Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Deutungsmuster nach #HoGeSa: Die Mitte macht mobil – und scheitert …

Man muss sich doch nur die „Süddeutsche Zeitung“ vom 18./19. Oktober 2014 angucken, S. 13, um zu peilen, was gestern in Köln los war: Große Überschrift „Die Spur der Bomben“, Unterzeile: „Seit Jahren versuchen Islamisten, in Deutschland Attentate zu verüben. Jetzt tritt eine neue Generation von Dschihadisten auf. Sie ist so gefährlich wie keine zuvor“. Daneben: Bilder von People of Colour, u.a. solche Darstellungsweisen, die zu Ferguson und mutmaßlich auch zu Oury Jalloh führten. Ich kann mich nicht an ähnliche, ganzseitige meines Erachtens dank Bebilderung rassistische Pamphlete erinnern in Fällen wie dem gestrigen: „Eine neue Generation „Bio-Deutscher“, gefährlich wie nie zuvor“ war auch nach dem Aufmarsch nirgends zu lesen. Auch nach dem NSU nicht.  Ja, da steht „Dschihadisten“, die Bebilderung spricht aber ja für sich: Ggf. tatsächlich gefährlicher Terror wird „rassifiziert“.

Ich habe auch nach Überfällen auf Schwule in Berlin nie gelesen „Eine neue Generation Heterosexueller macht Jagd auf Minderheiten“. Nein, stattdessen sorgt sich heute tagesschau.de und zu alle Überfluss auch noch um den Aufmerksamkeitseffekt, den „Subkulturen“ erzielen würden – das ist aus der Perspektive geschrieben, die auch dieser Mob in Köln selbst ebenso einnimmt.

Der ja in Kommentaren beim Deutschlandfunk-Facebook-Auftritt, bei BILD, Sarrazin und Co fortwährend Bestätigung erfährt, nicht nur im Falle der Süddeutschen. So äußert bei Tagesschau.de erschreckenderweise auch noch ein diskussionsresistenter St. Paulianer zwischen den Zeilen Verständnis dafür, dass manche der Marschierenden sich „in die rechte Ecke gestellt fühlten“, sinngemäß.

DAS interessiert die weißdeutschen Heten mehr als alles anderes, und da entblöden sie sich auch nicht, Vorgänge wie gestern mit Hooligan-Attacken von einst nach Nationalmannschaftsspielen zu vergleichen. Ja, es gab auch damals schon rechtsextreme Hools, und von denen waren wohl auch wieder welche dabei. Dass dennoch schon vor 9/11 eine qualitativ neue Situation sich formierte, das wird mal eben weg gedeutet vor lauter Verständnis dafür, dass sich irgendwer „in die rechte Ecke“ gestellt „fühlt“. Klar waren auch die alte Garde mit dabei, seitdem der „Clash of Civilizations“ als primäres Deutungsmuster kulturalistisch Interessenpolitiken tarnt, ist die Situation jedoch eine historisch andere. Als sei nicht der Diskurs seit ca. 10 Jahren davon bestimmt, aus dieser „rechten Ecke“ raus zu behaupten, was definitorisch wie historisch in sie hinein gehört, um den tatsächlichen Opfern der Nazis Faschistoides anzudichten.

„Rechts“ ist immer noch eine Radikalisierung von Einstellungen der so genannten „gesellschaftlichen Mitte“, nicht irgendwelcher Ränder. Das war schon bei der Agitation gegen so called „Asylanten“ so, und das ist nun wieder der Fall, dass die flächendeckende Propaganda gegen „den Islam“, der immer auch „geotherte“ Inländer meint, von Döpfner bis Sarrazin, von PI bis liberal das gestern mit zu verantworten hat. Ebenso eine gleichzeitige Fehlbeschreibung und ein schiefes Selbstverständnis der weißdeutschen, heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft, die in „Subkulturen“ und nicht etwa einem mangelnden Verständnis von Pluralität das Problem sieht.

Der NSU hat doch auch geglaubt, im Sinne der „schweigenden Mehrheit“ zu agieren, vermute ich zumindest. So verschwinden auch Phänomene aus der Diskussion, über die Patrick Gensing sehr wohl Bescheid weiß: Nämlich ein als un- oder auch vorpolitisch sich Behaupten in rechtsoffenen Fussballfankulturen. In Aachen konnte man ja beobachten, was das für welche sind und wer sie stützt.

Diese Vorstellungen von einer Entgegensetzung von der „unpolitischen (Volks-)-Gemeinschaft“ und Gesellschaft prägten ja schon die Diskussionen in den 20er Jahren. Also die Annahme eines vorpolitischen Raumes rund um Familie und eine völkisch verstandene Nation, der dann demokratische Institutionen gewissermaßen „aufgepropft“ würden. Viele der Entrüsteten  in der Facebook-Kommentarfunktion beim Deutschlandfunk gestern deuteten sich die Vorgänge so ja auch als „Versagen“ eben dieser Institutionen:

„Vielleicht sollte darüber nachgedacht werden, das es Menschen in Deutschland gibt, das werden die meisten sein, die weder mit Salafisten noch mit Moslems was am Hut haben wollen. Viele wollen nicht mit deren Problemen, deren Kultur die einen Rückschritt ins Mittelalter und Gewaltbereitschaft bedeutet behelligt werden, ich auch nicht. Dieser Kuschelkurs den Moslems gegenüber, ob des Wissens das sie unsere Kultur verachten, deutsche Mädchen für sie Huren und Freiwild sind, widert mich an. So denken viele. Der Orient war bis zur Entstehung des Islam mal Hochkultur von dem das Abendland gelernt hat. Bevor jetzt wieder leidenschaftlich protestiert wird, eben in den Nachrichten, Islamisten haben in Mali wieder 60 Mädchen entführt und Dörfer niedergebrannt. Das in Schafstarre verharrende Deutschland wird durch das ständige Einsickern von immer mehr Moslems sturmreif geschossen, damit muß endlich Schluß sein.“

Es ist ja atemberaubend, wie von liberal über „antideutsch“ bis hin zu Konservativen solche Sichtweisen allerorten und fortwährend aufploppen. Die auch noch historischer Unfug sind; Aristoteles z.B. wurde über den islamischen Raum re-importiert und in Spanien brach Finsternis und Inquisition im Zuge der Reconquista aus. In schlichter Ignoranz dessen wird das zudem formuliert, dass  in Saudi-Arabien oder dem Iran schlicht und ergreifend andere Mehrheitsverhältnisse gekoppelt an andere globalpolitische Konstellationen vorherrschen, die mit hierzulande Sozialisierten anderer Religionszugehörigkeit als jener des Christentums wenig bis nichts zu tun haben. Die paar Radikalisierten reagieren exakt auf solche Sichtweisen des Kommentars in der dominanten Kultur. Die von der Gewalt gestern potenziell Betroffenen, mit denen ich bei Facebook verbandelt bin, würden weit progressivere Kommentare für tagesschau.de schreiben. Wird Zeit, dass man sie lässt.

Aber nein, so wie oben zitiert denkt nicht nur diese Kommentatorin bei FB-Deutschlandfunk vermutlich, „das Volk“, weiß, wahlweise christlich oder atheistisch, nähme die „Sache eben nun selbst in die Hand“. Im Sinne eben nicht etwa aufmerksamteitsheischender „Subkulturen“, denen man nun die „Mitte“ „etablierter Medien“ entgegen zu setzen habe.

Ich vermute auch, dass genau darin das gestrige Polizeiversagen begründet lag. Deren Haltung ist ja mutmaßlich „Hey, das sind doch unsere Jungs, wieso gehen die denn auf uns los?“. Zumindest in NRW, in Rostock würden sie vermutlich nicht mehr so denken. Da erfahren sie oft, dass die „Unpolitischen“ sich eben auch die Polizei zum Feind erkoren haben. Und wie aus Verzweiflung fallen dann Sätze wie der folgende:

„“Und jetzt haben wir hier in Köln schon 4500 gehabt“, sagte Plickert. „Der Kampf gegen den Salafismus ist nur ein Alibi – man will die Gewalt ausleben.““

Ja, aber gegen wen denn bitte Gewalt ausleben? Das Politische da wegzudefinieren ist zwar praktisch für Mehrheitsgesellschafter, aber sachlich falsch. Das schreibt SpOn ja auch, die allerdings gar nicht merken, wie sie eben jene Struktur der „weißen Volksgemeinschaft“ terminologisch reproduzieren:

„Dass auch die rechte Szene an dem Aufmarsch beteiligt war, daran gibt es keinen Zweifel: Polizisten mussten fremdländisch aussehende Passanten und Journalisten vor Tritten und Schubsern schützen, es fielen Sätze wie „Verpiss dich, Scheiß-Moslem!“ und „Ausländer raus“. Dabei hatte die HoGeSa sich auf Facebook damit gebrüstet, massiven Zulauf aus dem bürgerlichen Spektrum zu verzeichnen. Den Medien warfen die Aktivisten vor, die „Nazikeule“ zu schwingen, um eine politisch unbelastete Gruppe zu diskreditieren.“

Was heißt denn bitte „fremdländisch“? 16 Millionen Inländer? So lange solche Sichtweisen dominieren, wird es auch Ausschreitungen wie in Köln geben – und nein, nichts daran ist „natürlich“, wie die Unpolitischen das immer gerne hätten.

Deshalb stabilisiert dieser Nachklapp mit der „Nazi-Keule“ nun auch wieder nur Hatersichten. So lange diese Debatte immer wieder im Mittelpunkt steht und nicht etwa die Perspektive derer, die in Köln und anderswo bedroht wurden, ändert sich rein gar nichts.

„Bürgerlich“ ist nicht der Gegensatz zu „rechtsradikal“, exakt DAS ist doch die Lehre aus Weimar: Wenn bürgerlich Gründe findet, irgendwas an dem richtig zu finden, was die rechten Schläger proklamieren, DANN geht es schief. Ja, liebe „AfD“.

Hannah Arendt nannte es das Bündnis zwischen Mob und Elite.

Nadia von Shehadistan formulierte gestern die treffendsten Kommentare bei Twitter:

 

Muslime sind also ab sofort Salafisten und Neo-Nazis Hooligans? Gut gemacht, deutsche Presse.

Und:

Bei #HoGeSa entfaltet sich ansonsten eben auch das systematische und langfristige Versagen der deutschen Presse, im Vor- sowie Nachfeld.

 

Naiv glaube ich dann ja immer, das würde denen, die auf den großen und zum Teil gar staatlich finanzierten Distributionskanälen schippern, auch mal auffallen. Weit gefehlt!

 

 

69 Antworten zu “Deutungsmuster nach #HoGeSa: Die Mitte macht mobil – und scheitert …

  1. Primitivling Oktober 27, 2014 um 1:32 pm

    Es müssen also nur die richtigen Leute an systemisch vorteilhaften Stellen in den Medien sitzen und endlich die wirklich-wahren und richtigen Begriffsbelegungen zu den Ereignissen gebrauchen? Und die Maßgabe soll „Progressivität“ sein?
    Ich habe ja rein gar nichts gegen eine florierende linke Presselandschaft, aber in diesem Text kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Landschaft endlich von der Wahrheit™ annektiert werden müsse. Mir ist bisher zu diesem Thema kein Pressetext untergekommen, der die Nähe der Demonstranten zu den Neonazis ganz unterschlagen hätte. Anstatt das zur Kenntnis zu nehmen, werden hier ungeschickte Formulierungen herausgegriffen, die nur zu dem Beleg eines Befundes dienen, der als ein schon von vornherein Gefasster feststeht: Die Gesellschaft ist vom Hass bis auf die Knochen verseucht und soetwas wie den Versuch einer neutralen Berichterstattung kann es nicht geben.

  2. kleinertod Oktober 27, 2014 um 1:36 pm

    Hm… Den Kommentar auf tagesschau.de habe ich anders verstanden. So wird der Nazi(hool)aufmarsch als öffentlichkeitswirksam im Sinne deren Existenz und Macht geschildert und nicht die Sorge darum, daß diese Aufmerksamkeit bekommen. Inwiefern dies typisch für eine „Subkultur“ ist bzw. ob die Verwendung dieses Wortes in diesem Kontext sinnvoll oder legitim ist, das ist ein anderer Aspekt, wo ich noch keine Antwort darauf gefunden habe. Tief verwurzelt ist all das menschenverachtende Gedankengut, der Rassismus und der Hass auf als anders definierte Menschen jedenfalls in der gesamten Gesellschaft, insbesondere mit Sicherheit in dem weiß-heterosexuell-männlichen Teil.

    Auch lese ich kein Verständnis für die Stimmen der Unerträglichen heraus, die der obige Kommentar nur wiedergibt, wobei dies als Beleg für eine etwaige Dissenz bei denen angeführt wird und auch die Möglichkeit, daß die große Gruppe von gestern sich zerstreiten könnte. Verständnis lese ich zumindest da nicht heraus, auch nicht zwischen den Zeilen, für irgendeine von deren Positionen.

    Inwieweit eine „neue Qualität der Gewalt“ darin zu sehen ist, daß aus einer Demo von Nazihools heraus Gewalt gegen nicht als „biodeutsch“ angesehene Menschen, Journalisten und Polizei verübt wurde, ist wohl eher eine fehl gehende Frage. Das passierte schon vorher. Auch die Form der schrecklichen Gewalt. Eine „neue Qualität“ hat die pure Masse der Unerträglichen und mit welcher Selbstverständlichkeit sie ihrer politischen Gewalt nachgehen können, ohne daß der Staat dagegen etwas wirklich ausrichtet (wobei das letztere nicht wirklich neu ist). Auch nicht neu und immer wieder erschreckend ist der mediale Umgang mit dem Thema, welches eben nicht nur eine kleine Gruppe Gewalttätiger betrifft, die nur in die richtige Schublade gesteckt werden müssen, damit sie den Rest nicht stört.

  3. momorulez Oktober 27, 2014 um 2:26 pm

    @Primitivling: Ich behaupte ja auch gar nicht die Möglichkeit „neutraler Berichterstattung“, wohl aber jene, dass die, die Marginalisierung und Diskriminierung und Gewaltandrohung erfahren durch diesen Mob, eher in der Lage sind, Bezüge zu mehrheitsgesellschaftlichen Entwicklungen, die sehr bedrohlich sind, herzustellen, wenn sie journalistisch arbeiten. Und somit das Gesamtbild nicht ständig nur weißdeutsche Selbstverständnisse diskutiert. Das ergibt dann nicht notwendig „die Wahrheit“, aber einen nach vorne blickenden Machtausgleich.

  4. momorulez Oktober 27, 2014 um 2:50 pm

    @kleinertod: Sorry, aber bei diesem Geschreibe über aufmerksamkeitsheischende Subkulturen aus mehrheitsgesellschaftlicher Perspektive (von mir aus auch der der „etablierten Medien“) läuft die „Integrationslogik“ aber gleich mit. Das sind strukturelle Postulate, die man da gar nicht erst rein lesen muss. Die verzerren das Bild aber ganz gewaltig.

    Und dieser fortwährende Hinweis auf „nicht in die Nazi-Ecke gestellt werden“ ist doch genau das gleiche – das wird diskutiert, erwähnt, ist deutsches Lieblingsthema, aber wie das ganze nun bei Muslimen ankommt interessiert in dem Text gar nicht. Diese Perspektiven stehen da einfach, da muss man gar nicht groß rein lesen.

    Das gleiche gab es auch schon bei Kommentaren zur AfD aus der selben Ecke – die, gegen die diese Partei schießt, sind völlig unerheblich, wenn da diskutiert wird. Stattdessen wird Expertenwissen aus anderen Sphären und Phasen des Rechtsradikalismus als Folie angelegt, was zu notwendigen Fehlschlüssen führt.

    Und die neue Qualität besteht darin, dass nun auch der Mob gepeilt hat, dass dieses „Pro-Westliche“ als Agitationsmuster, das ja nicht etwa zustimmungsfähig Grundrechte für als Staaten universell zu beachten fordert, sondern kulturalistischen Unfug verbreitet, für ihn nützlich ist, wenn er es an Deutschtümelei koppelt. Entsprechend feiert ja PI nun diesen Aufmarsch in Analogie zu den „Montagsdemos“ einst.

    Da reichen dann diese da schon stumpfen Muster zur Erklärung, die die „Traditionsforscher“ in Fragen des Rechtsradikalismus in üblich weißdeutscher Selbstreferenz immer schon proklamiert haben, nicht mehr aus, die Patrick und Co da in der Regel in Anschlag bringen.

    Die sind gerade völlig fasziniert von Reichsbürgern, Verschwörungstheoretikern und Pro-Putinismus und peilen nicht, dass die US-Rechtsradikalen und Thatcher genau das gleiche wollen und wollten wie der bei einem allerdings anderen Staatsverständnis. Aus der Perspektive wird dann ein Freihandelsabkommen Kritisierende verhöhnender Pro-Kapitalismus, der systematisch alles ausblendet, was nicht in diese Sauce passt, in die bei Bedarf auch noch Israel instrumentalisierend rein gemengt wird, proklamiert. Alles andere ist nicht so wichtig.

    So verkennt man dann aber das qualitativ Neue an den aktuellen Entwicklungen. Man verkennt auch die Rolle der Medien im ganzen Themenspektrum von Salafisten bis zur NSU und vor allem auch, was diese ganzen selbstrefenrentiellen WHM-Selbstverständnisdebatten bis in die Antifa hinein für ein Unheil stiften.

  5. momorulez Oktober 27, 2014 um 3:00 pm

    Ich zitiere jetzt ausnahmsweise mal Ruprecht Polenz, CDU, weil der mir kurioserweise gelegentlich in die Facebook-Timeline schwappt:

    „Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass der Hetzblog „Politically Incorrect“(PI) der rechtsradikalen Szene zugehört, hier der Blick durch die PI-Brille auf die rechtsradikalen Aussschreitungen in Köln. Zu PI schreibt Arne List auf seiner Pinnwand richtig: „PI ist das deutschsprachige Blog einer internationalen Bewegung, sie sich „Counter-Jihad“ nennt. In Deutschland gehören dazu die Vorfeldorganisation „Pax Europa“, die rechte Splitterpartei „Die Freiheit“ und die Hooligan-Miliz „German Defense League“ (GDL), ein Ableger der „English Defense League“ (EDL). International bekannte Köpfe des Netzwerks sind Robert Spencer, Pamela Geller, Ayan Hirsi Ali, „Fjordman“, Geert Wilders, Anders Breivik, usw. in Deutschland sind das so Namen wie Stefan Herre, Michael Stürzenberger, Michael „Mannheimer“ Merkle, Rene Stadtkewitz, Udo Ulfkotte, usw. Schnittstellen gibt es zu den Spektren der Neonazis, den exlinken „Antideutschen“, Rechtszionisten und extremistischen christlichen Gruppen.
    Es handelt sich dabei um eine Bewegung, die teilweise eine eliminatorische Islamgegnerschaft vertritt, analog zum eliminatorischen Antisemitismus. Das heißt, es reicht nicht, wenn Muslime „moderat“ oder „liberal“ sind, sondern sie müssen aufhören, Muslime zu sein. Und da sie dies quasi „genetisch“ sind als „Kulturmuslime“, müssen sie generell vom Antlitz dieser Welt verschwinden. Phantasien wie Atombomben auf Arabien und Iran sind dort salonfähig.
    Offenbar hatte die GDL bei der Organisation des NS-Aufmarschs in Köln eine zentrale Rolle. Es scheint die Schnittstelle zwischen „Islamkritikern“ und gewaltbereiten Hooligans zu sein, analog zur Mutterorganisation in England.“

    Den Link zu PI – Überschrift „Das Wunder von Köln“ (!!!), verlinke ich nicht. Aber darum geht es – das hatte sich mit den „Traditionfaschisten“ von NPD und Co bisher nicht verbunden, exakt das geschieht aber gerade, weil sämtliche Medien denen Steilvorlagen lieferten. Und das ist mir schon häufiger bei Antifa-und „antideutsch“ geprägten aufgefallen, dass die das nicht sehen wollen. Weil sie dafür zu viele rechtsliberale Topoi aufgesogen haben.

  6. kleinertod Oktober 27, 2014 um 3:10 pm

    @momorulez Jetzt verstehe ich leider noch weniger, worauf Du hinaus willst. Beim ersten Absatz komme ich ja noch mit, wie bereits vorab geschrieben, auch wenn ich die Wortwahl und das damit verbundene gesellschaftliche Konstrukt als Problematik nicht erkennen kann. Von der Wortwahl einmal abgesehen – es ist und bleibt ja eine bzw. mehrere von anderen abtrennbare Gruppe(n) – Hooligans bzw. Nazis weisen schon Merkmale auf, die sie von anderen unterscheidet, bei aller Verwurzelung in der Gesellschaft und gerade auch im bürgerlichen Selbstverständnis hierzulande. In der Art der Gruppen besteht keine Deckungsgleichheit oder durchgehende Akzeptanz von Seiten der Gesellschaft und umgekehrt, mag das bei vielen der abzulehnenden Punkte auch noch so der Fall sein. Es sind also Gruppen, über die man als solche durchaus sprechen kann. Sinnvoll wäre hierbei sicherlich das Einbinden in den gesellschaftlichen Kontext, um durch das darüber sprechen oder schreiben kein gesellschaftliches Reinwaschen zu betreiben, aber in dem bloßen Erwähnen einer Gruppe als Subkultur die Problematik gesamtgesellschaftlicher Denkstrukturen zu sehen ist mir eine Nummer zu verzweigt.

    Bei den folgenden Absätzen fehlt mir dann ganz der Zugang. Du schreibst ja auch, was diese Unerträglichen schreiben. Wo darin eine Übernahme der Gedanken liegen soll, erschließt sich mir nicht.

    Ist Dein Kritikpunkt an dem Text nun, daß nicht auf das menschenverachtende Gedankengut im Detail eingegangen wurde? Deine Ausführungen, die da noch folgen, verstehe ich dann nicht mehr, da weiß ich auch nicht, auf was Du hinaus willst. Vermutlich eine gesamtgesellschaftliche Kritik?

  7. momorulez Oktober 27, 2014 um 4:39 pm

    „Hooligans bzw. Nazis weisen schon Merkmale auf, die sie von anderen unterscheidet“

    Es ist aber keine Subkultur wie Punks, Hip Hopper, LGBTIQ oder deutschtürkische Kulturtreffs. Sondern eine, die im Falle der Hools dann, wenn sie sich politisieren, was die „Unpolitischen“ ja zweifelsohne tun, schlicht Mehrheitsgesellschaftliches ausagiert. Wozu es dann Sinn macht, da, wo man Teil derer ist – ich als weißer cisMann ja hinsichtlich dieser Merkmale auch – zu gucken, wo man ggf. Perspektiven übernimmt. Und hinsichtlich dessen, was die fordern und wie die in Köln die Welt sehen, gibt es sehr wohl eine sehr breite gesellschaftliche Akzeptanz, die zudem auch noch fortwährend durch Medien angefüttert wird.

    Dieses „Subkultur“-Argument hingegen kenne ich aus diversen anderen Zusammenhängen nun gerade als Strukturelles, um exakt solche Zusammenhänge zu tarnen und aus der Perspektive eines „Zentrums“, zu dem man sich selbst zählt, eine Konstruktion, die dann in anderen inhaltlichen Zusammenhängen ziemlich problematisch wird, eher als rhetorisches Mittel zu nutzen.

    Und natürlich will ich auf eine gesamtgesellschaftliche Kritik hinaus. Eine, die dieses schräge und rassifizierte Selbstverständnis des „aufgeklärten Westens“ kuturalistisch auflädt und so allen möglichen Mist legitimiert.

    Patrick tarnt das in seinem Text und schreibt es weg bei Ignoranz möglicher und tatsächlicher deutschmuslimischer Perspektiven.

    Und alleine schon dadurch nähert er sich der Perspektive des Mobs ja an.

    Diese Betonung, nun selbst als Vertreter der „etablierten Medien“ als Zentralkultur den Subkulturen gegenüber zu sprechen wird ja auch in anderen Fällen nicht etwa kritisch in Anschlag gebracht, sondern wahlweise als Quelle von Diskreditierung oder „Toleranz“ genutzt. Zur Immunisierung gegen die Frage, wo denn nun bitte eben jene Vorgänge in Köln auch was mit eben dieser „Zentralkultur“ zu tun haben könnten. Das ist in diesem Fall aber a.) sachlich falsch und b.) auch noch ein Ablenkungsmanöver und greift c.) die Struktur, die in Köln zutage trat, auch nicht wirklich an, sondern verniedlicht sie.

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was Du daran nicht verstehst.

    Wenn man die ganzen Diskussionen rund um PI, um Liberalismus, um die Instrumentalisierung Israels von Seite der Hater wie der Apologeten (womit ich nicht Biller meine, bin ganz bei dem), um Rassismus und Antirassismus, Critical Whiteness, PC, antideutsch und antiimp in den letzten 15 Jahren verfolgt hat, jüngst um die Ukraine, dann ist doch sonnenklar, worum es gerade geht. Das bringt Herr Polenz nun ausgerechnet sehr gut auf den Punkt.

    Das ist immer die Methode, den „Clash of Civilizations“ zu inszenieren, ihn im Rahmen einer viel zu grob gestrickten Globaldeutung in Anschlag zu bringen, die klassische Rechte in diesem Kontext über Antiamerikanismus und Antisemitismus zu bestimmen, aus dieser Perspektive linke Ansätze zu diskreditieren (in vielen Fällen ja sogar zu recht, gerade hinsichtlich Israel) und gleichzeitig ganz wie PI sich vermeintlich proisraelitisch und liberal zu gerieren als Vorkämpfer der Freiheit. Und Hauptfeind ist dann der „Islamofaschismus“, der als Ausgeburt reiner Ideologie und Kultur jenseits tatsächlicher ökonomischer, politischer und historischer Bedingungen diskutiert wird.

    Nun geht aber seit geraumer Zeit einiges durcheinander, vor allem durch die Haltungen zu Putin. Und eben auch, weil die alten Rechten sich nun mit den Neuen Rechten zusammen tun, im Falle der AfD, in Köln usw.. Das ist ziemlich neu.

    Dieser Zusammenhang wird durch den Bezug auf die alten Hool-Ausschreitungen wiederum getarnt. Die sind ja nun angeblich gegen „Salafisten“ auf die Straßen gegangen, meinen aber ganz, wie Polenz es schreibt, Muslime im Allgemeinen.

    Das ist ja, als habe ihnen George W. Bush das Drehbuch geschrieben

    Nachdem nun seit 15 Jahren sich bestimmte Kreise intensiv darum mühen, publizistisch einen Schulterschluss zwischen Rechtsextremen und Muslimen am Leitfaden des Antisemitismus zu konstruieren, passiert das Gegenteil: Die Nazis gehen gegen Muslime auf die Straße.

    Das dockt nun aber bruchlos an diese ganzen Reinwaschungspraktiken Deutscher mit Faschismushintergrund an, die nun mit Vorliebe ihren eigenen Antisemitismus und ihre eigenen faschistoiden Seiten auf Muslime projizieren, um letztlich bei einer antiislamischen Agitation zu landen, die sich so groß vom Antisemitismus des Kaiserreichs oder der 20er Jahre zum Beispiel nicht mehr unterscheidet.

    Um all das schreibt aber Patrick aber herum, indem er „Subkulturen“ und Anachronismen behauptet. Das ist doch ein Witz.

    Und das geschieht natürlich deshalb, weil punktuelle, ideologische Überschneidung zu Neuen Rechten bestehen, also zu PI und Co. Weil diese unglaublich zentral im Rahmen einer „großen Erzählung“ des „Freien Westens“ sind, die so einfach nicht stimmt. Das ist so gar kein Votum gegen Demokratie und Menschenrechte meinerseits, nur sind die halt universal nur begründbar und nicht westlich.

    Und in diese Erzählung nun wiederum spielt das Freihandelsabkommen einfach mit rein, wenn man die Bezugsrahmen hinzu zieht, in denen diese Kommentare situiert sind. Da sind doch sehr viele strategische Optionen hinsichtlich politischer Großwetterlagen mit im Spiel, wie man das nun bestmöglichst deutet, wenn alte und neue Rechte sich zusammen tun gegen Muslime. Oder aber blinde Flecken. Je nachdem.

  8. kleinertod Oktober 27, 2014 um 5:34 pm

    Jetzt verstehe ich ja zumindest, was Du meinst. Zumindest ungefähr. Konnte das in Deinen Worten davor einfach nicht erkennen.

    Wobei ich persönlich die Verwendung des Wortes „Subkultur“ nicht als völligen Gegensatz zur sonstigen Gesellschaft sehe – da gibt es ja immer irgendwelche Gemeinsamkeiten. Bei den weit Rechten sowieso, da ist vieles mit der sogenannten Mitte deckungsgleich. Unterschiede gibt es im offen ausgelebten Hass und der dabei gewählten Form der selbstausgebübten Gewalt beispielsweise.

    Natürlich ist eine gesellschaftliche Kritik momentan mehr als angebracht, aber deswegen einen Text zu unterstellen, die aktuelle Gesellschaft zu verteidigen einschließlich der rassistischen Gewalt erachte ich dann doch für etwas weit hergeholt. Der Text berichtet über die Ereignisse, zeigt auf, daß diese nicht losgelöst von anderen in der Vergangenheit stehen und hört (tatsächlich) auf, bevor er zur Gesellschaftskritik bzw. deren Rolle daran kommt (bzw. das war nicht als Thema angesehen worden). Ich lese Deine Worte so, daß Du hier den Vorwurf machst, daß kein Text darüber geschrieben werden sollte, ohne das aufzuzeigen.

    Kann ich so gesehen dann keine Widerworte dazu finden – bis darauf, daß ein Text IMMER Lücken aufweisen wird, wenn man nur genügend hinterfragt. Dies hier sind natürlich derart enge Zusammenhänge, daß man andere Maßstäbe anlegen muß. Aber ich glaube, daß dieser Teil hier nicht thematisiert wurde, um den Text journalistisch nicht zu überfrachten. Das wäre sicherlich ein Thema für einen eigenständigen Text dazu. Ein absolut wichtiges. Aber aus dem Herauslassen ein absichtliches Vertuschen zu konstruieren erscheint mir doch zu gewagt. Ich möchte hier aber einfach nicht auf so einer Ebene einen anderen Text verteidigen – ich weiß ja nicht, wer was denkt. Wenn Du das zwischen den Zeilen herauszulesen meinst, dann will ich nicht sagen, daß Du Unrecht hast – ich kann Dir nur einfach beim besten Willen nicht folgen.

  9. momorulez Oktober 27, 2014 um 5:55 pm

    „das ist aus einer Perspektive geschrieben, die auch der Mob in Köln selbst einnimmt“ – eben der mehrheitsgesellschaftlichen, der mal gegen „muslimische Subkulturen“ agitiert, mal gegen „hooliganeske“. Nimm bitte auch Bezug auf das, was ich schreibe – und den Satz mit „in die rechte Ecke gestellt“ kopiere ich Dir auch gerne noch mal heraus. Da ist nichts „unterstellt“ und auch nichts „weit her geholt“. Sonst würden muslimische Perspektiven ja Erwähnung finden. Und in der Tat finde ich, dass, wenn sich jemand so als Vertreter der „etablierten Medien“ geriert und auch noch selbst opferisiert, indirekt, nicht so tun kann, als hätten die mit alledem nichts zu tun. Und dieses rhetorische rausextrahieren dieser Szenen aus der „Mitte“, sorry, das ist Ideologie. Da braucht man doch nur dem Mob selbst zuhören und in den Kommentarspalten allerorten lesen. Und dazu habe ich nun genug bei Publikative gelesen, um da Vertuschen oder aber einen blinden Fleck zu mutmaßen. Das steht ja auch nicht „zwischen den Zeilen“ – das seht da ganz ausdrücklich oder eben fehlt ziemlich auffällig. Ebenso in Artikeln zur AfD bei Publikative. Die peilen gar nicht, was an denen gefährlich ist, und das mutmaßlich, weil sie selbst fortwährend beleidigt sind, wenn sie aus antirassistscher oder feministischer Perspektive kritisiert werden und institutionelle Schotten dann dicht machen. Es gibt da eine ganz ausgeprägte Ignoranz der Neuen Rechten gegenüber – das ist aber in der „Antfa“ ebenso.

  10. kleinertod Oktober 27, 2014 um 6:11 pm

    Den ersten Teil hatte ich doch schon soweit beantwortet, als daß die Worte in dem Text sich auf Worte von denen beziehen, so wie Du hier ja auch vieles von denen zitierst. Deswegen nimmt man doch nicht gleich deren Perspektive ein, nur weil man sie zitiert. Das hatte ich aber schon geschrieben.

    Sobald etwas in einem Text nicht explizit steht, ist das immer ein Hineinlesen. Es mag zutreffend sein, aber es ist und bleibt eine Interpretation. Ich will mir nicht anmaßen, da ein Urteil zu fällen, denn von vielen der von Dir erwähnten Texte habe ich bestenfalls nur einen Teil gelesen. Und auf PI gucke ich erst gar nicht.

    Schwierigkeiten habe ich auch mit einem Satz wie „dieses rhetorische rausextrahieren dieser Szenen aus der “Mitte”, das ist Ideologie“ – es GIBT Unterschiede zwischen denen, die in Köln auf der HoGeSa „Demo“ waren und denen, die dort nicht waren und nicht hingegangen wären. Auf diese Unterschiede zu verzichten ist so gesehen auch Ideologie, nur worauf willst Du dann heraus? Über Nazis sollte man nicht schreiben, weil es die nicht einzeln gibt, weil es in Wirklichkeit ein und die selbe Gesellschaft sei?

  11. momorulez Oktober 27, 2014 um 6:26 pm

    Wenn ich schreibe, dass die einen ausagieren, was die anderen auch denken, ist das keine Ideologie; es gibt dann Differenzen in den Handlungsweisen, aber nicht hinsichtlich der Positionen zu den gesellschaftlichen Verhältnissen. Zudem die Gewalt ja auch Rechtfertigung erfuhr im Sinne „Die tun was!“ Und natürlich nimmt der Text ebenso wie die Demonstrierenden eine mehrheitsgesellschaftliche Perspektive ein, was denn bitte sonst? Und was für einer identifiziert man denn ansonsten das Abweichende? Das ist angesichts der personellen Besetzung beim öffentlich-rechtlichen aber langsam etwas absurd. Was er schreiben könnte? Dass die Saat der Hetze gegen Muslime, die von breiten Bevölkerungsschichten als Sichtweise geteilt wird, aufgegangen ist. Da hat er beim Antisemistsmusthema ja nun auch wenig Probleme und da ja auch oft recht. Allgemeine Erörterungen zu einer Philosophie der Interpretation und Diskursanalyse erspare ich Dir dann mal. Auf PI solltest Du vielleicht mal gucken, dann hättest Du hier weniger Verständnisprobleme😉 … das ist doch genau der Punkt, den ich meine: Wenn man zu sehr in der Antifa-Suppe unterwegs ist, besteht Gefahr, dass einem manches entgeht.

  12. kleinertod Oktober 27, 2014 um 6:46 pm

    Ich glaube, es kann nicht schaden, wenn mir mancher Hass entgeht. Es ist so schon schlimm genug.😉

  13. momorulez Oktober 27, 2014 um 7:05 pm

    Na, ich denke schon, dass es hilft, aktuelle, politische Konstellationen einzuordnen. Ich kriege hier ja auch den ganzen Tag mit, wer wie auf diesen Text reagiert. Und es ist dann eben wohl doch so, dass solche, die sehr genau wissen, was es heißt, aus mehrgesellschaftlicher Perspektive zur randständigen Subkultur erklärt zu werden, die Anwendung dieses Terminus in diesem Fall bei diesen Typen völlig grotesk zu finden scheinen und sehr genau wissen, was da ausagiert wird. Und dass das mit Subkultur nix zu tun hat als politisches Phänomen. Während die Mehrheitsgesellschaftler, die das Thema eher aus der Perspektive betrachten, die man aus denen Zusammenhängen kennt, da die „Unpolitischen“ z.B. Antira-Gruppen aus Stadien prügeln, durch diese Erfahrungsbrille selbst Sarrazin noch ignorieren.

    Das war bei „Manif pour tous“ in Frankreich ähnlich: Es wird sich ganz aufrichtig über Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit aufgeregt, aber aus was für Quellen sich diese Agitation speist, kriegen die meisten schon wieder gar nicht mehr mit. Das ist aber gerade angesichts dessen, Manif pour tous gehört ja in die Diskussion mit rein, dass nun vom Zeckensalon bis sonstwohin alle kämpferisch „Die alte Garde kehrt zurück!“ bei Facebook teilen, fatal, wenn das qualitativ Neue nicht bemerkt wird.

    Und da wären nun gerade Leute, die landauf, landab als „Rechtsextremismusexperten“ interviewt werden, offenkundig langsam mal zu Fortbildungen aufgefordert.

    Das ist nicht das gleiche wie in den frühen 90ern. Und das muss einfach in die Köpfe rein. Da hat sich die Bewegung auf der Spirale einfach auf ein anderes „Niveau“ gehoben. Rein deskriptiv.

  14. Johanna Oktober 28, 2014 um 12:17 pm

    @ Und es ist dann eben wohl doch so, dass solche, die sehr genau wissen, was es heißt, aus mehrgesellschaftlicher Perspektive zur randständigen Subkultur erklärt zu werden, die Anwendung dieses Terminus in diesem Fall bei diesen Typen völlig grotesk zu finden scheinen und sehr genau wissen, was da ausagiert wird. Und dass das mit Subkultur nix zu tun hat als politisches Phänomen.

    Wer definiert denn wen zur Subkultur? Ich bin stolz, ein Riotgirl zu sein und will nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören. Und so kenne ich das von Lesben, BDSMs, Punx oder Autonomskis auch. Die Faschos und zum Teil die Hools vertreten einer vergröberte, verschärfte, radikalisierte Form bürgerlicher Normalität, die Bürgers in dieser Stringenz sich niemals zu formulieren trauen würden, aber aus bürgerlicher Sicht sind die sehr wohl auch eine Subkultur, und zumindest die Skins sehen sich auch selber so. Hier stellt sich nicht die Frage Subkultur oder nicht, sondern Freund oder Feind, und gegen Feinde wird gekämpft.

  15. momorulez Oktober 28, 2014 um 12:26 pm

    Diese „bürgerliche Sicht“ auf die sich als „Normalbürger“ verstehenden „Hooligans“ sehe ich aber als hochproblematisch an, weil ich die Differenzen zur Mehrheitsgesellschaft für nicht allzu erheblich halte. Und die trauen sich doch gerade allerorten lautstark sehr stringent. Das ist doch einfach eine Reinwaschungsstrategie in diesem Fall. Ansonsten betrachte ich mich ja auch als eine Einpersonensubkultur😀 – und stimme Deiner Kampfesaufforderung selbstverständlich zu.

  16. momorulez Oktober 28, 2014 um 12:33 pm

    PS: Diese „Subkulturtheorie“ ist zudem auch das Einfallstor für die „links = rechts“-Unsinnigkeiten; wären einige der „alten Garde“ nicht schon so in die Jahre gekommen, käme irgendwelche Schmierfinken doch schon längst auf die Idee, von „rivalisierenden Jugendbanden“ oder „Ultragruppen“ zu schreiben, wie rund um Stadien ja oft schon geschehen.

  17. Johanna Oktober 28, 2014 um 2:31 pm

    Die politische Interpretation von wegen Extremismus der Mitte, Stützen der Gesellschaft und so teile ich ja voll und ganz, aber unter Subkultur verstehe ich rein deskriptiv etwas Anderes: Eine Gruppe, die sich von sich aus und mit eigenem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzt, nicht eine, die von dieser ohne eigenes Zutun ausgegrenzt wird. Und in diesem Sinne sind dann auch z.B. die Hell´s Angels, Zuhälter oder Hooligans Subkulturen. Es liegt ja gerade der Erfolg der Rechtsextremen darin begründet, dass sie die subkulturellen Skinheads okkupiert und instrumentalisiert haben. Soweit ich weiß war Michael Kühnen der Erste, der das gemacht hat, die Neonazis davor waren spießig-angepasst in ihrem Auftreten, bürgerlicher als die Bürger oder traten halt wie Pfadfinder oder wie Burschenschafter auf, nichts, was bei sozial marginalisierten Jugendlichen Anklang gefunden hätte. Auch so etwas wie Querfronten wäre ohne den Faktor Subkultur versus Mainstream nicht denkbar. Da stellen sich ja mehrere offene Fragen wie die Linke wieder populär und mehrheitsfähig werden kann – die ich allerdings nicht beantworten kann.

  18. momorulez Oktober 28, 2014 um 2:50 pm

    Bei den Hell’s Angels oder tradierten Skin-Zirkeln würde ich Dir ja zustimmen, aber bei der „freiwilligen Feuerwehr“ oder Fitness-Center-Besuchern nicht. Diese „Hooligans“, das können ja Polizisten (einer hat ein Buch geschrieben), Hartz IV-Empfänger oder sonstwas sein, die sich dann punktuell Meinungen vertretend wie jeder zweite Arzt oder Bankangestellte mal zusammen rotten. Ich würde auch bei unserer Fanszene allenfalls bei einem Teil der Ultras von „Subkultur“ sprechen, andere sind Teil linker Subkulturen, weil sich da ganze Strukturen rund um lebensweltliche Modelle gebildet haben, der Großteil aber nicht. Das mag nun rund um „SS-Siggi“ auch existieren, macht aber ja noch die Masse der 4000 da aus. Und auch, was Leute mit der Fussballbrille auf gesagt haben, die das ganze umdrehen, dass sozusagen Themen gesucht werden, die mainstreamfähig scheinen vom „am Rande Stehenden“, ignorieren, dass diese Themen eben im Mainstream längst präsent sind und es wenn, dann um eine Mainstreamisierung Radikaler geht und eben ein Bündnis mit PI und Co. Die dann Jüngere lockten, weil sie gegen „Gutmenschen“ wetterten. Das ist ein anderer Prozess als bei Kühnen einst. Da wurde eine existente, popkulturell definierte Subkultur politisch gegen den Strich gebürstet und aufgeladen nach britischem Vorbild. Die da in Köln versuchte die Polizei mit „Helene Fischer“ (!!!) zu beruhigen.

  19. Johanna Oktober 28, 2014 um 4:41 pm

    Gut, dann wäre der „Antisalafismus“ analog zur Instrumentalisierung des „Asylmißbrauchs“, wo es ja auch nicht um die Frage ging, ob Flüchtlinge Gesetzeslücken trickreich ausnützen (interessiert bei Steuersündern keine Sau), sondern das Ganze als Vorwand für puren, exterminatorischen Rassismus genommen wurde.

  20. momorulez Oktober 28, 2014 um 5:07 pm

    Ja, diese Analogie sehe ich tatsächlich auch ganz genau so! Nur dass sich infolge einer vermeintlichen „Islamkritik“, glaube ich, die Formen des Dünkels, der Supremacy, in „bürgerlichen“ Lagern noch um einiges hoch geschraubt hat. Patrick hat es ja fast schon wieder gut gemacht, indem er im NDR die Formel „Sarrazin für Prolls“ prägte; ist klassistisch, wird aber der Sachlage eher gerecht.

    Damals gab es ja noch nicht dieses funktionale Äquivalent zum „Antikommunismus“, als das ich diese ganzen „Clash of the Civilizations“-Inszenierungen sehe. Das wird ja in Richtung Russland gerade noch mal aufgewärmt. Was nix an Putin gut heißen soll.

    Und das ist gemeingefährlich. Die in den Häusern in Lichtenhagen wurden ja nicht als die „wahren Faschisten“ gesehen. Dieses Motiv eines vermeintlichen Antifaschismus von rechts ist allerdings flächendeckend geworden – gegen „Feminazis“, „Linksfaschisten“, den „Mikrofaschismus der Political Correctness“, faschistoide Gleichschaltung im Sinne der Gender-Ideologie, faschistoide Zerrüttung von Familien und ideologische Indokrination im Zuge des Unterrichts zur sexuellen Vielfalt – und eben „Islamofaschismus“.

    Das alles kocht am liebsten hoch, wenn irgendwer es wagt, Rechte zu kritisieren, bei der AfD hat das schon krasse Züge angenommen – dann kommt dieser ganze Meinungsfreiheit-Krempel von Leuten, die andere verbieten, entrechten und ggf. vernichten wollen.

    Mitten rein prescht nun dieser Aufnarsch, wird von PI als „Wunder von Köln“ gefeiert. „Blood & Honour“ hat trotz US-Einflüssen meines Wissens ja noch positiv auf den realhistorischen Nationalsozialismus sich bezogen.

    Die „Rechtsbürgerlichen“ heute erklären einfach alle anderen zu Nazis (haben sie bei „rotlackierten Faschisten“ auch vorher schon getan), verbitten sich aber selbst solche Zuschreibungen.

    Das war bei einigen Interviews auch in Köln sehr deutlich die Masche. Das „normale“, unpolitische Volk, dem lauter Wahrheit klitternde, faschistoide Ideologen gegenüber stehen.

    Das ist eine so und in der Form, glaube ich, seit ein paar Jahren neue Masche, die sich in Stadien als sehr erfolgreich erwiesen hat, die es aber tatsächlich in Weimar so auch schon gab.

    Dieses „Gemeinschaft versus Gesellschaft“, das gründet in Vorstellungen der „Kulturnation“, die sich im 19. Jahrhundert heraus gebildet haben.

    Deshalb reite ich so auf dem Subkuktur-Dingens rum; so versteht sich keine Subkultur. Als „Eliten“ verstehen sich im Gegensatz zur AfD die auf der Straße allerdings auch nicht.

  21. El_Mocho Oktober 29, 2014 um 9:17 am

    Wenn ich es recht sehe kommen die Slafaisten in diesem Text nur als „People of Colour“ oder Opfer des Rassismus der Mehrheitsgesellschaft vor. Ist das nicht ein etwas verkürzte Sichtweise?

    Im Spiegel äußert sichz einer von denen:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-islamischer-staat-streitgespraech-mit-einem-islamisten-a-998720.html

    „Demokratie ist etwas für Ungläubige. Ein echter Muslim ist kein Demokrat, weil ihn die Meinung von Mehrheiten oder Minderheiten nicht interessiert. Ihn interessiert, was der Islam zu sagen hat. Im Übrigen ist Demokratie ein Herrschaftsinstrument des Westens und das Gegenteil des Islam. Warum tun Sie so, als bräuchte die ganze Welt Demokratie? Und was Homosexualität angeht, das ist im Koran ganz eindeutig geregelt. Sie ist demnach verboten und zu bestrafen. … Wenn wir das Sagen haben, irgendwann, Inschallah, in der ganzen Welt, dann gilt die Scharia.“

    Sorry, ich finde diese Typen mindestens genauso schlimm wie irgendwelche Hooligans. Man sollte die nicht verniedlichen; wenn sie sich durchsetzen, sind alle dran, du und ich und die Hooligans.

  22. momorulez Oktober 29, 2014 um 9:50 am

    Nein, die tauchen auch in anderem Zusammenhang auf – als ggf. tatsächlich gefährlicher Terror und als solche, die manches Mal auch schlicht und ergreifend sehr deutsch sozialisiert sind in Relation zu einer rassistischen Mehrheitsgesellschaft. Die Statements zur Homosexualität kommen ganz genau so auch aus der Katholischen Kirche und von Evangelikalen, erstere ist hierzulande eine staatlich geförderte Macht mit immensem Einfluss; die zur Demokratie genau so auch aus wirtschaftsliberalen „Eliten“. Ich finde Islamismus in Saudi-Arabien schlicht gefährlicher als hier, da hier eine völlig andere Mehrheits- und Sozialstruktur vorherrscht, als dass ich auch nur entfernt eine Möglichkeit sähe, dass die sich durchsetzten könnten. Das ist bei der Ideologie der „Hooligans“ etwas anderes, und LGBTIQ-feindlich sind die nicht minder.

  23. Johanna Oktober 29, 2014 um 10:06 am

    Wer bitte ist Patrick?

  24. momorulez Oktober 29, 2014 um 10:11 am

    Patrick Gensing, der auch den Tagesschau.de-Kommentar verfasst hat.

  25. Johanna Oktober 30, 2014 um 12:07 am

    @Und das ist gemeingefährlich. Die in den Häusern in Lichtenhagen wurden ja nicht als die “wahren Faschisten” gesehen. Dieses Motiv eines vermeintlichen Antifaschismus von rechts ist allerdings flächendeckend geworden – gegen “Feminazis”, “Linksfaschisten”, den “Mikrofaschismus der Political Correctness”, faschistoide Gleichschaltung im Sinne der Gender-Ideologie, faschistoide Zerrüttung von Familien und ideologische Indokrination im Zuge des Unterrichts zur sexuellen Vielfalt – und eben “Islamofaschismus”.
    Upps, das sind aber janz verschiedene Ebenen durch- und nebeneinander. Bei Lichtenhagen gingen explizite Faschisten gegen Roma vor. Linksfaschismus ist etwas, das ziemlich beliebig von Liberallalas, Sozis oder Libertären mal Traditionslinken, mal Stalinisten und mal Anarchos vorgeworfen wird, wie es halt passt. Islamofaschismus gibt es tatsächlich, etwa in Form der Hamas, der Hizbollah oder der IS. „faschistoide Gleichschaltung im Sinne der Gender-Ideologie, faschistoide Zerrüttung von Familien und ideologische Indokrination im Zuge des Unterrichts zur sexuellen Vielfalt“ halte ich komplett für reaktionären Unsinn aus dem Lager der so richtig konservativen Stahlhelm-CDU oder dem Burschi-Spektrum. Politcal Correctness finde ich auch zum Kotzen, würde ich aber im Linksdogmatismus ansiedeln. Dazu ist zu sagen, dass ich selber vom KB her komme.und das weidlich erlebt habe.

  26. momorulez Oktober 30, 2014 um 1:29 am

    Na, hier bist Du an einen Verteidiger von PC geraten, und da geht insofern nichts durcheinander, weil ja nun über 20 Jahre dazwischen liegen. Ja, in Lichtenhagen gingen Faschisten u.a. gegen Roma vor. Was ich darzulegen versuche, ist ja gerade die Veränderung, die sich seitdem vollzogen hat, und das bildet insgesamt ein rechtes Konglomerat, welches massiv wirkt. Komischerweise verstehen das immer die nicht, die PC zum Kotzen finden, und das ist dann wohl eines der politischen Probleme derzeit in diesem Land. Daran ändert auch nix, dass es tatsächlichen Islamofaschismus geben könnte; wie hierzulande der Begriff pauschal auf Muslime, den Islam oder den Koran Anwendung findet, ist ja das, was zu dieser vermeintlichen Anti-Salafisten-Demo führte.

  27. Johanna Oktober 30, 2014 um 10:54 am

    Es könnte nicht Islamofaschismus geben, es gibt ihn definitiv, und IS führt ihn gerade vor. Der Punkt ist, dass diejenigen, die diese Demo gemacht haben sich nicht als Antifaschisten sondern als Antisemiten verhalten, denen der Islamofaschismus alleiniger Vorwand für ihr rassistischer Ressentiment ist.

    Btw unter PC verstehe ich u.U. etwas Anderes als Du, nämlich eine repressiv-moralische, lust- und humorfeindliche Strömung in der linken Szene.

  28. momorulez Oktober 30, 2014 um 11:07 am

    Was weißt Du denn wirklich über IS? Ich glaube da, ehrlich gesagt, gar nix mehr und traue mir da kaum irgendwelche Beurteilungen mit Wahrheitsanspruch zu.

    Die wahrscheinlichste Deutung ist immer noch die, die ich irgendwo las, dass IS am ehesten mit südamerikanischen Kartellen zu vergleichen sei, eine Konstellation, die in die Post-Irakkriegs-Sozialstruktur vorstoßen konnte und irgendwie auch mit Assad zu tun hat. Die reine Ideologie ohne handfeste Interessen wird schwerlich irgendwo zu finden sein.

    Unter „Politically Incorrect“ verstehe ich das ganze Feld von Martenstein über Sarrazin und die Bildungplangegner bis PI und AfD. PC ist genuin ein denunzierender Kampfbegriff der Neuen Rechten, nur dass man in der aktuellen politischen Konstelaltion gar keine andere Chance hat, ihn zu verwenden, will man das verteidigen, worum es geht: Nämlich fortwährende misogyne, heterosexustische, rassistische und klassistische Gewaltausübung durch Empowerment Marginalisierter zu ersetzen.

  29. Johanna Oktober 30, 2014 um 11:54 am

    Unter Faschismus verstehe ich eine offen terroristische, sexistische, minderheitenfeindliche, misogyne, patriarchale und diktatorische Herrschaftsform bzw. damit verknüpfte Ideologie, und seit Khomeini gibt es davon auch eine islamistische Variante, die mit dem Islam als Religion nichts zu tun hat.

    Den Begriff politisch korrekt kenne ich als ein durchaus posítiv bzw. affirmativ gebrauchtes Selbstverständnis innerhalb linker Szenen, und da meint das eher so etwas wie das Einhalten bestimmter Sprachregelungen und Lebensstilfragen (z.B. vegane Ernährung, bestimmte Musik hören oder eben nicht hören), und allgemein einen strengen Moralismus, auch z.B. so etwas wie den Titanic-Humor auf keinen Fall lustig zu finden dürfen, und politisch inkorrekt kenne ich wiederum als eine innerlinke Haltung, die sich dagegen wendet.

  30. momorulez Oktober 30, 2014 um 12:20 pm

    Selbst im Iran sind die Parallelen zur DDR weit größer als zum „3. Reich“, sexistisch und misogyn stimmt natürlich, und Todesstrafe gibt es da auch. Aber ansonsten ist es dort weit ausdifferenziertet und die Unterschiede zwischen Land und Stadt immens. Das soll nun gar kein Ayathollah-Regime gut heißen, aber ob „Faschismus“ da zutrifft, das wage ich doch zu bezweifeln. Die Volksmuhadschedin sind das wohl, aber die sind ja nicht das Ganze.

    Und diese innerlinken Debatten halte ich für zunehmend irrelevant angesichts dessen, was von US-Rechtsradikalen inspiriert hierzulande seit geraumer Zeit abgeht. Die wirken allerdings als Gift fort, weil sie regelmäßig in linken Szenen Sozialisierte dazu bringen, auf einmal rechtsliberal zu argumentieren und mit der AfD zu sympathisieren.

    Ich finde die Titanic übrigens auch schon lange selten mal lustig. Das sind für mich aber eh Diskussionen von 1987, die mit der aktuellen Situation wenig zu tun haben.

  31. momorulez Oktober 30, 2014 um 12:27 pm

    Hier prompt ein Beispiel:

    „Elsässer soll bei der Veranstaltung zum Thema „Regieren uns die Medien“ sprechen. Unter dem Motto „Klare Kante statt politischer Korrektheit“ wirft er den Medien vor, die Wirklichkeit verzerrt darzustellen – diese Methode nutzen auch gerne AfD-Politiker, die sich in TV-Shows immer wieder als missverstandenes Opfer linker Medien darstellen.“

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=22578

  32. Johanna Oktober 30, 2014 um 12:31 pm

    Igitt! So weit ist der inzwischen? Schlimm war der Mann ja schon immer, aber jetzt mutet der wie seine eigene Karikatur an.

  33. momorulez Oktober 30, 2014 um 12:38 pm

    Ja😦 … das Schlimme ist, dass das echt zieht. Der Mann hat tierisch Aufwind.

  34. Johanna Oktober 30, 2014 um 2:18 pm

    @Aber ansonsten ist es dort weit ausdifferenziertet und die Unterschiede zwischen Land und Stadt immens. Das soll nun gar kein Ayathollah-Regime gut heißen, aber ob “Faschismus” da zutrifft, das wage ich doch zu bezweifeln. Die Volksmuhadschedin sind das wohl, aber die sind ja nicht das Ganze.

    @Die wahrscheinlichste Deutung ist immer noch die, die ich irgendwo las, dass IS am ehesten mit südamerikanischen Kartellen zu vergleichen sei, eine Konstellation, die in die Post-Irakkriegs-Sozialstruktur vorstoßen konnte und irgendwie auch mit Assad zu tun hat.

    Diese letzte Deutung finde ich sehr sehr interessant, aber auch die Baath-Regime, das von Saddam wie das von Assad bezeichne ich als faschistisch, ist von der antistalinistischen Richtung der ganzen NAHOST-Soli-Bewegung und von der kurdischen und palästinensischen Linken auch immer so gesehen worden. Die südamerikanischen Kartelle haben nicht nur etwas mit Organisierter Kriminalität zu tun, sondern entstanden z.T. aus der Konkursmasse von Militärdiktaturen, die ich auch wiederum als faschistisch ansehe. Mit Islamfaschismus bezogen auf den Iran meine ich nicht die heutige gesellschaftliche Wirklichkeit dort, sondern wie das Regime sich zur Zeit der Führung durch Khomeini darstellte.

    @ Und diese innerlinken Debatten halte ich für zunehmend irrelevant angesichts dessen, was von US-Rechtsradikalen inspiriert hierzulande seit geraumer Zeit abgeht. Die wirken allerdings als Gift fort, weil sie regelmäßig in linken Szenen Sozialisierte dazu bringen, auf einmal rechtsliberal zu argumentieren und mit der AfD zu sympathisieren.

    Ich finde die Titanic übrigens auch schon lange selten mal lustig. Das sind für mich aber eh Diskussionen von 1987, die mit der aktuellen Situation wenig zu tun haben.

    Die Straight-Edge-Bewegung, die in linken Jugendzentren z.T. heute sehr dominierend ist hat sich überhaupt erst Ende der Neunziger gebildet, erst seit dieser Zeit kenne ich selber den Begriff „PC-Linke“, wie gesagt, durchaus z.T. als Eigenbezeichnung gebraucht.

  35. momorulez Oktober 30, 2014 um 3:28 pm

    Der Text zu den Kartellen ist der hier : http://www.ipg-journal.de/kolumne/artikel/das-medellin-kartell-des-nahen-ostens-647/

    Ich will Islamismus (im Gegensatz zum Islam verstanden) auch gar nicht weg diskutieren; ich denke halt nur, dass es Sinn macht, nicht nur auf die Leitideologie, sondern auf den sozioökonomischen, organisatorischen und historischen Kontext mit zu gucken.

    Und ich kenne das, was Du in den späten 90ern ansiedelst, eher aus den späten 80ern, frühen 90ern.

  36. Johanna November 3, 2014 um 12:44 am

    Hey, Du bist ziemlich arrogant. Ich habe das nicht in den späten 90ern „angesiedelt“, sondern damals empirisch so erlebt. Und ich erlebe heute, 2014, die Straight-Edger als hypermoralisch-repressive Bewegung, die mir das Leben als Sozialarbeiterin in einem Jugendzentrum echt schwer machen. Diese „irrelevanten“ innerlinken Debatten werden zurzeit etwa von der Mädchenmannschaft fortgesetzt und auf ziemlich absurde Höhepunkte getrieben. Die tingeln inzwischen auf Lesereisen durch eben jene linken Jugendzentren und fordern bedingungslose Zustimmung ein. Mit kritisch-feministischer Debattenkultur hat das nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit Gefolgschaftswesen.

  37. momorulez November 3, 2014 um 8:55 am

    Inwiefern sich nun Arroganz daraus speist, dass ich persönlich diese Diskussionen früher erlebte habe, verstehe ich zwar nicht, aber so what. Mit der Mädchenmannschaft komme ich hervorragend klar und stimme mit vielem dort überein. Ich habe die Forderungen nach „bedingungsloser Zustimmung“ da auch nicht wahr nehmen können, da geht es darum, bestimmte nicht-existente Räume überhaupt erst mal zu eröffnen, aber es sei Dir natürlich zugestanden, Exklusion zu fordern. Auch bei persönlichen Begegnungen habe ich dergleichen nicht erlebt, und Autorinnen wie Alcamie halte ich schlicht für visionär und zudem für die mit am besten informierten in Deutschland derzeit. Wer freilich glaubt, da nun ausgerechnet säße die Macht, wird auch Probleme haben, ein Phänomen wie HoGeSa adäquat einzuordnen und kann dann ja Harald Martenstein zujubeln und sich an die Mehrheitsgesellschaft ankuscheln. Worin Dein alltäglicher Struggle im Sozialarbeits-Alltag besteht kann ich freilich nicht beurteilen.

  38. Johanna November 3, 2014 um 6:00 pm

    Sorry, ich hatte Deine Formulierung „ansiedelst“ rein semantisch so aufgefasst, dass Du mir unterstelltest, ich hätte das gar nicht selber erlebt. Auf so etwas reagiere ich dünnhäutig. Alles wieder in Ordnung!

    Zum Thema Mädchenmannschaft und Straigt Edger: Da ist meine Sichtweise sozusagen eine Bodenpersonalperspektive, betrifft übrigens nicht Accalmie. Mehrere Autorinnen der Mädchenmannschaft haben in Jugendzentren, Kneipen und Frauencafés Lesungen veranstaltet. Im Vorfeld haben die Veranstalterinnen dann so Sachen gemacht wie sich strategisch im Publikum zu verteilen, um bei jeder Kritik die Kritisierenden sofort niederzureden. In Teilen der Jugendantifaszene, soweit weiblich, wird am Verhältnis zur Mädchenmannschaft Feministin oder nicht Feministin und ganz allgemein auf der richtigen oder der falschen Seite festgemacht. Ich würde die Ideen der Mädchenmannschaft eigentlich gerne zunächst ruhig-abwägend diskutieren, das ist in dem aufgeheizten Klima das hier geschaffen wird aber nicht möglich. Das Gleiche ist die Sache mit den Straight-Edgern: Die dominieren einige Antifa-Treffs dergestalt, dass da schon jemand, der oder die ein Döner-Brötchen in der Hand hält damit rechnen muss, den Imbiss aus der Hand gerissen zu bekommen und rauszufliegen. Graffity wie Go vegan or bloody sind durchaus üblich. Und ich bin die hauptberufliche Orga-Frau, die diesen verpeilten Unsinn ständig hautnah mitbekommt und selber sakrosankt ist qua Job, aber das alles ziemlich scheiße findet. Inzwischen habe ich mir analog zu der Anti-AKW-Plakette einen Sticker „Moral? Nein danke!“ gebastelt.

  39. momorulez November 3, 2014 um 6:44 pm

    Ich kann dann ja in meiner Antwort krass amoralisch los wettern, ich glaube nicht, dass Du das gut findest🙂 – ich habe mal eine Diskussionsrunde in einem Fussballstadion moderiert zum Thema Homophobie und Sexismus und für den Fall, dass ganz bestimmte Arten der Intervention aus dem Publikum kommen, auch Leute im Publikum gebrieft, was da adäquate Antworten wären. Weil es als Machtmissbrauch wahr genommen wird, wenn Du von der Bühne aus bestimmte wohl bekannte und für eine adäquate Diskussion tödliche Unverschämtheiten und Formen verbaler Gewalt zurück weist. Es gibt Bereiche, die nicht diskussionsfähig sind, ohne dass gesamtgesellschaftliche Machtstrukturen akualisiert werden, und die im Falle weißer, heterosexueller Männer auch nie diskutiert würden, das würden die sich verbitten. Ich weiß jetzt nicht, was bei den Veransta,tungen, bei denen Du warst, abging, aber manches könnte da durchaus sinnvoll sein. Und dass bei meiner Veranstaltung gar nix Doofes aus dem Publikum kam, lag daran, dass ich als weißer cisMann mit Bildungsbürgerhintergrund moderierte. Solche Mechanismen werden ja abgerufen, als die Reaktion auf Sprecherpositionen, und das ganz automatosch. Da Vorkehrungen zu treffen macht einfach Sinn.

    Ich halte es gesamtgesellschaftlich wie auch in linken Szenen im Besonderen aber für typisch, dass sehr schnell nicht mehr Hogesa, sondern eine vermeintliche „Moralisierung“ durch PC Thema wird. Was ich für eine falsche Akzentsetzung halte.

  40. Johanna November 4, 2014 um 10:53 am

    Wir reden hier, glaube ich, von unterschiedlichen Dingen. Dass es Sinn macht, sich auf verschiedene Formen von Derailing vorzubereiten und dem entgegenzuwirken ist eine Sache. Aber hier wurden auf Zuzwinkern, Zunicken oder Handwink jeweils strategisch raumdeckend verteilte Leute dazu gebracht, durch gleichzeitiges Dazwischenreden, kollektives Auslachen oder Klatschen und Trampeln ungewollte Argumente komplett zum Verstummen gebracht.

  41. momorulez November 4, 2014 um 12:38 pm

    Das will ich ja gar nicht in Abrede stellen, dass Du so was erlebt hast. Ich behaupte aber, dass das keineswegs eine exklusive Methode ist, nur dass die genau so oft ohne jede vorher abgesprochene Strategie Autorinnen, die Bevölkerungsgruppen wie jener der Mädchenmannschaft entsprechen, sowieso schon aufgrund mehrheitsgesellschaftlicher Üblichkeiten widerfährt. Das war doch spätestens bei den Ausführungen von Frau Rönicke zu „Deutschland schwarz/weiß“ und Lantzschis Kritik an der Kinderfrage auf dem Gender-Camp und den darauf folgenden Reaktionen überdeutlich, wie auch weiße, heterosexuelle Feministinnen da umzuspringen bereit sind.

  42. Johanna November 4, 2014 um 2:26 pm

    Diese beiden angesprochenen Themen habe ich nicht auf dem Schirm. Was war da los?

  43. momorulez November 4, 2014 um 3:13 pm

    https://metalust.wordpress.com/2012/10/19/katrin-ronicke-und-der-wohlfuhlantirassismus/

    http://blog.katrin-roenicke.net/?p=1100

    Leider scheint Lantzschi den Text, auf den Frau Rönicke sich bezog, gelöscht zu haben. Für mich war das Frappierende, dass Frau Rönicke wahlweise unfähig oder unwillig war, auch nur im Ansatz zu begreifen, worum es Nadine ging. Die ganzen hochmoralisch Empörten applaudierten ihr aber erwartungsgemäß.

    Und es ist waaaaahnsinnig schwierig, in allen mir bekannten Diskussionszusammenhängen, mal irgendwas auch nur zu Gehör zu bringen, was nun den jeweils dominanten Bevölkerungsteilen eventuell auch mal einen Blick über den Tellerrand oder eine emphatische Reaktion abnötigt. Stattdessen brechen sich purer Hass, reine Abwehr oder Formen der Supremacy die Bahn. Und ich persönlich als jemand, der es aufgrund gesellschaftlicher Positionierung leichter hat, sich Gehör zu verschaffen, habe trotzdem noch keinen Weg gefunden, Räume zu erkämpfen, ohne vorübergehend die Anderen stumm zu schalten. Man kommt außerhalb dieses Blogs oft einfach nicht dazu, auch nur einen Gedanken zu Ende zu führen, ohne dass irgendwer los labert und mit seiner Weisheit beglücken möchte – vor allem weiße Männer, aber die weißen Heteras unter den Feministinnen können da auch nicht ohne sein, siehe Rönicke. Ganz im Gegensatz zu der immer extrem denkoffenen Antje Schrupp, da sind ganz andere Diskussionen möglich. Dieses sofort platt labern, auch „Mansplaining“ genannt, ist tödlich, das erstickt einfach jeden Gedanken.

    Die können sich sowieso immer und überall äußern und sind das so gewöhnt, da machen Marginalisierte ganz andere Erfahrungen.

    Und dann stellen genau die, denen man eh überall zuhört, nun auch noch die paar wenigen Räume zu, wo theoretisch auch noch anderes möglich wäre.

    Einen anderen Text von Lantzschi habe ich noch mal raus gesucht:

    http://medienelite.de/gendercamp-2012-review-zu-strukturen/

  44. Johanna November 4, 2014 um 3:23 pm

    Nur zum Verständnis: Du schreibst „emphatische Reaktion“. Meinst Du empathisch? Emphatisch wäre begeistert, aber nicht verständnisvoll.

  45. momorulez November 4, 2014 um 3:29 pm

    „Emphatisch“ verwende ich im Sinne von einfühlend, freilich rational wie emotional.

  46. Johanna November 4, 2014 um 3:43 pm

    Sorry, aber genau das ist „empathisch“, von Empathie. Emphatisch ist das da:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Emphase

  47. momorulez November 4, 2014 um 4:05 pm

    Probiere es mal hiermit😉 …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Empathie

    „Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die Reaktion auf die Gefühle Anderer wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls.“

  48. Johanna November 4, 2014 um 4:12 pm

    Was Nadine da schreibt finde ich sehr gut nachvollziehbar und auch richtig, mit der Einschränkung, dass die Überprüfung der SprecherInposition zumindest im linken Alltag doch allenthalben schon stattfindet, auch wenn sie nicht allenthalben gesondert eingefordert wird. Und auch im Pädagogik/Sozialpädagogigstudium lernen wir das frühzeitig. Also, dass weiß/männlich/cishetero als die normale, alles überdeckende Form von Wirklichkeit unhinterfragt stehen bleibt stimmt in dieser Monokausalität einfach nicht. Vielleicht wird es nicht intensiv genug hinterfragt, das kann schon sein. Aber während meines Studiums, meiner Tätigkeit in Politgruppen und bei meiner jetzigen Arbeit erlebe ich es durchgängig, dass z.B. Männer die mackerhaft auftreten oder Frauen die sich selbst zu klein darstellen das regelmäßig gespiegelt bekommen, ich kenne es nicht anders.

    Zu Katrin fällt mir erstmal Naivität ein, und vielleicht tatsächlich ein Mangel an Empathie Noah gegenüber. Na ja und zwischen Nadine und Katrin soll es ja einen großen Konflikt gegeben haben. Haben nicht Helga, Magda und Nadine die ursprünglichen Macherinnen aus der Mädchenmannschaft rausgemobbt?

  49. Johanna November 4, 2014 um 4:16 pm

    @“Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die Reaktion auf die Gefühle Anderer wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls.” – Sage ich ja, Du hattest da ein paar Buchstaben vertauscht;-)

    Oder velwechsert?

  50. momorulez November 4, 2014 um 4:34 pm

    😀 – rausgemobbt ist ja auch wieder schön. Weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich da immer wieder mit viel Gewinn lese, sehr viel gelernt habe und auch gar nicht alles richtig finden muss, um sie als wichtige, ja unverzichtbare Stimme zu erleben.

    Und es ist ja gut möglich, dass es Lebenszusammenhänge gibt, wo sich schon was getan hat. Das ist bei bei einem Bereich wie Sozialpädagogik auch am wahrscheinlichsten, weil das zu den „weiblich konnotierten“ Zonen gehört. Wie da allerdings der Umgang mit PoC ist, die Haltung ihnen gegenüber, weiß ich hatürlich auch nicht. Das weißt Du besser.

    In den Referenzsystemen, in denen ich unterwegs bin, Massenmedien, in letzter Zeit gehäuft verschiedene Universitäten, FC St. Pauli und neuerdings FSK, ist allenfalls in letzterem was angekommen. Gut, beim FC St. Pauli agitiere ich nun auch schone geraumer Zeit und man findet den einen oder anderen Bündnispartner, da haben die Erkenntnisse nur allenfalls in Richtung der dort agierenden Frauen minimale Auswirkungen, was ihre generelle Berücksichtigung, fast gar keine, was Aufgaben- und Machtverteilungen betrifft. Die Veranstaltung, die ich da moderiert habe, war aber sehr gut besucht und fand auch Anerkennung und weit offene Ohren. Es hat nur sehr wenig praktische Konsequenzen, PoC finden so gut wie gar nicht in den Machtzirkeln statt.

    In den mir bekannten Medien gibt es eine formale Offenheit für feministische Themen, auch, weil gerade in der „Kultur“ immer mehr weibliche Führungskräfte agieren, aber von so was wie „White Supremacy“ haben viele noch nie was gehört. Und so sieht das Programm auch aus. Es gibt Ausnahmen, z.B. jene, mit denen ich 10 Jahre zusammen gearbeitet habe😉 …

    Im universitären Bereich ähnlich (ich spreche von Medienwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Kunst): Die Genderfrage taucht am Rande mal auf, wird aber in anderen Bereichen kaum berücksichtigt, ist also ein irgendwie abzusonderndes Thema. Alles, was in Richtung PoC/Black Communities sich öffnen könnte, erfährt bis in die Herangehensweise an die Theorie krasse, teils implizit harsch rassistische Abgrenzung. Dass es eigenständige schwule oder lesbische Perspektiven geben könnte, die zum Wissensfortschritt bei tragen könnten, wird gar nicht erst wahr genommen.

    Beim FSK ist man echt intensiv bemüht, das Programm zu öffnen. Die, die das Ruder in der Hand haben, sind aber, soweit ich Einblick habe, weiße, heterosexuelle Cis-Männer.

    Ein Kumpel von mir, der als Pädagoge in Hamburger Schulen arbeitet, berichtet von teils derart krassem Rassismus, dass es mir schlicht den Atem verschlägt. Da sind die Schüler vermutlich weiter als die Lehrer.

    Für mich füttert all das halt HoGeSa an. Noch die Antirassimusinitiativen sind häufig, nicht immer, Weiße, die sich eher um ihr Selbstverständnis als um PoC-Perspektiven kümmern, und setzen weiße Männermackerbilder bruchlos fort. Dass die notfalls geradezu zu Säuberungen übergehen, also selbstbewusste LGBTIQ und PoC aktiv rausmobben, wenn die sich nicht brav paternalisieren lassen, das habe ich nun auch schon mehrfach erlebt.

    Frau Rönicke ist ja für mich nur ein Symptom. Die Texte sind typisch.

  51. Johanna November 4, 2014 um 5:02 pm

    @Noch die Antirassimusinitiativen sind häufig, nicht immer, Weiße, die sich eher um ihr Selbstverständnis als um PoC-Perspektiven kümmern, und setzen weiße Männermackerbilder bruchlos fort. Dass die notfalls geradezu zu Säuberungen übergehen, also selbstbewusste LGBTIQ und PoC aktiv rausmobben, wenn die sich nicht brav paternalisieren lassen, das habe ich nun auch schon mehrfach erlebt.

    Hmmm. Die, die ich kenne, sind eher von feministischen Frauen dominiert und gehen teils fließend in Exilantenorganisationen über. Abgesehen von Gruppen wie The Voice oder Karawane oder Al Kargah, die von Geflüchteten selbst organisiert sind.

  52. momorulez November 4, 2014 um 5:12 pm

    Um so besser, wenn es immer mehr gibt, die sich in so eine Richtung entwickeln! Der „Marsch durch die Instituionen“ steht halt noch aus.

  53. Johanna November 7, 2014 um 12:39 am

    Nun jaaaa, gerade solche Initiativen wurden ja auch wieder aus dem CW-Spektrum massiv kritisiert. Ich denke da an jenes Nobordercamp, auf dem die Youngsters von RS ausgerechnet die reine Westafrika-Exilantenorganisation The Voice als „Im Denken weiß“ und „paternalistisch“ abkanzelten. Und die Fassungslosigkeit, mit der altgediente Antiras auf deren Intervention reagierten, die allgemein als Derailing funktionierender antirassistischer Strukturen und Behinderung einer Aktionskampagne zur Verhinderung von Abschiebungen wahrgenommen wurde. Die Kindergartenisierung durch hochideologisierte Studis ist halt stark ausgeprägt.

  54. momorulez November 7, 2014 um 1:30 am

    Stimmt, das No-Border-Camp fehlte ja noch😉 – dieses Blog ist voll mit Debatten zu dem Thema. Leicht zu finden.

    Was ich aus dieser Diskussion jetzt mit nehme, ist dass das, was Du als „Kindergartenisierung“ arrogant abkanzelst, für Dich auch relevanter zu sein scheint als HoGeSa, Afd, Antirassismus, Kampf gegen Homophobie oder Kampf gegen Sexismus.

    Das sei Dir unbenommen, Du wirst da massenhaft Weggefährten in vermeintlich „linken“ Szenen finden, die Dir zujubeln werden!

  55. Johanna November 7, 2014 um 9:03 am

    Ich würde es nicht Kindergartenisierung nennen, wenn es nicht viel weniger relevant wäre als Antirassismus, Kampf gegen Homophobie oder Kampf gegen Sexismus.Das war ja vielmehr eine Deraling-Aktion, mit der Menschen, die zusammengekommen waren um Abschiebungen konklret zu verhindern mit autoritären Mitteln eine Debatte aufgezwungen werden sollte, die mit Antirassismus zwar zu tun hatte, die zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort aber die Meisten nicht wollten, ja als Störung der Anti-Abschiebe-Aktionen wahrnahmen. Abgesehen von Aspekten wie Lsagerpolizei und Essvorschriften. Wo finde ich au Deinem Blog denn etwas zu diesem Thema?

  56. momorulez November 7, 2014 um 9:11 am

    Einfach als Suchbegriff eingeben. Und ich erlebe einen großen Teil Deiner Interventionen hier als Derailing. Diese ganze Denke hat breitenwirksam von Tsianos bis zu manchen, irgendwelchen achsoantirassistischen St. Paulianern und Publikative.org rechtslibertäres, genuin von US-Rechtsradikalen erfundenes Vokabular und Denken als Abwehrschlacht gegen emanzipatorisches Denken installiert. Bist Du eigentlich auch schon als Dr. Dean im Netz unterwegs gewesen?

  57. Johanna November 7, 2014 um 5:04 pm

    Unter Derailing verstehe ich, ein Posting dadurch zu entwerten, dass zu einem völlig anderen Thema umgeleitet wird oder dass es mit Trollkommentaren geflutet wird. Das tue ich nicht, ich bin an einem ehrlichen Meinungsaustausch interessiert. Nur sehe ich bestimmte Dinge anders als Du. Zu den Hooligans dürften wir uns übrigens absolut einig sein.

  58. Patrick Gensing November 9, 2014 um 2:54 pm

    Hallo „Momo“,

    dass Du publikative.org regelmäßig mit neurechten / rechtsradikalen Gedankengut in Verbindung bringst, bin ich schon gewohnt – und da bin ich tatsächlich „diskursresistent“, denn glücklicherweise muss ich mich nicht zu jedem Unsinn äußern, der anonym im Netz verbreitet wird (was umso unangenehmer ist, da wir uns persönlich kennen).

    Es soll aber nicht um meine Befindlichkeiten gehen, wenn ich mich in die Öffentlichkeit begebe, muss ich auch mit negativen Reaktionen rechnen. Allerdings muss ich mir auch nicht alles gefallen lassen. Daher habe ich eine Fragen zu deinem Text, der im Prinzip auf einer einzigen Unterstellung basiert, um mich einzusortieren zu können in die große Schar der weißen Heten, die sich für nichts zu blöd sind. Es geht um folgenden Satz:

    „So äußert bei Tagesschau.de erschreckenderweise auch noch ein diskussionsresistenter St. Paulianer zwischen den Zeilen Verständnis dafür, dass manche der Marschierenden sich “in die rechte Ecke gestellt fühlten”, sinngemäß.“

    Wo genau äußere ich Verständnis für die Hools; kannst Du das bitte belegen? Und zwar nicht mit deinen üblichen Welterklärungstextbausteinen, sondern ganz konkret an meinem Text?

    Danke,
    Patrick

  59. momorulez November 9, 2014 um 5:36 pm

    Lieber Patrick,

    wer nun selbst mit großen Welterklärungstextbausteinen operiert in der Antwort, sollte freilich nun in dem Punkt etwas vorsichtig sein, diese nun pauschal als Unsinn abzutun. Die Sottise hinsichtlich der „großen Schar der weißen Heten“ zeugt ja weniger von Diskurs- als von Reflektionsresistenz und der Weigerung, mal etwas tiefer in die Agitationsmodi der Neuen Rechten der US-Herkunft einzusteigen sowie Erkenntnisse der Black Communities in den USA und hierzulande wenigstens mal zur Kenntnis zu nehmen. Dann würdest Du statt Abwehr wenigstens argumentieren können.

    Ich such Dir die Passage aber gerne noch einmal raus und erläutere sie Dir auch. Kommt im Verkauf des Abends.

    Gern geschehen,

    Momo Rulez

  60. momorulez November 9, 2014 um 7:02 pm

    „Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind weder eine feste noch eine homogene Gruppe. Doch über die mediale Verortung als rechte Hools müssen sich die „HoGeSa“ nach dem Auftritt in Köln nicht wirklich wundern“ (Zitat Tagesschau.de)

    Was ist denn das alleine schon für eine Formulierung? Da stimmt ja nichts im zweiten Satz. „Rechts“ ist keine Eigenschaft von Personen wie „groß“ oder „klein“, das ist ein Bündel von Sicht- und Verhaltenweisen, Positionen und Zustimmung zu bestimmten Aussagen bzw. deren Behauptung als wahr. Ihr lieben Inhomogenen, da müsst ihr euch aber nicht wundern, „von Medien als rechte Hools verortet zu werden“, also, da nun ein Verständnis dafür zu entnehmen, dass die es doof finden, „in die rechte Ecke gestellt zu werden“, finde ich „zwischen den Zeilen“ gelesen ja nun nicht überinterpretiert. Das ist nun aber das generelle Problem in allen Diskussionen in Deutschland: Da drehen sich ja immer alles darum, was nun so alles nicht rechts sei, und Hinweise darauf, dass nun die folgende Position, Aussage, Fürwahrhaltung oder Verhaltensweise doch aber klar dem zuzuordnen sei, beendet jeden Diskurs und gilt als Tabu. Das magst Du jetzt unter Welterklärungstextbaustein verbuchen; ich halte es tatsächlich für eine Methode, rechtes Denken hoffähig zu machen.

    Dann folgen Beispiele für das, was nun gerade in Antifa- und „Rechtsextremisexpertenkreisen“ gewissermaßen für exklusiv rechts erklärt wird – „hier marschiert der Nationale Widerstand“ und „Ausländer raus“. Bei einer Demo gegen Salafisten, was für viele auch der begleitenden Medien schon annähernd synonym für Muslime im Allgemeinen genutzt wurde. Das mag in „etablierten Medien “ so üblich sein, da sind ja immer alles nur die Anderen, das ist aber auch kein Journalismus, wenn das Offenkundjge dann in Absatz vier endlich mal auftaucht – freilich schräg unter Einstreuung der „Scharia-Polizei“ und der Suggestion, das sei nun ein ähnliches Phänomen wie die „Hools“ selbst. Die „Hools“ hätten ja ihren Ruf als „härtester Mob“ an „die Salafisten“ verloren. So wird dann aus Perspektive der „Mitte“, Mainstreamkultur oder von wo aus man andere nun auch immer als „Subkultur“ identifiziert, wie auch der „etablierten Medien“, die nun auch noch vor allem Feind sind, gar viel mehr als Muskime, denen den die Moscheen abgefackelt werden? , eine Symmetrie aufmerksamkeitsheischender Subkulturen konstruiert, die konkurrieren würden. In Absatz 4.

    Das ist auch schlechter Journalismus, parallel zu schalten, was komplett differente soziale Hintergründe hat und gerade, betrachtet man die Differenz zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten, geradezu grotesk ist. Um daraufhin prompt wieder auf irgendwelche „subkultur“internen Mechanismen umzuschwenken und wiederum gesellschaftliche Hintergründe auszublenden.

    Dann, nächster Beleg:

    „andererseits fühlen sich viele von den Medien zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Einige ärgern sich über die Teilnahme vieler Neonazis an dem Aufmarsch unter dem Motto „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“.“

    Was ist denn das sonst bitte als Verständnis für jene, die zwar auf den islamophoben Zug liebend gerne aufspringen, das aber unter „zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt“ verbuchen? Gegenfrage?

    Nun ist eine mehrgesellschaftliche Hetze gegen z.B. ethnische Minderheiten immer rechts. Was denn sonst? Gegenfrage.

    Was soll dieser Satz 2 da? Im Umfeld der Demo wurden z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln „muslimisch aussehende“ Menschen angegriffen. Indem Du einzig die angebliche Symmetrie aufmerksamkeitsheischender „Subkulturen“ zuvor behandelt und durch das Einbauen der „Scharia-Polizei“ auch noch das vorgebliche Anliegen des Mobs gerechtfertigt hast, weil diese ja angeblich den Titel des „härtesten Mobs“ abspenstig gemacht hätten, kannst Du solche Angriffe gar nicht spezifisch erklären und schon gar nicht mit „Ausländer raus!“, weil ein großer Teil der Attackierten mutmaßlich Inländer sind.

    Wiederum wird der Gegenstand, also das proklamierte Ziel der Demo, im nächsten und übernächsten Absatz völlig zum Verschwinden gebracht. Durch wohl tatsächliche Expertise in Hooligan-Szenen entgeht Dir in dem ganzen Text komplett das gesamtgesellschaftliche Thema.

    Und was hängen bleibt, ist, dass Salafisten und Hooligans irgendwie das gleiche sind und von daher die, die von Neonazis auf der Demo genervt waren, sich zu Unrecht in die „rechte Ecke gestellt“ sahen und dass sowieso aufmerksamkeitsheischende Subkulturen das Problem seien.

    Nicht etwa hier und da eben auch die „etablierten Medien“, wie Du in dem Text aber durchaus par excellence vorführst, dass sie es eben durchaus auch mal sind.

    Ich kann mir das immer gar nicht vorstellen, dass Du nichts merkst, was Du da schreibst, bei aller persönlichen Sympathie.

  61. Patrick Gensing November 9, 2014 um 8:25 pm

    Hallo „Momo“,

    das ist leider in etwa das, was ich erwartet hatte. Zwei mal lange, abschweifende Ausführungen zu einer einfachen Frage. Ich beantworte gern deine Gegenfrage, denn das ist auch der Kern des Ganzen:

    „Was ist denn das sonst bitte als Verständnis für jene, die zwar auf den islamophoben Zug liebend gerne aufspringen, das aber unter “zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt” verbuchen?“

    Es ist das Gegenteil von Verständnis; ich schreibe, dass die Teilnehmer der HoGeSa-Demo vollkommen zu Recht in die rechte Ecke gestellt werden. Du interpretierst es aber einfach so, wie Du es für deine Thesen brauchst (weiße Hete -> versteht nix -> dummer Mainstream -> ich hab wieder alles geblickt). Dein gesamter Artikel ist in diesem elitären Duktus geschrieben, das lese ich sogar nicht nur zwischen den Zeilen.

    Und wenn Du dir die Mühe machst, die Redezeit auf NDR Info zu hören, wo ich als Gast sein durfte, dann wirst Du feststellen, dass ich genau ausführe, dass die HoGeSa ideologisch an den Mainstream andocken und versuchen, von aktuellen Exklusionsdebatten zu profitieren. Thesen, die ich so auch zum NSU seit Jahren öffentlich, in Büchern, Zeitungen und Blogs, immer wieder vertrete. Deine Interpretation ist somit nichts anderes als eine Unterstellung. Das erinnert mich an pures Sektierertum. Schade – aber gut zu wissen.

    Gruß,
    Patrick

  62. momorulez November 9, 2014 um 8:47 pm

    Lieber Patrick,

    nein, das schreibst Du nicht, Du unterscheidest mit atemberaubender Konsequenz zwischen den Neonazis und den Anderen. Und Sätze werden halt auch durch ihren Kontext bestimmt; Grundregel der interpretation.

    Es ist mir auch egal, was nun ausgerechnet Du als fortwährend betont „Vertreter der etablierten Medien“ nun unter „elitär“ verbuchst und dass Du „ausschweifende Erläuterungen“ zwar erwartest, selbst aber Texte bei Tagesschau.de komplett dekontextualisierst, so dass sie zur Ideologie gerinnen. Hättest Du die Kommentare gelesen, wäre Dir übrigens aufgefallen, dass ich erwähne, dass Du das mit dem Interview ja im Grunde genommen schon wieder gut gemacht hast🙂 …

    Was ich allerdings in der Tat besorgniserregend finde, ist, dass die schlichte Existenz von white und male privilege, was ja bekanntlich in meinem Falle genau so zutrifft, sowie sich daraus ergebenden Supremacy-Varianten Dich derart narzißtisch zu kränken scheinen, dass es Deine Urteilskraft erheblich trübt. Dass also Du davon ausgehst, ich würde ganz wie Du in Texte hinein lesen, was ich zuvor erwarte.

    Nein, das ist nicht so. Begierig hoffte ich, einen informativen, treffsicheren und erhellenden Kommentar von Dir bei Tagesschau.de zu lesen. Und dann so was. Wenn ich überhaupt noch bei Publikative lese, hoffe ich jedes Mal inständig, dass ihr an die richtig guten Phasen rund um Lampedusa und Gefahrengebiet anknüpfen könnt. Und bekomme einen Schreck.

    Ich hätte auch keinerlei vernünftigen Grund, da nun Weltbildpflege zu betreiben. So was vermuten halt meist die bei anderen, die es fortwährend betreiben.

    Insofern: Vielleicht einfach mal etwas weniger Ego und etwas mehr Analyse. Würde Deine Arbeit erheblich voran bringen.

    Beste Grüße,

    Momo Rulez

  63. Johanna November 10, 2014 um 5:44 pm

    Auf meine letzte Einlassung hätte ich schon gerne eine Antwort.

  64. momorulez November 10, 2014 um 5:46 pm

    Was soll ich denn darauf antworten? Ich sehe das auch anders als Du?

  65. Johanna November 11, 2014 um 1:10 am

    Nein, ich wüsste gern, wieso Du meine Kommentare als Derailing verstehst. Wie ich diesen Begriff definiere hatte ich ja geschrieben. Siehst Du das, rein begrifflich gesehen, anders? Ich stimme so Etlichem was Du geschrieben hattest zu und finde Dein Blog in manchen Bereichen ganz wunderbar (ganz ohne Süßholz: Ist so!), sehe aber aus meinem eigenen Erleben aus dem Jugendzentrums-Arbeitsbereich und dem, was ich aus der linken Szene so kenne den ganzen Komplex PC/CW/Veganismus/Straight Edge sehr kritisch. Ich komme, wie ich schon geschrieben hatte, vom KB (Kommunistischer Bund) her und hatte da erlebt, wie rationale linke Diskussionszusammenhänge umkippten in ein geradezu manisches Antideutschtum, das bisherige GenossInnen als Feinde einsortierte, weil sie bestimmten, speziellen Positionierungen nicht zustimmten. Ganz vergleichbare Mechanismen sehe ich im eigenen Wirkungszusammenhang heute am werkeln, da ist dann zum Beispiel schon jemand der Feind, wer Fleisch isst oder wer Musik von Angelic Upstarts oder Alice Cooper hört. Das geht so in die Richtung, dass sich eher mit „Abweichlern“ in der eigenen Subkultur beschäftigt wird als mit dem eigentlichen Gegner – d.h. aus meiner Sicht: Staat, Kapital, Rechten, Hooligans. Das läuft, und das kenne ich als alte MLerin nur zu gut, auf „Säuberung“ in den eigenen Reihen hinaus. Und den Geruch (kann durchaus ein wahrnehmungsbedingter Irrtum sein, ich vertrete das nicht apodiktisch) meine ich bei der Mädchenmannschaft (bzw, der Art, wie diese bei uns und in verschiedenen Tagungszentren/szenecafés wahrgenommen wird) oder den Auseinandersetzungen um das Nobordercamp auch festzustellen. Als die alte Tante, die den Rahmen für die entsprechenden Diskussionen orgsanisiert bin ich am Rand der Verzweiflung.

  66. momorulez November 11, 2014 um 1:35 am

    „Das geht so in die Richtung, dass sich eher mit “Abweichlern” in der eigenen Subkultur beschäftigt wird als mit dem eigentlichen Gegner“

    Aber genau das machst Du doch hier die ganze Zeit, und deshalb sehe ich das schon auch als Derailing – eben WEIL es von dem Gegner ablenkt und den Fokus z.B. auf die Mädchenmannschaft legt.

    Ich bin aber auch nicht so verstrickt in so Szene-Zusammenhänge, außer irgendwie beim FC St. Pauli und irgendwie auch nicht, weil ich außer bloggen da in keinem Gremium, keiner Versammlung außer der Jahreshauptversammlung, keinem sonstwas noch organisiert bin.

    Für mich war es ungemein hilfreich z.B. in massenmedialen Zusammenhängen das Wissen, das die Mädchenmannschaft großartigerweise bereit stellt, nicht etwas aus Profitmaximierungszusammenhängen, sondern eher mich auseinandersetzend mit meinen Kunden in Anschlag bringen zu können, um ihm wenigstens Ansätze größerer Wirkung zu bescheren, und ich bin immer wieder heilfroh, da so viel Anregendes und Anwendbares zu entdecken. „Straight Edge“ sagte mir bis zu dieser Diskussion nichts. Ich bin bei dem Musikthema auch sehr angriffslustig und habe dafür, glaube ich, sehr gute Gründe, weil ich großartige Mentorinnen hatte und unzähligen Musikern lauschen durfte. Da steckt aber auch ganz viel viel oft falsches WHM-Selbstverständnis in der Musik selbst, im Material, in den Formen, und Herabwürdigungen Nicht-WHM gegenüber. Das ist eine Diskussion über Kunst- und Kulturgeschichte.

    Ich habe mich von KB wie auch erst recht antideutschen Zirkeln, bei denen ich Dir zum Teil zustimmen würde, dass bis ins Groteskeste und auch Gefährlichste selten mal profund linke Kernbestände mal eben so denunziert wurden, immer fern gehalten – um jüngst fest zu stellen, dass viele, die sich da aus nun wieder guten Gründen positioniert hatten, auch nicht stehen geblieben sind und man sich gut verständigen kann. Zumindest als weißer cisMann.

    Das, was rund um das Noborderdercamp geschah, war für mich ebenso völlig was anderes als maoistische Tribunale im KB oder das, was manche der Antideutschen so betrieben haben. Dass letztere tatsächlich durch eigentümlich denunziatorische Praktiken sehr viel Erkenntniskultur vergiftet haben, das ist mir nun auch schon oft aufgefallen. Das sind aber ganz und gar andere Ansätze als die Fragen nach Sprecherpositionen, Critical Whiteness, dominanten Kulturen usw., schon in ihrer Entstehungsgeschichte. Auch da wird es allerlei Auswüchse irgendwo geben, die dann kolossal nerven und mit Abweichlerfragen beschäftigt sind, aber das ist ungleich vielschichtiger als diese Adorno missbrauchende Holzhammer-Entlarvung à la antideutsch einst, wie gesagt, auch da nicht auf alle bezogen. Auch da kann man sich Robert Kurz zu Gemüte führen, weil der die wichtigsten Punkte zu struktureller Kapitalismuskritik nun auch nicht schlechter ausgearbeitet hat.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich denke, dass man doch in allen Fällen jede Menge lernen kann, und vielleicht einfach aufpassen sollte, sich nicht zu tief in so Szenezusammenhänge verstricken zu lassen, weil es ja zumindest sein könnte, dass da Gruppendynamiken zum Tragen kommen, die gar nichts mit der jeweiligen Ideologie zu tun haben.

    Lustigerweise hilft aber gerade DANN das analytische Instrumentarium der Mädchenmannschaft wie auch von Critical Whiteness echt weiter. Vielleicht nicht in einer konkreten Situation in einem Szene-Treff, aber perspektivisch. Um zu lernen. Und ändern zu können.

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