Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Und täglich grubt das Murmeltier … FC St. Pauli – Heidenheim 0:3

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Das Schlimmste war dieses Gefühl der Teilnahmslosigkeit. Schrecklich ist ja nicht nur, fühlt mensch sich schlecht. Sondern eben auch, verliert mensch den emotionalen Bezug zu dem, was doch zuvor noch heiß und innig geliebt wurde.

So, dass wir uns irgendwann zuraunten „Die haben das Millerntor tot gespielt.“

Zuvor hatte ich ja eher gedacht, dass es an den Motivatorenunfähigkeiten von Roland Vrabec liegen könne, die sich eher Unerfahrenheit und Ehrgeiz verdankten. Was er dann bei der nächsten Station fix gelernt haben würde.

Nun unter Meggle die gleiche Verunsicherung, das gleiche Getöffel, das selbe taktische Unvermögen. Zeitweise hatte ich das Gefühl, in einem kuriosen Flashback gelandet zu sein, einer Art Zeitschleife, und würde das Karlsruhe-Spiel noch einmal sehen. Mir ist das im Liebesleben ja durchaus auch passiert, immer wieder die gleichen Fehler😀 –

im Job fand ich zumindest es leichter, da auch draus zu lernen.

Ich habe weder Lust noch Interesse noch Spaß daran, Schlechtes über die Mannschaft zu schreiben. Will ich gar nicht. Das ist ja auch mein Team. Ich bin voller Liebesbereitschaft, willig, sie als gebrochene oder Antihelden, als solche, die noch in der Niederlage das süße Gefühl des Film Noir aufleben lassen, solche, deren Unzulänglichkeiten gerade sie so einzigartig, so unvergleichlich machen, abzufeiern. Ich finde Perfektion öde, Funktionalismus Scheiße und optimierte Menschen furchterregend. Ich liebe das Trotzdem, wenn Leute angebliche Defizite gar keine sein lassen, sondern sie in Tugenden wandeln.

Aber selbst solche Oden vermag ich nach dem Spiel nicht mehr zu verfassen. Geht nicht, ohne zu lügen. Bei der Mannschaft wirkt das so seltsam umgekehrt: Aus ungenutzten Fähigkeiten Niederlagen generieren.

Natürlich könnte ich es bleiben lassen, das zu schreiben und ins Netz zu stellen und irgendwo in Tagebücher schmieren.

Aber vielleicht macht es sie wenigstens wütend, packt sie bei ihrem Stolz, lässt sie diese verschissenen Internethupen so ätzend finden, dass sie es denen zeigen wollen – falls das hier wer liest, dann auch noch ernst nimmt und überhaupt noch emotionale Aufwallungen in diesem Kader wirksam werden. Ja, zugegeben, ist alles gleichermaßen unwahrscheinlich.

Selbst angesichts von Pfiffen äußern sie noch brav und wie geprügelte Hunde Verständnis. Lamentieren treffsichere Diagnosen auf die Homepage, um dann beim nächsten Spiel zu Hause das gleiche wieder zu veranstalten. Und so brav und wie geprügelte Hunde zugleich spielen sie ja auch Fussball. Außer Ratsche.

Diese total gewordene Ratlosigkeit hatte wirklich alle befallen wie Fusspilz, die nach dem Spiel vor der Domschänke sich sammelten. Schulterzucken und Resignation. Frustration und lieber über ein anderes Thema als das Spiel reden.

Jetzt trotzdem weiter wie entfesselt rumzujubeln bringt doch auch nichts. Dann kriegen die ja auch wieder nur einen Schreck oder fühlen sich unter Druck oder wasweißich.

Wo zum Teufel ist nur die Konzentration von dem Braunschweig-Spiel hin? Da hielt sie doch auch 90 Minuten. Richtig großartig. Da ging’s doch. Sagt mir, wo die Blumen sind!

Und nun die fortwährende Einladung zum Konter. Das hatten wir zwar unter Stani in Liga 1 auch phasenweise, aber das macht es ja nicht besser. Wir bekommen eine Ecke zugesprochen, und uns alle auf den Rängen packt die Panik vor dem Gegentor.

Das wirkt psychologisch teilweise so, als müsse mensch sich das eigene Scheitern beweisen. Warum nur? Ja, wir hatten Chancen, aber …

Da kann doch nun auch niemand einfach „Mund abwischen und weiter machen“ als Parole ausgeben. Nein, ich weiß auch nicht, was stattdessen.

Da war es einfach viel, viel schöner, nach dem Spiel gemeinsam über Junktorenlogik rumzugrübeln😀 … hatte ich schon völlig vergessen, was das ist. Logische Verknüpfungen und deren Formalisierung. „und“, „oder“, „wenn, dann“. Das ist ja auch die Basis jeder Fussballtaktik. Wenn mensch schlecht verteidigt, dann fallen Tore. Wenn mensch selber keine Tore schießt, dann verliert das eigene Team. Ja, Binsen mit Wahrheitswerten.

Eine Mannschaft lebt vom „und“. Oder?

2 Antworten zu “Und täglich grubt das Murmeltier … FC St. Pauli – Heidenheim 0:3

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