Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: April 2014

Den Anteil der Anteilslosen einfordern: „Business Improvement District“ anders denken und gestalten!

Ich habe mich bisher nicht sonderlich um die Frage der ESSO-Häuser bloggend gesorgt. Das hat Gründe: Ich fand und finde die Verknüpfung von Refugees-Überleben, ESSO-Häusern und Flora falsch, weil die Phänomene jeweils eine völlig andere Reichweite haben und je gesondert thematisiert werden müssen. Insbesondere, um den Refugees und ihrer schier unglaublichen Leistung für die Hamburger Binnenpolitik gerecht zu werden. Scholz und Neumann sind dagegen politische Leichtgewichte.

Mir als Internet-Hupe, also ausdrücklich Nicht-Aktivist, erscheint es auch manchmal so, als würde jeweils nur irgendeine buchstäbliche Sau gesucht, der, durch’s Dorf getrieben, ein aktionistischer, an Symbolpolitik orientierter Demo-Reigen folgt, ohne irgendwelche ernstzunehmenden politischen Konsequenzen zu zeigen, im wesentlich zum Gutfühlen derer gedacht, die sowieso immer irgendwo unterkommen werden (solche wie ich).

Ohne dass jenseits von Heimatschutz, Bestandwahrungsverteidigung und einer Art anderen Ausgehvergnügens im Sinne ständigen Demonstrierens (ja, zur Bindung der Polizeikräfte zu Zeiten verstärkter Kontrollen war das gut) klar würde, was denn nun eigentlich für eine Vision eines anderen Lebens gewünscht ist.

Ich war auch nicht bei den „St. Pauli selber machen“-Veranstaltungen und habe lediglich die Protokolle gelesen. Nie fiel mir auf, dass sich vielleicht auch mal wer Gedanken über Mümmelmannsberg oder Neuwiedenthal gemacht hätte.

Stattdessen spaziert wiedergängerisch die „Subito-Generation“, der „Post-Punk-Underground“ der späten 80er, die „Hafenstraßler“, denen vom Alter her ich auch angehöre, medienwirksam vorneweg durch’s Viertel und äußert sinngemäß das gleiche wie 1987 schon.

Das muss nicht falsch sein; wenn Ted Gaier freilich süffisant fest stellt, dass es ihn wundere, dass sich „der Feminismus“ noch nicht des Themas Antifamackertum angenommen habe, was dieser seit 30 Jahren eifrig tut, ihm entging es, stimmt doch etwas nicht.

Während es schwulen Einst-Aktivisten wie Corny Littmann immerhin gelungen ist, aus einer mit „Ton Steine Scherben“ tourenden Formation über ein paar Zwischenstufen, aus einem echten Camp-Underground-Theater also, ein gefürchtetes Imperium zu gestalten und mit Axel Strehlitz auch interessante Gastronomie entstehen zu lassen. Die wird den meisten St. Paulianern „zu schwul“ sein, aber man hört ja Herrn Wiebusch 😀 …

Da ist vieles höchst ambivalent gerade in Cornys Agieren; dennoch stellen sie demnächst eine „Sommersalon“-Folgeveranstaltung in neuem Gebäude vor, während andere noch um längst geräumte Häuser fighten.

Ich stecke in den Debatten nicht en detail drin und würde nie die Leistungen der Initiative ESSO-Häuser schmälern wollen. Sie haben ja offenkundig Genossenschafts- und Nutzungspläne entwickelt, die die Politik aber nicht interessierten. Wird es sie auch in Zukunft nicht, wenn nicht von dem punktuellen Genossenschaftsmodell zu strukturellen Fragen übergegangen wird. Kann man an einem Beispiel ja mal durchspielen.

Soeben ging rum, dass nunmehr der „Business-Improvement-Destrict“-St. Pauli von Senatsseite verabschiedet worden sei. Das hört

Mehr von diesem Beitrag lesen

Advertisements

A CALL FOR SOLIDARITY AND TO COMMEMORATE FRANCIS KWAME

Wurde mir zugeschickt; verlinke und veröffentliche ich sehr gerne, zustimmend und vollumfänglich solidarisch:

„A call for solidarity and to commemorate Francis Kwame

30 April 2014 9.30 am Funeral of the dead member of the group of the Libyan war refugees „Lampedusa in Hamburg“
Francis Kwame survived the NATO war in Northern Africa and the deadly crossing of the Mediterranean Sea to be killed by the conscious ignorance and the racist disposition of the Hamburg Government. Francis Kwame worked 10 years in Libya for the German company Bilfinger.

A call for solidarity and determined struggle to take our rights. The central demand is the work permit.

30 April 2014 3.30 pm a rally starts near the city hall of Hamburg at the Jungefernstieg/Reesendammbrück
e.
The day before May 1st, the international workers day, we call April 30 for an International day of „illegal workers“. After the rally we go in 10 hours lasting protest to give alarm to the public on the streets of Hamburg where our brother Francis died – each hour for each year Francis Kwame worked for the German company.
We do a night protest till the next day when the workers movement celebrate the international solidarity. We need strongly the work permit before more of us will die. It’s the Senat who is generating this conditions leading to death. – Stop killing us –

Join our protest on the „International day of the illegal workers“. Let the international workers solidarity become real in Hamburg.

Aufruf zur Solidarität und zum Gedenken an Francis Kwame

30. April 2014 um 9.30 Uhr Beerdigung des verstorbenen Mitglieds der Gruppe der libyschen Kriegsflüchtlinge „Lampedusa in Hamburg“. Francis Kwame überlebte den NATO Krieg in Nordafrika und die tödliche Überquerung des Mittelmeeres, um durch die bewußte Ignoranz und rassistische Gesinnung der Hamburger Regierung getötet zu werden. Francis Kwame arbeitete in Libyen 10 Jahre für die deutsche Firma Bilfinger.

Aufruf zur Solidarität und zum unbeirrten Kampf zur Ergreifung unserer Rechte. Die zentrale Forderung ist die Arbeitserlaubnis,

30. April 2014 15.30 Uhr Kundgebung in der Nähe des Rathauses am Jungfernstieg/Reesendammbrücke. Der Tag vor dem ersten Mai, dem Internationalen Tag der Arbeiter, rufen wir den 30 April zum Internationalen Tag der „illegalen Arbeiter“ aus. Nach der Kundgebung starten wir eine 10stündigen Dauerprotest zur Alarmierung der Öffentlichkeit in den Straßen Hamburgs, wo unser Bruder Francis starb – je eine Stunde für jedes Jahr, das Francis für die deutsche Firma arbeitete. Wir begeben uns in einen Nachtprotest bis zum nächsten Tag, wenn die Arbeiterbewegung die Internationale Solidarität feiert. Wir brauchen dringend die Erlaubnis zu Arbeiten bevor mehr von uns sterben werden. Es ist der Senat, der diese zum Tod führenden Bedingungen erzeugt. – Hört auf, uns zu töten –

Beteilgit Euch an unserem Protest am „Internationalen Tag der illegalen Arbeiter“. Laßt die Internationale Solidarität der Arbeiter und Arbeiterinnen Wirklichkeit werden in Hamburg.“

Da stimmt doch gar nix mehr!

Der morgendliche Blick in die Twitter-Timeline – bringt das jetzt weiter, wenn man das liest und weiß?

Es ist ja frappierend, wenn ehemalige Liberale Frau Kelle in die Timeline spülen, sie feiernd dafür, dass diese behauptet, nicht äußern zu dürfen, was auch die Kanzlerin der größten Regierungspartei vertritt. Während sie fortwährend in Talkshows rum lungert, um ihre heteronormative Propaganda zu verbreiten und dem European gerade Interviews gibt.

Dann lese ich verblüfft AfD-Wahlplakate, die für mehr Demokratie plädieren, Lösungswege in der Bankenkrise geißeln, EU-Zentralismus kritisieren, das allseits in der Kritik stehende Freihandelsabkommen mit den USA angreifen – es wäre ja nun verlogen, nicht zuzugeben, dass das alles klassische Themen der Linken wären. Nicht der stalinistischen, aber der des “ demokratischen Sozialismus“.

Nur dass die AfD das gruselig völkisch kontert, um damit den Grundwiderspruch jeder Demokratie, den zwischen Staatszugehörigkeit und Menschenrechten, offen zu legen. Dann plappern sie noch von der „Einwanderung in die Sozialsysteme“ und tun dabei ganz und gar widerständig, als würden das die CSU, Angela Merkel und Olaf Scholz nicht ganz genau so predigen.

Dann liest man noch über diese unsäglichen antisemitischen Montagsdemos und ihren gefährlichen Quatsch von den Rothschilds und der amerikanischen Zentralbank, wundert sich ergänzend darüber, wieso man nun angeblich Putin als starken Mann ersehne, der schlicht für autoritäre Scheiße steht und mit der orthodoxen Kirche kungelt – nur weil man es problematisch findet, wenn Steinmeier mit ukrainischen Faschisten sich verbrüdert. Und bekommt dafür dann Selbsthass auf die Errungenschaften der Demokratie diagnostiziert, die ja die AfD derweil so heroisch gegen die nordkoreanischen EU-Anwandlungen verteidigt.

Um anschließend beim Wahl-O-Meter fest zu stellen, dass ich nur wenige Fragen eindeutig beantworten kann, weil ein flächendeckender Mindestlohn beispielsweise gar nicht diskutiert werden kann, ohne die mittels Lohndumping betriebene Hochproduktivitätspolitik Deutschlands eben anders zu begreifen als Vorgänge in Griechenland oder Spanien. Was tatsächlich realpolitisch nach Ausgleich auf EU-Ebene schreit zugunsten der Griechen und Spanier, aber ein solcher Punkt taucht da gar nicht auf. Der Mindestlohn in Deutschland müsste deutlich höher liegen als anderswo und Hartz IV enorm angehoben werden, wenn die vermeintliche „Staatsschuldenkrise“ überhaupt als Problem empfunden würde und nicht als Pojekt, „Südländer“ zu jagen. Und es müsste nicht stier auf „die Banken“ gestarrt werden, sondern die nationale Politik Deutschlands gehört auf die Agenda und das Agieren von großen Fonds ebenso. Wobei z.B. „Private Equity“ nicht notwendig „die Reichen“ meint, sondern einfach, dass u.a. das Geld, das zuvor in staatlichen Sicherungssystemen gebunden war, nun anders fließt. Auch „die Konzerme“ sagt nichts aus, wenn keiner weiß, wie die nun wirklich operieren, strukturiert sind, und welche systemischen Prozesse das Agieren von Menschen dort steuern. Da braucht man nur mal neben einem Commerzbank-Mitarbeiter sitzen und zugucken, wie der das Computerprogramm austrickst.

Was so verstörend an dem Ganzen ist: Die Neue Rechte argumentiert mit Foucaults „Die Ordnung des Diskurses“ und Gramscis Hegemonie-Konzeptionen, die Ökonomiekritik wurde erneut von Antisemiten gekapert, über Geheimdienste reden auch fast nur noch die Rechten, während in irgendwielinken Publikation sofort Antiamerikanismus entgegnet wird, als habe man nur was gegen die NSA und nicht etwa auch Probleme mit Verfassungsschutz und BKA im Falle deren realen Agierens – und die paar Linken, die sich bisher noch trauten, da ein wenig weiter zu buddeln, kippen nun auch noch nach rechts weg und verteidigen ausgerechnet Ken Jebsen.

Die Kritik administrativer Macht in der Tradition des „Webermarxismus“, also die Ältere Kritische Theorie und der Habermas der „Theorie des kommunikativen Handelns“, wurde von der AfD und Neoliberalen annektiert, und in den Kommentarsektionen sich als links verstehender Blogs wird gewütet wie in der neurechten Genderkritik.

Das einzige, was dem Ganzen noch entgegen gehalten wird, ist ein völlig leerer Formalismus der „westlichen Demokratie“, als sei nicht mittlerweile dem letzten Depp aufgefallen, welche Bevölkerungsgruppen a.) nicht mehr wählen gehen und b.) nicht wählen dürfen und c.) sowieso überall da ausgegrenzt werden, wo die Macht sitzt. Merkel, Matussek und Fleischhauer werden das ja nun gerade nicht.

Nun haben Kelle und Co ja auch nicht die Konsequenz, sich selbst im Zuge der Genderkritik Bankkonto, Führerschein und Wahlrecht entziehen zu wollen, so, wie sie anderen Adoptionsrechte nicht zugestehen, und in der Konsequenz laufen lauter schwer Unterdrückte von Hans-Olaf Henkel über Herrn Scheuerle bis Thilo Sarrazin durch die Weltgeschichte, also exakt jene, die in Organisationen, Behörden usw. eh schon alles dominieren, und geben sich revolutionär.

Worauf ich hinaus will? Wie konnte es sein, dass Themen von der Hegemonie- bis zur EU-Kritik, von der Bankenkrise und deren Diagnostik bis zur Rolle der Geheimdienste, die ja politische Akteure SIND, komplett diesen faschistoiden, heteronormativen, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen Propagandisten des Falschen überlassen wurden? Und wie kann es sein, dass die wenigen, die zwischendurch auch mal was Vernünftiges wollen wie den Bildungsplan in Ba-Wü, dann auch noch vor dem hochaggressiven, vernichtungswilligen Meinungsterror dieser Trolle zurück schrecken?

Aber Hauptsache, die Linke reibt sich an „Critical Whiteness“, starrt weiter wie hypnotisiert nur auf die Nazis und verteidigt die ESSO-Häuser.

Ich verstehe das alles nicht mehr. Aber mir graut davor. Und ein Punkt ist definitiv der Utopieverzicht: Es fehlen einfach die Gegen-Visionen. Wie also ein tatsächliche freies, gleiches Zusammenleben bei Wahrung aller Differenzen möglich sei. Viel zu sehr kleben mittlerweile alle an den Vorgaben der Reaktion oder imitieren sie gar. Das muss sich ändern.

Freundschaft, Emphatie, Solidarität: Der Tag danach beim FC St. Pauli

„Dabei sei es auch gut gewesen, sich auch um allgemeine Dinge zu unterhalten. „Es war gut, sich gegenseitig auszutauschen – auch was die Wahrnehmung des Vereins angeht. Dabei ging es auch darum, dass der FC St. Pauli nicht wie jeder Fußballclub zu sehen ist, sportliche Gründe nicht immer die oberste Priorität haben sollten und Fingerspitzengefühl sowie das Zwischenmenschliche wichtig ist“, erklärte Boll. Dieser ärgerte sich, dass die Unterredung erst jetzt, kurz vor dem Saisonende, stattgefunden hatte: „Wir hätten uns viel früher schon unterhalten müssen. Den Schuh ziehe ich mir auch an.“

Das ist ja mein Lieblingspassus aus dem heutigen, echt formidabel, das meine ich völlig ernst, gehandhabten Krisenmanagement des FC St. Pauli nach dem elefantösen Durchmarsch Vrabec‘ durch unser aller Porzellanladen (schreibe ich nochmal, diese Formulierung, weil sie @curious bei Twitter gefiel, also nur für ihn 🙂 …).

Es wurde mit Bravour darauf geachtet, dem Kapitän zu huldigen und doch den Gesichtsverlust für Vrabec in Grenzen zu halten, indem man in eigener Stellungnahme ihn die sportlichen Gründe noch einmal betonen und ihm zugleich den Raum für Erklärung und Entschuldigung ließ.

Nun bin ich kein Trainer und sehe auch nicht, was da läuft im Vorfeld beim Üben auf dem Rasen – ich bin, glaube ich, trotzdem nicht der einzige, der davon ausgeht, dass ein Boll noch auf Krücken mitreißender wirken kann als manch zauberhafter Jungspieler, der seine Mitte erst noch finden muss. Wofür er ja nix kann. Er gibt ja auch alles und lernt ständig dazu. Um in zwölf Jahren bei den letzten Spielen auch im Kader sein zu wollen …

Als Boll bezeichnet zu werden bei der Durchsage der Mannschaftsaufstellung ist dennoch für jeden ein Riesenkompliment 😉 … für die, die es vielleicht dennoch als sie negjerend empfanden: Nee, echt nicht. Dem Boll zu huldjgen schmälert kein „You’ll never walk alone“ noch Niederlagenräusche. Keine Anerkennung. Nein. Für jemanden rufen ist kein gegen Andere sein.

Ich finde die Akzente, die in den Presseverlautbarungen gesetzt werden, prima – angesichts dessen, dass man von wenigen wohl mehr über den Spirit des FC St. Pauli lernen kann als von Fabian Boll. Und es ist nicht frei von Komik angesichts wirtschaftlicher Gepflogenheiten, aber im Grunde genommen der völlig richtige Weg, dass nunmehr der Angestellte seinem Vorgesetzten nach immerhin einem Jahr Agieren des erst Co-, dann Trainers beim FC St. Pauli mal erzählt, worum es bei diesem Verein geht: Eben auch um verdammt viel Gefühl und Menschen, mit denen zusammen man in all den Jahren eine ganze Menge Zeit verbracht und gemeinsam viel erlebt hat, denen Bewunderung zuteil wird und die nicht auf die Funktionen im effizienten Getriebe reduzierbar sind.

Was immer auch Vrabec zuzugestehen ist. Klar ist der auch angefressen und soll das auch sein, wenn es auf dem Platz nicht funktioniert, wie er es sich vorgestellt hat.

Ob es Sinn macht, die, die jene wählen, die seinen Chef einstellen und feuern können, des Schwachsinns zu bezichtigen, können ja auch machtbetonte Menschen sich auch selber fragen.

In all der Aufregung ist nämlich auch was sehr Schönes passiert: Die emotionale Bindung, ja, Leidenschaft, die der Kosmos des FC St. Pauli entfachen kann und die auch nicht bei jedem mal so eben schwindet, hat sich auf ja höchst solidarische Art die Bahn gebrochen und durchgesetzt. Initiiert wurde das Ganze durch Statements eines formal Ehemaligen, tatsächlich aber ewigen St. Paulianers, der nun in keiner Form von irgendwelchen Aufstellungen profitieren könnte, verbreitet durch ein Traditionsfanzine.

Es gibt ja sogar Zeitungen, die „Freunde“ im Titel führen, und Fussball-Binsenweisheiten diesbezüglich sind bekannt – aber wann ist bei all den Debatten rund um Beziehungsformen eigentlich noch von Freundschaft die Rede? Michel Foucault hat nicht zufällig in seinem Spätwerk den Akzent darauf gesetzt; man redet von „Homies“, „Bezugsgruppen“, „Seilschaften“ und allzu oft dringt gerade unter Männern die auch noch zwecks Effizienz angeblich zu forcierende Rivalisierei, übrigens auch in schwulen Beziehungen, sich dazwischen in Gesellschaften, da Männer ganz auf Status und Konkurrenz gedrillt werden – und guckt man sich gerade Jungensgruppen an, wirkt es manchmal so, als würde der Akzent nun darauf liegen, sich wechselseitig zu demonstrieren, wie zu Frauen Mann sich verhält. Oft auf deren Kosten.

Ich bin selbst gerade etwas erstaunt, in welche Richtung dieser Text sich entwickelt 😀 – aber vielleicht trifft es ja einen wichtigen Punkt: Freundschaft ist halt Solidarität im Kleinen und vielleicht gar nicht unwichtiger als diese „Keimzelle Familie“, von der immer alle reden?

Wenn dann in Facebook-Diskussionen ein Fussballprofi, ja, ausruft „Wir sind doch keine Roboter!“, trifft Emphatie auf Solidarität.

Wenn es das nun wäre, was zumindest irgendwie den „Spirit“ des FC St. Pauli ausmachte und Bindungskräfte noch in Folgeengagements hinein zu schaffen vermag, also, ich kann da sehr gut mit leben – es HAT eine politische Dimension sogar. Und entzieht sich glatt jeder Effizienz- und Verwertungslogik. Mann kann Freund sogar ohne „Feind“ denken, auch wenn der Politik das schwer fällt. „Freunde sind auf dieser Welt das einz’ge, was man selber wählt“ hat Georgette Dee einst gesungen.

Was also passierte heute hinter den Kulissen, so weit sich das anhand der Verlautbarungen überhaupt beurteilen kann? Es wurde nach schwer erträglichen Ausfällen einer Führungskraft exakt das zumindest signalisiert: Wir mühen uns, uns in alle hinein zu versetzten, suchen soldarische Gespräche und gucken, was den „Spirit“ ausmacht, den wir zusammen leben wollen.

Ich finde das schon dolle. Also, für ein Gefüge, dass den realkapitalistischen Regelwerken folgen muss.

Ich musste bei Lektüre der PK-Statements des Trainers gestern auch an eine legendäre Pressekonferenz denken, da ein Präsidiumsmitglied den „Jolly Rouge“ mit Blut und Gewalt assoziieren wollte. Also den Weg wählte, im Ego-Hick-Hack den Empörungsdruck gewissermaßen umzukehren wie in einem US-Gerichtsthriller. Hat so gar nicht funktioniert; ich habe freilich einen Heidenrespekt davor, dass dergleichen seit Spiess‘ unterhaltsamer JHV-Rede nicht mehr versucht wurde, sondern stattdessen ganz andere Wege gewählt wurden. Das ist im Grunde genommen auch der weniger anstrengende. Sondern dass stattdessen prompt moderiert, der Ausgleich gesucht und doch die Richtung klar formuliert wird: Boll führt als Kapitän die Mannschaft gegen Aue auf’s Feld.

Ich vermute mal als außenstehend Anmaßender, dass der Trainer alleine aus dieser Praxis, dass Moderieren, Interessenausgleich, wechselseitige Anerkennung, Agieren jenseits von Effizienz, autoritärem Gehabe und Durchsetzungswille möglich ist, etwas für seinen Weg, Konflikte zu leben, lernen wird. Ob nun für die Arbeit bei uns oder anderswo.

„Der Trainer ist für den Kader und die Aufstellung verantwortlich“ – FC St. Pauli – Aalen 0:3

20140427-210958.jpg

Ist da schon eine Distanzierung Azzouzis durchzuhören?

Hoffentlich ja.

Vom Sportchef stammen obige Worte in der Überschrift – ob die Mopo nun richtig zitiert, was stpauli.nu zitiert, dass Herr Vrabec nach dem Spiel in Richtung des Publikums giftete, „die“ „sollten“ sich doch bitte um die auf dem Platz kümmern und nicht um die #17 für immer? Ist der jetzt auch noch für das zuständig, was wir „sollten“?

Wirkt ein bißchen wie ein kontrollwütiger Border-Collie, der versucht, auf Kreuzungen die Autos wie verirrte Schafe zusammen zu treiben … was auch als Metapher für manche Spiele unter Vrabec gar nicht schlecht passte.

Ich habe den noch vor dem Spiel neben den Totenkopf auf meiner T-Shirt-Brust per Goldacrylglitter gepinselt, diesen Slogan, „#17 für immer“. Als Parole von jemandem ausgegeben, der den FC St. Pauli offenkundig besser kennt, versteht, lebt und sich ihm noch immer wohl liebevoller widmet als der giftende Noch-Trainer. Liebevoller, das sagt was über die Haltung aus, nicht die Arbeitsintensität.

Hat ja jeder mit bekommen, dass mit Ralle Gunesch jemand, dessen Ohren im positivsten Sinne so weit auf gesperrt sind wie von sonst wenigen, die ich kenne, den Boll-Soli-Aufruf bei Facebook mit initiierte.

Boll fit und nicht im Kader? Unfassbar. Da muss es doch welche im Verein geben, die Vrabec vor der eigenen (mumaßlichen) Unzulänglichkeit in Teambuildingsfragen und im Bezug auf die St. Pauli-Historie schützen ….

Ralle verwies wohl kaum aus Geltungsdrang darauf, sondern weil er die Aufbauarbeit rund um diesen Verein mitvollzogen hat, mitbaute, von der Regionalliga bis hin zu Stadionneubau und Ausflügen in Liga 1. Übersteiger, stpauli.nu und viele andere mehr schlossen sich ihm zu recht an. Heute bei der Mannschaftsaufstellungsdurchsage erklang nur ein Name: Boll. Nicht, weil Schachten oder Halstenberg und die anderen nicht auch ungemein prima wären. Das ist unser Team! Und da werden einige ja auch noch an den Punkt kommen, dass sie zu schätzen wissen, wenn St. Pauli-Historie gewürdigt und gelebt wird. Oder sind da schon.

Boll steht für eine ganze Ära, ein Lebensgefühl, eine Spielweise, eine Haltung, auch Selbstironie, mit der wir alle sehr glücklich waren. Und gerne wieder wären.

Herr Vrabec findet diesen Teil des FC St. Pauli offenkundig sekundär. Geteilte Erinnerungen, Erfahrungen, Geleistetes, Gelebtes: Ab auf die Tribüne. Und so sah das Spiel ja auch aus.

Herr Vrabec lässt stattdessen lieber rotieren bis zum Drehwurm und giftet rum. Der rotiert wohl so lange alles um sich herum, bis keiner mehr weiß, worum es gerade geht, Hauptsache, er glaubt, er habe die Kontrolle. Dem Anschein nach.

Vor lauter Rotation Wirrwarr. Nix wirkt eingespielt, nix wie Team. Hauptsache, niemand außer ihm hält sich für wichtig? Der Effekt auf dem Feld lässt das vermuten. Animierte gar zu Witzen. PA: „Wer spielt jetzt eigentlich im Sturm?“ MR: „Das wissen die offenkundig selber nicht.“

Ich habe ja oft gegrübelt, wieso immer wieder der Eindruck entstand, dass nach der Winterpause, echt lang war sie, und einem Intensivtrainingslager das Gefüge auf dem Platz so ungleich instabiler, verwirrter und disharmonischer wirkte als zuvor. In den ersten Spielen nach Frontzeck schienen sie noch befreit von dessen Korsett; die alte Leier von der „Freiheit von“ und der „Freiheit zu“ wandelte sich jedoch zunehmend zugunsten ersterer.

Zunehmend entschieden Zufälle, die Vorstöße Einzelner und ansonsten Gewackel, Gebibber und punktuelles Aufkeimen echter Leidenschaft wie beim schönsten Unentschieden gegen Fürth oder auch dem Unbedingtnochsiegenwollen gegen die Region die Spiele. Bei letzterem ging es schief, so what. Niederlagen gibt es, Leben heißt verlieren lernen, komm, sorg‘ Dich nicht um mich …

Aber wenn um die siebzigste Minute ALLE um mich herum den Abpfiff ersehnen, um den Tag noch genießen zu können, die Süd aus Langeweile Gesänge gegen den HSV anstimmt und um mich nach dem nicht gegebenen 4:0 nur noch „Bitte kein Abseits!“ fatalistisch gerufen wird, weil alle wollen, dass das gefühlte Debakel auch dem Ergebnis nach eines ist und der Trainer geschwächt wird, wenn ich nur noch endlich vor die Domschänke möchte, um all die ans braun-weiße Herz Gewachsenen zu treffen; wenn der Eindruck nicht schwinden will, als ginge es der Mannschaft genau so, dann hat der Chef halt versagt und sollte nicht auch noch zur Publikumsbeschimpfung übergehen. Das konnte Handke besser.

Ich glaube ja an das Team. Das sind gute Jungs mit tollen Fähigkeiten.

Ich habe aber über die Jahre genug Leitende erlebt, um zu wissen, wie man solche Effekte erzielt, wie es Herr Vrabec gelingt. Wie man solche Verunsicherungen erzeugt, so eine Rat- und Powerlosigkeit, wie sie heute gegen Aalen zu sehen war.

Wenn das Ego in seiner Schwäche und seinem steten Kampf nur noch Macht und Position im Rudel sieht, indem es die Anliegen, Sichtweisen, Bedürfnisse und Fähigkeiten Anderer mutmaßlich negiert und sie vermutlich schon deshalb auf die Tribüne setzt, weil sie für genau das stehen, was das Ego nie erreichen wird, eben Souveränität, Klarheit, Orientierung bieten und selbst im entscheidenden Moment zurück treten, auf Andere schauen und rechtzeitig abspielen … dann täte eine Pause und eine Runde Meditation dem Ego gut. Das gilt generell für’s Ego. Man hüte sich vor ihm.

Nee, die #17 für immer nicht im Kader, das war mehr als ein Ausrutscher. Wirkte wie der Ausdruck einer Haltung von jemandem, der Leitung mit Machtkampf verwechselt und vor imaginierter „Führungsstärke“ den Faden längst verloren hat.

Mag Herr Vrabec nun auch noch wollen, dass das Publikum rotiere: Ich glaube nicht, dass er das schafft.

Die vom MagischenFC haben recht: Mit Boll wäre das nicht passiert … ein Traumtrainer für die Zukunft, eigentlich.

Schade, dass er Kommissar ist und nicht schon für den Trainerlehrgang angemeldet …

„Ob es so oder so oder anders kommt …!“ – FC St. Pauli – FCK 2:3 (und Momo on the radio)

20140413-204518.jpg

„Zusammenfassend bleibt in meiner Erinnerung ein Niederlagenrausch zurück. Geile Atmosphäre, geile Leute, Scheißergebnis. Scheiß aufs Ergebnis! Geiler Abend! Das ist Fußball? Quatsch, das ist Sankt Pauli! So richtig schade war eigentlich nur, dass Boller sein Comeback nicht in dieser geilen Atmosphäre erleben durfte. Ich hätte es ihm gegönnt.“

Womit JaWasDenn das Entscheidende bereits auf den Punkt gebracht hätte. Das folgende ist die Fussnote dazu.

Als ich da stand nach dem Spiel auf der Haupttribüne, jenem Ort, da man Autohöfe gerne ignoriert, die glauben, verordnen zu können, wann man sabbeln, wann man singen sollte und um mich herum Menschen aufgelöst in Standing Ovations ihren Trance auskosteten trotz der Niederlage – ich wusste die Wunder des hypnotischen Sogs, zu dem Mannschaften des FC St. Pauli fähig sind, durch und durch zu schätzen. Zu genießen. Zu inhalieren als pralle Lebenslust.

Es war natürlich schon traurig, hinterher zu lesen, dass die Mannschaft den Last Minute-Treffer, klar auch, als Genickschlag empfand, nachdem sie mit dem 2:2 noch mal so eindrucksvoll zurück gekommen war. Und doof, dass Tschauner sich eine Verletzung zuzog – gute Besserung! Doch wie ihr trotz nun echt bravourös druckvoller Regionisten immer wieder euch aufbäumtet, domiertet, sie fast auf ihre Torlinie drücktet, da war mir auch schnurz, dass denen das umgekehrt auch gelang. Das war Big Entertainment, packend, spannend, großes Gefühlskino, Dramatik, toll!

„Aber schön war es doch, schön war es doch, und ich möcht es noch einmal erleben“, um einmal mehr mit Hildegard Knef zu sprechen, nur das nächste Mal halt mit anderem Ergebnis. Ich fand es umwerfend sexy, wie sich die Boys in Brown von der 90. bis zu 97. Minute aber noch mal so was von hinein warfen, und no risk, no fun ist immer (!!!) das bessere Motto als „Cleverness“. Smartness war ja genug vorhanden. P.A. neben mir war zwar auch irgendwie bedöppelt, aber hey, es mag zwar nichts erfolgreicher sein sein als der Erfolg, doch: Es geht um’s Tun und nicht um’s Siegen.

Fällt mir jetzt noch eine Floskel oder irgendein Zitat ein? Noch’n Songtext? „Ob es so oder so oder anders kommt, so wie es kommt, so ist es recht, es kommt sowieso nie so, wie man es gerne möcht‘!“ (Lena Valaitis) „So ist nun mal das Leben, es kommt so, wie es kommt, den einen trifft es eben, der andere bleibt verschont.“ (Marianne Rosenberg) „Nur wenn ich lache, tut’s noch weh“ (Daliah Lavi) – nee, der passt ja nun gerade nicht. Dann schon eher Weckers „Wer nicht genießt, ist ungenießbar!“ „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist und der Himmel violett, weiß ich, dass das meine Zeit ist weil die Welt dann wieder breit ist, satt und ungeheuer fett!“ Auch Konstantin Wecker.

Und das nehmen sich die Spieler auch zu Herzen, spielen weiter mit praller Lust und breiter Brust, und weil uns das allen zusammen so einen Spaß macht, gewinnen wir sozusagen als Nebeneffekt die restlichen Spiele.

Wo ich schon beim Sampeln bin: „Move your Body“ von Frankie Knuckles, R.i.P.!, wurde in der Halbzeitpause auch angespielt, was mich sehr, sehr freute! Danke! Gerne mehr davon!

Und der FC St. Pauli ist immerhin auch der Verein, da man hinterher schwer angeknallt, aber hallo!, vor Kneipen steht und tatsächlich über Platons „Politeia“, die Fortentwicklung seiner „eingeborenen Ideen“ in Kants transzendentalem Programm und ob der „Seelenwagen“ denn nun was mit Freud zu tun habe diskutiert. Echt jetzt. Schön!

Morgen geht es ohne Kant und Platon, aber mit Foucault und jenem Topos der Kritischen Theorie, der die „verwaltete Welt“ beklagt, mit Momos „Tales of St. Pauli“ beim FSK weiter. Dieses Blog hat jetzt ja einen akustischen Ableger. Um 14 h ist es so weit, es wird Musik zu hören sein u.a. von Frankie Knuckles, Fela Kuti, Noiseaux, Donna Summer, Georgette Dee, Divine, Carmen McRae, Heather Small, S O H N, Nate57 und Joshua Redman – es lebe der Eklektizismus! Zwischendurch ereifere ich mich über Bürgermeisterreden, begeistere mich für John Waters und ersehne die Utopie. Und erinnere mich an das After Shave verflossener Liebhaber. Wer Lust hat, kann ja mal rein schnuppern.

>

Fehler führen zum Erfolg: Sandhausen – FC St. Pauli 2:3

20140406-192253.jpg

Man kann verschlafen und leidenschaftslos, aber feige immer alles richtig machen wollen.

Gähn.

Dabei raus kommt oft fiktionales, öffentlich-rechtliches Fernsehen. Wenn es dennoch auf ein konsensfähiges Thema setzt, kriegt es ganz unabhängig vom Ausbleiben mutigen Gestaltungswillens, Risikofreude oder audiovisueller Visionen auch einen Grimme-Preis.

Oder man kann kultivieren, was als fehlerhaft gilt: Das „Outside“-Improvisieren im Jazz zum Beispiel. Also nicht in der Tonart verbleiben, die mit dem Akkord harmoniert, sondern gezielt auf Dissonanz setzen. Kann sich sehr, sehr aufregend anhören.

Seltsam unbefriedigt bleibt Mensch freilich, wenn die Spannung sich nicht löst – das brachte Theodor W. Adorno dazu, zwar nicht im Jazz, doch in der als „E“ verschrienen Musik die Dissonanz in Relation zur gesellschaftlichen Wirklichkeit zu setzen.

Fussball als im besten Falle therapeutisches Geschehen – irgendjemand hat eine Psycho-Therapiesitzung mal mit chemischen Reaktionen im Erlenmeierkolben verglichen, ein verhältnismäßig geschütztes Setting, in dem es rund gehen kann, so ist es beim Fussball ja auch, 90 Minuten mal einfach so emotional sein dürfen – ist in der Hinsicht ja gerade NICHT Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse. Es hört nämlich auf, und man muss sich mit dem Ergebnis abfinden. Oder kann sich sogar darüber freuen!

JAAAAAA!

So wie wir am Samstag. Andere Leute fahren ja heroisch durch die Republik zum Vor-Ort-Support; ich bekenne, die erste Halbzeit buchstäblich verschlafen zu haben. Als ich endlich hinein schalte, steht es kurz noch 1:1. Ein misslungener Rückpass auf Tschauner von Kalla – Peng. So what.

Aber da in jedem Misslingen eine Chance sich verbirgt: Wow! Ich hatte ja nach dem Trainingslager die Befürchtung, dass im Team was nicht stimmte. Nun hatten andere Twitterer und ich den Eindruck: Die Mannschaft spielt für Kalla. Vielleicht wäre es sonst sogar ein müdes 1:1 geblieben, ohne seinen Patzer.

Nun freilich zeigte sich eine Tugend, für die ich den Boys in Brown nur noch lieber zujubele: Sie legten los und bügelten alle zusammen incl. Kalla den Fehler wieder aus. Was ein Schachten, was ein Ratsche: Wow. Solidarisches Toreschießen. Cool.

Das hat echt Spaß gemacht, das anzugucken. Nicht, weil es Zauberfussball gewesen wäre. Sondern, weil das St. Pauli war.

EDITH: http://www.stefangroenveld.de/2013/jan-philipp-kalla
>

Tears: Rest in Peace, Frankie Knuckles

Gerade Freitag, als ich das Stadion betrat und dort das ja auch bahnbrechende „Now I wanna be your Dog“ lief, als dann die Fürther Hymne in seltsam fränkisch-männlichem Mundartpop erklang, da sehnte ich mich danach, nur einmal vor dem Spiel eine der großen House-Hymnen zu hören.

Die Musikästhetik rund um den FC St. Pauli ist ja protoptypisch für die ungebrochene Dominanz des Rockism in weißen Gegenkulturen: Weiße, heterosexuelle Männer definieren zu Gitarren die Welt, und hätte der Hip Hop seine Bezüge zur House-Music noch ernster genommen, hätte ihm das gut getan. Warren G. und andere haben das ja auch.

So jubeln alle gerade diesem Markus Wiebusch oder wie der Kettcar-Sänger heißt zu, dass er Schwule erst „othert“, um sodann zu hoffen, dass das, was schwule Erfahrung tatsächlich anders macht, doch bitte egal sein möge – und haben vermutlich kaum mal eine queere KünstlerIn im iPod oder wo auch immer sie ihre Musik stapeln oder spreichern. Hört doch mal LGBTQ-People zu und all ihren Künsten und nicht nur denen, die sich löblich für sie einsetzen. Ja, ist ja auch schon geschehen, bei „Fussball & Liebe“ zum Beispiel.

Zum Glück gibt es ja auch viele Andere im Stadion, den Oke, den Willy zum Beispiel, über die ich heute bei Facebook erfuhr, dass ein wahrer Revolutionär verstorben ist: Frankie Knuckles.

Ich musste schon ganz schön schluchzen. Selbst als ich auch Mehr von diesem Beitrag lesen