Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 14. Juli, 14 – 16 h

Morgen, am Tag nach dem entfesselten nationalistischen Taumel, ich drücke Argentinien alle Daumen! Rettet mich!, geht mein monatliches Radio-Experiment einmal mehr über den Sender. Konkret: Ist beim FSK Hamburg zu hören. Wie jeden zweiten Montag im Monat von 14 – 16 h.

Auf dem Sendeplatz läuft ansonsten auch „Jenseits der Geschlechtergrenzen“, was angesichts der hochaggressiven, gewalthaltigen und -tätigen Propaganda mancher Hetero-Lobbies gegen eine verballhornte Version der „Gender-Theorie“ viel wichtiger ist als meine plaudernde Suchbewegung quer durch Themen, die rund um die Fanszene des FC St. Pauli mir relevant erscheinen.

Diesmal gehe ich von Roland Barthes‘ Konzeption des literarischen „Phantasma“ aus, das er in den ganz und gar zauberhaften Vorlesungsvorbereitungsnotizen zu seinen Events im Collége de France (wie man das richtig französisch ausspricht, übe ich noch; mir geht es in der Sendung darum, dem Medium gerecht wirklich mit frei gesprochener Sprache – !!! – zu arbeiten, nicht irgendwas vorher aufzuschreiben und dann zu verlesen und so lange Takes aufzunehmen, bis alles sitzt) in den 70er Jahren entfaltete, die unter  dem Titel „Wie zusammen leben“ veröffentlicht wurden. Um mich anschließend vermutlich viel zu platt und reduziert zu der sehr beeindruckenden Lesung Sharoon Dodua Otoos aus ihrem Roman „die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“ (unbedingt lesen!) im Café Timbuktu  zu äußern und die Reaktion der ISD auf das vom Senat initiierte, universitäre Programm zur Aufarbeitung der Hamburger Kolonialgeschichte zu verbreiten. Das Ausstellungs-Motto von 1910 e.V., „Fuck you, Freudenhaus!“, betrachte ich kritisch – um final mich zwei Werken schwuler Stadtgeschichte zuzuwenden. Einerseits Hubert Fichtes „St. Pauli-Geschichte“, eine Handschrift aus dessen Nachlass. Und Stephen Spenders „Der Tempel“, das im Hamburg der Weimarer Republik spielt und jüngst vom Männerschwarm-Verlag neu aufgelegt wurde. Das alles und noch viel mehr ist dann also morgen zu hören.

Da ich keinen Song ansage, hier wieder vorab die Playlist:

Greek Buck – Spunk (Thank You)
Donna Summer – On the radio (die Erkennungsmelodie)
Dennis Parker – Like an eagle
Kaine – Love saves the day (feat. Kathy Diamond)
Habib Koité – Baro
Mamami Keita & Marc Minelli – N’ka Willy
Michael Kiwanuka – Tell me a tale
George Adams – Send in the clowns
Randy Crawford – Everything must change
Boris Dlugosch – Look around you (featl Roisin Murphy)
Grace Jones – I’ve seen that face before (Libertango)
Hercules & Love Affaire – Think (feat. Rouge Mary)
Hildegard Knef – Anderthalb Millionen (Remixed by Hans Nieswandt)
Bedouin Soundclash – Brutal Hearts
Jabberwocky – Photomaton (feat. Elodie Wildstars)
Foals – Late night
Frankie Knuckles – Waiting on my angel
DeeDee Bridgewater – My loneley room

 

 

 

 

 

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2 Antworten zu “Momo on the radio: Tales of St. Pauli – Neues aus dem Metalustversum, Mo, 14. Juli, 14 – 16 h

  1. Mrs. Mop Juli 14, 2014 um 3:35 pm

    Ist schon phänomenal, wie stark Deine Sendung zum Zuhören inspiriert, also zum fokussierten Zuhören und nicht mal so nebenher. Einmal hatte ich versucht, während des Zuhörens zu kochen – vergiss es. Geht einfach nicht. Ich sitze zwei Stunden wie festgenagelt (abgesehen von den, wie immer, phantastischen Musikstrecken, wo es mir den Hintern aus dem Stuhl reißt).So informativ, so fesselnd, so horizonterweiternd und dabei unterhaltend. Großes Kompliment!

    Toll, wie Du den Remix von Hildegard Knef in den Kontext Flüchtlinge bzw. „Wie zusammen leben“ eingeflochten hast – anderthalb Millionen auf der Flucht vor der Angst, Endstation Kreisverkehr (oder so ähnlich?). Kongenial. Genau das sind die Momente, wo das konzentrierte Zuhören sich lohnt. Und wo Du die Musik sprechen lässt. Und wo es so viel zu entdecken gibt.

    P.S. Übrigens, letzten Montag saß ich irrtümlich – falscher Montag! – in Bereitschaft (festgenagelt) vorm Radio, vergeblich harrend, wollte mich schon dem Frust hingeben, weil keine St. Pauli Tales, wurde dann jedoch reichhaltig entschädigt durch eine unglaublich spannende Sendung mit/über Wolfgang Pohrt, so eine Art Sprachcollage mit genial aus der Zeit gefallenen Jazz-Crime-Musikfetzen. Was soll ich sagen? Zum Festnageln. Großartig.

  2. momorulez Juli 14, 2014 um 4:02 pm

    Über das Feedback freue ich mich natürlich sehr, Danke!!! Auch, dass auffällt, dass die Musikauswahl nicht ganz zufällig ist 🙂 – und Du hast mir mit Deinen Anmerkungen zum Plaudern auch echt Mut gemacht. Bei meinem teils philosophischen, teils quasi-journalistischem Background habe ich ja manchmal das Gefühl, dass ich das viel analytischer, begrifflich „sauberer“ bauen müsste, wenn ich z.B. mit Barthes, Phantasma und Idiorrhythmie einsteige. Das also so richtig als Prämisse mit Anwendung wie in einer Hausarbeit zu basteln oder so.

    Dann würde es aber ja ein Referat. Und keine Erzählung mehr. Über ein zufälliges Treffen mit Günther Zint, dem Fotografen, dann bei Dominica und ja eher Diskussionsanregungen als Thesen zur Prostitution als St. Pauli-Realität zu landen und irgendwo in Bücher springen und wieder raus, das schien mir dann an irgendeinem Punkt auch einfach mehr Radio zu sein. Und eben alles „Wie zusammen leben“, zwischen real und Phantasma changierend.

    Wenn die Elemente in ihrer Kombination mit einem erfahrenden, also Erfahrungen machenden, nicht notwendig erfahrenen, Plauderer über das Gesamtbild, Musik und Sprache, ja, irgendein Ganzes ergeben, das noch eine Überschrift hat, aber ansonsten eher in sich aufeinander verweist und Spuren legt, die vertiefen kann, wer will. Aus dem Buch von Sharon Otoo habe ich z.B. extra nix gelesen, weil das völlig unangemessen wäre, wenn ich als weißer Mann das tun würde. Hoffe aber, dass es vielleicht wer lesen wird 🙂 …

    So was versuche ich da zumindest. Bin auch ganz froh, das nicht im Studio aufzunehmen, sondern in mein Laptop zu quatschen. Weil immer irgendwas rund um die Wohnung ist, was passt.

    Ist ja etwas kurios beim FSK insofern, dass man da ziemlich ins Nichts sendet. Um so erfreulicher, das zu lesen, was Du schreibst!!!

    Ich höre ja ehrlich gesagt auch noch viel zu wenig, was die „Kollegen“, komisches Wort, ist ja alles ehrenamtlich, da produzieren. Bin ja eher rein gerutscht. Der Freiraum ist aber grandios. Das gibt es sonst echt nicht mehr in Medien. Und macht auch einen Riesenspaß 🙂 … um so toller, wenn Du da noch weitere Inspiration gefunden hast!!!

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