Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …

… ich schreibe jetzt einen echten Scheiß-Text und lasse mich dafür auch öffentlich beschimpfen.

Ich habe mir das Spiel heute in Leipzig nämlich noch nicht einmal angeguckt. Wegen euch.

Ich vermute, dass euch das scheißegal ist. Weil ich nicht glaube, dass ihr im Gegensatz zu anderen Spielern zuvor unsere Blogs lest. Na, zwei, drei, vier von euch vielleicht, eben jene, die auch in Jugendmannschaften schon hier gespielt haben und mit dem Umfeld auch jenseits folkloristischer Mitgröhl- und Kochveranstaltungen wie „Ein Kessel Braun-Weißes“ zu verstehen suchten, was die Seele dieses Vereins bewegte.

Ich liebe den FC St. Pauli über alles, er begleitet mich seit über 14 Jahren. Ich habe Rumpelfüße bei uns brillieren, technisch limitierte Spieler ganz und gar st. paulianisch los dreschen sehen, sie waren erfolgreich, und bin grummelnd nach Niederlagen mit „Ich lieb sie doch!“ eingeschlafen. Wir haben „Aufwachen!“-Chöre angestimmt,  „Scheiß St. Pauli“ angesichts von Slapstick-Fussballt gebrüllt und Versagen TROTZDEM liebenswert gefunden. Ich bin nun auch schon drei Mal mit diesem Verein abgestiegen, und die Bindung zu denen auf dem Platz war immer da. Aber so was – nee.

Was ihr jetzt so treibt, das geht mir langsam echt auf die Nerven.

Man rekonstruiert sich als Zuschauer ja allerhand zusammen

, wovon man keine Ahnung hat. Schreibt lauter inkompetenten Blödsinn, der auf Gerüchten fußt.

Dennoch fällt eben das eine oder andere auf, das sich nicht von der Hand weisen lässt.

Zum Beispiel, dass es euch mit Bravour gelingt, fortwährend eure eigenen Chefs zu demontieren. Das ist noch nicht mal was per se Unsympathisches, gegen Autoritäten und so.

Es ist dennoch so, dass ich mich mittlerweile für manches schäme und auch um Entschuldigung bitte, was ich hier über Roland Vrabec geschrieben habe. Weil es schon frappierend ist, dass ihr es unter Thomas Meggle noch bunter zu treiben scheint und den schon zu ganz ähnlichen Reaktionen getrieben habt, wie Vrabec sie zeigte, mit eurer passiv-aggressiven Haltung. Das wirkt ja schon fast wie „Versagen aus Trotz“. Nur gegen wen oder was trotzt ihr denn?

Das liegt doch alles nicht an den Fähigkeiten der einzelnen Spieler. Da ist doch ein Wurm im Mannschaftsgefüge, eine Haltung, die unerträglich ist.

Unter Vrabec hatte ich den Eindruck, dass er aus Unerfahrenheit und Empfindlichkeit an irgendeinem Punkt den unzulässig Autoritären heraus hängen ließ und Azzouzi auch nichts anderes kennt, als Druck auszuüben. Sorry dafür. Echt jetzt.

Dann bekommt ihr einen, der zunächst ganz auf Motivation setzt, sich schützend vor euch stellt – und binnen kurzem  ganz genau so ausrastet und nun fast schon resigniert darüber faselt in Pressekonferenzen, dass wir eben nicht auf Augenhöhe mit einem Verein wie Leipzig seien.

Das sagt wohlgemerkt einer, der am Millerntor als Weltpokalsiegerbesieger erfuhr, dass gerade mangelnde Augenhöhe zu wahren Höchstleistungen anstacheln kann.

Ihr dagegen spielt zu Hause immer mal 15-20 Minuten gerade bei jenen, die als „auf Augenhöhe“ gelten, kurz „wir könnten zaubern, Klassespieler, wie wir sind“, fangt euch anschließend aus Dösbaddeligkeit und taktischem Unvermögen ein Gegentor nach dem anderen ein, bis man nicht mehr weiß, ob ihr nun Mitleid verdient, Hohngelächter oder  einfach ein „ach, das ist mir jetzt so scheißegal wie euch das Spiel, hoffentlich ist es bald vorbei“.

Keine Frustrationstoleranz, oder was habt ihr für Probleme?

Ich finde das so würdelos. So fernab jeglichen Stolzes.

Frage mich dann, ob es denn Marginalisierungserfahrung braucht, um nicht so durch das Leben zu labbern und zu wabern, wie ihr das tut, ihr satten, weißen Jungs – die einzigen, die da was reißen, sind regelmäßig Ratsche, der wohl erlebt hat, was es heißt, „der Kleine“ zu sein, und Okan Kurt. Entsprechend wurde Ratsche jetzt ja auch zusammen getreten, weil sein Engagement eben auffällt. Angst ist aber auch ein schlechter Berater und macht unglücklich. Das kann man auch von ihm lernen.

Habt ihr gar keine Ressourcen entwickelt, euch mal wirklich wehren zu müssen??? Seid ihr immer mit geschwommen im Mainstream, weil es sich da so angenehm lebt? Kennt ihr so was wie Selbstbehauptung angesichts widriger Umstände gar nicht?

Ja, man geht damit allen auf die Nerven, fortwährend, lässt man sich nicht jede Demütigung bieten, aber das ist doch besser als so eine Trantütigkeit wie eure. Jeder Schwule, jede Lesbe, alle PoC, die ich kenne, lernen auf dem Schulhof, wie man TROTZDEM wächst oder gerade deshalb, eben weil da heftiger Gegenwind weht. Schneidet euch da mal eine Scheibe ab.

Ich erinnere mich gut daran, wie einst ein Team von anderswo Aussortierten (!!!) bei uns glänzte und den Gegner durch permanentes Toreschießen zermürbte und immer wieder aufzustehen in der Lage war, noch wenn es in Fürth ein Debakel gab.

Und ihr rennt jetzt immer wieder auf’s Neue los, um euch verprügeln zu lassen? Vielleicht, weil es euch gar nicht stört? Manchmal glaubt man ja schon, ihr singt abends in Kneipen Ständchen „Who the fuck is St. Pauli“, macht euch insgeheim über diese bekloppten Politisierten lustig, die noch nicht mal pfeifen, wenn ihr wieder rum blödelt.

Auch wenn dem nicht so ist und ich hier völlig daneben haue, während ich in die Tasten tippe, was ja sein kann: Dass es euch gelingt, euch nun derart unfähig zu stellen, dass selbst der Trainer das glaubt und ihr auch noch, ob gewollt oder nicht, die Demontage von Azzouzi und Meggle betreibt, nee, das ist einfach unverzeihlich.

Das Forum von ist voll von Spekulationen darüber, ob denn einer, der als Spieler und Sportdirektor keineswegs ohne Erfahrung ist, nicht in der Lage sei, Spieler adäquat zu beurteilen. Dass ihr, nein, nicht alle, diesen Effekt erzeugt, ist eine Form der Unverfrorenheit, die sich gewaschen hat.

Und Meggle werdet ihr eh nicht los, der hat im Gegensatz zu euch schon Heldenhaftes am Millerntor gerissen. Und uns müsst ihr auch noch eine Weile aushalten. Auf das Präsidium kann nun auch nichts mehr geschoben werden. Ihr seid dran. Übernehmt doch mal Verantwortung.

Lasst das mal sein, dieses euch unter Wert verkaufen. Besinnt euch gefälligst auf das, was nun menschlich geboten ist: Wachst über euch hinaus.

Das kann nämlich enorm Spaß machen. Tut es für euch selbst, nicht für uns.

34 Antworten zu “Liebe Mannschaft des FC St. Pauli …

  1. pauliane November 23, 2014 um 6:56 pm

    DANKE :-*

  2. momorulez November 23, 2014 um 6:57 pm

    Gerne geschehen, es ist echt durchlitten😦 …

  3. KiezkickerDe November 23, 2014 um 7:46 pm

    Grandios, zutreffend, starke Worte – aber einfach nur wahr. Darf ich das bitte unterschreiben?

    Stefan Roßkopf
    (Danke)

  4. momorulez November 23, 2014 um 7:47 pm

    Danke! Du darfst unterschreiben, Text übernehmen, zitieren, was immer Du möchtest😉 …

  5. Andre November 23, 2014 um 7:53 pm

    Klare Worte und Durchblick!

  6. derMichel November 23, 2014 um 8:08 pm

    Gut geschrieben! Möge es die Mannschaft als Rückfahrtlektüre lesen und zum Denken animieren

  7. uhligirl November 23, 2014 um 8:17 pm

    Klingt nach einer wunderbaren Pflichtlektüre für die Jungs, während der Rückfahrt.
    Wenn du mir jetzt noch das mit der „Marginalisierungserfahrung“ und den „satten weißen Jugs“ erklärst… ^_^

  8. patrick November 23, 2014 um 8:20 pm

    Der erste der nicht als anfängt mit vrabec hätte man früher entlassen müssen
    Er hat keinen was getan

  9. momorulez November 23, 2014 um 8:20 pm

    Wenn Du im Kindergarten und in der Schule gemobbt, genervt, gequält oder ausgegrenzt wirst, weil Du lesbisch, schwul, schwarz oder Muslim bist zum Beispiel, dann entwickelst Du zumeist Ressourcen, Dich zu wehren. „Satte, weiße Jungs“ haben das nicht immer nötig, so was zu lernen. So weit ganz kurz gefasst, dazu könnte man ja lange Texte schreiben😉 …

  10. Frank November 23, 2014 um 8:23 pm

    besser kann man es kaum ausdrücken.

  11. uhligirl November 23, 2014 um 8:25 pm

    Ahh okay. Ja, klingt, als könnte man sich daran abarbeiten, aber das reicht so weit erst mal, denke ich😉 Thx.

  12. Günny November 23, 2014 um 8:56 pm

    Ich stimme dem voll zu,so kann es nicht weitergehen,dass ist wie Arbeitsverweigerung. Gehälter einfrieren,oder beim nächsten Heimspiel erst zur zweiten Halbzeit ins Stadion gehen. Besser noch komplett zu schweigen.Was machen die ohne uns Fans,die tausende Kilometer jede Saison fahren, und Geld ausgeben. Hauptsache Azzouzi kauft ein Spieler für 900000 Euro,der noch nicht ein Tor geschossen hat. Azzouzi,tu uns den Gefallen und geh einfach.

  13. momorulez November 23, 2014 um 9:01 pm

    Das mit Azzouzi war jetzt aber nicht meine Pointe, auch nicht das hinsichtlich Budimir: Ich sehe das Problem auf Ebene der gesamten (!!!) Mannschaft, die offenkundig ein gravierendes Mentalitätsproblem hat, nicht beim Sportdirektor – denn die steht auf dem Platz und kann was draus machen, er nicht. DIE ist jetzt in der Verantwortung und hat ihre Lage und das, was sie anrichtet, zumindest angesichts dessen, was man so sieht, wahlweise nicht gepeilt oder findet den Zustand gut. Transfersummen liefern da nur Entschuldigungen.

    Ich bitte auch, Transfersummen und Fragen nach dem Spordirektor lieber im Forum zu diskutieren, ich kann das hier nicht adäquat moderieren.

  14. Justus Pauli November 23, 2014 um 10:13 pm

    Ich bin nicht oft deiner Meinung, aber diesen Text finde ich einfach nur großartig!!! Danke, dass du zeigst wie St.Pauli funktionieren kann wenn es darum geht die Mannschaft in die Pflicht zu nehmen. Durch diesen Text wird klar warum ein Wort machtvoller sein kann als blinde Aggression. Vielen, vielen Dank!

  15. momorulez November 23, 2014 um 10:23 pm

    Ich danke zurück! Und man muss ja nun auch nicht ständig einer Meinung sein, so ein Grundeinverständnis gibt es ja, glaube ich, unter St. Paulianern, und genau daran muss man ja jetzt appellieren und die Mannschaft tatsächlich auf das auch verpflichten.

  16. franken6 November 23, 2014 um 10:53 pm

    Das eigenartige ist nur, dass es dann doch immer wieder vorkommt, dass ein neuer Trainer auf den Plan tritt und plötzlich können diese Jungs wieder gut spielen. Es widerstrebt mir, immer nach dem “schwächsten Glied” zu schreien, aber offenbar klappt es doch immer wieder auf diese Weise. Ich drücke Euch die Daumen, dass Pauli einmal mehr originell und erfolgreich einen “anderen Weg” beschreitet! Gruß aus Franken

  17. momorulez November 23, 2014 um 10:57 pm

    Danke und Gruß zurück! Den Trainerwechsel haben wir ja gerade versucht, und wenn Meggle die gleichen Probleme wie Vrabec hat, liegt es wohl wirklich an der Mannschaft, nun noch den Weg zu finden …

  18. Rainer November 24, 2014 um 12:22 am

    Sehr gut wahre Worte dankeschön

  19. Kneggebrot November 24, 2014 um 1:09 am

    Lieber Momorulez,

    du hast hier durchaus einige zutreffende Punkte aufgegriffen und nett artikuliert (:
    Weiter unten in den Kommentaren wiedersprichst du dir leider ein ganz klein wenig (ungewollt) und lässt einen Kommentar über die Führung des Clubs nicht gelten.
    Natürlich müssen keine Menschen gebashed werden – ist das richtiges Neudeutsch? (:
    noch sollte man unsachlich und vor allem persönlich werden!
    Jedoch ist alles was du beschreibst zwar sehr richtig, lässt sich aber in einem immer wieder zutreffenden (Nord-)Deutschen Sprichwort zusammenfassen: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken…
    Was du hier beschreibst ist ein strukturelles Problem beim FC St.Pauli – was (mit Abstrichen) mit Stani begann und leider immer weiter vorangetrieben wurde:
    St.Pauli wollte zu dem Ausbildungsvereinen für Junge Deutsche Spieler werden…
    Passt das zu St.Pauli??? Jedenfalls nicht zu dem Club mit dem ich groß geworden bin und die Publikumslieblinge ein Klaus Ottens (der Junge von Nebenan), Jan Kocian, Ivo Knofliceck (Techniker und Renner zu gleich), Lenardo Manzi (Liebling der Massen – besonders im Winter (: ), aber auch Strategen wie Peter Knäbel und Stefan Studer hervorbrachten… Diversität und Leidenschaft! Das war der FC St.Pauli einst…Aber ist der Stadteil nicht noch immer so???
    Oder haben auch auf dem Kiez mittlerweile die Yuppies das sagen denen man – und da sind wir bei deinen Worten – Weiße Einheits-Jungs präsentiert damit sie zum Zahlen für ihre teure Loge auch ja mehr Identifikation mit der Mannschaft bekommen?
    In anderen Clubs mag es funktionieren technische nur gut ausgebildete Max Müllers zu holen oder gar auszuleihen, die zwar von Top Clubs kommen, sich aber weder dort durchsetzen können noch sich mit dem „ArbeiterClub“ identifizieren, wie Jungs die sich nichts sehnlicher wünschen als im Millerntor als Profi aufzulaufen(Bsp.Statsev) – aber eben hier nicht!!!
    Millerntor-Fußball macht schon seit Jahren keinen Spaß mehr… wo sind denn die Jungs die es aus der eigenen Reihen über Pauli in die weite Welt geschafft haben???
    Klasnic, Bajramovic, Rahn, Meier etc…
    Und hier meine Damen und Herren, müssen sich handelnde Personen Fragen gefallen lassen!!!
    Ja Herr Azuzi zum Beispiel…
    Gonther, Zierreis, Halstenberg, Nöthe, Schachten, Nehring, Verhoek… und wir können weiter und weiter aufzählen…
    Das ist nicht das St.Pauli das ich kenne und das uns einst in guten und schlechten Zeiten immer begeistert hat!
    Daher muss ich dem Kommentar nicht in der Tonalität aber doch inhaltlich zustimmen das St.Pauli und die oberste Sportliche Leitung so nicht passen!
    Und hier möchte ich noch mal ein Riesen Kompliment an Thomas Meggle aussprechen!!!
    Es gibt sehr wenige Trainer, die in der Situation in der er Cheftrainer geworden ist (so wie auch Joe Zinnbauer – auch wenn zwar bei den Rothosen – trotzdem Respekt) den Weg gehen an den Sie glauben und Jungen Spielern (Kurt, Statsev, Upphof) eine Chance geben sich zu bewähren! Das ist St.Pauli und ich drücke ihm die Daumen, das er auf diesem Weg bleibt!

    Lieber den Abstieg ganz am Ende mit Jungen Spielern die sich zerreißen vermeiden, als so weiterzumachen wie die letzten Jahre!

    Das Wort zum Sonntag (puh ist ja schon Montach) von Knegge

  20. momorulez November 24, 2014 um 8:15 am

    Wir sind da gar nicht so weit auseinander😉 – weil ich glaube, dass es akut keinen Sinn macht, nun auf Azzouzi los zu gehen, aktuell ist schlicht die Mannschaft in der Pflicht und hat auch keinerlei Entschuldigungen mehr.

    Aber perspektivisch hinsichtlich dessen, wie dieser Club sich versteht, muss bei dem Sportdirektor natürlich auch mal im Kopf so einiges passieren, was spezifischer ist und eben zum FC ST. Pauli auch passt.

    Aber dafür haben wir ja nun gerade einen neuen Präsidenten, der unter anderem als Motto ausgab, dass wieder mehr hin geschaut und geprüft und unterschieden werden müsse, nicht etwa, wer so ganz im Allgemeinen in irgendwelche Vorstellungen dessen, was guter Fussball sei, entspricht, aber letztlich austauschbar ist, und dem, was wirklich zu uns passt und bei uns und nur bei uns funktioniert. Das ist ja auch die Lehre aus der Zeit des letzten Präsidiums, das immer erst mal da hin getragen werden musste, im st. paulianischen Sinne auch zu handeln. Im sportlichen Bereich haben sie die Zeichen, die sie anderswo an irgendeinem Punkt zu setzen vermochten – oder denen eher sie folgten – auch nicht rechtzeitig gesetzt.

    Was Meggle betrifft, bin ich ganz bei Dir. Dieser Forumsaufruhr gegen ihn nervt mich auch kolossal. Das ist einfach zu deutlich jetzt, wo der Wurm frisst, und da bin ich bei der Pointe auh ganz bei Dir. Lieber mehr aus den Jugendmannschaften holen, als sich dieses Gestümper gestandener Profis weiter anzugucken.

  21. Peter November 24, 2014 um 11:24 am

    Liebe St.Paulianer, als (fast) neutraler Beobachter und (ziemlich stiller) Mit-Sympathisant des Vereins FC St.Pauli möchte ich mal den Blick von Außen als Senf dazugeben. Ich habe diese Saison einige St. Pauli-Spiele im Fernsehen gesehen und fast immer nachträglich die Spielberichte gelesen. Man kommt dann nicht umhin zu konstatieren, dass Eure Mannschaft vom „Spielermaterial“ her einfach zu dünn besetzt ist. Nur Aalen, Sandhausen, FSV Frankfurt und (vielleicht) auch Aue bewegen sich auf einem ähnlich schmalen Niveau. Die Abwehr ist permanet löchrig und nach vorne fehlt die Durchschlagskraft Nur mit der Ur-Tugend des FC St. Paulis , dem Kampf sind diese (scheinbar) personellen Defizite auch nicht auszugleichen. Erst recht nicht, wenn von Niederlage zu Niederlage das Selbstvertrauen schwindet. Mit einem „schnellen“ Trainerwechsel schießt man meiner Meinung dann noch viel zu schnell eine weitere Kugel aus der Pistole und liefert schon früh den Spielern ein Alibi. Und wenn das aber schon muss, finde ich es fast unfair, mit Meggle eine St. Pauli-Legende (natürlich unfreiwilllig) zu demontieren. Was soll der denn machen ob des schwachen Kaders? Und, was soll der Verein machen, wenn sich der Abwärtstrend (wie zu befürchten ist) fortsetzt? Bevor man einen dann einen dritten Übungsleiter holen „darf“, ist es möglicherweise zu spät. So spielt man einzig und allein um den Relegationsplatz. Richtig wäre eine Weierbeschäftigung Vrabecs bis zur Winterpause gewesen und wenn ein Wechsel dann immer noch nötig gewesen wäre, holt man einen Trainer, der in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er mittelbegabte Mannschaften zu einer Einheit formen kann, die dann eine miese Saison immerhin mit dem Klassenerhalt beenden kann. So bleibt eigentlich nur die Variante den Abstieg mit ins Kalkül zu ziehen und so schnell wie möglich parallel einen großen Umbruch in der Mannschaft einzuleiten, fast egal in welcher Liga die nächste Saison beginnt. Nach Außen und für zukünftige Spieler sollten Signale gesendet werden, dass der Verein Ziele hat und etwas aufbauen möchte.Ich glaube, über „satte, weiße Jungs“ zu schwadronieren und permanent die Folklore zu bemühen, bringt gar nichts. Die 2. Bundesliga ist Profi-Sport und dafür braucht es Professionalität auf allen Ebenen. Die besteht hauptsächlich darin, den Druck auszuhalten. Sei es das Zusammenhalten der Abwehr, wenn der Druck vom Gegner kommt, der Druck bei einer Negativ-Serie, aber auch die Gewissheit, nächstes Spiel nicht mehr in der Startelf zu stehen, wenn die Leistung nicht stimmt. Management und Trainer müssen dem Druck von Außen standhalten können. Das kann allerdings nur gelingen, wenn man eine Richtung, den Weg und das Ziel formuliert und konsequent geht….

  22. momorulez November 24, 2014 um 11:38 am

    Über satte weiße Jungs zu „schwadronieren“ bringt sehr wohl was, und das ist schon mehr als nur Folklore – ansonsten aber Danke für den Kommentar. Problem wird für uns trotzdem die Unterscheidbarkeit bleiben, und die muss qualifiziertes Personal heran ziehen. Da geht es dann keineswegs nur um Kampf. Was definitiv nicht funktioniert, und genau das erleben wir gerade, ist nun Rezepte, die Ingolstadt oder Augsburg funktionieren könnten, auf uns zu übertragen. Das untergräbt unseren grössten Trumpf, und das ist immer noch die Heimspielatmosphäre. Die auf den aktuellen Kader nicht überspringt. Was uns wahnsinnig viele Punkte kostet.

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  26. Andy November 24, 2014 um 9:07 pm

    Auch ich begleite St. Pauli seit über 15j.
    aber ich hätte es nicht besser und treffender
    verfassen können!
    Mein Herz trägt St. Pauli und ich hoffe das alle
    Spieler diese message lesen und es sich zu Herzen nehmen und gg K’lautern anfangen zu zeigen was es heißt für den geilsten Verein der Welt spielen zu dürfen🙂

    Forza St.Pauli

  27. Mo de Fan November 24, 2014 um 9:34 pm

    Das Schlüsselwort war für mich *würdelos*. Was uns die Mannschaft seit der zweiten Hälfte der Rückrunde letzte Saison antut ist würdelos, rückgratlos. Verwerflich finde ich allerdings die ewig gleichen Phrasen von Spielern und Funktionären, bei den Interviews nach den Spielen. Leere Worthülsen die trotz einiger nicht ganz so schlechten Phasen nie wirklich mit Leben gefüllt wurden. Was bleibt ist der Glaube an hoffentlich schnell kommende bessere Zeiten.

    Ich will der Mannschaft Danke sagen!
    Danke das ihr es geschafft habt die Menschen auf den Tribünen im Millerntor derart zu demotivieren das nichtmal mehr die Fans noch Zweitliganiveau haben. Leipzig war auch ein Trauerspiel auf den Rängen, aber das lag auch daran das sich der harte Supportkern hat auseinandertreiben lassen. Da braucht es mal ne organisierte Lösung. Danke für nichts! Ich fahre trozdem so oft es die Arbeit zulässt weiter auswärts und jedes Heimspiel ist eh selbstverständlich. Sankt Pauli ist mein Verein und wird es auch für immer bleiben.

  28. Chris November 25, 2014 um 8:35 am

    Danke, danke und nochmals danke für den Text. Bin weit über 14-15 Jahre dabei aber solche abgewichsten Spieler ohne funken für den Verein. Schlimm und traurig! Ach ja, war auch in Leipzig und habe die lustlose Vorstellung gesehen. Bin immer noch richtig sauer!

  29. Cudie November 27, 2014 um 11:15 am

    Wohne seit 3 1/2 Jahren genau 156 km vom Millerntor entfernt, meine Dauerkarte GG habe ich seit 2006 noch immer. Jede Fahrt zum Millerntor kostet mich ca 8 Std Zeit und mindestens 50 €. Geld das ich mir echt absparen muss und dieses auch gerne getan habe, weil es mein Verein ist. Doch seit einem Jahr werde meinen Fahrten weniger, weil es mich langsam frustiert mit Niederlagen und noch schlimmer – mit dem Gefühl „heute wurden wir wieder einmal ohne Gegenwehr abgeschlachtet“ nach Hause zufahren. Meine Karte habe ich einen Freund gegeben.
    Ich erwarte kein Tiki-Taka Fussball wie in München und fortwährende siege. Was ich ewarte ist Leidenschaft, Kampfeswille und eine mannschaft, die durch dick und dünn geht. Und geht genau dieses fehlt mir seit langem. Ich glaube man sollte nicht Azzouzi die alleinige Schuld geben, auch wenn ich einige Sachen nicht nachvollziehen kann, aber ich bin auch nicht am Team. Dr Trainer ist eh die ärmste Sau auf dem Platz. Ich erwarte einfach nur, dass sich die Mannschaft den Arsch aufreisstauf dem Platz, dasmuss ich in meinem Job auch für deutlich weniger Kohle. Im Falle eines Abstiegs zieht man eben weiter……..
    Ach ja, Du hast einen hammerguten Text geschrieben, den sollte man jedem Spieler ausdrucken und vorlegen, damit sie endlich mal aufwachen. Forza

  30. Fußballfan November 27, 2014 um 3:09 pm

    Habe gerade entdeckt, dass das Hamburger Abendblatt diesen Blogeintrag verlinkt hat. Das könnte jetzt ein Kompliment sein, an Dich bzw. die Bloggenden rund um den FC St. Pauli, andererseits möchte Mensch vielleicht gar nicht in der Springer-Presse verlinkt werden. (Wobei Lutz Wöckner, ehemals HA, einer der Wenigen in der Hamburger Presselandschaft war, der nach journalistischen Grundsätzen über unseren FC berichtete, insbesondere bei brisanten Themen, wie z.B. der Überfall der BFE aufs Jolly.)

    Über diesen Text vielleicht noch eines: Nach dem Lesen gings mir etwas besser und ich konnte mir ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Wenn es nur nicht so traurig wäre…
    Vielleicht wäre es ja hilfreich, wenn Meggie jeden Dienstag vor dem Training ein Treffen ansetzt, mit Mannschaft, Funktionsteam und sportlicher Leitung, um sich gegenseitig aus Euren Blogs vorzulesen. Das wäre zumindest ein aktiver Ansatz, anstatt immer nur darauf zu hoffen, mit der Zeit käme das „Supi-Dupi-Pauli-Gefühl“.

  31. momorulez November 27, 2014 um 3:43 pm

    Über das ausführliche Zitiertwerden im Abendblatt war ich jetzt natürlich auch ziemlich erstaunt. Und ist das nicht mittlerweile verkauft von Springer? Wenn er denn zum Besserfühlen und Schmunzeln animierte, der Text, dann freut mich das inmitten dieser ja ziemlich trostlosen Lage … und nichts will ich ja mehr, als mit neu entfachten Begeisterungsstürmen dank furiosem Aufbäumen der Mannschaft ihn wieder überflüssig zu machen.

  32. Tröööt November 27, 2014 um 5:08 pm

    >>Und ist das nicht mittlerweile verkauft von Springer? << Korrekt, das gehört seit ein paar Monaten zur Funke-Mediengruppe (WAZ/Essen), hab bis lang allerdings auch nicht gehört dass das Niveau dadurch nun gestiegen würde (und ich würde hier im Westen auch die WAZ nicht so schnell lesen ;))

    Bin gerade ziemlich geschockt über diesen Beitrag, besser gesagt darüber, dass er offenbar nötig ist:
    http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=7636

    Persönlich denke ich ja, dass du mit deinem Beitrag ziemlicht richtig liegst, und die damit verbundenen Empfindungen klingen sehr nach denen, mit denen auch ich in letzter Zeit im Stadion stand. Aber auch wenn man es anders sieht oder empfindet, das kann doch nicht solche Reaktionen erklären (rechtfertigen ja sowieso nicht)?

    Und das auf unserer heilen rosarotkorrekten St.Pauliwolke *hust* – nicht dass ich an die ernsthaft geglaubt hätte, aber sowas schlägt eine/n trotzdem ganz schön vor den Kopf. Möchte mich hier an der Stelle einfach mal solidarisch erklären, gerade auch weil wir uns ja neulich in nem anderen Thema nicht ganz einig wurden – weil es eben ne Art gibt, auf die man verschiedener Meinung sein kann, und eine Art, auf die das auf gar keinen Fall geht.

  33. momorulez November 27, 2014 um 6:59 pm

    Schön, dass Du hier auch kommentierst!!! Und Danke für die Info und die Solidarität! Dass der Eintrag vom Magischen FC nötig wurde, finde ich auch schlimm. Aufgrund der lange währenden Vorgeschichte bin ich völlig unbeteiligt daran nun auch nicht.

    Ich finde das Sich-Einig-Werden ja auch weniger wichtig, als dass man kommuniziert. Es dürfen ja auch mal die Fetzen fliegen, so what. Das nun allerdings ging mir auch zu weit, und ich bin dem Magischen FC sehr dankbar, dass sie da den Mediator spielen😉 ….

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