Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„I liked my mem’ries as they were, but now I’ll leave rememb’rin‘ this f*ckin‘ Aalen-Spiel …“

Es gab und gibt sie ja, die Phasen, da die realen Männer, die ich traf und kennenlernte, mir derart langweilig erschienen, dass ich mich stattdessen lieber in die imaginierte Leidenschaft des Emotionalisierens hinein begab. Am liebsten zu pathetischer Musik. Ja!!!

Dann startete und starte ich die Streisand ein oder Shirley Bassey oder sogar Musicals, Schmachtfetzen, triefend vor übergroßem Gefühl, „Last night I watched him sleeping“, „J’avais revé d’une autre vie, mais la vie a tué mes réves“. Was ich an Florian Bruns so toll fand, war, dass er diese große, dramatische Geste voller Pathos immer mal wieder auf dem Platz probierte. Zauberhaft.

Ja, ich höre in solchen Zuständen sogar manchmal heimlich, nie würde ich davon jemandem erzählen, Hymnen von Andrew Lloyd Webber. Die aus „Sunset Boulevard“ zum Beispiel. „As if we never said goodbye“. Das ist das Musical zu dem berühmten Film, da zu Beginn eine im Swimming Pool treibende Leiche rückblickend die Geschichte erzählt.

Ich frage mich, was unsere dahin siechende Mannschaft wohl erzählen würde,
würde sie rückblicken und berichten, was sie in den Zustand des leblos Dahintreibens versetzt hat. Die Ähnlichkeiten zwischen Norma Desmond und Roland Vrabec sind so groß ja nun auch wieder nicht. Und Zombies im Film sind wenigstens direkt, zielorientiert und von dramaturgisch gewichtiger Gnadenlosigkeit entseelt.

Man ist ja fast, fast nur, versucht, ihnen Lieder wie „Someone that I used to love“ hinterher zu schmettern. Oder „Könntest Du doch wieder bei mir sein!“ Sie wirken so ABWESEND.

Das bietet noch nicht mal Anlass, sich in Verzweiflung hinein zu emotionalisieren: „Last time I cryed, I was holding you and loving you“ in Anspielung auf den ansonsten so ungeheuer Thees Ullmann seienden Thees Ullmann „würde es gehen, würde ich Dich umarmen“, FC St. Pauli, noch nicht mal das kann ich derzeit vorbehaltlos singen angesichts dieser gefühlten Belanglosigkeit in der Spielweise.

Weil das Stadium schon fast das nach dem Liebeskummer ist – beinahe das Entsetzen darüber, dass man in den Sog der Emotionslosigkeit hinein gezogen wurde, in das Grau des Egal. In die Twilight-Zone der Wutlosigkeit.

Erinnere mich nun an genug Debakel, Grottenkicks und Untergänge, an trübes Trampeln in eisiger Kälte gegen Mannschaften wie Neumünster und Wilhelmshaven in der Regionalliga – aber an diese merkwürdige Teilnahmslosigkeit, die die Spielweise in Aalen ausstrahlte, kann ich mich nicht erinnern. Klar gab es immer mal kurzes Aufbranden, einen gestikulierenden Tschauner, nun auch endlich im Aquaman-Dress, aber … als ich den Bildschirm nach diesem Spiel verließ, war sehr viel Erinnerung in mir und das Gefühl zur Gegenwart verschwunden.

Nun hat es ja eh was vom eingangs beschriebenen Emotionalisieren, fortwährend von einer Fussballmannschaft am Wochenende die Dosis Involviertsein in Mitreißendes zu erwarten. Ja, okay. Ist richtig. Aber so?

Dabei gibt es doch auch so tolle, große Melodien aus dem Reich der Gegendrogen zum Trübsal des Alltags, auf die man sich beziehen könnte. „New Ways to dream!“ „There’s a place for us!“ Okay, „somewhere“, irgendwo, aber kann dieser Platz nicht wieder da sein, wo ihr spielt? Für uns und euch selbst auf den Rasen rennt?

Dass wir wieder „The Coffee Cup – I think about you“ beim Halten des St. Pauli-Bechers morgens beim Kaffee summen, anstatt das Wappen genervt auf die andere Seiten zu drehen oder ihn gleich am Regal hängen zu lassen und zu dem knallroten, übergroßen von Tschibo zu greifen? „I know him so well“ passt auch gerade nicht als Leithymne, das wirkt gar nicht so, als sei das der FC St. Pauli, der da spielt.

Nein, das ist keine Umschreibung für „Wir sind sind St. Pauli und ihr nicht“ und was sonst so an tumben Gesängen durch andere Stadien weht, wahrlich nicht. Ihr seid es. Ihr müsst es wohl nur wieder fühlen lernen. Wer hat euch das ausgetrieben? Und vor allem: Wie?

We want you back for good! Um das musikalische Genre zu wechseln.

Wenn ihr dafür eine CD mit Musical-Melodien gebrannt haben wollt: Kriegt ihr! Falls ihr das freilich als Drohung empfindet, Gott, wenn’s denn wirkt, biete ich das auch gerne an 😀 … „Oh Schreck, wenn wir wieder so rum dümpeln, müssen wir Momos Musical-Tracklist anhören, bitte nicht!“

I still believe!

Ihr auch?

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Eine Antwort zu “„I liked my mem’ries as they were, but now I’ll leave rememb’rin‘ this f*ckin‘ Aalen-Spiel …“

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