Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Da stimmt doch gar nix mehr!

Der morgendliche Blick in die Twitter-Timeline – bringt das jetzt weiter, wenn man das liest und weiß?

Es ist ja frappierend, wenn ehemalige Liberale Frau Kelle in die Timeline spülen, sie feiernd dafür, dass diese behauptet, nicht äußern zu dürfen, was auch die Kanzlerin der größten Regierungspartei vertritt. Während sie fortwährend in Talkshows rum lungert, um ihre heteronormative Propaganda zu verbreiten und dem European gerade Interviews gibt.

Dann lese ich verblüfft AfD-Wahlplakate, die für mehr Demokratie plädieren, Lösungswege in der Bankenkrise geißeln, EU-Zentralismus kritisieren, das allseits in der Kritik stehende Freihandelsabkommen mit den USA angreifen – es wäre ja nun verlogen, nicht zuzugeben, dass das alles klassische Themen der Linken wären. Nicht der stalinistischen, aber der des “ demokratischen Sozialismus“.

Nur dass die AfD das gruselig völkisch kontert, um damit den Grundwiderspruch jeder Demokratie, den zwischen Staatszugehörigkeit und Menschenrechten, offen zu legen. Dann plappern sie noch von der „Einwanderung in die Sozialsysteme“ und tun dabei ganz und gar widerständig, als würden das die CSU, Angela Merkel und Olaf Scholz nicht ganz genau so predigen.

Dann liest man noch über diese unsäglichen antisemitischen Montagsdemos und ihren gefährlichen Quatsch von den Rothschilds und der amerikanischen Zentralbank, wundert sich ergänzend darüber, wieso man nun angeblich Putin als starken Mann ersehne, der schlicht für autoritäre Scheiße steht und mit der orthodoxen Kirche kungelt – nur weil man es problematisch findet, wenn Steinmeier mit ukrainischen Faschisten sich verbrüdert. Und bekommt dafür dann Selbsthass auf die Errungenschaften der Demokratie diagnostiziert, die ja die AfD derweil so heroisch gegen die nordkoreanischen EU-Anwandlungen verteidigt.

Um anschließend beim Wahl-O-Meter fest zu stellen, dass ich nur wenige Fragen eindeutig beantworten kann, weil ein flächendeckender Mindestlohn beispielsweise gar nicht diskutiert werden kann, ohne die mittels Lohndumping betriebene Hochproduktivitätspolitik Deutschlands eben anders zu begreifen als Vorgänge in Griechenland oder Spanien. Was tatsächlich realpolitisch nach Ausgleich auf EU-Ebene schreit zugunsten der Griechen und Spanier, aber ein solcher Punkt taucht da gar nicht auf. Der Mindestlohn in Deutschland müsste deutlich höher liegen als anderswo und Hartz IV enorm angehoben werden, wenn die vermeintliche „Staatsschuldenkrise“ überhaupt als Problem empfunden würde und nicht als Pojekt, „Südländer“ zu jagen. Und es müsste nicht stier auf „die Banken“ gestarrt werden, sondern die nationale Politik Deutschlands gehört auf die Agenda und das Agieren von großen Fonds ebenso. Wobei z.B. „Private Equity“ nicht notwendig „die Reichen“ meint, sondern einfach, dass u.a. das Geld, das zuvor in staatlichen Sicherungssystemen gebunden war, nun anders fließt. Auch „die Konzerme“ sagt nichts aus, wenn keiner weiß, wie die nun wirklich operieren, strukturiert sind, und welche systemischen Prozesse das Agieren von Menschen dort steuern. Da braucht man nur mal neben einem Commerzbank-Mitarbeiter sitzen und zugucken, wie der das Computerprogramm austrickst.

Was so verstörend an dem Ganzen ist: Die Neue Rechte argumentiert mit Foucaults „Die Ordnung des Diskurses“ und Gramscis Hegemonie-Konzeptionen, die Ökonomiekritik wurde erneut von Antisemiten gekapert, über Geheimdienste reden auch fast nur noch die Rechten, während in irgendwielinken Publikation sofort Antiamerikanismus entgegnet wird, als habe man nur was gegen die NSA und nicht etwa auch Probleme mit Verfassungsschutz und BKA im Falle deren realen Agierens – und die paar Linken, die sich bisher noch trauten, da ein wenig weiter zu buddeln, kippen nun auch noch nach rechts weg und verteidigen ausgerechnet Ken Jebsen.

Die Kritik administrativer Macht in der Tradition des „Webermarxismus“, also die Ältere Kritische Theorie und der Habermas der „Theorie des kommunikativen Handelns“, wurde von der AfD und Neoliberalen annektiert, und in den Kommentarsektionen sich als links verstehender Blogs wird gewütet wie in der neurechten Genderkritik.

Das einzige, was dem Ganzen noch entgegen gehalten wird, ist ein völlig leerer Formalismus der „westlichen Demokratie“, als sei nicht mittlerweile dem letzten Depp aufgefallen, welche Bevölkerungsgruppen a.) nicht mehr wählen gehen und b.) nicht wählen dürfen und c.) sowieso überall da ausgegrenzt werden, wo die Macht sitzt. Merkel, Matussek und Fleischhauer werden das ja nun gerade nicht.

Nun haben Kelle und Co ja auch nicht die Konsequenz, sich selbst im Zuge der Genderkritik Bankkonto, Führerschein und Wahlrecht entziehen zu wollen, so, wie sie anderen Adoptionsrechte nicht zugestehen, und in der Konsequenz laufen lauter schwer Unterdrückte von Hans-Olaf Henkel über Herrn Scheuerle bis Thilo Sarrazin durch die Weltgeschichte, also exakt jene, die in Organisationen, Behörden usw. eh schon alles dominieren, und geben sich revolutionär.

Worauf ich hinaus will? Wie konnte es sein, dass Themen von der Hegemonie- bis zur EU-Kritik, von der Bankenkrise und deren Diagnostik bis zur Rolle der Geheimdienste, die ja politische Akteure SIND, komplett diesen faschistoiden, heteronormativen, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen Propagandisten des Falschen überlassen wurden? Und wie kann es sein, dass die wenigen, die zwischendurch auch mal was Vernünftiges wollen wie den Bildungsplan in Ba-Wü, dann auch noch vor dem hochaggressiven, vernichtungswilligen Meinungsterror dieser Trolle zurück schrecken?

Aber Hauptsache, die Linke reibt sich an „Critical Whiteness“, starrt weiter wie hypnotisiert nur auf die Nazis und verteidigt die ESSO-Häuser.

Ich verstehe das alles nicht mehr. Aber mir graut davor. Und ein Punkt ist definitiv der Utopieverzicht: Es fehlen einfach die Gegen-Visionen. Wie also ein tatsächliche freies, gleiches Zusammenleben bei Wahrung aller Differenzen möglich sei. Viel zu sehr kleben mittlerweile alle an den Vorgaben der Reaktion oder imitieren sie gar. Das muss sich ändern.

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Eine Antwort zu “Da stimmt doch gar nix mehr!

  1. majestyx Mai 10, 2014 um 11:31 am

    ok, nun ist fast mitte Mai …. sindwirbeidenimmer noch alleine mit dieser/deiner meinung?! -imho ist’s eher „schlimmer“ geworden. hast du schon deinen „Baum“ gefunden ?! 😉

    Good Night & Good Luck

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