Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Refugees Welcome Center

Ich erinnere mich gut an den letzten Frühsommer, als durch meine Straße unweit des Pik As häufig Gruppen schwarzer Männer liefen. Es ist scheiße, dass ich das als auffällig empfand. Seit der de facto-Abschaffung des Asylrechts, das Olaf Scholz neulich wider besseren Wissens griendend als fortexistierendes „Individualrecht“ pries, während tatsächlich nur die Karte „Einreise durch ein sicheres Drittland“ politisch gewollte kollektive Ausweisung befördert, fällt das auf. Ich erinnere mich gut an die auch nicht luxuriösen Wohnschiffe unter dem „Altonaer Balkon“ zu Beginn der 90er, dass ich es schön fand, im 112er nicht nur unter Weißen zu fahren – damals wären sie mir nicht aufgefallen.

Seitdem freilich der Bundestag dem Mob von Lichtenhagen folgte und ihn retrospektiv legimierte, frage ich mich doch, warum sie in Gruppen abends durch die Stadt ziehen. Ich traf sie morgens in den Wallanlagen, es regnete viel – dann sah ich bei Facebook, dass es Bürgerkriegsflüchtlinge aus Libyen waren, die von Bezirksämtern nun aus Parks vertrieben wurden. Auch, dass die ersten schwer erkrankten wegen des Wetters.

Der Senat hätte sie vermutlich einfach verrecken lassen.

Die St. Pauli-Kirche schuf ihnen eine Embassy of Hope. Der FC St. Pauli und viele andere halfen.

Der Innensenator erging sich darin, Gesetzestexte auszulegen, Scholz schwang „kosmopolitische“ Reden mit rechten Parolen wie jener, das „Arbeitsmigranten“ die Sozialsysteme gefährdeten und „Afrikaner“ doch lieber bleiben sollten, wo sie hin gehören. Sinngemäß. Als was anderes als Straßenfeger oder Küchenhilfen kann er sich solche wohl eh nicht vorstellen, sonst hätte er nicht so viel von „gering Qualifizierten“ geschwafelt.

So sieht sein Senat dann ja auch aus: Weiß. Proppevoll mit Supremacy-Allüren, dass manch „White Pride“-Verfechter wohl an „kaukasischem“ Neid erstickt angesichts dessen.

Die Geschichte kennt jeder; anlässlich dessen, dass heute in der Laiesz-Straße ein städtisches Gebäude als „Refugees Welcome-Center!“ eröffnet wurde, sei an die Untätigkeit, die dünkelhaften Allüren, das Apparatschiktum und Paragraphenreiten angesichts menschlicher Not erinnert.

Denn soeben ging ein Tweet der Anwohner-Ini-Schanze herum, dass ein Ultimatum bis 21 h gestellt sei und die Schulbehörde Strafanzeige gestellt habe. Wieder lässt dieser Senat Menschen lieber verfolgen und entrechten, als ihnen ein Zuhause zu gewähren.

Wieder sind es in dieser Stadt lebende Menschen, die zeigen, was „Tor zur Welt“ sinnvoll heißen kann – und wieder schlagen es Hamburger Behörden zu, als würde ihnen die Stadt gehören.

Wie eine Behörde, die für die Erziehung Heranwachsender zuständig ist, derartig handeln kann, ist mir ein Rätsel – sie wird es mit „Recht und Ordnung“ begründen. Schülerdemos klärten sie, es besser wissend, darüber auf, worin Demokratie gründet und dass das, was Neumann zu schützen vorgibt, deren Grundlagen mit seinem Segen abräumt. Unbeeindruckt vom Engagement Heranwachsender. So treiben sie denen gleich im zarten Alter den Glauben an die Demokratie aus. Mittels Schulbehörde,

In Hamburg lässt man lieber Menschen in Abschiebehaft sich umbringen und entsorgt sie, als den Signalen aus der Bevölkerung nach einer anderen Politik mit der Änderung legalen Unrechts in Recht nachzukommen.

Das muss sich ändern. An vorderster Front haben sich jetzt gefälligst Reedereien und Schiffsfinanzierer zu engagieren.

Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie, dass die Namensgeber der Straße, in der die Schule steht, an postkolonialem Handel kräftig mit verdienten, indirekt von Massakern an chilenischen Salpterminenarbeitern profitierend. Mit ihren schicken Seglern, die mutmaßlich im „Hamburger Veermaster“ besungen werden.

Wie auch Ballin und Woermann sich an der Zerschlagung gewachsener Strukturen in Togo, an unzähligen niedergeschlagenen Aufständen in Kamerun (u.a. ausgebrochen, weil die Weißen ihre Finger nicht von schwarzen Frauen lassen konnten, darüber diskutierte sogar der Reichstag, Heten können grausam sein) und dem Völkermord an den Hereros verdienten. Im heutigen Ghana machten die Briten mit den neu erfundenen Maschinengewehren die Einwohner platt, in Togo nebenan brauchte man dann nur noch mit Strafexpiditionen drohen, während existierende, ökonomische Strukturen zerstört und Menschen in Abhängigkeiten getrieben wurden – während ein wenig weiter östlich, in Nigeria, die „Sklavenküste“ verheerende Folgen zeitigte.

Auch an dem Handel mit diesem verdiente Hamburg kräftig mit und tut das noch an den heutigen ökonomischen Folgen dessen.

Viele der Reeder und Konsorten, mit den Scholz bei Empfängen kungelt, haben historisch ihre Villen in Bestlage eben dem zu verdanken, was dazu führte, dass es noch 100 Jahre später die Mitglieder der Lampedusa-Gruppe nach Libyen verschlug.

Und da will man ihnen nicht mal leer stehende Schulen überlassen?

Zombies. Wie von Fela Kuti besungen. Das haben die Refugees zu recht auf der Demo im Herbst gespielt. Und meinten damit die Richtigen.

EDITH: Laut Twitter/HH-Mittendrin haben die Besetzer die Schule, mutmaßlich aufgrund der Drohungen, verlassen. Dann können sich ja die ganzen Erben der „großen Familien“ nun zusammen setzen, wie sie andere Lösungen finanzieren und in der Politik durchsetzen. Wo sie sich sonst schon in marineblau so dermaßen viel auf ihre Abstammung einbilden.

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