Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Noch mal Schland und wie es auch anders ginge …

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(Quelle: Schlandwatch, Facebook)

Wie kommen diese Typen eigentlich immer darauf, dass SIE nun ausgerechnet irgendeine besondere Aufenthaltsberechtigung innerhalb der Grenzen des deutsches Staates hätten?

Bei Facebook kommentierte in des Möllers Richtung schon jemand treffend, er solle doch nach drüben gehen. Zu Putin zum Beispiel – meines Erachtens lebt jeder der Lampedusa-Flüchtlinge eher den Geist der Vefassung als Herr Möller.

Wieso glauben diese verschlandeten Hirne eigentlich, sie hätten auch nur irgendwas mit den Errungenschaften der Nachkriegsgeschichte, die es ja durchaus gab, zu tun?

Nur dass diese Errungenschaften allesamt sich eben gerade aus internationalen Quellen speisten, solche, die in diesem Land zum Lebenswerten beitrugen. Parteiisch erwähne ich Stonewall. In Deutschland lebte man bis dahin noch in der nationalsozialistischen Kontinuität des Paragraph 175.

Frauenbewegung, Bürgerrechtsbewegung: Noch das „Mehr Demokratie wagen“ Willy Brandts, dem Deutschvölkische ein „alias Frahm“ anhängten, ist doch vom Geiste Martin Luther Kings eben auch inspiriert. Ohne die angloamerikanische Popkultur hätten auch ein paar bewegte Studenten kulturell nichts erreicht.

Dass es in innenstädtischen Bereichen z.B. Hamburgs zwar zu teuer ist, aber sich ansonsten prima lebt, das ist ja dem zu verdanken, dass solche wie der Möller sich allenfalls auf Musical-Wochenendtouren
hierher verirrten und ansonsten nicht weiter sichtbar waren.

Dass ein Leben jenseits der Normalisierung, jenseits des Fahneneides im Sinne der Differenz eben führbar war.

Und nun fallen die alle hier ein und annektieren das lebenswerte Leben zugunsten ihres Geschreis und wollen all jene, die wirklich was Zukunftsweisendes zustande gebracht haben, wie einst schon mal ausbürgern?

Deniz Utlu beschreibt in seinem Roman „Die Unhaltbaren“ sehr eindrucksvoll, wie Deutschtürken in Kreuzberg sich freuten, als die Mauer fiel – auf dass dann auf einmal lauter Leute, die herüber kamen, meinten, das sei nun plötzlich DEREN Terrain. Während das Hiersein von Menschen, die mit Knochenarbeit Aufbauarbeit geleistet hatten, lautstark in Frage gestellt wurde und niemand ihnen dankte.

Utlu schildert, wie die sich als „Volksdeutsche“ Gebärdenden los spazierten, um ihr „Begrüßungsgeld“ einzusacken, während die ach so große Politik immer schon über die „Einwanderung in die Sozialsysteme“ schwadronierte und schwadroniert – und zugleich die „Einheit“ über die Sozialkassen finazierte. Die eben auch von „Migrantisierten“ aufgefüllt worden waren. Die Kreuzberger Deutschtürken sahen mit gemischten Gefühlen zu, als das „Begrüßungsgeld“ über die Bankschalter verabreicht wurde, während prompt man sie delegitimierte.

Dieses Flaggenschwenken ging so auch 1990 los.

Ich weiß noch, wie nach Abpfiff des Finales der WM ich aus meinem Fenster an der Stresemannstraße sah – Stau, schwarz-rot-gold neben Reichskriegsflaggen überall. Bis zum Paulinenplatz konnte man sich wagen. Dahinter wiesen Polizisten Naziskins, so wurde mir erzählt, in der S-Bahn-Station noch den Weg zu Postpunk-Kneipen wie dem SPAR am Hamburger Berg. Das SPAR wurde gestürmt, mit Eisenpfeilern und anderer Bewaffnung – hätte es nicht einen Hinterausgang gehabt, so wären Menschen gestorben. Vermutlich sollte da in Möllers Sinne „ausgebürgert“ werden. Das war eine Attacke auf jene, die ernst nahmen, was aus dem „3. Reich“ zu lernen ist. Stattdessen wurde jene Atmosphäre kreiiert, die Lichtenhagen und Solingen vorbereitete.

Was das Leben in Städten wie Köln, Berlin, Hamburg, auch Hannover so angenehm macht, ist ja, dass das Identitäre mittels Schwarz-Rot-Gold tatsächlicher Vielfalt gewichen ist. Ich bin froh, auch noch die Zeiten ohne nationalen Pomp vor 1990 erlebt zu haben.

Nun hat die Bundesregierung die Optionsregelung beim Doppelpass wenigstens und zum Glück abgeschafft, Özil und Khedira sind auch auf dem Platz, und beim deutschtürkischen Kiosk um die Ecke hängt die Fahne auch. Da stört sie mich auch nicht, da verstehe ich das. Die Kaudersche und Möllersche Gefährlichkeit spüre ich da eben nicht.

Was neben dem Aufgreifen Kantischer Motive gut war in der Nachkriegsgeschichte, das war eben nicht den Möllers zu verdanken, sondern zumeist Import: Die Idee der Menschenrechte, die noch immer bei weitem nicht verwirklicht ist. Swing, Rock’n’Roll, Jazz, Soul, Beat, Hip Hop, Demokratie. Vieles aus Hollywood. US-Serien. Internet. Die meisten Leute können englisch, leider viele kein türkisch, ich auch nicht, lesen Autoren aus aller Welt, genießen buddhistisch inspirierte Wellness-Praktiken – und selbst die später teutonisierte Love-Parade als Mutter aller Party-Events mühte sich zunächst, das Nationale hinter sich zu lassen.

Wieso verweigern sich Leute wie Möller nun dieser Lernlust der Nachkriegsgeschichte und wollen das tatsächlich Gelebte wieder abschaffen und allesamt gleichschalten?

Die Leute mögen es doch, sich als „Borusse“, „St. Paulianer“ oder „Unioner“ zu sehen. Es gibt so viele tatsächliche postnationale Hüllen, die man bei Bedarf sich überstreifen kann, wenn man das braucht …

Viel schöner wäre es doch, einfach weiter zu lernen und sich daran zu erfreuen.

„White Supremacy“ zu reflektieren, um diese Haltung zu überwinden, sich an internationalen Inspirationen weiter zu laben, Homophobie, Sexismus und Rassismus endlich wirklich hinter sich lassen und allen gleichermaßen und endlich mal nicht mehr nur sich selbst auf Kosten Anderer Spaß gönnen …

Ich verstehe nicht, wieso Leute wie Möller das nicht ertragen und nun allen lautstark ihr Geschlande aufdrängen wollen, um ganz wie die FDJ „Sag mir, wo Du stehst!“ zu schreien und wie die SED mit Wolf Biermann verfahren zu wollen …

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