Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Erläuterungen zum offenen Brief an die Mannschaft

Der letzte Blog-Eintrag „Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …“ ist in der Geschichte dieses Blogs der mit Abstand meistgelesene. Das war tatsächlich zu meiner Überraschung mein persönlicher Besucherrekord. Und wurde nun auch noch im Abendblatt zitiert.

Ich habe damit, wie man so sagt, wohl „einen Nerv“ getroffen, sehr viel Zustimmung, Unterstützung und Beifall gefunden. Dafür einen ganz herzlichen Dank! Es hat allerdings auch derart drastische Gegenreaktionen gegeben, dass ich mich davon noch erhole. Weil die Attacken an einem Punkt ansetzen, der mir so neu nun auch nicht ist in der „aktiven Fanszene“, was auf Dauer zermürbt.

Es wurde nun schon zu mehr Liebe statt wechselseitigem Zerfleischen aufgerufen, völlig richtig und Danke! – ich will versuchen, die kritisierten Punkte, die ich weiterhin für sachlich gerechtfertigt erachte, nun noch einmal aufzugreifen in einem eigenen Eintrag. Der wird jetzt sehr lang, sehr ausführlich, sehr anstrengend und ich kenne viele, die den Text sehr viel besser schreiben könnten als ich. Die kann mensch allesamt ganz simpel googeln😉 … wie Rezepte für Hähnchen im Wok ja auch. Und über Anmerkungen, Korrekturen und Ergänzungen freue ich mich sehr.

Freilich werde ich die Punkte nicht erläutern, um sie im Sinne des „Absolutismus“ eines Blogs mit normalerweise eher geringer Reichweite nun allseits zu verordnen.

Wenn nicht stpauli.nu mich verlinkt, ist dieses Blog, von einem vereinzelten, schwulen St. Pauli-Fan betrieben, keine mit besonderer Machtfülle ausgestattete, gesellschaftliche Position. Da ich nun selbst regelmäßig ganz schön zulange, kann und muss ich mit Antworten und Kritik auch gut leben. Manche setzen allerdings auf Ebenen an, dass es schwerer fällt. Die aktivieren das, was ich schon auf dem Schulhof fürchtete und was sehr schnell geschieht, kratzt mensch an mehrheitsgesellschaftlichen Selbstverständnissen.

Auf die sachlich manche Lesende irritierenden, manche auch zu harschen Reaktionen animierenden Passagen sei nun noch mal erläuternd eingegangen für die Interessierten, um sie der Diskussion, falls die jemand will, zugänglich zu machen.

– „satte, weiße Jungs„: Bin ich doch auch.

Mir ist ein Rätsel, tatsächlich, wie jemand das als „Beschimpfung“ empfinden kann.

Es fällt normalerweise niemandem sonderlich schwer, Andere als „schwarz“ zu markieren. Mit oft schlimmerem, gewalthaltigem Vokabular, und das meint auch keine „Hautfarbe“, sondern eine soziale Position. Sozial heißt: In zwischenmenschlichen Beziehungen wirksam. Und „schwarz“ ist von vielen auch als Selbstbezeichnung gewählt. Kann mensch sich dran halten und lauschen, wann sich das vielleicht ändert. PoC ist eine weitere.

Es ist Teil der Ansätze aus bestimmten Bereichen der der deutschen Diskussionslage um 20-30 Jahre voraus eilenden Debatte in den USA, nicht beim Markieren der „Anderen“ zu bleiben. Gerade aus den Black Communities ist ein gewaltiger Wissenszuwachs allen, die was ändern wollen, zur Verfügung gestellt worden. In diesen Fragen ist Deutschland buchstäblich Entwicklungsland, und es empfiehlt, sich da zu informieren.

Ziel ist, dass solche Markierungen nicht einseitig bleiben. Normalerweise wird das, was aus weißer Perspektive als „abweichend“ wahr genommen wird, markiert – die „Regelzustände“ hingegen nicht. Sie werden als Maßstab eines nicht weiter thematisierten, Allgemeingültigen ausgegeben und das, was „anders“ sei, als „fremd“ stigmatisiert wird usw., bekommt seine Begriffe verpasst.

Lässt mensch diese Markierungspraxis sein, verschwinden die Phänomene aber auch nicht. Um „weiß“ als eine dominante, anderen ihren Platz zuweisende Binnenperspektive begreifen zu können, ist die Praxis der Selbstmarkierung eine mögliche. Da sie aber sowieso gesamtgesellschaftlich wirkt, ist das Weglassen oder die zweifelsohne vorhandene Individualität eines jeden Einzelnen in den Vordergrund zu rücken nichts, was irgendetwas ändern würde.

Das ist der „normative“ Bereich: Alle Menschen sollten gleiche Rechte habe. Tatsächliche, gesellschaftliche Strukturen bleiben dann verborgen, wenn man diesen Soll-Zustand als Ist-Zustand begreift. Die liberale, formale Gleichheit ist GEBOTEN, aber nicht verwirklicht, und Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen.

Jene, die es nicht gewöhnt sind, auch markiert zu werden, rasten oft völlig aus, tut man es – sie kennen das nicht, was jeder, der abweicht, fortwährend erfährt. Alleine schon dadurch, dass sie es auch mal erleben, passiert bei manchen schon etwas Zukunftsweisendes. Und es ist wenigstens begrifflich ein Hauch zukünftiger Symmetrie gegeben. Mensch kann auch dominante Strukturen nur so wirklich erfassen, wenn sie das nicht einfach weg lässt. Wird das weg diskutiert, bleibt alles, wie es ist: Die eh schon Dominierenden können das ungestört auch weiter tun.

– „Marginalisierungserfahrungen„: Jeder, der abweicht von dem, was als Normalfall gilt, und das ist immer das Modell „weißer, heterosexueller Mann“, macht Erfahrungen, die Andere nicht machen – je nachdem, wo er „abweicht“. Dadurch, dass Mehrheiten oder im Falle von Frauen sie dominierende Kulturen ihre Vorherrschaft regelmäßig absichern, unterjochen sie Perspektiven derer, die sie als von sich abweichend behaupten. Nein, das machen nicht alle weißen, heterosexuellen Männer automatisch und immer den ganzen Tag lang, aber sie könnten es, wie weiße schwule Männer ja auch, so lange sie keine explizit schwule Perspektive einnehmen – die „Marginalisierten“ haben dazu gar keine Chance mehr, weil sie ggf. eh nieder gebrüllt, verschwiegen oder mit Gewalt bedroht werden. Oft bleibt es auch nicht bei der Drohung.

Das Bewusstsein darüber, dass mensch – ich im Falle von weiß und männlich – einer solchen dominanten Gruppe zugehört, sollte dazu führen, die Ohren weit aufzusperren , mal die Klappe zu halten und den Anderen Raum zu verschaffen, damit diese nicht fortwährend untergebuttert werden. Also: Eigenständig auf Dominanz verzichten im Sinne der Emanzipation.

Natürlich nur dann, wenn die Betroffenen das auch gerade wollen. Und dann, wenn mensch am Emanzipatorischen als gesellschaftlichem Ziel fest hält.

Solche, die weg gedrückt und Bedrohung erfahren, entwickeln bestimmte Potenziale. Hannah Arendt, über die es in Rassismusfragen sehr viel Kritisches zu sagen gibt, hat das einst am Paria fest gemacht. Für sie eine von zwei Möglichkeiten jüdischen Lebens vor dem 2. Weltkrieg und der Shoah angesichts allgegenwärtigen Antisemitismus: Als „Parvenu“ die Assimilation wagen, oder als Paria nicht korrumpiert den eigenen Blick auf die Mehrheitsgesellschaft wahren.

Dieser „Blick des Paria“ sieht mehr als Leute, die drin stecken.

Ich habe das Privileg genossen, dank großartiger Mentorinnen sehr viel lernen zu dürfen über Mechanismen in der weißen Mehrheitsgesellschaft, deren Teil ich bin. Ich bin dafür sehr dankbar.

Es gibt auch Konzepte wie das Empowerment – achte darauf, dass das, was Du tust und sagst, nicht Diskriminierung reproduziert, sondern Ausgegrenzte ermächtigt, oder als Selbstpraxis verstanden eben als Selbstermächtigung lebbar ist -, von denen ich als Schwuler profitieren durfte. Obgleich es ganz gewaltige Unterschiede gibt zwischen dem, was mensch als weißer Schwuler erlebt und dem, was PoC erfahren müssen. Ich versuche zumindest, das immer wieder zu berücksichtigen und scheitere daran ständig.

Ausgegrenzte und Weggegedrückte verfügen häufig über besondere Potenziale, weil sie sich gegen die Mehrheitsgesellschaft behaupten und Lösungen finden müssen, die jene aus der „Mitte“ gar nicht nötig haben, weil sie auf bestimmte Hürden nicht treffen. Von diesen Potenzialen können Mehrheitsgesellschaftler sehr viel lernen. Marginalisierte sind nicht nur in Diskriminierungsfragen Experten wider Willen, sondern oft auch weit darüber hinaus. Nicht wegen „natürlicher Eigenschaften“, sondern aus Lebenserfahrung.

Es gibt ökonomische Konzepte wie „Diversity-Management“, die das wissen, aber hierzulande kaum Anwendung finden. In den USA gab es auch die „Affirmative Action“, die manche als zweiten „New Deal“ bezeichneten. Das entspricht in etwas hiesigen „Quotenregelungen“. Das ist nachweislich sehr produktiv, und es bedeutet NICHT, dass Marginalisierte sich dem in irgendeiner Form fügen müssen, irgendetwas davon akzeptieren müssen, irgendetwas von dem, was ich schreibe, annehmen – dazu sind die Perspektiven viel zu ausdifferenziert. Es schafft aber einen Möglichkeitsraum, der ansonsten verschlossen bliebe.

Der nun offiziell als antirassistisch, antisexistisch und antihomophob auftretende FC St. Pauli setzt das nirgends um außer in den Jugendmannschaften.

Das wäre aber ein Ziel für die Fanszene und ihre Gremien, für die Geschäftsstelle, für allesamt. Da ist der Verein komplett stagniert und noch nicht mal im Ansatz auf der Höhe der Zeit. Obgleich doch,  und darin bestand der Appell an die Mannschaft – dass mensch ein Sich-Durchsetzen in widrigen Situationen von jenen, die das viel häufiger üben mussten, schlicht und ergreifend lernen kann.

– „Stolz“ – da verstehe ich jede Irritation, weil es auch so gruselige Phänomene wie „Nationalstolz“ gibt. Es gibt auch üble Traktate, die als „migrantisch“ Gelesenen eine „Kultur der Ehre“ oder des Stolzes andichten, und weiße Bildungsbürger, die sich das leisten können, fühlen sich gerne darüber erhaben.

Und es gibt die „Gay Pride“ und früher auch Slogans wie „Proud to be gay“. Noch beim Outing des Apple-Chefs wehte ihm wie üblich ein Shitstorm mitten ins Gesicht, als er diese Formel aufgriff. Wie könne er denn auf etwas stolz sein, wofür er gar nichts kann? Dieser „Stolz“ ist die Reaktion auf mögliche Diskreditierungen: TROTZDEM ich weiß, dass mir immer wieder Scheiße passieren wird, lebe ich neben der Norm. Das ist eher der Stolz auf das, was mensch aus sich gemacht hat.

Das ist auf den FC St. Pauli nicht 1 zu 1 übertragbar. Aber es ist auch ein Verein, in den eben doch kaum wer hinein geboren wird, und der vor allem von dem lebt, was die Fans, aber auch viele Spieler des FC St. Pauli aus ihm gemacht haben. Er behauptet sich gegen durch Sponsoren gesteuerte Vereine und ausgegliederte AGs, hat eine ausdifferenzierte, ungewöhnliche Fanszene. Und die anderswo Aussortierten waren sich dessen besonders häufig bewusst und haben was draus gemacht.

Und ich finde schon, dass man für diesen Verein in eben dem Sinne stolz, stolz auf etwas Selbstgemachtes, zudem für etwas, das für mehr steht als ausschließlich Fussball, sehr stolz auflaufen kann, um den Größeren die Stirn zu bieten und für die Ideale des Vereins auch spielerisch IM TEAM zu kämpfen.

Als ich Christopher Buchtmann mit der Regenbogenflagge für ein Foto posieren sah, die die Mannschaft gestiftet hatte, meinte ich auch diese Art von Stolz in seinen Augen blitzen zu sehen.

DAS ist ja in Spielweise umsetzbar, auch für satte, weiße Jungs😉 – und ich glaube, dass das beim FC St. Pauli auch nötiger für das Spiel der Mannschaft ist als anderswo.

Und wenn es Sonntag wieder sichtbar wird, kann das Abendblatt solche Artikel gar nicht mehr schreiben. Und ich werde wieder kaum noch gelesen, und das stört mich dann auch nicht weiter!!!

– „Fremdworte“ – puh, das ist ein für mich schwieriges Thema. Ich wurde von einem Nicht-„Muttersprachler“ neulich darauf hin gewiesen, wie schwer es ihm fiele, hier zu folgen. Wirkungstreffer, klar. Manchen erscheint manches hier auch derart verschwurbelt, dass sie es für absolut nicht mehr nachvollziehbar halten. Auch ein Wirkungstreffer. Danke für die Hinweise!!!

Umgekehrt: Die Geschichte dieses Blogs ist die eines examinierten Philosophiestudenten, der in den Massenmedien arbeitet und dort sich immer tatsächlichen oder vermuteten Publikumswünschen anpassen musste und muss. Und ich habe dann bloggend immer wieder neu meine Sprache finden wollen. Und in der tauchen Fremdwörter auf. Manche verdichten Kommunikation: Statt „die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis“ schreibt sich leichter „transzendental“.

Andere, oft Anglizismen, ersetzen Begriffsfelder, die hier rassistisch, sexistisch und homophob besetzt sind.

Und Intellektuellenfeindlichkeit gehört auch zur Geschichte des Präfaschismus, es ist einfach so.

Es GIBT das Bildungsprivileg, ich HABE den Akademiker-Check im Berufsleben erlebt, der Deklassierte draußen ließ, und weiß, dass dieses Privileg auch zur Abwertung des Gegenübers genutzt werden kann.

Aber nicht notwendig muss: Es gibt ja auch die Räume für die Volkstribune, da jemand wie ich aufpassen muss, nicht gleich einen auf die Schnauze zu bekommen.

Ich finde das schwer zu vermitteln, all diese Punkte. Kann ich nur jedes Mal neu versuchen.

Es gibt Beiträge in diesem Blog, die ich eher für mich schreibe😀 … die braucht ja niemand zu lesen. Und solche, die sich z.B. an „die Fanszene“ richten. Da werde ich mir in Zukunft mehr Mühe geben.

– „Verletzt sein„: Die Debatte, die zum Eintrag beim Magischen FC führte, habe ich mir insofern selbst zuzuschreiben, dass ich bei meiner Angriffslust mit Gegenangriffen leben muss und auch kann.

Es existiert nur in Deutschland mittlerweile ein Phänomen, das jede Antidiskrimierungsarbeit völlig unmöglich macht: Benennt man homophobe, rassistische, sexistische Strukturen, Rituale, Sprache, setzt in der Regel prompt ein derartiger Shitstorm ein, der Gegenwehr zum Verstummen bringen kann.

Das nennt mensch neudeutsch „Silencing“: Weil ja jede, die das macht, WEISS, was ihr blüht, thematisieren es viele nicht mehr, wenn Herabwürdigung stattfindet – zudem das Benennen auch die Diskriminierungserfahrung, die sehr tief sitzt, wach ruft.

Die manipulativere Praxis ist die des „Es verletzt mich so, wenn Du sagst, ich hätte mich homophob geäußert“. Ja, Homophobie (unter anderem) verletzt aber zuerst, und die tritt auch in weniger offensichtlichen Formen auf, die Mehrheitsgesellschaftler oft gar nicht merken. Das ist auch kein noch so aufrechter Antifaschist frei von. Ich auch nicht.

Was tun? Aushalten oder aussprechen, damit sich was ändert?

Die besonders üble Methode der Abwehr ist, den Hinweis auf z.B. diskreditierendes Verhalten als „Beleidigung“ zu behaupten. Dann geht gar nichts mehr, und es werden einfach weiter immer die gleichen beschimpft, die schon früh daran gewöhnt wurden …

Es gibt zudem die allseits verbreitete Methode, die Wut Ausgegrenzter ihnen als Manquo, psychisches Problem, unsittliches Verhalten oder wasweißichwas anzudichten. Das ist selbst eine Form des Machtmissbrauchs. Das kann sadistische Formen annehmen. Auch Wut kann mensch aushalten lernen, wenn mensch auf Macht verzichtet.

Bei politischen Diskussionen verschärft sich die Lage, weil es da um Begriffe und Strukturen, ganze Weltbilder und Perspektiven geht, da auch sehr gut gemeinte, aber meines Erachtens völlig falsch gedachte Ansätze einfach nur mehrheitsgesellschaftliche Repressionssysteme unterstützen.

Was am stärksten dann der Fall ist, wenn eine gesellschaftliche „Mitte“ behauptet wird, weil die zumeist männlich, weiß und heterosexuell besetzt und auch definiert ist.

Diese Rhetorik neigt auch dazu, für Andere zu sprechen, diese zu paternalisieren, im extremen Fall darauf ganze Karrieren aufzubauen. Da spielen auch handfeste, wirtschaftliche Aspekte mit rein – sind die Lehrstühle für „Postcolonial Studies“ durchgängig von Weißen besetzt, ändert sich auch nichts an gesellschaftlichen Verhältnissen.

Das ist ein Feld, auf dem ohne Ende auch Verletzungen entstehen – wenn sich Menschen gegen diese tatsächlichen Machtkonstellationen wenden. Was als Antwort die Absicherung dieser existenten Ausgrenzungssysteme häufig nach sich zieht. Wer Emanzipation will, ist bereit, das zu ändern. Und auch zurück zu treten.

Da schließt sich der Kreis. Oft werden aus einer nicht weiter benannten, als allgemein behaupteten Sichtweise Ränder bestimmt und verurteilt.

Das halte ich für politisch gemeingefährlich und werde mich auch in Zukunft nicht daran hindern lassen, das auch so zu schreiben – auch dann, wenn es mir die nächste Attacke beschert.

 

 

21 Antworten zu “Erläuterungen zum offenen Brief an die Mannschaft

  1. karin clemens November 27, 2014 um 8:36 pm

    Danke fuer Deine Erlaeuterungen, sie haben mich ein wenig mit dem offenen Brief an die Mannschaft versoehnt. Ich liebe es, Deine Texte zu lesen, obwohl sie fuer mich sehr schwer zu verstehen sind. Aber das zwingt mich, sie mehrfach langsam zu lesen und ich kann darueber nachdenken. Ich bin bestimmt nicht immer Deiner Meinung, aber es ist sehr bereichernd, meine Sichtweise aufgrund Deiner Gedanken zu ueberpruefen.
    Nun habe ich nicht die Erfahrung gemacht, dass ich aufgrund der Ausgrenzung besondere Staerke entwickelt habe oder ein Kaempfertyp war, jedenfalls nicht mit 20. Es war mehr so gute Laune Sonnenschein Strategie, aber leicht zu verletzen, nur keine Schwaechen zeigen. Nun ja, das hat sich im Laufe meines Lebens geaendert, durch einige sehr gute Freunde, die mich mein ganzes Lebens begleitet haben und mein grenzenloses Vertrauen geniessen.
    Danke Dir jedenfalls dafuer, dass Du mir viel Stoff zum Denken gibst.
    Ich freue mich auf Sonntag und hoffe auf ein Unentschieden, lasse mich aber gerne mit 3 Punkten verwoehnen.

  2. momorulez November 27, 2014 um 8:40 pm

    Au ja! Und ich danke selbstverständlich zurück! Ich für meinen Teil hatte gar kein andere Chance, als sehr früh eine sehr große Klappe zu haben, um mich zu behaupten🙂 – und eher Schwein, dass ich damit durchgekommen bin. Und wichtig ist ja, dass alle in Kommunikation bleiben können, nicht, dass alle die Welt gleich sehen. Und Dein Kommentar macht sehr viel Mut!

  3. biber November 27, 2014 um 9:41 pm

    Lieber Momo,
    mich deucht, schon Dein Eingangssatz des Briefes an die Mannschaft schrie nach Antwort (… ich schreibe jetzt einen echten Scheiß-Text und lasse mich dafür auch öffentlich beschimpfen.). Hat scheinbar geklappt. Man muss wohl nicht immer nach den Geistern rufen, um sie dann nicht mehr loszuwerden. 🙂

    Mal vorneweg: Ich lese Deinen Blog schon seit längerer Zeit gerne und aufmerksam. Schon allein aus dem Grund, weil ich mich freue, dass es immer noch/immer wieder Kommentare/Texte/Blogs etc. gibt, die um Aufklärung und Argumentation bemühr ist und sich auch nicht scheuen, vorhandenes (akademisches) Wissen darzustellen. Oder, um es mit einer konservativen Zeitung zu sagen: „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“. Dabei bin ich beileibe nicht immer Deiner Meinung (Allein schon die Würdigung Nöthes‘ Frisur). Aber es ist meist zumindest ein sprachlicher Genuss, der das Denken voraussetzt und auch immer wieder fordert.

    Und nun die Hauptsache: Ich möchte sowohl den Brief an die Mannschaft als auch Deine Erläuterungen im Zusammenhang kommentieren. Du hast in dem offenen Brief Termini verwandt, die Du regelmäßig verwendest. Wie es da zu einer Kritik kommen kann, irritiert. Allerdings irritiert mich auch Deine Antwort darauf, weil Du zu diesem Terminus nun schon so oft implizit und explizit Stellung bezogen und ihn auch begründet hast, dass ich Deine hiesigen Begründung für schlichtweg obsolet halte. Aber egal, ein jeder schreibt, was er zu schreiben glaubt.

    Da hätte ich mir eher mehr zur Definition „Stolz“ erwartet. Zugegeben, ich bin schon deutlich über das Wort gestolpert (Das passiert mir per se und in Deinem Blog erst recht). Allerdings habe ich gehofft, dass Du das sehr bewusst gewählt hast. Scheint ja auch so. Deine Ausführungen in den Erläuterungen enttäuschen mich allerdings. Da hätte ich, gerade in Bezug auf „Stolz“ und „St. Pauli“ schon mehr erwartet. So what.

    Deine Kommentare zu „verletzt sein“ und Argumentationskultur kann ich nachvollziehen.

    Ganz viele andere Gedanken, die mir aufgrund Deiner Artikel (mal wieder) durch den Kopf gehen, haben hier keinen Platz. Die würde ich tatsächlich gerne mal irgendwann bei einem Bier mit Dir diskutieren. Das könnte interessant werden.

    Ach so, als nachklapp. Solltest Du Dich tatsächlich dahingehend entscheiden, Deine Schreibe „publikumsaffiner“, werde ich das sehr genau verfolgen und mir die Frage stellen: „Macht das Lesen noch Lust?“ Das würde ich schade finden.

    Biber

  4. momorulez November 27, 2014 um 10:14 pm

    Sehr gerne auf ein Bier🙂 – und ich danke Dir für das Feedback, ganz besonders natürlich für den letzten Satz!

  5. quotenrocker November 27, 2014 um 11:09 pm

    Momo, ich möchte Dir hier sagen, dass es mir sehr wichtig ist Dich regelmässig sehen zu können und ich bedingungslos deinen Freigeist unterstützen werde.
    Dies bedeutet für mich auch, Dir klar zu sagen, egal was inhaltlich in Deinen Blogpostings veröffentlicht wird, Du mir in den letzten 2 – 3 Jahren als Persönlichkeit sehr sehr wichtig geworden bist und, sorry, ich es irgendwie auch nicht zulassen möchte, dass Du dich auch nur im Ansatz damit beschäftigen mußt, einem Heimspiel fern zu bleiben.
    Wir werden in einigen Dingen in der Sache anders ticken, anders empfinden, anders schlußfolgern und auch anders handeln.
    Trotzdem gibt es viele Deiner Standpunkte, die mir sehr wichtig erscheinen, da diese für mich eine Bereicherung darstellen. Die nehme ich auch mal in ’nem Nebensatz nach ’nem Spiel vor an der Budapester auf.
    Ich habe den heutigen Nachmittag damit verbracht, einen Blogpost zu der momentanen Situation der ersten Herren aus meinem Blickwinkel zu pinseln und, der von Dir verlinkte Blogpost vom magischerfc.de ging bereits online, auch einen kleinen Aufruf mit einzubloggen, der sich auf unanemeessene Kommentare und das heutige „Twitter Szenario“ bezgl. kommenden Sonntag bezieht. Nicht gerade ober feinstreifig, aber trotzdem äußere ich dort einen Wunsch.
    Das Posting ist noch nicht on, da wollte ich morgen Vormittag nochma‘ rüber huschen, immerhin hab‘ ich wegen gewisser verabreichter Substanzen im Rahmen (m)einer Behandlung auch so’n büßchen ein wenig „Breitness“ unterm Pony (gehabt)… nu‘

    Wie bereits via Twitter, nu‘ nochma‘ hier:

    – im umfeld des #fcsp hast du nichts zu befürchten

    – Fernbleibeentschluss ist (soeben) via Kronkorkenmonopoly aufgehoben worden. Präsenz ist Deine stärkstest Argument.

    – immer mit Dir! Egal ob Blogpost nu‘ meine Meinung wiederspiegelt, oder nich’….

    es grüßt (leicht beschädelt) der quote

  6. momorulez November 27, 2014 um 11:32 pm

    Ich bin jetzt tatsächlich im ganz und gar tatsächlichen und wirklichen Sinne gerührt und freue mich wahnsinnig über Deine Worte und hab jetzt gerade gar keine angemessenen und freue mich sehr auf Dich am Sonntag!!!!!!!

  7. KiezkickerDe November 28, 2014 um 12:06 am

    Ich verstehe die Diskussion nicht. Nicht die auf Twitter, nicht die auf Facebook mit Patrick – ich habe in jedem zweiten Satz das Gefühl, dass ihr so richtig genial aneinander vorbei redet. Ich habe deinen Brief an die Mannschaft unterschrieben in dem Wissen, dass da natürlich einige Kanten drin sind. Wären sie das nicht, könnte ich auch Mopo lesen. Ich will kritisches in Blogs lesen, und das darf dann auch gerne mal akademisch verschwurbelt sein. Das ist anstrengend zu lesen, mag zeitweilig auch meinen bildungsmäßigen Horizont übersteigen, ist mir aber allemal lieber als irgendweches weichgespültes Bloggeschwurbel, was man schreibt, nur um nirgends anzuecken. Insofern schlackern mir etwas die Ohren, wenn ich dieses Pingpong zwischen dir und Patrick nachlese, wie ich schon schrieb habe ich das Gefühl, dass ihr irgendwie aneinander vorbeiredet, ich erkenne da zumindest keinen Zusammenhang. Kann aber auch an mir liegen, so als weißer, behinderter, männlicher hetero Mann, als fetter ungebildeter Deutscher ohne Unistudium. Öhm. Alle Klischees bedient?
    Es sind auch deine Texte, die immer wieder zu einer Selbstreflektion von mir selbst führen. Die mir als jemand, der hier auf diesem Planeten nur zu Besuch ist und die Menschheit studiert, aufzuzeigen vermögen, dass es da auch noch ganz andere gedankliche Ebenen gibt. So gesehen gehöre ich in gewisser Weise auch einer Randgruppe an – ich empfinde halt Dinge anders als es die neurotypische Mehrheitsgesellschaft empfindet. Ob mir dieses Wissen auf dem Fussballplatz nun weiter helfen würde? Ich glaube eher nicht… Aber es erleichtert das Nachvollziehen können dessen, dass es auf diesem Planeten eine Vielzahl von Gruppen von Bewohnern gibt, die aus ganz unterschiedlichen Gründen einer Minderheit angehören. Sich dessen oftmals aber gar nicht bewusst scheinen, denn die Wahrnehmung wird doch recht stark von Äußerlichkeiten bestimmt – und da fühlen sich viele halt doch sehr der „Mehrheitsgesellschaft“ verbunden, obwohl es deutlich mehr Dinge gibt, die sie von dieser abgrenzen.

    Deine Texte mögen mitunter schwer zu lesen und verstehen sein, aber für mich festgestellt habe ich inzwischen, dass es sich meist lohnt, über sie zumindest nachzudenken. Meist öffnen sie einem neue Blickwinkel auf Dinge, die man selbst so noch nicht auf dem Schirm hatte. Sei es, weil der eigene, persönliche Kosmos ein anderer ist, oder sei es, weil man eben wirklich noch nicht genug über einen Aspekt nachgedacht hat. Und nachdenken muss man bei deinen Texten. Und sei es auch nur um zu verstehen, was du eigentlich aussagen möchtest. :o)

    Ich habe deinen letzten Post einfach als emotionalisierten Rant verstanden. Ich habe ihn als Momentaufnahme verstanden. Als Aufforderung. Ein „Scheiß Millionäre“ las ich nicht. Kann ich da auch nicht hinein interpretieren. Ich schaffe es einfach nicht. Du hast quasi das formuliert, was ich durch das bei mir eingebundene Youtubevideo vom Rostockspiel zu sagen versuchte. Ohne viele Worte.

    Und vor allem habe ich in dem Posting gänzlich andere Schwerpunkte herausgelesen, als sie in den folgenden Diskussionen dann letztlich aufzukommen schienen. In denen aneinander vorbeigeredet wurde. Im übrigen auch von Dir. Auf Facebook muss man anders schreiben als du es hier im Blog zu tun pflegst, sonst entsteht viel Gegenwind auch schon dadurch, dass man sich eben nicht versteht.

    Für diese Erkenntnis ist es aber wohl erforderlich, deine Schreibweise zu kennen. Zu wissen, mit welchem Hintergrund du deine Texte schreibst. Um das geschriebene hinsichtlich deiner sonstigen Texte einordnen zu können. Jenseits von der Farbe von Fussballschuhen oder Frisuren.
    Dieses Wissen haben viele der durch den Presseartikel hereingestolperten offenkundig nicht, und können es entsprechend nicht passend einordnen.

    Ich bin wirklich etwas irritiert…

    Aber eines geht gar nicht – dass du dir deswegen überlegst, nicht zu einem Spiel vom FCSP zu gehen. Ich mein, ich kenne dich (glaube ich, aber das ist noch mal eine ganz andere Problematik) nicht persönlich, und ich ticke sicher nicht immer so wie du, aber du bereicherst meine Gedankenwelt. Und in dieser rosaroten Welt gehören auch Personen, die anders denken wie ich, anders empfinden – so lange sie den „Grundkonsens“ eines FCSP – Fans leben und denken. Oder es zumindest ernsthaft versuchen. Und da zweifel ich bei dir nicht ansatzweise.

    Insofern gehörst du unbedingt in (m)ein Stadion, in dem ich mich wohlfühlen kann.

    Achja – ich fand deinen „Satter, weisser Mann“ – Absatz hier im Post übrigens gross… wollt ich noch kurz einwerfen. Schaue ich mir die hiesige Presselandschaft an, scheint da was dran zu sein.

    Wie gesagt – ich bin etwas irritiert…

  8. Fußballfan November 28, 2014 um 12:48 am

    Ich möchte zum Thema Stolz ergänzen, da ich diese Diskussion gerade mit einem Freund geführt habe, dass dieser Begriff m.E. nicht immer richtig verwandt wird. Stolz ist eine innere Haltung, eine Einstellung sich selbst gegenüber. Meiner Meinung nach ist „Nationalstolz“ ein ähnlich falsches Wortkonstukt, wie „public viewing“, da ich auf eine Nation oder Anderes außerhalb meines persönlichen Empfinden und Handeln, nicht stolz sein kann. Es macht keinen Sinn. Ebenso wenig, wenn Eltern sagen, sie seien stolz auf ihr(e) Kind(er). So wie ich die Definition des Wortes verstehe, meinen (bei diesem Beispiel) die Eltern mit dieser Aussage eigentlich, dass sie stolz auf sich selbst sind, im Sinne von Zufriedenheit, wenn aktives Handeln nach persönlichen, moralischen und ethischen Grundsätzen das gewünschte Ergebnis bringt.
    Von daher finde ich die Verwendung des Wortes Stolz im offenen Brief absolut passend und zutreffend. Und nichts würde mich für die Mannschaft mehr freuen, sähe ich Spieler, die nach einer guten Leistung, mit „stolz geschwellter Brust“, wie es so schön heißt, vom Platz marschieren, was ja nichts anderes meint, als die Zufriedenheit durch Anerkennung der eigenen Leistung durch sich selbst oder Andere.

  9. Tröööt November 28, 2014 um 1:45 am

    Hei Momo,

    da du (u.a.) zu Ergänzungen einlädst, und ich Grund zu der Annahme habe, dass mensch dich da beim Wort nehmen darf 😉 :

    >> die “Marginalisierten” haben dazu gar keine Chance mehr, weil sie ggf. eh nieder gebrüllt, verschwiegen oder mit Gewalt bedroht werden <>Was tun? Aushalten oder aussprechen, damit sich was ändert?<<

    Aufhören, Nachlassen? He! Das kannst du jetzt nicht mehr bringen🙂
    Für mich war dieser Text nicht lang und verschwurbelt, sondern ne große Hilfe. Dankbar ist das falsche Wort, aber ich fühl mich weniger alleine. In letzter Zeit so weit „gesilencet“ und damit allein, dass ich kurz vorm Aufgeben war, gerade auch im hypermännlichen Fußballkontext (ich schreibe ja – wie du weißt, aber für die Mitlesenden – nicht aus schwuler, sondern weiblicher Perspektive, die natürlich anders ist, da tritt dem Aufbegehren noch diese Erwartung, hübsch lieb und gefällig zu sein, entgegen, die so verankert ist, dass sich da kaum eine für die Pariaseite ggü der des Parvenüs entscheidet, die Bevölkerungsmehrheit bietet da keinerlei Lobby). Auf die Gefahr hin, eine Standard-Blog-Kommentarspalten-Aussage zu treffen: Mir hat es heute wirklich wieder Mut gemacht, deinen Text zu lesen.

    Ändert nix daran, dass ich in unserem anderen Thema weiterhin nen Haufen Kritik an dir habe, damit das klar ist 8)-

    Aber in diesem hier bin ich an deiner Seite, wenn du mich lässt und wenns drauf ankommt auch in persona, es kann auch echt nicht in Frage kommen, dass du dich verdrängen lässt und wegbleibst. Natürlich ist das nur deine Entscheidung, aber ich hoffe (und glaube eigtl auch) nicht, dass du sie so treffen wirst. Du bist jedenfalls nicht allein.

    Dass gerade dieser Text so ein Gehate hervorgerufen hat, habe ich anfangs auch nicht verstanden. Du weißt, dass ich dich kritisch lese, habe hier aber überhaupt keinen verkehrten Ton gefunden, schon gar nicht etwas, was Hass hervorrufen kann. Ich fand den Text noch nicht einmal bissig, wie du sonst ja durchaus bist, sondern hier eher zornig, und in diesem Zorn war soviel Gefühl und Liebe.

    Ursachenforschend gerate ich da eher auch auf die oben herausgegriffenen Punkte (womit sich nicht diejenigen angesprochen fühlen sollen, die deine Gedanken einfach nur nicht teilen oder nachvollziehen können, ich glaube auch nicht dass das diejenigen sind, von denen die üblen Dinge ausgingen), und das ist ein weiterer Grund, dass du dich nicht kleinmachen (s)darfst(/s) solltest, weder im Real Life noch im Real Blog.

    Sag ich als jemand, die sich noch vor ein paar Tagen gut über dich geärgert hat, und du womöglich auch für irgendeine Seilschaft hältst😉

  10. Tröööt November 28, 2014 um 1:52 am

    Irgendwie ist da zwischen den ersten beiden Zitaten Text verloren gegangen, ich versuche den mal nachzuholen:

    >> die “Marginalisierten” haben dazu gar keine Chance mehr, weil sie ggf. eh nieder gebrüllt, verschwiegen oder mit Gewalt bedroht werden <<

    könnte ergänzt werden um Bloßstellung/Diskreditierung durch z.B. Bagatellisierung, Lächerlichmachen oder/und der Behauptung, von verschleierten Hinterfgrundabsichten motiviert zu sein. Ist ein anderer und abzugrenzender Bereich ggü dem Niederbrüllen und der Gewalt(androhung). Wobei ich beide Bereiche schon erfahren „durfte“, der letztere aber besonders hilflos macht, nicht allein aufgrund seiner Subtilität, sondern auch durch den entsolidarisierenden Effekt. Menschen, sowohl nicht- als auch mitbetroffene, die sich bei einem direkten Affront gegen Abgedrängte noch an ihrer Seite positionieren, ziehen oder halten sich in diesen Fällen oft unwillkürlich zurück, um nicht selbst bloßgestellt zu sein. Sowohl dieser Effekt als auch die Unauffälligkeit seiner Wirkung gibt dieser Methodik eine besondere Infamie, neben der mir Niederbrüllen und Gewalt geradezu herzerfrischend ehrlich und – ich nenns mal: entgegnungsfähiger vorkommt.

    Wobei du weiter unten unter dem Stichwort „Silencing“ ja auch noch weiter darauf eingehst und hier derbe bei mir einhakst.

    (Das dann bitte innerlich dazwischenschieben, dann stimmts wieder ;))

  11. momorulez November 28, 2014 um 2:30 am

    @Kiezkicker:

    Ich komme gerade aus der Kneipe, das wird jetzt etwas unsortiert😉 …

    „Und vor allem habe ich in dem Posting gänzlich andere Schwerpunkte herausgelesen, als sie in den folgenden Diskussionen dann letztlich aufzukommen schienen. In denen aneinander vorbeigeredet wurde.“

    Ich habe da ja auch ganz andere Schwerpunkte beabsichtigt. Da stimme ich Dir zu😉 …

    Ich habe ein wenig verfolgt, was bei stpauli.nu usw. diskutiert wurde, versucht, auf das, was ich bei Patrick nicht als, na, freundlich formuliert, völlig absurd ansah, hier jetzt noch mal schlicht zu erklären.

    Das war für viele, die hier regelmäßig lesen, dann fast schon wieder erstaunlich, dass ich so vieles wiederhole. In einem etwas weiter gefassten politischen Zusammenhang geht es da ja letztlich darum, wie man Themen wie Rassismus, Homophobie, Sexismus, auch Klassismus und auch Ableismus, überhaupt politisch diskutiert und welche Analyseraster man da anlegt. Da hat Patrick oft sehr andere Sichtweisen als ich, oft auch nicht. Dieses Posting diente nun auch dazu, meine Position jenseits merkwürdiger Verzerrungen wie „Scheiß-Millionäre auf antirassistisch“ einfach noch mal darzulegen, weil die in der Debatte bei Patrick völlig verschwand. Für die, die bisher hier noch nicht gelesen haben.

    Ich finde das, was Du schreibst, auch die Irritation darüber, wie so ein aneinander vorbei reden verläuft – ich habe das ja da in irgendeinem Kommentar auch so geschrieben – als Wahrnehmung ungeheuer wichtig. Mir ist das Wort „neurotypisch“, das mir neu war, in Diskussionen in letzter Zeit sehr oft über den Weg gelaufen, und da habe ich lernen dürfe, was das für eine Seismographenfähigkeit bedeutet auf Seiten derer, die es kennen. Insofern verstehe ich auch Deine Irritation vollumfänglich als enorm wichtigen Hinweis – vor allem darauf, dass das, was inhaltlich gesagt wurde, gar nicht dem entsprach, was auf anderen Kommunikationsebenen die ganze Zeit ablief.

    Und diese andere Ebene, die hat mich heute morgen nun tatsächlich felsenfest überzeugt aber so was von echt echt dazu bewegt, mich dem, was ich extrem aggressiv empfand, so massiv, dass ich tatsächliche Bedrohungen nicht mehr weg denken konnte, solche Debatten einfach meiden zu wollen. Weil sich die kulminierten: Das habe ich ja nicht zum ersten Mal in „der Fanszene“ im Besonderen, in „der Linken“ im Allgemeinen erlebt. Ich habe mittlerweile eine gewissen Horror entwickelt, mir diese offene Feindseligkeit anzutun, da, wo ich nur das einfordere, was als offizielle Vereinsdoktrin gilt.

    Es ist aber über den Tag hinweg dermaßen viel emotional unübertreffliche Unterstützung mir im positiven Sinne „widerfahren“, wie ich das nun auch nicht so oft erfahren habe in meinem Leben. Das war natürlich sehr schön.

    Das zeichnet den FC St. Pauli dann wohl tatsächllch auch aus🙂 – und all die tollen Menschen, die es da gibt.

    Und Dein Posting im Besonderen auch. Über das ich mich sehr freue, das sehr unterstützend ist – deshalb Danke!

  12. momorulez November 28, 2014 um 2:31 am

    @Fussballfan:

    „Von daher finde ich die Verwendung des Wortes Stolz im offenen Brief absolut passend und zutreffend. Und nichts würde mich für die Mannschaft mehr freuen, sähe ich Spieler, die nach einer guten Leistung, mit “stolz geschwellter Brust”, wie es so schön heißt, vom Platz marschieren, was ja nichts anderes meint, als die Zufriedenheit durch Anerkennung der eigenen Leistung durch sich selbst oder Andere.“

    Danke!!! Ja. Ja, Ja. Das meinte ich. Ja!!!!

  13. momorulez November 28, 2014 um 2:43 am

    @Tröööt:

    Keine Sorge, ich halte Dich weder für einen Teil von Seilschaften, noch würde ich mich persönlichen Begegnungen verweigern, noch freue ich mich über die Abwesenheit von Kritik😉 …

    Ich freue mich vielmehr über Deine Ergänzungen!!! Und ich will doch einfach nur, dass Aussagen wie die folgende:

    „In letzter Zeit so weit „gesilencet“ und damit allein, dass ich kurz vorm Aufgeben war, gerade auch im hypermännlichen Fußballkontext (ich schreibe ja – wie du weißt, aber für die Mitlesenden – nicht aus schwuler, sondern weiblicher Perspektive, die natürlich anders ist, da tritt dem Aufbegehren noch diese Erwartung, hübsch lieb und gefällig zu sein, entgegen, die so verankert ist, dass sich da kaum eine für die Pariaseite ggü der des Parvenüs entscheidet, die Bevölkerungsmehrheit bietet da keinerlei Lobby).“

    in all den Diskussionen rund um diesen Verein und weit darüber hinaus MÖGLICH sind und nicht irgendwelche anmaßenden, belehrenden, weg-mackernden Reaktionen erfahren!!!

    Ich kriege das aufgrund eines gewissen Alkoholpegels gerade nicht mehr hin, beide Kommentare zusammen zu basteln. Aber der Raum dafür, dass Du das äußern kannst, ohne dass Dir wer blöd kommt, der ist sooooo wichtig. Und die Vereinskultur ist noch nicht so weit. Wenn wir da eines Tages hinkommen, man ey, dann haben wir dermaßen viel erreicht!!!

    „Ich fand den Text noch nicht einmal bissig, wie du sonst ja durchaus bist, sondern hier eher zornig, und in diesem Zorn war soviel Gefühl und Liebe.“

    Danke! Da hast Du das, worum es mir ging, sehr viel besser erfasst als andere Leser😉 …

  14. Tröööt November 28, 2014 um 3:51 am

    Und schaffe es doch immer wieder, vor allem wenn mich etwas emotional aufpusht (tut das hier), mich total missverständlich auszudrücken, sorry😉

    – Die Seilschaften meinte ich halb scherzhaft, hatte mich aber natürlich auch gefragt, ob du mich vielleicht da siehst aufgrund der Personenbezüge (wobei ich aber hoffe, falls du dich da was gefragt hast, dass du mich dann erstmal fragst ;))

    – „in persona“ war wohl wirklich zu verklausuliert ausgedrückt, in Absicht der Vermeidung altpunkerlicher Gewaltattitüden (da bin ich etwas geprägt *schluck*🙂 ) , war aber die Mitteilung, dass im Falle, dass jemand seine Kloppedrohungen wahrmachen möchte, er gerne auch von mir welche kriegen kann😉

    – dass du Kritik wirklich haben möchtest, hab ich ernst gemeint – das hat mich bei unserm Erstkontakt sehr überrascht und für dich eingenommen, wie du reagiert hast. Ich hab an dir gesehen und mag auch gerade das: du würdest (glaube ich) nicht aus „Höflichkeit“ einladen, sondern nur wenn du das auch so meinst. Und da bist du sehr ruhrgebietslike, was mein Fall ist und mir in HH so oft fehlt 😉

    Und dass du gerade aus der Kneipe kommst, ist aus meiner Sicht das Beste, was du machen konntest! Lass dich nicht fertigmachen, never 😉

  15. Pingback: #np Remedy ( ▶ Rose Tattoo) – #fcsp Anspruch, Situation, Freibeuterbrief & “Fankrise 2.N” | Quotenrock by QuoteniRud.us

  16. momorulez November 28, 2014 um 10:30 am

    Habe mich wegen der Seilschaften nichts gefragt😉 … so war ja auch der Mailverkehr nicht, gar nicht. Und so wie ich manchmal vor mich hin wettere, mag das erstaunen, dass ich Kritik tatsächlich wahnsinnig hilfreich finde. Es gibt ein paar Bereiche, da bin ich recht kompromisslos, aber gerade das Thema, zu dem wir uns mailten, ich meine nicht die Person, sondern das Strukturelle, das gab in den Restaurants und Kneipen rund um den FC St. Pauli auch tatsächlich noch allerhand Anschlusskommunikationen. Und das ist das ja immens wichtig, Perspektiven wie Deine zu kennen. Nicht, um explizit auf irgendwen dann Vertrauen brechend Bezug zu nehmen, sonder wegen der Argumente.

    Mit Menschen aus dem Ruhrpott habe ich lustigerweise tatsächlich ein traditionell sehr gutes Verhältnis ;D – anders als zu manchen Kölnern. Und ich glaube auch zu wissen, was Du da meinst, dass es Dir in HH fehlen würde. Hier dünkelt es viel.

    Kneipe war sehr schön gestern! Auf St. Georg😉 – schon wegen des zauberhaften Barkeepers war es ein toller Abend!!!

  17. kleinertod November 28, 2014 um 4:05 pm

    Was da alles auf Dich eingeprasselt ist und was Du für Deinen liebevoll-erregten Appell für absurde Angriffe aushalten mußtest, das ist schon bezeichnend dafür, wie wichtig all die von Dir in den beiden Beiträgen angesprochenen Themen sind. Es geht ja nicht um fortwährende Meinungsgleichheit – es geht um das grundsätzliche Miteinander.

    Und wenn ich schon dabei bin, dann noch folgendes: ich lese immer gerne Deine Beiträge und freue mich darüber, daß es diese gibt. Und Dich sowieso. ^^ Mußte jetzt mal sein. Auf bald!

  18. goodsoul November 28, 2014 um 5:25 pm

    Pro Momo!!!

  19. momorulez November 28, 2014 um 5:33 pm

    @Kleiner Tod:

    Danke😉 … und ich bin ja auch froh, dass es Dich und Dein Blog gibt!

    Und als ich gestern twitterte, dass ich dem Stadion fern bleiben würde, war das keine Koketterie. Da kann mir ja der FC St. Pauli noch so viel bedeuten – es gibt Formen und Intensitäten der Attacke, und das nun keineswegs zum ersten Mal, bei denen ich mich dann schon frage, was ich mir selbst zuzumuten bereit bin.

    Die ja bemerkenswerterweise genau dann auftauchen, wenn mensch ein paar Zentimeter über die Marginalisierungshürde hinaus guckt und eigenständige Perspektiven formuliert und mal nicht den eh schon überall Dominierenden die Bühne und die Regie überlässt. Und überhaupt Aufmerksamkeit und Zustimmung erfährt.

    Dass der Konflikt sich an dem Thema „Marginalisierungserfahrungen“ entzündete, was in der Geistesgeschichte eben sehr oft jüdische Erfahrungen waren, und das dann mit solchen Kanonaden zu beantworten, da muss sich die andere Seite schon fragen, wie konsistent die eigene Position da ist.

    Das, was ich hier oft vertrete, hängt zusammen mit den „Diaspora-Studies“, die es in den USA weiter verbreitet als hier gibt, dort freilich oft auf Black Communities, aber nicht nur diese, bezogen. Dass nun wiederum im Gospel so häufig auf das Alte Testament Bezug genommen wird, „Go down, Moses!“, das hat auch seine Gründe die Überlieferungen mit dem Auszug aus Ägypten waren schon beeindruckend für Versklavte.

    Und dann lies vor dem Hintergrund mal die Antworten, da müssen echt Hausaufgaben gemacht werden. Neben dem, dass ich groben Unfug nun nicht auch noch als Vorgabe akzeptieren wollte, habe ich drauf verzichtet, das Fass nun auch noch aufzumachen, weil ich mir sicher bin, dass denen das früher oder später auch so auffällt.

    Und das ist das Gute an dem Konflikt – nicht, dass die sich das fragen müssen, sondern, weil es etwas offen legt. Es gab nun lustigerweise ausgerechnet von einem Guru der Flüchtlingsarbeitsszene eine Reaktion darauf, dass ich die eigene Perspektive der Lampedusa-Gruppe hier unterstützte und stark machte, es gäbe so eine Tendenz, die Flüchtlinge zu idealisieren😀 – ich habe gerade einen Lachkrampf. Das kommt nämlich IMMER, wenn Gleichberechtigung eingefordert wird und zudem auf die Potenziale, die damit zusammen hängen, verwiesen wird – eine sehr krasse Abwehr, die dann in Variationen der Behauptung eines „irren Kultes um Frauen, Schwule und Ausländer“ (ich meine den Buchtitel, nicht das ganze Buch) gipfelt. Jetzt rastet wieder irgendwer irgendwo aus. Aber das wäre auch „Silencing“, würde ich das jetzt nicht schreiben. Gerade die, die gewöhnt sind, als Platzhirsche sich für ihre Lieblingsminderheiten einzusetzen, rasten völlig aus, wenn die mal selbst was sagen und die eigene Erfahrung auch noch relevant finden. Das kannst Du in Deutschland flächendeckend beobachten.

    Exakt das ist mir aber schon mal in der aktiven Fanszene passiert, dass an dem Punkt das Mobbing einsetzte. Damals ja während und nach einem Event, den es so und in der Form noch in keinem Stadion dieser Republik und noch nicht mal in Räumen, die dafür eher vorgesehen wären, vorher gegeben hat.

    Man könnte da jetzt noch ganz andere Fässer aufmachen, auch und gerade dann, wenn man sich anguckt, wer in diesem Konflikt institutionell abgesichert ist und wer nicht. Das geht ja tief in berufliche Bereiche hinein. Deshalb taucht dann auch die Klarnamenfrage da auf. Weil es auf der anderen Seite die Ansicht gibt, dass sie ja mit ihrem Namen, mit dem sie auch ihr Geld verdienen, „für die Sache“ eintreten würden. Der dann z.B. auch googelbar ist, wenn sie Kritik erfahren. Umgekehrt habe ich schon Verluste in sechsstelligen Bereichen eingefahren, wenn ich auch nur entfernt andeutete, was ich hier schreibe, die mich beinahe vollkommen ruiniert hätten. Was mich ja auch zu einem Bruch in meinem Berufsleben veranlasste.

    Ich habe ehrlich gesagt für den, der am schärfsten geschossen hat, noch das meiste Verständnis, weil der da auch schon so seine Erfahrungen gemacht hat, was es heißt, mal auffälligere Positionen da zu vertreten, wo die arbeiten. Und bei den Internetveröffentlichungen können auch tatsächliche Existenzängste hinein spielen, wenn man an denen, wie ich finde, berechtigte Kritik äußert, und sei es auch nur in einem kleinen Blog wie diesem. Ich weiß es nicht, vermute das aber. Und das ist der deutliche Hinweis, den ich da mit nehme – Kritik nicht mehr unter direkter oder namentlicher Bezugnahme zu veröffentlichen, sondern abstrakter. Das ist der Punkt, wo die zu Recht Rücksichtnahme einfordern, und das merke ich mir jetzt. Da hätte mich aber auch jeder einmal anmailen können oder sogar anrufen, dann wäre das auch gegangen. Ich meine, wir waren schon Bier zusammen trinken.

    Es gibt in diesen Zirkeln auch offene Ängste vor der im Guten wie im Schlechten sehr viel unreglementierteren Netz-Öffentlichkeit, ja, sogar ernsthafte Vorbehalte. Und das Ganze war halt in meinen Augen eine Racheaktion für bisher hier Geschriebenes. Aber auch da waren deren Texte zuerst da. In anderen Fällen waren sie aber sehr mutig und sind sehr hohes Risiko gegangen, was ihre Existenzsicherung betrifft, hinsichtlich dessen, was sie schreiben. Da übersehen die dann auch, wann wir an einem Strang gezogen haben, und ich habe versäumt, das oft und deutlich auch zu bemerken und hervor zu heben. Aber es war nicht ich, der Zusammenarbeiten ausgewichen ist. Und es bin dann ich, der buchstäblich die Hosen runter läßt. Das brauchen die ja gar nicht. Da ist die schwule Position die eindeutig intimere.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich wäre dieses Mal wirklich weg geblieben, das war mir einfach too much.

    Die Soli-Welle, die dann bei Twitter abging, hat mir wahnsinnig gut getan, und dieses Mal habe ich die auch wirklich emotional gebraucht. Ich schreibe hier sonst nicht, um Beifall zu erhalten, irgendein bestimmtes Publikum zu bestätigen oder zu befriedigen, gehe eher in einen Konflikt rein, als groß darauf zu achten, ob das nun meinem „Image“ schadet oder nicht, wie niemand besser weiß als Du😀 … und bin ja biographisch auch gewöhnt, notfalls eben alleine mich durchzuschlagen.

    Dieses Mal haben mich diese sehr schönen und deutlichen und warmherzigen Reaktionen zurück geholt und mich auch total gefreut, auch die hier im Blog, und ohne die wäre ich weg. Gerade weil da nun einige dabei waren, mit denen es auch schon heftige Auseinandersetzungen gab. Dann funktioniert ja irgendwas doch sehr gut in dieser Fanszene😉 … und in der Mannschaft bestimmt auch bald wieder.

  20. kleinertod November 28, 2014 um 9:41 pm

    Bin jetzt gerade viel zu wenig nüchtern, um auf Deine Worte angemessen eingehen zu können.😉 Bitte mein diesbezügliches Nichtantworten daher nicht falsch einschätzen.

  21. momorulez November 28, 2014 um 9:46 pm

    Kein Problem😀 – war ja auch zugleich für mich eine abschließende Zusammenfassungsmöglichkeit noch mal.

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