Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: August 2014

„Wir sind gegen die Seilbahn und die Polizei ist doof!“

Ich habe nicht mit abgestimmt, obgleich ich als Bewohner des Bezirks „Mitte“ ja gekonnt hätte. Über die Seilbahn. Weil ich mir schlicht unsicher war. Weil, wenn ich richtig informiert war, der Startpunkt des Bauunterfangens am unteren Ende der Wallanlagen gewesen wäre und es mir schon bei Hafengeburtstagen auf die Nerven fällt, wenn die Leute in meinen Vorgarten eindringen – was ja schon auch viel über meine eigene Jägerzaun-Mentalität aussagt.

Trotzdem merkte ich heute morgen Zorn in mir aufsteigen. Über dieses ewige „Dagegen“ derer, die nun mit Sicherheit so gar nicht dafür zu sorgen, dass sich mal was in die richtige Richtung bewegt. Die unverdrossen glauben, ob im Zeckensalon oder bei  Celtic-Spiel-Rahmenprogrammen, ihre öden, weißen Indie-Kapellen, die sie in ihrer öden, weißen, heterosexuellen Macker-Welt nostalgisch pflegen, hätten nun irgendwas mit Zukunft zu tun.

Neulich im Golem: Die Haus-Jazz-Band Mehr von diesem Beitrag lesen

What now, my love? FC St. Pauli – Sandhausen 2:1 (und ein wenig Philosophie)

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Läuft hier gerade, dringt aus meinen Boxen: „What now, my love, now, that you’re gone …“ – ist das ursprünglich von Gilbert Bécaud? Oder von Charles Aznavour?

„Nous sommes St. Pauli“ singen wir ja immer frankophon vor uns hin zu Spielbeginn, ansonsten eher britisch orientiert. Was meine Vorliebe für den Existentialismus des frühen Sartre wie auch konträrer Philosophien des Poststrukturalismus nicht schmälern kann. Beides französischer Herkunft. „La vie ne fait pas de cadeau“, ich weiß. Aber quand on n’a que l’amour ist das auch nicht immer ausreichend.

Und beides, Existentialismus und Poststrukturalismus, tritt zumindest den Wortbedeutungen folgend ja unter Vrabec ins Rampenlicht: Dieses so merkwürdig existentielle Gefühl, dass da was verspielt wird. Trotz Sieg. Les Jeux sont faits, so hieß ein Drehbuch des frühen Sartre. Der deutsche Titel: „Das Spiel ist aus“.

Er wirkt allerorten im Stadion,

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Lost Highway. Oder wie Alicia Keys uns Wald und Mais entriss (Optik Rathenow – FC St. Pauli 1:3)

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„Jedes einzelne Element (…) muß auf Anhieb verstanden werden – und zwar verstanden auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Es ist eine wahre Schande. Es gäbe so viele Orte, an welche sich die Leute begeben könnten, wären sie nicht so eng an diese Beschränkung gebunden.“ (Interview im Rolling Stone, 6. März 1997)“

Orte In Brandenburg vielleicht? Herzsprung?

Das ist nicht zufällig Teil der Gemeinde HEILIGENGRABE.

Mit Sankt als Vorname ahnt die Crowd, in den Bus gepfercht, Fürchterliches.

In Herzsprung ist und west eine Pension. Unweit dieser: Ein See. Mit Bootsrundfahrt. Und nahe dessen ein Baumaschinenverleih. Da sieht man in der entfesselten Vorstellungskraft des Küstennähesiedelnden Einwohner, johlend und angestachelt von Bier und Korn blutige Jagden auf Eindringlinge mit Bagger und Dampfwalze veranstalten als Wochenendvergnügen …. drumherum Wald.

Nicht eine Ansammlung von Bäumen, nein: WALD.

Ein Begriff, in seiner Totalität Welt geworden. Kein Blick. Nur Stämme, Blätter schlucken Licht. Unterholz verschlingt.

Visionen keimen ins uns auf: Sollten wir,

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Teile, herrsche, projiziere! Diskurskonfigurationen in der bundesrepublikanischen Aktualität

Ich möchte so gerne wissen, wie die das immer wieder hinbekommen.

Die, die satt und unbefragt in den Zentren der Thematsierungsmaschinerien sitzen und Gruppen Anderer exkludieren, um an sie Unbill zu delegieren und es auf sie zu projizieren – im nächsten Schritt hetzen sie sie gegeneinander auf. Was oft genug gelingt. Und immer wieder neu stabilisieren so die Unbefragten ihre Macht.

Muslimische Facebook-Bekanntschaften fragten jüngst,

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„I liked my mem’ries as they were, but now I’ll leave rememb’rin‘ this f*ckin‘ Aalen-Spiel …“

Es gab und gibt sie ja, die Phasen, da die realen Männer, die ich traf und kennenlernte, mir derart langweilig erschienen, dass ich mich stattdessen lieber in die imaginierte Leidenschaft des Emotionalisierens hinein begab. Am liebsten zu pathetischer Musik. Ja!!!

Dann startete und starte ich die Streisand ein oder Shirley Bassey oder sogar Musicals, Schmachtfetzen, triefend vor übergroßem Gefühl, „Last night I watched him sleeping“, „J’avais revé d’une autre vie, mais la vie a tué mes réves“. Was ich an Florian Bruns so toll fand, war, dass er diese große, dramatische Geste voller Pathos immer mal wieder auf dem Platz probierte. Zauberhaft.

Ja, ich höre in solchen Zuständen sogar manchmal heimlich, nie würde ich davon jemandem erzählen, Hymnen von Andrew Lloyd Webber. Die aus „Sunset Boulevard“ zum Beispiel. „As if we never said goodbye“. Das ist das Musical zu dem berühmten Film, da zu Beginn eine im Swimming Pool treibende Leiche rückblickend die Geschichte erzählt.

Ich frage mich, was unsere dahin siechende Mannschaft wohl erzählen würde, Mehr von diesem Beitrag lesen

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, August-Ausgabe. Mo, 11.8., 14 h, FSK Hamburg

Morgen um 14 h ist es wieder so weit – meine Stimme dringt, von viel besserer Musik umgarnt, aus den Boxen der Radios und Computer derer, die sie hören wollen. Wie immer beim Freien Sender-Kombinat!

Eine weitere Ausgabe voller Versprecher, Wort- und Silben-Verschlucker und -Doppler bis Verdreifachungen, Flüchtigkeitsfehler (das „Gefahrengebiet“ verlagere ich vom Winter in den Herbst, zum Beispiel)  rund um Themen, die auch in der Fanszene des FC St. Pauli diskutiert werden. Ich mühe mich, diese akustisch zu verschwulen und musikalisch White Supremacy auszutreiben mit Hilfe von House- und Black-Music und deren Verwandten.

Morgen wende ich mich unter anderem noch einmal kritisch der Ausstellung „Fuck you, Freudenhaus“ von 1910 e.V. zu und behandele zudem das Dauerthema Appropriation und die Gegenwehr von Joshua Redman und José James. Ich diskutiere wie immer und unaufhörlich, so lange, bis sich etwas ändert, wer spricht und wer nicht im Widerstand – zudem führe ich aus, wieso das Wirken von Roland Vrabec, (Noch-)Trainer des FC St. Pauli, so ganz und gar nichts mit den Tipps und Regeln zu tun hat, die Ratgeber für Krimi- und Thriller-Autoren formulieren. Um final George Lee Moore, den Philosophie-Professor mit der Gitarre aus Brooklyn, dem Massenpublikum vorzuspielen.

Wie üblich hier die Tracklist, da ich nur teilweise die Titel ansage – es geht auf jeden Fall sehr liebevoll zu dieses Mal:

 

Georgette Dee – Fürstin der Nacht (Auszug) – aus dem Musical „Beiß mich, ich will das Leben spüren“, Schmidt’s Tivoli 1992/1993

Donna Summer – On The Radio (Erkennungsmelodie)

Artenvielfalt & The Project – I’m Done (Marlon Hoffstedt & HRRSN Remix)
Hildegard Knef – Und wenn ich wage, Dich zu lieben (Markus Guentner-Remix)
Feed me & Crystal Fighters – Love Is all I Got (Larse Remix)
Bebel Gilberto – August Day Song
Boy George – Love’s Gonna Let You Down (Popcorn Mix)
CeCe Peniston – Finally
Patrick Wolf – The Sun Is Often Out
Ella Fitzgerald & Miguel Migs – Slap That Bass (Miguel Migs Petaplusher Remix)
Y’akoto – Forget
Joshua Redman – The Ocean
José James – Angel
José James – While You Were Sleeping
Gene Ammons – Jungle Strut
Nuclear Family – Rise
George Lee Moore – Niobe
Georgette Dee –  Fürstin der Nacht (Auszug 2)
Viel Spaß beim Hören, wer auch immer das mag und will!

„Stonewall was a riot, not a Party“

Ja, ich Krieger, ich.

Jedem Ende der Enthaltsamkeit jederzeit zustimmend, als Plädoyer formuliert, ist meine Trinkfestigkeit dennoch dem Verfall anheim gegeben. So folgte ich wie so oft meinen eigenen Forderungen nicht. Und sah im Anschluss an ein biergeschwängertes Nickerchen nach dem Spiel gegen Ingolstadt auf ARTE zwei Dokus über Boy- und Girlgroups, anstatt mich in die schwülen Nächte der Pride Week zu stürzen. Eine gute Doku und eine schlechte Doku.

Die gute wusste Spannendes zu berichten Mehr von diesem Beitrag lesen