Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der wildkonzentrierte Tanz bunter Fussballschuhe: FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig 1:0

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Restrausch. Wiederinvolviertsein, Drinsein, Imflowsein – leuchtendes Dasein. Das Dasein, ins Französische einst fälschlich übersetzt mit „condition humaine“, das Subjekt, die Person, ist ja Heidegger zufolge das Seiende, dem es in seinem Sein um das Sein selbst geht. Da hat er schamlos den Taoismus kopiert, noch in den 20ern vor der „Kehre“ und Rektoratsreden, und ja, in dieser Formel steckt, was ins Milerntor-Stadion treibt, immer und immer und immer wieder: Eben das, was man fühlt, wie man erlebt und erfährt, die Art, wie man sich auf die Welt bezieht:
All das mit St. Pauli aufzuladen..

Das war in den letzten Jahren nicht immer einfach. Manchmal schien der Spirit des Magischen FC sich zu entziehen und zu entrücken. Im Verschwinden erahnte man ihn oft nur noch.

Doch was eine Wiederkehr war das denn gestern!

Fing schon gut an: Alle Spieler trugen bunte Schuhe und Maier gar Pink! Der Öde das Bunte entgegen setzen, der immergleichen farblosen Kopie des marineblauen Elbvorortlers das pralle Sneaker-Fetisch-Leben entgegen treten: Yes!

Die Aufstellung: Meggle, boah, ey, was mutig! Wie großartig, die schon kraft Biographie durchstpaulianisierten Youngster die Struktur bestimmen zu lassen und so die Hinzugekommenen im Spirit endlich so richtig willkommen zu heißen! Dass auch Sobiech zeigte, wie er sich freut, dem Schatten der Müllverbrennungsanlage entronnen zu sein, ein Zauber wohnte seinem Spiele inne …

Dachte nach dem Aue-Spiel ja schon, ich gebe es zu: Mönsch, jetzt die Frontzeck-Masche mit kompakter Ordnung in der Defensive und plötzlichen Vorstößen würde aber zwischendurch so gar nicht schaden.

Und was machen Meggle und Schulle? Sie toppen es, verjüngen es, gehen darüber hinaus und setzen an die Stelle altehrwürdiger Korsette das hochkonzentrierte Quirlen, die permanente Bewegung – boah, ey, was der auch in die Defensive beorderte Nöthe ackerte, wie sie bissen und doch alle zusammen nun derart auf das Tore verhindern sich fokussierten, genau richtig, genau toll! Was ein Daube aufblühte, in die Verantwortung genommen und nicht mehr als ewiges Talent fast abgeschrieben! Abklatschen nach verhinderten Torchancen mit Tschauner – wann hat man das denn nun zuletzt gesehen?

Wahrlich weder Zauberfussball noch permanentes Toreschießen, aber eine Mannschaft, die LEBTE!

Juchhu!

Das war genau das Richtige zu diesem Zeitpunkt, lauter feinsinnige Signale des Trainers ans zur leidenschaftlichen Kooperation animierte Spielergefüge – und das auch noch bei voller Risikofreude des Trainers!

Als ich zu P.A. smste, dass sie auf Ergebnissicherung spielten, bekam der beim Raki zwar fast Panikattacken, weil das bisher nie unser Spiel war – und ja, in den letzten 10 Minuten wäre ich fast gestorben vor Angst.

Aber es ging ja auf!

„Nur“ ein 1 zu 0 und doch kochende Emotionen!

So als Dasein, dem es um das Sein selbst ging, war dieses wieder braunweiß eingefärbt mit vielen Farbklecksern, schillernd, jubelnd, jauchzend in allen Regenbogenfarben!

Danke euch, Team und Trainer. Es war sehr schön.

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2 Antworten zu “Der wildkonzentrierte Tanz bunter Fussballschuhe: FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig 1:0

  1. Pingback: Mit dem Rücken zur Wand auf zu neuen Ufern – #fcsp erkämpft sich den Dreier daheim gegen Braunschweig | KleinerTods FC St. Pauli Blog

  2. Pingback: FCSP 1-0 Braunschweig; 23.09.2014 Start der Saison 2014/2015 « Sankt Pauli Province Fanatics

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