Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Schwerer kann man gegen verfassungsrechtliche Grundsätze nicht verstoßen.“

Ich habe beim FSK zwar eine Sendung, im Tagesgeschäft stecke ich jedoch nicht drin und in den Debatten in den Redaktionen auch nicht. Das soll nun freilich keinerlei Distanzierung beinhalten, ganz im Gegenteil: Ein so freies Arbeiten habe ich neben dem Bloggen in meiner Medienarbeiterlaufbahn noch nicht erlebt.

Mittlerweile werden ja LGBTIQ-Herabwürdigungen, Hass und Vorurteile bezogen auf Muslime, Misogynie, verdeckter Rassismus und sonstwas für Varianten der meines Erachtens gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit massenmedial und auflagenstark als „Pluralität“ unter dem Banner der „Meinungsfreiheit“ abgefeiert – um so erstaunlicher, dass das mutmaßliche Einschleusen von verdeckten Ermittlern in ein tatsächlich und ausnahmsweise freies Radio in mir bekannten Umfeldern, ja, liebe Fanszene des FC St. Pauli, so gut wie gar nicht problematisiert wird. Und darüber hinaus den ganzen „Meinungsfreiheit“-Apologeten, die nur ungestört Andere nieder machen wollen, auch komplett am Arsch vorbei geht. Gerade die müssten doch nun lautstark protestieren.

Sehr, sehr deutliche Worte findet hingegen ein Vertreter von Ver.di gegenüber Radio Dreyeckland. Ich empfehle dringlichst, da mal hinein zu lauschen.

Der Hamburger Senat hat ja immer eine riesige Schnauze, wenn es um das Proklamieren von „Rechtsstaatlichkeit“ geht – und hierzu will er schweigen? Wenn die Einschätzung des Ver.di-Vertreters richtig ist, dann ist das auf der Ebene des Prinzipiellen ein Umgang mit Verfassungsgrundsätzen, der derart deftig ist, dass es einem den Atem raubt.

Es scheint zudem so zu sein, dass in queerfeministische Zusammenhänge hinein agiert wurde – mit vollem Körpereinsatz. Das hat zwar gerade in Hamburg auch eine empörende Tradition, die in meiner Sendung am Montag unter anderem Thema sein wird – es war der ehemalige Präsident des FC St. Pauli, der einst in einer so genannten „Klappe“ den einseitig durchsichtigen Spiegel, hinter dem Polizisten ausdrücklich nach Änderung des Paragraph 175 herum schnüffelten, medienwirksam eingeschlagen hat. Das macht die Sache aber um so schlimmer, weil es mutmaßlich eben auch eine Perspektive entlarvt, die die Exekutive im Bezug auf nicht-genormte Lebensentwürfe einnimmt. Die aktive Teilnahme einer verdeckten Ermittlern daran wird ja vermutlich keine Affirmation implizieren.

Mich erstaunt, dass der Protest bisher so leise bleibt.

Edith: Siehe auch das offizielle Statement von ver.di

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