Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Das Für-Sich-Seiende ist nicht, was es ist, und ist, was es (noch) nicht ist! Vfl Bochum – FC St. Pauli 3:3

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Die Teilnahmslosigkeit: Verschwunden. Das Nervenflattern, die Schweißausbrüche, das Involviertsein als Zuschauender: Wieder da!

Die Mimik Peter Neururers durchlief mehrere Stufen der Geschichte der Existenzphilosophie angesichts des druckvollen Aufspielens der Boys in Brown. Sollte sein Schnäuzer weiter wachsen, muss er sich schon ein wenig in Acht nehmen, verschlägt es ihn eines Tages zufällig nach Turin und er trifft dort auf geschundene Pferde.

Ich weiß nicht, ob er auf der anschließenden Pressekonferenz „Das Sein west!“ proklamierte oder vom Dasein bis zum Gegentor referierte. Trotz spätem Ausgleich für seine Mannschaft sah der Mann ja, dass Wille und Vorstellung zum Spiel unseres Teams übergegangen war. Denn Meggles Antwort, und fiel sie auch nur in Gedanken, lautete sichtlich : Engagement! Der Mensch erschafft sich selbst durch Handlung!

Und mich erfreute verblüfft tatsächlich, dass die interimsweise annähernd in schockiert-distanzierte Ansätze der erdrückenden Signifikantenregime der Resignation driftende Jungmännerhorde des weltweit unvergleichlichen FC St. Pauli sich nunmehr ganz dem Werden verschrub. Saftig den Mut enterte, okay, bei den Gegentoren auch Portiönchen des Übermuts sie ritt. Immer noch besser als unterbewusst neben der Spur und außen vor zu sein. So what somit: Mich damit nun zu identifizieren fiel mir zumindest gar nicht mehr schwer. Das Spiel aufgeladen mit Spannung, und selbst dem 4:3 für uns blieb der Möglichkeitsraum keineswegs mehr verschlossen. Auch wenn es dann nicht fiel.

Wer Möglichkeitsräume öffnet, klebt nicht mehr am Sein. Lässt tabellarische Platzzuweisungen als Zeitpunkt, nicht -spanne bald auch hinter sich im „Alles fließt!“ der Zeit. Hebt im Zukünftigen die Dialektik von Offensive und Defensive im Erfassen des Megglens auf. Da bin ich mir sicher.

Die Form zu finden, die unsere Inhalte zu transportieren vermag, das kann ja nur essayistisch angegangen werden, soll sie passen zu dem, was an Bewegung auch auf den Rängen nötig ist. Um statt Musealisierung und Ready-Made das Mobilé purer Entdeckungsfreude beim FC St. Pauli wieder in Schwung zu bringen. So ziehen sie uns mit.

7 Antworten zu “Das Für-Sich-Seiende ist nicht, was es ist, und ist, was es (noch) nicht ist! Vfl Bochum – FC St. Pauli 3:3

  1. Person Nurmalso Dezember 6, 2014 um 2:18 pm

    „Der Mensch erschafft sich selbst durch Handlung!“

    Ein sehr schöner Satz, aber so richtig Schwung erhält er vielleicht erst durch den Auswärtspunkt. Bloßes Handeln erschafft nicht viel, ist im schlechten Fall nur Geschäftigkeit. Bloßes Denken, das kein Handeln nach sich zieht, kann schön sein, ist aber im schlechteren Fall Ausdruck einer Erstarrung oder sogar der Angst vor dem Handeln. Mit anderen Worten, Fantasie, Wünsche, Ideen, Handlungen und Handlungserfolge beflügeln einander. Wenn ein Teil fehlt, leidet automatisch das Übrige.

    Wo ich das gerade schreibe, fällt mir auf, dass das vermutlich Quatsch ist, oder jedenfalls noch nicht ganz zuende gedacht. Denn was, beispielsweise, ist denn „Erfolg“ überhaupt? Wer bestimmt das, und falls ich es selbst bestimme, woher ziehe ich dann die Anerkennung, auf die ich als Mensch wert lege? Was verleiht mir Flügel?

    Red Bull jedenfalls nicht. Ein gutes Spiel von St. Pauli dann ulkigerweise schon.

  2. momorulez Dezember 6, 2014 um 3:09 pm

    Danke für den sehr schönen Kommmentar!!!!

    Der Satz bzw. Gedanke ist ja auch gar nicht von mir, der stammt aus Jean-Paul Sartres Theorie des Engagements zu Zeiten seiner existentialistischen Phase, also, als er diesen noch nicht als „innermarxistische Enklave“ dachte. Und Handlung wie auch Freiheit ist in seinem Fall wohl so weit gefasst, dass sogar Kontemplation, die reine Betrachtung, darunter fallen würde. Das macht aus was auch einem/r, gehe ich z.B. fortwährend in Meditation, aber eben was anderes.

    Deine Einwände sind da aber ganz in seinem Sinne – und in meinem auch😉 … um Willkür und Aktionismus zum Selbstzweck einen Riegel vorzuschieben, führt er gerade in den Romanen der „Die Wege der Freihit“-Triologie recht grandios aus, was passiert, begreifen Menschen handelnd vor allem die „Freiheit von“ als wesentlich. Und auch, was das aus ihnen macht.

    Das ist hinsichtlich des Spieles gestern doppelt passend; es gibt ja auch Mannschaften, die nur und ausschließlich auf das Vermeiden von Gegentoren aus sind. Unsere wollten welche schießen, endlich wieder, Gefiel mir😉 …

    Im politischen Zusammenhang, und das führt Sartre so treffend aus, wie auch im Zwischenmenschlichen wird das recht schnell gruselig, engagiert mensch sich für nichts. Und engagiert mensch sich für was, wenn er sich für Red Bull engagiert? Und wenn ja, für was?

    Im Falle Sartres unter ganz anderen historischen Bedingungen als unseren sind das Gedanken, die im Fall der französischen Resistance entstanden sind. Die ich nun ganz ausdrücklich gegen Red Bull nicht in Stellung bringen würde😉 … die aber ja trotzdem wichtig sind als Erbe.

    „Mit anderen Worten, Fantasie, Wünsche, Ideen, Handlungen und Handlungserfolge beflügeln einander.“

    JA!!! Und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass statt Wegtauchen sich all das in das Spielern wieder regte. Statt frei von Fehlern wieder frei zum Fussballspielen sein zu wollen. Wofür das nun Engagement ist, daran weiter zu handeln, das obliegt dann ihnen und uns zusammen😉 …

  3. Person Nurmalso Dezember 6, 2014 um 3:34 pm

    Sartres “Die Wege der Freiheit” werde ich nach deiner Besprechung wohl lesen müssen. Klingt sehr spannend!😀

  4. momorulez Dezember 6, 2014 um 3:37 pm

    Der erste Teil ist „Die Zeit der Reife“😉 … weiß gar nicht, ob die in Deutschland gekoppelt als „Chemins de la Liberté“ veröffentlicht wurden. War für mich ein einschneidendes Erlebnis, das einst gelesen zu haben!

  5. Pingback: #FCSP voller Leben – darauf kann aufgebaut werden! 3-3 in Bochum | KleinerTods FC St. Pauli Blog

  6. martinchristianpech Dezember 8, 2014 um 11:27 am

    Danke.

  7. Pingback: Ein Lichtlein brennt | Grenzenlos Sankt Pauli

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