Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Fast ein Schlagertext :D : FC St. Pauli – Greuther Fürth 2:2

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Die Sonne scheint. Das Leben lacht.

Ein Saxophon träumt selig aus den Boxen, Töne schweben wie gut abgehangener Rauch in einer Kneipe zur Blue Hour und verzaubern den Tag.

Kitschverdacht. So what. Misstrauen wurde uns gelehrt, wer einfach nur die Seele baumelnd in Erinnerungen schwelge, wenn gar kein Kater nach dem Rausch sich zeige, das Hier und Jetzt in Wohlgefühl durch den Tag driftet – da könne doch was nicht stimmen. Dabei ist kaum ein Zustand stimmiger. Das trainierten sie uns nur an, die Hüter der Verwertungslogik, da mit Skepsis zu reagieren.

Eindrücke glimmen auf in der Erinnerung, keine Irrlichter, nein, Freudenfunken – sehe die Boys in Brown vor dem geistigen Auge den Rasen umpflügen, um jeden Meter fighten, sich lustvoll in den Zweikampf werfend, nicht locker lassend bis zum Schluss – höre noch das Echo der Hymen auf den Rängen, erlebe erneut die sonst oft so lethargischen Haupttribünensitzer um mich herum aufspringend und entfesselt in Chöre einstimmend, fast in Trance sich glücklich schreiend.

Dionysos war wieder da! Der im Rausch tanzende Gegenspieler Apollons, des Nüchternen, Kalkulierenden, am Millerntor vom Gott des Weines zu jenem des Bieres mutiert. Man mag von Nietzsche halten, was man will, aber was er zum Dionysischen schrub, gefällt mir schon – freilich nur dann, wenn die Ekstase mit Liebe vereint Erlebnisse anfacht, die nicht gegen andere sich wenden und jeden mit nehmen, der mit will.

Als die Mannschaft nach fast abgeschlossener Ehrenrunde vor der Süd die Welle machen wollte und ihr ein

„Oh St. Pauli
Bist mein Verein
Und du wirst es auch für immer bleiben
Denn ganz egal, was auch geschieht
wir werden immer bei dir sein“

entgegen schallte, es fühlte sich wieder so intensiv und gelebt wie lange nicht mehr an. Braun-weiße Herzen drehten über Köpfen wie im Comic.

Nach Diskussionen um Pfiffe auf den Rängen und Leidenschaftslosigkeit auf dem Platz entschied sich der Mikroskosmos FC St. Pauli wieder für das, was ihn so unvergleichlich macht: Die pralle Emotion des Stadionerlebnisses. Die alles darüber hinaus gehende, was an Inhalten in ihm schwirrt, gleich mit zu transportieren vermag.

Es macht jetzt gar keinen Sinn, den Spielverlauf zu beschreiben, den Fürther Spielern zu attestieren, dass sie trotz ausgeprägtem Hang zur Unsportlichkeit richtig guten Fussball spielen können, ihre Fans sind ja in der Lage, Unfairness zu kompensieren und auf dem Heimweg noch Begeisterung für die Stimmung im Stadion zu zeigen und Lob zu zollen – die ganzen strahlenden Gesichter nach dem Spiel, die gefühlsseligen, völlig zu recht so stolzen und angefixten Statements von Spielern und Trainer, das Verstummen der sonst Grantelnden neben mir auf der Haupttribüne, auf einmal lächelten sie, ja, Hippieseligkeit, schön!

Danke an die Mannschaft für diese, na, Wiedergeburt ist vielleicht zu viel gesagt, aber für dieses Annehmen und Genießen dessen, was auf St. Pauli möglich ist. Mit Wucht und Wums. So sexy.

War schon eines der schönsten Unentschieden aller Zeiten. Ich schwelge noch.
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2 Antworten zu “Fast ein Schlagertext :D : FC St. Pauli – Greuther Fürth 2:2

  1. Pingback: Rauschzustand. #FCSP gewinnt überragend. Nicht gegen Fürth, aber gegen die vorherigen Spiele | KleinerTods FC St. Pauli Blog

  2. Pingback: FCSP 2-2 Fürth; 28.03.2014 We just can‘t get enough! « Sankt Pauli Province Fanatics

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