Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Momo on the radio, die dritte

Uff. Ächz. Diesmal bin ich echt ins Schwitzen gekommen. Vermutlich, weil das Thema viel aktueller, relevanter ist und tiefer sitzt, als mir selbst es klar war zuvor.

Weil ich immer wieder vor mich hin quatschend merkte, wie ich mich verrannte (oder auch nicht?), dann mich selbst korrigierend kommentierte, anfing, Passagen gar nicht so einfacher, englischer Originaltexte lieber noch mal genauer zu übersetzen – um dann fest zu stellen, dass ich sie eigentlich ganz richtig verstanden und auch ganz gut zusammen gefasst hatte. Trotzdem musste ich die ganze Zeit auch vieles voraussetzen – Beat-Generation, Hippie-Bewegung -, und anderes kann man nicht mal eben so zwischen zwei Jazz-Stücken erläutern, den Existentialismus zum Beispiel.

Kurioserweise merkte ich dennoch, oder aber glaubte es zu merken, dass gerade diese Inswankenkommen dessen, der sich so oft in der oft in der Rolle des souveränen Weltendeuters gefällt, exakt Thema der Sendung ist. Und im Grunde genommen ein guter Effekt ist. Mehr wanken!

Konkret geht es um die „Vergessene Vorgeschichte des Hipsters“, ausgehend von einem hochumstrittenen Essays von Norman Mailer von 1959, „The White N…“. In dieser Zeit tauchte der Begriff des Hipsters zunehmend in Feuilletons und Traktaten auf. Gemeint waren damals jene weißen Jazz-Fans, die den Habitus urbaner Schwarzer kopierten. Oder aber die Jazzer idolisierten, wie Jack Kerouac – dieses freilich auf eine Art, die ziemlich ungebrochen Rassismen reproduzierte, während es sie zu reflektieren vorgab.

Dann vertiefte ich mich und fragte mich natürlich zunehmend, warum ich nun ausgerechnet den dieses Phämonen aus einer sehr eigentümlichen Perspektive auch kritisch betrachtenden, hochproblematischen Mailer ausbuddele, anstatt lieber gleich du Bois oder James Baldwin oder Autorinnen der Harlem Renaissance zu referieren.

Ich bin dann doch dran geblieben, weil ich mittlerweile kaum etwas für dringender geboten halte als eine kritische Selbstreflektion weißer „Gegenkulturen“. Dann entsteht freilich schnell das Übliche, dass Weiße wieder nur über sich selbst reden. Daraufhin bemühte ich mich, die Musik, zumeist aus dem Kontext des Jazz, dagegen zu montieren und zunehmend die (angelesenen) Erfahrungen von PoC gegen die teils hanebüchenen Deutungs- und Aneignungsformen der Black Cultures durch weiße „Gegenkulturen“ ins Feld zu führen.

Ich habe keine Ahnung, ob das gelungen ist. Ich habe so was wie „Critical Whiteness“ auf diesem Feld einfach mal versucht. Und die frühen Hipster, die Beat-Generation und “ Nonkonformisten“ der 50er und ihre Hippie-Erben haben da einfach eine Folie geschaffen, eine Blaupause, die auch scharf kritisiert gehört, weil sie immer noch wirkt.

Falls ich gescheitert bin, war es den Versuch vermutlich nicht wert und ich freue mich trotzdem über Kritik, damit ich daraus lernen kann. Falls wem daran gelegen sein sollte 😉 …

EDITH: Läuft von 14 -16 h – siehe hier.

PS: Was ich aufgrund der Größe des Sujets völlig außen vorgelassen habe ist die schwule Erfahrung Burroughs und Ginsbergs, auch Vertreter der Beat-Generation, und in letzterem Fall auch dessen Bezüge zur jüdischen Tradition. Das wäre zu kompliziert gewesen.

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