Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Voran, FC St. Pauli …

Zunächst einen ganz herzlichen Dank an Roland Vrabec. Mag sich wie Krokodilstränen lesen, ich habe mich früh in die Reihen der Kritiker begeben, nachdem ich, wie viele andere auch, den Auftakt unter Vrabec zunächst prima fand.

Ich vermute lediglich, dass da noch Lernbedarf in der Personalführung besteht; das ist normal, wenn man in eine solche Rolle geschubst wird. Mit Sicherheit hat er voller Akribie und Engagement all seine Ressourcen in bester Absicht eingebracht. Und mit Sicherheit werden gerade die Kritiker, also auch ich, staunen, was er noch so alles reißen wird in der Zukunft. Wenn er die Erfahrungen verdaut hat und neu los legt, werden wir uns noch ganz schön die Augen reiben. Ich hoffe und wünsche ihm, dass weniger Gram als Erleichterung ihn befällt und er durchschnaufend nun Raum für Atem findend die für ihn schwierigen Situationen als Grundlage für zukünftiges Wachstum begreifen kann.

Rachid Azzouzi ist anzukreiden, dass er diesen Schritt nicht schon vor der Sommerpause vollzogen hat. Er geht, und das finde ich sehr, sehr schade, beschädigt aus der Situation hervor. Ich finde ja, was er an Spielern an den Start gebracht hat, sehr sinnig, so weit ich das beurteilen kann.

Habe eben in die Pressekonferenz gelauscht; gut, dass er „charakterlich einwandfrei“ hinsichtlich des Kaders betonte, nachdem das Abendblatt sich in üblen Diffamierungen, als Zitat getarnten und pseudopsychiatrischen Diagnosen von „Problemfällen“ und „Patienten“ erging. Natürlich taugt kein tatsächlicher Patient seinerseits zur Diffamierung, aber dieses Problem steckt da sogar noch mit drin, ein versteckter Ableismus. Dennoch: Die Unterstellungen jedem zuzugestehender „psychischer Labilität“ individualisieren die Last der Umstände unzulässig, eine auch im mir bekannten Arbeitsleben ausgesprochen fiese Masche gerade unter Bedingungen des Neoliberalismus.

Auch Behauptungen wie jene, Trainerdiskussionen führten zu einem „Alibi“ für Spieler – was ist das denn bitte indirekt für ein Zucht und Ordnung ersehnendes Menschenbild? Ich gehe mal davon, dass, wer Fussballprofi wird, heiß auf’s Spielen ist und gut spielen WILL, wozu sollte der ein Alibi brauchen? Was antizipiert und impliziert das denn bitte im Bezug auf Denkweisen von Menschen?

Ähnlich Angst machte mir soeben beim Lauschen der Pressekonferenz das wiederholte „die Mannschaft in die Pflicht nehmen“. Ich vermute zumindest, dass die sich nicht außerhalb derer sieht, so haben sie nun auch nicht gespielt. Das war gerade in Rathenow aber so was von deutlich spürbar, was in denen passiert, wenn sie mal Raum für Spielfreude bekommen. Was ein Aufleben.

Zumindest von außen entsteht eher der Eindruck, als sei nur mit Druck, Kritik und Sanktionierung gearbeitet worden – und Menschen, die als Tölpel behandelt werden, verhalten sich auch irgendwann wie solche und meiden Situationen, in denen man sie so betrachten könnte.

Um so großartiger finde ich, dass nun nach zwei scheiternden „Konzepttrainern“, Schubert und Vrabec, einer kommt, der auch Erfahrungen als Spieler hat und nicht der Mackerlogik folgte in seinem bisherigen Auftreten.

Meggle war einer der Gründe, die mich einst im Stadion hielten, die mich nach 2, 3 Spielen zur Dauerkarte greifen ließen. Mein erstes Spiel war ein 4:0 gegen die Stuttgarter Kickers; für mich war es großartig, dass Persönlichkeiten wie Meggle und Lotter, die so gar nicht dem entsprachen, was ich als bisher an Fussball gar nicht Interessierter mir so unter Spielern vorstellte, derart triumphierten. Dieser Haufen Abgeschriebener, der druckvoll Spielwitz entfachen konnte, der fernab des Maschinellen sich situierte, das war mir eine helle Freude bis zum Aufstieg (und zum Teil auch noch danach) – und Meggle war fraglos das Kreativitätszentrum auf dem Platz, während ja ein Stani eher schädelte 😀 … anders als beim aktuellen Kader sprach niemand vom großen Potenzial. Und sie machten, gemeinsam kochend, was Unvergessliches daraus.

Diese Erfahrungen sind in der aktuellen Situation einfach Gold wert für das Team. Das braucht jetzt, glaube ich zumindest, die Aufbauarbeit eines verständnisvollen Motivators, der sich auch in sensitivere Spielerseelen einfühlen kann, keine impliziten Drohungen von sportlicher Leitung und Präsidium.

Ich freue mich auf Meggle und werde mir für ihn die Seele aus dem Hals schreien und die Finger wund tippen 😉 … und auch wenn manche jetzt unken, es könnte zu früh für ihn sein: Dafür hat er ja uns, dass wir jene Atmosphären kreieren, dass er in Ruhe arbeiten, lernen und wirken kann. Die Loyalität a priori fällt in diesem Fall ja ungemein leicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s