Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Nur die halbe Strecke zurück gelegt auf dem Weg des Künstlers: FC St. Pauli – Borussia Dortmund 0:3

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Die St. Pauli-Chöre schallten mir schon entgegen, als ich durch die Wallanlagen lief: Mehr als eine Stunde vor Anpfiff. Wechselgesänge zwischen Süd und Gegengerade begrüßten mich beim Hinaufsteigen der Treppe zu meinem Platz. Sogar die Musik vor dem Spiel war mal prima.

Das Stadion proppevoll, selbst die Dortmunder sind zu hören und werden doch übersungen. Pfiffe für Klopp verstehe ich nicht. Eine schier unglaublich großartige Choreo auf der Süd, nicht minder imposant die Fahnen auf der Gegengeraden in braun/weiß/rot und Blockfahne plus Fahnenmeer auf der Nord. Ein großer Fussballabend soll es werden! Na, es wurde zumindest kein ganz schlechter.

Toll aussehende Pyro-Einlage in der Halbzeit – übrigens deutlich aus der Menge heraus gehalten, die Leuchtfeuer, ganz so, wie das bei legalisiertem, kontrollierten Flammenspiel möglich wäre. Recht ist wandelbar, liebe Legalisten. Den Pfeifenden und Buhenden links von mir auf der Haupttribüne schmetterte ich ein BRAVO! angesichts der Show entgegen. Die sollten sich mal samt und sonders Adornos „Studien zum Autoritären Charakter“ zu Gemüte führen.

Dieses Pass-Spiel auf engstem Raum der Dortmunder beeindruckt nicht nur mich, sondern leider auch unser Team. Es kommt ins Schwimmen. Wir sind noch sehr weit weg von Liga 1, so what. Wir sind halt wir.

Und ja, ich empfehle dringlichst allen Spielern die Lektüre von „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Man kann die spirituellen Ausführungen in dem Buch auch gut und gerne ignorieren. Was mensch bei all den Übungen dort lernen kann, ist: Schaue nicht auf Andere, mach, was Dir Spaß macht und was nur Du und sonst keiner kann. Weil Du einzigartig bist. Mach Dir keine Gedanken, wie Andere Dich sehen könnten, SEI und TU einfach.

Das sind keine Bibelsprüche; das ist in anderen Zusammenhängen der Weg zum Empowerment. In über 20 Jahren Arbeit in der „Kreativbranche“ ging immer alles schief,
wenn ich auf die Produkte Anderer schielte, nur Ansagen befolgte oder gar Rezeptionen, Sichtweisen auf meine Arbeit, vorweg zu nehmen hoffte. Je weniger ich mir Produkte der Konkurrenz ansah, desto erfolgreicher war das, was ich tat.

Diese altväterlichen Erwägungen fassen für mich den Spielverlauf ganz gut zusammen. „Zu viel Respekt vor dem Gegner“, sagten die Spieler hinterher. Wie schon so oft, zuckten sie manchmal zusammen, wenn der Support sehr laut wurde: Oje, die erwarten jetzt aber was von uns! Hört es doch einfach mal als Liebe, ganz egal, was ihr tut … nicht als Erwartungshaltung.

Wenn die Boys im schicken Pokaltrikot von Jason Lee hingegen einfach das taten, was sie und nur sie können, lief’s.

Ich glaube, Ratsche war der erste, der damit los legte. Kein Wunder: Wenn mensch vermutlich ein Leben lang „der Kleine“ ist, der trotzig Spaß daraus zieht, anderen durch fortwährendes Sticheln, auf die Füße springen und flinker sein auf die Nerven zu fallen, bis all die Grobschlächtigeren blind vor Wut werden, baut mensch halt diese. Fähigkeit aus bis zur Perfektion und lernt, an sie zu glauben.

Ich meine, wir haben immerhin einige Großchancen gehabt, haben in der zweiten Halbzeit zeitweise einen klar überlegenen Gegner gewaltig unter Druck gesetzt. Meggles Kommentar hinterher, dass sie in Halbzeit 1 mal schlicht und ergreifend mehr hätten drauf gehen sollen, auf die Dortmunder Spieler halt, ist eben das: Scheiß doch auf das, was der Andere kann, Du bist gut genug, dass das keine Rolle spielen muss!

Dieses „gut da stehen wollen“, was irgendwann ins Versteckspielen umkippen kann, unterwirft sich dem Urteil des Anderen. Das geht schief. Gewöhnt euch das mal ab.

Falls so was die Erkenntnisse sein sollten, die mit in die Liga genommen werden, dann ist das gut so. Die ist ja viel wichtiger. Wir stecken knietief im Abstiegskampf.

Da hilft keine Außensicht. Nur die Konzentration auf das, was jeden von euch einzigartig macht, liebe Spieler des FC St. Pauli. Wir sind sind so oder so und eben deshalb immer für euch da.

2 Antworten zu “Nur die halbe Strecke zurück gelegt auf dem Weg des Künstlers: FC St. Pauli – Borussia Dortmund 0:3

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