Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

FCSPOB

20140512-165355.jpg

Bei Ebbe und Bruuuuuns kam die Musik noch vom Band.

Jetzt steht da dieser Thees Ulmann mitsamt Gitarre, er, der manchmal akustische Allergien unaufgefordert mir schenkt, läuft seine Musik irgendwo, kann ich ja gar nicht drauf, ein Symptom, der Typ – singt er freilich den Holperreim „Hooray, hooray, hooray, FC St. Pauli“, ja, mit dem Stück kriegt er mich auch. Aber so was von.

Ich schluchze mit. Schon gar aus diesem Anlass.

Ich meine – FCSPOB, FC St. Pauli ohne Boll, das ist jenseits des Vorstellungsvermögens angesiedelt. Erinnerungen steigen auf
an Spiele, auf Holzbänken noch sitzend in der Regionalliga, da die Freude allseits groß war, kam Boll auf den Platz. Weil er nix versuchte, was er nicht konnte, das, was er konnte, freilich mit einer Willenskraft und Konsequenz über sich hinaus trieb, dass manch Filigrandribbler unter den Gegenspielern Knoten schlug. Meine Güte, 12 Jahre – mit ihm hab ich ja mehr Zeit verbracht als mit manch Freunden!

Ein Echo ein wenig der StanialsSpieler-Verabschiedung, als, Uerdinger waren es, glaube ich, beim letzten Saisonspiel vor der sanften Melancholie der Sommerpause in unsere „Stani“-Chöre einstimmten – so feierten gestern die Auer (sagt man das so?) diese Momente der Liebe in Traurigkeit mit. Das war schön.

Tolle Transparente, Schilder, Choreo zu Bolls Ehren in drei Vierteln des Stadions (ja, liebe Haupttribünennachbarn, schämt euch, so früh verschwunden zu sein, PA und ich hielten die Stellung), tolle Pyro-Einlage lange nach Abpfiff, nur dieser verfickte Scheißknaller on top … der Fanclubsprecherrat hat die richtigen Worte dazu bei Facebook gefunden.

Der wurde ganz als Kontrast zum Gestus Fabian Bolls gezündet. Der hat nämlich diese einzigartige Fähigkeit, immer den richtigen Ton zu treffen. Ob in Interviews mit ZEIT-Online oder mittels dieses stets trocken-schnodderigen Humors.

Auch Fin Bartels weg. Schniefz.

Ging ja gestern etwas unter; diese plötzlichen, schnellen Vorstöße, diese Karnickel-Sprints werden soooo sehr fehlen. Die Reden von Herrn Bönig wirkten zwar etwas so, als würde er sich um einen Nebenjob als Laudator für goldene Hochzeiten und Betriebsjubiläen bewerben – woher kommt eigentlich dieses „Familienvater“? Von „Familienmüttern“ redet doch auch niemand – nichtsdestotrotz auch bye, bye Florian Mohr, by bye Kevin Schindler, die wir so gut leider nicht kennen lernen durften wie die anderen beiden.

Und was wird das nu, dieser FSPOB?

Bitte einer, bei dem Christopher Nöthe, Christopher Buchtmann, Tom Trybull, Sebastian Schachten und Ratsche eines Tages unser braun-weißes Herz ähnlich wohlig bluten lassen werden wie gestern.

Und vor allem einer, wo man beim Spiel der Mannschaft nicht das Gefühl, vielleicht den Fehleindruck hat, dass sich Teile des Teams einfach nicht grün sind und manches Mal, ich bitte um Verzeihung, irre ich mich, es wirkt, als spielte der eine oder andere nach dem Motto „Wenn der da“ (gemeint: ein Mitspieler) „es nicht bringt, kann ich doch auch nicht glänzen!“.

Die „Heldengenaration“ zeichnete sich dadurch aus, die Defizite der Team-Kollegen, die jeder hat weil Mensch, auszugleichen – so dass alle so wirkten, als hätten sie Spaß miteinander. Als wäre das Füreinandereinstehen zentral gewesen – so berichten es auch jene derer, die ich kenne. Den Anderen für die Stärken und Schwächen gleichermaßen anerkennen ist ja das Mehr als lediglich Funktionalität, das menschlich macht.

Bei dem zum Flickwerk Gewordenen, das Roland Vrabec herbei trainiert hat, spürt man davon nicht mehr viel.

Um so mehr schmerzte gestern der Abschied von der so zentralen Integrationsfigur.

Ich hätte mir ja sehr gewünscht, dass der Trainer gleich mit verabschiedet worden wäre. Vermutlich wäre das unfair gewesen, zu sehr hätte es im Schatten der Boll-Verabschiedung stattgefunden. Das war ja schon den anderen dreien gegenüber ein wenig traurig. Und mit Sicherheit hat auch Roland Vrabec alles gegeben, sich „den Arsch aufgerissen“, vielleicht ja mit mehr Ehrgeiz als Gelassenheit. Ist ja normal bei so jungen Dingern.

Ich wünsche mir trotzdem, dass anders als nach der Winterpause ein intaktes TEAM voller Spielfreude, Spaß und sprühend vor Selbstbewusstsein auf den Platz stürmt, wenn es wieder los geht. Das ist auch eine Frage des neumodisch so genannten „Teambuildings“. Von dem sieht man aktuell nichts.

Muss sich ändern. Damit der FCSPOB mehr sein wird als schöne Erinnerung.

Beim FC St. Pauli ist sehr vieles sehr sehr viel wichtiger als Ergebnisse.

Aber zum Erlebnis gehört das auf dem Platz schon auch noch mit dazu.

Advertisements

6 Antworten zu “FCSPOB

  1. Erik P. Hauth Mai 12, 2014 um 6:02 pm

    Das ist ja einer der Gründe, weswegen ich von RV so enttäuscht bin, denn seine ersten Verlautbarungen gingen ja genau in diesen Richtung, als Mannschaft den eigenen Spass und Anspruch zu finden, und daraus Kraft zu ziehen, auch wenn man zurück liegt. Vielleicht tue ich ihm aber auch Unrecht und habe das agile hinein gelesen.

    (Wäre ja mal ein tolles Experiment, eine Mannschaft nach agilen Methoden zu trainieren)

  2. momorulez Mai 12, 2014 um 6:10 pm

    Was genau dann agil hieße, verschweigst Du freilich 🙂 … ich denke, dass das auch echt schwierig ist, so ein Team aus Jungtechnikerdiven (ich liebe ja meine Diven, wie Du weißt 🙂 ) und Gestandenen, die auf bisher Geleistetes pochen, zu harmonisieren. Gerade, wenn man Chef sein erst lernt und derart unter Beobachtung steht. Aber dann ist Zweitligatrainer für RV vielleicht auch etwas zu früh gekommen. Souverän wäre – wenn das so ist -, dieser Erkenntnis dann auch die entsprechenden Schritte folgen zu lassen. Und der Nachfolger zeigt uns dann, was agil heißt 🙂 …

  3. cut Mai 12, 2014 um 10:36 pm

    Agile Methoden sind doch so ein Ding aus der Softwareentwicklung. Wenig Bürokratie, wenig Regeln usw, Trotzdem keine Anarchie. Mit Sprints und Meetings. Habe aber keine Ahnung, ob das jetzt gemeint war. Wie auch immer: Alles Gute und bis zur kommenden Saison!

  4. momorulez Mai 12, 2014 um 10:39 pm

    Achso, Danke! Kannte ich nicht. Und vor der nächsten Saison graut mir bisher zwar – doch alles Gute zurück!!!

  5. Realitätbrennt Mai 12, 2014 um 10:56 pm

    War doch eine ziemlich gute Saison, mit einigen überragenden Spielen. Vielleicht gelingen noch zwei oder drei gute Transfers. Warum sollte es schlechter werden? Und dann das Highlight, zwei Mal den HSV unter die Grasnabe pflügen!

  6. momorulez Mai 12, 2014 um 11:01 pm

    Ja, letzteres könnte schön werden, aber ich glaub nicht dran, dass das mit Vrabec was wird. Und ich fand ja auch das eine oder andere überragend, aber es wurde immer weniger davon, womit ich das schönste Unentschieden aller Zeiten gegen Fürth nun nicht klein reden möchte 😉 …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s