Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Sterek statt Karlsruhe: There’s a place for us

Karlsruhe

 

 

Schnell raus schreiben den Scheiß.

Das soll sich nicht irgendwo fest setzen und unwillentlich vor sich hin wesen.

Da kann man sich auch nichts mehr schön schreiben.

Mich drum lieber an abstrakte Liebe zum FC St. Pauli krallen und wieder der Musical-Sendung für das FSK widmen kann da wohl nur die Antwort sein. Entwickelt sich allmählich zu einer Art ästhetischem Manifest zur Ambivalenz, das Programm, Freitag um 20 h dort zu hören. The movie in my mind. Everything goes. Surabaya Johnny, warum bist Du so roh? Glitter and be gay. There’s a place for us. Die Breitseite ergänzt zauberhaft:

Ich sehe es nämlich auch so wie Hilary Hinton: „Es geht im Leben nicht darum, zu warten, dass das Unwetter vorbeizieht. Es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen.“

Singin‘ in the rain. Somewhere, over the rainbow …

Um das Spiel herum schreiben, so, als hätte ich diese zermürbende Hilflosigkeit meiner Helden gar nicht gesehen.

„Sterek“ finde ich gerade cool. Während hierzulande die Mediennutzung ja eher, na, trübes Gemecker wie auch der Drang zur Herabwürdigung  und Selbsterhöhung plus Normalitätserwartung antreibt, haben die US-Fans mehr Drive. Die geben sogar den Popkulturtheoretikern vergangener Tage recht. Stuart Hall zum Beispiel, dessen Encoding/Decoding-Modell Generationen von Studenten der „Manipulationshypothese“ entgegen stellten: Was ankomme, sei eben was anderes, als das, was die Sender intendierten. Oder John Fiske, der den kreativen Umgang mit Popkulturgütern als produktiv und eigenständig deutete. Von dem ich sonst so gar nix halte; ausgerechnet im Falle von „Teen Wolf“ hat er recht. Da lesen US-Zuschauer in unzähligen Blogs und selbst zusammen geschnittenen  Youtube-Videos (man gebe „Sterek“ als Suchbegriff ein), in liebevoll gezeichneten Comics und Gemälden eine Beziehung zwischen Stiles Stilinski und Derek Hale, zwei der Figuren, hinein, obwohl diese nie jemand hat schreiben wollen. Die Serie geht mit dem queeren Thema insgesamt schon recht souverän um, souveräner als mit black cultures, es gibt auch einen schwulen Werwolf und ein Lesbenpaar taucht recht selbstverständlich auf. Aber dass nun ganz und gar produktiv eine Konstellation begierig abgefeiert wird, die mir zwischen den Zeilen völlig entgangen ist, so dass sogar die Schauspieler in öffentlichen Auftritten miteinander zu schmusen beginnen, das zeugt ja geradezu von Zeichen des Besseren nach Jahrzehnten evangelikaler Propaganda. Wie die riesige Regenbogenherzflagge auf der Nord gestern ebenso. By, Bye Nord😦 … Du wirst prachtvoll auferstehen, wie die Gegengerade im Gegensatz zur Haupttribüne ja auch.

Ich schreibe um das Spiel herum, weil ich über es nicht schreiben mag.

So auch der Smalltalk mit dem Kleinen Tod nach dem Spiel vor der Domschänke: „Willst Du DARÜBER etwa bloggen?“, fragte er. Ich empfahl, einfach über irgendwas zu schreiben. Irgendetwas, das wir schön finden. Das Spaß, Hoffnung und Freude bereitet.

So zum Beispiel die Begegnung mit einem tief ins Herz geschlossenen St. Pauli-Weggefährten nach dem Spiel. Der wieder mit dabei war. Das war viel wichtiger als das, was die Mannschaft so alles nicht machte. Und auch die anderen drumherum sind noch viel wesentlicher als das auf dem Platz. Das sich aber gerne steigern darf. Irrelevant ist es ja auch nicht.

Ja, wir lieben Dich und träumen von Dir, FC St. Pauli. Manchmal wacht man halt kurz auf, denkt sich „so what!“, und weiß, dass Liebe wichtiger ist als Erfolg. Da mache ich vielleicht eines Tages ein Musical draus. Weil es so schlicht wie wahr ist.

6 Antworten zu “Sterek statt Karlsruhe: There’s a place for us

  1. Mrs. Mop Oktober 26, 2014 um 12:43 pm

    Woo-hoo!, ist die Sendung am Freitag etwa mit Wunschkonzert? Sag ja! Puh-leeeze, ich möchte so gerne einen Klassiker aus Sophisticated Ladies von Duke Ellington hören, ‚Hit Me With A Hot Note And Watch Me Bounce‘. Ein so wundervoller Song, da vergeht dir Hören und Sehen, weil die Lyrics und die Musik ohne Umwege in den Leib fahren und dort ihr segensreiches Unheil anrichten🙂

    Hier ist ein Video mit nur den Lyrics. Worte der schieren Hingabe an die Musik/er und ihre Instrumente. Unwiderstehlich. Die Singstimme ist mir etwas zu westend-like, ziemlich blue-eyed und für den Text einfach zu hübsch – im Originalmusical damals hatte die Sängerin ordentlich stimmlichen Dreck drauf und, glaube ich, nur einen sparsamen Bass als Begleitung, was das Ganze erst recht unter die Haut gehen ließ. War vom Tempo auch langsamer und mit viel mehr suspense. Cheryl Freeman war das. Leider kann ich von ihr nichts finden, aber vielleicht kannst Du ja … irgendwie … ein bisschen zaubern???

  2. momorulez Oktober 26, 2014 um 12:52 pm

    🙂 – müsste eigentlich unterzubekommen sein. Die Zeit ist für das, was ich alles zusammen gesammelt habe, zwar fast zu knapp, aber das passt ganz gut in die „Story“!

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