Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus den Metalustversum, September-Ausgabe. Montag, 8.9., 14-16 h, FSK Hamburg

Einmal im Monat geht die Plaudertasche noch mehr als eh schon alltäglich mit mir durch. Das Freie Sender Kombinat Hamburg ist so freundlich, mir dafür Sendezeit einzuräumen. Dies ist der Link zum Stream. Auch morgen schallt so die Stimme zum Text hier im Blog aus den Boxen, Kopfhörern und Computerlautsprechern derer, die ihr zuhören wollen. Und wie immer ist die Musik viel wichtiger als das, was ich zwischendrin erzähle.

Zumindest gelang es mir dieses Mal, nach formal-handwerklicher No Go-Anmoderation allerlei Texte zitierend und Worte dazu wie immer frei und spontan suchend und manchmal auch findend, nun da zu sitzen und die Folgen der Selbst-Irritation in mir arbeiten zu lassen 😀 – Selbst-Irritation ist ja ein anderes Wort für Freiheit. Die einzelnen Segmente verbinden sich derzeit in meinem Hirn immer wieder neu und stellen munter oszillierend allerlei Bezüge untereinander und zur gespielten Musik her, dass ich mich glatt mal selbst inspiriert habe. Kommt vor. Vielleicht ja auch den oder die andere HörerIn.

Dieses Mal geht es ganz allgemein um das Erzählen, nicht umsonst heißt die Sendung „Tales of St. Pauli“. Ausgehend vom Geschehen im Millerntor-Stadion erkunde ich so allerlei, was damit vordergründig gar nichts mehr zu tun zu haben scheint. Hat es aber. Wie auch immer.

Die Playlist, da ich die Songs nicht ansage:

Donna Summer – On the Radio (Erkennungsmelodie)
Rufus Wainwright – Cigarettes an Chocolate Milk
The Herbaliser (feat. Seaming To)  – Something Wicked
Mr. Fingers – Can you feel it (Martin Luther King Remix)
Femi Kuti – Fight to win
Georgette Dee – Im Zug nach Paris
Terez Montcalm  – Le Cinema
Thelonius Monk – Let’s Cool One
Kora Jazz Trio – Djelia
Noiseaux – Resonate my Dance
Crazibiza – Like that (feat. Jerome Robins & MC Flipside)
Billy Nichols – Give your Body up to the Beat (Larry-Levan-Remix)
Alicia Keys – Empire State of Mind, Pt. II
Nhan Solo – Tell You
Hildegard Knef – Augen in der Großstadt (ein vertontes Gedicht von Kurt Tucholsky)
Gustav Mahler – Symphonie Nr. 9 in D-Dur, IV., Adagio, sehr langsam (Ausschnitt)
Leontyne Price – Vissi d’arte (aus Puccinis „Tosca“)
Tired Pony – Get on the Road
Soko – I thought I was an Alien
Liza Minelli – At Last
Dieses Mal stehen auch allerlei zu zitierende Quellen im Focus; eine richtige Fussballsendung im Independant-Radio braucht schließlich eine Literaturliste. Ich finde, ja, dass der Millerton da regelmäßig kläglich versagt. Also:
Benjamin, Walter, Das Passagen-Werk, Erster Band, Frankfurt/M. 1982
Cole, Teju, Open City, Berlin 2013
Frey, James N., Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Köln 1997
Koschorke, Albrecht, Wahrheit und Erfindung – Grundzüge einer Allgemeinen Erzähltheorie, Frankfurt/M. 2012
Seel, Martin, Varianten filmischen Erzählens, in: Kracke, Bernd/Ries, Marc: Das neue Erzählen, Bielefeld 2013

 

Advertisements

2 Antworten zu “Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus den Metalustversum, September-Ausgabe. Montag, 8.9., 14-16 h, FSK Hamburg

  1. Mrs. Mop September 8, 2014 um 3:43 pm

    Mei, war das waghalsig abgemischt heute! Boah. Aber, da gibt es nix zu meckern, Du hast wirklich ein Händchen dafür, ich folge Dir, Deiner Moderatorenstimme willig sozusagen über Berg und Tal, denke, huch, um welche drei Ecken rum lässt er sich jetzt nieder?, um am übernächsten Eck schon wieder staunend, mit offenem Mund groovend, mich der gelungenen Überraschung hinzugeben. Ein veritabler musikalischer Erzählmix war das.

    Anfangs war ich schon geneigt, leicht die Nase zu rümpfen, weil mich das ganze modische Gerede über der/die/das Narrative dezent abnervt, irgendwie meint heute fast jeder, irgendwas über Narrative narratieren zu müssen, und nur selten kommt dabei eine fesselnde, überzeugende Erzählung heraus, sodass ich dachte, oh Gott, jetzt auch noch der Momo auf dem Narrativtrip, das kann ja heiter werden, und tatsächlich, es wurde heiter, sehr heiter, weil es Dir gelingt, ganz beiläufig übers Erzählen zu erzählen und dabei solche, s.o., abgenervte Hörer wie mich schlicht zu übertölpeln und schwupp, fand ich mich gebannt auf Deinen verschlungenen Erzählpfaden wieder, um mal wieder für zwei Stunden die Zeit zu vergessen.

    Teils tolle, fast skrupellose Übergänge zwischen den Musiktiteln, und jeder einzelne von ihnen hatte so vieles zu erzählen, so vieles zum Zuhören, sogar und gerade solche Titel wie von Nhan Solo ‚Lemme Tell You Something‘ – also, viel mehr als diese eine Zeile erzählt er/sie ja nicht, aber du hörst zu und bist hin und weg und neugierig und gefangen, und danach dieser halsbrecherische Übergang zur Knef, dieser ungekrönten Erzählkönigin, wenn die eine Geschichte abrupt und doch weich fließend in die nächste Geschichte übergeht und La Knef durch die Großstadt geht und dabei Tucholsky-Geschichten erzählt und der Jazz die Schritte vorantreibt, walking and talking, beides gehört zusammen, bedingt sich vielleicht gar, jedenfalls kommt jene einfache und dabei tiefe Weisheit in den Sinn ‚Walk Your Talk‘, weil, sonst glaubt dir eh keiner deine Geschichte.

    Yo, Du merkst, Deine Sendung macht gesprächig, irgendwie wirkt Dein Plaudertaschentum ansteckend ;)) – herzlichen Dank, ich hatte zwei wundervolle prallgefüllte Stunden!

  2. momorulez September 8, 2014 um 4:06 pm

    🙂 – Dankeschön! Ich fühle mich verstanden! Ja, das mit dem Narrativen ist modisch – aber der Koschorke gefällt mir schon sehr, und durch Teju Coles Flanieren, das mir sozusagen lesend parallel über den Weg lief, bekam das eine Sinn-Verschiebung, und so entstand der Rahmen. Manches an der waghalsigen Mischung war freilich Unvermögen, weil ich einzelne Takes nicht gepegelt bekomme, sondern nur ganze Spuren. So dass die Gestrument-Streicher lauter waren als gewollt, aber irgendwie erschien mir das sogar richtig, weil Musik ja auch erzählt, aber anders, und die Gegenläufigkeit zur Betonung des Sprechens glatt Aussage wurde. Und weil die Abwechslung mit den Drum-Jam-Percussions und dass diese hintergründiger waren so schön zu Mahler hinführte.

    Das freut mich sehr, dass Du dem gerne lauscht! Und diesmal hat es mir sogar noch mehr Spaß gemacht als sonst. Bin über manches, was die Lektüren und Musiken mir schenkten, noch gar nicht ganz hinweg 😀 …

    Der Übergang zur Knef, da war ich selbst verblüfft, weil ich erst dachte „geht gar nicht“, aber irgendwie ging’s. Ganz erstaunlich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s