir doch schon seit Jahren!

  3. lalberth Dezember 30, 2014 um 6:39 pm

    Und wie! Trotzdem gut.

  4. lalberth Dezember 30, 2014 um 6:42 pm

    Gut geschrieben, meine ich.

  5. Mrs. Mop Dezember 31, 2014 um 10:10 pm

    Zum Jahresausklang ein entgiftendes Antidot zu „dem Geist, der da weht bei Pegida und Co“,
    eine inspirierende Vision davon, die „Kultur der Ambiguität, der Vielfalt und Mehrdeutigkeit, auszuhalten … auch, weil sie viel cooler ist als Pegida-Provinzialismus …“

    … und die filmisch verarbeitete Vision stammt nicht aus dem wahnhaft an der Realität vorbeidelirierenden Sachsen, sondern aus dem gebeutelten, an der Realität verblutenden Griechenland, eine kämpferisch-frohe Botschaft zum Jahresende (wurde heute eingestellt von Teacher Dude’s Grill and Barbecue, einem in Thessaloniki lebenden Engländer).

    „Es ist ein Blues in Schwarzweiß es ist ein Blues“, es ist ein Film in Schwarzweiß mit ein paar Farbklecksen, es trägt den Blues in sich und weist über ihn hinaus, es stellt den Pegida-Provinzialismus in den tiefsten, beschämendsten Schatten und endet mit den Worten: „You have all the weapons you need now FIGHT“.

    Einen kämpferisch-frohen Jahreswechsel wünsche ich.

  6. momorulez Januar 1, 2015 um 2:25 pm

    Merci! Auch Dir ein durch und durch zauberhaftes 2015!

    Nachdem soeben meine Zufallsauswahl iTunes mir „I want to be happy“ von Lester Young schenkte, was mich dazu trieb, durch meine 6qm-Küche zu tanzen, bin ich durch und durch optimistisch😉 …

    Aus Griechenland könnte ganz viel Zukunft kommen, glaube ich, Die erfinden dort ja als Hauptbetroffene von Hartz IV und anderer Schröder-Merkel-Scheiße die Sozialdemokratie neu, das ist sehr, sehr spannend! In diesem Sinne!

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