Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: Dezember 2014

Wessen Sorgen ernst nehmen? Deutschvölkische Selbstbezüglichkeit und Möglichkeiten ihrer Auflösung

Zunächst hatte ich ja den Eindruck, dass zu Pegida & Co letztlich alles gesagt wurde und ich nun nicht auch noch meinen Senf dazu geben müsse.

Je weiter sich die Sabbel-Spirale dreht, desto mehr schwindet dieser Eindruck. Es ist schon erstaunlich, wie alle möglichen eh schon allseits Präsenten ihre Süppchen im multimedialen Kochduell anrühren. So z.B. die FAZ:

„Auch der Ruf der Pegida-Protestierer „Wir sind das Volk“ ist eine Umdeutung. Er stand für die friedliche Revolution und den Kampf um Freiheit, jetzt steht er für Abgrenzung. Die Diffamierung einzelner Journalisten ist auch Teil der Strategie; so wurde ein Redakteur der „Sächsischen Zeitung“, die Pegida von Anfang an kritisch begleitet, vor der Semperoper namentlich angeprangert, um ihn in Dresden zu diskreditieren.“

Der Ruf ist KEINE Umdeutung, setzt man jenen Zeitraum an, da aus dem „Wir sind das Volk“ als Claim der Bürgerrechtler „Wir sind ein Volk“ wurde, als maßgeblich für die Aktualität an. Als Helmut Kohl seine – waren es 10 Punkte in seinem Plan? – „Wieder“vereinigungsbestrebungen verkündete und so die völkische Wende der DDR-„Revolution“ für sich zu nutzen wusste.

Nein, das Ziel sind trotz „Lügenpresse“-Rufen NICHT vor allem Redakteure der Süddeutschen und auch nicht der FAZ, es sind PoC, Muslimifizierte und tatsächlich sich als Muslime Verstehende. Es sind laut Pediga-Flugblättern auch dem „Genderwahn“ Verfallene, die längst gehäuft mit Morddrohungen überzogen werden, und da, wo sich der völkische Mob mit den Bildungsplangegnern mischt, wie immer schon auch LGTBIQ-People. Die man allenfalls dann mal gebrauchen kann, wenn es darum geht, Heterosexismus zu externalisieren.

Das mag ja für solche wie jene von der FAZ eine neue Erfahrung sein Mehr von diesem Beitrag lesen

„… ich denk, wie schön war es doch eben noch hier – mit Dir … “ – Udo Jürgens, R.i.P.!

Die „Wunderbar“ in der Talstraße Anfang bis Mitte der 90er: Je früher der Morgen, desto sentimentaler die Musik. Jene für schwule Communities damals, vielleicht heute noch so merkwürdige Mischung aus wechselseitiger Verachtung, garniert mit bösen Worten wie jenen vom „Resteficken“, und einem Aufgehen in Schmelz und Pathos wehte durch den Dunst von Bier, vielfältigen Düften und dem geteilten Lallen dank Wodka-Lemon und Kurzen. Der drogige Rausch des Jägermaster bereitete sich vor, Blackouts zu provozieren.

Ich weiß, was ich will!“ von Udo Jürgens spielte die DJane, der DJ  zu früher Stunde fast immer. Besser als andere adaptierte Jürgens da Disco- und Philly-Sounds, musikalischer Schwamm, der er war. Er, der noch den plüschigsten Kitsch, mal auch in Satin gewandet, mit der Aura eindringlicher Ernsthaftgkeit und frei von allen Camp-Anwandlungen dem Gehör anbot. Ein Könner, Künstler, Charismatiker Mehr von diesem Beitrag lesen

Eher Big Band als Modern Jazz Ensemble: FC St. Pauli – VFR Aalen 3:1

 

Aalen

Ja, ich habe mich gefreut.

Und wie!

Ich habe sie wieder geliebt, bin ihnen gefolgt, ganz, wie Baudrilliard ausführte, dass man dem Anderen folgte, von ihm verführt – ich glaube, der war das, der dergestalt dachte und es aufschrub.

Und so sehr das Gewettere, gestern durchtränkt  Mehr von diesem Beitrag lesen

Was ist das Ziel in diesem Spiel … FC St. Pauli – Darmstadt 0:1

IMG_5714.JPG Es ist Dezember und der Regen dringt durch die Kleider auf die Haut … Wenn Stefan Groenveld schon alles geschrieben hat, was mir zum gestrigen Spiel auch einfiele: Was treibt mich da noch zum Senfen? Verarbeitung? Geltungsdrang? Gewohnheit? Ratlosigkeit? Oder nicht doch die Suche nach dem Besseren?

Der Kampf gegen dieses Gefühl der Teilnahmslosigkeit, das immer wieder neu aufkeimt und als Leere ja auch neue Wege weisen könnte?

Die Trauer darüber, Sprüche, in der Halbzeit allseits geteilt, „ansonsten lagen wir um diese Zeit schon immer 0:2 zurück“, noch nicht mal mehr als Trostpreis zu empfinden? Die Sinn- und Spielsuche des Trainers entgegen all den Forumsunken richtig und überzeugend zu finden und trotzdem diesen schalen Beigeschmack der Resignation zu schmecken bei all dem Kaffee aus Tassen, schlürfend im kalten Spätherbst, Wärme genießend, wie ein schleichendes Gift?

„Sie üben ja noch!“ raune ich meiner Sitznachbarin zu, und die will gar nicht aufhören zu lachen. Weil es doch Profis seien. Die menschliche Dimension des Dramas finde ich ja sogar gut. Dass da keine hochgezüchteten Sportmaschinen ihren Stiefel runter spielen auf dem Platz, sondern offenkundig recht liebenswert empfindsame Männer.

Nur dass es nie an die Punkt gerät, den jeder, dem erst allmählich nach durchzechten Nächten wieder einfällt, zu welch Kuriositäten das eigene Verhalten enthemmt gar fähig ist, kennt, jener Moment, da dieser „Ist der Ruf erst runiert!“-Habitus auf- und sich in schallendem Gelächter die Bahn bricht. Dass nie diese Wut über eigene Blockaden aufkeimt, die das Trotzdem schillernd leuchten ließe.

Doch,

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„Schwarze Wissensproduktion als angeeignete Profilierungsressource“ – Artikel von Noah Sow

Ich hatte den im folgenden dringendst zu verlinkenden und zur Lektüre empfohlenen Text von Noah Sow bereits mittels eines Veranstaltungshinweises hier im Blog wie auch in der FSK-Sendung „Tales of St. Pauli“ beworben. Und gar nicht mit bekommen, dass er online bereits zu lesen ist – jetzt aber.

Er ist ungemein wichtig und eindeutig auch an mich adressiert; ich mühe mich, es mir fortwährend hinter die Löffel zu schreiben und lese den ab jetzt einmal im Monat und ebenfalls da, wo es mir möglich ist, PRAKTISCH zu berücksichtigen, worum es geht. Die Konsequenzen sind keineswegs nur auf den universitären Zusammenhang beschrankt.

Er ist wichtig auch in Zusammenhängen, wo sich Menschen z.B. in der Flüchtlingsarbeit engagieren, ebenso dort, wo harsche, narzißtisch gekränkte Reaktionen bei dem Verweis auf Marginalisierungserfahrungen und deren Potenzial erfolgen und dann zur Vertiefung auf irgendwelche vermeintlich objektivierenden Aufsätze zu deren Abwertung verwiesen wird.

Also: Lesen! Am besten mehrfach, nicht nur auszugsweise und ohne die üblichen Instant-Argumente zu zücken.

„Post[i]- und dekoloniale Studien verlangen insofern genaue und gesonderte Betrachtung, als dass sie unter anderem Lehre über autonomiebringende Schwarze Widerstandspraxen behandeln. Sofern sich weiße Lehrende innerhalb postkolonialer Studien überhaupt verorten (müssen), erfolgt dies regelmäßig in Form des klassischen Helfer_innenmythos von fortschrittlichen Heilsbringenden, die wichtige Inhalte vermitteln und ‚Unterdrückten‘ [Menschen, Themen, Theorien] ‚endlich eine Stimme verschaffen‘. Zu wenig findet Betrachtung, dass dabei Schwarze Stimmen überlagert, fremdkontextualisiert und überdeckt werden. Dem deutschen Mehrheitsbewusstsein ist noch nicht gegenwärtig, dass die Interpretationen, Analysen und Fragestellungen derer, die von den kolonialen Strukturen profitieren, kaum deckungsgleich sein können mit den Interpretationen, Analysen und Fragestellungen derer, die durch ebenjene Strukturen eingeschränkt werden. Originäre Schwarze Wissensvermittlung wiederum findet sich an der Universität überwiegend im akademischen Prekariat wieder.“

Und im Anschluss sei das folgende Interview mit Noah Sow auch anempfohlen: „Zwischenbilanz – 7 Jahre nach Deutschland Schwarz Weiß.“

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus den Metalustversum, FSK, Mo, 8.12. 2014, 14-16 h

Fast ein Jahr nun dabei beim FSK. Los ging es mit einer Sendung zu Lou Reed – und nun habe ich erneut herum gespielt, experimentiert und ein wenig geforscht. Wie neuerdings jedes Mal begleitete mich mein Nachbar, auf dem Hinterhof Saxophon übend, im Background. Und wie immer ist die Musik viel wichtiger als das, was ich vor mich hin quatsche. Und: Wie immer hier die Tracklist, die Literatur- und die Linkliste! Und ebenso wie immer kann das Ganze über die FSK-Homepage angehört werden 😉 … der Stream findet sich oben rechts.

 

Donna Summer – On The Radio
Liza Minelli – Maybe this time
Teen Girl Fantasy – Dancing in Slow Motion
Alain Mion – Levallois
Billie Holiday – One for my Baby
Gibson Kente – Sudava
Habib Koité – I Ka Barra
Meshell Ndegeocello – Shopping for Jazz
B.Slade – Changes
James Carter – Motown Mash
John Coltrane – Slowtrane
Shaun J. Wright & Alinka Present Twirl – Love Inspired
Sylvester – I (who have nothing)
Was (Not Was) – Wheel me out
Material & Nona Hendrix – Bustin‘ Out
Jean Carn – If you wanna go back
Heather Small – Proud
Curtis Mayfiled – Junkie Chase
Literatur:
– Deleuze, Gilles: Philosophie und Minderheit, in ders.: Kleine Schriften, Berlin 1980
– Diederichsen, Diedrich, Über Pop-Musik, Köln 2014
– Duiker, K. Sello, Die stille Gewalt der Träume, Heidelberg 2010
– Reynolds, Simon, Rip it up and start again, A-Höfen 2007
Links:

Das Für-Sich-Seiende ist nicht, was es ist, und ist, was es (noch) nicht ist! Vfl Bochum – FC St. Pauli 3:3

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Die Teilnahmslosigkeit: Verschwunden. Das Nervenflattern, die Schweißausbrüche, das Involviertsein als Zuschauender: Wieder da!

Die Mimik Peter Neururers durchlief mehrere Stufen der Geschichte der Existenzphilosophie angesichts des druckvollen Aufspielens der Boys in Brown. Sollte sein Schnäuzer weiter wachsen, muss er sich schon ein wenig in Acht nehmen, verschlägt es ihn eines Tages zufällig nach Turin und er trifft dort auf geschundene Pferde.

Ich weiß nicht, ob er auf der anschließenden Pressekonferenz „Das Sein west!“ proklamierte oder vom Dasein bis zum Gegentor referierte. Trotz spätem Ausgleich für seine Mannschaft sah der Mann ja, dass Wille und Vorstellung zum Spiel unseres Teams übergegangen war. Denn Meggles Antwort, und fiel sie auch nur in Gedanken, lautete sichtlich : Engagement! Der Mensch erschafft sich selbst durch Handlung!

Und mich erfreute verblüfft tatsächlich, dass die interimsweise annähernd in schockiert-distanzierte Ansätze der erdrückenden Signifikantenregime der Resignation driftende Jungmännerhorde des weltweit unvergleichlichen FC St. Pauli sich nunmehr ganz dem Werden verschrub. Saftig den Mut enterte, okay, bei den Gegentoren auch Portiönchen des Übermuts sie ritt. Immer noch besser als unterbewusst neben der Spur und außen vor zu sein. So what somit: Mich damit nun zu identifizieren fiel mir zumindest gar nicht mehr schwer. Das Spiel aufgeladen mit Spannung, und selbst dem 4:3 für uns blieb der Möglichkeitsraum keineswegs mehr verschlossen. Auch wenn es dann nicht fiel.

Wer Möglichkeitsräume öffnet, klebt nicht mehr am Sein. Lässt tabellarische Platzzuweisungen als Zeitpunkt, nicht -spanne bald auch hinter sich im „Alles fließt!“ der Zeit. Hebt im Zukünftigen die Dialektik von Offensive und Defensive im Erfassen des Megglens auf. Da bin ich mir sicher.

Die Form zu finden, die unsere Inhalte zu transportieren vermag, das kann ja nur essayistisch angegangen werden, soll sie passen zu dem, was an Bewegung auch auf den Rängen nötig ist. Um statt Musealisierung und Ready-Made das Mobilé purer Entdeckungsfreude beim FC St. Pauli wieder in Schwung zu bringen. So ziehen sie uns mit.

Was ist überhaupt eine „Identifkationsfigur“

„Fehlt bei St. Pauli eine Identifikationsfigur wie Fabian Boll, ein Typ, der die Mannschaft mitreißen kann?

Dreyer: Ja, in jedem Fall. Boller klar, der würde der Mannschaft guttun. Aber einen Boller kannst du dir nicht aus den Rippen schneiden. Ich glaube übrigens, dass das Abschiedsspiel für Boller der Mannschaft geschadet hat. Plötzlich war das Stadion gegen sie und hat die „Alten“ angefeuert. Und dann haben sie auch noch 1:5 verloren. Ich glaube, mit der Situation konnten einige nicht umgehen, Das hat sie verunsichert, und das schleppen sie immer noch mit.“

Das könnte wahr sein. Das könnte sogar das Problem sein. Auch die vom Magischen FC beklagen das Fehlen einer solchen „Figur“.

Es ergab sich neulich analog bei Facebook eine kuriose, aber spannende Diskussion rund um die Idole vergangener, vielleicht auch noch aktueller schwuler Subkulturen.

Noch in meiner Generation waren das sehr wenige, und Rosa von Praunheim bot nun zumindest für mich wenig Möglichkeiten, mich da zu identifizieren. Dann schon eher John Waters oder Marc Almond. Die Generation davor hatte kaum Angebote, außer Zeichen zu deuten – Anspielungen im Subtext und der Ikonographie zu Zeiten der Illegalität homosexueller Praktiken.

Pasolini lud noch am ehesten ein, „Teorama“ zum Beispiel.

Man begab sich auf Spurensuche und suchte in der Historie, Mehr von diesem Beitrag lesen

Theorie ist nicht Praxis und Macht wirkt in den Beziehungen: Noch mal was zu den „Sprecherpositionen“

Endlich mal eine Kritik der Theorie der Sprecherpositionen, jüngst auch rund um dieses Blog wieder kontrovers diskutiert, mit der es sich auseinanderzusetzen lohnt. Lesen, ich zitiere extra nicht, um die Lektüre des Textes dort Lesenden, nicht hier Ausschnitte Rezipierenden, zum empfehlen.

Und da fangen die Problem schon an: Habe nun ich Texte in einem feministischen Blog zu kommentieren? Was MACHE ich denn, wenn ich das tue?

Ich nehme zunächst mal in Anspruch, irgendetwas besser zu wissen als das verlinkte Blog. Automatisch. Ohne dabei ausklammern zu können, was das in der sich konstituierenden Intersubjektivität heißt. Und das auch noch als jemand, der doch zunächst von feministischen Perspektiven viel lernen kann, der viel mehr feministische Studien überall immens wichtig fände und wünschte, dass sie Gehör fänden und ungestört Wirkung entfalten könnten. Und der vor allem die omnipräsente maskulistische Maulstopferei, die sich auch Mehr von diesem Beitrag lesen